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Full text of "Der festländische Bueve de Hantone Fassung II"

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GESELLSCHAFT FÜR ROMANISCHE LITERATUR 

BAND 41. 




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BAND II: EINLEITUNG, ANMEßKUN*■ KN, GLOSSAR 

UND NAiLENVERZEICHNIS 


DRESDEN 10 IS 

GEDRUCKT FÜR DIE GESELLSCHAFT FÜR ROMAKISCEE LITERATUR 



VERTRETER FÜR DES BUCHHANDEL: 
MAX K1DIEYER, HALLE a. S. 


























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GESELLSCHAFT FÜR ROMANISCHE LITERATUR 


SECHZEHNTER JAHRGANG 19 17 

EINZIGER BAND 


DER GANZEN REIHE BAND 41 


DER 



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GESELLSCHAFT FÜR ROMANISCHE LITERATUR 

BAND 41. 


DER 


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FASSUNG II 


NACH ALLEN HANDSCHRIFTEN MIT EINLEITUNG, 
ANMERKUNGEN UND GLOSSAR 


ZUM ERSTEN MALE HERAUS GEGEBEN 


VON 


A LBE RT STIMM ING 


BAND II: EINLEITUNG, ANMERKUNGEN, GLOSSAR 

UND NAMENVERZEICHNIS 


DRESDEN 1918 

GEDRUCKT FÜR DIE GESELLSCHAFT FÜR ROMANISCHE LITERATUR 

VERTRETER FÜR DEN' BUCHHANDEL: 

3MX NIF METER. HALLE a. S. 


IV M 


















92 . 

Bibliuth^que Nationale 

Paris. 


J 








Vorrede. 


Bei der Fertigstellung des vorliegenden Bandes hat mir 
ein früherer Zuhörer, der Oberlehrer Hesse in l'emplin, durch 
Übernahme des Glossars willkommene Hülfe geleistet, wofür ich 
ihm auch an dieser Stelle meinen herzlichsten Hank ausspreche. 
Ich habe allerdings das Manuskript geprüft, so daß ich für 
etwaige Mängel desselben mit verantwortlich bin. 

Der Druck ist, wie so unendlich vieles andere, auch durch 
den Krieg nachteilig beeinflußt worden. Nachdem die Frage, 
ob er sich überhaupt werde ermöglichen lassen, im bejahenden 
Sinne entschieden worden war, begann die Ausführung im 
Dezember 1916, und der Druck schritt verhältnismäßig schnell 
vorwärts, bis er im September 1917 unterbrochen werden 
mußte, weil die bei den Veröffentlichungen unserer Gesellschaft 
verwandte Papiersorte ausgegangen war und das Kriegswirt¬ 
schaftsamt sich zunächst weigerte, die zur Fertigstellung des 
Bandes nötige Menge von derselben zu bewilligen. Erst nach 
längeren Verhandlungen erklärte es sich in dankenswerterweise 
bereit, die dahingehende Bitte unseres Direktors zu erfüllen, so 
daß im Mai dieses Jahres der Druck wieder aufgenommen und 
ohne wesentliche Untorbrechung zu Ende geführt werden konnte. 

Es fehlt nunmehr an der Vollendung des ganzen Werkes 
noch der letzte Band (IIIb), welcher die Einleitung nebst den 
Anmerkungen, dem Glossar und dem Namenverzeichnis der 
dritten festländischen Fassung des Uueve de Hantone sowie die 
ganze Geschichte der Sage enthalten, auch am Schlüsse Ver¬ 
besserungen und Nachträge zu früheren Bänden bringen wird. 
Das Manuskript liegt fertig abgeschlossen vor, und der Druck 
wird alsbald nach Beendigung des Krieges, sobald die Verhält¬ 
nisse dies gestatten, beginnen. 

Göttingen, im Juli 19IS. 


Albert Stimm Ing, 




































EINLEIT l'NG 










































V *** I 

\ i '' i I. Die Handschriften. 

V , «- • / 

Die Fassung II des festländischen Buove de Hautone ist 
vollständig in zwei Handschriften von ungleichem Werte er¬ 
halten. Die eine, sehr schöne, aus Pergament liegt auf der 
Pariser Nationalbibliothek, fonds franyais 1.2548 (P). 1 Sie ist 
in rotes Maroquinleder gebunden, ist 28,8 cm hoch, 22,2 cm 
breit und besteht aus 212 Blättern, vou denen jede Seite zwei 
Kolonnen zu 35 Zeilen hat. Die ersten 78 Blätter werden durch 
den Roman „Auseys de Cartage t; ausgefüllt, während unser 
Epos mit Blatt 79 anliebt und auf Blatt 21 la endet Jedes 
der beiden Gedichte hat am Anfang eine Miniatur auf Gold¬ 
grund, welche bei dem „ Anseys“ die Breite der ganzen Blatt- 
seite, bei dem „Bueve“ die einer Kolonne eiunimmt. Gleich 
unter den Bildern beginnt der Text, bei beiden Gedichten mit 
einer sehr großen Initiale (S, bzw. P), die ein reiches Muster 
in Rot, Blau und Gold aufweist Auch jede Laisse beginnt 
mit einein Goldbuchstaben auf rotem Grunde, dessen Inneres 
ein (in jedem Falle verschiedenes) weißes Muster auf blauem 
Grunde zeigt. Dio Schrift ist sehr sorgfältig und deutlich; Ab¬ 
breviaturen sind in geringem Maße verwandt, und Schreibfehler 
sind wenige vorhanden. Die Buchstaben sind so groß, daß 
hin und wieder eiu Vers hat auf zwei Zeilen verteilt werden 
müssen. Die ganze Handschrift ist von dem gleichen Schreiber 
niedergeschrieben, der sich auch am Schlüsse jedes der beiden 
Werke nennt. Auf Blatt 78b heißt es: 

Par Pioiot fu icäs roumans escris 
Pu Ries, qui est et sera hons ehuitis; 

auf Blatt 211a (in der Ausgabe v. 19118 — 19): 

Icesf romant, sigaeur, quo vos Vmez 
Eserisf Pieros, qui est nommes du Ries. 

1) Über frühere Erwähnungen dieser Handschrift s. Boje* Über den 
altfratiz. Roman von Benve de Ham tone, Halle 1909, S. 3 Anm. L 

1 * 















1 


I. J'ie Haii'ischviftcn. 


Dieser Pierre du Kids ist mehrfach irrtümlich für den Ver¬ 
fasser dieser von ihm abgeschricbeucn Dichtungen gehalten 
worden (s. Ansüis von Karthago, hsg, von Johann Alton, 
Tübingen 1892, 8. *121— 28: L. Gautier, Les 6pop6es framjaises 
lll 2 , 637), Kür diese Vermutung könnten vielleicht, folgende 
Worte unseres Gedichts eine Stütze liefern: 


j’im (sc. von der Dichtung) dirai... 
La Jroito estore sans point <ie demouree 


Sl comme fu cu romaas translatee 

Kt par un clerc nos tu renouvelee (v. 12—15), 

wenn man berechtigt wäre, in jenem „clerc“ unser» Pierre zu 
sehen. Dafür fehlt aber jede Begründung, und außerdem üuden 


sich jene Worte nur in P und W, sie fehlen aber in C und T. 
Dagegen stammt von Pierre du Kids der Schluß eines alt- 
französischen Itomans über Judas Makkabaus, den sein Ver¬ 
fasser Gautier von Belleperche nicht zu S lnde geführt hat. 1 Aul 
Blatt 2t8b der Pariser Handschrift B.N. 789 heißt es nämlich: 


Et se Gautiers Je commencba, 

Fieros du Eien des lor en eha 
Reinigt au par faire sou ns. 

Auch die Zeit seiner dichten scheu Tätigkeit gibt uns 
Verse weiter derselbe Pierre an mit den Worten: 


einige 


Mil et cu. et quatro vins t 
De cc nie fai ge drois devins, 

Fu lors partroYOS cis romaas, 

Tesmoins les eskeYins donnans. 

Hiernach liegt cs nahe, anzunehmen, dali Pierre auch unsere 
Handschrift um das Jahr 1280 niedergeschrieben hat Zu diesem 
Ergebnis kommt auch aut Grund der sprachlichen Merkmale 
derselben Meiners, Die Handschriften l\ ß 3 W der Passung 11 
des festländischen Buevc do Hantone, Diss. Güttingen 101h 
S, 235—39* Der Pariser Katalog 2 gibt allgemein das 13. Jahr¬ 
hundert als Datum der Niederschrift an: nach dem Urteil des 


1) s. Jean Bonnard, Les traductions des la bible cu yers fran^ais au 
moyeii'&ge, Paris 1884, S« 174—7G^ und H. Everlion, Über Judas MacUabee 
von Gautier de Belleperche, Diss, Hallo 1897, S. 40—47* 

2) Ömont et Coudeic, BIbHotiieqiie Nationale* Catalogae general des 
manuscrits frau^ais, Paris 1896, 8. 555. 












L Die Hand sehr! ff en. 


D 


ehemaligen Göttinger Bibli othek d i re ktors Dziatzko ist die Hand¬ 
schrift gegen 1300 angefertigt worden. Hinter dem Schluß 
steht der Vermerk: Explicit H romans de bueuon de kanstounc. 

Die andere Handschrift (W) liegt auf der Hofbibiiothek 
zu Wien 1 , trägt die Hummer 3429 und ist im Jahre 1738 aus 
den Bücherschätzen des Prinzen Engen von Savoyen für die 
Kaiserliche Bibliothek angekauft worden . 1 Sie stammt aus der 
zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts und enthält nur unser 
Gedicht. Ihre Höhe betrugt 29,4 cm, ihre Breite 21,4 cm. Säe 
zählt 335 Blätter, deren letztes nur auf der Vorderseite be¬ 
schrieben ist. Von diesen Blattern sind 1 und 12 aus Perga¬ 
ment. die übrigen aus Papier, Blatt 15 und 17 sind beim Ein¬ 
binden miteinander vertauscht worden. Jedes Blatt hat nur 
eine Spalte zu 29 Zeilen, doch ist die Zahl der Verse manch¬ 
mal etwas geringer, da hin und wieder ein Vers zwei Zeilen 
in Anspruch nimmt. Weiteres s. Boje, a, a. 0. S. 3 — 5. 

Zu diesen beiden Handschriften kommt noch eine dritte, 
welche in der Vatikanischen Bibliothek zu Rom unter den aus 
dem Besitze der Königin Christine von Schweden erworbenen 
Schätzen als Cod. Christ, (oder reg.) Kr. 1632 aufbewahrt wird 
und die in der Ausgabe mit R bezeichnet ist. Über diese bat 
Adalbert Keller in seinem Sammelwerk „Romvart“ (Mannheim 
1844, S. 403—4) kurz berichtet 3 und aus ähr (S. 104—11) die 
ersten 237, zum Teil schwer oder nur stellenweise lesbaren 
Verse, allerdings mit zahlreichen Versehen, abgedruckt. Weitere 
Mitteilungen über sie bringt E. Langlois in den „Kotices et 
extraits dos manuscrits de la Bibiiothöque Nationale et autres 
bibliothöques ;i B. 33 (Paris 1890) IT, 8. 190 und gibt im Au- 

♦ im" o r ■ I I I -U.T J- 

1) Tatralae oodicum manu scriptoruin praeter graecoa et orientales in 
hibliütheca viudobone&Bi asservatonun, edid&t academia caesarea viodobo- 
consis* Yindoborme 1868, S. 288—89* 

2) Nach Andrien Bai bi (Essai statistiquo Sur les bibliotbeques de 
Vienne, Vienne 1835, S. 9) wurde die Bibliothek des Prinzen Eugen gegen 
eine Leibrente von 10000 Gulden jährlich an dessen Erbin im Jahre 173$ 
von dieser erworben. Sie umfaßte 15000 gedruckte Bände, 237 Hand¬ 
schriften, 200 Bande Stiche 

3) In betreff früherer Erwähnungen der Handschrift s. Boje, a, a. o. 

8, ä Anm. 2, 















6 


I. Pie Handschriften. 


Schluß daran auch die ersten 12 sowie die letzten 29 Verse 
wieder. 

Es ist eine Pergamenthandschrift, welche nach Langlois 
aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts stammt. Auch 
Heiners erklärt (a. a. 0. S. 242) auf Grund sprachlicher Merk¬ 
male: „Wir dürfen... wohl das erste, oder besser das zweite 
Jahrzehnt des 14. Jahrhunderts als Entstehungszeit derselben 
ansehen.“ Das Manuskript hat eine Höhe von 25,7 cm, eine 
Breite von 16,7 cm, ist in rotes Leder eingebunden und trägt 
das Wappen Leos XIII. Der Anfang, d. h. die Blätter der 
ersten Lage sind verloren gegangen, so daß der Text mitten 
in der Erzählung, und zwar mit der dem Vers .148-. der Aus¬ 
gabe entsprechenden Zeile beginnt. Erhalten sind 113 nume¬ 
rierte Blätter, von denen beim Binden versehentlich Blatt 20 
und 21 mit Blatt 92 und 93 ihre Plätze vertauscht haben. 
Jede Seite eines Blattes hat zwei Spalten, jede Spalte 41 Verse. 
Die Schrift ist wenig sorgfältig und ist an mehreren Stellen 
verwischt oder durch Flecke unleserlich gemacht. Am Anfang 
steht von neuerer Hand der Name Bourdelot, der, wie bereits 
Keller vermutet, wohl den bzw. einen der früheren Besitzer 
bezeichnet Der Kopist hatte unter den Schluß seiner Abschrift 
die Worte gesetzt: Ci fömst Je romanx de Euere de Hanstone; 
da er aber zwischen ihnen und dem letzten Verse seiner Ab¬ 
schrift einen leeren Raum gelassen hatte, so schrieb eine spä¬ 
tere Hand unmittelbar unter jenen Vers noch einmal: Ci fernst 
te rommix de bueve da hantone, worauf zwischen diese beiden 
Schlüsse eine noch spätere Hand (im 15. Jahrhundert) einschob: 
fjue fut fait le 3? jour de mors mH trois eens et quatre. Diese 
Notiz ist, wie Langlois bemerkt, vermutlich aus einer andern 
Handschrift entlehnt worden und gab dort die Zeit vou deren 
Niederschrift an, während der Entlehner säe auf die Abfassung 
des Gedichts bezog. 

Der Anfang unseres Gedichts (bis v. 1358 der Ausgabe) 
befindet bzw. befand sich auch in zwei weiteren Handschriften, 
nämlich in Nr. 401 der städtischen Bibliothek zu Carpentras (C) 
und in der leider 1904 verbrannten Handschrift L. II 14 der 
Tnriner Universitätsbibliothek (T), von denen die letztere auch 










iT. Bus Verhältnis der Handschriften zueinander. 


i 

den Schluß des Romans (von v. 13222 der Ausgabe au) ent¬ 
hält. Da aber die dritte Fassung im wesentlichen in diesen 
beiden Handschriften aufbewahrt ist, so werde ich die Be¬ 
schreibung der letzteren in der Einleitung zu jener Fassung 
bringen. 

II. Das Verhältnis der Handschriften zueinander . 1 

Da, wie wir soeben erfahren haben, nur P und W das 
ganze Gedicht, alle anderen Handschriften dagegen nur einzelne, 
und zwar zum Teil verschiedene Abschnitte desselben bringen, 
so muß die Untersuchung von deren Abhängigkeitsverhältnis 
nach Abschnitten vorgenommen werden. Es kommen dabei 
folgende in Betracht: 

1. Die Verse 1—1358, die sich außer in PW auch in CT finden; 

2. „ „ 1359—1483, die nur von PW überliefert werden; 

3. „ „ 1484 —13221, die in PKW stehen; 

4. „ „ 13222 —19127, in denen zu letzteren drei Hand¬ 

schriften noch T hinzukommt. 

Das Verhältnis der vier Handschriften CPTV im ersten 
Abschnitt wird durch folgenden Stammbaum verdeutlicht: 


y z 

T ' C P W 

Das ergibt sich daraus, daß einerseits PW, andrerseits CT 
gemeinsame Eigentümlichkeiten uncl Merkmale aufweisen, unter 
denen die gemeinsamen Fehler natürlich besondere Beweiskraft 
besitzen. Zu ersteren unterscheidenden Merkmalen gehören z. ß. 
in den ersten 100 Versen die folgenden, wobei ich nach Fas¬ 
sung II zitiere: v. 1 — 20 (Baisse 1) finden sich nur in PW; 
statt v. 21—23 findet sich in PW nur ein Vers; v. 33 raconte. 
PW, tesmoigne CT; v. 37 normale P {searmonte W), fiasonuc 
CT; v, 47—52 finden sich nur in PW; v. 5fi le noblepoigneor P 

1) Siehe darüber die Arbeit von Haas Kühl, Bas gegenseitige er- 
hältnis der Handschriften der Fassung ' 1 des festländischen Buevc de 
Kantone, Biss. Göttingen 1915. die aber die Frage nicht erschöpfend be¬ 
handelt. 



















8 


¥ 


II. Das Verhältnis der Handschriften aneinander. 


(fehlt in W), a la fiere vigour CT; v. 72 fürs PW, legiers CT; 
v. 77 dont puis ot encombrier PW, n’ot plus bele sous cid CT; 
v. 80 corage PW, viaire CT; hinter v. 84 in CT ein gleich¬ 
lautender Plusvere, während die Zeilen S5—93 von PU dort 
fehlen. 


Gemeinsame Fehler oder wenigstens bemerkenswerte Ab¬ 


weichungen in CT sind z, B. S’oies chamon dou lens ancie/tor 
v. 45 statt Bonne canahou orrts ct de valotir; ait auques pris 
son tour v, 51 statt repairece a son tour; Que il v. 76 statt 
A dont; Buevon Veufant v. 80 statt Buer es ol non; B'a mais 
que faire v. 101 statt Si ne pmt mie; v. 102 fehlt; hinter 
v. 103 Tier gemeinsame PJusverse; Quanque eile (il C) u v. 104 
statt Toni son aroir; Que il !/ doimt h v. 106 statt Que son 
mari doimt; assis v. 108 statt souvent; v. 112—13 fehlen; 
v. 114—115 sind in einen Vers zusammen gezogen; Kl si v. 116 
statt Sauren f; le fil sainte Marie v. 119 statt qui vint de 
mort a eie; que il timt v. 124 statt k’il tewnt usw. 


ln ähnlicher Weise zeigen PW gemeinsame Fehler oder 


Abweichungen, so in: rois v. 24 statt dus\ hinter v. 26 ein 
Plusvere; v. 45 und 46 sind in einen Vers zusammengezogen 
und dahinter sechs Plusverse eingefügt; hinter v. 84 und hinter 
v. S9 vier (drei) Plusverse; ebenso zwei hinter v, 111; Vit 


v. 143 statt 1 ait; Le rousseiynol qui cante a vois Serie v. t 14 
statt Le bos- foülti, u li lorseignols crie; sainte virge (dann' 
saincte W) Marie v. 149 statt qui tout as en baillie; Com je 
sui ore dolerouse ct mendie v. 150 statt Peres poissans, com 


rn'aves enhüic usw. 


Wenn es nach den obigen Darlegungen nicht zweifelhaft 
ist, daß einerseits T und C, andrerseits P und W zusamnien- 
gehörea, so ergibt sodann ein Blick auf die Varianten, daß 
weder C eine Abschrift von T, noch T eine solche von C ist, 
sondern daß beide aus derselben, uns nicht erhaltenen Vorlage 
stammen, und dasselbe gilt von P und W. 

Da mm der zweite Abschnitt (v. 1359 —1483) nur in P 
und W vorliegt, so ist über diesen in bezug auf die in Rede 
stehende Frage nichts weiter zu bemerken. 





















II. Das Verhältnis der Handschriften zueinander. 


9 


Im dritten Abschnitt (v. 1484—13221) gibt der Stamm¬ 
baum 


z 



s 



ein Bild des gegenseitigen Verhältnisses. Dies ergibt sich aus 
folgenden Gründen: 

1. R und W haben gemeinsame von r abweichende Les- 
arteu; so v. 1486 blanc, P \granl; x. 1492 glorios roi, P: biaus 
dols per es; v. 1494 present, P: mengier; v. 1503 branc esmoht, 
P: hon branc moht; x. 1505 le roi -fites tt, F: qui mahlt Ja 
sns; v. 1510 que ä me care sns , P: k'a mort soie ferus: 
v. 1515 Euere ro fiux est parcreüz, P: Je voi vo fil et pur¬ 
eren; v. 1516 eine, P: set; v. 1518 tost; P: ü; v. 1523 non 
sachant, P: mescreant; v. 1527 fause und plaine est de. P: 
damc und duel ot et; v, 1531 car U, P: forment; v. 1532 
se ü s’an vet a wiUance; P: il s'en ira a Valence; v. 1546 
louent , que plus n’i atendirent, P: truevent , tont maintenant 
le prisent; v. 1551 noncier, P: conter; v. 1558 Säte, P: biaus 
dols; v. 15C3 que plus riatargent mie (n’y atendirent W), 
P: gouvernent lor navie usw. 

2. Während aber diese Belege nur eine Wahrscheinlich¬ 
keit, nicht aber eine Sicherheit ergeben, da in ihnen beide Les¬ 
arten einen befriedigenden Sinn haben, daher P ebenso gut 
wie s von der gemeinsamen Vorlago abgewichen sein kann, 
sind viel beweisender diejenigen Fälle, wo R und W gemein¬ 
same Fehler aufweisen, die also aus der gemeinsamen Vorlage 
stammen müssen, während P das Richtige bringt. Dahin ge¬ 
hören folgende: v. 1488 veu P. receu RW, was eine Silbe zu¬ 
viel ergibt, aber durch das vorangehende Va gete veranlaßt ist; 
v. 1493 m'anvoia celui (ce Heu W) RW, me donna cest Ins P: 
letzteres ist das Richtige, da die Eltorn nach v. 14S3 ihren 
Sohn in der Tat mit einem Hecht (&/s) haben vergiften wollen; 
v. 1502 se drece ancontre lui RW, contre lui lieve sus P, 
ersteres paßt allein in die Assonanz; v. 1504 nies ü ne vout RW, 
baisier io vaut P, jenes paßt nicht, in den Zusammenhang; 


















10 


II. Das Verhältnis der Handschriften zueinander. 


v. 1519 gibt ceanx, io RW statt li plus in F keinen Sinn; 
dasselbe gilt in v. 1550 von uns mes (RW) gegenüber von 
aiieuns (P); v. 1568 statt io me (P): pesc in R, pos4 in W, 
beides ist unmöglich; v. 1572 les marcheanx RW, maronni&s P, 
auf dem Heere passen nur Seeleute, nicht Kaufleute, ganz ab¬ 
gesehen davon, daß die Lesart von RW eine Silbe zuviel er¬ 
gibt; v. 1617 ros dilcs verite R W, si com ros commandds P, 
jene Wendung ist bereits kurz vorher, in v. 1614 verwandt; 
1644 un droit pori RW, an des pors P, die Bezeichnung droit 
ist hier durchaus nicht passend; v, 1674 /irrnt und sonl RW, 
rit und a P; nach dem Zusammenhang ist der Singular (auf 
den König bezogen) zutreffend; v. 1702 est m Anglet er re nies 
RW, est a Londrcs /« eite P, jenes gibt keinen Sinn, da 
Hantone ja in England liegt; v. 1749 rinnt, wie Ft und W 
gegenüber von esrant (P) lesen, paßt hier nicht; v. 1836 arestr 
RW, atargics F, letzteres allein ist in der Ie-Assonanz 
möglich; dasselbe gilt von v. 1838 fcles per, si m’öer RW, 
d/'ns vous gart d'encombricr P: v. 1863 RW nennen das Haar 
des Jünglings Bueve Dam , P offenbar richtig blont; v, 1956 
sont revelce RW, s'est rcvelce, ersteres enthält einen gramma¬ 
tischen Fehler; v. 2015 t'avra demene RW gibt keinen Sinn, 
wohl aber s'ara d. F; statt v, 2027—29 in RW nur: B. les rit 
st les a ariscx, die Stelle ist hier also verstümmelt: v. 2038, 
der für den Zusammenhang nötig ist, fehlt in RW; in v. 2069 
steht vor escuz und in v. 2070 vor esjnex in RW hur, in F 
les; letzteres ist zutreffend, da Gonselin und Fourre gar keine 
Schilde und Speere hatten, vielmehr die der getöteten Feinde 
nahmen; v, 2097 ist ert, das in RW fehlt, für den Satz er¬ 
forderlich; v. 2098 Varnil RW ergibt eine Silbe zu wenig, 
F richtig s> l’a bien; v. 2143 il ot juree feauM RW ist un¬ 
möglich, da erst im folgenden Satz mit que der Inhalt des 
Schwures angegeben wird, also ist T mit il ot jure et crcante 
vorzuziehen; v. 2180 Ir, princier RW, la gnerrier P. ersteres 
paßt nicht auf Bueve; v. 2181 findet sich nicht in RW, Bueve 
muß aber die Waffen ablegen, ehe er sich zu Tisch setzt; v. 2217 
pales RW, päis P; letzteres entspricht dem Zusammenhang, 
da Josiane als Erbin ihm natürlich ihr Land anbietet: v, 2219 



















II. Da* Verhältnis der Handschriften zueinander. 


11 


Kt si hi eil vnainc KW, U tu me -i nahm es P: nur letzteres 
ist zutreffend, da Josiane dem Bueve die Wahl läßt, zu bleiben 
oder sie mitzunehmen; v. 2220 plus sui desi raute RW enthält 
eine sehr junge Analogiebildung, T: j'ni graut ilesirance ver¬ 
dient daher den Vorzug; v. 22dl man demaine RW paßt nicht 
in den weiblichen A-Reim, T richtig ma tenance; v. 2253 
dormir RW, renir T; jenes paßt nicht, da Josiane den Bueve 
heiraten will; v. 2287 me font RW, nionl fait ; das Präsens ist 
nicht am Platze, da es sich um vergangene Taten handelt; 
v. 2327 li serriees RW, eis deduis ; letzteres allein ist annehmbar, 
da von keinerlei Dienst die Rede ist; v. 2345 nos RW, li P; 
da Bueve verjagt werden soll, so ist nur li zutreffend: v. 2561, 
welcher für den Zusammenhang nicht entbehrt werden kann, 
fehlt in RW; v. 2625 gite RW, lantiö P, nur letzteres ist in 
der Ie-Assonanz möglich: v. 2673 an mois RW, deus jors P; 
ersteres ist zu verwerfen, da es sehr unwahrscheinlich ist, daß 
Josiane während eines Monats die Abwesenheit Buevcs nicht 
langst hätte bemerken sollen; v. 2790 par Vapostre que re - 
querent U uisf RW paßt nicht in die U-Baisse, der Text ist 
außerdem verderbt, T: par cd dien c'on apele Jhesu; v, 2940 
fiome RW, /teste P; letzteres allein ist richtig, da es sich um das 
Pferd Alosö handelt; v. 2942 ierre RW, mons T; da nicht terrc, 
wohl aber mons einen Gegensatz zu pres bildet, so verdient 
letzteres den Vorzug; v. 2945 asaicr und v. 3201 maugier UW 
ia einer E-Assonanz sind nicht möglich, T: esprover und dimer; 
bien frais Heues RW als erster Verstcil in v. 2961 ist um eiue 


Silbe zu kurz, die T in Form von que davor auf weist; v. 3167 uns 
toise RW, ttne arckie T; so weit nämlich hat das reißende Wasser 
den Bueve abwärts getrieben, ersteres wäre wenig; in v. 3191 
erklärt der hungrige Bueve nach KW, er werde für ein Brot 
ich blaue hauberc geben, in T richtig man h. h., da er nur 
den einen Panzer hat; v. 3247 piex BW paßt nicht zu quan'es, 
T offenbar richtig puins; v. 3483 tot son essoim RW, toux ses 
pechies P: wegen v. 3485 (La penitancc a pris de ses peckies f 
ist letzteres vorzuziehen; v. 3494 rivoier „am Ufer jagen“ RW 
paßt nicht, da es sich um eine Seereise handelt, daher ist mit 
T rimoier zu lesen; ebenso verdient in v. 8521 (*esf Bmnefoi, 



















12 


II, Das Verhältnis der Hand Schriften zueinander. 


qui eie aimme et tient chier T, der le-Assonanz wegen vor 
(Tkrt B. ou moult sepout fier RW den Vorzug, desgleichen in 
v. 3816 per P vor der RW; v. 3538 — 39 stehen in RW irr¬ 
tümlich vor v. 3537; ebenso sind dort die Verse 3793 und 
3794 umgestellt; in v. 3865 gibt mie/tz vom connois in UW 
keinen Sinn, wohl aber je ros ahn plus in T: in v. 4038 
comme U hom RW, von esl ans h. T: ein Vcrgloichungssatz 
ist nicht am Platze: v. 4096 Josiane nennt den Ayopart in RW 
(kable, sathanus, in T bi am dom fron Achopart; letzteres ist 
offenbar das richtige, da sie ihn ja für sich gewinnen will; erst 
später (v. 4113), als sie über seine Weigerung ärgerlich ist, 
gebraucht sie einen derartigen Ausdruck. Solche gemeinsamen 
Fehler von RW finden sich gleichmäßig auch in dem übrigen 
Teile des Gedichts. 

3. Ein weiterer Beweis für eine gemeinsame Quelle von 
R und W liegt in dem Umstande, daß beide gemeinsame Ein¬ 
schübe aufwoison, bestehend aus einzelnen Versen oder (truppen 
von solchen, die sich in P nicht finden und die für den Fort¬ 
schritt der Erzählung ohne Bedeutung sind, die sieh daher 
aus diesem oder einem andern Grunde als die Zutat eines Ke- 
daktors oder Kopisten erweisen, da derartige Übereinstimmungen, 
besonders in größerer Zahl, unmöglich auf einem Zufalle be¬ 
ruhen können. Wo steht in RW hinter v. 1492: 

De ccste chouse aorez soies tu, 

Qui ee m'a fet ne me tient mie a dru. 

Diese Worte sind eine bloße Erweiterung dessen, was vorher¬ 
geht und folgt, also späterer Zusatz. Ähnlich wird in jenen 
beiden Handschriften hinter v. 1518 eiugeschoben: Bien sai de 
mir que ne m’aime noieni, von dem auch das oben Gesagte 
gilt. Ich beschränke mich nun darauf, hier die derartigen Inter¬ 
polationen einfach aufzuzählen, der Wortlaut derselben ist in 
den Anmerkungen oder, wenn es sich um nur einen Vers 
handelt, unter dem Texte an den betreffenden Stellen mit¬ 
geteilt. 

So finden sich derartige Einfügungen hinter folgenden 
Versen, wobei die Zahl der oingeschobenen Zeilen in Klammem 
dahintergesetzt ist: v. 1535 (1), 1549 (1). 1616 (2), 1723 (1), 












IL Das Verhältnis 

der Handschriften 

zueinander. 


13 

1749 

(1), 

1832 

(1), 

1857 

(G), 

1899 

(3), 

1906 

Oh 

1965 

(1), 

2021 

(1), 

2072 

(2), 

2121 

Oh 

2123 

0), 

2129 

(2), 

2281 

(1), 

2299 

(1), 

2305 

(1), 

2399 

Oh 

2421 

(1), 

2424 

(2), 

2429 

(2), 

2133 

(3), 

2435 

(1), 

2437 

Oh 

2439 

ü), 

2444 

(1), 

2446 

(1), 

2461 

(3), 

2469 

(2), 

2572 

(2), 

2592 

(1), 

2608 

(2), 

263H 

(1), 

2647 

(1), 

2844 

(1), 

2863 

(4), 

2864 

(2), 

2883 

Oh 

2909 

(o), 

2953 

(2), 

2968 

(4), 

2975 

(2), 

2985 

(1), 

3001 

0), 

3061 

(2), 

3077 

(2), 

3082 

(1), 

3087 

Oh 

3105 

(1, i 

n W noch ! 

2 weitere), 

3109 

(1), 

3113 

(1), 

3122 

0h 

3186 

Oh 

3196 

(3), 

3202 

Oh 

8204 

(2), 

3207 

(1). 

3214 

Oh 

3226 

0h 

3229 

(1), 

3231 

(1), 

3234 

(1), 

3237 

Oh 

3247 

0h 

3261 

(3), 

3263 

(2). 

3266 

(1), 

3326 

(1), 

3328 

Oh 

3355 

Oh 

3361 

(1), 

3373 

(2), 

3379 

(2), 

3408 

(1) 5 

3409 

m, 

3434 

Oh 

3435 

(1), 

3444 

(9), 

3449 

(4), 

3451 

(1), 

3455 

(i), 

3460 

Oh 

3499 

Oh 

3510 

Oh 

3525 

(2): 

3533 

ü)> 

3534 

Oh 

3536 

Oh 

3542 

(2), 

3544 

0h 

3546 

O), 

3531 

(1)» 

3556 

Oh 

3559 

(2), 

3563 

(2), 

3605 

Oh 

3608 

(1), 

3615 

(2), 

3616 

(i), 

3621 

(1), 

3628 

0h 

3611 

(1), 

3645 

(1), 

3648 

(H), 

3672 

(i) 

und so durch das ganze Gedicht. Diese 


Übersicht beweist, daß die Zahl der Interpolationen in KW sehr 
groß ist. Besonders bemerkenswert ist, daß in R und W hinter 
v. 10213 eine A^opart-Episode von 164 Versen (in W fehlen 
deren 3) eingeschoben ist, die sonst nirgends verkommt. 

In einigen Fällen besteht die Erweiterung darin, daß an 
Atolle eines oder weniger Verse von F sich in KW deren 
mehrere finden. Die Bezeichnung findet in derselben Weise 
wie oben statt So statt v. 2162 in RW 2 Verso. Ebenso statt 
2256 (2), 2328 (3). 3116—17 (2), 3121 (2), 3215 (2 und dann 
noch 3 Plusverse), 3372 (2). 3373 (2), 3540-41 (3), 3547 (2), 
3612—13 (7), 3619—20 (4), 3625 (2), 3640 (2) usw. 

Sehr viel seltener ist der Fall, daß R und W Verse aus¬ 
gelassen haben, welcho für den Zusammenhang notwendig sind; 
so fehlen dort die Verse 1917, 2053, 3654—56, 3673-77 u.a.; 
oder daß sie die Vorlage kürzten, also für eine Stelle weniger 
Verse als F bringen; z. B. wenn sie statt v. 3642—43 und statt 
v. 3658—59 nur je einen Vers haben. Dies Verhältnis von 
RW zu P gilt nun für das ganze Gedicht, und man erkennt 
daraus, daß s. d.b. die gemeinsame Quelle von R und W, seine 















u 


1L Da* VerhsUtim der Handschriften zueinander. 


Vorlage durch Interpolationen stark erweitert hat, während P 
diese treuer bewahrt hat. 

Nach dem Vorangehenden könnte es nun scheinen, als ob 
R und W völlig miteinander übereinstimmten. Dies ist aber 
nicht der Fall; beide sind zwar aus der gemeinsamen Vorlage s 
hervorgegangen, aber sic weichen doch in nicht wenigen Punkten 
voneinander ab. Kühl (a. a. 0. S. 47—52) hat diese Verschieden¬ 
heiten vollständig aufgezählt, und cs ergibt sich daraus folgendes: 
Mehrfach bringt E einen oder einige Verse, die in W fehlen, 
und fast ebenso oft ist das Umgekehrte der Fall; ebenso hat 
manchmal R einen von W abweichenden Text, und ein Ver¬ 
gleich mit P zeigt, daß in diesem Falle bald K, bald W etwas 
zugesetzt, ausgelassen oder erweitert hat. Im ganzen sind diese 
Unterschiede aber doch nicht sehr erheblich. 

Wenn nun auch, wie ich oben hervorgehoben habe, P den 
beiden anderen Handschriften gegenüber die ältere Gestalt des 
Gedichts im ganzen treuer bewahrt hat, so sind doch auch 
R und W für die Herstellung des kritischen Textes sehr wert¬ 
voll, da P an nicht wenigen Stellen Fehler aufweist, die mit 
Hülle jener beiden Manuskripte verbessert werden können. So 
fehlen in P mehrfach Verse, welche sich in KW finden und 
welche, da sie für den Zusammenhang notwendig sind, in P 
ausgelassen sein müssen. Die Verse 11)40—41 haben z. B. sicher 
der Vorlage angehört, da le in v. 1642 (i l’orent ), das auf das 
vorangehende damoisel hinweist, jetzt in P unverständlich ist. 
Dasselbe gilt von v. 1649, da ohne ihn das in der folgenden 
Zeile Gesagte unklar bleibt. Da ich in den Anmerkungen die 
Einfügung derartiger nur in RW befindlicher Verse stets her- 
vorgehoben und begründet habe, so begnüge ich mich damit, 
hier die betreffenden Verse einfach aufzuzählen; es sind 
v. 1687—88, 1752, 1813, 1865, 1891, 1908, 2735, 3118, 3189, 
3311, 3396, 3550-51, 3776, 3952, 3981, 402S, 4997-98, 
5053—55, 5359, 5485, 558S, 5742, 5997, 6137, 6266, 6309-11, 
6573, 6623, 6753, 6897, 6958, 7010, 7039 (zufällig auch in W), 
7191, 7794, 7991, 8591, 8772, 9044—48, 9223—25 (über¬ 
sprungen wegen des gleichen Reimwortes baron in v. 9222 und 
v. 9225), 9313—17 (übersprungen wegen des gleichen Reim- 











II. Das Verhältnis «iei Handschriften zueinander. 


ID 


Wortes destrier in v. 9312 und 9317). 9463/,9494, 9525—28 
(übersprungen wegen des gleichen Reimwortes abaiant .in 
v. 9524 und 9528), 9617, 9690—91 (Reimwort empiner in 
v. 9689 und 9692), 9703, 9737—39, 10303, 10377—78. 
10785—93 (Reimwort t/rani v. 10 784 und v. 10793), 11140— 
43, 11336, 11365, 11454—57 (Reimwort yarnie v, 11453 und 
v. 11457), 11475, 11711—13, 11766 -70 (Reimwort xejornd), 
12243, 12342, 12737, 12771—72, 12846, 12891, 12893, 
13358. Von v. 13643 an hat, wie wir sehen werden, R der 
Bericht absichtlich stark gekürzt. 

In anderen Fällen ist die Überlieferung in P schlecht, 
während R und W einen guten und einwandfreien Text auf¬ 
weisen, den ich natürlich immer ausgenommen habe. Auch 
hier führe ich einige derartige Verse auf; der Grund für die 
Abweichung von P ist regelmäßig in den Anmerkungen an¬ 
gegeben, falls er nicht auf der Hand lag. Dahin gehören fol¬ 
gende Verse: 1750, 1869, 1974, 2026, 2031,2055, 2215,2464, 
2562, 2621, 2630, 2682, 3241, 3301, 3487, 3737, 3948, 4037, 

4124, 4218, 4347, 4455, 4638, 4700, 4858, 5100, 5169, 5260, 

5289, 5451, 5486 (das Reimwort von v. 5484 ist wiederholt), 
5489, 5490, 5507, 5613, 5691, 6165, 6328, 6373, 6586, 7947, 

8304, 8460, 8807, 8960, 9094, 9179, 9190, 9417, 9481, 9622. 

9641, 9911 usw. Endlich erkennt man auch die durch den 


Kopisten in P eingefügten Plus verso daran, daß sic in RW fehlen. 
Allerdings ist dieses Argument nur dann zwingend, wenn auch 
der Inhalt derselben dafür spricht So finden sich in P solche 
Flickverse hinter v. 3955 (1), 3967 (5), 6651 (J), 8610 (1), 
9390 (2), 9674 (1), 9682 (1), 9716 (1), 10211 (1), 10446 (1). 
11202 (1), 11315 (1), 11771 (1), 12177 (1), 12320(3), 12324 (5), 
12328 (t), 12407 (1), 12420 (8), 12421 (2) und 12449 (6). 
Dies sogar noch nach v. 13643, wo, wie wir gesehen, P stark 
gekürzt hat. So hinter v. 1$891 (1), 14185(1), 14196(1), 
14607 (1), 14639 (2), 14659 (1), 14677 (1), 14 702 (2), 14777(1), 

14830 (1), 14S33 (1), 15054 (1), 15072 (1), 15684 (1), 16764(1), 

17203 (1), 17256 (1), 17319 (!), 17471 (1) und 17705 (1). Ganz 

einzeln hat P zwei Verse gemacht an Stelle von nur einem der Vor¬ 

lage, der sich in RW richtig findet, so statt v. 14551 und 14600/ 






























it? 


II. Das Verhältnis der Handschriften zueinander. 


Endlich verdient noch hervorgehoben zu werden, daß in 
diesem Abschnitte auch die Handschrift C, welche sonst die 
Fassung III wietlergibt, mehrere Zeilen aus der unsrigen ent¬ 
lehnt hat, nämlich bei dem Bericht über die Begegnung A^o- 
parts mit Bueve. Dies sind v. 3872—8:2, 3956—67, 3979—80, 
4054—64, 4073 und 4089—95. Eine Vergleichung des Textes 
von C mit dem von PKW zeigt, daß jene Handschrift keiner 
der letzteren nahesteht, sondern ihnen gegenüber eine Sonder¬ 
stellung einnimmt, daher mehrfach nicht unerheblich von ihnen 
allen abweicht. Eine Handhabe, das gegenseitige Verhältnis 
genauer festzustellen, scheint v. 4064 darzubieten. Nachdem 
Ayopart sich Bueve zu erkennen gegeben hat, richtet er seiner¬ 
seits au diesen eine Frage, und diese lautet in C: Di moi.. 
Quelx genz vous estez; in PKW: Di moi... Qui est o toi? 
Die letztere Lesart ist wohl die weniger gute, da Agonart ja 
nicht wissen kann, ob Bueve überhaupt Begleiter hat oder ob 
er allein Ist. Daher passen die Worte von C: ,,Wer seid Ihr 
denn dort?“ offenbar besser. Wenn hiernach PKW eine ge¬ 
meinsame unrichtige Lesart aufweisen, so würdo sich folgendes 
Abhängigkeitsverhältnis ergeben, das allerdings nicht als sicher 
bewiesen angesehen werden kann: 


7 



P s 

R W. 

In dem vierten Abschnitte (v. 13222 — 19127) tritt zu 
den drei soeben besprochenen Handschriften noch eine vierte, T, 
hinzu. Das Verhältnis dieser vier Texte läßt sich in folgender 
Weise veranschaulichent 

z 



]j> 

P 


Daß zunächst R und W auch in diesem Abschnitte auf 
eine gemeinsame Vorlage (s) zurückgehen, habe ich bereits im 



















II. Das Verhältnis der Handschriften zueinander. 


17 


vorigen bewiesen; ein Blick auf die Lesarten läßt dies auch 
deutlich erkennen. Ihnen steht sodann von den beiden anderen 
Handschriften T am nächsten. Diese Handschrift, die, wie wir 
sehen werden, richtiger als eine eigene Fassung bezeichnet wird, 
ist zwar sehr selbständig verfahren, hat daher zahlreiche Än¬ 
derungen an den von ihr benutzten Quellen vorgenommen, 
aber man kann doch erkennen, daß diejenige Handschrift, 
welche sie für den in Rede stehenden Abschnitt herangezogen 
hat, und die ich t nennen will, mit s, der gemeinsamen Vor¬ 
lage von P und W, aus der gleichen Quelle (r) geschöpft, d, h, 
die gleiche Handschrift benutzt hat Dafür sprechen folgende 
Erscheinungen: 

1. Es lassen sich zahlreiche Stellen aufführen, in welcheu 
T mit K und W gemeinsame Abweichungen von P aufweist, 
die meist als Fehler anzusehen sind, also bereits in r vorhanden 
gewesen sein müssen. Es sind z. B. folgende: Et Josiane statt 
n et SoiÖaus v. 13377; S'il nos aide statt S'il nos oci’ent 
v. 13422; ne pot statt ne pueent v. 13437; respondi a statt 
a respondu v. 13462; es fehlt il v. 13475; gloutons statt mals 
glous v. 13531; Voas n’enpöex statt Gar tu n’eu pues v. 13532; 
csgarde statt regarde v. 13574; Est statt Rest v. 13693; atme 
statt amoii v. 13853; occis statt abatu v. 13905; et statt maint 
v. 13950; se (s’en) voni statt en sont v. 14045; Velme statt 
un hiaume v. 14264; puet statt porra v. 14498; zweimal ot 
statt a v. 14762; maint soitspir a (a un soupir BW) gete statt 
a forment doulousd v. 15149; Se il nel statt S’il ne le v. 15150; 
arme statt monte v. 15318; est (s'est) statt fu v. 15606; en 
est Unirnex, l’enfant statt se vait di als departant v. 16469; 
demain statt matin v. 16 730; de (mault T ) petit statt petitet 
v. 16812; moult fehlt v. 17003; cascuns fu adolcs (efreex EW) 
statt grantjoie en ont mene v. 17019; ales statt torncs v. 17 055; 
demain statt matin v. 17062; tost statt bien v. 17 229; qui 
(que) statt cur v. 17 246; venus statt revenus v. 17463; Se ne 
fuissiis statt «Se tu ne fuisses v. 17 472; et dius par sa vertus 
(qui meint la sus RW) statt et la toie vertus v. 17 474; eil 
statt il v. 17 667; peust (pöist) statt seust v, 17 673; li uns est 
(s’est li uns T) statt et si est v. 17 676; Venteilt statt Ventendi 

Stlmmitty, B&evo de Hanl020. * 






18 


II. Das Verhältnis der Handschriften zueinander. 


v. 17 733; a non statt ot non v. 17995; acneillte statt adrecii: 
v. 18515; povreU f-f 1) Statt poverte v. 18673; saiiie statt bi en¬ 
tlegne v. 18681; avilee (avalee T) statt desertee v. 1901. 

2. Ebendahin sind auch solche Stellen zu rechnen, in 
denen T mit E gemeinsame Abweichungen von P zeigt, wäh¬ 
rend W zwar eine von R und T, aber auch von P verschie¬ 
dene Lesart aufweist, woraus folgt, daß hier W selbständig 
von r abgewichen ist. Das Umgekehrte ist geschehen, wenn T 
und W die gleiche Abweichung enthalten. R aber einen andern 
Text hat, d. h. dann hat R selbständig geändert. So lesen in 
v. 15303 T und W Turs statt roi s, dagegen R fjlox ; in v. 16750 
R. uud T De son oste est statt Ses ostes est , während W wieder 
in Et son oste a ändert; in v. 17 049 haben die beiden selben 
Handschriften atraves statt arriies , wo W das metrisch un¬ 
mögliche estraUs eingesetzt hat; desgleichen in v. 17243 l'en 
a jus statt en a Guts; dem gegenüber a le braue in W. 

3. Ein weiterer Beweis dafür, daß t (T) und s (R und V} 
eine gemeinsame Vorlage benutzt haben, liegt darin, daß zahl¬ 
reiche Verse, welche P enthält und die nicht als Zusatz letz¬ 
terer Handschrift anzusprechen sind, in T, R und W gleich¬ 
mäßig fehlen. Es sind die Zeilen der Ausgabe 13257, 13344, 
13497—98, 13 549, 13571, 14104, 14111—12, 14237, 14272, 
14392, 15131, 15493, 16524, 16966. 

4. Nicht minder beweiskräftig ist die Tatsache, daß sieh 
in T, R und W einige gleichlautende Plusverse finden, die für 
den Zusammenhang völlig unerheblich erscheinen, daher als ge¬ 
meinsame Zusätze von r anzusehen sind, aus weicher Handschrift 
sie dann in die genannten drei Manuskripte gelangten. So finden 
sich in ihnen hinter v, 13268 folgende zwei Zeilen (s. Anm.): 

lArns fu ferus (Tune tronchaut espee, 

L’autre navrez «Tone (de KW) ssaiete lee (eapenee RAV); 

hinter v. 16 695: 

Uenles les a a Toste fait doner (au bourjois presente KW), 

Auch hier kommt der Fall vor, daß sieh der Einschub nur in 
T und R findet, wo also W denselben selbständig ausgelassen 
hat; z. B. lesen R und T hinter v. 13446: 

Honlt (Si T) est plaissans et de noble (et noble sa T) fachon; 

















II. Das Verhältnis der Handschriften zueinander. 


1 9 


dieselben Handschriften hinter v. 16286: 

A (De I) cascun est l’ame du cors issue. 

In einigen Fällen erkennt man deutlich, wie die Ab¬ 
weichung in T und dann in RW allmählich immer größer ge¬ 
worden ist; man vergleiche in v. 14554: u fai fiance grant P 
mit ou ma creance apent T und ou la moie cime apent RW; 
in v. 15080: Parmi cele ost P mit tres parmi l’ost T und 
Contreval l'ost RW; in v. 15305: ce dist li Esclavon P mit 
dist li rois csdavons T und qut me face j pardon RW u. ä. 

Dem in den obigen Angaben festgestellten Handschriften¬ 
verhältnis scheinen einige Stellen zu widersprechen, in denen 

■*» „ ^ , _ . 

die Übereinstimmung von P, sei es mit RW, sei es mit T 
einen andern als den eingesetzten Text zu erfordern scheint. 
Es sind dies die Verse 14735, 14737, 15491, 16532 und 
185S2, die sämtlich in den dazugehörigen Anmerkungen in be¬ 
treff der gewählten Lesart besprochen worden sind. 

Aus den obigen Darlegungen ergaben sieh die Grundsätze, 
welche bei der Feststellung des Textes maßgebend gewesen sind. 
Zugrunde gelegt werden mußte eine der beiden Handschriften 
P und W, welche allein das ganze Werk aufbewahrt haben. 
Von diesen verdiente P den Vorzug, weil sie nicht nur früher 
niedergeschrieben ist, sondern auch, wie wir gesehen, eine 
ältere Gestalt des Gedichtes enthält. Von dem in P überlieferten 
Wortlaut bin ich nur daun abgewichen, wenn dies aus Gründen, 
die sich entweder aus dem Stammbaum der Handschriften oder 
aus der mangelhaften metrischen bzw. sprachlichen Form oder 
auch aus dem Inhalte ergaben, notwendig erschien. Nur den 
Namen Kantone habe ich aus praktischen Gründen gegen 
Hanstone einzelner Handschriften in allen Texten gleichmäßig 
durchgeführt. 

Einige wenige Stellen, wo mir gegen die Richtigkeit der 
beibehaltenen Lesart von P nachträglich Zweifel gekommen 
sind, habe ich in den Anmerkungen besprochen. Weitere Ab¬ 
weichungen von P erklären sich durch besondere Eigentüm¬ 
lichkeiten letzterer Handschrift. Versehentlich sind nämlich von 
dem Kopisten zwei Verse zweimal geschrieben worden; so 

2 * 


20 


H. Das Verhältnis der Handschriften zueinander. 


v. 9748 und v. 434, welch letzterer hinter v. 439 wiederholt 
ist In anderen Fällen hat der Abschreiber aus einer Laisse 
seiner Vorlage deren zwei gemacht, wenn der Inhalt eine Sinnes¬ 
pause zu erfordern schien. Dies ist geschehen bei folgenden 
Laissen der Ausgabe: XXII (bei v. 788), XLYI (bei v. 1776), 
CLXXIX (bei v. 10614), CCXXXVI (bei v. 13173) und 
CCXXXIX (bei v. 13372). Im ersten Falle befindet sich P 
dabei in Übereinstimmung mit CT, im letzten mit SW: hier 
hat die Trennung also schon früher stattgefunden. 

Besonders bemerkenswert aber ist der Umstand, daß P im 
letzten Teile des Gedichts, von Laisse CCXC, v. 15864 an er¬ 
heblich kürzer ist als die übrigen drei Handschriften, nämlich 
hier mehr als 600 Verse weniger zählt als diese. Daß diese 
Verse nicht etwa in jenen interpoliert, sondern in P ausgelassen 
sind, ergibt sich einmal aus dem Stammbaum, sodann daraus, 
daß in einigen Fällen die in P vorliegende Fassung unver¬ 
ständlich ist und erst durch die von den übrigen Handschriften 
gelieferten Zusätze klar wird. 

So berichtet P in v. 15864 ff-, daß nach der Landung 
Bueves Zelt aufgespannt wurde; die drei andern Handschriften 
fügen hinzu, was doch auch nötig erscheint, daß alle seine 
Truppen um ihn herum ihr Lager aufschlugen (v. 15870—72). 
Bueve schickt einen Boten zu dem von Hoi den in Monbrant 
belagerten Yvorin, um diesen zu einem Ausfall aufzufordern. 
Der Bote wird von den Belagerern angebalten und von Outrf’ 
ausgefragt, dem er aber eine falsche Auskunft erteilt (v. 15864-93). 
In P begibt sich der Bote hierauf sofort zu Yvorin; die übrigen 
Handschriften haben noch die Verse 15894—98, nach denon 
Outrö dem Boten die Erlaubnis erteilt, das Belagerungsheer 
zu passieren. 

ln der Schlacht sprengt der junge Bueve auf König Mal- 
cuidant los (v. 16059—61). P berichtet nichts über den Aus¬ 
gang dieses Einzelkampfes, in RTW (v. 16062—67) wird der 
Heide getötet, ln v, 16580—81 verspricht Bueve seinem Sohn, 
ihn am nächsten Morgen zum Ritter zu schlagen. Daß er sein 
Vorhaben auch ausführt, erfahren wir in P nicht, wohl aber 
in RTW (v. 16582—86). 






















If. Bas Verhältnis der Handschriften zueinander. 


21 


Statt der 66 Zeilen (v. IS578—643), in denen die Erleb¬ 
nisse Bneres in Sens, Honloon und andern Teilen Frankreichs 
geschildert werden, finden sich in P nur zwei Verse; 

La Dult i jut, au inaiu s'eo e$t toniü& 

Bueves li rois a ]a chicrc membreo. 

Der Kopist nimmt also gar nicht darauf Rücksicht, daß er auf 
diese Weise eine ganze Laisse (CCCLV, auf -n) ausgelassen hat 
und in einem und demselben Satz aus einer männlichen in 
eine weibliche E-Laisse überspringt. In ähnlicher Weise fehlt 
in P die Laisse CCOXVUI, in welcher die Vorbereitungen zu 
dem Zweikampf zwischen Guiot und Halagu berichtet werden. 

Nach diesen Beispielen, welche noch vermehrt werden 
können, ist anzunehmen, daß in diesem Teile des Gedichts 
diejenigen Verse, welche in P fehlen, sich aber übereinstimmend 
in RTW finden, in P ausgelassen worden sind, auch wenn 
nicht so zwingende Gründe vorliegen, wie in den soeben be¬ 
sprochenen Fällen. So wird dort mehrfach gekürzt; z. B. ist 
aus v. 15868—69: 

De Barbarie estoit venus li tres, 

D’un richo roi li estoit presentes 

in P gemacht worden: 

Dö Barbario li estoit presentes. 

Dies geschieht namentlich in den Beschreibungen von der 
Anlegung der Rüstung, von Einzelkämpfen oder bei Gelegen¬ 
heit anderer Schilderungen. So werden die Verse 16005—9 
ausgelassen (Bueves Sohn legt seine Rüstung an), ebenso 
v. 16012—16 (derselbe zeigt seinem Vater seine Geschicklich¬ 
keit zu Pferde), v. 18388 — 90 (Einzelheiten im Kampfe Bueves 
mit einem heidnischen König) u. a, m. 

Sehr oft wird auch der Inhalt mehrerer Verse gekürzt, 
z. B. durch nur einen Vers wiedergegeben. So bringt P statt 
v. 17205—10 nur: 

A mont en l’elme, que tont l'a estounö; 
statt v. 17258—63: 

Turcans le voit si l’en a arraisnie; * 

statt v. 17603 — 52 nur 4 Verse; statt v. 18472—83 und 
v. 18485—504 zusammen nur 3 Verse usw. 







22 


II. Das Verhältnis der Handschriften aneinander. 


Aus diesen Darlegungen ergibt sich daher, daß der Kopist 
von P, d. h. vermutlich Pierre du Ri6s, seine Vorlage gegen 
Ende des Werkes stark gekürzt hat Ich habe diese seine uns 
nicbt erhaltene Vorlage im Stammbaum mit t bezeichnet In 
allen diesen Fallen habe ich natüilich immer die vollständige 
Gestalt, die sich mit Hilfe der drei übrigen Handschriften ge¬ 
winnen ließ, in den Text eingesetzt 

Weiter erwähne ich, daß ich auch die Orthographie und 
die dialektische Form von P im Texte beibehalten und in den 
Fällen der Abweichung stets unter den Varianten mitgeteilt 
habe, so daß man durch die Ausgabe ein treues und vollstän¬ 
diges Bild der Handschrift P erhält Von den Abweichungen 
der übrigen Manuskripte habe ich der Regel nach nur die Sinn¬ 
varianten angegeben, die übrigen nur dann, wenn die betref¬ 
fende Form ein besonderes Interesse darzubieten schien. An 
den Stellen, wo ich längere oder kürzere Abschnitte aus an¬ 
deren Handschriften als P in den Text aufgenommen habe, 
habe ich deren graphische und dialektische Form ebenfalls bei- 
behalten, nicht aber den Versuch gemacht, diese in den Dialekt 
von P zu verwandeln, habe also nicht dessen voldrai, roudrai 
in vaurrai, dessen premierement in premieremant um gesell rie¬ 
ben usw. Da nun P, wie wir gesehen, viele Auslassungen 
äufweist, die durch Entlehnungen aus den übrigen Handschriften 
ausgefüllt worden sind, so ist infolgedessen die dialektische 
Form unseres Textes nicht ganz einheitlich; diese Form spiegelt 
eben die Schicksale des Textes getreulich wider, indem sie 
erkennen läßt, daß die betreffenden Stellen aus anderen Vor¬ 
lagen stammen als der Hauptteil des Gedichts. Endlich werde 
ich über die Neigung des Kopisten von i . möglichst stets einen 
reinen Reim herzustellen und zu diesem Zweck sogar gram¬ 
matisch fehlerhafte Formen statt der korrekten seiner Vorlage 
einzusetzen, unten in dem Kapitel „Die Sprache des Gedichts“ 
bei der „Fiexionslehre“ handeln. Ich begnüge mich daher hier, 
einige wenige charakteristische Beispiele anzuführen: mande 
barons et vavassour v. 304; a vostre vohntes v. 784; ains le 
;jor esclareis v. 857; les sentes serree v. 4874; de moi iient 
d’iretcs v. 9143; moulf en ia d'occü et d’afolc v. 14785. Aber 










III, Die Metrik des Gedichts. 


23 


auch andere Endbuchstaben als die Flexionszeichen werden 
in P mehrfach willkürlich zugesetzt oder ausgelassen, um für 
das Auge die Reime aneinander anzugleichen, während die 
anderen Handschriften die gebräuchliche Form aufweisen,; z. ß. 
schreibt das genannte Manuskript im Reim auf -oh auch 
contre mon v. 1116 (mont CT), Ic. pon v. 1123 (pont CT); 
Fromon v. 5429 u. a, ; mit (medicum) v. 15 983 (mire RWT) u. a. 


III. Die Metrik des Gedichts . 1 * * * 

Das Gedicht ist in Zehnsilblern geschrieben und zählt deren, 
in der Ausgabe 19127. Im allgemeinen läßt sich sagen, daß 
die für die altfranzösische Metrik geltenden Regeln fast durch¬ 
weg sorgfältig beobachtet sind. Im einzelnen ist folgendes be¬ 
merkenswert. 

Elision. 

1. de Aubefort v. 3568 (die Stelle fehlt in RW), wahrend 
sich sonst stets d’Aubefort findet Tobler, Vom franz. Versbau 5 , 
S. 60 Anm., bringt einige Stellen aus afr. Texten, in denen de 
ebenfalls vor Vokal nicht elidiert ist. Dagegen ist letzteres einmal 
der Fall mit picardischem te = tu: t'eu aras len loiier v. 6259. 

2. Auch auslautendes, unbetontes -e in mehrsilbigen Wör¬ 
tern wird vor Vokal stets elidiert. Eine Ausnahme bildet die 
lateinische Verbalendung -at mit nachfolgendem Subjektspro¬ 
nomen in ne sacke on v. 247, wofür Tobler a. a. 0. S. 70—71 
eine Erklärung gibt. Dazu kommt noch: sa dame adestrant 
v. 12802, wo -e dem lat. -am entspricht. Dagegen beruht das 
von Heiners S. 120 und Oeckels S, 3 angeführte quinse ans auf 
einem Versehen. Der Vers 10392 lautet vollständig: De jovene 
eage, n’ot pas quinse ans passe, wo also quinse ganz korrekt 
elidiert. 

1) Die meisten die Metrik uml die Sprache betreffenden Punkte sind 
behandelt in Fritz Oeckel, Ort und Zeit der Entstehung der Fassung II des 
festländischen Boeve von Han tone, Diss. Göttingen 1911, besser in: Johannes 

Heiners, Die Handschriften P [K, WJ = Fassung II des festländischen 

Bueve de Hantono, Diss. Göttingen 1914. Ich hebe daher hier nur die 

bemerkenswertesten Punkte hervor, besonders diejenigen, welche für die 

Bestimmung von Entstehungsort uud -zeit von Bedeutung sind. 






III. Ijio Metrik des Gedichte. 



3. Die Elision ist, wie gewöhnlich, fakultativ vor hauberc 
und heaume (s. G. Paris, Rom. 17,425—29). Auch bei hanste 
ist, wie auch sonst, das gleiche Schwanken zu beobachten 
(s. Tobler, a. a. 0. S. 57). Dazu kommt bei uns der Eigenname 
Huidemer, welcher den Hiatus zu läßt in: le baille Huidemer 
v. 6736, dagegen sonst stets die Elision eines vorangehenden -p 
gestattet, z, B. v. 7703, 7747 u. ö. Endlich ist einmal das h 
von lat. hinnire wie ein aspiriertes behandelt, nämlich in: 
onques pnis ne hem v. 12 765. 

Silbenzählung. 

1. Unbetontes e im Hiatus unmittelbar vor dem Ton ist 
der Regel nach erhalten. Verschwunden ist es in: benoisv. 1197: 
maloit in maloitisme v. 14457 und vor der Endung -utum in: 
rechut r. 15715 (dies schon Rol. 782), endlich in arrestu v. 400, 
1040, 17462, welches sich durch den Einfluß des daneben 
vorkommenden arreste erklärt. Über pöestis v. 13187 neben 
poesteis v, 4424 s. Foerster, Anm. zu Erec v. 5607. 

Das lateinische nee ipse erscheint stets in der jüngeren 
Form ms, z. B. v. 1912, 9869 u. ö. Für desjuncr (v. 4199) 
neben geuner (v. 2965) setzt Ebeling, Auberee S. 151 disjunare 
an, mit Unrecht, da disjunare lautgesetzlich disner ergeben hat. 

Die Endung -ions (-iens), -iex ist im Konjunktiv stets 
einsilbig, im Imperf. und ira Imperf. Fut. bald ein-, bald zwei¬ 
silbig, erste res z. B. in aliens v. 17 796, poüom v. 1615; feriens 
v. 1616; solies v. 3124, devriis v. 10883 u. ö.; letzteres in 
Nous poriom v. 13 700 u. ö. 

2. In einigen gelehrten Wörtern wird bekanntlich inlau¬ 
tendes unbetontes e nicht gerechnet. So in jovene, z. B. 151 u.ö. 
nebst dessen Ableitungen; in angele , z.B, v. 6840 u. Ö. Daneben 
erscheinen Formen, in denen dies e auch graphisch fehlt. Der 
Städtename Jhenisalem wird bald viersilbig gebraucht, z. B. 
v. 536, bald dreisilbig, z.B. 17 572; daher auch Jursalen ge¬ 
schrieben, z. B. v. 2819 u. ö, 

N(o)iant , nfcjient rechnet meist für zwei Silben, z. B. 
v, 721 u. ö., doch auch für eine, wie in v. 6821, 6842. 






















III. Die Metrik des Gedichte, 


25 


Inklination. 

Angeleknt werden noch le, les , sowie le *=> la, und zwar 
außer an de und a auch an ne, je, se (sic und si) und an que. 
Im allgemeinen überwiegen die angelehnten über die nicht 
angelehnten Formen, So ist nach Heiners (S, 127 — 28) das 
Verhältnis hei ne + le wie 125 zu 50: bei ne -J- les wie 10 zu 0; 
bei je + le wie 37 zu 25. bei je -{- les wie 1 zu 0; bei se 
(sic) + le wie 40 zu 30, bei se (si) 4- les wie 1 zu 0, bei 
que + les wie 1 zu 0. Die nicht angelehnten Formen sind 
zahlreicher bei se (sic) -f les mit 12 zu 20; ähnlich hei sc (si) 
-J- le und bei que + le. Dagegen erscheint le = la überhaupt 
sehr selten angelehnt, nämlich in sei (sc. Josiane) prent a ar~ 
raisnier v. 12568, wozu in P noch kommt: Nel veissies (sc. 
Josiane) y. 13149, wo aber nach dem Zusammenhänge wohl 
besser mit KW Ke la veisse zu lesen ist (s. Aum.). 

Aphärese. 

Die Aphärese findet sich nicht häufig, und zwar 10mal in 
aui J st, z. B. v. 2414 u. ö., außerdem noch in ja’n orras veritc 
v. 18286. 

Verschiebung. 

Auch die Verschleifung begegnet selten, z. B. que li mfes 
avoit pris v. 10554; qui ot a non Malatrie y, 1597S. 

Cäsur. 

Unser Gedicht gehört zu der überwiegenden Zahl der¬ 
jenigen, in welchen der Zetansilbler die Cäsur nach der vierten 
Silbe hat. Unregelmäßigkeiten kommen nicht vor. Zwar hat 
P eine solche aufzuweisen in Ains que bue se menst tont ne 
qnant (v. 10764), doch bringen Rund W hier Heilung, indem 
sie Angois que Bneves lesen. Heiners führt (S. 129) noch den 
Vers 10 381 an: S'en avies un (sc. Chevalier ) meilleur et plus legier, 
in welchem die Cäsur angeblich ganz eng zusammengehörige 
Worte trennt; doch ist dies nicht der Fall, da un hier nicht 
der unbestimmte Artikel, sondern Zahlwort ist, und meilleur 
sowie plus legier die Funktion eines Relativsatzes haben. 





26 


lll. Die Metrik des Gedieht?. 


Enjambement 

ln bezug auf das Enjambement unterscheidet sich unser 
Gedicht von den meisten, besonders den älteren Volksepen, da, 
wie Meiners 8. 130 ft’, nachweist, mehrfach cDg zusammen¬ 
hängende Worte auf zwei Verso verteilt werden. So werden 
voneinander getrennt das Subjekt oder das Objekt vom Verbum, 
das modale Verb von dem zu ihm gehörigen Infinitiv, das 
Attribut von seinem Beziehungswort, das Adverb von seinem 
Verb u.a., Erscheinungen, die in Kunstepen, häufiger Vorkommen. 

Laissenbau. 

Das Gedicht zählt in der Ausgabe 370 Laissen. F hat, 
wie bereits oben S. 20 bemerkt worden ist, in fünf Fällen aus 
einer deren zwei gemacht, indem es bei einer erheblichen 
Sinnespanse eine neue Laisse begann, nämlich bei 22, 46, 179, 
236 und 239 (Meiners sagt versehentlich 240). Umgekehrt 
hat dieselbe Handschrift gegen Ende des Gedichts nicht nur 
erheblich gekürzt, daher einzelne Verse der Vorlage ausgelassen, 
sondern zweimal auch eine ganze Laisse unterdrückt, nämlich 
Nr. 318 und 355. 

Die Baissen sind von sehr verschiedener Länge, z. B. zählt 
Nr. 135 nicht weniger als 442, Nr. 137 auch noch 428 Verse, 
dagegen Nr. 189 deren nur 6, Nr. 360 sogar nur 5. 

Reim. 

Die einzelnen Verse jeder Laisse sind durch den Reim 
verbunden, und zwar ist dieser in der ersten Hälfte des Ge¬ 
dichts weit überwiegend bloßer Vokalreim, in der zweiten nieist 
Vollreim. ! ie Reime bieten keine große Mannigfaltigkeit, ein¬ 
zelne derselben kehren oft wieder. Es sind im ganzen nur 
19 verschiedene Reimvokale verwandt, darunter 12 männliche 
und 7 weibliche; die männlichen sind a, ä, f, e, i, l, nrt , or, ö, 
u, ie und oi, die weiblichen 5^, u^> und 

Es folgt nunmehr eiue Übersicht über die einzelnen Reime 
nebst Angabe der Häufigkeit ihrer Verwendung {durch die je 
daneben in Klammern stehende Zahl) und Bemerkung über 
Assonanz bzw. Vollreim. 









11T. Die Metrik des Godichts, 



A 

A erscheint am häufigsten in dem Versausgang - a , der 
sich in 7 Laissen als reiner Beim findet, nämlich in Nr. 176, 
192, 264, 279, 605, 318 und 330, alle im zweiten Teil des 
Gedichts, und ebendort erscheint in Laisse 347 durchweg der 
Reim auf -al. Dagegen mischt im ersten Teil die Laisse 91 
die Endungen -a, -art, -as, -ars, -ar durcheinander. 

—w 

A 

Nasales «als Reimvokal haben nicht weniger als 44 Laissen, 
meist in der Endung -ant. Unter den erwähnten Laissen sind 
29 ganz oder fast ganz gereimt, die übrigen, welche meist dem 
ersten Teil angehören, zeigen mehr oder weniger starken Wechsel 
von -ant mit - ans, -amp und -am. Der Ausgang -an kommt 
nur dreimal vor, nämlich an { annum ) in Nr. 64 (v. 2713) und 
Nr. 199 (v. 11720) und pan in Nr. 326 (v. 17456). 


Weiblicher nasaler .4-Laut erscheint in 5 Laissen, und 
zwar in Nr. 9 und 38 mit dem durchgängigen Reim auf - ance , 
in Nr. 40, in welcher ein Ters (v. 1400) auf -ande, ein anderer 
(v. 1408) auf -ante ausgeht; endlich iu Nr. 54 und 214, wo 
die Mischung noch stärker ist; ja in letzterer kann man nur 
von Assonanz sprechen. 

E 

L 

Von den drei hierher gehörigen Laissen hat Nr. 309 durch¬ 
weg den Reim auf -%l, die beiden andern mischen -ql mit 
andern Ausgängen, und zwar Nr. 49 mit -er, -erc, - er/', 
Nr, 107 mit -ps, -et, - e.r, -p rs, -est. 

TEL 

< 

Keine der sechs Laissen, die weiblichen E -Ausgang auf¬ 
weisen, ist durchweg rein gereimt, wenngleich überall die En¬ 
dung -p/c überwiegt; in allen erscheinen daneben mehr oder 
weniger abweichende Ausgänge. 






28 


HI, Die Metrik des Gediclits. 


E 

Im ersten Teile des Gedichts kommen keine völlig ge¬ 
reimten Laissen vor, sondern es findet sich stets eine mehr 
oder minder starke Mischung von Assonanz und Reim. Die 
weit überwiegenden Endungen sind -e, -4s, -er, seltener -el 
und -ef. In der Mehrzahl der Fälle liegen die bekannten Verbal¬ 
oder Nominalendungen vor, wozu dann noch einige einsilbige 
Wörter kommen, wie de (deum), ne, nes ( navem, natum+s), mcr 
(i mare ), yre (grcUam), pre (praium), le (lat um), les (latus), der 
(darum), her (bar6), tel (talem), he (von häir) u. a. Derartige 
Laissen gibt es im ersten Teil 41. Es ist aber bemerkenswert, 
daß schon hier manchmal mehr oder weniger lange Reihen 
von Versen hintereinander den gleichen Ausgang aufweisen, 
z. B, -er 36mal iv. 3566—3601) und 33mal (v. 8500—8532); 
-es 17 mal (v. 9162—9178) u. ä. 

In dem zweiten Teil ist diese Neigung zu reimen fast 
ganz durch ged rangen. So findet sich der Reim auf -4 in 

14 Laissen; der auf -4s in 17 Laissen, darunter auch sollers 
v. 18918, d. h. r vor Konsonant nicht gerechnet, was bekannt¬ 
lich auch sonst vorkommt; der auf -er ist in zwei Laissen rein. 
Ganz einzelne abweichende, d. h. nur assonierendo Versausgänge 
finden sich in Laisse 201, 266, 275, 300, 335 und 354. Etwas 
zahlreichere in Laisse 179, 188, 205, 210, 224, 254 und 261. 

Mischung von Assonanz und Reim gehört zu den Aus¬ 
nahmen, und auch dann erscheinen die verschiedenen Vers¬ 
ausgänge selten bunt durcheinander gemengt, sondern meist in 
mehr oder weniger größeren Gruppen. So mischt Laisse 234: 
-er, -4, es; außerdem -el in v. 13028; Laisse 239: -er, -4, -es; 
außerdem pert in v. 15350; Laisse 241: -er, -e, -es; außerdem 
-el in v. 13405; Laisse 273: -e, -es; außerdem Eselers (*• vor 
Kons.) in v. 15226. Besonders deutlich hervortretend ist die 
Gruppenbildung in den Laissen 211 und 341. In jener er¬ 
scheint z. B. eine Gruppo von 33 - er, eine solche von 16 
und von 10 -e; im übrigen noch Worte auf -es und seltener 
auf -el\ in dieser eine Gruppe von 11 -es, von 7, 9 und 

15 -e. 








III. Die Metrik des Gedichts. 


29 


Reinen Reim auf -ec haben 18 Laissen. Daran schließen 
sich drei mit Wörtern, in welchen sich zwischen dem e und 
der tonlosen Endung ein Konsonant oder ein Mittellaut findet, 
nämlich in Laisso 99 eiere (v. 4332), 207 remcses (v. 12040, 
zugleich mit auslautendem s) und 237 pere (v. 12253). Ein 
Flexions-s hinter dem unbetonten -e erscheint sodann noch in 
Laisse 131 assamblees (v. 6193), und in 219 ostees (v. 12445); 
die Endung -erent ebenfalls in Laisse 219 in cauperent 
(v. 12483). Etwas häufiger sind derartige Erscheinungen in 
Laisse 51 mit frere (v. 1970), prestees (v. 1972). donnees 
(v. 1973), eiere {v. 1996); und besonders in Laisse 106 mit 
frere (v. 4868), segrees (v. 4874), pevrees (v. 4876), dorees 
v. 4877), vomiere (v. 4885), espees (v. 4S91), merc (v. 4903} 
und lere (v. 4910). Die beiden zuletzt besprochenen Laissen 
gehören also dem ersten Teile des Gedichts an. 

I 

Im ersten Teile findet sich niemals Vollreim, sondern aus¬ 
schließlich mehr oder weniger starke Mischung der Ausgänge 
-is, -ir, seltener -it, -il, -ist, -irs, z. B. - i in Laisso 23 
nicht weniger als 39 mal und dann noch 7 mal; einmal -ir 
[plaisir v. 891); bei den übrigen findet sich nicht ein derartiges 
Dberwiegen eines Ausganges. Bemerkenswert ist, daß auch 
nasales i, d. h. in sich in den meisten Laissen findet; rein 
orale Ausgänge weisen nur Nr. 55 und 94 auf. 

/v. 

Meist handelt es sich hier um dio Endung - ie , darunter 
auch die nordöstliche Entsprechung von französischem -iee. 
Beide Arten von -ie sind gemischt in acht Laissen, in einigen 
anderen ist die Neigung erkennbar, beide auseinander zu halten. 
So haben einige Laissen ganz oder fast ausschließlich Reime 
auf französisches -ie; so ausschließlich Nr. 20, bis auf wenige 
Abweichungen Nr. 18 (nonchie v. 730), Nr, 191 (haiscie v. 11398), 
Nr. 216 [envoisie v. 12362). In einigen Fällen findet sich 
zwischen i und e ein Konsonant, so in Laisso 18 (träitre v, 684 






30 


III. Die Metrik des Gedichts. 


und nobile v. 685), in Laisse 93 {occire v. 4130, träitre v. 4133 
und baptesiire v. 4139), in Laisse 160 (/Sie v. 9604, ire v.9630 
und garissc v. 9635), ähnlich in Laisse 171, 213 und 346. 
Etwas stärker ist der nur assonierende Bestandteil in Laisse 340 
(7 unter 56) und Laisse 98 (13 unter 57). Dagegen besteht 
Laisse 204 aus acht Yerseu mit dem Reim -ise. Hinter dem 
unbetonten -e findet sich noch ein auslautendes s in Laisse 18 
(oecies v. 700 und baillies v. 719), in Laisse 213 (escondites 
v. 12276); ein auslautendes -nt in Laisse 98 ffinent v. 4273, 
mercient v. 4317 und siglent v. 4319). 

"Während aber in den bisher erwähnten Laissen die Ver¬ 
wendung des Keimes bei weitem überwiegt, sind neun andere 
als assonierende za bezeichnen, nämlich 44, 50, 58, 85, 115, 118, 
125, 127 und 225, die also alle dem zweiten Teil angehören. 
Bemerkenswert ist endlich, daß auch unter den weiblichen 
I-Reimen sich nasalierte finden; im ganzen kommt der Yers- 
ausgang -ine {-ment) 23 mal vor, darunter 4mal im zweiten Teile. 

Ie 

Die Zahl der Laissen mit dem Reimvokal ie ist sehr groß : 
meist erscheint dabei Vollreim. So ein solcher auf -ier 9 mal, 
ein solcher auf -ie 2 mal; auf -ies 1 mal. Einzelne Fälle von 
Assonanz weisen auf Laisse 311 {-ies v. 16 710, sonst -ier) 
269 (-ta v. 14991, 14992 und 15024, sonst -ier ), 177 {-ier 
v. 10505, -ies v. 10506, 10507, 10509, sonst -ie). Etwas stärker 
ist die Mischung in den Laissen 10, 291 und 325; noch stärker 
in 24 weiteren, und zwar sind die zahlreichsten Ausgänge auch 
hier -ie, -ies, -ier, -iers. hin und wieder in größeren Gruppen; 
seltener erscheinen. - ief, -icl, -icrt u. a. Dagegen liegt un¬ 
zweifelhaft Assonanz vor in den 8 Laissen 53, 61, 71, 75, 77, 81, 
87 und 229, von denen nur die letzte dem zweiten Teile angehört 

Nasaliertes ie begegnet nur viermal in den Laissen 53, 81 
und 112; nämlich bien in v. 2154, 3819, 3833 und 5238, also 
ausschließlich im ersten Teile. 

Weibliches ie erscheint nur einmal, nämlich in Laisse 36, 
die ausnahmslos auf -iere reimt. 


















III. Die Metrik des Gedichts. 


ol 


0 

t 

Offenes o tritt ausschließlich in dem Versausgang -ort auf, 
der ohne irgendwelche Unregelmäßigkeit in den drei Laissen 
189, 200 und 240 verwandt wird. 

0 

# 

Vollreim mit der Endung or findet sich in Laisse 3 und 8 
dagegen erscheint in Laisse 79 diese Endung stark gemischt mit 
-out, -ours, -ous, außerdem mit nasalem -on in den Worten 
Buevon v. 3695, 3716, front v. 3706, arragon v. 3714, man- 
gons v. 3715 und region v. 3717. 

6 

* 

Durchgängigen Reim auf -on weisen 12 Laissen auf, wäh¬ 
rend in den folgenden einzelne Abweichungen von -on zu be¬ 
obachten sind: in Laisse 7 trifft man einmal -ons (mons v. 267), 
hin und wieder -ont in den acht Laissen 14, 11Ü, 183, 228, 
231, 242, 247 und 274. Dasselbe ist von Nr. 59 zu sagen, 
wo außerdem noch orisons v. 2407 und besoign (graphisch 
beson) v. 2414 im Reim erscheinen. Dasselbe beson begegnet 
auch in Laisse 165 (v, 9942) und mit der Schreibung besoing 
in Nr. 274 (v. 15298). In Laisso 104 kommt neben 72 -o>t 
7 mal -ont und 11 mal -ons vor. Ähnlich ist das Verhältnis 
in Nr- 117, wo zu diesen selben Ausgängen noch lonc v. 5392, 
sowie die oralen moult v. 5413, vons v, 5414 und jor v, 5415 
kommen. 

m 

ReiDgereimto Laissen auf Sv kommen nicht vor, vielmehr 
zeigen die fünf hierher gehörigen (2, 25, 27, 62 und 101) eine 
Mischung der Ausgänge -omc, -ornes, -orte, -onde, -onte, die 
allerdings meist gruppenweise verwandt werden: nur in Nr. 62 
und 101, die also wieder dem zweiten Abschnitt der Dichtung 
ungehöron, liegt ausgesprochene Assonanz vor. Der Ausgang 
mit weiblichem oi erscheint in ovo ine (graphisch avonne) v. 929, 
poignent v. 2644 sowie in Couloigne v. 4368 und 4375. Ein 
einziges orales o ist zwischen gestreut in dottce v, 4372. 



32 


III. Die Metrik des Gedichts. 


Oi 

Der Diphthong oi kommt bei 6 Laissen im Versausgang 
vor, nämlich bei Nr. 360 im Vollreim auf - oi , bei Nr. 287, 
wo neben S -oi einmal poil (v. 15771) auftritt. Dagegen weisen 
bloße Assonanz auf die Laissen 48, 83, 8(i im ersten und Laisse 
232 im zweiten Teile des Gedichts. 

ü 

Den Ansgang - u ohne Abweichung weisen die 4 Laissen 
186, 203, 208 und 293 auf; einzeln daneben etwas andere 
Versausgänge, wie -ms in Laisse 87 (cheus v. 4008), in 283 
{esperdits v. 15646), sowio in 355 (plus v. 18624 und tmm 
v. 18635). Den Ausgang -us zeigen die Laissen 69 und 198, 
daneben einmal -u Nr. 327 (esett v. 17464), einmal seurs, d. h. 
schwach artikuliertes r vor Konsonant Nr. 348 (v. 18278). Bei¬ 
mischung von - us zu -u zeigt Nr. 66, etwas stärker Nr. 11 
und 34. Zu den beiden genannten Ausgängen kommen noch 
hinzu -ut, -ur, -urs in Nr. 29, 42 und 109. Einmal begegnet 
nasales u , nämlich in geun (in Laisse 42, v. 1485). 

Weibliches -u findet sich in ’orm der Endung -ue durch- 
gereimt in Laisse 299, dagegen mit einigen anderen Versaus- 
gängen gemischt in Nr. 84 (mules v. 3884, hure v. 3869 und 
remüent v. 3891). 

in den gelegentlichen Bemerkungen ist bereits hervor¬ 
gehoben worden, daß in bezug auf die Verwendung des Reims 
in den verschiedenen Teilen des Gedichts ein wesentlicher 
Unterschied zu beobachten ist Im zweiten Abschnitt ist nach 
Möglichkeit reiner Reim durchgeführt, während der Dichter 
sich im ersten oft, besonders bei den E-, I-, T^- und 16- 
Laissen, mit der Assonanz begnügt. Die neue Technik setzt 
mit Laisse 175, v. 10461 ein. 

Diese Ungleichheit erklärt man am besten mit Meiners 
(8. 151 ff.) durch die Annahme, daß unsere Fassung von einem 
Bearbeiter hergestellt ist, der in den verschiedenen Teilen ver¬ 
schiedene Vorlagen benutzt hat, dabei für den ersten eine vor- 















IV. Die Sprache des Gedichts. 


33 


wiegend assortierte, für den zweiten eine vorwiegend gereimte. 
Heiners führt als Stütze seiner Vermutung folgende Punkte 
an: 1. Aus den Anfangsversen {v. 8—12) geht hervor, daß es 
zur Zeit der Entstehung unserer Fassung bereits mehrere andere 
gab; 2. Gewisse Wendungen und Ausdrücke finden sich nur 
in bestimmten Abschnitten des Ganzen, kommen in den anderen 
nicht vor; 3. die Endung der 1. Sing. Fut. - ai kommt mit dem 
Lautwerte, d.k. im Reim auf-e, ausschließlich imSchlußteii vor. 

IV. Die Sprache des Gedichts . 1 

Maßgebend für die Sprache des Dichters sind wesentlich 
die Reime. Auch hier hebe ich nur die bemerkenswerten 
Punkte hervor. 

A. Lautlehre. 

V okalismus. 

A 

Das orale A geht entweder auf vulgärlateinisches oder 
germanisches kurzes A zurück. Außerdem liegt es vor in den 
bekannten einsilbigen Wörtern ja, la , cka sowie in den Verb¬ 
formen va und ff, daher auch in der Futurendung - u, sowie 
in der gleichlautenden Perfektendung; endlich noch in dem 
ursprünglich gelehrten Suffix -al. 

Ä 

Wichtig für die Dialektbestimmung ist bekanntlich der 
Laut wert von ursprünglichem E vor Nasalen. In unserem 
Denkmal ist, wie in fast allen Volksepen., e bereits zu d ge¬ 
worden, so daß es mit ursprünglichem a vor Nasalen lautlich 
zusammengefallen ist, sogar für das Auge, d. h. graphisch. 
Daher entspricht d: 

1. vulgärlateinischem ä vor Nasalis, wie in champ, graut, 
chambre , -aut, ~ance u. a.; weiter in den nach solchen auf 
-ant gebildeten Wörtern wie bauchant v. 10761, päisant v, 16456 
und iruant v. 16 435; so wie in Namen wie Jehant v. 13325; 

]) s. Oeckel a. a. 0, S. 41f,; Meiuera a. a. 0. S. 5f. 

StimmtB qüy# di Hüiitone, 


3 



34 


IV. Die Sprache des Gedichts. 


Persant v, 13671. Auch in Wörtern germanischen Ursprungs, 
wie gant, blanc , bane, brant, flaue, desgleichen in Namen wie 
Guinemant v. 175; Alemant v. 537. Arabischer Herkunft ist 
drugeniant v. 12 861, 12860, das sich auch denen auf -ant 
angeschlossen hat; hebräischer Jkerusalant v, 536, Möisant 
v. 2724, Biauliant v. 7565; 

2. vulgärlateinischem % vor Nasalis: vani (ventum) v. 1170; 
gant (gentem) v. 2707; arg ant v. 942 u. a. Denen auf -ent 
haben sich angeschlossen arpant (arepmnem) v. 10763, das 
keltischer Herkunft ist, und garant v. 220 u. ö.. das auf germ. 
werento zurückgeht; 

3. vulgärlateinischem e vor Nasalis: pranäre, r andre, 
famme, souvanf, am (intus). Auch in dem Worte germanischen 
Ursprungs masange (ndl. mees 4- -inga) v. 2234. 

4. Gelehrt ist -an in cordoan v. 919, 950, 1152 und in 
Popeliean v. 4054 u. ö. 

Die historische Schreibung m findet sich nur 4 mal, näm¬ 
lich in entent v. 3843, in arrcstemeni v. 3844 (in Laisse 82), 
so wie in forment v. 5268 und durement v. 5269 (in Laisse 
114), beidemal in den beiden ersten Zeilen einer Laisse, eine 
Schreibung, die von dem Kopisten herrührt, da dieser, wie wir 
unten sehen werden, ursprüngliches ä und ursprüngliches e 
voneinander unterschied. 


E 

c 

Dieser Laut unseres Gedichts geht zurück auf: 

1. ursprüngliches Von der pikardiseh-wallonischen 
Diphthongierung findet sich keine Spur, da siele v. 1815 (P), 
wie der Reim beweist, dem Abschreiber zuzuschreiben ist; 

2. ursprüngliches p, das klassischem gedecktem e oder e 
entspricht. Dieser Punkt ist für die Datierung von Wichtigkeit; 

3. klassisches e in dem gelehrten profete v, 12506; 

4. klassisches a + sek. i, nicht nur vor str, wie in irestre 
v. 12504, sondern auch sonst: esles v. 4936, plest v. 4943, fere 
v. 12 270, fetes (faeitis) v, 12667. Dahin gehört auch ene 
(aqua) v. 1804, wo noch ein u an das f getreten ist. 






















IV. Die Sprache des Gedichts. 


35 


E 

Geht zurück: 

1. auf ursprüngliches ä, auch in Wörtern germanischen 
Ursprungs, wie in re und he. Daher zeigt auch -alem die 
lautgesetzliche Form * el (neben -al, s. S. 33). Ebenso erscheint 
-arem stets in der lautgesetzlichen Entsprechung -er, nie als 
- 2 er, z. B. bacheier v. 1386 u. ö., soller v. 2812 u. ö., sengler 
v. 2941 u. ö, piler v. 3330. In einigen Fällen ist -er sogar 
für -el eingetreten, so in principer v. 12423 und 17 521. 

Bemerkenswert ist die korrekte Form mel (malum) als 
Suhst. v. 1364, 1378, 6996. 

Wie auch sonst, erscheinen in unserem Denkmal mit e, zum 
Teil neben ie, diejenigen Wörter, in denen lat. « bald 4, bald 
ie ergeben hat, z. B. irer, aquiter, deviser, pite, respiter, amisU, 
maumistö, dcsirer, consirer, disner \ 

2. auf älteres ai, das in den Auslaut getreten ist. So in 
e (habeo) v. 11213; daher auch in der 1. Pers. Sing, des Futurs: 
laire v. 10569, pendere y. 11244, finere v. 11919 u. ö. Wie 
bereits kervorgehoben worden ist (S. 33), findet sich diese 
Eigentümlichkeit nur im zweiten Teile. Dahin gehört auch: 
mes cors meismes ccst message fere v. 13970, wo die 1. Person 
auf Grund des Sinnes gesetzt ist. 

3. Auffallend ist, daß in v. 4S74 auch segree mit e er¬ 
scheint, weil man in dem gelehrten oder halbgelehrten Worte, 
ähnlich wie in prefete (s. S. 34) ein § erwartet. In dergleichen 
Wörtern begegnet aber auch sonst c, z. B. discree Bueve III, 
12157, weil es Keime auf -%e kaum gab. 

4. Wie anderswo, findet sich lat. deam neben korrektem 
dieu auch als de,, Nom. des, z. B. v. 1303 u. ö. 

5. Die Herkunft von deke, das v. 493. 10604 u. ö. be¬ 
gegnet, ist nicht völlig sicher. 

1 

Der Laut i entspricht: 

1. ursprünglichem freiem oder gedecktem, d. k. im Vit. 
langen oder kurzen i. Zu ersterem gehört auch die ursprüng¬ 
lich dem Pikardischen eigene, dann aber auch anderswo vor- 

3 * 















36 


IV. Die Sprache de» Gedichts. 


kommende Form mi (lat mihi) v. 2546, 2753, 3756, nach der 
dann auch ti, z. B. v. 2466, 2534 u. Ö. gebildet ist. Manchmal 
ist mit dem lat i noch ein sekundäres i verschmolzen; so in 
mie (mica ), dist (dixii) u. ä.; auch in Wörtern keltischer Her¬ 
kunft wie Ue v. 1548 u. ö.; 

2. vulgärlateinischem q oder beide mit sekundärem %\ 

eine Erscheinung, welche für die Dialektbestimmung von Wich¬ 
tigkeit ist. Vit. d + i liegt zugrunde in pis (pejus) , st re , li 

(ell$i), prie ; auch in entir (integrum) v. 5503, das besonders 

dem Pi kurdischen eigentümlich ist. Vit. g-f-i in pris (pretium), 
mi (medium ), lis (lectum + s ), pis (pectus), sis (sex) u, a. Dahin 
gehört auch -ire in baptesiire (baptistcrium) v. 4139; 

3. vulgärlateinischem e oder e unter Einwirkung eines / 

der folgenden Süfce; einem langen e in fös ( feei ), pris (vlt. 

presi) u. ä., einem kurzen e in ü (vlt. eilt) , z. B. v. 5333, und 

danach nenil v. 2440; 

4. vulgärlateinischem e hinter einer Palatalis: merei, päis, 
loisir , plaisir, taisir, mar eis u. a.; 

5. lateinischem a, dem eine Falatalis voranging und 
folgte; (jist v. 2493, 5496. 

6. Dialektisches i erscheint regelmäßig in der Endung -ie 
statt reichssprachlichem ~i6e, nicht nur bei Partizipien, z. B. 
in entaillie v, 1265 u. ö., rcnoiie v. 1269 u. ä.; sondern auch 
bei Substantiven, z. B. foiie v. 1261 und fie v. 5773 (beide 
von vicata). Dahin gehört auch haschte vom germ. harmskara, 
welches korrekt afr. harschiere und mit Verlust des ersten, schwach 
artikulierten r und mit Suffixvertauschung haschiee ergab. 

7. Germanisches e liegt zugrunde in dem jüngeren sigleni 
v. 4319 (an. sigla); 

8. Germanisches e in espie v. 5302 (von spehon) und in 
lige v. 5313 (ledig). 

9. i ist aus älterem ui reduziert in lui. Letztere Form 
erscheint nur einzeln, z. B. v. 4539 und 5013 in einer /-Asso¬ 
nanz. Häufiger ist bereits li dafür eingetreten, z, B. v. 1444, 
4996 u. ö- 

10. In einigen Fällen beruht das i auf Analogie oder auf 
Stammausgleich. Ersteres in Bildungen wie otrie v. 4295, 














IV. Die Sprache des Gedichts. 


37 


gramie v. 11396 u. ä. statt -oie\ letzteres in folgenden stamm- 
betonten Formen von aklicr : äie v. 715, dies v. 1942, äit 
v. 5334 und in dem davon abgeleiteten Substantiv äie v. 733. 

11. Statt zu erwartendem ß findet sieh i in meisme v. 2400 
sowie in petit v. 4990 und 5343, das wohl, ebenso wie in neis 
[nee + ipsum ) durch Dissimilation zu erklären ist. 

12. Nicht lautgesetzlicb ist das i in den dialektischen und 
jüngeren Formen justice (jusiUia) v. 11878 und servise (ser- 
vttium) v. 2397. 

/ 

1 geht zurück auf: 

1. ursprüngliches % vor Nasalis wie in pin, marine u. a., 
auch in Wörtern arabischer Herkunft, wie meskin v. 3899, 
3908 und 4458. Ebenso wenn noch ein sekundäres i hinzu- 
getreten ist wie in dem halbgelehrten orine (originem) v. 1550 
oder in lin statt lign (lineuin) v. 1477 u, ä.; 

2. lateinisches e vor Nasalis nach einer Palatalis: Sarrasin 

•* 

v. 1428, 3783; poucin v, 5319; 

3. vlt. e oder e vor Nasalis unter Einfluß eines % der 

fr m 

folgenden Silbe. Ersteres liegt vor in vint (viginti) v. 4624; 
auf letzteres sind zurückzuführen die Verbformen Hut v. 1471, 
4664 und vint y. 645, 3728, die ihr i analogisch aus der ersten 
i’erson des Singulars entnommen haben; 

4. vlt. q -f sek. i in engin statt engign (ingeninm) v. 3799 u.ö. 

5. Dialektisch ist estriue (strenn) v. 1920 (statt estreine), das 
nach W. Foerster, Anm. zu Aiol 655 eine pikardische Form ist. 

6. In venin (venenum ) v. 10465 liegt wohl Suffix Vertau¬ 
schung vor. 

O 

c 

Dieser Vokal, der seinen ursprünglichen Lautwert behalten 
hat, bietet nichts Bemerkenswertes; nur ist regqrt v. 13 384 
auffällig, das, weil mit gnrgum, gurgilem zusammenhängend, 
geschlossenes o haben sollte, das aber auch sonst mit q er¬ 
scheint, z. B. Crestien, Gral 2516 und 8026, beidemal im Keim; 
ebenso Saxons (ed. Stengel) v. 1259; Floire et Blanchtflor II, 
2316; Bastart de Bouillon 1624 u. ß. 












I 


38 IV. Die Sprache des Gedichts. 

0 

Da Wörter, in denen vH p zugrunde liegt, mit solchen 
reimen, welche im Vit o auf weisen, so folgt, daß in beiden 
Fällen der Lautwert u vorliegt, daß also vlt, o noch nicht die 
Lautstufe Ö erreicht hat. Graphisch erscheint o oder ou. Unser 
Laut geht also zurück auf: 

1. vlt p, z. B. floar, vouSf -our u. a,, 

2. vlt. ö, z. B, toul, jor, sejor\ auch in Wörtern germa¬ 
nischer Herkunft, z. B. estour, bourc\ oder keltischer, z. B. dour 
kelt. dorn Hand, Handbreite) v. 62, 298. Dabin gehört be¬ 
kanntlich auch das griechische Ö, z. B. iu tour v. 54, atour 
v. 308, contour v. 3708. 

Derselbe Laut liegt vermutlich auch vor, wenn sekundäres 
u (aus 2) hinzukommt, wenigstens erscheint doulce v. 4372 in 
einer O-Assonanz, 

3. In demor v. 293 und 305, dem Verbalsubstantiv, das 
auf lat. mÖror zurückgebt, ist das p von den flexionsbetonten 
Formen des Verbums herübergenommen. 

Ö 

m- 

Dieser Vokal hat die gleichen Quellen wie orales o, nur 
stets vor einer Nasalis; graphisch meist o, selten ou. Er geht 
daher zurück auf: 

1. vlt. q, wie in don, pome, persone, ~on. Auch in Wör¬ 
tern germanischen 1 rsprungs: guerrcdon v. 10894, esperon 
v. 1124. Dahin gehört auch hier ursprüngliches griechisches 
ö vor einfachem Konsonanten: ton v. 16839, 18708; 

2. vlt. p, wie in some [summa ), monde, parfont u. a. Da 
aber vor Nasalen im Französischen jedes o geschlossen ist, so 
kommen als weitere Quellen hinzu: 

3. vlt. p, wie in front, mont, poni, rcspondre, conie {co- 
mitem), kome u. a. Auch in Wörtern germanischer Herkunft 
wie in blont v. 4776 u. ö.; oder keltischer wie in descombre 
v. 2646; 

4. vlt. au: somme (bl. sagma) v. 991 und ont (kl. haben t) 
v. 4772. Auch in ursprünglich germanischen Wörtern: honte 
v. 28, 2666. 


1 





IV, Die Sprache des Gedichts. 


39 


Dazu kommen aber noch folgende weitere Fälle: 

5. Aus urspriiugüch vortoniger, d. b. satzunbetonter Ver- 
wendung erklärt sieh ivohl das 5 in bon, bone, und viel¬ 
leicht auch in dem als Fron, indef gebrauchten on v. 1107 
und 10891. 

6. Dagegen in dem Nom. des Substantivs kom (v. 247, 
2408 u. ö.) stammt das n wohl aus dem Akkusativ kome. 
Ähnlich in sonne (; sonnt ) v. 990, daher auch in dem Subst. son 
(sönum) v, 12891, aus den flexionsbetonten Formen des Ver¬ 
bums. Die Endung der 1. Pers. Plur. -on (statt -o«s) ist be¬ 
kanntlich unter Einfluß von summ umgeformt, und daraus 
-omes nach esmes, z. B. dison v, 1122 u. ä., caniommes 
v. 26 u. ä. 

7. Endlich ist ö in einigen Fällen aus ol reduziert, so in 
beson (aus besoign) in einer Ö- Assonanz, z. B. v. 2414, 9942. 
Dahin gehört auch avonne { avena ) v. 929, dem die Form avoine 
zugrunde liegt, und welche besonders im Burgundisehen, aber 
auch im Lothringischen und zum Teil im Wallonischen vor¬ 
kommt. 

Ü 

Geht auf vlt. u zurück, und zwar: 

1. auf vlt. w, wie in escu, plus, sus } male, -u und -ue. 
Auch in Wörtern germanischer Herkunft wie bu ( buk ) v. 419 

u. ö., dru ( drüt ) v. 1218 u. ö., oder keltischer, wie dru ( druto } 

v. 16286; 

2. auf vlt. ü, so in lus (lücium) v. 1483, 1493; 

3. auf lat. o unter Einfluß einer vorangehenden Labialis 
(s. W 7 iese, Blondei de Nesle S. 96) in repus (vlt. repösum) v. 5058. 

4. Analogischen Ursprungs ist es in der 3. Sing. Perf. der 
3. Klasse der starken Verba: jut v. 1037, aperfiit v. 8057. 

5. Pikardisch ist fu (föcum) v. 5044, obwohl dies einzeln 
auch anderswo begegnet. 

* i 

U 

_ i 

Nasales ü findet sich nur einmal in eine orale [7-Laisse 
eingestreut in geun (Jejunum) v. 1485, wo es also lat. ü vor 
Nasalis entspricht. 










40 


IY. Die Sprache des Gedichts. 


Ie 

Die Quellen dieses Diphthongs sind: 

1. vlt. f; dies entspricht: 

a) klass. freiem e: fier {fernin), ier (keri) , ies (es), arrier, 
derrier u. a.; 

b) klass. freiem ae: lie (laetmn), ciel, quier u. a.; 

c) germ. f: biet, bies (germ. bcd) v. 2603, 6565; 

2. germ. eo, eu in espie, espiel (epeui) v. 380, 3459 u. ö. f 
in estrier statt estrieu {sireup) v. 2165 u. ö.; 

3. vlt. ä in der Endung -ier, entsprechend dem lat. -aritim: 
hiretier, destrier, recourrier, encombrier, destourbier u. a. Diesen 
haben sich diejenigen Wörter angeschlossen, die im klass. Latein 
auf - erium ausgehen, wie me stier, moustier. Ebenso cntier 
v. 1085 u. ö. neben seltnerem entir (s. S. 36); 

4. lat. d unter dem Einfluß des sogenannten Bartschschen 
Gesetzes, also in Wörtern wie ckicr, vergognier, csmaiier, anoiier, 
aidier, esploitier u. ä. In einigen Fallen erscheint ie neben c 
(vgl. S. 35); so in irid, äirier, rcspiiier, aquiUer, di visier, pitie, 
amistie. Weiter haben sich angeschlossen delaiier v, 3476 u. ö.; 
deshaitie (von germ. hait) v. 346 u. ö. und rckaiiier v. 6495; 
auch coniraliier v. 3497, 3824, 549 L. 

Eine pikardisehe Eigentümlichkeit ist es sodann, daß ie 
sich auch nach lat. i-f- Dentalis findet, wie in fiter v. 10953, deviie 
(von vita) v. 19107; dahin gehört auch merciier v. 373 u. ö, 

5. Bemerkenswert endlich ist antii (antiquum) v. 384, 
Heiners (S. 31) erklärt die Endung durch Suffix Vertauschung, 
doch wäre eine Endung -i£ hier undenkbar. Antimon mußte 
correkt antiu ergeben, und dies wurde pikardisch zu an Heu, 
das dann zu antiä reduziert werden konnte, gerade so wie 
espiett zu espid (z. B. v. 380, 3459), freu zu ftc u. a. 

Ie 

Nasales i6 findet sich nur einzeln in orale Ie- Laissen ein¬ 
gestreut Es geht zurück auf: 

1. vlt. f vor Nasalis wie in bien v. 2154, 3819 u. ö.; 

2. vlt. ä hinter einer Palataliß vor Nasalis: paien v. 17414. 










IT. Die Sprache des Gedichts. 


41 


lu 

Der Diphthong in begegnet nur einmal, in liae ( leuca } 
v. 3913, das sieh in einer weibliehen /-Assonanz befindet, und 
die pikardiscbe Form des französischen Heue ist. 

Oi 

Dieser Laut geht zurück auf: 

1. rlt, e, und dies entspricht: 

a) klass. freiem e: moi, soi , smr, -oi {-etem), -oir (- ere), 
-oit {-ebat), -ois (-es em und -etis). Auch in Wörtern keltischer 
Abstammung, wie in palefroi v. 3950; 

b) germ. freiem e: conroi v. 12991, 15775; 

c) klass. freiem *: foi, noifpoil ; dahin doit (vlt d&ium, 
kl. digiium) v. 1890 u. ö.; 

d) germ. freiem i\ espoi ( spU ) v. 3944, esfroi (von fndu) 
v. 12994, Godefroi v. 15 773; 

2. vlt. g+sek. i: hi, roi, doi (debeo), noir, fois; 

3. vlt. e-j-sek. i; droit, ctdroit, toloit (- ectum), estroit, dois 
{diseitm), -ois {-isci/m), froit, or frois {aurum frisiian); 

4. vlt. ö-j -i: ambedoi v. 3882, crois (crucem) v. 3952. 

5. Auf Analogie Wirkung ist oi zurück zuführen in proi 
( preco ) v. 15 769, wo es aus den flexionsbetonten Formen, und 
in connois {euguosco) v. 3870, wo es ans der 2. und 3. des 
Sing, eingedrungen ist. 

Ol 

Kasai es oi begegnet einzeln in nasalen O-Laissen, was be¬ 
weist, daß der Ton auf dem ersten Bestandteil lag. Es finden 
sich in jenen Laissen poignent v. 2644, Cvuloingne v. 4368 und 
besoing v. 14298. 

Zum Schluß ist zu erwähnen, daß einmal auch ein so¬ 
genannter Augenreim vorkommt, nämlich von -ie mit ie, in¬ 
dem v. 1244 de Ion paile delte in einer weiblichen /-Laisse 
erscheint. Derartige Keime begegnen auch sonst, z. B. eie 
(sc trickene) est coinble . . de pechie Et de tox maus est en- 
techie Joufrois 619; weitere Beispiele gibt ToblerG.G. A. 1877, 
S 1605; W. Rolfs, Die Adgarlegenden, Rom. Forsch. 1, 215 und 
Foerster, Venus la deesse S. 51 (auch euteu). 




42 


IV. Dio Sprache des Gedichte. 


Konsonantismus. 

L 

1. L ist vor einem Konsonanten geschwunden: 

a) nach e: tes (talem + s) v. 18997, mortis v. 16225 u. ö., 
ostes v. 19087 u. ä.; 

b) nach i: gentis v. 10544 u. ö., signoris v. 13188, also 

# « 

nirgends -im. Hierher gehört auch il, da i vor Konsonant 
die Mouillierung verliert, also fis v. 12 523 u. ö. } lis v. 1450 u.ö.; 

c) nach u: mts (nullum-\-s) v. 1029; 

d) wahrscheinlich auch nach o, da z. B. dovce v. 4372 
in einer nasalen 0 -Assonanz voi kommt, Es wäre aber auch, 
wie das Beispiel von ol : o (s. S. 41) beweist, hier ebenfalls diphthon¬ 
gische Aussprache anzunehmen. 

2. Auch auslautendes l fehlt oft in den Entsprechungen 
der lateinischen Endungen * alem , -ilem. So findet sich in ge¬ 
reimten i?-Laissen: nahiri v. 10647, 10667,11787,11809 u ö., 
charni v. 13836 u. ö., in einer ebensolchen J-Laisse: genti 
v. 11446. In anderen Fällen ist das l erhalten, z. B. in ostel 
v. 10992, 11205 u. ö., mortcl v. 10 711, autel v. 10821, aiäretel 
v. 10837, 12 706 u. ö. In noch anderen geben die Handschriften 
auseinander, z, ß, schreiben in v. 16706 PRW: natnri, T da¬ 
gegen: naturd\ bei den gleichen Handschriften schwankt in 
v. .16 032 die Schreibung zwischen campe und campet Hie 
Formen mit l sind die normalen, die ohne l erklären sich als 
sekundäre Akkusative. In dem ersten, überwiegend assonie- 
renden Teile ist das l stets graphisch beibehalten, z. B. in tel 
v. 791, pel v. 1367, 3250, 4264, itel v. 1733, ostet v. 2271, 
3665, carnei v. 4671 u. a. Es läßt sich aber nicht mit Sicher¬ 
heit entscheiden, ob, wie es wahrscheinlich ist, das auslautende 
l für den Dichter Lautwert gehabt hat oder nicht. 

Dasselbe gilt von der Endung -il. Diese erscheint in 
gentü ausschließlich im ersten Teil, wo das l stets geschrieben 
ist, nämlich v. 2506 und 2532. Das Wort signori kommt stets 
ohne l vor, sowohl im zweiten Teil, im Reime auf -i, z. B. 
v. 10985, 11017, 11039 u. ö., als auch im ersten, z. B. v. 1445, 
3784, 4617. Und da diese Form auch sonst vorkommt, so ist 
vielleicht Suffix Vertauschung anzunehmen. 




















IV, Die Sprache des Gedichts. 


43 


3. Mouilliertes l im Auslaut nach i wird nicht ausgedrückt: 
escü v. 2570, 5751, 11482, peril v. 2499, 2765. Es ist aller¬ 
dings auch möglich, diese Formen als sekundäre Akkusative 
aufzufassen, in denen die Mouillierung also verschwunden ist. 
In einer gereimten J-Laisse erscheint auch fd v. 11018, essil 
v. 11040, 11482, wo das l möglicherweise ebenfalls nur gra¬ 
phisch ist, vgl. signori v. 10985, 11039 und 11473. 

4. ~alem ist für -arem eingetreten in autel v. 18332; 
-arem für - (dem, in principer v. 12423. Unorganisch ist l in 
espiel v. 9252, 9320 u. ö. neben espie (s. 8.40). Die Erklärung 
der Form gibt H. Suchier, Zs. f. rom. Pb. 1, 429 sq. 

R 

1. R wurde vor Konsonanten so schwach artikuliert, daß 
es ab und zu für den Reim nicht beachtet ist. So erscheint 
im Reim auf 

-es: soüers v. 18918; 

~is: sospirs v. 13195, plaisirs v. 15575; 

-us : purs v, 1030, perjurs v. 1497, 5061, seurs v. 5052, 
18278, Turs v. 5063; 

-ies: messagiers v. 15932, milliers v. 15947, Chevaliers 
v. 17375, destriers v. 17 384, premiers v. 17 387, miers v. 17410, 
fiers y. 19066. 

2. Dasselbe ist von dem r zwischen Vokalen zu sagen. 
So erklärt es sich, daß zwischen den weiblichen E ~Reimen 
Wörter Vorkommen wie pere v. 13253. Häufiger findet sich 
dies im ersten Teil, so bei vantere v. 4885, mere v. 4909, lere 
v, 4910 u. ö. Durch völligen Wegfall eines solchen r erklärt 
sich die oben (S. 36) besprochene Form haschie. 

3. 1 norganisch ist auslautendes r, nämlich durch Suffixver¬ 
tauschung zu erklären in estrier v. 2165, 2874 u. ö. 

M 

1. m reimt mit n : 

a) auslautcndes. So erscheint im Reim auf -on auch Mahom 
v. 14308; ira ersten Teil kom v. 5073, preudom v. 4820. Meist 
sind die Wörter auch graphisch angeglichen, wie in preudov 
v. 12872, Mahon v. 13749 u. a.; 








44 


IV, Die Sprache des Gedichts, 


b) inlautendes. Dies allerdings nur im ersten Teile, so 
sind in Laisse 2 miteinander gemischt: somme, preudome, boime, 
houmes, cantommes, sermonne u. a., ähnlich in Laisse 25. 

2. plon (plumbum) v. 252, 263 ist der korrekte sekundäre 
Akkusativ. 

N 

1. Hinter r ist austautendes n stets gefallen (sekundärer 
Akk.), z. B. in jor v. 49, sejor v. 52, tour v. 54 u. ö. Dasselbe 
gilt von auslautendem rn in eslor v. 312, 3707 u. ö. 

2. Mouilliertes n reimt im Auslaut mit nasalem und ist 
auch graphisch stets angeglichen, so in lin v. 10462 und engin 
v. 10467, 10480. Auch im ersten Teil begegnet diese Schrei¬ 
bung, z. B. in lin v. 1477, esc rin v. 4524, beson {= besoign) 
v. 2414 u. ö. Dagegen besoing v. 15298. 

3. Wie auch sonst, erscheint neben roncin (: -in) v. 10478 
häufiger die Form ohne n, durch den Reim gesichert z. B. 
v. 45i8 u. ö.; daher mit Flexiuns-s roncis v. 25n8 u, ö.; s. 
W. Foerster, Anm. zu Ai ul 615. 

V, F 

1. f ist vor dem Flexions-s stets weggefallen. Daher er¬ 
scheint im Reim auf -es auch ires [trabem-\-s) v. 15926 u. a.; 
auf -is: vis (vivum + s) v. 10553 und 12086. pensis v. 12547 u.a. 

2. Im Auslaut finden sich in gereimten Laissen Formen 
mit und ohne f, d. h. Formen des primären und des sekundären 
Akkusativs; wahrscheinlich ist der Unteischied zwischen beiden 
nur graphisch. So kommen vor im Reim 

auf -e: sone v. 11948 u. a,; 
auf -i: estri v. 11 037; 
auf -%6\ fi6 v. 11 504, 

Daneben clef v. 14142, noif v. 12990. Häufiger Formen mit 
f im ersten Teil, z. B. fief v. 1850, 2194. nef v. 1572, 
3135 u. ö. 

3. aniiqmtm erscheint fast immer in der Form anii 
v. 11442 n, ö,, antie v. 12 724 u. ö.; beide erklären sich aus 
der Femininform antica. Über antie v. 384 s, o. S. 41. 







IV. Die Sprache des Gedichts. 


45 


D, T 

1. Ursprünglich intervokale Dentalis ist stets geschwunden, 
wie in He u. ä. Der Kegel nach auch, wenn sie in den Aus* 
laut getreten wäre, wie in merci, vertu u. ii., die im Reim auf 
-%, -u erscheinen. Wir finden sie aber nach ie ganz einzeln 
erhalten, so in congiet v. 3543, liet v. 3842; auch in dem wohl 
jüngeren Worte biet (germ. bed) v. 2604. Dies ist bekanntlich 
eine Eigentümlichkeit des pikardischen, auch wallonischen und 
lothringischen Dialekts; es läßt sich aber nicht entscheiden, 
ob diese Formen dem Dichter oder nur dem Kopisten zuzu¬ 
schreiben sind. 

2 Ursprüngliches auslautendes t ist in folgenden Verb¬ 
formen verschwunden: 

a) in der 3. Sing, des Ind. Präs, der I. schwachen Kon¬ 
jugation; 

b) in a {Jiabei) v. 11413; daher auch in der 3. Sing, des 
Futurs; 

c) in der 3. Sing, der schwachen Perfekta auf -a, -i und 
-ie, z. B. in v. 13522, 14623, 17 356 u. a.; 

d) in dem Part. Prüf, auf -e, H, -u, -ii. 

3. Eine in den Auslaut getretene Dentalis hinter Kon¬ 
sonanten ist der Regel nach erhalten, nur nach einer Nasalis 
ist sie mehrfach geschwunden. Diese Formen ohne t erklären 
sich als sekundäre Akkusative. In der Schreibung ist dies t 
mehrfach beibehalten. So erscheinen im Keim auf -on einer¬ 
seits mont v. 10938, reont v. 15300, blont v. 17 718 u. a.; an¬ 
drerseits mon v. 13474 (in P), blon v. 18694 u. ö., also ein 
und dasselbe Wort in zwei Formen. So auch Fromont v. 5394 
neben Fromon v. 5429 {in P). 

4. Unorganisch ist das auslautende t: 

a) in Alemant v. 537 u. ü., arpant v. 10763, Jekant v. 13325 
u. ö., dromont v. 15302 nach amanx — anmnt; 

b) in folgenden Wörtern, in denen Suffix Vertauschung vor- 
liegi Orientalischen Ursprungs sind: Jherusalant v, 536 u, ö., 
Biauliant v. 7564, 18 959, Mötjsant v. 2724, drvgemant v. 12866, 
amirant y. 13679 u, ö, jascrant v. 18406; anderen Ursprungs: 
bauchant (von balteus) v. 10761, Mclanl v. 18134, 18672 und 














46 


IV. Die Sprache des Gedichts. 


päisant v. 16456. In dont v. 5385 liegt eine auch sonst be¬ 
legte graphische Variante von donc vor, da das auslautende t 
in dem proklitischen Worte wohl schon verstummt war. 

8, Z 

X, Eine wichtige Eigentümlichkeit unseres Textes, die auf 
das Pi kardi sch •Wallonische hinweist, besteht darin, daß aus¬ 
lautendes % jedes Ursprungs zu s geworden ist. Daher finden 
sich im Reim auf -es Wörter wie aves, tornds (- atmn-\-s ) u. a.; 
auf -is Wörter wie flouris \ - itum + s), poigneis {-ieium ); auf 
-ms Wörter wie agus u. a, Dies auch nach Konsonanten wie 
in vaiüans u. a. Ab und zu ist das % graphisch beibehalten, so 
in acex v. 14184, grevex (- aimn -f- s) v. 14189, vcrtux v. 1511 u. a. 

2. Außerdem ist in bezug auf s folgendes zu bemerken, 
Escons (mit analogischem n) verliert im Akkusativ zuweilen 
das stammhafte auslautende s. So findet sich neben escons 
v. 4793 u. ö. auch escon, z. B. v. 18093, rescon v. 2418, ja 
manchmal begegnet es in den verschiedenen Handschriften in 
verschiedener Form; so v. 677 escons in T, escon in den an¬ 
deren Handschriften. Ebenso erscheint als Entsprechung des 
lat. -ieium neben - is , z. B. vautis ( voll-) v, 890 häufiger -i, 
z. B. in vauti v. 11991, vautie v. 1549, 18503; ja ausschließlich 
-i in tresli v, 11488, treslie v. 1937, 9620, wo also -itum für 
-ieium eiugetreten ist. Dieselbe Endung ist anzunehmen in 
arabi v. 10995 u. ö. — Adverbiales s liegt vor in ensis v, 12548 
und in soues v. 16809 (in P). 

C, 0 

Auslautendes c vor Konsonant ist stets gefallen, so in 
blans, sans, ftans u. a. Im Auslaut wurde es hinter der Na- 
salis («} so schwach artikuliert, daß nc mit nt reimt, auch 
graphisch mit diesem wechselt. So finden wir in gereimten 
Baissen auf -ant auch flanc v. 3 2822, baue v. 12864, blaue 
v, 13919, sanc v. 14525 u. a.; in gereimten Baissen auf -on 
auch lonc v. 5392 und selonc v. 13444. Daher findet sich 
neben branc v. 13 922 u. ö, sogar häufiger die Schreibung 
brant, z. B. v. 15847 u. ö. Ebenso neben Monbranc v. 2731 u. ö. 
auch Monbmnt v. 11717 u. ö. 





IV, Die Sprache des Gedichts. 


47 


Daß auch die anderen stimmlosen Verschluß- und Reibe¬ 
laute hinter Nasalen schwach artikuliert wurden, daher im 
Reim vernachlässigt werden konnten, wird dadurch bewiesen, 
daß z. B. im Reim auf -mit erscheinen: an v. 11720, pan 
v. 17456, camp v. 16995, 16698, 17 304, sans v. 13006, ans 
(intus) v. 13655; ebenso im Reim auf -on: sont v, 12997, mont 
v, 13437, reoni v. 15300 u. a. 

B. Floxionslehre. 

In betreff der Fiesionslehre, speziell der Deklination, muß 
vorausgeschickt werden, daß der Kopist von P, also vermutlich 
Pierre du R:6s, in seiner Abschrift möglichst überall reine 
Reime herzustellen gesucht hat, ab und zu sogar auf Kosten 
der grammatischen Korrektheit. Ebenso ändert er zu demselben 
Zweck manchmal den zweiten Halbvers, einzeln sogar den 
ganzen Yers (Belege bei Kühl, a. a. O. S. 9). 

Maskulina. 

Klasse Ia. 

1. Das Nominativ-s ist nachMeiners (S. 45) durch die Silben¬ 
zählung in 25 Fällen gesichert, z. B. in rickes et v. 902 usw. 
Auf dieselbe Weise sind nur drei flexionslose Nominative nach¬ 
gewiesen, nämlich in c’est damage et pite v. 9437 (Prädikat), 
li Service cst sonnes v. 17069, n’i a si povre, ne sott ricke et 
manant (Prädikat, in RW fehlt et) v. 17451. In P findet sich 
außerdem noch: dont li cercle est doris v. 2929, wo aberR W 
a un cercle dore lesen. Die Kopisten haben das Nominativzeichen 
allerdings mehrfach ausgelassen, was keines Beleges bedarf. Der 
Kopist von P zeigt, wie bereits erwähnt, das deutliche Bestreben, 
im Versausgang, und zwar nicht nur im zweiten, sondern auch 
im ersten Teil des Gedichtes, nach Möglichkeit für das Auge 
einen genauen Reim herzustellen, und tut dies sogar nicht selten 
auf Kosten der Grammatik. Sehr oft weisen daher die andern 
Handschriften dann die korrekten Formen auf; z. B. hat P in 
v. 71 fu Chevalier: -ier, dagegen CT: Chevaliers ; in v. 304 mande 
barons et vavassour: - our hat T: vavassours ; in v. 411 est 
descendu: -u hat T: deseendus usw. Besonders im zweiten 




48 


fV. Die Sprache des Gedichts. 


Teile, wo der Reim noch mehr über wiegt, z, B. liest in v. 14567 
P: Chevaliers vaülant, die übrigen Hss. haben vaillattS] in 
v. 14802 P: Eueres, ses anemis morte, die übrigen. Hss. mortis, 
und so mehrfach (s. Heiners S. 153sq.). — In anderen Fällen 
weist wenigstens eine der übrigen Hss. die korrekte Form auf, 
so in v. 15321: a ma fin sui ale P, alc's T; v. 15339: (esioit) 
moult de lui prive P, prives T, und so öfter. P geht sogar 
so weit, den Keim ab und zu gewaltsam für das Auge herzu- 
sttllen. Der Kopist schreibt z. B. im Reim auf -is den Akku¬ 
sativ l'annres v. 18 299, wo T richtig l’amiri hat; im Reim auf 
- is : cl pulais signor is, w r o R und W korrekt -i lesen. Umgekehrt 
im Reim auf -e: moult en i a d'occis et d’afoli v. 14784, T 
korrekt -is; ebenso v. 15104: Cauches ot bonnes et esperon 
dori, BTW : esperons dores usw. 

Ich habe in den Text stets die grammatisch korrekte Form 
eingeführt, wenn diese sich in wenigstens einer Hs. vorfindet. 
Dagegen habe ich eine Änderung nicht vorgenommen, wenn 
alle Hss. übereinstimmten; z, B. lesen in v. 16 606 alle 4 Itss. 
PRTW: lor baille Quinse sommicrs d'or et d'argent troussi: 
-e. Es läge nahe, troussis zu ändern und dies als Attribut 
zu sommiers zu zielien. Ich habe aber den überlieferten Text 
beibehalten und fasse trousse als Attribut zu d'or et d’argent ; 
ähnlich in den übrigen Fällen. 

2. Als Vokativ finden sich schon mehrfach Akkusativ¬ 
formen, sowohl im Singular, w r ie im Plural, wenngleich die 
Kominativ.Eormen entschieden überwiegen. 

3. Im. Akkusativ werden, besonders im zweiten Teil, häufig 
die sekundären Formen, also die ohne den konsonantischen 
Sta in mauslaut verwandt, weil diese besser in den Reim paßten, 
so Formen wie morte, campi, fie, espie u. a. (s. S. 42, 44 und 
45). Fis als Akkusativ hat das s aus dem Nominativ. 

4. tm Nom. Plur. sind die Formen ohne s die über¬ 
wiegenden. Der Kopist braucht im Innern hin und wieder 
Akkusativ formen. Auch hier führt P ab und zu ein s ein, 
um einen genauen Reim herzustcllen, so in v. 15 910: qui i 
sont assambles, gegenüber von assambli iu X, und so öfter. 






I V. Die Sprache des Gedichts. 


49 


Klasse Ib. 

1, Durch das Versmaß (Silben zäh lang) werden die kor¬ 
rekten Nom.-Formen ohne s in folgenden Fällen gesichert: rostre 
oncles v. 977; rostre escuiers v. 1863; se ses pere ert. v. 9983 ü. a.; 
frere als Vok. v. 4096. 

Yiel zahlreicher sind aber Formen, die analogisch nach ! 'a 
ein s haben; nach den Untersuchungen von Heiners (S. 51) 
sind es 10, z. B. que vous si povres estes v. 1824, Mes peres 
ot v. 1750, 2264, peres omnipoiam v. 7555, Ses freres est 
v. 16916, et vostres autresi v. 13205; der Kopist von P ver¬ 
wendet sie noch viel häufiger. 

2. Im Nom. Plur. finden sich in einzelnen Handschriften 
hin und wieder Akkusativformen, z. B. v. 10550 im Reim auf 
-is: autres progams amis in PW, autre prorain amis in R; 
v. 10 688 in i 1 : Et uns et autres, bauehans et pumeU, wo 
also im Reim die korrekte Form steht, welche die übrigen 
Handschriften auch im Innern aufweisen; letztere sind daher 
in den Text aufgenommen. 

Klasse Ha. 

Die korrekten Formen sind hei weitem die überwiegenden, 
doch finden sich einzeln auch analogische verwandt, meist aus 
metrischen Gründen. So im Reim auf - ant : re fit. Eueres 
Venfant v. 951; gargon als Vokativ in: Fel gargon losengier 
v. 3408, als Akkusativ gart v. 7323. Statt mens erscheint 
einmal contes in Onques plus riebe not ne contes ne rois 
v. 1884, also eine Nominativbildung aus dem Akkusativ. Über 
mVs in: En la vite ot un glouton parjurä, Nies l'arcevesque 
v, 6647 s. die Anm. zu dieser Stelle. 

Klasse II b. 

1. Auch hier sind die lautgesetzlichen Formen bei weitem 
überwiegend, nur findet sich im Nom. und Vok. Sing, sehr 
häufig ein analogisches s (vgl. Ib), z. B. ancestres v, 4904, 
leckieres v. 2118 u. ö., wo nicht zu entscheiden ist, ob dies 
dem Dichter oder dem Abschreiber in die Schuhe zu schieben 
ist. Im einzelnen ist folgendes zu bemerken: 

Stliuming, Roeve do ITantone. 


4 






50 


TY. Die Sprache des Gedichts, 


a) vou denen auf -tor, -toris zeigt der Nom. träitre im 
Innern des Verses meist Formen mit analogischem s, im Reim 
stets solche ohne dieses. Das s ist durch das Metrum gesichert 
in: com träitres ouvrä v. 8940. Im Akk. Sing, meist träitour, 
doch zweimal träitre, nämlich in: Qm un träitre aie mort 
a ma lance v. 2225 und du. träitre Amnurri v. 11043, also 
beide durch das Metrum gesichert. Dieselbe Form neben der 
korrekten auch im Nom. Plur., z. B. Sc K träitre .. pueent 
r. 861; besonders in der weiblichen I- Assonanz, wie in v. 1552. 
5301 u. ö. Der Vok. Plur. lautet v. 8076 in P träitres par- 
jurßs, in ßW träitre parjurF, 

b) von denen auf -o, -onis hat auch der Nom. her oft 
ein a, nicht jedoch in der Apposition, als Prädikat oder im 
Reim. Eine Akkusativform erscheint als Nom. in moult a fait 
tpie felon v. 10913. Als Akkusativ kommt neben haron in P 
einmal her vor: h gentil et Je her: -er v. 15472. wo IiW jedoch 
lesen: qni ert gentil et her . Die Nominativ form, lerres ist durch 
das Metrum gesichert in: Demain pendra comrne lerres au vaut 
v. 1170; ebenso die gleiche Yokativforra in: Ficus a putain, 
lerres atapines v. 6908, im Vok. Plur. durch den Reim die 
Form lere in: fei träitour, mal lerc v. 4910. 

Compaign kommt im Sing, nur als Vok., und zwar als 
compains vor, z. B. v. 1582 u. ö., sowie als Akk. compaignon ; 
einmal als compaing : eit son compaing fern v. 11052. Fel, 
felon ist regelmäßig, nur begegnet felons als Nom. Sing, in 
uns felons Sarrazins v. 5835; als Vok. fei (s. lere). — Glout . 
glouton zeigt folgende Abweichungen: als Nom. Sing, glous 
v. 4048 u. ö.; gloutom, z. B. eisgloutons pautonniers v. 3422 u. ö.; 
di st li glouton v. 13472; als Vokativ: fü a putain, glouton 
v. 1117 u. a.; Nom. Plur.: Cfe,«? deus gloutons P, Oil dui glouton 
RW in v. 2031. 

c) Einzelne: sire, signor. Als Nom. und Vok. ist sire ohne 
analogisches s durch das Versmaß gesichert in: Sire ert des 
untres v. 2097; Mes sire cst cuens v. 7605; biaus sire, öil, 
asses v. 17 663; biaus sire, or m'entendes v. 18483, Dieselbe 
Form erscheint im Reim, z. B. in einer weiblichen i-Laisse 
v. 1558, 1958 u. ö. Im Innern findet sich die Form meist mit 







IV. Die Sprache den Gedichts. 


51 


s, z. B. als Nora. v. 258 u. ö.; als Vok. v. 9210 u. 5.; seltener 
sire, z. B. 2166 u. ö. — Hom, ho me. Neben kom im Innern, 
z. B. v. 324, 915 ti. ü. auch im Reim auf -on, B. v. 247 u. ö.; 
ebenso on, z. B. im Reim auf -on v. 669, 1X07 u. ö. Im Nom. 

Plur. unregelmäßig hom: En graut perü so nt mis li gentil 
hom v. 13438. Bas Wort erscheint auch in preudome. So in 
dieser Form als Nom. Sing. v. 930 und 988 im Reim. Häufiger 
aber mit Verkennung des Ursprungs als Nom. Sing, preudom 
v, 709; durch das Metrum gesichert v. 1614; im Reim auf -on: 
v. 10888, 12872 u. ö. 

d) Dieser Deklination folgen bekanntlich einige Eigen¬ 
namen. So Bueve, Bovon, doch ist der Name in den Hand¬ 
schriften meist abgekürzt. Ist er ausgeschrieben, so steht meist 
Bueves, selten Bueve, Die Form mit wird auch gewöhnlich 
durch das Metrum gefordert, so in v. 29, 80, 985, 1028, 1312, 

1702, 1738, 1875 usw.; die ohne s nur in: Bttis que Bueve ot [ 

v. 1191, Bueve cn ftert un v. 2051, Bueve est mes nies v, 6671, i 

ee que Bueve a conte v. 13 357. Als Nom. erscheint die Akkusativ¬ 
form in: II et Buevon v. 8366 und in: li damoisiaus Buevon 
v. 1105 im Reim auf -on. Im Vokativ: Bueve, sc. B. v. 2205 u, ö. 

Als Akkusativ wird in den Handschriften meist Buevon, selten 
Bovon geschrieben. Daneben erscheint auch Bueve, z. B. durch 
das Metrum gesichert v. 57, 549, 1246, 1261, 1354, 1480, 1668, 

1674, 1695, 1766 u. ö. 

Do, Doon zeigt meist die korrekten Formen. Abweichungen 
sind: im Akk. Do, B. durch das Metrum gesichert v. 160, 

280 u. ö, 

Haie, Haton. Im Nom. findet sich auch Haies, so v. 492, 

6212 u. Ö.; im Akk. auch Haie, z. B. durch das Metrum ge¬ 
sichert v. 6393, sonst v. 8075. 

Gut, Guion. Im Nom. liegen nur Formen mit s vor, so 
v. 71, 123 u. ö. Im Akk. neben Guion seltener Gui, nämlich 
v. 286 und 1017. 

Oede, Oedon. Die korrekto Nominativform Oede kommt 
nur als Vok. v. 7868 vor, sonst solche mit s, wie v. 7641, 

7696 u. ö. Der Akkusativ lautet Oedon , findet sich aber nur 
v. 7685. 

4* 







52 


TT. Die Sprache des Gedichts. 


Feminina. 

Klasse Ta. 

Da die Gruppe I der Feminina schon im Altfranz, den 
neufranz. Standpunkt erreicht hat, so ist hier wenig zu be¬ 
merken. In v. 1599 erscheint als Nom. Sing, in P hontes, in 
KW honte. In ersterer Form ist das Wort als Maskulinum 
behandelt, ein Brauch, der sich im N. und N.O. mehrfach findet 
(s. die Anm. zu dieser Stelle). In v, 12603: Lors fu plus noire 
(sc. Josiane) lesen PR noirs, und die männliche Form ist viel- 
leicht absichtlich gewählt, weil Josiane in jener Episode als 
Spielm&nn verkleidet erscheint. 

Dieser Klasse schließen sich auch die lateinischen Maskulina 
auf -a an. Sie haben im Nom. Sing, aber oft ein analogisches 
s, so in propketes v. 34, hermites v. 4181, 19002 und pairi- 
arches v. 34.86, allerdings nie durch die Silbenzahl gesichert. 

Klasse Ib. 

Im Nom. Sing, wird an den Stamm oft ein Flexions-s an¬ 
gehängt nach Analogie der Maskulina von Ia, besonders im 
Innern des Verses; so in canckons v. 21, vertuz v. 2009, tours 
v. 4801 u. a. Daher auch bei den dazugehörigen Adjektiven, 
wie in granx pitite v. 4224 u. a. Im Versausgang, je nachdem 
der Reim dies erfordert, z. B. moullier: -icr v. 12578, canchon : 
-on v. 12890 u. a.; aber gentis: -is v. 12150, verhts : -us 
v. 17472 n. a. 

Im Akk. Sing, fügt P auch hier ohne Bedenken ein s an, 
um'einen Augenreim herzustellen; so im Reim auf pöestis 
v. 14209, foletts v. 14599 u. a. Dementsprechend läßt derselbe 
Schreiber im Reim auf ~e auch im Akk. Plur. das lautgesetz¬ 
liche s gelegentlich weg. z. B. in Heng qnatre roiauM v. 17186 u. a 
Wo nun in den übrigen Handschriften sich die korrekten Formen 
linden, habe ich stets letztere in den Text eingesetzt, sonst die 
andern beibehalten. 

Das lat. rem erscheint im Nom. Sing, als neu, z. B. v. 6961; 
im Akk. Sing, als riens, z. B. v. 3358, 3953 und so stets, mit 
Ausnahme von de rien v. 9992 und von de nttle rien v. 12591. 




















I V. Die Sprache des Gedichts. 



Klasse II. 

Hier kommt nur stier, seror in Betracht, das stets regel¬ 
mäßige Formen auf weist. — Dieser Klasse schließen sich an: 
Nom. Sing, nonne v, 8530 und pute v. 590, Akk. Sing, pntain 
v. 1117, 6257 u. ö. 


Adjectiva. 

Die Bildung des Femininums gibt zu folgenden Bemer¬ 
kungen Anlaß. 

1. Die auf -isca zeigen fast immer die lautgesetzliche 
Form: frescke v. 286 u. ö., bretesehe v. 4420; die analogische 
nur in frangoise v, 1936. 

2. Das korrekte longe kommt nur in lonyement vor; sonst 
stets das jüngere longue , z. B. v. 2656 u. ö.; daher dann auch 
longimnent v. 596 u. ö. 

3. Die auf -ois bilden ausschließlich -oise, z. B. courtoise 
v. 6051 u. ö., bourjoise v. 11301. 

4. Die auf -al, -el, -il stets lautgesetzlich: crüel v. 10218, 
loial v. 14400, vilment v. 7092 u. a. Ebenso die auf - antem , 
mit alleiniger Ausnahme von gaiande v. 3214. 

5. tel und quel weisen meist die korrekte Gestalt auf, doch 
finden sich daneben auch analogische Feminina; so durch das 
Metrum gesichert in: Tele prison v. 5495, 1)e tele mort v. 13889, 
Tele li donne v. 15609 u. a., De quele mort v. 5195, De quele 
terre v. 7632, qiteles nouveles v. 10021, et quele fermete 
v. 12233 u. a. 

6. Das bekanntlich schon sehr alte Fern, gründe erscheint 
bei uns recht selten; gesichert in v. 12303, weil in weiblicher 
nasaler A-Assonanz. In anderen Fällen haben einige Hand¬ 
schriften die korrekte, andere die analogische Form, z. B. v. 8546 
grande paine endurer P, gratis paines endurer RAV; ähnlich 
v. 10083, 12125 u. ö. 

7. Vetus und viridis weisen ausschließlich die historische 
Femininform auf; ebenso findet sich der Regel nach fort ; die 
jüngere in de forte heute fu nee v. 12478 stammt vermutlich 
vom Kopisten, da R fort (T abweichend digne) liest. 





54 


IV. Die Sprache des Gedrohte. 


Komparatio n. 

Von den lateinischen synthetischen Komparativ formen 
kommen folgende vor: 

Sing. N. li maires als Substantiv v. 8498, 8563, mieudres 
v. 87, 19117 (in v. 16000 verwendet i 1 dafür die Akkusativ¬ 
form millor). — Als Femininum mieudre v. 13394, 14241. 
Der Vers 3, der sich nur in P und W findet, lautet in P: 
Meillour de li ne puet estre chantee (sc. eanchon) , iu W: I)e 
meilleur geste... — Akk. m. grcignor, grignor v. 299, 1126; 
nufour v. 291; daneben die Nominativform le mieudre v. 85. 
I’lur. N. li mcnour v. 43; Akk. pieurs v, 13911. 

Von lateinischen Neutris sind abgeleitet: maius v. 13586, 
pis v. 2548, ntieus v. 10590. 

An gelehrten Superlativbildungen finden sich folgende: 
saintisme v. 563, 16834; sodann mdloitisme in der Wendung 
maloitismc son gre ,,ganz gegen seinen Willen“ v. 14557; end- 
lich als Substantivum abisme v. 4281. 


Artikel. 

a) Der bestimmte. 

1. Das Maskulinum bietet nichts Bemerkenswertes: Sing.N. 
li, 1‘; Akk. le, V; de + le> dcl, dou, du de a -j- le > ul, au, 
a V; en + le > d, ou, u; Flur. N. regelmäßig li; iu v. 10528 
schreibt P: Les trenie et eine en sont as murspuiie. Da sich 
jedoch in W richtig li findet, so ist der Fehler auf Rechnung 
dos Abschreibers zu setzen. De + les > des; a -j- les > as; 
en + les > es. 

2. Das Femininum lautet im Sing. N. der Regel nach la, 
daneben aber auch li, z. B. li gaiande v. 3214; li balaille 
v. 9304 u. a. Auch vor Vokalen, z. B. li aube v. 3897 u.a. — 
T m Akk. neben gewöhnlichem la auch le, z. B. le boneke v. 886 
le main v. 3774 u. a. Dagegen wird dies le in unserem Texte 
nie an de oder a angelehnt. — Tm Plural unterscheidet sich 
das Femininum nicht vom Maskulinum. 






























IV, Di? Sprache des Gedichts. 



b) Der uübestiinmte. 

Der unbestimmte Artikel bietet nichts Bemerkenswertes. 
P verwendet im Nom. Sing, einzeln schon Akkusativformen, 
z. B. ne un ne aut re v. (1054 u. ö,, doch weisen die anderen 
Handschriften stets die korrekte Form auf. Der Plural findet 
sich besonders vor Bezeichnungen paarweise vorkommender 
Gegenstände, z. B. als Akk. Flur, uns esperons v. 17085 u. ü.; 
doch auch sonst, z. B. ttnes buies v. 2633; wies lelres v. 3725 u.ö. 

Pronomina. 

1. Personale. 

a) Satzbetontes. 

1. Der Nominativ lautet von der 1. Person selten je, jou, 
z. B. et je por lui v. 7106. 15 796, je meismes v. 17186, et jou 
ei aut res v. 4755; ebenso selten in der 3. Person il, eie, z, B. il 
et ses frere v. 8006, de et I)o v. 1407 u. a. Meist ist die Akku- 
sativform als Nom. verwandt, z. B. in wof et Buevc v. 2241; 
soions moi et toi acorde v. 041S u. a. Dies frühe Vordringen der 
obliquen Form erklärt sich nach Ebeling, Probleme der romani¬ 
schen Syntax 1,162sq., durch den Einfluß der bekannten Wen¬ 
dling entre moi et toi im Sinne von je et tu (s. Anra. z. v. 2241). 

Als Akkusativ erscheint im Innern des Verses für die 
1. und 2. Person meist moi, toi , z. B. v. 151, ISO u.ö-, mi nur 
einmal v. 19127 in dem nur in P befindlichen Schluß. Da¬ 
gegen im Reim mi, ü häufiger als moi, toi, was allerdings 
wohl darin seinen Grund hat, daß das Gedieht nur 6 0/-Baissen, 
dagegen sehr viele I- Baissen auf weist. So erscheint mi v. 2546, 
5877 u. ö., ii v. 621, 2466 u. ö. Diese Formen, die sich haupt¬ 
sächlich im Pikardischen, seltener im Lothringischen finden, 
werden auch in Gedichten anderer Herkunft in Assonanz und 
Reim verwandt {s. Andresen, 1 Iber den Einfluß usw. S. 41). — 
Die 3. Person des Maskulinums lautet meist korrekt lui; da¬ 
neben li, seltener im Innern, z. B. Li et Gerart v. 6470; 
häufiger im Reim, z. B. avoec li v. 1444, les li v. 4996 u. Ö. 
Die Femininform ist fast durchweg li , nur zweimal erscheint 
in einzelnen Handschriften dafür lui, nämlich v. 960 o lui P, 
o li CT, und v. 13310 jouste lui PW, jousle li R. 


56 


IV. Die Sprache des Gedichts, 


2. Von den Formen des Plurals sind die der 1. und 2. Person 
regelmäßig. Die der 3. lautentim Maskulinum eis, eits, doch 
auch als, am, z. B. v, 1507, 4562 u. ö., einmal taus v. 801. 

3. Als reflexives Fürwort der 3. Person erscheint soi und 
lui, U; bei präpositionalem Inf. lui, eis. 

b) Satz an betontes. 

1. Das Pron. der 1. Person lautet im Nom.^ow, häufiger je, 
ge. j\ (f. — In der 2. Person erscheint neben regelmäßigem tu 
zweimal tc als t': t'en aras im loiier v. 6259; ähnlich v. 14314. 

* -n 

In der 3. Person ist die männliche Form durchweg il, im 
Fern, erscheint neben gewöhnlichem eie seltener die Kurzform 
el, z, B. durch das Versmaß gesichert in Quant el sara v. 11468. 
— Der Akk. lautet im Mask, regelmäßig le, das in gewissen 
Fällen angelehnt ist (s. S. 25); im Fern, neben la sehr häufig 
le, z. B. v. 568, 2714 u, ö. — Im Plural korrekt lor, lour, 
kur; les, 

2. Possessivum. 
a) Satzbetontes. 

1. Im Mask. rniens, tiens, siens mit regelmäßiger Dekli¬ 
nation; im Fern, moie, tote, sote, daneben la soe honten v. 4170 
und la siue honU v. 3017, 7570; Plur.: par les siues bonUs 
v. 17 099; sogar iiue in la tiue volente v. 9882, das nach 
Schwan-Behrens, Afr. Gramm. S. 181 Anm., nicht belegt ist. 

2. Von der Mehrzahl korrekt nostre, vostre. Die verkürzte 
Form erscheint nur in dis des nos v. 10517. 

b) Satzaubetoutes. 

1. Das Possessivum des Singulars lautet im Nom. des Mas¬ 
kulinums mes, tes , ses. Ausnahmsweise ist die Akkusativform 
verwandt in Moi et mon frere . . . avons dit v. 5774 und 5901, 
vermutlich unter dem Einfluß des Akkusativs moi; sowie in 
A Josiane aproche son confort v. 11733, wo confort des Reimes 
wegen ohne Flexion geblieben ist und so die Verwendung von 
son statt ses veranlaßt hat. — Im Akkusativ erscheint neben 
gewöhnlichem mon, ton, son hin und wieder men, teil , scn, 
z. B. v. 838, 3591, 6259 u. ö. — Plur, N. -mi, ti, si; Akk. tes, ses 






















IV. Dia Sprache des Gedichts. 


57 


2. Das Femininum lautet im N. und A. Sing, regelmäßig 
ma, m’; ta, V; sa, s-’. Daneben kommt die dialektische Form 
mit e tot, z. B. me ferne v. 14084; se gent v. 1010 u. ö. — 
Die im Nfr. vor einem Vokal gebräuchliche Maskulin form findet 
sich nur in a son ost ajoustee v. 13275 und sonost v. 14946. 
In letzterem Beispiel liegt aber möglicherweise dio männliche 
Form Vor, da ost zwar meist als Femininum, aber daneben 
auch als Maskulinum erscheint. — Der Plural lautet in Über¬ 
einstimmung mit dem Maskulinum mes, ses. 

3. Im Possessiv um des Plurals lauten die Geschlechter 
gleich; als Sing. N. nos, vos, z. B. nos Chevaliers v. 2167, vos 
nies v. 6866; Akk. no, vo, z, B. no terre et no päis v, 5750; 
vo fol penser v. 6933. — Plur. N. nos, z. B. nos males v. 12040; 
Akk. nos, vos , z. B. nos vies v. 860, vos volentes v. 8490. Da¬ 
neben erscheinen auch die satzbetonten Formen nostre, vostre, 
z. B. v. 8805, 2245 u, a. In der 3. Person lautet die Form in 
beiden Geschlechtern und Kumeris lor, lour. 

3. Demonstrativum. 

Eine Unterscheidung in der Verwendung der ursprünglich 
satzbetonten und satzunbetonten Formen ist nicht zu erkennen, 
doch kommen die letzteren ziemlich häutig vor. 

a) ecce iste. 

Sing. N. rnask. subst. und adj. eist nur v. 1438, 4953 und 
9673; sonst regelmäßig cis, seltener ieis, z.B. v. 4515, 16380. 
Einmal ist die Akkusativform icest verwandt: Teesi a faire li 
sera einer vendus v. 1240. — Akk. cest, icest; letzteres z. B. 
v. 1240, 13611, seltener cestui , subst, z.B. v. 12021, 12493 u. ö., 
adj. nur in cestui regne v. 13341. — Fern, teste, seltener 
iceste, z.B. icest e foiic v. 1261, icesle dame v. 4494 u. ö. — 
Plur. masc. Nom. eist, icist nur in icist mien compaignon 
v. 4836. In v. 2031 schreibt P: Ces deus gloutons, wofür 
jedoch RW richtig CU dui glouton lesen. Als Akk. ist ces 
nur adj. belegt, und zwar mask. und fern. — Das Neutrum 
lautet <;ou, häufiger ce, che, c, ch’; ice nur v. 9567 als Nom. 
















58 


lY. Die Sprache des Gedichts. 


t>) eece illo. 

Sing. N. mask. subst. und adj. eil, ieil; letzterem z. B. v. 189, 
1216 u. ö. Die Form cieus v. 38 gehört wohl dem Kopisten 
an; nach Meyer-Liibkc, Gram. II, 120, begegnet sio in der 
zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts im Pik.-Wall.-Lothr. — 
Akk. eel, icel, celtU, icelui; letzteres adj. in en icelui regne 
v. 13359. — Plur. N. eil, icil, A. cels, eens, nicht selten ciaus, 
z. B. 449, 10509, alle drei Formen nur substantivisch.— Fern. N. 
und A. ede, icele ; subst. im Akk. auch celi, z. B. v. 12267, 12312. 

4. Relativ um. 

1, Nom. Sing, und Plur. qui, li\ seltener que, qu\ z. B. 
v. 1974, 9051, 9113 u. a.; als Plur. v. 9035, 12957. Akk. que, 
ke, qu\ /,'; als Akk. und Dat. auch cui, das nicht selten qui 
geschrieben wird. Que als Bat. in: son pere ... Que Guts 
frmeha Je chicf v. 260, wo C qui schreibt, und in: Poitr fr 
prevost, k'cti'oit s'amor douuee v. 14350; als Plur. in: Nevcus 
et frercs, que done av6s tant v. 5578, wo E cui liest. 

2. Als Neutrum erscheint im Nom. qui in: ce . , qui nie 
seroit inestier v. 557 und beziehungslos in: ne sot qui li ert 
u venir v. 2457; ähnlich v. 13097. — Als Akk. stets qitci ; die 
Form coi in Vor de eoi ü sout massis v. 4563, und sogar auf 
Personen bezogen: fei muri Da eoi eis regnes pulst cstre maim- 
Intrnis v. 623. — Die beiden Adverbia dont und ou vertreten das 
Kclativum mit de und a. 

ö. Interrogativ um. 

Nom. Sing, und Plur. qui. — Bat Sing, cui, z. B. cui 
chaut? v. 12917 und 12932. — Bas Neutrum lautet im Nom. 
und Akk. que, qiC ; nach Präpositionen quoi, z. B. v. 498, 622; 
in P einmal sogar, wo nach einer Person gefragt wird: de eoi 
fu Ja canckon? v. 12890, wo RW auch cui lesen. — Que . , 
que wird distributivisch im Sinne von „teils .. teils“ gebraucht 
in: Que bues, que vaches, que roncis, que pourccl v. 4919, 
que bourgois, que archier v. 6099. 

Indefinita. 

Chaseun, autre und nul bieten nichts Bemerkenswertes. 
El erscheint in: je ne vous demant cl v. 5649, — Anques in: 


















IV. Die Sprach* des Gedicht?. 


59 


Se ü vit auqucs x. 1584 und 1894. — Neben Ul findet sicli 
ohne Unterschied itel. — Von laut kommt die pikardiscbc Form 
des Nom. Plur. tot, tout ebenso häufig vor, wie die reichsprach- 
liche tuit. 

Konjugation. 

1. Präsens Indikativ. In der 1. Sing, der ersten schwachen 
Konjugation sind die lautgesetzlichen Formen fast allein ge¬ 
bräuchlich. Solche mit analogischem -e sind selten durch das 
Versmaß gesichert, wie pleure v. 5718, da inte v. 5713 (in KW 
anders). In P finden sich noch einige weitere Fälle, teils in der 
Cäsur wie: Pres sui quel prueve v. 9009 u. a., in denen jedoch 
die anderen Handschriften die korrekten Formen haben, so Pins 
l'aimme v. 1744, gegen l'aim je KW: ne prise v. 4858 gegen 
ne pris je KW; ebenso me prise v. 8025 in der Cäsur gegen 
me pris KW.— Formen auf - is sind: vois v. 1513 u. ö. und 
truis v. 5627. Spuren des j in doing v, 18845 neben doin.s 
v. 162, pardoins v. 8556. Aus den übrigen Konjugationen: 
seinoing v. 16943; neben gewöhnlichem vieng einmal vim 
v. 8524: umgekehrt neben pren v. 622 auch preing v, 12235; 
neben sueil v, 176, vueil v. 31.48 u. ö. auch vuel v. 790, das 
aber vielleicht nur graphisch ab weicht. Lautgesotzlich ist has 
{diattio) v. 674. Unorganisches d. h. analogisches -s findet sich 
nicht Ganz einzeln das pikardische e, ch, nämlich in peiy 
x. 16163. 

2. Die 1. Plur. endigt im Inneren des Verses meist auf - ans, 
also alons v. 3830, savons v. 12118 u. a. Dagegen -on im 
Keim auf - on, so in dison v. 1122, haon v. 10930 u. a. Ganz 
selten im Innern -on, wie in davon v. 6445; im Keim -ans, 
z. B. eelerons v. 4834. Daneben einzeln -omes, z. B. im Keim 
repairomes v. 4370, ebenso in v. 4371, 4373, 4377, 4378 u. ö.; 
im Innern avommes v. 8569,13 958, irommes v. 11 561,11917 u. a. 

3. In der 2. Plur. bat sich die Endung -dis in einigen 
Futurformen erhalten, nämlich in porrois v. 3928 und perdroi.s 
v. 3930 im Reim, orrois v. 1939 im Innern. 

4. Im Konj. Präs, von I lautet die 1. Person durchweg 
lautgesetzlich, nämlich chant v. 11693, devis v. 12544, beide 
im Reim. Ebenso die dritte wenigstens last durchweg, also 






















BO 


IV. Die Sprache des Gedichts. 


gart, conjurt, otroit u. a.; doch findet sich, ein analogisches -e 
in dieus grant hounor vons donne v. 984; angois que prime 
sonne v. 990, beide im Keim; dieus snuve ti v. 13584 durch das 
Versmaß gesichert; dagegen nicht in Que ne s’psfroie v, 11604. 

In den übrigen Konjugationen erscheint regelmäßig -e. 
In einigen Fallen mit analogischen Nebenformen wie voise 
v. 1053, voist v. 4965 u. Ö., voit v. 15564; puisse v, 2998, 
13731 (in P, pulst in RAV) und pulst v. 814 u. ö.; truissc 
v. 16642. Außerdem auch soit v. 221 und ait v. 472. — So¬ 
genannte gam -Formen kommen einzeln vor: prenge v.90 u.ö., 
rengc v. 10868, confonge v. 11036, renge v. 11663, arges 
v. 5636. Bei letzterem Verbum ist das g sogar analogisch in 
den Indikativ eingedrungen in argent v. 2717. — Die 3. Person 
des Konjunktivs lautet von estovoir: estuece v. 1457, von 
morir: mitire v. 9326. — öent (audlant) v, 12964 ist analogisch, 

5. Beim Imperativ ist die Form lais zu erwähnen, z. B. 
Lais moi parier v, 4546. Dies ist nach Hcyer- Lübke, Franz. 
Gramm. 2 §27, eine schwachbetonte Form statt laisse\ daneben 
kommt lai vor, wie auch an der erwähnten Stelle RAV lesen, 
das von * laire abzuleiten ist, z. B. v. 1132, 2579 u. ö. Lais 
erscheint noch v, 7712 in gleicher AVendung wie in v. 4546, wo 
AV lai hat, sowie v. 8516 und v. 17 713, wo P lais aufweist, 
die übrigen Handschriften lai. 

6. Im Imperf. und Imperf. Fut. endigt die 1. Person ent¬ 
weder auf -iens, -iiens, z. B. poiiens v. 7772, estiiens v. 7793, 
douieriens v. 4984, ariens v. 6532; oder pikardisch auf -iemes, 
z. B. estiemes v. 2653, seriemes v. 7192, oder auf ~ions, z. B. 
amions v. 4612, porrions v. 4982 u. a. Auch hier im Reim 
ohne s: avion v, 10935. 

Die Endung der 2. Flur, ist - iex , -iex, z. B. savriex v. 1865. 
avies v. 8378; sauries v. 10861. 

Das lat. eram lebt in folgenden Formen fort: 1. iere v. 8384 
und erc v. 502, 4566; 3. iert v. 15908 und ert v. 985, 
3222 u. ö. 

7. Im Perfekt finden sich 

a) in der zweiten schwachen die Formen mit -i4 selten, 
z. B. respondie v. 2586, respandie v. 8901, descendid v. 17254, 






61 


IV, Die Sprache des Gedichts. 

und danach nasquiä v. 15370 (neben nasqui v. 15437), alle 
im Heim; 

b) in der 1. Flur, neben -ames, -imes auch Formen mit 
analogischem s. also alasmes v. 1151 u, a., vemlismes v. 1627 u. a., 
eusmes v. 1124 u. a. 

c) Die starken Verben weisen in der 1, Sing, einzelne 
dialektische Formen auf, so ving v. 5822, 5850 u. ö., euch 
{hahui) t, 8302 (RW liest oi, das auch P sonst immer hat), 
vatic [tolui) v, 17 782 neben s-Formen, wie raus v. 2384, 
vausis v. 3569 u, a.; 

d) die Verben der zweiten starken auch Formen ohne s im 
Stammauslaut: deisse v, 5712, deissies v. 2197, meisse v. 6521, 
oceis v, 6263, occeistes v. 8255 u. ö.; ebenso feis v. 3835 und 
feistes v. 5452 neben fesis v. 418 und fmsse v. 514 u. ö, 

e) In der dritten starken begegnen wir meistens Formen mit n : 
jut, es tut, dut u. a. Die ursprünglich wallonischen iu- Formen, 
die auch in das Pibardische eingedruogen sind, in: Hut (* leguit) 
v. 276, neben Hst v. 2558 und Hut (licuit) v. 2142. Daneben 
schwache auf -£, so in: em v. 5337, chäi v. 3803, 13 282 u. ö., 
ckäirent v. 2824; 

f) in der 3, Plur. firent v, 11087 u. ö. neben fisent r. 6127, 
6129 u. Ö., destruisent v. 69 u. ö. 

8. a) Das Fut. und Impcrf. Fut. der ersten schwachen ver¬ 
liert nicht selten das lautgesetzliche e der Infinitivendung; so 
in der Gruppe Vokal -f- rer: comparres v. 3410, comperres 
v. 9798, demourra v. 13303. 

Vokal + ner: menrrai v. 2430, menrrös v. 3409, donrroit 
v. 6986. 

Vokal + der in: cuidra v. 10965. Letzteres begegnet nach 
Bröhan, Die Futurbildung im Afr., Diss. Greifswald 1889, S. 7 
nur im Agn. und Pik. 

b) Umstellung des r findet sich stets bei den Gruppen 
-strer, mousterrai v. 2444 u. ö., und - ntrer : enconterrai 
v. 7429 u, ö. Sonst z, B. noch im Fut. von croire: kerrai 
v. 3350 u. ö., kerra v. 14882 u. a. 

c) Die Infinitive auf -ir, oir verlieren lautgesetzlich das 
h °h daher sind korrekt earra, parra } chaurra, imrrai, venrris, 










62 


[V. Die Sprache des Gedichts. 


orris, gerne, gorres, morra, assaurrons, sivras, ferro ns u. a. 
Daneben Formen, in denen der Vokal der Infinitivendung 
w der eingeführt ist, wie vestirai, partira u. a. Manchmal er¬ 
scheinen beide nebeneinander, so garroit v. 6468 und gariront 
v. 16115. 

d) Von den Infinitiven auf -re und - oir werden hin und 
wieder Futura mit unorganischem, dialektischem e gebildet, so in 
cstcrds v. 428, arera v. 2753, avervs v. 12980, deveroie v. 12227, 
deverü’S v. 6866, rcspondevcs v. 9150, mouverai v. 16598, prcn- 
der4 v. 11244 u. a. 

e) A r om lateinischen ero stammen folgende Formen: 1. cre 
v. 4566, iere v. 5459 ; 2. iercs v. 18301; 3. iert v. 893, 4418 
und erl v. 255, 8631; PI. 3. er ent v. 5698. 

9) Part. Prät. a) das auslautende t von - atum , -itum, 
-uluni hat sich einzeln dialektisch erhalten, so in eselairiet 
v, 2899, laidit v. 6416, courut v, 10532. 

b) Die Endung -i neben -u in: vesti v. 11035 und fer- 
vestis v. 10982 (beide TT d. h. im Keim); dagegen vesiu v. 376 
lind revestu v. 1892.; 

c) historische Form neben analogischer: frail v. 17199 u. ö. 
neben fraint v. 7399 u. ö.; remes v. 7344 u. ö. neben rem cum 
v. 2785 u. ü.: ne in mainsne v. 18857 neben nascus v, 11675 
und nasqm'.s v. 15577 (beide E). —■ Vou repondrc lautet das 
Part. Prät repns v. 1110 und 5058 (s. S. 39); 

d) auf -ert bilden: sousfert v. 5064 und ouvert v. 12673, 
auf -oit : beneois v. 11875, benois v, 1197, malmt in maloitisme 
v. 14457, und danach iohit v. 3937 (E) sowie cheoit v. 12997 
neben cheu v. 4008 u. ö. 

10) Im Infinitiv ist charakteristisch -ir statt -oir in sein 
v. 2256 und veir v. 2487; doch daneben seoir v. 12995 und 
veoir v. 12973 (alle K), Diese Infinitive auf -ir begegnen am 
meisten im Pikardischen, aber eiuzeln auch anderswo. 

Von einer Aufzählung aller unregelmäßigen und starken 
Verben nebst den dazu gehörigen Formen bann ich absehen, 
da ich alle bemerkenswerten Formen mitgeteilt und besprochen 
habe, da außerdem alle nicht normalen Formen von jedem ein¬ 
zelnen Verbum im Glossar angegeben sind. 

























V, Verfasser, Eatetöhungsort und -zeit des Gedichtes. 



V. Verfasser, Entstellungsort und -zeit des Gedichtes, 

Über den Verfasser enthält das Gedicht nur die Notiz: 
La canchon . . fu en romans iranslatee Et par un eiere nos 
fu renouvelee (v. 14—15). Die Behauptung, daß es übersetzt 
worden sei, selbstverständlich aus dem Lateinischen, ist offen¬ 
bar nur eine herkömmliche Wendung und braucht nicht ernst 
genommen zu werden. Daß der Verfasser ein „clerc“ gewesen 
sei, kann dagegen, wie wir unten sehen werden, zutreffen. 

Da er aber nirgends seinen Namen nennt, sich auch durch 
sonstige Merkmale oder Anzeichen nicht verrät, so können wir 
über seine Persönlichkeit nichts Genaueres angeben. Ebenso 
stehen uns für die Feststellung der Entstehungszeit des Werkes 
keinerlei Anspielungen oder Angaben zur Verfügung. Wir 
können daher nur den Versuch machen, auf Grund sprachlicher 
Erscheinungen den Ort und die Zeit seiner Abfassung fest¬ 
zustellen. 

Schon im Laufe der Untersuchung habe ich auf verschie¬ 
dene sprachliche, besonders lautliche Einzelheiten hingewiesen, 
welche dialektisch bemerkenswert, also für die Bestimmung der 
Heimat des Dichters von Wichtigkeit sind. Ich stelle diese 
Punkte nun noch einmal zusammen, 

1. vlt. ä > <?; 

2. die Endung -ata nach Palatalen ist -ie geworden; 

3. ursprüngliches a -f- sec. i > r, im Auslaut >*•; 

4. vlt. e und §* + *>■*; 

5. oi aus vlt.« oder aus vlt, e-f i reimt mit oi aus vlt. d-f-/; 

* ■ » ' 

6. nasales e und a sind lautlich zusammengelallen, d, h. 
beide haben den Lautwert «; auch graphisch ist ursprüngliches 
m. durch an wiedergegeben; 

7. franz. ieu erscheint als iu\ 

8. klass. focum > fu ; 

9. vlt. ö vor s und vor r >ou, vor Nasal >ü; 

10. -ihm, -tlium, -ivnm-\-s>is, -atem + s~>-cs; 

11. auslautendes % hat das /-Element verloren, ist also 
lautlich mit s zusammengefallen; 

12. jmtüia >jusMse, serrttium > servise ; 

13. für franz. tu zweimal te mit elidiertem e; 











64 V. Verfasser, Entstehn Qgsort und -zeit des Gedichtes« 

I 14. lat me, tc lauten in satzbetonter Form oft mi, U, neben 

seltenerem moi, toi; 

i 15. als satzunbetonte, einmal auch als satzbetonte Form 

| von nostcr, voster erscheint wo, vo; 

I 16. in der Konjugation findet sich -omes neben -on; im 

Imperf. und Imperf. Put. stets -oie, - oics, -oit ; die Infinitive 
veir, seir neben vcoir, scoir. 

Aus diesen Merkmalen ergibt sich, daß folgende Dialekte 
nicht in Betracht kommen: 

1. das Wallonische, da hier - abam zu eve, g + ® zu £* 
wird und e seinen Lautwert behält, daher nicht mit ä reimen 

* kann; 

2. das Normannische und der ganze Westen, da hier ur- 

’! sprimgliches franz. ei erhalten bleibt, nicht zu oi wird, und da 

die Yerbalendung -omes dort kaum vorkommt; 

3. das Lothringische und ß urgundische, weil der für diese 
Dialekte charakteristische «-Nachlaut nicht nachweisbar ist. 

Demnach bleiben die lsle-de-France und die Pikardie 
übrig; doch weist unser Denkmal die Merkzeichen keines dieser 
beiden Sprachgebiete ausschließlich auf, wohl aber solche, 
welche einem der beiden fremd sind. So sind dem Franzi- 
j sehen unbekannt die Punkte 2, 7, S, 10 b , 11, 13, 14, 15, 16; 

dem Pikardischen die Punkte 3, 6, 10*. Andere Erscheinungen 
sind beiden Dialekten gemeinsam, z. B. Punkt 1, 4, 5 u. a. Der 
dargelegte sprachliche Zustand des Denkmals, d. h. die Tatsache, 
daß der Verfasser wesentliche Eigentümlichkeiten beider Dia¬ 
lekte gekannt und verwandt hat, läßt sich am einfachsten durch 
die Annahme erklären, daß seine Heimat in der Nähe der 
Grenze der beiden oben genannten Sprachgebiete gelegen hat. 
Die größte Wahrscheinlichkeit spricht für Beauvaisis, da die 
Sprache unseres Gedichtes in allen wesentlichen Funkten mit 
der solcher Werke übereinstimmt, welche nachweislich in jener 
Landschaft verfaßt ^worden sind; vgl. H. Suchier, Philippe de 
Remi I (Paris 1884) S. CXXVII sq. und W. Niederstädt, Alter 
■ it, Heimat des Doon de Maienco, Diss. Greifswald 1889, S. 18 sq. 

Nach den Darlegungen von Heiners (a. a. Ö, S. 224—25) 
ist der östliche Teil dieses Gebietes mit der Hauptstadt Beau- 

















V. Verfasser, Eatetehungaort und -zeit des Gedichtes* 

'i X 

vais axiszuscheiden, da die dort medergesehriebenen Urkunden 
ein deutlich ausgesprochenes pikardisches Gepräge zeigen, be¬ 
sonders a und e dort streng geschieden werden, was, wie wir 
gesehen haben, bei uns nicht der Fall ist. 

Demnach ergibt sich, daß der Dichter unseres 
Werkes höchstwahrscheinlich aus dem südwestlichen 

Gebiet von Beauvaisis stammte. 9>| 

Die Entstehungszeit verlegt öckel {S. 70) in die Wende 
des 12. und 1$. Jahrhunderts, Heiners (S. 225 sq.) in das zweite 
Viertel des 13. Jahrhunderts. Letztere Bestimmung hat nach 
meiner Ansicht die größere Wahrscheinlichkeit für sich. Zwar 

wird von der Inklination der Personalpronomina noch aus- | ' l 

giebiger Gebrauch gemacht Wie nämlich Heiners (S. 127 sq.) 
im einzelnen nach weist, finden sich 125 nel gegen 50 ne le; 
nes sogar ausschließlich,, und zwar elfmal, 37 jel gegen 25 je /«, 

40 sei gegen 30 si le, 12 ses gegen 20 si les usw. Danach 
könnte also das Denkmal noch in den Schluß des 12. Jahr- 
Hunderts verlegt werden. Aber es ist nicht zulässig, auf dieses 
Merkmal allein die Datierung zu begründen, da unser Gedicht, 
wie wir gesehen haben, auf ältere Fassungen zurückgeht, so daß 
also die älteren Formen aus der Vorlage herübergenommen 
sein können. Ein derartig archaistischer Zustand gerade der 
InklinationsVerhältnisse ist auch in anderen Denkmälern beob¬ 
achtet worden. 

Die übrigen Merkmale nun führen zu dem 13. Jahrhun- 1,| 

dert. Dahin gehören folgende: 

1* Ursprüngliches franz. j? aus vlt. e reimt mit ist also 
bereits offen geworden, was sich im Agn. schon seit 1150, auf 
dem Festiaude nach 1200 findet. 

2. Ursprüngliches franz. ei reimt mit oi aus vlt tlf+t, ist 
also zu oi geworden, was ebenfalls seit etwa 1200 nach und 
nach in den verschiedenen Gebieten eintritt. 

3. Vortoniges e im Hiatus ist fast durchweg als Silbe 
erhalten. 

4. Das Deklinationssystem ist noch ziemlich unerschüttert. 

Das Verhältnis der durch das Versmaß gesicherten Fälle des 
Nom, Sing, mit -s zu denen ohne dieses ist 25:3. Auch bei 

Stimmins', Boove da Hnntone, j> 



65 










06 


YL Die Hund&rt der Handschriften, 


den ungleiehsilbigen Substantiven bilden die lautgesetzlichen 
Formen die bei weitem überwiegende Mehrzahl, nur wenige 
Ausnahmen sind sicher nachzuweisen (s. o. S. 47—51). 

5. In der 1. Pers. Sing, des Präs, der I. schwachen Kon¬ 
jugation finden sich nur ganz wenige Formen mit nachweis¬ 
barem analogischen -e (etwa 1 — 2, S. 59). 

6. Dasselbe gilt mit drei Ausnahmen (S. 59 —60) von der 
3. Pers. Sing, des Konjunktivs derselben Konjugation. Die erste 
Person dieses Modus weist sogar gar keine Abweichungen auf 
(allerdings kommen nur zwei Fälle vor). 

Dazu kommen noch einige weniger ins Gewicht fallende 
Merkmale. Auf Grund der eben angeführten glaube 
ich die Entstehungszeit als um 1225 liegend anneh¬ 
men zu können. 


VI. Die Mundart der Handschriften. 

Es bleibt noch übrig, einiges über den Dialekt bzw. die 
dialektische Färbung der drei hauptsächlich in Betracht kom¬ 
menden Handschriften PRW zu sagen. Auch hier kann ich 
mich auf die wichtigsten, d. h. charakteristischsten Punkte be¬ 
schranken, da bereits öckel (S. 70 sq.), besonders aber Meiners 
(S. 159 sq.) diese Frage ausführlich behandelt haben. 

A. Die Handschrift P. 

1. - aticum ~> - age, nie - aige, z. B. rivage v. 1624 u. ü.; 
-abilem > able, nie ~aile, -aide, z. B. amirable v. 6449 u. a.; 
-assem, -asseni > -aisse, -aissent, z. B. amaisse v. 1235, por- 
taissent v. 3861; aber -ast, z. B, jouust v, 153. 

Vor n und l stets ai (wahrscheinlich — f): baille v. 265 
u, a,, bargaignent v. 1669 u. a. Letztere Erscheinung findet 
sich im 0, aber auch im N und einem Teile des KO. Vor¬ 
tonig dafür auch ei: bateilhe v. 14247, greigneur y. 1126; häu¬ 
figer i: travillier v. 81 u. a., grignour v. 299 u. a. 

Statt vortonigem a erscheint ai in airemens v. 7693, 

2, Nasales a und e werden graphisch fast immer streng 
geschieden, hatten daher unzweifelhaft für den Kopisten ver¬ 
schiedenen Laut, wie im Pikardischen, Wallonischen und Nor- 
























VT. Die Mundart der Handschriften. 


67 


mannisehen. Ursprüngliches ü erscheint jedoch als en in encore 
und, wie mehrfach in pikardischen 'festen, in couvcnent v. 1401 
fast immer in den Formen von mengier, z, B. v. 349, 361 u. ö.ji 
endlich in den Eigennamen Normendie v. 698, Romenie v. 4277, 
Engleterre v. 8L73; daher auch in Engles v. 6199. Umgekehrt 
wird ursprüngliches e vor Nasalis durch a wiedergegeben, 
außer in sans, sanible u. ä., in Ardane v. 385 und vortonig in 
anemi v. 633 u. ö., anuiier v. 7033 u. ö., am parier v. 767. 

3. Vit. p bleibt der Regel nach, ie nur iu iestes v. 592, 
siele v, 9271, diestre v. 13915, und vortonig in ensieU v. 13798. 
Diese Erscheinung, die im Ostpikardischen und Wallonischen 
heimisch ist, ist demnach unserem Kopisten nicht geläufig. 

4. Ursprüngliches p +sek. u ergibt iau, z, B. Maus v. 192 

u. a., auch vortonig, z. B. Haute v. 10083, bekanntlich ein 
ursprünglich pikardischer Zug, der jedoch später auch in die 
Isle-de -France eindrang. Dagegen findet sich die in pikardi¬ 
schen Texten begegnende Reduzierung von iau zu ia bloß bei 
hiames in einer nur in P befindlichen Stelle, s. Anm. zu 

v. 18395 sq. 

5. Ursprüngliches franz. e (aus i) + sek. u (aus /) wird oft 
zu tau, z. B. ciaus v. 449 u. a.; daneben auch zu au, z. B. in 
aus, graphisch als, z. B. v. 1507, 5977 u. ö.; beide Formen 
kommen im Pikardischen vor. 

6. Ursprüngliches franz. p (aus i) vor l (aus cl, Ij) erscheint 
als ei\ Vermeil v. 1167, merveille v. 3428 (s. Suchier, Gramm. 
S. 83). Folgte auf das l noch ein Konsonant, so entsteht, wie 
im Pikardischen und Westchampagnischen, au: solaus v. 54, 
consaut v. 12121. 

7. Vit. ä stets e, nie trifft mau das östliche ei; -arem 
noch lautgesetzlich -er; dafür -ier nur in bacheliers v. 9972, 
wo die Endung durch eine Abbreviatur wiedergegeben wird. 

Neben dem gemeinfranz. satzunbetouten car begegnet oft 
das pikardiscbe cor, z. B, v. 1550, 2218, 2810 u. Ö. (s. Foerster, 
Ille und Galeron, Anm. zu v. 457). 

8. Für franz. vortoniges e erscheint oft a wie im Agn., 
im NO und 0; so nach Palatalen: ckavaus v. 1948, eschavie 
v. 3911, cavestre v. 11071 u, a. Dagegen nicht unmittelbar 













68 


VL Die Mundart der Hand Schriften. 


vor u, — Vor l s n entweder ei: paveülon v. 10155, seigneurs 
v. 21 u. ö., oder häufiger i: mervi liier v. 6212, pignie (pectinata) 
t. 588 u. a.; letzteres weist auf die Pikardie hin. 

9. Vortoniges en erscheint als in bei infer v. 4053, 8057, 
was nach Suchier, Aucassin 8 S. 76 Amu. für das Pikardischo 
und Wallonische typisch ist. 

10. -i'ri/wi+s stets - is, z. B. pensis v. 207 u. a., während 
im N und NO meist iu erscheint; ilem+s wird -iens, z. B. 
vieus v. 724, gentieus v. 3297 u a.; daher auch in fiens (fUius) 
r. 29 u, Ö., sowie in deus (ez7 + s) v, 38, alles wie im Pikardi- 
schen und Wallonischen; iu (graphisch il) nur in fils v. 7473. 
Eine spezifisch pikardische Erscheinung ist abrievS v. 2101, 
2932 u. ö., wo also in der Silbe vor dem Ton ie für franz, i 
eingetreten ist. 

11. Vlt.$ + » und | + t stets i: prie v. 105, sine v. 18956, 
ist v. 2853, pis (pectus) v. 3105 u. a. Dahin ist auch entir 
v. 17913 zu rechnen. 

12. Vit, ö ist bereits, wie zuerst im Pikardiscben, zu eu 
geworden, so in neveus v. 303, hideus v. 913, pleure v. 732, 
preu v. 849, seid v. 1474 u. a. Daneben hat sich die alte 
Schreibung o, ou erhalten: millor, -our ; hounor, ~our ; -os, 
-ous usw. 

13. Vit. Ö erscheint als o, ou: cort und court (cokortem 
und currit), jor und jour, tot und toid usw. Einmal vor der 
Labialis p als u: crupe {germ. kr tipp) v. 15 060. Letzteres 
häufiger in vortonigen Silben, daher auch ui statt pi, z. B in 
puison v. 164, 550 u. ö. Die Form keurt (currit) v. 5377 
beruht auf Analogie. Vortoniges ö erscheint als a in pratnis 
v. 868, eine Erscheinung, die sich häufig im O und NO findet. 

14. Vit. ö, o und $ vor Nasalis wird gewöhnlich durch 
o } ou wiedergegeben: courone und -oune, Hanione un &-oum f 
donne und doune, sone und sowie u. a.; durch u einmal hinter 
der Labialis p in pume v. 15 977, wie auch sonst im Pi bardi¬ 
sche n (s. Wiese, Blondei de Nesle S. 96 Anm. 1); häufiger das¬ 
selbe vortonig: pumel, pumier, pumde, pluvjon, Hungrie u. a. 
Daher auch oi als ui in puins (pugnum + s) v. 3145 u. ö., 
apuignie v. 15955 (in P). 
















VT. Die Mundart dor Handschriften. 


69 


15. Statt franz. u erscheint mehrfach ui) so in fuisse v. 152, 
fuisscnt v. 635; auch vor dem Ton: fuissiös v, 844, pluisor 
v. 5411: nie jedoch vor st (vgl. Nr. 1). Dies findet sich genau 
so im Aucassin, aber nach Suchier, Aue. 8 S. 78 auch außer- 
halb der Pikardie. Neben regelmäßigem jut, estut, dut u. a, 
kommt wallonisches iu nur in Hut ( licuit) v. 2142 und Hut 
(*legu£l) v. 276 vor. 

16. Die Reduzierung von franz. ai zu a, welche in der 
östlichen Pikardie, im Wallonischen, Burgundischen und be¬ 
sonders im Lothringischen häufig ist, läßt sich nur einmal in 
je ira v, 1840 und vor dem Ton in reparier v. 7943 nach- 
weisen, war also dem Kopisten nicht geläufig. Die Schreibung 
e für ai findet sich (außer, wie überall, in $ue neben iaae) in 
unserer Handschrift nicht. Dies ist ebenfalls ein dialektisches 
Merkmal, vgl. H. Suchier, Aue. S. 60: „Noch nach der Mitte 
des 13. Jahrhunderts zeigen pikardische Urkunden den Diphthong 
ai mit solcher Konsequenz, ihn nie durch e vertretend, daß es 
nicht zu gewagt sein wird, hieraus auf die Aussprache einen 
Rückschluß zu machen. Pikardisches ai lautet noch diphthon¬ 
gisch zu einer Zeit, wo normannisches wie französisches ai 
längst den diphthongischen Wert eingebüßt hatten.“ 

17. Statt franz. ai erscheint vortonig ä stets in anpois 
v. 9798, 10800 u. ö., was auch dem Pikardischen eigentümlich ist. 

18. Vit. e und vlt, 8. ä + i tritt nieist in der Form oi auf: 
niois, nois, proie, roi, doi {digittim), destroit, -oic\ dagegen 
als f nur in Englös v. 6199, 19117 {neben englois v. 12369) 
und in fres (germ. friste) v. 10340. Vortonig ist oi zu i ge¬ 
worden in pisson v. 4S23 (neben poisson) und in -ison 
(- aiionem ): vengison v. 259, orison v. 2407, 2821, pamison 
v. 11095 u. a., neben seltenerem - oison . 

19. Vlt. 8 und vlt. 8 -J- i vor Nasalis wird graphisch stets 
durch ai wiedergegeben, ist nie, wie im O, zu ä geworden, 
also avaine, paine, fain ( foenum ), taint, vaint, chainst usw. 
Die Schreibung ei nur in enseigne v. 6373, preing (prehendo) 
v. 12235 und vortonig in enteignter v. 12567, 13518. 

20. Franz. ie jeder Herkunft ist durchweg von dem Ko¬ 
pisten bei behalten worden. Franz, -iee lautet, wie beim Dichter, 












Tn 


VI. Die Mundart der Handschriften, 


-ic: maisnie, cauchie, archic, mengte, laissie u.a.: auch in lia 
laetä) u. a. Dies tritt außer im Pikardischen auch im Wallo¬ 
nischen und Lothringischen auf. 

21. Neben dem französischen Triphthong « 7 / erscheint häufig 
pikardisches iu ; so in liiie, trine, tiue, siue. Lat. föcum, jucum 
erscheint mehrfach wie im Pikardischen als fu, z. ß. v. 847, 
7706 u. Ö. (neben feu) und ju, z. B. v. 5726, 5734. 

22 . Franz, gi wird nicht selten zu g reduziert in estore, 
z. B. v. 15684, 15782 u.ö. Ebenso oi zu o in bos v. 2411 u.ö. 
Beides sind Züge, die im Pikardischen und Wallonischen, ein¬ 
zeln auch im Anglonormannischen begegnen. 

*■> 

23. Dasselbe gilt auch von oi in Ions v. 3247 und vor¬ 
tonig in lontain v. 1442 u.ö. 

24. Vortoniges oi ist zu i geworden {was dem Pikardischen, 
Wallonischen und Lothringischen eigentümlich ist), z. B. in connis- 
sanl v. 5292. eonisson, conistra u.a., connissance v.92G7, eigenilHer 
v. 5215, 8875 u.ö. Dahin ist auch orgilleus v. 6466 zu rechnen. 
Dagegen ist das i- El erneut geschwunden in angomsier v. 12348. 

25. Statt franz. gu {aus au -f u) erscheint au , wie im 
Pikardischen, in trau v. 7444 und patt v. 16443 (neben häu¬ 
figerem poi)\ aber auch eu , z. B. treu v. 1809, was auch im 
N und NO vorkommt. Genau so verhält es sich mit franz. gu 
aus a + w, Tgl. clau v. 1909, 4541 u.ö. 

26. Für franz. gu aus g 4- sek. u finden wir regelmäßig au, 
ein spezifisch pikardischer Zug. So von franz. voloir und tolir: 
vanc, vaut, valirr ent, taut , sodann caup (*co!pum) und cavpe; 
auch vortonig: cauper, saudee, saudoier, missaudour } vautis , 
vaurrai, taurra, caurroi (von colyrus) u. a. Auffallend erweise 
findet sich auch au statt o in craullani (von corrotulare) 
v. 7551 und in maulU (modulatum) v. 8976; danach sogar in 
saulers (subtukirem- f- s) v. 912, das auch sonst in pikardischen 
Denkmälern vorkommt und, wie Friedwagner (Veng. Raguidel, 
Anm. zu v. 101) richtig bemerkt, auf unberechtigter Anlehnung 
an cauper u. dgl. beruht. 

27. Pikardisch ist auch pule (populum ) v. 14931, wo also 
das zweite p zu u und dann ueu zu u geworden ist 

28. Oi in boin , z, B. boine v. 660, 9485 u.ö., daher auch 









TL Die Uundart der Handschriften. 


71 


iE deboinairement v. 10 730 ist nach lleyer-Liibke, Gramm. § 35 
die pikardische Form für franz. bueti, d. h. ursprünglich die 
satzbetonte neben satzunbetontem bon. 

29. Für franz. ui begegnet einzeln oi, so in apoie v. 1030 
(d. h. aus vlt. p + i) und in troite v. 348 (d. h. aus vlt. ü + *). 

30. L vor Konsonanten ist der Regel nach zu u geworden: 
sauver , biaus, chevcus, fieus, mieudre, caup, oidrc, deus ( do- 
lutn + s) u. a.; allerdings ist das ursprüngliche l oft graphisch 
erhalten. Daneben kommen aber ab und zu Formen vor, in 
denen l ganz geschwunden ist, nicht nur nach u t sondern ein¬ 
zeln auch nach p, z. ß. iu eop v. 467 u. ö., eoper v. 5104 u. ö., 
sot {solet) v. 6007 und sogar in dem prov. Lehnwort rous- 
seignos v. 1780. Dieser besonders im O häufige Zug ist also 
unserem Kopisten im ganzen wenig geläufig. — Unorganisch 
ist l eingefügt z. B. in Olmer (Autruar) v. 9124, 11358. 

31. R wird oft umgestellt, was im Pikaidischen außer¬ 
ordentlich beliebt ist. So im Futurum der ersten schwachen 
Konjugation; enterrai. düerrn } demouermi, moslerrai u, a.: 
auch stets bei eroire, also kerrai usw. Aber auch sonst, so in 
fremer, fretö (firmitatem), fremillon, bumi (= brimi) u, a. 
Umgekehrt ist die Umstellung unterblieben in tourbler , z. B. 
v. 1190, 7549 u. ö. Es ist geschwunden in acouvete v. 13759, 
unorganisch in dejoustre v. 12463, tristre v. 12406 u. ö. 

32. Die dem Pik. und Agil, eigentümliche Beibehaltung 
eines ursprünglichen n vor Labialis findet sich nur ganz ein¬ 
zeln, z. B. in enbuisse v, 9717, enprisonne v. 15145. Urspr üng¬ 
liches m ist zu n geworden (assimiliert) in assanU v. 16081, 
wo also der Gleichlaut nicht eingetreten ist. N ist statt n 
eingetreten (phonetische Schreibung) in saine, sama, sainier 
(signare) und in espanois v. 3872, 3883; das Umgekehrte in 
garding v. 122, s. H. Suchier, Anm. zu Aucassin 12,6. 

33. Die Labialis ist hinter u geschwunden in pule (poptt- 
lum) v. 14931; afule {adft hu la tum) v. 2293, 8216 und desfule 
v. 7643, was ein pikurdischer Zug ist. 

34. V vor r im Fut. vor avoir und savoir ist, wie meist 
m O und NO, einzeln im Zentrum, oft vreggefallen, doch 
finden sich auch. Formen mit v. 













VI. Dio Mundart der Handschriften. 



35. Anslautendes t hinter betontem Vokal ist im Pik., 
Wall, und Lothr. meist erhalten, bei uns selten, z. B. in Met 
v. 957, in den Part Prät, laidit v. 6416, courut v. 10532 und 
rechnt v. 15715. Meist dagegen, wie im 17 und NO, in ent 
(inde) , wenn dies dem Verb folgt. 

36. Stimmhaftes s ist vor v zu r geworden (wie haupt¬ 
sächlich im Pikardischen) in derver v. 9006, 11834 u.ö. 

37. Franz. * jeder Herkunft erscheint im Auslaut meist 
als s: tons, salus, pesans, piSs, poins {pvgnum + s), vois (voeem), 
dols (dulcevi), fas (faeio) u. a ; stets auch statt urspr, st + s: mas, 
prcvos, fns, os, ct‘$ u. a.; die Formen mit % sind nicht häufig. 

38. In betreff des franz. c (Lautwert k) ist das echt pikar- 
dische dont zu bemerken, das sich stets statt franz. done findet, 
so v. 1948 u. ö.; ebenso adont v. 2009, 2593 u. ö. — Die auf¬ 
fallende Verwandlung von c in g in englnme (incudinem 4- 
dou) findet sich auch mehrfach im Chastelain de Couey, z. B. 
v. 3305, 3307 u. ö. — Qrenu neben gewöhnlichem wenn be¬ 
gegnet v. 425 und 11072. Weitere Belege gibt W. Foerster, 
Anm. zu Aiol 9481. Das g erklärt sich vielleicht durch Ein¬ 
fluß von grenon. 

39. Das franz. wird graphisch oft, wie im Pikardi¬ 

schen, durch ch wiedergegeben; so in ckerf, chierge, cherlder, 
chaignent, enchans, comenckier, achte?', lache u. a.; aber auch 
sehr oft durch c: oder, cerf, ocist, dreder, encens , force u. a.; 
selten endlich durch s: lenser , espesse {speciem) u. a. 

40. Auch bei franz. ch (aus c vor ö) schwankt die Schrei¬ 
bung zwischen c (k, qit) und ch. So findet sich c sowohl vor 
a und o, wie in canckon, cante, cackier, cambre, cäir, caveus, 
cascun, acuter, cose, coisir u. a., als auch vor e, ie, wie in 
ceval, eiert 6, dis (= chex), planet er, ehe rauet er, trebuder, ata- 
der, baceler, franee, bouee, ricc, broce, fresce, mesdef u. a.; in 
letzterem Falle mehrfach k: kenn, tevülier, hanke, cerkier, 
cloke, clokier, rikece, paste u. a, oder qu : quenu, qmville, 
fourque, broque, riquece , lasque, eherquier u. a. Aber fast 
ebenso oft ch] so vor a : chambre, chanter, chamberlmc, 
chastel, ckaveus, chascim, ckader, radialer, chose,; vor e, ie: 
mesekief, peschiere, fresche u. a. Statt franz. ch aus pj findet 






























YL Die Mundart der Handschrift^». 


73 


sich seltener e, was bekanntlich besonders dem Norm. eigen ist, 
so in aprocier, propain und hace, z. B. v. 1965, 12 647, 10550. 

41. Franz, j (aus g vor a) erscheint zwar oft in der reichs- 

* 

sprachlichen Form, so in Jambe v, 2(344 u. ö., aber auch, wie 
im Pik. und Nordnorm., als p: gambe, garding, gaiavt, gaiaude. 
Sodann wird in echt pik. Weise franz. vj (d. h. ndx) durch n 
ersetzt, so oft in doignon, aioignier, eniresloignier (ueben 
doiijon, eslongier). 

42. Echt pi bardisch ist auch der stimmlose Laut [eh) statt 
des stimmhaften in carchie v. 2152, 10478 und carchant y. 3836 
neben den reichssprachlichen Formen. 

* P 

43. Die Ubergangslaute zwischen zwei Mitte Hauten feil len 
oft, wie im Pik. und Wall., zum Teil auch im Burgund. So 
finden wir statt franz. ndr meist nrr: tenrrour, engen?rer, 
ienrrai , venrrai u. a.; selten nr; dagegen ndr mir in vendront 
y. 18938; außerdem noch in oindre, empaindre, wo das d 
Ersatz für g ist. — Statt franz. Idr, udr meist itrr: pourre, 
vainrent, faurrai u. a.; daneben einzelne Formen mit d. — 
Statt mbl steht nl nur in assanld y. 16081, sonst die gemein¬ 
sprachliche Form; ebenso stets bei mbr und str. 

44. Aus der Formenlehre der Nomina sind folgende 
Punkte herYorzuheben: 

a) honten als Maskulinum (S. 52) weist auf den N oder 
NO; s. Anm. zu v. 1599; 

b) U als Nom. Sing, und le als Sing, des Femininums 
(S. 54) findet sich in einem Teil des Pik., im Wall., Lothr., 
Burgund, und Ostchampagnischen; 

c) die Akkusativformen mi, ti> si des betonten Personal¬ 
pronomens (S, 55) begegnen im Pik., Norm., einzeln auch im 
Lothr. und im Zentrum; 

d) die Pron. poss. la tine, sine (S. 56), men, ten, sen (S. 56), 
sowie me, fe, se (ib) und nos, no , tos, vo (ib.) im Pikardischen. 

45. Aus der Konjugation folgende: 

a) auslautendes p in der 1. Person des Präs Sing. (S. 59) 
kommt besonders im Pik., einzeln auch im Norm, und Agn. vor; 

b) die Endung der 1. Flur, des Präs, und Fut. lautet -omes 
neben ~on und ~ons (S. 59). 




74 VI. Die Mundart der Handschriften. 

c) bemerkenswert ist die Endung -ece der 3. Sing, des 
Konj. Präs, in repairece v. 54, die dem 0 und NO eigentüm¬ 
lich ist; 

d) die des Imperfekts der ersten schwachen Konjugation 
- oie, -oies, -oit. 

e) Übereinstimmung mit dem l'ik. zeigen die Infinitive mir, 
seit, cäir und die Formen auf -sent im Perfekt der zweiten 
starken: rescousent v. 1345, miseni v. 1556, ocismt v. 1852, 
prisent v, 5550, asisent v. 5609 u. a.; ebenso verhält es sieh 
mit fisent v. 6127 u. ö. 

Aus den Bemerkungen, welche in der Aufzählung der 
einzelnen dialektischen Merkmale beigefügt sind, ergibt sich 
deutlich, daß als Heimat des Kopisten von P nur die Pikardie 
in Betracht kommen kann, da fast alle Merkmale dorthin weisen, 
während einige der angegebenen Züge auch in anderen, aber 
verschiedenen Gegenden Frankreichs heimisch sind. Meiners 
hat nun (S. 231sq.) den Versuch gemacht, das in Präge kom¬ 
mende Gebiet noch etwas genauer abzugrenzen. 

Dio Landschaft Beauvaisis ist ausgeschlossen durch die 
regelmäßige Vokalisierung des l vor Konsonant, da dieser Laut 
dort durchweg ohne Spur verschwindet, ebenso durch die sorg¬ 
fältige Scheidung von en und an. 

Gegen das Wallonische spricht die Imperfektendung der 
ersten schwachen Konjugation -oie usw., da diese dort -eve usw. 
lautet 

Gegen Flandern (Tournay und Lille) spricht, daß hier vlt e 
fast durchweg zu ie wird, was bei uns nur ganz vereinzelt vor¬ 
kommt; dort wird auch -age zu -aige\ vit. ä, wie ira Osten, 
meist zu ei. 

Auch Hennegau kommt nicht in Betracht, weil dort das 
östlicho parasitische i sehr oft auftritt, ebenso die Diphthongie¬ 
rung von vlt. p. 

Dasselbe gilt von Vermandois, weil auch dort -age zu 
-aige und franz. betontes p zu ei wird. 

Demnach bleibt nur die westliche, an die Normandie an¬ 
grenzende Pikardie übrig, welche in die beiden Unterdialekte 
Artois im N und Ponthieu im S zerfällt. Meiners weist nun 













VL Die Mundart der Handsohrifton. 


75 


auf Grund einer eingehenden Untersuchung unsere Handschrift, 
wie mir scheint, mit Recht dem südlichen Teile von Ponthieu 
zu. Er vergleicht nämlich die Sprache unserer Handschrift mit 
der des Huon von Bordeaux, des Aucassin, des Adam de la 
Haie, sowie der Urkunden von Ponthieu und stellt folgende 
Unterschiede fest: 

a) Im nördlichen Aitois kann ie zu i reduziert werden. 
Dies findet sich bei uns nicht, wohl aber im Aucassin {destrir u.a.) 
und im Huon {aidir u. a). 

b) In Artois begegnet häufig -aige neben - age . Dies ist 
auch im Huon und bei Adam ganz gewöhnlich, bei uns haben 
wir nur -age gefunden. 

c) In Artois wird vor Labial meist n geschrieben, selten 

so im Huon, Aucassin und Adam; in l’onthieu sehr selten n\ 
genau so bei uns (s, o. Nr. 32). 

d) Der Ühergangslaut b zwischen m und l findet sieh in 
Artois selten, meist nl\ ganz dasselbe im Huon, Aucassin und 
Adam; umgekehrt iu Ponthieu meist mbl , selten nb\ bei uns 
nur assanU einmal (s, o. Nr. 43). 

e) Statt franz. ndr und Idr begegnet in Artois meist?*, selten 
rr; genau so wieder im Huon, Aucassin und Adam; in Pon¬ 
thieu und bei uns (s. o, Nr. 43) meist rr, selten r. 

f} Im Huon und in Ponthieu mehrfach -aule, -avle {-abi- 
lem), bei uns nur -alle. 

Demnach sind Huon, Aucassin und Adam nördlicher als 
die Handschrift P zu lokalisieren, d. h. sic gehören der Land¬ 
schaft Artois, P dagegen dem südlichen Ponthieu an. 

IS* Die ILmilselirift K. 

Die dialektischen Eigentümlichkeiten von R behandelt auch 
kurz Oeckel (a. a. 0. S. 79 — 82j. Sie bestehen hauptsächlich 
in folgenden Punkten (wo nichts bemerkt wird, findet sich 
Übereinstimmung mit der Reichssprache). 

1 . a und e werden oft graphisch geschieden; so lesen wir 
dedenx, argent, aiendre, souvent, enträ, cent, vendu u. a. Doch 
erscheint ursprüngliches en auch oft als an , so in manja, 
an linde), parant, rantrerent, ancontre, anvoier, pansi u. a. 











76 


Vf. Die Mundart der Handschriften. 


Welchen Lautwert en für den Kopisten hatte, läßt sich nicht 
mit Sicherheit feststellen. 

2 Ylt. ä wie im Franz, zu e, ganz einzeln, wie im 0 
und NO zu ei, so in espeie v. 1899 + l , häufiger was im 
Burg., doch auch im W und sogar im Zentrum vorkommt, so 
in boviiö v. 2106, pi.tr {purem) v. 2171, 2189, hier (baro) 
v. 2303. conversier v. 4181, laborier v. 4213 u. ö,, vaniierres 
v. 4885. 

3. Franz, f wird durchweg durch c wiedergegeben, ie ganz 
einzeln, z. B. siert [servil) v. 2212, 223G, anviers v. 2322 

4. Was ursprüngliches franz. ai betrifft, so erscheint lat. 
aqva stets als eue. Auch sonst wird ai 

a) meist durch e vertreten: mes, ferc,plest, mestre, paUs u.a.; 
auch im Auslaut; je porre, prendrd , sere, donrd u.a.; nicht 
anders vor dem Ton: fesovs, arcsonez, besce, lessiez u. a.; 

b) seltener durch ei\ ei (kabeo) , daher auch donreidirei, 
reqverrd, serei u. a.; auch in -ei {-avh : aehatei v, 1653, cuidei 
v. 17 ä 5; vor dem Ton: es seio ns, repeiroien t ; 

c) ab und zu ist die historische Schreibung erhalten: j’ai, 
sai, ait, mai, traient u. a.; 

d) durch oi in es wo iex v. 1561, rcpoirier v. 12622; 

e) endlich durch a vortonig in larrons v. 1640. 

5. Nasaliertes franz. ai (aus vlt. ü oder a-^-i vor Nasalis) 
erscheint 

a) als ai: ahne, sainte; 

b) häufiger als ei: time, mein (manum und mane), meint 
(manei), seini, einx, mdntenant u. a.; 

c) seltener als oi: moint (manet ) v. 2196; moint, moinie ; 
moinienant’, 

d) als i vortonig in eigner (sanguinare) v, 3687. 

6 . Ylt. e vor Nasalis ergibt 

a) ei: plein, rameint (3. Konj. von mcner) , meineni u. a.; 

b) seltener ai: maine (von menet') v. 2219; 

1) Die Yerszahl ist die der Ausgahe; ein -j- hinter einer Zitfor be¬ 
deutet, daß die betreffende Stelle sieh in einem Einschub von li hinter 
dem angegebenen Verse findet. 



































VI. Die Mundart der Handschriften. 


77 


c) daneben, besonders nach Labialen, oi: poine (poena), 
poinent, moine, avoine, amoinent ; vortonig: compoignon, 
poinluri. 

7) Franz, oi erscheint 

a) zuweilen als ai: je Potrai v. 1873, poctie v. 1761, saie 
{seid) v, 4026; vortonig: soudaiers v. 1857 + , 4858, oiraier 
v. 6579; 

b) als ei: ereire v. 1692, er eise (crescat) fol. 20 a; vortonig: 
espleüier v. 6572, eissue v. 2095; 

c) einzeln als o: gaaignot v. 4582, avot v. 42IS; 

d) endlich einzeln als e: porret v, 17855. 

8 . In bezug auf vlt. Q ist zu bemerken, daß neben ue ein 
o erscheint in cor {cor) v. 2173; ein e in treve v. 2316 und 
ilec v. 3886; uc-\-e ist zu u geworden in püent r. 4562; homo 
mit dem Artikel lautet meist Van, l’en; ohne Artikel hom, 
z, B. v. 1884, 1893. — locum erscheint als leu, jocum als gm, 
focitm einmal als fu v. 4525, cocum als queit v. 17867 u. ö. 

9. Statt p aus au findet sich einzeln, wie oft im Burgun- 
dischen, ou: chouse v. 1492-f, 2291, ouse v. 1841; auch statt 
o aus p: oust (hostem) v, 1929, tonst v. 2198, grous ( grossum ) 
v. 6716. 

10 . Vit ö ist meist durch o oder ou, selten durch u oder 
eu wiedergegeben: amor, plusor, ore {hora}, glorios, seignour, 
sue, seignour, flur, meillur, aturne, leur, eoleur, seid, or~ 
guüleus, dolereus, seulement u. a. 

11. Was die Konsonanten betrifft, so ergibt -ivum + s 
stets -is, z. B. chetis u. antiqunm, * am erscheint als antif, 
antie; letzteres z. B. v, 1944. 

12. L vor Konsonant hat verschiedene Behandlung erfahren, 
es ist nämlich 

a) nach franz. e geschwunden: talem-\-s ergab tes; -ßl-\-s 
stets -6s: tin6s, espiritds u. a.; 

b) nach i teils weggefallen: gentis, fix u. a., teils zu u ge¬ 
worden: fiux {filium+s), dafür meist fuix\ 

c) nach f zu iftu: damoisiaus u. a.; seltener graphisch 
eau: keaame v. 1938. chevreaux v. 4187, trumeaux v. 6712; 







TI. Die Mundart der Handschriften, 



d) nach o meist zu ou: voui u. a.; vortonig: voudra, coupd, 
voutie u. a.; seltener o: cop, escotö, vodrons, cochex u. a. 

13. Franz, s und % sind regelmäßig geschieden, also gra¬ 
phisch x in: grex, pensez, mercix, ehaux (calidum-\-$), tröex, 
frcz (frados ), fax (facto), anx ( annos ), vieuz u. a. Selten s 
statt %, so in acordes v, 2325, provSs v. 2330. 

14. Ursprüngliches c vor a stets ch: changier, chascuns, 
chaser, fourcke, cercheni u. a. 

15. nr regelmäßig zu ndr; Ir zu udr oder zu dr, also 
voudra oder vodra. 

Aus der Flexionslehre verdienen folgende Punkte hervor¬ 
gehoben zu werden: 

16. Le als weiblicher Artikel nur in le broigne v, 1981; 
de -j- le ergibt stets dou\ en-{-le stets ou. 

17. Beim Fürwort: tu zu le in fies . . . revelex v. 2119; 
die betonten Formen hä und li werden mehrfach durcheinander 
geworfen. — Beim Pron. poss. kommen men, ten, sen, als 
Femininum me, te, se vor; miue, tiue, eine niemals; das be¬ 
tonte Fern, lautet toe, tue ; sone, sue. Wohl aber findet sich 
vo, z. B, an vo regnex v, 1613, no seignour v. 1715; ebenso 
v. 1762 u. Ö. — Lat. toti erscheint als tuit. 

18. In der Konjugation endigt die 1. Plur. neben auf - ons 
einzeln auf -omes, z. B. in avomes v. 16L6-}-. — In der 2. Plur. 
hat sich die historische Eudung -etis im Präs, und besonders 
im Fut. mehrfach als - oix erhalten: quidoix, seroix, porroix, 
orroix, vendroix, per dr oix, remeindroix u. a. Einzeln auch im 
Konj. Imp., so in coupissoix. — Der Konj. Imp. der 1 . schwachen 
endigt auf -asse usw. — Die 3. Plur. des Perf. der 2. starken 
geht stets auf -istrent, nie auf - isent ans: niistrent, pristrent, 
ocistrent u. a. 

Wir vergleichen nunmehr diese Feststellungen mit den¬ 
jenigen folgender Arbeiten: Kraus, Beiträge zur Kenntnis der 
Mundart der nordöstlichen Champagne im 13. und 14. Jahr¬ 
hundert, Diss. Gießen 1901; Friemel, Laut- und Formenlehre 
zu Longnons Documenta rektifs au comt6 de Champagno et de 
Brie, Diss. Halle 1906; sowie mit W. Foersters Einleitung zu 
seiner Cligös-Ausgabe, Halle 1888, so ergibt sich, daß der 












VI. Die Mundart der Handschriften. 


79 


Schreiber von R dem champagnisehen Dialekt angehört. — 
Daß er vermutlich in dessen nördlichem, d. h. an die Pikardie 
angrenzenden Teile heimisch war, dafür scheinen einige pikar- 
dische Spraehformen zu sprechen, die er gelegentlich verwendet, 
so: -ie statt franz. -iee in atachie fol. 20a, mesnie v. 6573, 
roignie v. 12600, iu statt franz. ieu in liues v. 4642; vortoniges 
i statt ei, oi in bargignent v. 4797, aparilUer v. 6547, aprim6 
( = aproism.4) v. 8851, 

C. Die Handschrift IV, 

Da diese Handschrift sehr jung ist, so sind meistens be¬ 
reits die Formen der Reichssprache durchgedrungen.. Dennoch 
treten daneben noch ziemlich häufig dialektische Eigentümlich¬ 
keiten hervor. Die wichtigsten derselben sind bereits von 
Heiners, a. a. 0. S. 244—267 angegeben worden. Sie bestehen 
in folgenden Punkten: 

1 . -aiicurn oft -arge, z . B. couraige u. a. 

2 . ä graphisch nicht selten durch en wieder gegeben: ens 
(ctnnos), enffent, Alement u. a.; besonders in vortoniger Silbe: 
mental, eniy, engoissier u. a. Umgekehrt begegnet häufig 
graphisches an für ursprüngliches en: an (< inde ), randre, anlre- 
pris u. a. 

3. Statt franz. f begegnet einzeln ei: so in veist (vestit), 
teirre (terra); vor r auch mehrfach a: aubarc, garre (= guerre); 
vortonig: guarrier, garpir, garedon. Die Endung -%l erscheint 
sowohl als - eau, wie als - iaa ; aqna als eue und als caite. 

4. -iculum, -a ist meist zu -eil, eitle geworden, seltener 
zu -oil, -oille : vermoille, mervoille. 

5. Statt franz. $ einzeln ie, z. B. fiel, quiel, dagegen nie¬ 
mals ei. 

# 

6 . *'+/ oder l wird vor Konsonant entweder zu i, oder zu 
iu, z. B. ergibt filius entweder fts, fix,, filx (mit graphischem 
l) oder fius, das mehrfach durch Umstellung zu fuix wird; 
s. Anm. zu v. 1075. 

7. Vit. ü wird meist eu, seltener o: menor, plusor u. a.; 
vlt. ö gewöhnlich ou, selten o, z. B. joste, borc. 





so 


VI. Die Mundart der Handschriften. 


8. Franz, ai erscheint meist als e, doch auch oft mit histo¬ 
rischer Schreibung als ai, ay; seltener daneben ei, ey: feire, 
scey, serei, meignie (mansionata) ; einzeln oi nach Labialen: 
voyt (— vait ), poile (paile), Moiance. 

9. e% wird oft wie im Franz, geschrieben, also pcine, en¬ 
teigne n. a., aber häufiger ai: piain {plenum), fain, avaine, 
mainent, saignent (cingunt ); selten findet sich oi: poine , ra- 
moine, 

10. Statt franz. ie (aus ä nach Palatalen) oft schon e; «+e 
erscheint bald als -iee, bald als -ee, aber auch als -ie, z. B. 
traveillie, meignie , beste, hackie. 

11. Franz.«« zeigt entweder die reichssprachliche Form, 
oft mit etymologisierendem l, also dien, mieulx, cieulx, vielx, 
Heue u. a.; seltener in oder eu. 

12. Vit verhält sich wie im Franz.: Heu, feu, queu. 

13. Franz, p u entweder ebenso, z. B. clou-, oder p: tro; 
auch po neben pou und pcu. 

14. Vit. p+7 ergibt meist ou: voult, couper ; ganz einzeln 
au, z. B. taurei. 

15. Vit. Q entweder korrekt tte, also euer, puet, deseuevre ; 
oder neu, so cueur ; auch eu: ceur, peut, meuvent ; endlich e 
in avec, illec und in siet (= estuet), 

IG. L vor Kons, ist sehr oft graphisch erhalten, so in 
mieulx u. a. (s. Nr. 11); einzeln nach u unorganisch eingefügt, 
wie in peult (nach veult). Selten ist es verschwunden: voiie, 
eoppa, vor ent. 

17. R ist mehrfach umgestellt: demourray, enterrons, 
gar non (= grenon), esprevier. 

18. M vor Labial wechselt graphisch mit n: menbre , en- 
bedui. 

19. N wird einzeln zu n, besonders nach i, z. B. in poigne 
(penat)-, seltener sonst: aresongner. 

20. B, p, c und d werden etymologisierend eingefiigt: 
doibt, cscript , nepveu ; faictes, advis. Danach c auch sonst 
analogisch: niedre, maincte, traictre u. a. Im Auslaut hinter 
n oft c statt t: braue, blianc, frone (fronlem). 

21. D ist statt l eingetreten in manandie. 














VT. Die Mundart der Handschriften. 





St 


22. K wechselt vor e und i mit a: edle (sdla). deceirer, 
peneer\ sc wird geschrieben in spay, sed (wegen sei rc) , um 1 
danach in scelld. InterTokaliscb tritt s statt ss ein: oisor (uxo- 
rem), poison (piscionem); aber auch das umgekehrte: poissov 
(potiouem). — gn erscheint neben sn: Gregvier, maiguie, digner. 
Im Auslaut wird nicht selten z statt .s geschrieben: povrez, 
armez (armas), onquex: nach u findet sich meist c; coitragenx, 
maulx] latinisierend in paix, roix. — Umgekehrt s statt ur¬ 
sprünglichem c: serchenf, saincte (ritt eia): asere : (von aciem); 
dressier ; -esse. 

23. Ursprüngliches % ist zum Teil graphisch geblichen: 
orre :, p/ex, filz, rieh; daneben findet sich s: orres, escus, 
totis, poins ( pUfpunn-\-s ); auch hier r nach in mieidx, ge/dx, 
preur. 

24. Franz. j vor e wird durch g wiedergegeben in ge, 
gectet'; vor a nur in sergant, 

25. Die Übergangslaute fehlen zuweilen, daher: tenremeni, 
vienra, vourra. 

20 . Das altfranz. Deklinationssystem ist bis auf geringe 
Reste aufgegeben. 

21. Bei dem bestimmten Artikel ist als Nom. Sing, des 
Mask. neben (e und archaischem H die Form lui bemerkens¬ 
wert. — De- f-te ergibt dou oder du ; a \-lc stets au\ en-\-le 
entweder ou oder u ; a-\-le$ immer anx. 

28. i >er Dativ des unbetonten persönlichen Fürworts lautet 
im Mask. und Fern, meist schon lag, lui , selten U. ■— Der 
Nom. Flur. Uz und it. 

29. Das Pron. poss. zeigt meist die neufranz. Form; nur 
sind folgende Formen zu erwähnen: lene, sene = lene, sein. 
— ma wird nur noch in m’ame apostrophiert. — Neben adjek¬ 
tivischem nostre, voslre erscheint selten im Sing, no, vo. — 
Der Nom. Plur. adjektivisch lautet regelmäßig mes, ses, doch 
begegnet noch mehrfach si compaignons. — Lcnr erhält vor 
einem Plural stets ein 5. 

30. Bei dem Pron. dem. erscheint als Nom. Sing, dos Mask. 
neben eil auch eellny, im Akk, cd’, icel, cellu y, im Nom. Plur. 
eil, sU, eih, emlx, geeit Ix. - Das Neutrum lautet ce. yec. 

Bti m mt a gBoeve de Hantojie + Ü 












VI, Die Mundart der Handschriften. 



31. Als Pron. rel. erscheint im Nora. 8111 ?. und Plnr. noch 
que neben gewöhnlichem qni. 

32. Beim Zahlwort ist zu bemerken dui und daix-, andn /; 
cnbedui 

33. Das Verbum bietet folgende erwähnenswerte Punkte: 
a) einmal ckanto&mes, sonst. - ons, -o«; b) in der 2. Plur. ein¬ 
zeln -ois, z. B. yrois\ c) der Inf. seir neben seoir\ d) im Perf. 
der 2. starken mistrent und inirent ; pristrent und prinrent: 
sistrent und assirent ; e) im Konj. Imp. feisse\ oceisse ; deissr ; 
f) sonstige alte Formen sind: doint als Konjunktiv neben donne; 
iis, irrt, ot, orcnt ; viertgne ; vendra (von renir) und tendra ; 
renist, tenist\ praigne\ pol, porent; svt ; vueil und veil: im 
Perf. voll und vost • rourent. 

Auf Grund der angegebenen dialektischen Merkmale ist 
auch für den Kopisten von W die Champagne als Heimat an¬ 
zunehmen , und zwar, da die charakteristischen Kennzeichen des 
östlichen und südlichen Teiles fehlen, dagegen einige Merkmale 
auf die Pikardie Hinweisen (z. B. -ie statt - iec ; ito, vo statt 
nostre, vostre; gn statt sn u. a.), so werden wir uns für die 
nördliche Champagne entscheiden. 

Endlich erwähne ich noch als Ergänzung zu den Fest¬ 
stellungen von Heiners, daß unsere Handschrift mehrere An¬ 
zeichen dafür aufweist, daß sie wahrscheinlich von einer anglo- 
normannischen Vorlage kopiert worden ist. Sie weist nämlich 
mehrere graphische Eigentümlichkeiten auf, die jenem Dialekt 
angehören. Dahin gehört, daß sie ziemlich oft e statt ir 
schreibt, z. B, changer v. 938, hucher v. 941, jostiser v. 945. 
bailler v. 961, herberger v. 1062 11. ö. Daher auch ee statt iee, 
z, B. couchee v. 1120 , atergee v. 1123 u. ö.; -er statt ier, z. B. 
paumer v. 925. Demnach scheut er sicli auch nicht, in eine 
weibliche E- Assonanz folgende Wörter einzureihen: serchercnt 
v. 1129, Jeden gier ent, v. 1133, 1137, dernere v. 1138, arriere 
v. 1139, 1146, trichtere v. 1140, chiere v. 1141, chambriere 
v. 1142, pierre v. 1144, laisserent v. 1145. Ebenso in eine 
männliche E- Assonanz Wörter wie mit {radiatm}?) v. 1156 11 . n.; 
umgekehrt arestier v. 15 in eine Je-Assonanz. 







VH. Inhalt des erdichte». 


83 


Statt einef; e (aus vlt. ä) findet sich einzeln ie } z. B. Her re 
(IcUro) v. 1140; ebenso o statt ü, z. B. nos piez v. 318, nom 
(i nullos ) v. 761, jostiser (dies einzeln auch auf dem Festlande) 
v. 045 u. a.; ui statt u, z. B. connuirent v. 840 u. a. 

Dahin ist auch die bereits von Heiners hervorgehobene 
graphische Verdoppelung einfacher Konsonanten, besonders von 
I, m, n, b t p, f f t und c zu rechnen, z. B, appostre v. 301, 
025, abbez v. 432, orcirn v. 472, enffent v. 490 u. ö., edle (cc- 
lafum) v. 1119 usw. Seltener begegnet das umgekehrte wie in 
garont statt garront v. 809 u. a. 

Aus der Flexionslehre ist zu erwähnen die Form lug des 
bestimmten Artikels statt li, z. B. v. 59, 321, 364, 409, 421, 
470, 639, 735, 833 u. ö,; auch im Plural, z. B, v. 283. 662 u. ö. 
In v. 407 hat der Kopist erst lug geschrieben und dann //ge¬ 
bessert, Endlich finden sich einige Übertritte von anderen Kon¬ 
jugationen in die erste schwache, z. B. in desiorder v. 745; 
flebveroit (statt devroit) v. 954 u. a. 

VII. Inhalt des Gedichtes. 

Der Herzog Gm von Hantone heiratete in vorgerücktem 
Alter eine junge Frau, Tochter des Grafen Renier, und sie 
schenkte ihm einen Sohn, Buevc. Bald aber wurde sie ihres 
Gatten überdrüssig, weil sie ihr Loben zu genießen wünschte, 
und faßte den Entschluß, ihren Gatten zu vergiften und dem 
jungen Doou von Haience Herz und Hand zu schenken (v. 165). 
Dementsprechend forderte sie einst zu Ostern ihren Koch 
Guinemant auf, das von ihr zubereitete Gift seinem Herrn 
unter die Speisen zu mischen. Auf die Weigerung desselben 
mißhandelte sie ihn und ließ ihn einkerkern, indem sie ihn 
des Diebstahls beschuldigte (v. 236). 

Nunmehr ließ die Dame durch den „clerc“ Salemon einen 
Brief anfertigen und dem Doon von Haience überbringen, in 
welchem sie diesem ihre Liebe antrug und ihn aufforderte, 
ihren Gatten bei Gelegenheit, einer Jagd im Ardennenwalde 
umzubringen. Doon beriet sich mit den Seinigen und be¬ 
schloß, den Antrag auszuführen. Er begab sich mit mehreren 

G* 







VIT. Inhalt des Gedichtes;. 


S4 

bewaffneten Begleitern an Ort und Stelle, wo er Hie weiteren 

i» Vr 

Weisungen Her Dame erwartete (v. 336). 

Die Herzogin erklärte ihrem Gemahl, sie sei infolge des 
Genusses einer Forelle, Hie der verräterische Koch ihr ver¬ 
abreicht, erkrankt; sie habe jedoch erfahren, sie werde geheilt 
werden, wenn sie in der Haut eines frisch geschossenen Hirsches 
schlafe und dessen Herz esse; der Hirsch müsse aber von ihm, 
ihrem Gatten, erlegt sein. Gui versprach sofort, ihr das Ge¬ 
wünschte zu verschaffen, und begab sich am nächsten Morgen 
mit zwanzig Begleitern in den Ardennenwald auf die Jagd. 
Doon, von der Dame hiervon unterrichtet, machte sich sofort 
auf den Weg und traf den Herzog, als er gerade den Hirsch 
seinen Hunden abnahm. Er griff ihn an, und obwohl Gui 
mehrere der Gegner tötete, wurde er doch bald schwer ver¬ 
wundet, worauf zwei Neffen Doons ihm den Kopf abschlugen 
(v. 473). Doon kehrte nun mit den Seinen nach Maience zu- 
rück, während Gui von den Überlebenden nach Hause getragen 
und begraben wurde. Alle betrauerten ihn tief, zum Schein 
auch seine Frau (v. 486). Aber vor Ablauf eines Monats traf 
sie sich mit Doon in einem Garten und sprach den Wunsch 
aus, daß dieser sie heirate. Als jener wegen ihres Sohnes 
Bueve, der ihm nach dem Leben trachten werde. Einwendungen 
machte, ließ säe ihm durch Fromont und Hate schwören, ihr 
Sohn werde aus dem Wege geräumt werden. Hieiauf kehrte 
jener nach Maience, die Herzogin nach Hantone zurück (v. 563). 
Als hier Bueve sie auf geputzt erblickte, warf er ihr vor, sie 
habe den Tod ihres Gatten verschuldet und suche jetzt einen 
neuen, ohne auch nur ein Jahr zu warten; er aber werde dies 
nicht dulden, vielmehr den Tod seines Vaters rächen. Als er 
diese Drohung wiederholte, schlug sio ihn so heftig, daß er 
verwundet zu Boden fiel, worauf sein Erzieher Soibaut ihn in 
seine Wohnung trug und samt seiner Frau ihn zu Bett brachte 
(v. 678). 

Gleich darauf erschienen Fromont und Hate und verlangten, 
Soibaut solle B. umbringon, und da sie ihm sonst den Tod an¬ 
drohten, so willigte er scheinbar ein; die Herzogin nahm diese 
Nachricht mit Freude auf, Soibaut aber weckte nach Beratung 








VII. Inhalt des Gedichtes, So 

mit seiner Frau seinen Schützling, teilte ihm das Vorgefallene 
mit und erklärte, er werde noch in der Nacht mit ihm aus 
dem Lande fliehen. Auf den Vorschlag der Frau wurde jedoch 
beschlossen, daß man B. noch 14 Tage verborgen halten sollte, 
um in Besitz der für den Mord versprochenen Schätze zu ge¬ 
langen, Sie machten den B. durch Verkleidung unkenntlich 
und gaben ihn für ihren jüngeren Sohn aus, während sie diesen 
selber zu Thierri, dein Schwager Soibauts, schickten. Darauf 
stopften sie B.s Kleider mit Stroh aus und warfen die so her¬ 
gestellte Puppe in die Blaive (v. 934). 

Als nun am nächsten Morgen Fromont und Hate er¬ 
scheinen, zeigte Soibaut ihnen im Wasser die angebliche Leiche 
und nahm den Lohn in Empfang. Nunmehr ließ die Herzogin 
dem Doon melden, B. sei nicht mehr am Leben und könne 
ihm Hantone nicht mehr streitig machen. Doon machte sich 
alsbald mit den Seinen auf den Weg, und die Hochzeit wurde 
mit großem Gepränge gefeiert (v. 1025). Als B., der sein Haus 
verlassen batte, das Festmahl erblickte, konnte er es nicht 
unterlassen, sich einzumischen. Mit einem Knüttel bewaffnet 
drang er in den Saal ein, beschält heftig seine Mutter nebst 
Doon und verwundete letzteren schwor durch einen Schlag auf 
den Kopf. Doon befahl, ihn zu ergreifen, doch entkam B. mit 
Hilfe guter Freunde aus dem Saal, gelangte in Soibauts Haus 
und machte sich wieder unkenntlich, so daß seine Verfolger 
ihn nicht zu finden vermochten. Die Herzogin ließ nun Soibaut 
herbeiholen und bedrohte ihn mit dem Tode, falls er ihr B. 
nicht auslieferte. Auf seine Weigerung mißhandelte sie ihn 
und ließ ihn in den Kerker werfen {v. 1181). 

Sie beruhigte den verwundeten Doon und ließ am nächsten 
Morgen auch die Frau Soibauts sowie B. als deren angeblichen 
Sohn holen und erstere foltern, um die Herausgabe des Ge¬ 
suchten zu erzwingen. Als auch dieses Mittel und eine erneute 
Durchsuchung der ganzen Stadt sich als vergeblich erwies, be¬ 
fahl die Dame, den Soibaut und seine Frau zu verbrennen. 
Auf B.s Bitte erklärte sich nun Soibaut bereit, B. herbei¬ 
zuschaffen, falls Doon und seine Gattin dafür Bürgen stellten, 
daß dem B. kein Leid geschehe. Als dies geschehen, trat 11 








VII, Itibalt des Gedichtes* 



vor und gab sich au erkennen. Soibaut und seine Frau 
wuschen in ihrer Wohnung die den B. entstellende Farbe ab 
und schickten ihn zu seiner Mutter (v. 1452). 

Am Hofe lebte der Abt Savari, ein Verwandter des Herzogs 
Gui, und dieser gab dem B., um ihn vor den Anschlägen seiner 
Mutter zn schlitzen, einen Tannenapfel aus dem Paradiese, der 
ihn vor Vergiftung bewahren werde; wirklich erwies letzterer 
auch seine Kraft bei einem Versuch, den seine Mutter nach 
Jahresfrist gegen ihn unternahm (v. 1500). Als nun Doon ihr 
aufs neue Vorwürfe machte und Befürchtungen aussprach, rief 
die Dame wieder Fromont und Hate zu sich und befahl ihnen, 
B. zu verkaufen; der Kaufpreis und obendrein tausend Livres 
solle ihnen gehören. Diese rüsteten ein Schiff aus, trugen de» 
B. im Schlaf gebunden hinein, fuhren nach Ungarn und ver¬ 
kauften ihn an russische Kaufleute. Als B. sie hierbei Verräter 
nannte, versuchten sie ihn zu töten, wurden jedoch von den 
Kaufleuten daran gehindert, kehrten nun nach Hantonc zurück 
und erstatteten der Herzogin Bericht (v. 1635). 

Die Kanfleute segelten in 15 Tagen nach der Hafenstadt 
Aubefort, wo sie B. zum Verkauf ausboten. Er erregte durch 
seine Schönheit allgemeine Aufmerksamkeit, auch die des Königs 
Hermin, der ihn, nachdem er seine Schicksale erfahren, kaufte 
und ihm das ausgezeichnete Pferd Arondel zur Wartung übergab 
(v. 1602). Inzwischen hatten Soibaut und seine Frau die Ab¬ 
wesenheit B.s bemerkt und zogen die Bürgen zur Verant¬ 
wortung, doch versicherte die Herzogin auf deren Anfrage, B. 


sei in London beim Könige, um sich in den Waffen auszu¬ 
bilden. Soibaut konnte nun nichts weiter tun (v. 1766). 

Inzwischen lebte B. in Persien, und als er einst im Mai 
Arondel getränkt hatte, unterwies er die Jünglinge seiner 
neuen Heimat in den Kampfspielen seines Landes und zeich¬ 
nete sich dabei sehr aus. Dies sah des Königs Tochter Josiane, 
ließ ihn durch ihren Vertrauten Bonefoi auf ihr Zimmer 
holen und versprach ihm Waffen, nachdem sie seine Ge¬ 
schichte gehört hatte. Mit Erlaubnis ihres Vaters beschenkte 
sie ihn mit prächtigen Kleidern und einer glänzenden Rüstung 


(v. 1912), 




























VII. Inhalt- des Gedichtes. 


87 


Da fiel der König Danebu, weil .Josiane seine Bewerbung 
abgewiesen batte, mit einem großen Heere ins Land ein und 
belagerte Äubefort. B. legte alsbald seine Rüstung an, bestieg 
Arondel und ritt hinaus, während Josiane von einem Turme 
aus zusah. Er tütete mehrere Feinde, befreite Gonse und Fourrti, 
welche gefangen fortgeführt wurden, und obwohl diese darauf 
feige entfloheu und ihn im Stiche ließen, gelang es ihm doch, 
da König Hennin ihm Hülfo sandte, sich der Feinde zu er¬ 
wehren; ja er tötete im Einzelkampf den Emir Danebu und 
besiegte Braidimont von Damaskus, worauf die Heiden flohen, 
und B. mit den Seinen beute beladen nach Äubefort zurück- 
kehrte, wo Braidimont sich als Lehnsmann König Hormins be¬ 
kannte (v. 2153). 

Mit Erlaubnis ihres Vaters führte Josiane nun B. auf ihr 
Zimmer, nahm ihm seine Waffen ab, bewirtete ihn und gestand 
ihm ihre Liebe. B. aber wies sie zurück, weil er eia ge¬ 
kaufter Sklave sei und außerdem zuerst den Tod seines Vaters 
rächen wolle. Josiane, über diese Abweisung aufs höchste er¬ 
zürnt, wies ihn mit harten Worten hinaus. B. erhob Ein¬ 
spruch, erklärte aber, er werde mmmehr in seine Heimat 
zurückkehren, um seiue Pflicht zu tun, verließ das Zimmer und 
kehrte in sein Quartier zurück. Josiane bereute bald ihre Über¬ 
eilung und ließ B. durch ihreu Kammerherrn Bonefoi zu sich 
ciuladen. Als B. aber ablehnte, begab sie sich selbst zu diesem, 
und es gelang ihr, den Erzürnten zu versöhnen (v. 2325). 

io beiden Ritter Gonse und Fourrö, die B. in der Schlacht 
herausgehauen hatte, zettelten einen Verrat gegen B, an. Sie 
sprachen dem Könige gegenüber den Verdacht aus, B., welcher 
Josiane leidenschaftlich liebe, werde ihn vom Throne stoßen, 
und als Hennin sich lobend über B. aussprach, versicherten 
sie, sie hätten B. in Josianes Bett gesehen, und letztere habe 
durch Geschenke von ihnen Schweigen zu erkaufen versucht. 
Nun glaubte ihnen der König und erklärte, er werde B. mit 
einem Uriasbriefe zu seinem kürzlichen Gegner Braidimont in 
den Tod senden. In der Tat übergab Hermin dem B. sofort 
den Brief, verbot ihm, Arondel mitzunehmen sowie vor der 
Abreise seine Tochter zu besuchen oder den Brief irgend jemand 





88 


VII. Inhalt des Gedichtes. 



zu zeigen. In großer Niedergeschlagenheit machte sieh B. auf 
einem Maultier auf den Weg {v. 2434). 

Nachdem B. zwei Tage lang ohne zu essen, zu trinken 
und zu schlafen in einem Walde hemm ge irrt, kam er heraus 
und traf einen Pilger, welcher im Freien speiste und ihn einlud. 
B. erzählte ihm von seiner Sendung, weigerte sich aber, den 
Brief zum Lesen zu geben. Der Pilger warnte ihn und zog 
weiter, B. schlief ein und wurde durch einen bösen Traum 
beunruhigt. Nachdem er erwacht, bestieg er sein Maultier und 
ritt bis Damaskus (v. 2524). Dort traf er den Emir unter einer 
Fichte sitzen und wurde auch sofort von ihm erkannt. Er 
übergab ihm den Brief mit dem Befehl Herrn ins, den darin 
enthaltenen Auftrag auszuführen. Der Emir lieh sich diesen 
von einem Schriftkundigen vorlesen und teilte Buevo dessen 
Inhalt mit. Dieser klagte bitter über Hermins Undank und 
bat vergebens, ihn zu schonen. Er wurde von 14 Heiden er¬ 
griffen und in einen scheußlichen Kerker geworfen, auf dessen 
Boden Wasser iloß und der von allerlei Ungeziefer bevölkert 
war, das ihn angriff. Mit Hilfe eines Speersehaftes. den die 
Heiden hineingeworfen hatten, um die Gefangenen zu peinigen, 
verteidigte er sich mit Mühe gegen die andringenden Tiere und 
tötete sic. Die Wächter legten ihm Halseisen und Fesseln an, 
so daß er sich nicht bewegen konnte, und ließen ihm schlechte 
und unzureichende Nahrung zukommen. So verbrachte er 
sieben Jahre, bis ihm alle Kleider am Leibe verfault waren 
(v. 2646). 

Bald nach B.s Abreise träumte .Josiane, daß B. von ihr 
ginge, und teilte den Traum dem Bonefoi mit. Gleich darauf 
kam ihr Vater in ihr Zimmer, erzählte, B. sei vor zwei Tagen 
weggegangen, und fragte, ob er etwa Arondel und seine Waffen 
mitgenommen habe. Josiane war bei dieser Nachricht so be¬ 
stürzt, daß sie erst nach längerer Zeit die Frage beantworten 
konnte, worauf der König lachend hinausging, während sie 
sich oinschloß, sich die Haare raufte und den Geliebten laut 
beklagte (v. 2712). So vergingen mehrere Jahre; viele Fürsten 
warben um sio, und ihr Vater vermählte sie mit Worin von 
Monbrant, Sie nahm Arondel und B.s Waffen in die neue 























VII. Inhalt de« Gedichte«. 



Heimat mit und erreichte durch Zaubermittel, daß ihr Gatte 
keinen ehelichen Umgang mit ihr pliegen konnte. Sie trauerte 
nach wie vor um den Geliebten (v. 2753). 

Sieben Jahre hatte B. bereits in dem Kerker zugebracht 
Als seine Wächter einst hörten, wie er von Maria entweder 
Befreiung oder den Tod erflehte, beschlossen sie, ihn zu töten. 
Sie stiegen zu ihm hinab, und der eine schlug B. so, daß dieser 
betäubt wurde (v. 2792). Er erholte sich jedoch, ergriff einen 
Stock und tötete damit erst den einen, dann den andern Wächter. 
Er bat nun Gott, ihn zu befreien, und gelobte für den Kall 
der Erhörung eine Pilgerfahrt nach dem heiligen Grabe (v. 2820). 
Gott erhörte wirklich sein Gebet, die Ketten fielen zur Erde. 
,B. dankte, verließ den Kerker durch ein Fenster und kam zum 
Schloß. Dort bekleidete er seine nackten Glieder und nahm 
sich von einer Stange Waffen. Nachdem er auch in einem 
Stalle ein Pferd gefunden und gesattelt hatte, ritt er davon, 
tötete die Torwachen und verließ die Stadt, ohue jedoch den 
Weg zu kennen. An einer Straßenkreuzung legte er sich unter 
einer Olive ins Glas, bemerkte jedoch, als es Tag wurde, daß 
er sich noch dicht bei Damaskus befand, und ritt schnell weiter 
(v, 2878). 

Inzwischen, war Braidimont aufgestanden und halte seinen 
Nellen Pinart zu dem Hauptkerkermeister gesandt, um ihn 
hör beizuholen. Da er ihn in seiner Wohnung nicht fand, so 
eilte er zum Kerker, wo er die Wächter tot und die Ketten 
zerbrochen fand. Er teilte seinem Oheim B.s Fiueht mit, und 
dieser schlug vor Zorn die Bildsäule Mahomets mit einem Stocke 
auf den Kopf und schmähte den Gott, bis seine Leute ihn 
daran hinderten (v. 2910). Der „Apostel“, welcher das Gesetz 
behütete und in der Bildsäule verborgen war, rief laut, der 
Emir sei toll. Da fiel dieser vor dem Gott nieder und opferte 
als Buße tausend Mark. Hierauf bestieg er Alose, sein Roß, 
und machte sich mit 700 Heiden auf die Verfolgung. Er ritt 
seinen Leuten weit voraus und erblickte nach einiger Zeit B. ; 
der vor Müdigkeit auf seinem Schilde unter einem Baum ruhte 
(v. 2968). Dieser bemerkte jedoch den Feind rechtzeitig, be¬ 
stieg sein Pferd, und nach gegenseitigen Drohungen spiongteu 




















00 


VII. Inhalt des Gedichtes. 


. beide aufeinander los; Braidimont wurde getötet (v. 301Ü). Nun¬ 
mehr vertauschte B. seine Rüstung mit der des Emirs, bestieg 
auch dessen schnelles Pferd Alosö und ritt so den verfolgenden 
Sarazenen entgegen. Pinart, welcher vorausritt und ihn für 
seinen Oheim hielt, fragte ihn nach dem Flüchtling. 13. aber 
rief ihm zu, Braidimont liege tot am Boden, und ihn, Pinart, 
werde das gleiche Schicksal zuteil werden. Letzterer suchte 
nun zu entfliehen, wurde aber eingeholt und auch getütet. Die 
Sarazenen erkannten jetzt B., verfolgten ihn eine Zeitlang, 
gaben dann aber die nutzlose Verfolgung auf und kehrten mit 
ihrem toten Emir nach Damaskus zurück, wo sie ihn begruben 
(v. 3120). 

B. kam bald an ein tiefes, reißendes Wasser Noiremonde 
und suchte mit seinem Speer nach einer Furt, aber der Strom 
entriß ihm die Lanze. Nach langem, vergeblichem Suchen 
sprengte er in das Wasser, wurde einen Bogenschuß weit ab¬ 
wärts getrieben, kam aber glücklich ans Ufer, wo Alosö sich so 
heftig schüttelte, daß B. zu Boden fiel (v. 3180). Er stieg jedoch 
wieder auf und ritt, vom Hunger gepeinigt, weiter. Er kam 
endlich an ein altes Schloß, erblickte am Fenster eine Riesin 
und bat diese um Speise. Sie aber riet ihm, weiter zu reiten, 
da das Schloß dem Riesen Ysor6 gehöre, der jeden Fremden 
umbringe (v. 3207). 11. erklärte jedoch, er müsse unter allen 

(Jmstiindcn essen und werde im Notfälle das Land von dem 
Unholde befreien. Darauf teilte die Riesin dem Ysorö B.s 
Wunsch mit; jener kam sofort und B. wiederholte seine Bitte. 
Der Riese erkannte jedoch B.s Waffen als die seines Ver¬ 
wandten Braidimont von Damaskus und begann den Angriff. 
B., welcher für sein Pferd fürchtete, band dies an eine Fichte 
und griff zu den Waffen. Ysorö schlug nach ihm mit einem 
Pfahl, fehlte jedoch, so daß der Pfahl ein und einen halben 
Fuß in die Erde eindrang und zerbrach (v. 3270). Nunmehr 
versetzte er dem B. mit einem Messer einen Hieb, so daß 
dieser in die Knie sank. Er erhob sieh jedoch schnell und 
schlug seinem Gegner den rechten Arm ab. Zwar suchte 
dieser nun zu fliehen, wurde aber eingeholt und gelötet (v. 3311). 
13. brachte sein Pferd in den Stall und aß. von den reichlich 































VII. lubltll düa CiudicIituS. 


91 


herbeigebrachten Speisen. Die Riesin bat ihn, sie mitzunehmen: 
sie werde ihm ihre Schätze übergeben und sich taufen lassen, 
doch lehnte B. ab mit der Begründung, er habe bereits eine 
Freundin, und brach auf (v, 33(12). 

B. ritt nun den ganzen Tag, ohne einen bewohnten Ort 
zu treffen, und übernachtete daher unter einem Baum auf 
seinem Schilde. In dem Walde hausten zehn Räuber, und als 
diese ihn schlafen sahen, versuchten sie, ihm sein Pferd zu 
stehlen, doch tötete Alose bei diesem Versuche einen der Räuber 
durch einen Schlag mit dem Huf. B. erwachte, setzte sich zur 
Wehr, erschlug drei der Räuber, wollte jedoch, da er noch 
schwach war, auf dom Pferde entfliehen. Aber die Räuber 
töteten Alose, worauf E. weitere drei erlegte, während die 
letzten drei die Flucht ergriffen (v. 3455). B, warf nun seine 
Waffen als nutzlos weg und setzte seinen Weg zu Fuß fort. 
Er fand einen toten Pilger, den die Räuber um gebracht batten, 
begrab ihn und kleidete sich in dessen Pilgergewand (v. 3473). 

E. wanderte nun auf Jerusalem zu, das er endlich er¬ 
reichte. Er beichtete, betete am heiligen Grabe, badete wogen 
des an ihm haftenden Ungeziefers dreimal im Jordan, worauf 


er dem 1 ’atriarchen seine Sünden bekannte und seine Schick¬ 
sale berichtete (v. 3485). Nachdem dieser ihn verpflegt und 
beschenkt hatte, zog er nach Jaffa und bestieg ein nach Hau- 
tono bestimmtes Schiff, wurde jedoch nach vier Tagen durch 
einen Sturm zum Landen gezwungen. Er wanderte in seiner 
Pilgerkleidang am Ufer entlang und gelangte nach Monbrant, 
der Stadt Yvorins (v. 3515). Josiane kam gerade mit ihren 
Mädchen angegangen, indem sie Arondel von Eonefoi vor 
sich herführen ließ und das Pferd liebkoste. B. erkannte beide 
sofort und klagte über die Unbeständigkeit des Weibes, da er 
aunahm, sie sei ihm untreu geworden. In seinem Quartier 
konnte er daher weder essen noch schlafen. Sein Wirt war ein 
Heide, der sich mit der Absicht trug, Christ zu werden, und 
riet ihm am nächsten Morgen, die Königin zu besuchen, die 
vor sieben Jahren den Yvorin geheiratet habe, ihn aber nicht 
liebe (v. 3559). B. begab sieh in der Tat zum Schloß, sah 


und horte dort, wie Josiane nach Frankreich hinüb erschaute 



VII. JnIiu.Il Jos Gedichtes. 


92 

und um B. klagte; sie werde ihn nie vergessen, sondern wie 
die Turteltaube allein ihr Leben vertrauern. Sie begrüßte den 
Wind, der von Frankreich kam, und ließ ihn in ihren Busen 
wehen. Da näherte sich B., blaß und mager, bat um Mittag¬ 
essen, worauf sie ihm Speisen reichen ließ und fragte, woher 
er stamme. Als sie hörte, er sei aus Frankreich, brachte sic 
ihm selbst Wasser sowie Handtuch und bediente ihn beim 
Essen, fragte ihn auch, ob er den wackern Bueve von Hantone 
kenne. Er bejahte diese Frage und erzählte dessen Schicksale 
bis zu seinem Verkauf. Sie gab nun die Fortsetzung und bat 
ihn, jenen von ihr zu grüßen; er möge zu ihr kommen und 
sie gemäß seinem Versprechen heiraten. Als B. sich hierauf 
in sein Quartier begeben wollte, bot sie ihm in B.s Namen 
Herberge und Verpflegung an. Er nahm die Einladung an, 
da er B.s Verwandter sei, und vier ihm zuerteilte Diener ver¬ 
sorgten ihn aufs beste, so daß er nach fünfzehn Tagen seine 
frühere Kraft und Schönheit wieder erlangt batte. Als Josiane 
einst in B.s Gesicht eine kleine Narbe sah, die sie von früher 
kannte, und ihm sagte, er sei dem B. sehr ähnlich, erklärte 
B. dies damit, daß er B.s Vetter sei, worauf sie ihn umarmte 
(v. 3726). 

Bald darauf zog Vvorin nach einem vier Tagereisen ent¬ 
fernten Schloß, das von einem heidnischen Könige belagert 
wurde, und nun sah B., wie Josiane wieder um B. weinte 
und mit dem aus Frankreich wehenden Winde wie mit einem 
lebenden Wesen sprach. Er beschloß hierauf, sich zu erkennen 
zu geben, dankte ihr für die freundliche Aufnahme und bat 
sie, ihm vor dem Abschied Arondel und B.s Waffen zu zeigen, 
damit er diesem darüber berichten könne. Als sie ihn zu dem 
Pferde geführt hatte, erkannte dies sofort seinen alten Herrn, 
stampfte und wieherte laut. Sie erklärte, Arondel habe dies 
seit sieben Jahren nicht getan und fügte hinzu: „Wenn du B. 
bist, so sage es.“ Nun gab B. sich zu erkennen (v. 3798) und 
erzählte seine traurigen Schicksale, wobei Josiane in Ohnmacht 
fiel. Sie erholte sich jedoch bald, küßte ihn und erinnerte 
ihn an sein Versprechen, sie zu heiraten. Als er erwiderte, 
er habe gelobt, nur eine Jungfrau zu heiraten, schwor sie, daß 











VII . Inhalt des Oed ich te». 93 

sie mit Yvorin nie ehelichen Umgang gepflogen; sie bat, er 
möge sich sofort davon überzeugen und ihr den Kopf ab¬ 
schneiden, falls sie nicht die Wahrheit gesagt. B. war hier¬ 
nach überzeugt und erklärte sich bereit, in der Xaeht mit ihr 
nach Frankreich zu fliehen und sie dort zu heiraten (v, 3842). 

Nunmehr befahl Josiane dem Pförtner, niemand in das 
Schloß zu lassen, eilte aber selbst hinein, rief Bonefoi, ihren 
Kammerherrn, holte eine Rüstung für B. und soviel Gold, wie 
dreißig Maultiere tragen konnten. B. weigerte sich anfänglich, 
dies Gold mitzunehmen, willigte aber schließlich ein. Josiane 
kleidete sich als Mann und ließ einige Maultiere mit Lebens¬ 
mitteln beladen: B. schnitt dem Torwächter, der um Hülfe 
rnfen wollte, den Kopf ab, und der Zug machte sich auf den 
Weg (v. 3898). 

Ein Bote überbrachte Yvorin die Nachricht von der Flucht, 
worauf dieser den Befehl gab, alle Hiifen zu überwachen. In¬ 
zwischen hatte B. mit den Seinen in einer Höhle Zuflucht ge¬ 
funden, doch waren nach acht Tagen alle Lebensmittel ver¬ 
zehrt. B. erlegte einen Bären, und die Flüchtlinge verzehrten 
den Braten ohne Salz. Da jedoch auch Wasser fehlte, so machte 
B. sich mit einem Gefäß auf, um solches zu holen. Während 
seiner Abwesenheit erschienen zwei Löwen, durch den Geruch 
der Maultiere angelockt, vor der Höhle. Bonefoi, welcher sich 
zur Wehr setzte, wurde getötet und bis auf den Kopf und die 
Beine verschlungen. Hierauf ergriffen die Löwen Josiane, 
trugen sie, ohne sie zu verwunden, unter einen Ölbauru und 
legten sieh zu ihren Füßen nieder; denn ein Königskind dürfen 
sie nicht an rühren (v. 3977). 

Als nun B. zu der Höhle zurüekkehrte, fand er die Roste 
Bonefois und klagte, weil er glaubte, auch Josiane verloren zu 
haben, hörte diese jedoch, als er der Spur der Löwen folgte, 
jammern. Bei seinem Anblick stürzten sich die Löwen auf ihn. 
Anfangs verlor er sein Schwert, doch gab Josiane es ihm wieder, 
und nun tötete er beide Löwen, worauf er mit Josiane zu der 
Höhle zu rück kehrte und über seine traurige Lage klagte. Da 
sah er einen ungefügen Heiden herankommen. Auf B.s Frage 
gab dieser an. er heiße Ar/opart und sei von seinem Vetter Yvorin 














VIT, Inhalt dp« Gedichtes. 





94 


ausgesandt, um ihn, den Entführer von dessen Er au. zu suchen. 
Er griff nun B. an, wurde aber von diesem zu Boden geworfen, 
Josiane bat für ihn um Gnade und forderte ihn auf, Christ zu 
werden, aber er biß B. in den Arm; doch warf ihn dieser 
zweimal zur Erde und drohte, ihn zu töten. Da unterwarf er 
sich auf Josianes erneute Bitte und gelobte Treue, indem er 
mit dem kleinen Finger an den Zahn klopfte (v. 4179). 

Agopart teilte nun mit, daß Yvorin alle Hiifcn bewachen 
lasse, und verschallte zunächst Futter für Arondel und die 
Maultiere, indem er einem Klausner in der Nähe Hafer raubte 
und ihm sogar seine Kapelle anzündete. Dann erklärte er, er 
werde das den nächsten Hafen bewachende Schiff in seine Ge¬ 
walt bringen. Gegen Abend bewaffneten sich B. und Agopart, 
begaben sieh nachts an das Meer, fanden die Matrosen in 
Trunkenheit schlafend; Agopart tötete sie alle und warf sie ins 
Meer, worauf Josiane aus der Höhle geholt und nebst aller 
Habe an Bord gebracht wurde. Nachdem sie den Vorgefun¬ 
denen Vorräten tüchtig zugesprochen, gingen sie unter Segel, 
indem Agopart das Steuerruder führte {v, 4:521). Nach einiger 
Zeit erblickte Josiane ein Schiff, und B. rüstete sich, weil er 
meinte, es sei zu ihrer Verfolgung ausgesandt, doch erkannte 
Agopart ein Kreuz auf dem Segel und als sie nähergekommen, 
stellten sie fest, daß Kaufleute darauf waren. Diese teilten 
ihnen mit, sie seien aus Köln in Deutschland, einige auch aus 
Hantone, und sie kämen von der Londoner Messe. Auf B.s 
Bitte erklärten sie sich bereit, ihn für vierzig Unzen Goldes 
nach Köln mitzunehmen und schworen, ihn nicht im Stich zu 
lassen. Die ganze Ladung wurde auf das Schiff hinüberge¬ 
bracht, und auch Agopart, welcher fürchtete, man werde ihn 
nicht mitnehmen, sprang hinüber, so daß die KaufJeute über 
ihn heftig erschraken. B. suchte sie durch die Angabe, er sei 
ein neubekehrter Heide, zu beruhigen, doch verlangten jene, 
daß er ihnen aus den Augen geschafft werde, worauf Josiane 
ihn in eine Kajüte brachte, wo er einschlief (v. 4407). 

Inzwischen hatte Yvorin die Verfolgung der Flüchtlinge 
auf nehmen lassen, und plötzlich sah B. ein mit 4000 Sarazenen 
bemanntes Schiff naherkommon, das den Apollin auf dem Segel 





































YTI. Tnlin.lt <1 es Gediehtes. 


95 


zeigte und von zwei Königen, den Brüdern Corsuhle und 
Margen, befehligt wurde. Die Kaufleute blieben aber ihrem 
Versprechen treu und bewaffneten sich. Corsuble fragte sie, 
ob sie einen jungen Christen gesehen hätten, der Yvorins Gattin 
entführe. Als B. sich meldete, verlangte er von ihnen dessen 
Auslieferung und ging auf deren Weigerung zum Angriff über. 
B. tötete hintereinander die beiden Könige, worauf die Sara¬ 
zenen griechisches Feuer auf das Schiff warfen, doch erstickte 
Josiane dies sofort mit Hülfe von Sand und einer Salbe und 
weckte auch den Aqopart Dieser ergriff einen zerbrochenen 
Mast und erschien auf Deck. Die Sarazenen forderten ihn auf. 
B. ausxu liefern und mitzukommen, doch erklärte er, er sei 
Christ. Nun griffen die Feinde auch ihn an und verwundeten 
ihn, aber Aoopart schlug mit seinem Mast das feindliche Schiff 
leck, so daß es samt der ganzen Besatzung versank. Josiane 
verband A^.oparts Wunden (v. 4595). 

Auf der Weiterfahrt erzählte ein alter Mann dem B., er 
sei aus Hantone, sei ein Vetter des Soibaut und sei wie dieser 
von Doon de Maience aus Hantone vertrieben worden. Soibaut 
habe 80 Söldner gedungen und bekriege nebst seinen beiden 
Söhnen den Doon von einer nahen Felsenburg aus. B. war 

TM 

über über diese Nachricht hoch erfreut und beschenkte den 
Alten reich. Nach längerer Fahrt kamen sie zunächst nach 
dem festen Schlosse Oupin und dann nach Köln (v. 4647). 

Tn Köln begrüßte B. den Erzbischof Amauri, stellte sich 
ihm als den Sohn seines Bruders vor und erzählte ihm von 
dom Tode seines Vaters. Amauri lud ihn ein, bei ihm zu 
bleiben, und versprach auch, den wahren Namen seines Gastes 
nicht bekannt zu geben. B, nannte sich nun Gerard. Einst 
traf er dort einen Pilger, der ihm erzählte, er sei aus Frank¬ 
reich, sei sieben Jahre lang in Yvorins Gefangenschaft gewesen, 
worauf dessen Gattin Josiane ihm die Freiheit gegeben und 
ihn gebeten habe, einen Jüngling B. in Hantone zu grüßen. 
Er komme von dort, habe aber B. nicht gefunden, während 
ihm Doon von Maience alle seine Habe weggenommen habe. 
Auch dieser berichtete, daß Soibaut von einem festen Schlosse 
aus den Doon unaufhörlich bekriege (v. 4730). Nunmehr er- 


VIT. Inhalt dos Gedichtes. 


06 

klärte B.. er wolle dem Soibaut za Hilfe ziehen, und bat seinen 
Oheim, während der Zeit Josiane und seinen Besitz zu behüten, 
was jener versprach. Vorher jedoch wurde auf Josianes Vor¬ 
schlag A^opavt getauft, wobei er zu Ehren von B.s Vater den 
Namen Gui erhielt (v, 4768). 

Nunmehr nahm B. hundert Ritter in seinen Sold, beauf¬ 
tragte A^opart, Josiane zn beschützen, und verabschiedete sich 
von letzterer, die ihn unter Tränen Gottes Hut empfahl. Alle 
bestiegen die Pferde, ritten bis Brügge, wo sie übernachteten, 
worauf sie ein Schiff mieteten und so lange fuhren, bis sie die 
Burg Soibauts erblickten. Sie gingen an Land, trafen Soibaut 
nebst Frau und Söhnen in einem Garten, und B. erklärte auf 
dessen Frage, er heiße Gerard, sei aus Dijon, habe von Soibauts 
Krieg gehört und sei gekommen, um ihm zu helfen. Soibaut 
nahm das Anerbieten an und übertrug dem B. auf dessen Bitte 
die LeitnDg des Krieges. Alsbald bewaffneten sich alle, ritten 
noch in der Nacht nach Hantone, legten sich in einen Hinter¬ 
halt und trieben das Vieh der Gegner weg. Sobald Doon dies 
erfuhr, ließ er die Reinen ebenfalls sich rüsten und hinaus 
reiten. Allen voraus eilte Wilhelm, der Sohn von Doons Sch wester 
Ysabel. B. sprengte sofort auf ihn zu und durchbohrte ihn, 
worauf Doon die Seinen anfeuerte. Soibaut riet wegen der 
Übermacht der Feinde zum Rückzug, doch weigerte sich B., 
ließ sich Doon zeigen, griff ihn an und warf ihn verwundet 
vom Pferde, doch wurde jener von seinen Leuten heraus- 
gehauen, verbunden und stieg wieder auf. Er stieß nun den 
Soibaut aus dem Sattel, entfloh aber, als B. zu Hülfe kam, und 
auch Fromont entzog sich dem Angriffe B.s (v. r>065). Im wei¬ 
teren Verlauf des Kampfes verlor B. einen seiner Krieger aus 
Köln, streckte aber den Foucon, einen weiteren Neffen Doons, 
zu Boden. Ja es gelang ihm sogar, den Fromont zum Kampf 
zu zwingen und gefangen zu nehmen, worauf Doon mit den 
Seinen nach Jantone zurückkehrte. Dev gefangene Fromont 
ward geschmäht, mißhandelt und mit dem Tode bedroht, doch 
wurde seine Bestrafung auf Gerards Vorschlag aulgeschoben 
und er in einen Kerker gebracht, wo alle Vorübergehenden 
ihn mit Steinen warfen. Adel heit, Soibauts Gattin, hörte 









VII. Inhalt des Gedichtes. 


97 


mit Freude von den Heldentaten des fremden Söldners 
(v. 5239). 

Schon vorher hatte Doon seiner Frau von dem Mißerfolg 
berichtet und die Vermutung ausgesprochen, daß der Söldner 
drüben B, sei. Sie höhnte ihn und sagte, sie würde, falls B. 
lebte, diesen holen lassen und ihm sein Erbe geben, worauf 
Doon sie wütend zu Boden schlug. Er beriet nun mit seinen 
Vertrauten, wie er erfahren könne, ob seine Vermutung richtig 
sei. Auf Hates Rat schickte er einen als Pilger verkleideten 
Späher in die Festung hinüber. Dieser fand bei einem Bürger 
Aufnahme, doch konnte er nirgends etwas über B. erfahren. 
Er traf letzteren sogar selbst, bat ihn um Almosen und erhielt 
einen Mantel. Später erblickte er Fromont in seinem Kerker 
und eilte erschreckt nach Hantone zurück. Dort berichtete er 
dem Doon, über B. habe er nichts in Erfahrung bringen können; 
der Söldner heiße Gerhard, sei aus ! 'ijon, und habe ihm einen 
Mantel geschenkt; Fromont sei eingekerkert und werde getötet 
werden, sobald man auch Hate gefangen habe (v. 5412). 

Auf der Burg begaben sich Soibaut und B. zu Fromont, 
der ihnen sein vierfaches Gewicht als Lösegeld anbot. Auf B.s 
Frage, was er und Hate einst mit B. gemacht hätten, gestand 
er, sie hätten ihn an Kaufleute und diese ihn an den König 
von Hermenie verkauft. B. bat nun den Soibaut, ihm die Be¬ 
strafung Fromonts zu überlassen, und als jener einwilligte, ließ 
er ihn in einem hölzernen Käfig von 4 Fuß Länge und 3 Fuß 
Breite neben der Küche aufstellen, wo er außer dem Hunger 
noch Foltern erdulden mußte (v. 5494). 

Nunmehr unternahm B. im Verein mit Soibauts Söhnen 
einen neuen Zug gegen Hantone. Sie legten sich in einen 
Hinterhalt, und als Doon mit zwanzig Rittern auf die Jagd 
ging, überfielen sie jene, töteten fünf der Begleiter Doons, 
nahmen die übrigen gefaDgen, während Doon selbst einen 
Meeresarm durchschwamm und sich so rettete. B. und die 
Seinen kehrten mit den Pferden und der sonstigen Beute nach 
der Festung zurück (v. 5555). - , 

Die Frau Soibauts wunderte sich über die Kriegstaten des 
Fremdlings und fügte hinzu, das Herz sage ihr, daß 



7 











98 


VIL Inhalt das Gedichtes. 


der sie auf die Probe stellen wolle. Soibaut erlaubte ihr auf 
ihre Bitte, den Versuch zu machen festzustellen, ob der Fremde 
ein Kreuz auf der Schulter und ein bestimmtes Zeichen an 
der rechten Seite habe. Die Frau bat B., ihr seinen rechten 
Arm und seine Schulter zu zeigen, und nunmehr gab B. sich 
zu erkennen. Die Dame war so ergriffen, daß sie sich nicht 
auf den Füßen zu halten vermochte; sie und ihr Gatte küßten 
zärtlich ibren Herrn. Dieser bat sie, das Geheimnis noch 
weiter zu wahren, da sonst seine Feinde in Hantone fliehen 
und sich so seiner Bache entziehen würden; nur Soibauts Söhne 
Roboan und Thierri wurden herbeigeholt und eingeweiht. Diese 
vermochten lange nicht zu sprechen, umarmten dann B. und 
gelobten zu schweigen (v. 5789). 

ß. erzählte nun dem Soibaut alle seine Erlebnisse und 
beschloß auf dessen Rat, nach Köln zu gehen, um Josiane 
zu heiraten. Da aber die beiden Sohne Soibauts sich weigerten, 
zurückzubleiben und die Festung zu behüten, so erklärte B., 
er werde erst in vier Tagen ab reisen und vorher den Versuch 
machen, üoon und Hate im Kampf zu treffen. Am nächsten 
Morgen legten sie sich wiederum in einem Gehölz bei Hantone 
in den Hinterhalt, und als Doon und Ilate jeder mit hundert 
Rittern in zwei Abteilungen aus Hantone herauszogen, ließ 
Soibaut seiner Frau durch einen Neffen melden, sie solle ihm 
alle verfügbaren Truppen zu Hülfe senden (v. 6080), Sobald 
diese eingetroffen, brachen auch die anderen aus dem Hinter¬ 
halte heraus, und ein allgemeiner Kampf begann. B. ritt auf 
Hate zu, doch begab sich dieser auf die Flucht und B. tötete 
einen von Doons Neffen. Auf der anderen Seite erlegte Doon 
einen Engländer, sowie einen aus Köln mit B. herübergekom¬ 
menen Deutschen Garnier und griff Soibauts Solm Thierri an, 
der Doons Pferd tötete und so Doon selbst zu Boden warf 
(v. 6807). B. und Soibaut fielen über Hate her, B. schlug ihn 
zu Boden, ergriff ihn und übergab ihn zehn Rittern. Diese 
entwaffneten ihn und führten ihn nach der Festung, wo Frau 
Adelheid ihn an einen Baum binden ließ. Inzwischen hatte 
Doon mit seinen Truppen die Flucht ergriffen, und alle kehrten 
nach Hause zurück. B. ließ für Hate einen ebensolchen Käfig 









VII. Inhalt des Gedichtes, 


99 


machen wie früher für Fromont, und stellte ihn neben dem 
des letzteren auf {v. 6420). 

Am nächsten Morgen wurde zu Schiff die Fahrt nach 
Köln angetreten, während Adelheid und Soibauts Neffe Ger¬ 
hard als Hüter der Festung zurückblieben. Sobald Doon dies 
erfuhr, unternahm er auf Rat seiner Frau einen Angriff gegen 
die Festung. Er legte sich mit seinen Leuten zwischen zwei 
Hügeln dicht vor diese, um die Mauern zu zerstören. Adel¬ 
heid teilte ihrem Neffen Gerhard mit, Soibaut habe oberhalb 
der Festung einen Weiher anlegen lassen, der durch zwei Kanäle 
von einem Flusse gespeist werde, und schlug vor, mit Hülfe 
dieses Weihers die Angreifer zu vernichten. Sie selbst gab 
alsbald die nötigen Anweisungen: das Wasser des Weihers 
wurde in zehn Schleusen geleitet und von dort auf diejenige 
Stelle des Tales losgelassen, wo sich das Lager der Feinde 
befand. Adelheid und Gerhard beobachteten nun von den 
Fenstern der Burg aus, wie das Wasser brausend das Lager 
überschwemmte, Zelte, Menschen und Pferde ins Meer forttrieb, 
so daß wenige entkamen. Als Doon, der mit 40 Begleitern 
auf die Jagd gegangen war, zurückkehrte, fand er alles zerstört 
und entfloh voller Entsetzen nach Hantone (v. 6634). 

Während dieser Zeit war Josiane in Köln in eine schlimme 
Lage geraten. Huidemer, ein Neffe des Erzbischofs, hatte eine 
heftige Liebe zu ihr gefaßt und bat seinen Oheim, sie ihm 
zur Frau zu geben, da B, von Doon erschlagen sei. Der Erz¬ 
bischof weigerte sich, erklärte sich aber auf wiederholtes Drängen 
seines Neffen dazu bereit, wenn ihm B.s Tod sicher nachge¬ 
wiesen würde. Nunmehr ließ Huidemer einen Bursehen wie einen 
Pilger ausstaffieren und durch einen „clerc“ Salatre einen Brief 
anfertigen, welcher berichtete, daß B., Soibaut nebst den Seinen 
umgebracht worden seien und daß B, dem Erzbischof den Wunsch 
aussprechen lasse, Josiane anderweitig zu verheiraten. Dieser 
Brief wurde dem angeblichen Pilger übergeben, und letzterer 
begab sich in das Schloß des Erzbischofs, schleppte sich mit 
Mühe die Treppe hinauf und erzählte, wie er im Morgenlande 
lange in Gefangenschaft geschmachtet, dann in England von 

Doon de Maience ausgeraubt, dagegen von Soibaut verpflegt 

7 * 


100 


YIL Inhalt des Gedichtes. 


worden sei. Nach etwa einem Monat sei Doon durch Verrat 
in die Burg eingedrungen und habe Soibaut samt Frau und 
Kindern getötet Ein Ritter, Bueve von Hantone, habe sich 
tödlich verwundet in einen festen Turm geworfen, habe ihm 
vor seinem Tode den Brief gegeben und für den Erzbischof 
den Auftrag erteilt, Josiane standesgemäß zu verheiraten. Der 
Erzbischof ließ sich durch diesen Betrug wirklich täuschen, und 
auf Hnidemers weiteres Drängen teilte er Josiane den Tod 
ihres Gatten und zugleich seinen Entschluß mit, sie mit seinem 
Neffen zu verheiraten. Josiane erhob lebhaft "Widerspruch 
(v. 6877). Da erschien A^opart, und der falsche Pilger wieder¬ 
holte auch ihm gegenüber seinen Lügenbericht, doch schleuderte 
dieser ihn gegen einen Pfeiler, so daß er tot niederfiel; ja als 
der Erzbischof ihn zu ergreifen befahl, bedrohte er auch diesen, 
so daß jener seinen Befehl widerrufen mußte. Aijopnrt erklärte 
nun, er werde die Heirat verhindern, und der Erzbischof sagte 
seinem Neffen, der Plan könne nur ausgeführt werden, wenn 
er Agopart entferne. Hui dem er griff zu einer neuen List. Er 
versicherte der Josiane, er werde sie nicht gegen ihren Willen 
heiraten; lebe B. noch, so werde dieser bald zurückkommen. 
Darauf lud er Agopart zum Mittagessen ein und führte ihn 
hundert Stufen hinauf in einen Turm, wo ein leckeres Mahl 
bereit stand. Unter dem Vorwando, einen Diener zum Ser¬ 
vieren zu holen, entfernte er sich dann, schloß aber nun vier 
eiserne Türen hinter dem A<jopart zu und höhnte letzteren in 
seiner ohnmächtigen Wut (v. 7037). Huidemer teilte darauf 
seinem Oheim mit, er habe Agopart unschädlich gemacht, und 
verlangte die Einlösung seines Versprechens. Letzterer verlobte 
Josiane trotz ihres Widerspruches mit Huidemer, und letzterer 
gewährte der Josiane zwar einen Aufschub bis zum vierten 
Tage, ließ aber alles zur Hochzeit vorbereiten. Als der Tag 
gekommen, erschienen alle seine Verwandten; Damen und 
Jungfrauen schmückten Josiane und geleiteten sie zur Petors- 
kirche, wohin auch Huidemer sich begab. Dem amtierenden 
Abt wurde der Sachverhalt auseinandergesetzt, worauf sich 
dieser bereit erklärte, die Trauung vorzunehmen. Auf die den 
Brautleuten vorgelegte Frage des Abts erwiderte Huidemer 











VII, Inhalt des Gedichtes. 


101 


„ja“, dagegen Josiane „nein, nicht um die Welt“, und trotz 
Huidemers Drängen weigerte sich der Geistliche, die Trauung 
gegen den Willen der Braut auszuführen. Josiane schalt nun 
den Huidemer einen Verräter und schlug ihn ins Gesicht; 
als dieser seinen Leuten befahl, sie zu ergreifen, um sie mit 
Gewalt zu heiraten, sträubte sie sich und rief laut nach Bueve 
(v. 7218). 

Gerade in diesem Augenblicke war nun B. im Hafen an 
gekommen, hatte Arondel bestiegen und war in Köln hinein¬ 
geritten. Als er von einigen Einwohnern erfuhr, was sich 
zutrug, sprengte er zum Ufer zurück, legte seine Waffen an, 
befahl Soibaut, das gleiche zu tun und ihm dann zu folgen. 
Er ritt zur Kirche, warf dem Erzbischof seine Verräterei vor 
und bedrohte ihn mit dem Tode, worauf dieser sich durch den 
Hinweis auf den versiegelten Brief zu entschuldigen suchte 
und die Flucht ergriff; dasselbe tat Huidemer, während Josiane 
beim Anblicke B,s vor Freude niedersank. B. hob sie liebevoll 
auf, und nachdem sie ihm das Vorgefallene berichtet, nahm 
er sie mit auf sein Pferd und brachte sie aufs Schiff in Sicher¬ 
heit Dort erfuhr er, daß Soibaut mit einigen Bewaffneten in 
die Stadt geritten sei, um B. zu suchen, und kehrte ebenfalls 
zurück. In der Straße begegnete er dem Huidemer bewaffnet 
und zu Pferde, griff ihn sofort an und tötete ihn nach kurzem 
Kampfe; das Gefolge wurde durch den mit 30 Rittern zu Hülfe 
herbeieilenden Roboan in die Flucht geschlagen (v. 7407). 

Inzwischen batte Afjopart vergeblich gerufen und an der 
Tür gerüttelt. Er gelobte, wenn er in die Kirche kommen 
könne, alle Geistlichen umzubringen. Er fand schließlich eine 
Keule und versuchte die Tür zu zerschlagen, ebenfalls ver¬ 
geblich. Da zerkratzte er mit seinen harten Nägeln die Hauer, 
nahm dreißig Steine heraus und gelangte so die Treppe hinunter. 
Zwei Burschen teilten ihm mit, daß gerade jetzt Huidemer 
Josiane heiratete. Voll Zorn ergriff er den einen der beiden, 
schleuderte ihn gegen einen Pfeiler, so daß er tot zur Erde fiel, 
und eilte nach der Peterskirche. Unterwegs traf er jedoch ß., 
welcher ihm vorwarf, er habe Josiane schlecht behütet. Er be¬ 
richtete, wie er von Huidemer überlistet worden sei, und erklärte, 



« 


102 VII. Inhalt des Gedichtes. 

er wolle nach seinem Gelübde den Erzbischof umbringen, was 
B. ihm jedoch verbot. Sie trafen nun auch Soibaut mit den 
Seinen, und B. befahl, alle sollten sich zum Schiffe begeben, 
er selbst forderte und erhielt vom Erzbischof seine diesem 
anvertraute Habe und brachte auch diese an Bord, worauf sie 
unter Segel gingen (v. 7543). 

Unterwegs trieb ein Sturm sie nach der Stadt Orgueil, 
deren mit Kreuzen geschmückte Kirchtürme ihnen bewiesen, 
daß sie von Christen bewohnt war. Soibauts Sohn Thierri be¬ 
sorgte Quartier, und alle bis auf eine Scbiffsbesatzuug von 
30 Mann begaben sich dorthin. B. beschenkte den Wirt reich 
und nannte seinen Namen, Ein Knappe, der zugehört hatte, 
meldete dies dem Oede, dem grausamen Herrn des Landes, 
dem Bruder Huidemers. Dieser ließ dem Wirte befehlen, seine 
Gäste zu bewachen, er wolle sie umbringen; doch teilte jener 
dem B. den ihm gewordenen Auftrag mit. B. wollte sich nun 
sofort zum Ufer begeben, doch wünschte Agopart erst das schöne 
Mahl zu verzehren, und da auch B, befürchtete, unterwegs über¬ 
fallen zu werden, so beschloß er, zu bleiben, ließ die Zugbrücke 
hocliziehen, und alle bewaffneten sich. Als nun Oede mit 
seinen Truppen erschien, fielen sie über die Angreifer her. 
Apopart schlug mit Biesenkraft alles nieder, verfolgte die flüch¬ 
tigen Feinde und brachte Oede als Gefangenen zu B., dem er 
sich nun als Lehnsmann unterwarf. Nachdem B. dem Oede 
seinen Wirt empfohlen, fuhren sie ab (v. 7925). 

Sio kamen glücklich nach der i'estung, wo sie von Adel¬ 
heid und Gerhard empfangen und begrüßt wurden, und nahmen 
gleich am nächsten Morgen den Krieg wieder auf. B. und 
Soibaut legten sich in einen Hinterhalt, während Thierri und 
Roboan das Vieh von Hantone Wegnahmen. Als Doon mit 
den Seinen die Beute zuriiekerobern wollten, brachen jene aus 
dem Hinterhalte hervor, und ein allgemeiner Kampf begann. 
Acopart schlug 30 Gegner nieder, und Doon war über den 
Anblick und die I Leistungen dieses „Teufels“ so entsetzt, daß 
er mit seinen Leuten in die Stadt floh und die Zugbrücke 
hochzog. Auch B. und die Seinigeu kehrten mit der Beute 
heim {v. 8072). 


Sei 








VII. Inhalt dos Gedichtes. 


103 


Nachdem nunmehr B. dem Fromont und Hate ihren Tod 
als nahe bevorstehend verkündet, rief er alle seine Leute zu¬ 
sammen und teilte mit, wer er sei, und alle nahmen diese 
Nachricht mit großer Freude auf. Als nun ein Knappe diese 
auch dem Doon überbrachte, erschrak dieser heftig und rief 
dann zwanzig Ritter zu einer Beratung zusammen. Er schlug 
vor, er wolle in London den Schutz des Königs anrufen, diesem 
dreißig mit Gold und Silber beladene Maultiere als Geschenk 
überreichen und dann den Versuch machen, den König mit B. 
zu entzweien. Da jene den Vorschlag billigten, so brach Doon 
sofort mit seinen Getreuen auf, ohne sich von seiner Frau zu 
verabschieden (v. 8158). 

In London übernachteten sie bei einem Bürger, den Doon 
reich beschenkte, und bei dom er sich nach der Wohnung und 
dem Charakter des Königs erkundigte. Er erfuhr auch, daß er 
ihn jeden Morgen sprechen könne, wenn jener aus der Messe 
in der Paulskirche komme. Am nächsten Tage kleidete Doon 
sich prächtig, ging mit seinen zwanzig Rittern nach der Pauls¬ 
kirche, fiel nach dem Gottesdienst dem König zu Füßen und 
bat um Recht gegen Buevo und Soibaut, welche ihm seinen 
Besitz genommen; er biete dafür dem Könige 15 mit Gold 
und Silber beladene Maultiere an. Der König aber wies ihn 
von sich; jene seien im Recht, da Doon den Gui, Bueves 
Vater und Soibauts Herren, getötet habe. Auch ein zweiter 
Versuch hoons, den König für sich zu gewinnen, schlug fehl, 
und so hätte er abziehen müssen, wenn ihm nicht zwei seiner 
Verwandten am Hof, Amauri und Bobart, ihre Hilfe geliehen 
hätten. Rohart bat den König als Lohn für seine zwanzig¬ 
jährigen Dienste um Schutz für seinen Neffen Doon, Als der 
König auch ihn auf den Mord Guis hin wies, erklärte Doon, 
der mitgekommen war, er habe es getan, weil Gui ihm vorher 
seinen Vater getötet; er habe sich aber mit der Frau Guis ver¬ 
söhnt und sie geheiratet. Da nun auch Amauri uud Guine- 
man für Doon baten, gab der König nach, obwohl er für sich 
Tadel voraussah, verlangte aber, daß Doon im Falle einer 
Anklage sich verteidigen müsse. Die 15 Maultierladungen von 
Gold und 8iIber wurden dem Könige übergeben, und Doon 








104 


VH. Inhalt lies Gedichtes. 


* 


bediente letzteren bei allen Gelegenheiten so aufmerksam, daß 
dieser bald eine Neigung zu ihm faßte, ihn dem Rohart gegen¬ 
über lobte und ihn sogar auf dessen Vorschlag zu seinem 
Fahnenträger machte. Doon dankte ihm überschwenglich, be¬ 
schwerte sich aber darüber, daß Soibaut und B. ihm gedroht 
hätten, niemand werde ihn vor dem Tode schützen können. 
Der König erklärte zornig, er werde vielmehr jene aus dem 
Lande jagen. Doon suchte ihn in diesem Plan zu bestärken, 
da jene ihm gegenüber unrecht gehandelt hätten, und der 
König beruhigte ihn aufs neue (v. 8396). 

Während sich dies in London zutrug, weilte B. immer 
noch auf der Felsenfeste im Kampf um Hantone. Da teilte 
ein Bote ihm mit, Doon sei in London, habe sich den Schutz 
des Königs erschmeichelt, der ihn zu seinem Senescball gemacht 
und geschworen habe, B. und Soibaut anzugreifen. B. beschloß 
nun, zunächst I tan tone einzu nehmen, und zog mit seiner ganzen 
Macht vor die Stadt. Seine Mutter riet den Bürgern, Hantone 
ihrem Sohne zu übergeben, worauf jene ihr vorwarfen, sie 
habe durch ihren Verrat alles Ungemach über die Stadt ge¬ 
bracht. Sie gab ihre Schuld zu und erklärte sich bereit, selbst 
mitzugehen, wenn die Schlüssel übergeben würden. Der Maire 
Thierri zog nun mit ihr und tausend Bürgern hinaus, die Mutter 
gestand ihrem Sohne alle ihre Missetaten ein und erklärte, sie 
habe die strengste Strafe verdient. Wolle er ihr aber das 
Leben schenken, so wolle sie Nonne werden und für ihn sowie 
seinen Vater beten. Als Soibaut ihre Bestrafung verlangte, 
weigerte sieb B. und verzieh ihr das ihm und seinem Vater zu¬ 
gefügte Unrecht; er hoffe, daß auch Christus ihr vergeben und 
sie selbst ihr Unrecht wieder gut machen werde; er gab ihr 
zwei Krieger zu ihrem Schutze mit (v. 8560). 

Nun flehten auch die Bürger um Gnade und boten ihm 
ihren ganzen Besitz an, doch erklärte B,, er werde ihnen um¬ 
gekehrt noch von dem Seinigen dazu schenken, und hierauf 
wurde er mit allgemeinem Jubel in der Stadt empfangen. Alle 
Damen schmückten sich, alle Glocken läuteten, die ganze Geist¬ 
lichkeit mit dem Bischof an der Spitze zog hinaus. B. stieg 
zur Begrüßung vom Pferde, und so ging es zum Schloß. Seine 







VII. Inhalt des Gedichtes. 


105 


Mutter brachte er in das Kloster von Saint Prive und bat sie, 
Buße zu tun. Hierauf sandte er Soibauts Sohn Thierri mit 
zwanzig Rittern nach der Festung, um Josiane zu holen. Jener 
berichtete seiner Mutter Adelheid, und diese ritt nun mit 
Josiane nebst allen ihren Mädchen und Frauen unter Thierris 
Geleit hinüber. B. ging ihnen entgegen, führte Josiane an das 
Fenster des Schlosses, zeigte ihr das herrliche Land und erklärte, 
in einem Monate werde er sie heiraten. Als sie von Doons 
Flucht hörte, riet sie ihm, sofort auch nach London zu gehen 
und Doon des Mordes atizuklagen; erst dann werde sie dio 
Seine werden» Zunächst ließen B. und Soibaut jedoch die 
Befestigungen von Hantone verstärken, sowie Waffen und Vor¬ 
räte herbeischaffen und ein neues Außenfort bauen. B. ritt 
sodann im ganzen Lande umher und ließ sich huldigen (v. 8694). 

Nunmehr schlug Soibaut vor, sie sollten mit hundert Rittern, 
die Rüstung unter Mänteln versteckt, nach London gehen und 
den König um Recht bitten; weigere sich dieser, so solle B. den 
Doon vor dem ganzen Hofe töten. Falls der König ihn dann 
bekriege, so sei alles zum "Widerstande gerüstet. Dieser Vor¬ 
schlag wurde angenommen und ausgeführt. Sie lagerten die 
erste Nacht in der Sankt-Pauls-Vorstadt, nachdem B. seinen 
Leuten Schweigen und Vorsicht anempfohlen hatte. Von seinem 
Wirt erfuhr B., daß Rohart und seine Genossen den König 
ganz für Doon gewonnen hätten. Am nächsten Morgen betete 
B. lange im Münster und begab sich auf Rat des Wirts mit 
seinen hundert Rittern, die nach wie vor ihre Waffen verborgen 
hielten, unmittelbar nach dem Mittagsessen auf das Schloß 
(v. 8834). Den Pförtner, dem Doon verboten hatte, irgend 
jemand einzulassen, ehe der König vom Tisch aufgestanden, 
suchte Soibaut vergeblich durch einen Ring zu bestechen und 
machte ihn nieder. Soibaut nahm den Schlüssel an sich, und 
alle traten in den Speisesaal, wo sie sich niedersetzten. Der 
König verlangte Wein, worauf Doon diesen holte und ihn 
knieend überreichte. Soibaut rief B. zu, dies sei das Amt 
seines Vaters gewesen, komme ihm also jetzt zu; er solle es 
vor dem ganzen Hofe für sich verlangen. Ehe B. antworten 
konnte, eilte Soibaut auf Doon zu und suchte ihm den Pokal 


10(3 


VH. Inhalt des Gedichtes. 


zu entreißen. Da jener festhielt, zerbrach der Pokal, und der 
Wein ergoß sich über das Gewand des Königs, Doon packte 
den Soibaut zornig beim Part, worauf dieser ihm zwei Zähne 
ausschlug. Als nuu der König befahl, Soibaut zu ergreifen, 
erklärte dieser, er werde jeden, der ihn anrühre, töten, wolle 
sich dagegen dem Urteile der Barone unterwerfen. Er verlange 
Recht für B. und sei bereit, mit dem Schwert zu beweisen, 
daß Doon verräterisch gehandelt habe. Der König riet dem B., 
von Doon eine Entschädigung anzunehmen und sich mit ihm 
zu versöhnen; Soibaut aber werde bestraft werden, weil er 
seinen Seneschall geschlagen (v. 8947). 

Nun ergriff B. das Wort; er erinnerte an di© dem König 
von seinem Vater erwiesenen Dienste; es sei unrecht, daß er 
jetzt dessen Mörder seine Liebe gewähre. Als der König aufs 
neue Versöhnung vorschlug und hinzufügte, er werde Doon 
schützen, erwiderte B., in diesem Falle würde der König mein¬ 
eidig sein; er selbst werde nicht eher gehen, als bis er Doon 
ergriffen habe, und werde keine Einmischung dulden. Soibaut 
sandte nun seine beiden Sühne mit 20 Rittern ab, um alle 
Türen des Schlosses zu besetzen, damit niemand heraus oder 
hinein kommen könne. Darauf sagte er dem Könige, eine 
Versöhnung sei unmöglich, er möge den Fall dem Urteile der 
Barone unterbreiten. Als jener aber ihn erzürnt ergriff und 
in den Kerker zu werfen befahl, stieß Soibaut ihn mit solcher 
Gewalt von sich, daß er in seinen Sessel zurückfiel, und nannte 
ihn einen Verräter. Nun wollten Raoul, Amauri und Guineman 
über Soibaut herfallen, doch warf dieser den Tantel ab, zog 
sein Schwert, und auch B. stellte sich neben ihn. Der König 
befahl, aus der Stadt Truppen herbeizuholen, erfuhr aber, daß 
die Ausgänge besetzt seien. Als sich B, nunmehr erbot, mit 
dem Schwerte zu beweisen, daß Boon ein Verräter sei, machte 
der König den neuen Vorschlag, Doon solle sich nach Valence 
begeben, während B. den ganzen Besitz seines Vaters und vom 
Könige obenein 10000 Mark Silber erhielte, und verlangte auf 
B.s Ablehnung, letzterer solle sofort das Land verlassen. Nun 
warf auch B. den Mantel ab, zog sein Schwert und bat die 
Barone, für ihn beim König einzutreten; auch Soibaut erbot 

























VII. Inhalt des Gedichtes. 


107 


sich aufs neue, mit Doon zu kämpfen, und drohte, alle nieder¬ 
zumachen, wenn ihm sein Recht verweigert werde (v. 9130). 
Da erhob sich der Graf von Chester, rief dem König zu, er 
handele unrecht, die Barone würden nicht zugeben, daß B. 
angerührt werde; Soibaut möge den Verräter töten, niemand 
werde ihn deswegen tadeln. Der König beugte sein Haupt, 
er fühlte, daß Doon unrecht habe und forderte diesen auf, seine 
Sache zu verteidigen. Doon erklärte sich bereit zu kämpfen, 
nur wolle er vorher eine längst vorbereitete Fahrt nach dem 
heiligen Grabe machen. Soibaut nannte letzteres eine Aus¬ 
flucht und verlangte sofortigen Kampf, und als auch Rohart 
dem Doon dazu riet, lieferte dieser sein Pfand ab, das der 
König annahm, während Rohart und Amauri für ihn bürgten. 
Run erhob sich jedoch B. und fragte die Barone, ob nach ihrer 
Ansicht dem Soibaut der Kampf mit Doon überlassen werden 
könne, da er alt und überdies sein Lehnsmann sei; er selbst, 
Bueve, wolle für ihn eintreten. Der Graf von Chester sprach 
als Urteil der Barone aus. nicht Soibaut, sondern entweder 
einer von dessen Söhnen oder B, sollte kämpfen. B. wunde 
bestimmt, und der König befahl dem Soibaut, B. am nächsten 
Morgen zum Kampfe herzuführen, sagte aber auf Soibauts Gesuch 
zu, dafür sorgen zu wollen, daß auch Doon sich nicht ent¬ 
ziehe (v. 9218). 

B. kehrte mit Soibaut in das Quartier zurück und wachte 
die Nacht mit mehreren Rittern barfüßig in der Paulskirche, 
während Doon sich mit Rohart und Amauri nach einer andern 
Kirche begab, aber schon um Mitternacht zu Bett ging, um 
sich auszuruhen, B. hörte am Morgen noch die Messe und 
opferte reichlich. In seiner 'Wohnung wappnete er sich sorg¬ 
fältig, bestieg Arondel und ritt durch London nach einer 
Ebene unterhalb des Towers, wo der Kampfplatz abgesteckt 
war. Er stieg unter einem Baume ab, und Soibaut gab ihm 
den Rat, während des Kampfes an Josiane zu denken (v. 9295). 

Als es Zeit war, forderte der König Rohart auf, Doon 
etwas anzutreiben. Nunmehr wappnete sich auch dieser, wobei 
ein zweites Schwert an den Sattelbogen seines Pferdes gehängt 
wurde, und darauf ritt er ebenfalls in die Schranken, während 










108 


VII. Inhalt des Gedichtes. 







der König vom Schloß aus zusab. Rohart sprach seinem Vetter 
Mut zu, doch erklärte dieser, er fürchte sich vor dem Eide, 
da er den Gui wirklich umgebracht habe, Rohart beruhigte 
ihn und bat den König, von einem Eide abzusehen, doch 
lehnte dieser die Bitte ab. Die Heiligtümer wurden daher 
herbei gebracht, ein Teppich wurde auf dem Platze ausgebreitet 
und beide Kämpfer nahmen den Helm ab. B. kniete nieder 
und schwor, daß Doon seinen Vater getötet habe, worauf er 
die Reliquien küßte. Doon schwor, jener habe gelogen, berührte 
aber die Heiligtümer nicht mit seinem Munde. Darauf stiegen 
beide Gegner zu Pferde, entfernten sich voneinander, und die 
vier Kampfaufseher gaben das Zeichen, zu beginnen (v. 9391). 
Als Doon dies hörte, erschrak er, stieg ab und bat B., sich 
mit ihm zu versöhnen; er werde B.s Lehnsmann werden, übers 
Meer gehen und ohne seine Erlaubnis nie zurückkommen. Da 
aber B. schroff ablehnte, stieg Doon zornig wieder auf. Nach 
einer gegenseitigen Herausforderung ritten beide aufeinander 
los. Beide Lanzen brachen, und als sie neue forderten, brachte 
Rohart zwei solche, doch war die des B. an zwei Stellen durch¬ 
schnitten. Soibaut bemerkte dies und teilte es dem Könige 
mit, worauf dieser sich die Lanzen bringen ließ, die Schnitte 
fand und Rohart einen Verräter nannte. Dieser suchte sich zu 
entschuldigen und bat um Gnade; der König ließ zwei neue 
Speere verteilen, doch zersplitterten auch diese bei dem neuen 
Anlauf, und nun wurden die Schwerter gezogen (v. 9509). 
Doon erhielt eine Fleischwunde und machte einen neuen, 
ebenfalls vergeblichen Versöhnungsversuch. Im weiteren Ver¬ 
lauf schlug B. Doons Pferd den Kopf ab; Doon fiel zur Erde, 
sprang aber sofort auf und erklärte die Tat B.s für eine Feig¬ 
heit. Da B. für Arondel fürchtete, stieg auch er ab und gab 
das Pferd dem Thierri, vergaß aber das am Sattelbogen hängende 
Reserveschwert Als der Kampf wieder anfgenommen worden 
war, wurde zunächst B., dann aber auch Doon verwundet; 
schließlich zogen beide sich zurück, um sich abzukühlen, und 
der König benutzte dies, um wiederum eine Versöhnung zu 
versuchen. Da aber Soibaut widersprach, so traten die Gegner 
wieder einander gegenüber (v. 9055). Da zersprang B.s Schwert, 


A 





VII. Inhalt des Gedichtes. 


109 


Soibaut wurde ohnmächtig und klagte dann laut; Doon ver¬ 
höhnte B. und drohte ihm mit dem Tode. Er drang hitzig auf 
ihn ein, B. deckte sich mit Mühe, und Doon forderte ihn auf. 
sich zu ergeben. Da erblickte B. an dem Sattelbogen von 
Doons totem Pferde das Schwert, packte dies und brachte 
damit seinem Gegner eine ernste Wunde bei, doch hatte auch 
Doon einen ähnlichen Erfolg. Nunmehr warf B. seinen Schild 
weg, faßte das Schwert mit beiden Händen, durchschlug des 
Gegners Helm und hieb ihm das rechte Ohr mit einem Teile 
des Gesichtes ab. Doon wollte aber von Unterwerfung nichts 
wissen, sondern setzte den Kampf fort, aber seine Schläge 
wurden immer schwächer, und B. hieb ihm sogar den rechten 
Arm ab. Aber Doon ergriff das Schwort mit der Linken und 
kämpfte weiter, indem er laut Gott um Verzeihung seiner Sün¬ 
den bat. B. fühlte Mitleid mit ihm, dachte aber an seinen 
Vater und streckte ihn mit einem Schlage zu Boden. Er beugte 
sich mit gezücktem Schwerte über ihn, riß ihm den Helm ab, 
und, während der König und die Ritter herzueilten, forderte 
er ihn auf, seinen Verrat einzugestehen. Doon tat dies, be- 
zeichnete jedoch B.s Mutter als Austifterin. Hierauf schlug B. 
ihm den Kopf ab (v. 9887). 

B. antwortete dem Soibaut auf die Frage, wie es mit seinen 
Wunden stehe, er werde bald geheilt sein, worauf er in die 
Stadt geführt wurde. Den Doon bängte man an einen Galgen, 
der Kopf wurde später in einer Kirche begraben. Rohart und. 
Amauri schworen, Doons Tod an B. rächen zu wollen, nahmen 
am Abend die Leiche vom Galgen und begruben sie. Der 
König sandte zwei tüchtige Ärzte zu B. in sein Quartier, und 
diesen gelang es, ihn in 15 Tagen zu heilen. Der König be¬ 
suchte ihn während dieser Zeit mehrfach und machte ihn nach 
seiner Wiederherstellung zu seinem Bannerträger und Sene- 
schall (v. 9947). 

B. teilte dem Könige mit, er habe in Hantone eine Dame, 
die er in der Fremde kennen gelernt und der er sein Leben 
verdanke; diese wolle er nun heiraten und dazu bat er den 
König um Urlaub. Letzterer gab ihm vier Maultierladungen 
von Geschenken, um sie an diejenigen zu verteilen, welche 









110 VII. Inhalt des Gedichtes* 

|| 

Doon beraubt habe, und billigte dann den Entschluß B.s, nach¬ 
dem ihm dieser weitere Mitteilungen über die Dame gemacht 
hatte. So zog B. in Begleitung der hohen Barone und des 
Erzbischofs von Canterb ury nach Bantone. Thierri und Roboan 
waren vorangeeilt und hatten dort über den Kampf und die 
bevorstehende Ankunft B.s berichtet. So kamen alle Einwohner 
dem Zuge entgegen, an der Spitze Josiane und Adelheid, welche 
auf Maultiere gestiegen waren. Alle umarmten und küßten B., 
worauf unter allgemeinem Jubel der Einzug in die Stadt erfolgte. 
Bei dem Festmahl, bei welchem Soibaut und seine beiden Söhne 
bedienten, saß B. zwischen Josiane und dem Erzbischof, und 
am Abend wurde die Stadt glänzend beleuchtet (v. 10087). 

Atu nächsten Morgen wurde die Hochzeit feierlich be- 
gangen. Josiane und alle andern schmückten sieb festlich und 
versammelten sich im Saale des Palastes, worauf sich alle zur 
Amatuskirebe begaben, wobei Josiane von vier Grafen geleitet 
wurde. Nachdem der Erzbischof die Messe gelesen, fand die 
Trauung statt, an welche sich ein Festmahl im Palaste und 
eine Bärenjagd anschloß; außerdem schuf B. Josiane zu Ehren 
hundert neue Ritter und beschenkte sie mit Pferden und Waffen. 
Nach dem Mahl, bei welchem hundert Knappen bedienten, 
wurde eine Quintaine errichtet, Josiane und viele andere 
schauten dem Spiele zu (v. 10151). 

Auf Soibauts Vorschlag ließ B. nun Fromont und Hate 
zur Bestrafung berüberholen. Er teilte den Baronen ihre Schand¬ 
taten mit und fragte, welche Todesstrafe sie verdient hätten, 
worauf jene vorschlugen, sie zu hängen. B. jedoch ließ sie 
nackt auf eine mit hervorstehenden Nägeln versehene Quetsche 
legen, diese dann drehen, so daß sie von den Spitzen zerfleischt 
wurden, und sie endlich samt der Quetsche ins Feuer werfen 
uud verbrennen. Die Festlichkeiten aber erreichten erst nach 
acht Tagen ihr Ende (v. 10248). 

An dieser Stelle fügen die Handschriften B und W eine 
Episode über Atjopart ein, von der weiter unten die Rede 
sein wird. 

B. blieb sieben Monate in Hantone, und Josiane wurde 
schwanger. Da hielt zu Pfingsten der König in London ein 







VII. Inhalt des Gedichtes. 


111 


Hoffest ab und sprach den Wunsch aus, auch seinen Sene- 
schali B. dabei zu haben. Auf Torschlag des Erzbischofs 
schickte er zehn Ritter nach Hantone. um B. nebst Gattin ein¬ 
zuladen. Als B. ihnen mitteilte, Josiane sei im siebenten 
Monate schwanger, rieten sie ihm, die Einladung doch nicht 
abzulehnen, um nicht hochmütig zu erscheinen. So vertraute 
er denn dem Soibaut sein Land an, wobei dieser ihn vor den 
Verrätern, namentlich vor Rohart warnte, und begab sich mit 
Josiane nach London. Als der König davon hörte, ritt er 
ihnen entgegen, begrüßte beide sehr herzlich und geleitete sie 
zum Palast, wo er beim Mahl sie zu seinen beiden Seiten 
sitzen ließ, während Rohart und Amauri heimliche Drohungen 
gegen sie ausstießen. Der König ließ es nicht an Beweisen 
der Huld fehlen, und B. erwies sich gegen alle als freigebig 
(v. 10390). 

Bei Tisch wurde B. durch Josiane auf einen schmucken 
Jüngling aufmerksam gemacht, der mit vielem Anstand bediente. 
"Nachher teilte dieser dem B. auf seine Frage mit, er sei Maxin, 
der Sohn des Grafen von Cloecestre; Robart und Amauri hätten 
seinen Vater vergiftet, ihn selbst aber mit dem Könige ver¬ 
feindet, so daß seine Verwandten ihm alle seine Besitzungen 
genommen und ihn selbst verjagt hatten. B. ließ ihn prächtig 
kleiden, schlug ihn am nächsten Morgen zum Ritter, nachdem 
er die Nacht in einer Kirche durchwacht hatte, und gab ihm 
erhebliche Mittel, um Truppen zu werben und sein Land wieder 
zu erobern. Maxin tat dies und brach mit seinen Leuten nach 
Cloecestre auf. Nach heftigem Widerstande nahm er dort ein 
befestigtes Schloß, und auf diese Nachricht hin versammelten 
sich bald viele Verwandte und Freunde bei ihm, um ihn bei 
seinem Vorhaben zu unterstützen. Die ganze Truppenmacht 
zog nun vor Cloecestre, wo die Bürger, als sie dies vernommen, 
sich für ihn erklärten, ihn mit Jubel einliolten und ihm als 
ihrem Herrn Treue schworen. Diese gute Tat wurde dem B. 
von Maxin später schön gelohnt (v. 10 5S8). 

W ährend B. sich beim Könige und dem ganzen Hofe be¬ 
liebt machte, verschworen sieh Robart und Amauri, ihn mit 
dem Könige zu veruneinigen. Einst bei Gelegenheit eines 







112 


YII. Inhalt des Gedichtes. 


glänzenden Hoffestes veranstalteten die Barone ein Wettrennen, 
für welches der König einen Preis von tausend Mark Silber 
aussetzte. Auch B. beschloß, trotz Josianes Warnung, sich zu 
beteiligen. Nachdem der König das Ziel bestimmt und das 
Zeichen gegeben, begann das Rennen mit 400 Reitern. B. ritt 
erst nach den übrigen los, überholte zunächst Rohart und 
Am anH unter spöttischen Worten, erreichte als erster das Ziel 
und erhielt die ausgesetzte Summe (v. 10800). Hugo, der Sohu 
des Königs, wurde von einem lebhaften Verlangen ergriffen, 
B.s Pferd zu besitzen, doch schlug B. alle Anerbietungen ab. 
Als Hugo dem Rohart und Amauri seinen Mißerfolg klagte, 
rieten sie ihm, sich Arondel mit Gewalt zu nehmen, und Hugo 
ging auf diesen Vorschlag ein. Inzwischen war B. in sein 
Quartier zurückgekehrt und hatte zweien seiner Knappen den 
ausdrücklichen Befehl erteilt, niemand an Arondel heran¬ 
zuhissen. Als mm am nächsten Tage während B.s Abwesen¬ 
heit Hugo und jene beiden am Stalle erschienen, wurden sie, 
obwohl sie sich auf einen angeblichen Befehl B.s beriefen, ab¬ 
gewiesen, Da erschlug Amauri einen der Wächter, worauf der 
andere Amauri tötete und dann die Flucht ergriff. Nun drang 
der Prinz in den Stali und durehschnitt den Halfter, wurde 
aber durch einen Hiifschlag Arondels getötet (v. 11077). 

Als der König den Tod seines Sohnes erfuhr, fiel er vor 
Schmerz in Ohnmacht, während seine Leute sich an die Unglücks¬ 
stelle begaben. Dorthin kam auch B., erfuhr, was sich zu¬ 
getragen hatte, und jammerte laut. Der Anblick der Leiche, 
die zum Schloß getragen wurde, rief einen neuen Schmerzens- 
ausbruch beim Könige hervor, der sich nun gegen B. richtete; 
vergebens suchte die Königin ihn davon abzubringen. Am 
nächsten Morgen begab sich der König nach der Beerdigung 
Hugos mit allen Baronen wieder in den Saal, und obwohl B. 
sich ihm zu Füßen warf, ihm seine Unschuld beteuerte und 
sich zu einem Gerichtskampf bereit erklärte, blieb er unerbitt¬ 
lich, ließ B. ergreifen und befahl, ihn zu hängen; niemand 
wagte zu widersprechen (v. 11276). 

Inzwischen hatte Maxin beschlossen, B. zu besuchen, und 
erfuhr bei seiner Ankunft in London, was vorgefallen. lür ver- 









VII. Inhalt des Gedichtes. 


113 


bürgte sich beim Könige für B.s Unschuld und setzte es durch, 
daß das Todesurteil in Verbannung verwandelt wurde. B. stieg 
tiefbetrübt vom Saale herab und begab sich mit Josiane und 
i'hierri, Soibauts Sohn, nach Hantone, am nächsten Morgen ans 
Meer; dort fuhren sie über die See, landeten und machten sich 
nach Noire-Comble auf den Weg. In einem Walde wurde 
Josiane von Geburtswehen befallen und gebar zwei Söhne, 
worauf B. und Thierri eine Hütte aus Laub bauten, in welcher 
sie Mutter und Kinder unterbrachten, worauf beide auf die 
Jagd gingen, um Wild zu besorgen (v. 11567), 

Während ihrer Abwesenheit landete die Besatzung eines 
Schiffes, welches B. und Josiane hatte suchen sollen; die Leiden 
trugen die Dame schlafend mit einem der Kinder auf das Schiff 
und segelten weg, so daß B. bei seiner Rückkehr zu seinem 
Schmerze nur ein Kind vorfand. Auf Thierris Rat legte er es 
am Jfer in ein Boot und empfahl es dem Schutze Gottes, worauf 
sie weiter zogen, indem sie überall vergeblich nach Josiane 
suchten (v. 11692). 

Das sarazenische Schiff wurde durch einen Sturm nach 
St. Gille verschlagen, wo es wegen schlechten Wetters lange 
warten mußte. Durch einen Pilger erfuhr Soibaut Josianes 
Aufenthaltsort, begab sich sogleich mit mehreren Begleitern 
nach St. Gille, überfiel und tötete mit Hülfe seines dortigen 
Wirtes die Heiden und befreite dadurch Josiane. Nun schickte 
Soibaut seine Leute heim, während er selbst sich mit Josiane 
und ihrem Sohne auf die Suche nach B. machte (v. 11931). 
Der andere Sohn wurde von einem Fischer Fouquerant gefunden 
und von diesem und seiner Frau erzogen (v. 11953). 

Nachdem B. und Thierri lange vergeblich gesucht, kamen 
sie nach Sivele. Dort war der König gestorben, und die von 
ihm hinterlassene Tochter Vencadousse w r urde von heidnischen 
Feinden angegriffen. B. beteiligte sich mit i'hierri an dem 
Kampfe, und beide hieben mehrere Emire vom Pferde, worauf 
die Königin eine warme Neigung zu B. faßte. Als die Feinde 
nach diesem Mißerfolg sich zurückzogen, ließ Vencadousse den 
B. zu sich iaden, und da er der Einladung nicht folgte, begab 
sie sich selbst in sein Quartier, dankte ihm für seine Hülfe, 

Stimming, Boevc de Hantone. 8 


114 


VI [. Inhalt des Gedichtes. 


und nun begab sich auch ß. mit Thierri aufs Schloß. Nach 
einem Monate war der Krieg siegreich beendet (v. 12107). 

Nachdem Soibaut und Josiane lange vergeblich gesucht 
hatten, bestiegen sie ein Schiff, wurden aber durch einen Sturm 
nach Hantone getrieben, wo sie durch eine Erkrankung Soibauts 
sieben Jahre lang zurückgehalten wurden (v. 12133). 

Veneadousse hatte in der Zwischenzeit dem B. Macht über 
ihr ganzes Land gegeben, und ihre Liebe zu ihm war immer 
gewachsen. Als sie durch Thierri von B.s Herkunft und 
Schicksalen unterrichtet worden, wies sie B. auf ihre großen Be¬ 
sitzungen hin und sagte ihm, sie werde ihn heiraten. B. erklärte 
dies für unmöglich, da er bereits eine Frau habe, doch blieb 
sie trotz aller Einwendungen des letzteren bei ihrem Plan und 
bedrohte schließlich B. mit dem Tode, gestand ihm aber eine 
Frist zu, um sich mit Thierri zu beraten. Da ein Versuch zu 
entfliehen durch die von der Königin beauftragten Wächter ver¬ 
eitelt wurde, so erklärte sich B. am nächsten Morgen schweren 
Herzens bereit, sich ihrem Willen zu fügen, und die Hochzeit 
wurde mit großer Pracht gefeiert (v. 12445). Aber in der 
Nacht berührte B. seine junge Frau nicht, und dies wiederholte 
sich in der folgenden. Auf ihre Beschwerde bin erzählte er 
ihr ein Abenteuer, bei dem er angeblich seine Geschlechtsteile 
verloren hatte. Als sie darauf jedoch unter heftigen Tränen die 
Stunde, wo B. ins Land gekommen, verfluchte und versicherte, 
sie habe ihn nur geheiratet, um einen Erben für ihr Reich zu 
bekommen, lenkte B. ein; ein Prophet habe ihm versichert, 
sein Verlust würde sich ersetzen, falls er es mit einer reinen 
Jungfrau zu tun habe. Auf die Beteuerung der Königin, diese 
Voraussetzung treffe bei ihr zu, gab B. nach und erzeugte mit 
ihr einen Sohn. Am Morgen machte er Thierri zu seinem 
Seneschall (v. 12541). 

Der alte Soibaut erklärte nach seiner Genesung, er wolle 
wieder ausziehen, um B. zu suchen, und Josiane setzte es 
durch, daß sie in Männerkleidung samt ihrem Sohne ihn be¬ 
gleiten durfte. Nach langen, entbehrungsreichen Wanderungen 
kamen sie zufällig nach Sivele, wo sie Quartier nahmen, weil 
der Knabe von Kopfweh befallen wurde. Soibaut ging aus, 





VlI. Inhalt des Gedichtes. 


115 


traf B. und Thierri im Schloß und erbat von ihnen Almosen, 
ohne daß sie sich jedoch gegenseitig erkannten. Auf ihre Frage 
erklärte er, er stamme aus Aachen. B. hob Thierri gegenüber 
die Ähnlichkeit mit Soibaut hervor und beschenkte ihn reich. 
Bei seiner Rückkehr unterrichtete ihn sein Wirt, daß seine 
Wohltäter B. und Thierri hießen, und daß jener mit der Herrin 
des Landes verheiratet sei. Josiane machte Soibaut Vorwürfe, 
daß er jene nicht erkannt habe (v. 12746). Am nächsten Morgen 
ging letztere aus und traf Thierri mit Arondel, worauf das 
Pferd sie erkannte und wieherte. B. wunderte sich darüber, 
stieg auf und ritt mit Thierri nebst der Königin auf die Jagd. 
Josiane zeigte ihrem Sohne seinen Vater und wartete mit ihm 
auf die Heimkehr. Als sie jene kommen sah, stieg sie wie 
ein Spielmann auf eine Bank und sang ein Lied von B. und 
Josiane, ihrer Verbannung und von ihren weiteren Schicksalen. 
B. wurde von diesem Sang so ergriffen, daß er am Abend 
nichts essen konnte. Am nächsten Mittag ließ er durch einen 
Dolmetscher den Sänger herbei holen. In der Unterhaltung mit 
ihr gab B. deutlich zu erkennen, daß er immer noch Josiane 
liebe, und sie versicherte ihm, letztere und Soibaut seien nicht 
fern, worauf B. den Wunsch aussprach, beide möchten zu ihm 
kommen; er würde den Sänger, falls er sie herbeischaffte, reich 
belohnen (v. 12940). Damit schied Josiane, berichtete dem 
Soibaut über ihren Besuch, ließ durch den Wirt ein Bad be¬ 
reiten und stellte mit Hilfe eines Krautes Esclaire ihre ursprüng¬ 
liche schöne Hautfarbe wieder her, ließ darauf für Soibaut und 
ihren Sohn Kleider besorgen, welche diese anlegten, worauf 
alle vier sich in den Palast begaben (v. 13034). B. saß mit 
Vencadousse bei Tisch, als jene eintraten und entsetzte sich 
bei Josianes Anblick so, daß er kein Wort verbringen konnte. 
Josiane bat freundlich um Mittagessen, worauf Thierri aufsprang 
und seinen Vater umarmte und küßte, während Josiane dem 
B. über seine scheinbare Kälte Vorwürfe machte und ihm seinen 
Sohn vorstellte. Nun eilte B. auf sie zu und küßte sie zärt¬ 
lich. Die Frage der Vencadousse, ob dies die Dame sei, von 
der er so oft gesprochen, bejahte er, und die Königin gab zu, 

daß jene schöner sei als sie, erklärte sich auch bereit zurück- 

8 * 










116 


VII, Inhalt des Gedichtes, 


zutreten, ja sie wies ihre Leute, die B. nicht freigeben wollten, 
zurück, bot diesem reiche Geschenke an und erbat für sich die 
Hand Thierris. Die Hochzeit wurde alsbald gefeiert (v. 13172), 
Als es zum. Abschied kam, beschenkte die Königin B. mit vielen 
Schätzen, belohnte auch auf Josianes Bitte den Wirt reichlich, 
worauf B. mit den Seinen abfuhr, ohne zu wissen, wohin, da 
er ja aus England verbannt war (v. 13221). 

Nach längeren Irrfahrten gelangten sie in Josianes Hei oiat 
Hermenie und bemerkten, daß das Land von Yvorin angegriffen 
und stark verwüstet wurde- B. erklärte sofort, er werde dem 
König Hennin beistehen, und begab sich mit den Seinen in 
ein Gebäude nicht weit von Aubefort, das nach seiner Ansicht 
ein ihm bekannter Mann bewohnte, das aber inzwischen in 
Yvorins Hände gefallen und von einem Verwalter desselben 
besetzt war. Bei ihrer Annäherung kamen zwanzig Heiden 
heraus, und als B. um Quartier bat, fragten sie deswegen bei 
ihrem Herrn an; dieser befahl, die Fremden in das Haus zu 
locken. Beim Eintritt begrüßte B. den Verwalter freundlich, 
doch antwortete dieser brutal und suchte Josiane zu packen, 
worauf ihm B. den Schädel spaltete (v. 13569). Nun kam es 
zu einem hitzigen Kampfe, an dem auch Josiane sich lebhaft 
beteiligte; die meisten Heiden wurden getötet, der Rest entkam 
nach einem benachbarten Schloß. Drei Heiden, die sich später 
vorfanden, baten um Gnade, und B. schenkte ihnen das Leben. 
Am nächsten Morgen wurde der Kampf gegen das benachbarte 
Schloß aufgenommen, während B. seinen Sohn unter Obhut 
der drei Heiden zurückließ. Fünfzehn Heiden kamen ihnen 
aus dem Schlosse entgegen, wurden aber alle niedergemacht, 
worauf das Schloß mit reichen Vorräten in ihre Hände fiel, 
und i5. erklärte, er werde nach Aubefort reiten, um vom König 
Hermin Hilfe zu holen (v. 13999). 

Inzwischen war einer der drei Heiden, die B.s Sohn be¬ 
wachten, mit diesem zu Yvorin geritten und hatte diesen von 
B.s Ankunft unterrichtet, die beideu andern hatten die Zug¬ 
brücke aufgezogen und teilten höhnend B. mit, was geschehen. 
B. zog sich schmerzerfüllt mit den Seinen nach dem soeben 
eroberten Schlosse zurück, und am nächsten Morgen brach B. 













VII. Inhalt des Gedichtes. 


117 


nach Aubefort auf. Als gleich darauf jene drei Sarazenen gegen 
das Schloß vorrückten, bewaffneten sich Soibaut und Josiane 
und traten ihnen entgegen, Soibaut tötete einen, Josiane einen 
zweiten, worauf sie den dritten ergriffen und, als er gestand, 
daß B.s Sohn dem Yvorin übersandt worden sei, auf bängten 
(v. 14324). 

Sobald Yvorin das Kind erhalten hatte und von B.s Ein¬ 
fall unterrichtet worden war, sammelte er sofort ein Heer und 
zog gegen das in B.s Besitz befindliche Schloß. B. sah unter¬ 
wegs die feindlichen Scharen dahinziehen und beeilte sich, um 
möglichst schnell Hilfe zu holen. Er traf dabei auf Yvorins 
Neffen Jambus und verwundete ihn so schwer, daß er kaum 
noch zu seinem Oheim gelangen und ihm sein Zusammentreffen 
mit B. melden konnte; dann sank er tot vom Pferde (v. 14557). 

B. war gerade in Aubefort eingetroffen, als Hennin mit 
seinen Baronen sich wegen des Krieges beriet. Er war von 
B.s unerwarteter Ankunft tief ergriffen, umarmte ihn und bat 
ihn vor allen seinen Leuten um Verzeihung. B. verzieh ihm 
und berichtete, was vorgefallen, worauf Hennin sofort Truppen 
sammelte, um seine Tochter zu befreien. B. ritt mit Hennin 
und hundert Bewaffneten voraus; sie trafen auf eine Schar 
von Heiden, die sie zum größten Teil niedermachten, nur ein 
kleiner Rest meldete dem Yvorin, der inzwischen vor dem 
Schlosse angelangt war, diesen Verlust und zugleich das Heran¬ 
nahen eines großen Heeres. Yvorin ließ B.s Sohn vor sich 
bringen und schwor, er werde das Kind vor Josianes Augen 
töten, falls sie sich nicht ergebe; der Knabe klagte laut und 
betete. Als Josiane auf der Zinne erschien, zog Yvorin sein 
Schwert, um seine Drohung auszuführen. Josiane war der 
Verzweiflung nahe, doch als Soibaut sich erbot, hinauszueilen 
und zu kämpfen, lehnte sie dies Opfer ah und empfahl das 
Kind dem Schutze Gottes. In diesem Augenblicke erblickte 
sie in der Ferne B, an der Spitze des Heeres, und nun erbot 
sie sich, wieder Yvorins Frau zu werden, falls dieser ihren 
Sohn schone. Yvorin nahm dies Anerbieten an und sandte 
das Kind zu seinem Wächter zurück, erklärte sich auch bereit, 
Josiane zu verzeihen; Soibaut aber müsse sterben (v. 15052). 





118 


VII. Inhalt des Gedichtes. 


In diesem Augenblicke kam einer von den wenigen, dem 
B. entkommenen Heiden schwerverwundet an und meldete, 
daß ein feindliches Heer unter B,s Führung im Anzuge sei. 
Yvorin machte sich und sein Heer bereit, und der Kampf 
entbrannte alsbald vor den Augen Josianes, welche B. das 
Zelt zeigte, in welchem sich ihr Sohn befand. Nach einiger 
Zeit brachte B. dem Yvorin eine schwere Wunde bei, schlug 
die Hoi den in die Flucht und suchte nun seinen Sohn auf, 
dessen Wächter Corsabrö sich bereit erklärte, Christ zu werden. 
B. übergab das Kind der Josiane und machte sich auf die Ver¬ 
folgung der Feinde. Er schnitt sie vom Meere ab, holte den 
verwundeten Yvorin ein, und dieser bat um Gnade, versprach, 
daß er und sein Volk Christen werden wollten, und daß er sein 
Reich B.s Sohn vermachen werde. Da König Hermin ein¬ 
willigte, so küßte ihm Yvorin den Fuß und teilte seinen Leuten 
die Friedensbedingungen mit. Die meisten ließen sich nun 
taufen, die andern wurden getötet, worauf Yvorin heimkehrte 
und das Christentum in ganz Monbrant einführte (v. 15458). 
Auch Hermin zog nunmehr mit all den Seinen nach Aubefort 
zurück, wo glänzende Feste gefeiert und alle treuen Barone 
reich belohnt wurden (v. 15510). 

Nach zweijähriger Krankheit starb König Hermin, und 
B, wurde von den Baronen zu seinem Nachfolger gewählt; zu 
Ostern fand seine sowie Josianes Krönung statt, und an dem¬ 
selben Tage schlug B. seinen gleichnamigen Sohn unter großen 
Festlichkeiten zum Ritter, wobei dieser Proben seiner Tüchtig¬ 
keit gab, während B. und Josiane voll Wehmut ihres verlorenen 
Sohnes gedachten (v. 15663). Bald darauf, zu Pfingsten, er¬ 
schien ein Bote und bat in Y vor ins Namen um Hülfe gegen 
heidnische Feinde, die ins Land eingefallen waren. Trotz 
Josianes Bedenken ließ B. durch den Boten Hülfe Zusagen, 
sammelte ein Heer und fuhr mit diesem und seinem Sohn auf 
den von Yvorin gesandten 15 Schiffen nach Monbrant, das von 
50 Königen belagert wurde. B. ließ Yvorin durch einen Boten 
zu einem Ausfall auffordern, und dementsprechend brach dieser 
am nächsten Morgen mit dreißigtausend Mann aus der Stadt 
heraus, während andrerseits B. und sein Sohn angreifen ließen. 










VII. Inhalt des Gedichtes. 


119 


Der junge B. tötete den König Athanas, sodann den Malcuidas, 
König von Nuble: zwar wurde ihm sein Pferd erschlagen, aber 
sein Vater gab ihm ein anderes. In einem Einzelkampf mit 
König Turcant fielen beide Gegner vom Pferde, aber der junge 
B. wurde von zwanzig Heiden gefangen weggefiihrt (v. 16152). 
Als dies dem B. gemeldet wurde, fiel er vor Schmerz in Ohn¬ 
macht, verfolgte dann aber im Verein mit Vvorin die Feinde 
bis zu den Schiffen, wo es zum Handgemenge kam; der heid¬ 
nische König Robaut stieß Yvorin vom Pferde, wurde aber 
von B. niedergestochen, der Rest der Heiden entkam. Der 
junge B. wurde befreit, und alle kehrten nach Monbrant zurück. 
Der schwer verwundete Yvorin starb in der nächsten Nacht, 
und B.s Sohn wurde nun König, worauf der Vater nach Aube- 
fort zurückfuhr und der Josiane über seine Erlebnisse berichtete 
(v. 16365). 

Nunmehr erfahren wir die Schicksale von B.s anderem 
Sohne, den der Vater in ein Boot gelegt hatte. Ein Fischer 
Gui hatte das Kind gefunden, seiner Frau gebracht, und beide 
erzogen es als ihr eigenes, indem sie es Guiot nannten. Als 
dieser erwachsen, sollte er trotz seines Widerspruches das 
Kürschnerhandwerk erlernen und ward mit einer Geldsumme 
in eine benachbarte Stadt geschickt, um Felle zu kaufen. Zu¬ 
gleich erfuhr er von seinem Pflegevater, daß er ein Findling, 
und, wie behauptet werde, der Sohn des Bueve von Hantone 
sei. Guiot erklärte sich nun bereit und machte sich auf den 
Weg, kaufte aber an Stelle von Fellen ein Pferd und ließ 
seinem Pflegevater sagen, er werde, wenn er könne, ihm das 
Geld später wiedergeben, worauf er davonritt und im Schlosse 
Verton bei einem Bürger freundliche Aufnahme fand. Dieser 
kannte den B. sehr gut und gab dessen Sohn ein besseres 
Pferd sowie einen Brief an den König von Frankreich mit, den 
er in Orleans letzterem überreichte. Aus dem Briefe erfuhr der 
König die Abkunft des Jünglings und versprach, ihn zum Ritter 
zu machen (v. 16561). ln diesem Augenblicke kamen Boten, 
welche den Tod des Königs von England meldeten und sich 
nach B. erkundigten, den sie als Nachfolger zu haben wünschten. 
Guiot erbot sich sofort, seinen Vater zu suchen und her- 















120 


VII. Inhalt das Gedichtes. 


Zufuhren. Als der König ihn mit reichen Schätzen sowie mit 
: hundert Rittern ausgestattet hatte, begab sich Guiot zuerst nach 

Verton und beschenkte seinen Wohltäter sowie dessen Krau 
sehr reich. Nach einem glänzenden Feste setzte Guiot seine 
' Reise fort, indem er den Sohn seines Wirtes mitnahm. Er 

machte nun auch seinen Pflegeeltern einen Besuch, dankte 
ihnen herzlich und ließ auch ihnen kostbare Geschenke zu¬ 
kommen, worauf er weiter zog, bis er nach Sivele kam, wo 
er sich bei einem Bürger einquartierte. Der König Thierri 
hörte von der Ankunft des fremden Ritters, lud ihn persönlich 
zu sich ein, und allen fiel dessen große Ähnlichkeit mit Ven- 
cadousses Sohn auf (v. 16916). 

Da meldete ein Bote, daß König Malagus ins Land ein¬ 
gefallen sei, worauf alle, auch Guiof, sich zum Kampfe rüsteten. 
Ein Heide Turcant forderte einen der christlichen Ritter zum 
Einzel kampf heraus, und Guiot nahm die Forderung an. Nach¬ 
dem letzterer am nächsten Morgen die Messe gehört hatte, er¬ 
schien er sowie sein Gegner auf dem Kampfplatze. Beide teilten 
sich gegenseitig Namen und Herkunft mit und begannen dann 
den Angriff. Turcant wurde vom Pferde gestoßen, raffte sich 
aber wieder auf und tötete Guiots Pferd. Letzterer jedoch 
kämpfte, wie jener, zu Fuß weiter und brachte seinem Gegner 
eine schwere Wunde bei, wurde aber gegen alles Recht von 
den Heiden angegriffen. Da bestieg er eilig das leere Pferd 
des Turcant und setzte sich zur Wehr, doch wäre es ihm trotz 
aller Tapferkeit schlecht gegangen, wenn ihm nicht Thierri mit 
seinen Truppen zu Hülfe gekommen wäre. Da Turcant sich 
nun gefangen gab und Christ zu werden versprach, so wurde 
er nach der Stadt geschickt, worauf der Kampf fortgesetzt wurde. 
König Malagus stieß einen Franzosen Renier tot vom Pferde, 
wurde aber ebenso wie König Murgalant, von Guiot getötet; die 
übrigen Heiden wurden niedergemacht oder entkamen durch 
die Flucht. Die Sieger kehrten mit reicher Beute nach Sivele 
zurück, wo Turcant, nachdem er getauft worden, starb (v. 17492). 

Vencadousse erklärte nun dem Guiot, er habe große Ähn¬ 
lichkeit mit B., und erzählte ihre Erlebnisse mit letzterem. Da 
teilte der Jüngling ihr mit, er sei der Sohn B.s und befinde 














VH. Iuhalt des Gedichtes. 


121 


sich auf der Sache nach seinem Vater; diese Nachricht rief 
allgemeine Freude hervor. Am nächsten Morgen brach Guiot, 
dem sich sein Stiefbruder Thierri, Sohn der Vencadousse, an¬ 
schloß, auf, durchzog mehrero Länder und hörte von einem 
Pilger, daß B. sich in Aubefort befinde. Er teilte dies sofort 
brieflich dem König von Frankreich mit und segelte nach 
Hermenie. Er landete in einem Hafen, der eine halbe Stunde 
von Aubefort entfernt war, und zog in voller Rüstung in die 
Stadt ein (v. 17 652). Dem B. wurde die Nachricht gebracht, 
daß zwei stattliche Ritter mit großem Geleite im Anzuge seien, 
und er traf Vorbereitungen zu ihrem Empfang. Die beiden 
Jünglinge traten Hand in Hand in den Palast und knieten vor 
B. und Josiane nieder. Guiot richtete den Auftrag des fran¬ 
zösischen Königs aus und gab sich auf B.s Frage als seinen 
Sohn zu erkennen, indem er seine Geschichte erzählte und 
dann seinen Halbbruder vorstellte. Groß war die Freude der 
Eltern (v, 17800). 

Da kündigte ein Bote den nahe bevorstehenden Besuch 
von König Buevonet von Monbrant an. Josiane ließ die Stadt 
prächtig schmücken, während B. mit seinen Baronen seinem 
Sohue entgegenritt Letzterer begrüßte herzlich seine Eltern 
und Brüder, und alsbald setzten sich alle zum Mahle nieder. 
Nach dem Essen bestimmte B. auf den Rat des alten Soibaut, 
daß Guiot König von Hermenie werden sollte, während er selbst 
die Krone von England annahm. Nachdem Guiot ara nächsten 
Tage von zwei Bischöfen gekrönt worden war, verabschiedete 
sich B. von seinen beiden Söhnen, ermahnte sie, sicli einander 
immer beizustehen, bestieg mit Josiane und hundert Rittern 
die Schiffe, während Gui nach Aubefort, Buevonet nach 11 on- 
brant zurückkehrte. Jener heiratete Malatrie, Tochter des Königs 
von Ungarn, und zeugte mit ihr zwei Söhue, Yvonet und Elias, 
die später im Kampfe gegen die Heiden vor Damaskus fielen; 
dieser nahm als Frau die Tochter des Königs von Maiogre, der 
sich samt seinem Volke taufen ließ, und machte gegen die Heiden 
große Eroberungen (v. 18032). 

B.s Flotte wurde unterwegs von einem Sturm heimgesucht 
und nach Otranto verschlagen, dessen König Simon, wie der 






















122 


VII. Inhalt des Gedichtes. 


Schiffskapitän berichtete, von dem Heidenkönig Faussaron an¬ 
gegriffen wurde, weil er ihm seine Tochter nicht geben wollte. 
Wider den Rat der Schiffsführer ließ B. landen, und alle wurden 
von König Simon ehrenvoll empfangen und bewirtet. Als am 
nächsten Morgen das Heidenheer anrückte, forderte B. dessen 
König Faussaron heraus und dieser nahm den Kampf an, in¬ 
dem er sich als einen Bruder des vor Sevile von B. getöteten 
Danebu vorstellte, ln dem Zweikampf wurde Faussaron nach 
tapferer Gegenwehr verwundet und erklärte sich auf B.s Auf¬ 
forderung bereit, Christ zu werden, worauf er freigegeben und 
nach seiner Wiederherstellung getauft und mit Simons Tochter 
vermählt wurde {v. 18504). 

B. setzte nunmehr seine Fahrt fort, zog über Appulien 
nach Rom und nach kurzem Aufenthalt von dort durch Ober- 
italien nach Lyon, begrüßte dort seinen Vetter, der dort Erz¬ 
bischof war, worauf er drei Tage später, von diesem begleitet 
über Sens und Monloon nach Paris aufbrach. Als er den König 
mit großem Gefolge ihm entgegenreiten sah, stieg er ab und 
kniete nieder, worauf der König ebenfalls vom Pferde stieg, 
ihn aufhob, freundlich begrüßte und gemeinsam mit ihm in 
die Hauptstadt einzog. Auf dem glänzenden Festmahl hielt 
der König eine Rede, in welcher er den B. vor den anwesenden 
englischen Baronen zum Könige von England ernannte. Die 
Barone waren darüber hoch erfreut mit Ausnahme von Rohart 
und Amauri, die den König durch Bestechung davon abzu- 
bringen versuchten. Dieser jedoch übergab sie dem B., welcher 
in ihnen die Verräter erkannte, die einst seine Verbannung 
veranlaßt hatten. Nunmehr brachen alle nach England auf, in 
Gravelingen wurden die Schiffe bestiegen, in Canterbury wurde 
gelandet, und bald war der Zug in London angelangt. Hier 
wurde B. am folgenden Sonntag feierlich gesalbt und gekrönt, 
woran sich ein prächtiges Mahl und eine Feier von acht Tagen 
schloß (v. 18821), 

Nach dora Feste kehrten der französische König sowie alle 
erschienenen Gäste in ihre Heimat zurück. Nachdem B. nun¬ 
mehr an den beiden Verrätern Rohart und Amauri die ver¬ 
diente Todesstrafe vollzogen hatte, belohnte er den alten Soibaut 










VII. Inhalt des Gedichtes. 123 

zum Dank für seine treuen Dienste mit Hantone und nahm 
zärtlichen Abschied von ihm, Soibaut zog in die Stadt ein; 
seine Frau war vor einem halben Jahr gestorben, und er selbst 
hatte nach einem Monat das gleiche Schicksal, so daß ihm sein 
ältester Sohn folgte. B. und Josiane erwarben sich sehr bald 
die allgemeine Liebe ihrer neuen Untertanen, aber als nach 
fünf Jahren B. seine Gattin durch den Tod verlor, war er un¬ 
tröstlich. Er ließ die treue Gefährtin in der Paulskirche bei¬ 
setzen, entbot dann alle Großen des Reiches und ließ von 
ihnen seinen und der Veneadousse Sohn zu seinem Nachfolger 
erwählen und zn Pfingsten krönen (v. 18915). Am Morgen 
darauf entfernte er sich heimlich aus dem Schloß und aus der 
Stadt zum Schmerz des ganzen Landes, besonders des jungen 
Königs, der überall nach dem Verlorenen suchen ließ. B. war 
den ganzen Tag in einem Walde gewandert, bis er eine Klaus¬ 
nerei fand, dessen Bewohner soeben gestorben war. Er begrub 
den Einsiedler, bezog dessen Wohnung, kasteite seinen Leib 
und pflanzte um sein Haus herum nützliche Bäume und Kräuter, 
von deren Ertrag er lebte; auch befreite er das Land von den 
im Walde hausenden Räubern (v. 19002). 

Nachdem B. fünf Jahre auf diese Weise gelebt hatte, be¬ 
schloß König Bueve von Monbrant einst zu Pfingsten, nach 
England zu reisen, um seinen Vater zu besuchen. Er fuhr 
zunächst nach Aubefort, wo sein Bruder Gui, dann nach Sivele, 
wo Thierri sich anschlossen. Sie landeten in Marseille, holten 
in Paris auch den König von Frankreich ab, und alle begaben 
sich nach London, wo sie von der Flucht B.s unterrichtet wurden. 
In der Nacht teilte ein Engel dem französischen Könige den 
Aufenthaltsort B.s mit, und am nächsten Morgen begaben sich 
alle zu der bezeichneten Einsiedelei. B. war dem Tode nahe; 
er küßte seine Söhne zum Abschied und starb gleich darauf. 
Nachdem er in der Eustachius-Kirche begraben worden, kehrten 
alle in ihre Heimat zurück {v. 19115), 















124 Till. Inhaltliche Abweichungen in den verschiedenen Handschriften. 


VIII. Inhaltliche Abweichungen In (len verschiedenen 

• Handschriften. 

Es bleibt nun noch übrig, festzustellen, ob alle drei Hand¬ 
schriften den ganzen soeben vorgeführten Stoff in gleicher 
Weise enthalten oder ob die eine oder die andere an einzelnen 
Stellen ab weicht, und was sie in diesem Falle anstatt der über¬ 
lieferten Fassung bringt Am treuesten, vollständigsten und 
besten gibt die Handschrift P unsere Fassung wieder, während 
die anderen an mehreren Stellen Abweichungen aufweisen, 
wobei ich von den kleineren Zusätzen oder Änderungen ab¬ 
sehe, So ist W gleich im Anfang, nämlich in dem Abschnitt 
v. 377 — 13S9 nicht nur erheblich kürzer, sondern hat auch 
einen stark veränderten Inhalt, obwohl die entsprechenden 
! wissen, soweit sie nicht überhaupt ausgelassen sind, auch meist 
dieselben Reimvokale wie P aufweisen. Es wird dort in dem 
genannten Abschnitt nämlich folgendes berichtet (s. Anhang 1). 
Graf Gui von Han tone begibt sich mit zwei Rittern bewaffnet in 
den Argoncewakl auf die Jagd, nachdem er sich von seinem Sohn 
B. zärtlich verabschiedet hat. Sofort schickt nun seine Gattin 
ihren Kammerherrn nach Villance und läßt Doon auffordern, 
ihren Gemahl auf der Jagd umzubringen. Jener läßt sogleich 
400 Ritter sich bewaffnen und legt sich mit ihnen im Argonce- 
wald in den Hinterhalt. Als er Gui bemerkt, ruft er ihm zu, 
jetzt werde er seinen von jenem getöteten Vater und Oheim 
rächen. Gui aber setzt sich zur Wehr, tötet zehn seiner Gegner, 
unterliegt dann aber der Überzahl. Als er erkennt, daß wei¬ 
terer AV"iderstand nicht möglich sei, überreicht er dem Doon 
sein Schwert, doch schlägt dieser ihm ohne Erbarmen den Kopf 
ab, währenddessen beide Begleiter die Flucht ergreifen und in 
Hantono das Vorgefallene berichten. Die Leiche wird herbei¬ 
geholt, einbalsamiert und am nächsten Morgen in einem Kloster 
begraben, worauf die Gräfin sich von den Großen des Landes 
für ihren siebenjährigen Sohn huldigen läßt. Nach weniger als 
vierzehn Tagen erscheint Doon auf ihre Einladung mit hundert 
Rittern; die Gräfin empfängt ihn allein in einem Garten, ge¬ 
steht ihm, sie liebe ihn, seit sie ihn unterhalb von Köln 







VIII. Inhaltliche Abweichungen in den verschiedenen Handschriften. 125 

gesehen, wie er im Turnier den Richard von Yielmer getötet 
habe. Sie verzeihe ihm den Mord ihres Gatten und fordere 
ihn auf, sie zu heiraten. Dooa bittet sie, wegen der ihm von 
Guts Freunden und vor allem von B. drohenden Gefahr davon 
abzusehen. Aber auf die Aufforderung der Dame beteuern zwei 
ihrer Ritter, Fromont und Hate, sie würden B. umbringen, und 
zwar werde Fromont dazu ein sicher wirtendes Gift verwenden. 
Nun willigt Doon ein und kehrt in sein Land zurück, während 
die Dame sieh nach Hantone begibt. Dort begegnet sie ihrem 
Sohne, der schon von der geplanten Heirat gehört hat und 
ihr nun deswegen sowie wegen ihres prunkenden Anzuges 
bittere Vorwürfe macht. Sie sucht ihn zu beruhigen, doch als 
B. droht, er werde im Falle ihrer Verheiratung sie und Doon 
töten, indem er hinzufügt, nach Verlauf von sieben Jahren nichts 
dagegen zu haben, erklärt sie, sie tue den Schritt nur seiner 
Jugend wegen zu ihrer beider Schutz. Ais aber B. bei seiner 
Drohung bleibt, wird sie zornig und schlägt ihn so heftig, daß 
ihm das Blut aus dem Munde schießt und er betäubt zu Boden 
fällt. Ja sie hatte ihn getötet, wenn sein Erzieher Sembaut 
ihn ihr nicht weggerissen, in seine Wohnung getragen und im 
Verein mit seiner Frau in einem abgelegenen Zimmer zu Bett 
gebracht hätte. Sogleich erscheinen nun aber Fromont und 
Hate, bieten ihm viel Gold und Silber, falls er B. töte; weigere 
er sich, so müsse er sterben. Da sie alsbald ihre Schwerter 
ziehen, so erklärt er sich zum Schein bereit, ihren Wunsch 
zu erfüllen und B. bis zum nächsten Tage umzubringen. Er 
verabredet nun mit seiner Frau einen Plan zu B.s Rettung. 
Sie wecken den Knaben, und dieser berichtet ihnen über einen 
Traum. Er sei in einer Kirche gewesen, um zu beton, und 
habe dort gehört, wie drei Männer seinen Tod beschworen, wie 
ihm die rechte Schulter abgehauen wurde und man ihm einen 
Stein an den Hals gebunden und dann in die Bleve geworfen, 
endlich wie seine Pflegemutter ihn gerettet und seine Wunde 
geheilt habe. Darauf teilt ihm Sembaut mit, was vorgefallen. 
B. willigt nun ein, zu sterben, bittet aber um Aufschub und 
betet inbrünstig zu Gott, ihm seine Sünden zu verzeihen, wor¬ 
auf er dem Sembaut erklärt, er sei nun zum Tode bereit. Jener 












126 VIII. Inhaltliche Abweichungen in den verschiedenen Handschriften. 

aber erwidert, er werde alles tun, um ihn zu retten; er wolle 
nur die von den Verrätern versprochene Habe in Empfang 
nehmen, dann werde er mit ihm wegreisen. Seine Gattin 
schlägt nun vor, B, unkenntlich zu machen und ihn die Schafe 
weiden zu lassen. Dieser Vorschlag wird ausgeführt, worauf 
beide die Kleider B.s mit Heu und Gras vollstopfen, die so 
entstandene Puppe an einen Stein binden und in das Wasser 
werfen. Als dann die beiden Schurken erscheinen, erklärt er, 
er habe sein Versprechen erfüllt, und führt sie an die Bleve, 
wo sie auch den angeblichen Körper B.s in der Tat erblicken. 
Sie melden dies sofort der Gräfin, welche gerade mit Doons 
Neffen Wilhelm von Argonce über die Hochzeit verhandelt, und 
sie sendet auf die Nachricht hin sofort zu Doon, ließ ihm alles 
melden und ihn bitten, seine Freunde zur Hochzeit zu laden. 
Jener kommt nunmehr mit seinen Rittern nach Hantone, wo 
die Dame inzwischen ihre Getreuen versammelt und sich selbst 
prächtig geschmückt hatte. Die Trauung wird ohne Verzug 
durch einen Erzbischof vollzogen, und ein prunkvolles Mahl 
schließt sich an die kirchliche Feier. 

Als nun B. mit seinen Lämmern vom Felde heimkehrt, 
jammert er über sein klägliches Los. Sobald er jedoch den 
Festeslärm vom Schlosse berübertönen hört, wirft er seinen 
Mantel ab, ergreift einen starken Knüttel und eilt zum Palast 
hinauf. Er erblickt bei seinem Eintritt all die vornehmen Gäste 
und ruft ihnen zu, sie müßten über einer Dame zu Gericht 
sitzen, die ihrem Gemahl habe den Kopf abschneiden und ihr 
Kind ertränken lassen, die daher den Tod verdient habe. Darauf 
wirft er IJoon vor, er habe seinen Vater getötet und heirate 
jetzt seine Mutter gegen seinen (B.s) Willen. Zugleich schlägt 
er ihn mit seinem Knüttel blutig, so daß jener ohnmächtig gegen 
seinen Nachbar fällt. Sofort springen Doons Leute auf, werfen 
Speise, Gefäße und Messer gegen ihn, ohne ihn jedoch zu treffen. 
Unter dem Schutze einiger Freunde seines Vaters entkommt er 
glücklich in das i laus Sembauts, wo er seinen Pelz und seinen 
Stock wegwirft, sich den Fuß mit einer Binde umwickelt und 
sich mit einem Kinde auf dem Schoß ans Feuer setzt. Als nun 
gleich darauf Doons Leute die Tür erbrechen und hereinstürmen, 











Y1II. Inhaltliche Abweichungen in den verschiedenen Handschriften. 127 

erkennen sie ihn nicht, fragen ihn vielmehr, wo B. sei, den 
sie ihm beschreiben. Er erwidert, er wisse es nicht, seine 
Eltern seien am Hofe; er schwatzt ihnen darauf gleichgültiges 
Zeug vor, so daß sie über ihn zornig werden, Hate ihn sogar 
durch einen Fußtritt zu Boden wirft, worauf jene unter Lachen 
weiter suchen, natürlich ohne B. zu finden. Schließlich kehren 
sie zu der Dame zurück, um über ihren Mißerfolg zu berichten. 
Sie macht ihnen heftige Vorwürfe und befiehlt ihnen, Sembaut, 
der sie betrogen habe, herbeizuholen. Als dieser vor sie ge¬ 
schleppt ist, schlägt sie ihn mit einem dicken Stocke blutig 
und bedroht ihn mit dem Tode für den Falt, daß er B. nicht 
herb ei schaffe. Auch die ringsherum stehenden Leute raten ihm 
zu, doch weigert er sich sehr entschieden zu gehorchen. Darauf 
läßt ihn die Gräfin zunächst durch zwei ihrer Diener mi߬ 
handeln und dann in den Kerker werfen, indem sie droht, sie 
werde ihn hängen lassen. Erst jetzt wird die Hochzeitstafel 
abgeräumt, und Doon in sein Zimmer getragen. Am folgenden 
Tage ließ die Dame ganz Hantone nach B. durchsuchen. Die 
Gattin Sembauts wurde ebenso wie B., den man für ihren Sohn 
hielt, geschlagen und sonst gemißhandelt, und alle Kinder von 
sieben Jahren wurden auf das Schloß gebracht, ausgezogen und 
untersucht, weil B. an der Seite eine Narbe sowie auf der 
Schulter ein rotes Kreuz hatte. Boi keinem der Kinder werden 
jedoch diese Abzeichen gefunden. Da läßt die Gräfin einen 
Scheiterhaufen errichten und Sembaut sowie dessen Frau zum 
Verbrennen an denselben führen. Als B. dies sieht, kommt 
auch er in der Kleidung von Sembauts Sohn herbei und er¬ 
klärt den um den Scheiterhaufen stehenden Leuten, er wolle 
ihnen B. nachweisen, wenn sie ihm versicherten, daß seinem 
Vater Sembaut und seiner Mutter kein Leid geschehe, worauf 
diese die Versicherung abgaben, für den Fall, daß er B. her¬ 
beibringe. 

Von v. 1390 an stimmt der Text von W dann wieder mit 
P überein. Der Handschrift R fehlt, wie wir gesehen haben, 
der Anfang; sie beginnt erst mit v. 1484 unserer Ausgabe. 
Von nun an stimmen alle drei Handschriften im allgemeinen 
überein, nur daß einzeln R und W, seltener auch P Zusätze 

















»i' 









128 VIII. Inhalt!icho Abweichungen in den verschiedenen Handschriften. 

aufweisen. Die von I’ sind im wesentlichen die folgenden: 
v. 3565 — 3603 (die etwas romantisch-sentimentale Klage Josianes 
um B.) und v. 3716—26 (Josianes Auftrag an B.). In W fehlen 
sodann mehrfach kürzere oder längere Abschnitte, die, wie es 
scheint, beim Abschreiben versehentlich ausgelassen worden 
sind oder die bereits in der Handschrift, nach welcher W ko¬ 
piert worden ist, gefehlt haben. Die umfangreichsten sind die 
folgenden. Der erste besteht aus v. 8219 — 53 der Ausgabe 
und zerreißt den Zusammenhang. In den Zeilen vor 8219 er¬ 
fahren wir, daß Doon zur Messe geht, in denen nach v. 8253 
erteilt der König dem Doon eine Antwort. Es fehlt also, was 
uns in den fehlenden Zeilen berichtet wird, nämlich, daß Doon 
sich zum Könige begibt und sich über Soibaut und Bueve be¬ 
klagt. — Dasselbe gilt von v. 8574—601. Als B. in Kantone 
eingezogen, beginnt W mit dem v, 8602 mitten in einer Rede 
an seine Mutter; die Einleitung dazu und der Anfang der 
Rede ist also verloren gegangen. — Ebenso fehlen die Zeilen 
10408—27, in welchen Maxin dem Bueve seine Schicksale er¬ 
zählt. Da aber Bueve sich später mit diesen bekannt zeigt, 
so müssen sie ihm vorher mitgeteilt worden sein. — In den 
Versen nach 11987 erfahren wir, daß B. und Thierri sich für 
einen Kampf bereit machen, ohne daß man wüßte, um welchen 
es sich handelt. Tn v, 11968—87, die wiederum sich in W 
nicht finden, werden wir davon unterrichtet, daß ein Heer von 
Heiden zum Angriff auf die Stadt Sivele losrückt. — Die größte 
und auffallendste Lücke besteht jedoch aus nicht weniger als 
94 Zeilen, nämlich v. 6656—6750 der Ausgabe. Hier ist wohl 
anzunehmen, daß in der Vorlago ein Blatt verloren gegangen war. 

Wir kommen nun zu den Interpolationen, die R und W 
gemeinsam aufweisen. Die erste findet sich hinter v. 7851 in 
der Oede-Episode; sie zählt in R47, in W 48 Zeilen und hat 
folgenden Inhalt. Vorher haben wir erfahren, wie Oede von 
Orgueil B. und die Seinen überfallen will, wie aber letztere, 
von ihrem Wirte gewarnt, sich gewappnet haben und den An¬ 
greifern entgegentreten. Der Einschub schildert nun eingehend 
den sieh daraus ergebenden Kampf. A^opart läßt Josiane im 
Saal an das Fenster treten, um diesem zuzuschauen, eilt selbst 



















VIII. Iühaltliche Abweichungen in den verschiedenen Handschriften. 129 

hinaus und erschlägt mit seiner Keule so viele der Gegner, 
daß die übrigen entsetzt die Flucht ergreifen, unter ihnen auch 
Oede, der hier Huide oder Heude heißt. Er eilt in seinen 
Palast und fordert seine Leute auf, den an stürmen den A popart 
niederzumachen, und diese greifen ihn mit Übermacht an. 

Ein weiterer gemeinsamer Einschub vou 165 Zeilen findet 
sich in jenen beiden Handschriften hinter v. 10'J43 und hat 
folgenden Inhalt. Als B. in Han tone wieder eingezogen ist und 
seine Hochzeit mit Josiane feiert, entsteht in Apopart der 
Wunsch, in seine Heimat zuriiekzu kehren. Er begibt sich daher 
zu B., erklärt, er wolle eine Pilgerfahrt zu dem heiligen Jacob 
unternehmen und erbittet dazu Urlaub. B. gibt ihm nicht nur 
diesen, sondern auch zwei Diener und ein mit Habe beladenes 
Saumtier, worauf alle drei im Hafen von Hantone ein Schiff 
besteigen und abfahren, während B. mit der Festgesellschaft 
sich zur Abendmahlzeit niedersetzt, in der Hochzeitsnacht mit 
Josiane zwei Söhne zeugt und am nächsten Morgen Soibauts 
Sohn Thierri zu seinem Seneschall macht. Apopart begibt sich 
im Hafen von Vertone an Land, und während er durch seine 
beiden Diener das Essen zubereiten läßt, entfernt er sich heim¬ 
lich, wandert durch Frankreich nach Marseille, wo er wieder 
aufs Meer geht, in Jaffa landet und sich nach Monbrant zu 
Tvorin begibt Nach gegenseitiger Begrüßung berichtet er, wie 
er bei der Verfolgung der beiden Flüchtlinge von B. besiegt, 
zum Mitgehen gezwungen und in Köln getauft worden sei. 
B. habe in seiner Heimat Josiane geheiratet, er, Apopart, sei 
aber aus Schmerz darüber entflohen, indem er eine Pilgerfahrt 
nach S. Jago vorgeschützt habe, und wolle nun wieder seinem 
früheren Herrn dienen. Yvorin nimmt ihn gnädig auf, schwört 
aber, sich an Hermin rächen zu wollen, falls dieser ihm nicht 
Josiane wieder verschaffe. Auf Apoparts Bitte gibt ihm Yvorin 
3000 Heiden, sowie ein Schiff, Apnpart verspricht, ihm mit 
diesen Truppen Josiane wiederzugewinnen und geht alsbald 
unter Segel. 

Diese Episode stimmt inhaltlich ziemlich genau mit dem 
überein, was in betreff Apoparts in der zur Fassung III ge¬ 
hörigen Handschrift V erzählt wird. Dort erfahren wir nämlich 

Stimming, fioeve de Hantone. Ü 







130 VIII. Inhaltliche Abweichungen in den verschiedenen Handschriften. 

(Y fol. 17asq.), daß Apopart mit dem ihm von B. gewährten 
Lohn für seine Dienste nicht zufrieden war, und daß er ihn zu 
verlassen beschloß. Als daher einst bei einem Feste ein heid¬ 
nisches Schiff aus seiuer Heimat nach Hantoue gekommen war, 
bat er B. um Urlaub mit der Begründung, er wolle eine Pilger¬ 
fahrt zum h, Jacob nach ComposteLla unternehmen. B. gewährte 
ihm nicht nur den Urlaub, sondern stattete ihn auch reich aus 
und begleitete ihn bis an das Schiff. A<;opart aber fuhr nach 
Monbrant, wo Yvorin anfänglich ihn bestrafen wollte, ihm dann 
aber auf seine Bitte verzieh und ihn wieder in Gnaden aufnahra. 

Es ist anzunehmen, daß beide Episoden aus der gleichen 
Quelle stammen, d. h. daß sowohl t, die gemeinsame Vorlage 
von R und W, als auch Y sie aus einer uns nicht erhaltenen 
Fassung der Erzählung entlehnt haben. Wir werden in der 
Einleitung zu der Fassung ill auf diese Stelle zurückkommen. 

Wie bereits erwähnt, schließt sich von v. 13222 an auch 

•fr 

T unserer Fassung an, so daß dgr letzte Teil derselben ln den 
vier Handschriften PRTW vorliegt. Da in T jedoch ein Blatt 
verloren gegangen ist, so fehlen hier die Zeilen 17 768—916, 
Andrerseits hat diese Handschrift den Bericht an mehreren 
Stellen durch Interpolationen erweitert. Die erste, aus 17 Zeilen 
bestehend, ist hinter v. 14634 eingeschoben und hat den Zweck, 
dem B. Gelegenheit zu gehen, auch an Gonce Rache zu nehmen, 
nachdem er in dem Bericht von T den Fourre bereits auf der 
Flucht nach Josianes Entbindung getötet hatte. Über <1 ieses 
neue Auftreten des Gonce wird später bei den 1 nterpolationen 
(unter Nr. 22) gehandelt werden. Ein zweiter Einschub, und 
zwar von nicht weniger als 324 Zeilen, findet sich hinter v. 15197, 
d. h. in dem Bericht über die Entscheidungsschlacht zwischen 
Yvorin einer- sowie ßueve anderseits. Auch in den durch diese 
sich ergebenden Kämpfen spielt in T wieder Gonce eine erheb¬ 
liche Rolle, wie unten im einzelnen dargelegt werden wird. Weiter 
erfahren wir hier sodann, daß König Oudart von Schottland, 
Thierri und die Barone von Han tone, welche durch den Sturm 
mit ihren Schiffen abgetrieben worden waren, nach Aubefort 
gesegelt und dort gerade zu rechter Zeit angelangt waren, um 
an der Schlacht teilzunehmen. In dieser hatte Ivorin den Gonce 


i 












YHL Inhaltliche Abweichungen in den Terschiedenen Handschriften. 131 

«■ i ■ 

mit einer Abteilung gegen die Christen vorrücfeen lassen und 
warf selbst bei einem Angriff den König Hermin vom Pferde. 
Wenngleich nun B. ihn ebenfalls aus dem Sattel stieß und den 
Hermin wieder beritten machte, so mußten die Christen doch 
vor der Übermacht weichen und kamen in große Not, so daß 
die Hülfe König Oudarts und seiner Truppen gerade zu rechter 
Zeit eintraf. Auf beiden Seiten wurden zahlreiche Kämpfer ge¬ 
tötet oder gefangen genommen, unter letzteren auch Gonce, 
welchen B. dann niederhieb. 

Die folgende Interpolation, sie zählt 67 Zeilen, ist hinter 
v. 1550-1 ein gefügt und hat folgenden Inhalt: Bei dem zu Ehren 
des Sieges über Yvorin veranstalteten Mahle erklärte Oudart, er 
wolle nach Jerusalem zum heiligen Grabe ziehen, und als B. 
die Absicht aussprach, sich ihm anzuschließen, bat ihn Hermin 
zu bleiben, da er ihm die Herrschaft abtreten wolle, und B: 
erfüllte ihm die Bitte. Oudart führte nun mit seinen Baronen 
die geplante Pilgerfahrt aus, worauf alle auf acht Tage nach 
Aubefort zurückkamen und dann in die Heimat weiterfuliren. 

Endlich hat T auch den Bericht über die Erlebnisse von 
B.s Sohn, der einst von B. (in T von Gonce) in das Boot ge¬ 
legt und von dem Fischer (dieser heißt Fouqucrre in T, Gul 
in PRW gefunden worden war, durch einige Zutaten erweitert 
Die erste derselben (9 Zeilen) folgt auf v. 16411. Als nämlich 
der Fischer seinem Adoptivsohn (Hermin nachT, Gui nach PKW) 
einst im Zorn den Namen seines wirklichen Vaters genannt 
hat, erklärt er in diesem Einschub, er habe nur gescherzt, er 
sei wirklich sein Vater, doch glaubt jener ihm nun nicht. In 
einer weiteren kurzen Zutat (4 Verse) hinter v. 16516 erzählt dem 
jungen Hermin sein Wirt in Verton, wie er durch den Verräter 
Gonce in jenes Boot gelegt worden war. Zwei spätere finden 
sich in dem Berichte über Hermins Besuch bei König Thierri 
von Sivele, nämlich eine von 13 Zeilen statt der Verse 16881—82 
und eine andere von 8 Zeilen hinter v. 16890, in welchen 
Thierri seinem jungen Gaste noch weitere Einzelheiten über 
die Schicksale seines Vaters mitteilt. Nachdem sodann mit 
wesentlicher Hülfe Hermins ein feindlicher Angriff auf Sivele 

abgeschlagen worden, läßt T in mehreren weiteren Interpola- 

’■ . • 9 * 











132 IX. Der den Fassungen II und III gemeinsam® Anfang. 


tionen (9 Zeilen hinter v. 17 505, 7 Zeilen hinter v. 17609, 
20 Zeilen hinter v. 17 516, 4 Zeilen hinter v. 17520 und einigen 
kürzeren) durch eine neue Unterhaltung zwischen Tbierri sowie 
dessen Gattin und ihrem Gaste jene diesem sowie diesen seinen 
Wirten noch mehr Einzelheiten in betreff der vergangenen Ge¬ 
schehnisse erzählen. In der Sehildernng von Hermins Eintreffen 
bei und Wiodererkennon mit seinen Eltern endlich fehlt, wie 
oben (S. 130) bereits bemerkt, ein Blatt mit 180 Zeilen, welche 
in der Ausgabe den Versen 17768 — 916 entsprechen. 

Endlich ist noch zu erwähnen, daß auch die Handschrift C 
an einigen Stellen der Schilderung des ersten Zusammentreffens 
von B. mit Aqopart mehrere Verse (es sind zusammen 44, 
welche oben auf Seite 16 aufgezählt worden sind) aus Fassung II 
entlehnt hat. Diese weichen aber inhaltlich nicht erbeblich 
von dem Berichte der übrigen Handschriften ab. 

IX. Der den Fassungen II und III gemeinsame Anfang. 

Ehe wir die übrigen unser Gedicht betreffenden Fragen 
behandeln, müssen wir feststellen, ob der in den beiden Fas¬ 
sungen II und III gleichlautende Anfang (11,1 — 1358 und 
III, 1 — 1297) in jener oder in dieser ursprünglich ist. Die 
'rntersuchung hat ergeben, daß ersteres der Fall ist, d. h. daß 
der Verfasser von III diesen Teil seines Werkes aus unserer 
Fassung entlehnt hat Der Beweis setzt sich aus sachlichen 
und aus sprachlichen Gründen zusammen; die sachlichen, sind 
folgende: 

1. In dem gemeinsamen Abschnitt behauptet Doon mehr¬ 
fach, Gui von Hantono habe einst seinen Vater und seinen 
Oheim Raoul getötet (II, 313—14, 321, 418-20 - 111,239-40, 
247, 345—47). Diese selbe Behauptung spricht Doon in der 
Fassung il später auch dem Könige gegenüber aus: Joccis 
Guten, c'est fine veritis, Mon pere ot mort, des que fu bacheiers, 
Je rocis lui (v. 831L—13). Dies ist also die Auffassung unseres 
Bearbeiters und hat ihren Grund in dem Umstande, daß dieser 
den Charakter Doons seiner Yoriage gegenüber veredelt hat, 
wie unten (Nr. d) auseinandergesetzt werden wird. In III da¬ 
gegen findet sich nur an einer Stelle eine hierauf bezügliche, 











IX. Der den Fassungen II und III gemeinsame Anfang, 133 

aber etwas unklare Anspielung, indem Doons Fran diesem zci- 
ruft: Ramembre toi de ton chier pere Oihon, Qui ochis fu par 
le conseill Guion (v. 7581—82), Hiernach soll also Doons 
Vater Otto, der seinen Namen offenbar nur dem Reim ver¬ 
dankt und der sonst nie vorkoramt, auf den Rat Gruis urage- 
braeht worden sein, wovon nie die Rede gewesen ist. 

2. In demselben Abschnitt wird Maience, der Wohnort 
Doons, ganz in die Nähe von Hantone, also nach Südengland 
verlegt (s. unten Nr. f, Schluß). Dies ist wiederum die Auf¬ 
fassung des Bearbeiters von II; nach der desjenigen von III 
liegt der Ort in Deutschland, Die Herzogin sagt hier zu ihrem 
Gemahl: Ahns nous ent . . Si en irons a Maience la lee, La 
sui ge dame de tonte la contree Selonc le Rin tresqu’a la mer 
salee Et si sui d'Ays ei dame et avouee, Tresqu’en Aussai sui 
ducoise clamee (v, 6716 — 21). Ewas später heißt es von Doon: 
Dos . . cuide . . Dedens Antenne en son päis raler (III 7234—35). 
Ja es scheint, als ob in dieser Fassung der erste Teil der Er¬ 
zählung, und damit auch Hantone, ähnlich wie in der ersten 
(vgl. Fm Aran-tere, sour Meuse par dela I, v. 17) nach 
dem Festlande, und zwar nach Deutschland verlegt worden 
war. So sagte Bueve zu dem Kölner Bürger Gui, als sie den 
Rhein hinauf nach Köln fuhren: Guts de Hantonne . , ceste 
terre ci ., gar da , Quant wes taions, dans Reuters, devia, En 
ceste vile maint jor son baue eria De par ma mere, las! si 
war Vespousa (111,4467 — 71), und dieser berichtet jenem: Guts, 
vos peres, de saint fons me leva (v. 4483). Danach lag also 
der Landbesitz sowohl von Bueves Vater Gui, als auch der 
seines Großvaters mütterlicherseits Renter in der Nähe von 
Köln, so daß Graf Gui Pate des Biirgersohnes Gui von Köln 
hatte werden können. Ebenso konnte Bueves Mutter als Erbin 
Reniers behaupten, daß ihr das ganze Land längs dos Rheins 
bis an das lleer, bis Aachen und bis an das Elsaß gehöre (s. o.); 
desgleichen konnte später Bueve, als er nach Deutschland kam, 
dem Grafen Engrös dort diejenigen Ländereien zusprechen, die 
einst seinem (Bueves) Vater Gui gehört hatten und die dessen 
(Gins) Gattin bei der Heirat als Mitgift et halten hatte (v, 16215 
bis 17), worunter sich auch Metz befand (v. 16218). So erklärt 


134 IX. Der den Fassungen II und IH gemeinsame Anfang. 

es sich denn auch, daß, als Doon bei den Kämpfen vor Kan¬ 
tone frische Truppen aus Maience herbeiruft, diese „aus Deutsch¬ 
land“ kamen (v. 6733 —34). Von all diesen soeben aufgeführten 
Angaben und Anspielungen findet sich in der zweiten Fassung 
kein Wort. Der Verfasser von III hat allerdings nicht bemerkt, 
daß er durch die erwähnten Angaben einen Widerspruch in 
sein Gedicht gebracht hat, oder wenn er es bemerkt bat, hat er 
sich dadurch doch nicht abhalten lassen. Später liegt nämlich 
auch für ihn Hautone in England, da die verschiedenen Per¬ 
sonen zwischen diesem Ort und Ijondon, der Residenz des 
Königs, hin und her reiten. Wie sich der Verfasser von II 
die Lage der verschiedenen Örtlichkeiten denkt, ist nicht mit 
Sicherheit zu sagen, abgesehen davon, daß für ihn, wie wir 
gesehen, Maience dicht bei Hau tone liegt. Über die Lage von 
Kantone fehlt jede Angabe, dagegen enthält die Einleitung von 
III noch eine solche über die Heimat der Herzogin. Letztere 
sagt zu Doon, sie habe ihn einst bei ihrem Vater unterhalb 
von Köln kennen gelernt {je vom vi desons Couloigne es pres .. 
Chies man pere v. 432 —34). Also auch hieraus ergibt sich, 
daß in III der Besitz ihres Vaters in Deutschland gelegen war. 
Weiteres läßt sich nicht feststellen. 

3. ln dem in Rede stehenden Abschnitt hat sodann Soibaut 

* 4 

zwei Söhne, Thierri und Roboan (II, 848 — 49, 851, 877, 900 
= III, 781 — 82, 785, 811, 834). Diese nehmen in der zweiten 
Fassung an den sieb vor Hantone abspielenden Kämpfen und 
an den weiteren Ereignissen bis zu Bueves Wiedereinsetzung 
in ganz erheblichem Maße teil, wie ich später bei der Be¬ 
sprechung der von unserem Bearbeiter neu eingefiihrten Per¬ 
sonen darlegen werde (s, u. Kr. c), in der dritten Fassung kom¬ 
men sie aber in den betreffendeu Abschnitten überhaupt nicht 
vor. Wie wir später feststellen werden, gehörten diese beiden 
Brüder in der ursprünglichen Gestalt unseres Stoffes nur dom 
zweiten Teile der Erzählung, d. h. dem von Bueves zweiter 
Verbannung an. Daher treten sie auch sowohl in der anglo- 
normannischen wie in der ersten festländischen Fassung nur 
dort, nicht in der ersten Hälfte als handelnde Personen auf, 
und genau so ist es offenbar auch in der dritten Fassung ur- 













IX. Der den Fassungen II und III gemeinsame Anfang. 135 

sprünglicli gewesen. Durch die Entlehnung jenes Abschnittes 
ist nun der unnatürliche Zustand hervorgerufen, daß die beiden. 
Brüder im Anfang auftreten, dann aber bis zum zweiten Teile 
völlig verschwinden, ohne daß dieser auffallende Umstand 
irgendwie erklärt wird. 

Die soeben aufgeführten Tatsachen lassen sich nur durch die 
Annahme erklären, daß der Verfasser von III den ersten Teil 
aus II herübergenommen, den übrigen aber aus einer anderen 
Quelle entlehnt oder nach einer anderen Vorlage bearbeitet hat. 

Zu diesen sachlichen Gründen kommen nun noch stilistische, 
unter denen ich den folgenden hervorhebe. Wie ich weiter 
unten nachweisen werde, hat unsere Fassung II einen ausge¬ 
prägt kirchlichen Geist an sich, und da der gemeinsame Teil 
diesen theologischen Charakter ebenfalls zur Schau trägt, so 
hat dieser offenbar von Anfang an zu II gehört Um jene 
Eigenschaft nun nachzuweisen, so finden sich z. B. in dem in 
Rede stehenden Abschnitt zwei lauge Gebete (II, 661 — 74 = 111, 
599 — 616 und II, 828—36 = 111, 766—74), von denen das 
erste mit Anspielungen auf die Bibel, und zwar Ereignisse 
sowohl aus dem alten, als auch dem neuen Testament geradezu 
gespickt ist; weiter aber zahlreiche andere Stellen, z. B. II, 
218-20 = 111,144-46; II, 369—71 = 111, 296—98; II, 472 
— DI, 399; 11, 562 = 111, 498; II, 568 — 69 = 111,503—4; 
II, 680 = 111, 622; II, 729 = 111, 669; II, 733 = 111, 673; II, 
759—60 = 111, 700 — 1; II, 772 = 111, 713; II, 790 = 111, 730; 
II, 801 —10 = 111, 741 — 50 und so viele weitere, welche einen 
theologisch-christlichen Charakter aufwoisen. Allerdings ist die 
Beweiskraft dieses zweiten, des stilistischen Merkmals nicht 
sehr stark, da, wie wir später erfahren werden, auch die dritte 
Fassung einen etwas frommen Geist zur Schau trägt Dieser 
ist dort aber nicht so stark ausgeprägt wie in unserem Ge¬ 
dichte, z. B. findet sich ein derartiges Gebet, wie das erste der 
beiden oben hervorgehobenen, mit den zahlreichen Anspielungen 
auf alle Teile der Bibel sonst nirgends in III, wohl aber in II 
(s. u. Nr. f). Jedenfalls kann es nach diesen verschiedenen Be¬ 
weisen nicht zweifelhaft sein, daß, wie bereits hervorgehoben, 
der in Rede stehende Teil in II ursprünglich ist, d. h. von 















136 


X. Charakteristik unserer Fassung. 


Anfang an dem Gedichte angehört hat Ich habe ihn daher 
in den folgenden Erörterungen als einen Teil unserer Fassung 
bildend behandelt, und es hat sieh dabei, wie wir sehen werden, 
herausgestellt, daß er auch alle übrigen der unten her vor ge¬ 
hobenen charakteristischen Merkmale unseres Gedichtes eben¬ 
falls an sich trägt. 

X. Charakteristik unserer Fassung. 

Em besonders in die Augen fallendes Merkmal unserer 
Fassung bestellt in der Neigung des Dichters, die Ei Zahlung 
zu verlängern, einmal dadurch, daß er mehr oder weniger um¬ 
fangreiche Interpolationen einfügt, sodann dadurch, daß er den 
Bericht seiner Vorlage an einigen Stellen bivit ausspinnt oder 
sonst erweitert, endlich dadurch, daß er neue Personen in die 
Erzählung einführt. 

n) Einführung neuer Episoden. 

Da die Eigenart jedes Ömarbeiters sich nun am deut¬ 
lichsten in denjenigen Teilen seiner Fa-Sung erkennen laßt, 
die sich nur bei ihm finden, daher mit großer Wahrscheinlich¬ 
keit als sein Eigentum angesehen werden können, so wollen 
wir uns zunächst mit diesen Interpolationen und Erweiterungen 
beschäftigen. 

A. Interpolationen. 

1. Unter den größeren Einschüben umfaßt der erste die 
Zeilen 7544 — 7925. Auf der Fuhrt von Köln nach Hantone 
wird Bueves Schiff nach Orgueil verschlagen, und alle geraten 
in große Gefahr, da Oede, der grausame Herr des Landes, sie 
timbringen lassen will. Einen iuneten Zusammenhang mit der 
Haupthandlung hat diese Episode nicht, doch hat der Be¬ 
arbeiter einen äußeren dadurch herge.-tellt, daß er den Oede 
zum Bruder des von Rueve in Köln getöteten Hmdemer ge¬ 
macht hat (v. 7703; 7724 — 26; 7147—48; 7758; 78:49). Er 
hat aber die UnWahrscheinlichkeit übersehen, die darin liegt, 
daß Oede schon den Tod seines Bruders weiß, obwohl Bueve 
unmittelbar nach der Befreiung der Josiane abgefahren ist. 
Auffallend und ebenfalls nicht von großer Geschicklichkeit des 







X. Charakteristik unserer Fassung. 


137 


Verfassers zeugend ist sodann der Zug, daß Bueve, der von 
seinem Wirt auf die ihnen drohende Gefahr aufmerksam ge¬ 
macht wird und sofort weiterzufahren beschließt, sich durch 
Agopart von seinem Beschlüsse abbringen läßt, der das zube¬ 
reitete, leckere Mahl zu verspeisen wünscht {v. 7777 sq.). Letzterer 
rettet die Gesellschaft allerdings dann durch seine Kraft vor 
dem sicheren Tode. Um nun dem A^opart allein die Ehre 
des Sieges zukommen zu lassen, berichtet der Verfasser (v. 7852), 
die Leute Bueves hätten ihre Speere nicht gehabt, eine Angabe, 
die sich mit der vorangehenden Aufforderung, sich zu be¬ 
waffnen {v. 7826), die auch befolgt worden ist fv. 7829), schlecht 
verträgt 

Auffallend ist endlich der grobe Ton, den Soibaut und 
A popart gegeneinander anschlagen, der wohl darin seinen 
Grund haben soll, daß Soibaut sich auch gegen das Bleiben 
ausgesprochen hatte, der aber sonst in dem ganzen Gedichte 
nicht wiederkehrt {v. 7791 —94; 7812 — 15; 7816—23). 

2. Ein weiterer Einschub ist die Maxin-Episode, welche 
auf zwei Stellen, die Verse 10391 —10588 sowie 11277—11371, 
verteilt ist Maxin ist ein junger Grafensohn, welcher aus 
seinem väterlichen Erbe Clöecestre vertrieben worden ist, aber 
durch Bueve in den Stand gesetzt wird, sein Land wieder zu 
erobern und aus Dank den ß. von Todesgefahr errettet, indem 
er sich zum Gerichtskampf für ihn erbietet Auch hier kommen 
einzelne Unaufmerksamkeiten und Ungeschicklichkeiten vor. So 
erfahren wir in v. 10417 —10419, daß alle Verwandten den 
Maxin im Stich gelassen und ihn aus seinem Besitz vertrieben 
haben, in v. 10548 sq. dagegen, als er in sein Land zuriiekkehrt, 
daß sie ihm alle zu Hülfe gekommen sind, ohne daß dieser Um¬ 
schwung irgendwie erklärt wird. Auffällig ist auch, daß er in 
diesem Eroberungszuge außer in dem ersten von ihm ange¬ 
griffenen Schlosse keinerlei Widerstand findet (v, 10569sq.). Als 
er sein Land in Besitz genommen, begibt er sich ohne einen 
anderen Grund, als um Bueve zu besuchen (v 11287), nach 
London und trifft dort gerade in dem Augenblick ein, als Bueve 
gehängt werden soll (v. 11297 — 98). Der König hatte näm¬ 
lich ohne weiteres den Befehl dazu gegeben, obwohl er nach 









1.38 


X. Charakteristik unserer Fassung, 



dem damaligen Feudalrecht garnicht dazu befugt war, und 
keiner der Barone hatte dagegen Widerspruch erhoben. Dies 
alles ist recht unwahrscheinlich und ist gewissermaßen an den 
Haaren herbei gezogen, um Maxins Tat in möglichst hellem 
Lichte erscheinen zu lassen. 

Auch hier ist versucht worden, die Episode mit den älteren 
Teilen in Verbindung zu bringen. Nach der Angabe des Be¬ 
arbeiters haben nämlich Rohart und Amauri Maxins Vater 
vergiftet und ihn selbst um sein Erbe gebracht, indem sie ihn 
beim Könige verleumdet haben (v. 11411 —16), also dieselben 
Verräter, denen auch Bueve sein Unglück verdankt hat 

Die Einfügung dieser Episode in die Erzählung hat nun 
aber auch einige Veränderungen in der eigentlichen Handlung 
nötig gemacht. Während in den anderen Fassungen der König 
mit Bueve und den Baronen Uber des ersteren Schuld ver¬ 
handelt, erklärt er hier sofort, er werde Bueve hängen lassen 
(v. 11244), und auffallenderweise wagt keiner der Barono Ein¬ 
spruch zu erheben, was um so befremdender ist, als die zehn 
Großen, die ihn zum Könige geholt haben, ihm ihre Hülfe 
ausdrücklich zugesichert hatten {v. 12217—18). Die Rettung 
wird hier ausschließlich dem Maxin zugeschrieben. Er stellt 
den König zur Rede, und nun erklärt sich dieser plötzlich be¬ 
reit, Bueves Sache dem Urteil der Barone zu unterbreiten. 
Maxin erbietet sich als Kämpe Bueves, aber keiner der Barone 
wagt die Herausforderung anzunehmen, sie erklären vielmehr 
plötzlich alle Bueve für unschuldig, und nun fügt sich der 
König ohne Widerspruch. Diese llarstellung zeugt nicht von 
großer Erfindungsgabe. 

3. Eine weitere, höchst umfangreiche Interpolation findet 
sich in dem Bericht über Yvorins Einfall in Hermenie, sie umfaßt 
die Zeilen 13280 —15088. B. trifft mit Josiane, seinem Söhn- 
chen und Soibattt in Hermenie ein, er erobert hintereinander 
zwei feindliche Türme, doch fällt der Knabe in die Hände der 

I 

Heiden, wird zu Yvorin gebracht, und während Bueve nach 
Aubefort reitet, um Hülfe zu holen, belagert Yvorin die Josiane 
in dem einen Turm und droht ihren Sohn zu töten, steht aber 

i i * f 

infolge einer List Josianes davon ab, und nun langt Bueve 











X. Charakteristik unserer Fassung, 


139 


mit König Hermin und dem rettenden Heere rechtzeitig an. 
Dies ist nicht ungeschickt erdacht und ansgeführt, aber, wie wir 
sehen werden, begegnen uns in der Ausführung einzelne Mängel. 

Zunächst ist bemerkenswert, daß Josiane sich tätig mit 
den Waffen in der Hand an den Kämpfen beteiligt, worüber 
unten die Rede sein wird (s, „Weitere Merkmale“ e). 

Ein anderer Zug, der uns hier entgegentritt, ist der, daß 
Bueve den Sarazenen gegenüber möglichst mit Güte auszu¬ 
kommen sucht; so zunächst mit dem „prevost“ (v. 13527—30; 
13 541—47), dann aber auch den ihn angreifenden 15 Sara¬ 
zenen gegenüber, wo diese Taktik noch weniger angebracht 
erscheinen mußte (v. 13823 — 34). 

Auch dieser Einschub enthält wiederum manche Mängel. 
Ungeschickt und etwas verworren ist bereits die Einleitung 
dazu, d. h. die Reise Bueves und der Seinigeo von Sivele bis 
Hermenie, wie in der Anmerkung zu v. 13233 nachgewiesen 
worden ist. Sodanu finden wir in dem Bericht selbst manche 
Unwahrscheinlichkeiten. Dahin gehört, daß Bueve es fertig 
bringt, allein mit Soibauts Hülfe zwei befestigte und gut ver¬ 
teidigte Türme zu nehmen, weiter, daß er sich recht plump 
zweimal von den Feinden hinters Licht führen läßt, nämlich 
zuerst, als er sich auf eine falsche Behauptung hin mit den 
Seinen in den feindlichen Turm begibt, obwohl er weiß, daß 
dieser von Sarazenen besetzt ist (v. 13505—17); in eine ähn¬ 
liche i’alle läßt er sich dann, diesmal mit Soibauts Zustimmung, 
später noch einmal locken, indem er der betrügerischen Ver¬ 
sicherung dreier Sarazeneu Glauben schenkt (v. 13 671—711), 
ja unbegreif!ickerweise vertraut er diesen sogar sein Kind an 
(v. 13833—55), eine Handlungsweise, welche der Dichter selbst 
wiederholt für töricht und unverständig erklärt (v. 13841, 
13856, 14007). Auffällig ist auch, daß Hermin, als Bueve 
bei ihm erscheint, weiß, daß dieser in dem Kerker zu Damaskus 
viele Qualen hat ausstehen müssen, aber dann entkommen ist 
(v. 14613—16). Dies konnte wohl der Dichter, nicht aber der 
König wissen. Einer anderen kleinen Unaufmerksamkeit des Ver¬ 
fassers ist es zuzuschreiben, daß, obwohl von den drei Sara¬ 
zenen, die mit Bueves Sohn in dem ersten Turm zurückgelassen 
















140 


X. Charakteristik unserer Fassung. 


sind, einer sich mit dem Knaben entfernt (v. 14T26) und ein 
zweiter von Soi baut getötet wird (v. 14279), dennoch gleich 
darauf von noch zwei anderen die Rede ist (v. 14383). Auf¬ 
fällig ist endlich folgende Einzelheit: Oer Heide, welcher Bueves 
Sohn zu "Yvorin bringt, behauptet, dieser habe einst, als der 
Knabe zusammen mit seiner Mutter ihm überbracht worden sei, 
geschworen, er solle sein Nachfolger werden, falls er Moham¬ 
medaner werden wolle (v, 14871—74). Diese Bemerkung soll 
unzweifelhaft darauf hinweisen, daß Yvorin in der Tat später 
einem von Bueves Söhnen sein Reich vermacht, aber von 
jenem Schwur ist in dem Gedichte vorher kein Wort gesagt 
worden. 

Unser Abschnitt hat jedoch auch Vorzüge aufzuweisen. So 
erklärt Soibaut, als Yvorin der Josiane droht, ihren Sohn zu 
töten, falls der Turm ihm nicht übergeben werde, sich sofort 
bereit, allein hinauszueilen und den aussichtslosen Kampf auf¬ 
zunehmen, ein Opfer, das Josiane aber ebenso hochherzig ab¬ 
lehnt (14 981—92), Erfrischend wirbt sodann zwischen den 
unendlichen Kampf berichten ein kleines Genrebild: Yvorin läßt 
durch einen Boten Bueves Böhnchen holen, um ihn umzubringen. 
Als jener in das Zelt kommt, in welchem der Knabe bewacht 
wird, erfahren wir, daß dieser sich bei all den rauhen Kriegern 
beliebt gemacht hat, und er wird uns nun geschildert, wie er 
friedlieh und nichts Böses ahnend mit einem kleinen Bogen 
spielt, nämlich damit Schießübungen macht (v. 14=821 - 29). 
Er hat auch das Herz seines Wächters in so hohem Maße 
gewonnen, daß dieser vor Yvorin warm für ihn eintritt 
(v. 14863 — 94). 

In stilistischer Hinsicht ist zu erwähnen, daß, während 
der Verfasser in den Interpolationen sonst eine nicht unbe¬ 
deutende Mrzählungs- und Darstell ungsgabe an den Tag legt, 
hier die Erzählung stellenweise recht weitschweifig und um¬ 
ständlich ist, auch die Sprache viele Flickwörter und -Wen¬ 
dungen sowie herkömmliche Phrasen aufwei-4. Dieser Fehler 
tritt in einigen Abschnitten so auffällig hervor, daß diese viel¬ 
leicht später von einem ungeschickten Kompilator eingefiigt 
worden sind. 





















X. Charakteristik unserer Fassung. 


141 


Auch hier sind durch den Einschub einige Änderungen 
in der Haupterzählung veranlaßt worden. Da Bueve nach dein 
Plane des Bearbeiters bei seinem Zuge nach Hermenie nur von 
Soibaut, Josiane und dem kleinen Sohn begleitet sein sollte, 
so mußte er auch allein mit diesen aus Sivele wegfahren 
(v. 1321t —13). Er hat daher hier niemanden aus England 
herkommen lassen, und er fährt auch nicht zuerst nach Eng¬ 
land, sondern über Italien sofort nach Hermenie (v. 13253), in 
welches Yvorin inzwischen eingefallen war (v. 13255 — 57). 
Der Solin, den Josiane durch ihre Umsicht vom Tode gerettet 
hat, wird dann später vou dem Krieger, dem er anvertraut 
worden ist, an Bueve ausgeliefort, der beide zu Josiane in den 
Turm bringt {v. 15222 — 76). 

4. Die nächstfolgende Interpolation (v. 15685 —16365) hat 
den Zweck, dem jungen Bueve, welcher zu Yvorins späterem 
Nachfolger erklärt worden ist, Gelegenheit zu geben, seinen 
späteren Untertanen Beweise seiner kriegerischen Tüchtigkeit 
zu geben. Yvorin bittet den Vater nämlich um Hülfe gegen 
ein heidnisches in sein Land eingebrochenes Heer, und Bueve 
erfüllt sogleich diese Bitte, verabredet auch mit Yvorin einen 
gemeinsamen Angriff auf das heidnische Heer; die Feinde werden 
vernichtet, aber Yvorin wird tödlich verwundet. n diesen 
Kämpfen ist nun dem jungen Bueve eine hervorragende Rolle 
zuerteiit. Er ist es, der sofort seinem Vater rät, die erbetene 
Hülfe zu bringen (v. 15703—4), und dieser fordert ihn dann 
ausdrücklich zu tätiger Teilnahme auf (v. 15 768—69); auch 
Josiane gibt ihm Verhaltungsmaßregeln (v. 15792 — 802). Yvorin 
hebt seinen Truppen gegenüber hervor, daß bei dem zu Hülfe 
herbeiziehenden Heere sich auch der junge Bueve befinde 
{v. 15948). Als Yvorin dann den verabredeten Ausfall macht, 
fordert Bueve seinen Sohn auf, ebenfalls anzugreifen (v. 15590 
bis 92), und es wird nun geschildert, wie er die Rüstung an- 
sein Pferd besteigt, wie sein Vater ihm dann Weisungen 
sowie Ratschläge erteilt und ihm den Befehl über eine Abtei¬ 
lung von 3000 Streitern überträgt (v. 16004—34). Der Jüng¬ 
ling tötet darauf auch verschiedene Feinde, wird aber vom 
Pferde geworfen und nur durch die Dazwischenkunft seines 


142 


X. Charakteristik unserer Fassung. 


Vaters 1) er ausgehauen und wieder beritten gemacht (v. 16035 
bis 98). Es folgen neue Taten des jungen Ritters, doch wird 
11 er wieder vom Pferde gestoßen und vom König Turcant ge- 

‘ fangen fortgeführt; aber diesmal kommen Yvorin und der alte 

Bueve ihm zu Hülfe, wobei jener schwer verwundet wird, wäh¬ 
rend dieser ihn befreit (v. 16117—280). Der tödlich getroffene 
Yvorin wünscht Buevonet sogleich krönen zu lassen (v. 16 310 
| bis 12), doch geschieht dies erst nach Yvorins Tod (v. 16321 

• bis 26), worauf der junge König sich von seinem heimkehren- 

) den Vater verabschiedet, ihm Grüße für die Mutter aufträgt 

und seinen baldigen Besuch in Aussicht stellt (v. 16333 — 38). 

Die Erzählung hält sich im ganzen von Ungeschicklich¬ 
keiten und Unwahrscheinlichkeiten frei, weist sogar einige 
Züge auf, die von guter Beobachtungsgabe zeugen oder sonstige 
Vorzüge haben. Als z. B. Yvorin Bueves Hül fever sprechen 
erhalten hat, sendet er ihm in der Erkenntnis, daß für den 
Seetransport eines Heeres vor allem eine beträchtliche Flotte 
i erforderlich ist, sofort 15 Dromonen, und diese erweisen sich 

in der Tat dem Bueve als sehr willkommen, da dieser gerade 
um Schiffe iu Verlegenheit war (v. 15732—63). In dem Augen¬ 
blick, wo das Heer sich einzuschiffen anschickt, ruft Josiane 
sf 1 ihren Sohn beiseite und schärft ihm ein, ja gnt auf seinen 

Vater zu achten und für ihn zu sorgen, was der Sohn auch 
feierlich verspricht (v. 15791 — 801). Dieser echt weibliche 
Zug treuer Fürsorge für den ausziehenden Gatten zwischen den 
vielen Kampfesschilderungen berührt höchst angenehm und ist 
nach dem Leben gezeichnet. Ebenso berührt es sympathisch, 
daß Bueve des auf den Tod verwundeten Yvorins Anerbieten, 
den jungen Bueve, noch ehe er selbst gestorben sei, krönen 
zu lassen, ablehnt mit der Begründung, er wünsche, daß jener 
als König und im Besitze seiner vollen Herrschermacht sterbe 
(v. 16310—15). 

Die Änderungen, die durch unseren Einschub in den 
älteren Teilen des Gedichtes hervorgerufen worden sind, be¬ 
stehen in folgendem: 1. Da dem jungen Bueve von dem Bear¬ 
beiter eine hervorragende kriegerische Rolle zugedacht war, so 
begann letzterer damit, dessen Ritterschlagung mit den sich 







X. Charakteristik unserer Fassung. 


143 


daran schließenden Festlichkeiten und sonstigen Veranstaltungen 

* i 

ausführlich zu schildern, wobei der junge Ritter sich vor allen 
auszeiehnet (v. 15547—654). 2. Der in dem früheren Kriege 

besiegte Yvorin ist nicht nur Christ geworden, sondern hat 
sich auch dazu erboten, den gleichnamigen Sohn Bueves als 
seinen Nachfolger zu bestimmen, da er keine Kinder habe 
(v. 15374 — 77, 15382 — 84, 15423 — 25, 15452). 3. Um die 

Rolle des jungen Königs noch weiter auszudehnen, erfahren 
wir dann, nachdem er die iEerrschaft in Monbrant angetreten 
hatte, noch von einem feierlichen Besuche desselben bei seinen 
Eltern in Hermenie (v. 17805—840). 

5. Der Einschub v. 16370—17804 berichtet die Schick¬ 
sale desjenigen von Bueves Zwillingssöhnen, den der Vater bei 
seiner Flucht am Meer in ein Boot gelegt hatte. Er wird von 
einem Fischer gefunden, Gui genannt und erzogen, erfährt 
seine Herkunft, entflieht, als er Kürschner werden soll, und 
gelangt schließlich zum Könige von Frankreich, der ihm mit¬ 
teilt, die Barono von England hätten seinem Vater die erledigte 
Königswürde angetragen, und nun sucht er im Aufträge des 
französischen Königs seinen Vater, dessen Aufenthaltsort er in 
Sivelc erfährt. In diesem Bericht findet sich wiederum eine 
Interpolation, einen Einfall des Königs Malagus in Sivele be¬ 
handelnd (v. 16926 —17492), der dem Gui Gelegenheit geben 
soll, Beweise seiner kriegerischen Tüchtigkeit abzulegen. 

In diesem Einschub schreitet die Erzählung fast durchweg 
ohne Abweichungen und ohne Weitschweifigkeit fort. Das 
Wiedersehen mit den Eltern und das gegenseitige Kennenlernen 
der so lange getrennt gewesenen Familien gl ied er ist spannend 
und ergreifend geschildert. Bemerkenswert ist noch, daß auf 
dem von Gui erbeuteten seidenen, mit Gold durchwirkten Zelte 
des feindlichen Emirs „die fünfzehn Zeichen*, d. h. die, welche 
auf das Nahen des jüngsten Gerichts hinweisen, sowie andere 
Gegenstände in Stickerei dargestellt waren (v. 17454—57). 

Im einzelnen bat der Bearbeiter aber auch hier wieder 
einige Anzeichen von Unaufmerksamkeit gegeben. So teilt der 
Fischer dem Findling mit, er sei von seinem Vater Öueve de 
Hantone, der vom Könige aus dem Lande vertrieben worden 


















144 


X. Charakteristik unserer Fassung. 


war, in das Boot gelegt worden (v. 16403 — 7), obwohl der 
rischer alles dies unmöglich wissen konnte. Ebenso wird in 
v. 16760 Torant als Wohnort des Fischers genannt, wovon 
vorher nie die Rede gewesen ist, und das nach v. 17822 in 
Hermenie liegen muß. Der Fischer selbst heißt in v. 11938 
und 12847 Fuuquerant, später, v. 16377 und 16 767, Gui. Als 
Gui dem Bürger von Verton als Lohn für früher erwiesene 
Dienste ein Pferd schenkt, läßt der Dichter ihn hin zu fügen: 
Dona le moi li abes Josiies, De Hongerie fu l'aulr’ier amene 
(v. 16674—75). Er hat vergessen, daß Gui mit einem ihm 
unterwegs geschenkten i’ferde zum Könige von Frankreich ge¬ 
kommen war und daß er alles, was er jetzt mitführte, von 
diesem erhalten hatte. 

Andere Einzelheiten sind auffällig. So hat 'hierri von 
Sivele dem Gui mitgeteilt, seines Wissens befanden Bueve und 
Josiane sich in Aubefort bei König Hennin (v. J6ö80 — 82); 
trotzdem begibt sich Gui nicht dorthin, sondern nach Italien, 
erfährt hier von einem Kreuzfahrer, daß dieser den Bueve in 
Aubefort getroffen habe {v, 17 564—88), und zieht nun erst 
nach Hermenie (v. 17598 sq.). Als sodann dem Bueve die 
Ankunft zweier Ritter gemeldet wird, erklärt er sofort: Je croi 
k'il soient nostre ami li plus chier (v. 17682), obgleich nicht 
der geringste Anlaß zu dieser Vermutung vorliegt. 

Am auffälligsten aber ist der Versuch des Bearbeiters, in 
dieser Interpolation Frankreich hervortreten zu lassen und den 
französischen König über andere zu erheben. Zunächst wird 
Rueves Sohn Gui selbst zu einem Franzosen gemacht. Als 
rhierri von Sivele ihn fragt: } ,Fustes vos nes en France?“, ant- 

V ■ 

wortet er: „Oil, voir, sire“ (v. 16868 — 69); demnach sagtThierri 
von ihm „est de France nes“ (v. 17045) und er selbst erklärt 
seinem Gegner: „De France sui“ (v. 17163), sagt auch zu 
seinen Leuten: „De France sommes“ (v. 16979), und so begegnet 
diese Angabe oder die Benennung Francois, Franc sehr oft, 
z. B. v. 17045, 17137, 17 161, 17229, 17314, 17362, 17389, 
17396, 17435, 17446, 17 461, 17465, 17474, ja auch seinem 
Vater gegenüber verwendet er sie, wo er sogar das typische 
Beiwort gebraucht „de douce France“ (v. 17 749). Eigentüm- 





X. Charakteristik unserer Fassung. 


145 


licherweise ist auch sein und seiner Leute ''eldgeschrei das 
auch sonst bei den Franzosen gebräuchliche „Monjoie. ft \ z. B. 
v. 17 312, 17 329, 17431. So ist es denn auch erklärlich, daß 
das Volk der Franzosen mit begeisterten Worten gepriesen wird 
(v. 16980—81). Aber der Bearbeiter begnügt sich nicht hier¬ 
mit, er macht sogar den König von Frankreich, der in Orleans 
wohnt (v. 16 538, 16540) und auch König von Monloon genannt 
wird (v. 16 618, 16624), zum Lehnsherrn über England. Als 
die englischen Gesandten von ihm den Bueve als König er¬ 
bitten (r. 16566 — 70), sichert er dem jungen Gui zu: iSe de 
Buevon ne savons la verte, Je vos donrrai iceste roiauie 
(v. 16574—75), und dementsprechend berichtet denn auch Gui 
seinem Vater: Li rois de France vous a le don donni (sc. von 
England, v. 17 754), 

Eine, allerdings lose, Verbindung der Interpolation mit 
den älteren Teilen des Epos ist dadurch hergestellt worden 
daß der Erzbischof von Lyon mit dem Abt Savari, einem rechten 
Vetter des Gui von Hantone, identifiziert wird (v. 18548 — 59), 
welcher den Bueve durch wunderkräftige Äpfel vor dem Ver¬ 
giftungstode gerettet hat (v, 1458 sq). Sodann bat dieser Ein¬ 
schub noch einige weitere Zutaten veranlaßt So erfahren wir, 
als der junge Bueve, nachdem er König von Monbrant ge¬ 
worden, zum Besuch nach Aubefort kommt, daß die Mutter 
ihn mit seinem inzwischen wiedergeftmdenen Bruder bekannt 
macht, wobei beide lebhafte Freude äußern (v. 17851 — 64). 
Später teilt der König den englischen Baronen mit, er habe 
den jungen Gui auf die Suche nach seinem Vater geschickt 
(v. 18725 — 29). 

Um nun die in Rede stehende Interpolation zu ermög¬ 
lichen, hat der Bearbeiter in dem alten Gedichte eino Ände¬ 
rung vornehmen müssen. Während nämlich in den beiden 
anderen festländischen Fassungen, daher vermutlich auch in 
deren Vorlage, die beiden neugeborenen Zwillinge bei der 
Mutter bleiben, läßt er dies nur mit einem derselben geschehen, 
berichtet also (v. 11607 —8), daß die Sarazenen zugleich mit 
Josiane nur ein Kind wegführten, das andere aber in einem 
)} cainse“ vergaßen, was nicht sehr wahrscheinlich anmutet. 

Stirn ming^ Boevo de Hantone. 10 


















146 


X. Charakteristik unserer Fassung. 


Demnach findet Bueve bei seiner Rückkehr auch nur dies Kind 
vor (v. 11626 — 28), und Josiane berichtet dem Soibaut, sie 
habe nur eines der beiden Kinder bei sich, wisse auch nicht, 
was ans dem andern geworden sei (v. 11860—61, 11864). 
Bueve überlegt nun mit Thierri, was er mit dem Kinde machen 
soll, und bringt es dann an das Meeresufer, wo er es in ein 
Boot legt (v. 11644—54). Dort findet es der Fischer Fouque- 
rant, bringt es seiner Frau, und beide beschließen, es zu be¬ 
halten und aufzuziehen (v. 11982 — 53). Dementsprechend 
gedenken denn auch spater Bueve und Josiane mehrfach in 
Wehmut dieses von ihnen durch die Not gezwungen im Stich 
gelassenen Sohnes (v. 15578—79, 15610 —15, 15649 — 50, 
15660— 65, 16363 — 65). 

6. Mit den großen Interpolationen ist auch das Schlu߬ 
kapitel zu behandeln, da in der Schilderung der letzten Schick¬ 
sale des Helden alle Fassungen auseinander gehen, daher auch 
die oben erzählten Ereignisse sich uur in unserem Gedichte 
finden. Wir erfahren hier folgendes; Bueve begibt sieh nach 
England und wird zum König gekrönt. Als nach fünf Jahren 
Josiane gestoiben war, läßt er seinen Sohn Bueve von Sivele 
als künftigen Herrscher krönen, entflieht heimlich und wird in 
einem Walde Klausner. Nach weiteren fünf Jahren kommen 
seine beiden anderen Söhne nach ijondon, finden ihn im Walde 
sterbend und begraben ihn in St. Wistace (v. 17876—19127). 
Innerhalb dieses Berichts sind noch folgende selbständige Be¬ 
standteile eingeschoben: 1. die Schicksale des Gui als König von 
Herrnenie (v. 17 991—18004); 2. die des jungen Bueve als König 
von Hermenie und von Monbrant (v. 17977 — 90; 18005 — 32); 

3. die späteren Schicksale von Bueves Söhnen (v. 18009 — 32); 

4. die Otranto* Episode; Bueve wird auf der Fahrt nach Eng¬ 
land nach Otranto verschlagen und hilft dem dortigen König 
Simon im Kampf gegen Heiden {v. 18033 — 514); 5, Soibaut 
erhält Han tone und stirbt bald darauf (v. 18840 — 62). Auch 
hier hat der Bearbeitet den Versuch gemacht, seine Zutaten 
mit den alten Teilen des Gedichts innerlich zu verbinden. Zu 
diesem Zwecke hat er einmal den Fausseron, den Otranto an¬ 
greifenden heidnischen König, zum Bruder des von Bueve vor 








X. Charakteristik unserer Fassung. 


147 


Sevile getöteten König Danebu (v. 18279—82} und zum Neffen 
des Braidimont von Damaskus, der das gleiche Schicksal ge¬ 
habt hat (v. 18297 — 300, 18341 — 42), gemacht (v. 18279 — 82), 
sodann kann man auch hier den bereits oben (S. 115) erwähn¬ 
ten Zug anfilhren, daß der Erzbischof von Lyon, Bueves Vetter, 
mit dem Abt Savari (v„ 1458 sq.) identifiziert wird, indem er 
behauptet, er habe Bueve als Kind den Apfel geschenkt, der 
ihn gegen die Vergiftungsversuche seiner Mutter geschützt hat 
(v, 18555—59). Der Bearbeiter hat dabei übersehen, daß dieser 
Abt Savari zwar auch ein Vetter Bueves gewesen war, daß es 
von ihm aber ausdrücklich heißt, er habe am Hofe von Han- 
tone gelebt {v. 1458 — 79), 

Auch der in Rede stehende Teil des Gedichts hat manche 
Vorzüge aufzuweisen. Die Erzählung schreitet gut vorwärts, die 
Schilderungen sind meist geschickt und anschaulich. So ist der 
Abschied der Eltern, Bueves und Josianes, von ihren beiden 
Söhnen (v. 17 940 — 69) ergreifend dargestellt, auch die Worte, 
welche Bueve seiner Gattin bei deren Tode widmet (v. 18882—87), 
sind schön und warm empfunden. Besonders möchte ich folgende 
Schilderung eines Seesturmes hervorheben, die von bemerkens¬ 
werter Beobachtungs- sowie Darstellungsgabe zeugt und in der 
altfranzösischen Literatur selten ihres Gleichen findet: 

Une avespree lor est li tans imies, 

Tourble li airs, s’a un poi plouvine; 

Yers mie-nuit est li tans oscures, 

Uns vens leva grans et desmesures, 

La mers se tourble, forment a eseumc, 

Et ia nes torne, a poi no sont verso, 

Rompent les cordes, et li mast sont fröe, 

La nes croissi, li bort en sont tröe, 

Grant paour ont eil qui Tont gou verne, 

Saint Nicolai ont souvent reclamo 
Que il lor seit garans et avöes, 

Par sa meroi les maint a sauvete. 

Et li tonrmens les a si tost mene. 

Et $a et Ia, quant li vent sont torne; 

De si au jor a icil taus dure (v. 18040—-54). 

Im übrigen ist der bereits in dem letzten Einschub besprochene 

Versuch, der Dichtung eine möglichst französische Färbung zu 

10 * 













148 


X. Charakteristik unserer Fassung, 


geben und die Bedeutung des Königs von Frankreich zu heben, 
auch hier in erhöhtem Maße festzustellen. Auffallend ist schon 
Bueves Frage an seinen Sohn: Que fait li rois de France le 
regni? (v. 17879), da Bueve in dem ganzen früheren Gedichte mit 
Frankreich und dessen Könige nichts zu tun gehabt hat. Bueve 
erfahrt darauf, daß er zum König von England gewählt worden 
sei, daß der französische Herrscher ihm diese Würde zuerteilt 
habe und ihn zu sich entbiete (v. 17882 — 86, vgl. 18038). 
Als der König ihm dann entgegenreitet, kniet Bueve hei der 
Begegnung vor ihm nieder (v. 18675 — 78). Der König wird 
ausdrücklich als der Höchstgestellte bezeichnet und setzt sich 
dementsprechend beim Mahl zuerst nieder (v. 18698—99). Er 
sagt zu den englischen Baronen, sie hätten ihn gebeten, er 
möge den Bueve zu ihrem König machen (v. 18715 —16), und 
er werde diesem jetzt die Krone übertragen (v. 18731 — 32, 
wiederholt v, 18734 — 35 und 18740 — 41). Er zieht dann mit 
nach London, um Bueve einzusetzen, und nimmt auch in der 
englischen Hauptstadt bei der Prunktafel zuerst Platz, dann 
erst der neue König (v. 18003 — 4). Ja auch, als die Söhne 
Bueves zum Besuch nach London reisen, gehen sie zuerst 
nach Paris zum französischen Könige; dieser begleitet sie, und 
ihm erscheint auch der Engel, der Bueves Aufenthaltsort an¬ 
gibt (v. 19075—101). Auffallend ist, daß er den Kamen Karl 
Märtel führt und daß uns dieser erst gegen den Schluß und 
nur einmal genannt wird (v. 18780). Aus der Vorliebe des 
Bearbeiters für Frankreich erklärt es sich denn auch, daß der 
Erzbischof von Lyon, Bueves Vetter (v. 18525 — 27), derjenige 
von Sens sein Freund war (v. 18577 — 78). Ebenso versteht 
man, daß der Bearbeiter in Frankreich gut Bescheid weiß, daß 
er nicht nur Orte wie Lyon, Sens, Monloon, Gravelinghes, 
Boulogno u. a., sondern sogar das kleine Corbueil bei Paris 
(v. 18646) kennt. 

Einige Einzelheiten sind wieder auffällig, z. B. daß, als 
Gui seinen Vater gefunden und ihm den Auftrag des franzö¬ 
sischen Königs mitgeteilt hat, Bueve mit keinem Worte zu 
dessen Vorschlag Stellung nimmt (v. 17770 — 72) und auch 
später sich nicht danach erkundigt, sondern seinen Sohn fragt, 














X. Charakteristik unserer Fassung. 


149 


wie es den Königen von Frankreich und von England gehe 
(v. 17878 — 80), so daß Gui die ihm an vertraute Aufforderung 
noch einmal wiederholen muß (v. 1T881— 88); auffällig ist so¬ 
dann, daß weder der König Fausseron noch auch irgend einer 
seiner Barone Widerspruch dagegen erhebt, Christ zu werden 
(v. 18461 — 62). Endlich enthält auch unser Abschnitt wieder 
einen Beweis von der Unachtsamkeit des Bearbeiters. Als 
nämlich der französische König den Bueve zum König von 
England ernannt hat, sind Rohart und Amauri, wie wir erfah¬ 
ren, damit unzufrieden und suchen den König durch Geschenke 
zu bestimmen, die Ernennung rückgängig zu machen. Dieser 
aber befiehlt, die beiden gefangen zu setzen, und Bueve läßt 
sie sich vom Könige ausliefem und durch den Grafen von 
Cestre bewachen (v. 18749 — 72), worauf er sie nach seiner 
Ankunft in London hinrichten läßt (v. 18832 — 38). Der Bear¬ 
beiter hat dabei übersehen, daß bei dem Überfall auf Bueves 
Pferd bereits der eine der beiden Verräter sein Leben verloren 
hatte, nämlich von dem einen der Stallknechte getötet worden 
war (v. 11057 — 61). 

Außer diesen großen Interpolationen gibt es in der Fas¬ 
sung noch andere, die aber weniger umfangreich sind und die 
wir nunmehr kennen lernen wollen. 

7. Als Fromont und Rate den Bueve an russische Kauf- 
leute verkauft haben, kehren sie nach den andern Berichten sofort 
heim. Bei uns ereignet sich vorher folgendes. Die beiden 
nehmen Bueve die Binde von den Augen, und als er seine 
Lage erkennt , nennt er jene Verräter und droht ihnen spätere 
Rache an. Beide sind erschreckt, wollen das Kaufgeld zurück¬ 
geben und gehen mit Knitteln auf Bueve los, um ihn zu 
erschlagen. Er aber bittet die Kaufleute um Hülfe, und diese 
beschützen ihn, indem sie die 7ingreifer zurücktreiben (v. 1588 
bis 1617). 

8. Eine kleine, aber höchst drollige, fast humoristische 
Szene geht der Verfolgung Bueves nach seiner Flucht aus dem 
Kerker in Damaskus voran. Allein von allen festländischen 
Fassungen, aber in Übereinstimmung mit der anglonormanui- 
schen, schilt und schmäht Braidiniont seinen Gott- Mahomet 













150 


X. Charakteristik unserer Fassung. 


(v. 2900 — 05). Dann aber heißt es allein bei uns weiter: Mit 
Mühe rissen seine Leute ihm den Gott, d. h. dessen Bildsäule, 
aus den Händen und setzten ihn wieder auf seinen Stuhl. Da 
aber rief der im Innern des hohlen Körpers versteckte Priester 
laut aus: „Ist dieser Emir verrückt? Hat man es je erlebt, 
daß ein König seinen Gott so geschlagen hat? Ich werde es 
ihm heimzahlen.“ Ais der Emir unerwartet diese Stimme ver¬ 
nahm, fiel er, von Schrecken gepackt, auf die Knie und bot 
dem erzürnten Gott tausend Mark Gold als Buße an (v. 2906 
bis 24). 

9. Ais Bueve die zehn Räuber besiegt hat, findet er einen 
toten Pilger, begräbt ihn und wandert mit dessen Anzug be¬ 
kleidet weiter (v. 3456 — 74). 

10. Die Klage Josianes um Bueve und die Liebkosung des 
„vcnt de France“, wie wenn dieser ein Mensch wäre (v. 3566 
bis 99), wird hier kürzer wiederholt (v. 8740 —59). 

11. Schon auf der Seefahrt nach Köln erfährt Bueve von 
einem Vetter Soibauts, daß letzterer von Doon vertrieben sei 
und gegen ihn Krieg führe (v. 4600—29). 

12. In Köln nennt Bueve sich Derart und läßt seinen 
Oheim, den Erzbischof, schwören, gegen niemand seinen rich¬ 
tigen Namen zu nennen. Bald darauf trifft er auf der Jagd 
einen Pilger, der ihm berichtet, er sei sieben Jahre bei Yvorin 
im Kerker gewesen, und dessen Gattin Josiane habe ihn beauf¬ 
tragt, einen Ritter, namens Bueve, in Hantone aufzusuchen 
und von ihr zu grüßen. Er habe diesen aber in Hantone ver¬ 
geblich gesucht, sei dort vielmehr von Doon de Maience aus- 
geraubt worden. Gegen letzteren führe der alte Soibaut nebst 
zwei Söhnen, die aus dem Lande verjagt worden seien, Krieg. 
Bueve beschenkt den Pilger reich (v. 4665 — 735). Der Bear¬ 
beiter hat diese Geschichte erfunden und eingefügt, um Bueves 
Entschluß, dem Soibaut zu Hülfe zu eilen, zu begründen, da 
Bueve erst hieraufhin aufbricht. Er hat aber dabei vergessen, 
daß Bueve nach seinem eigenen Bericht schon auf der Seereise 
über Soibauts Krieg durch die Kaufleute, z. T. mit Überein¬ 
stimmung im Wortlaut, unterrichtet worden war (v. 4604—29), 
worauf er sogar dem Pilger gegenüber anspieit (v. 4712). 







X. Charakteristik unserer Fassung. 


151 


13. Während Bueve in allen anderen Fassungen von Köln 
sofort nach Han tone segelte, ritt er hier mit seinen Truppen 
zunächst nach Brügge, wo er eine Nacht bei einem Bürger 
natnens Sanson blieb, ein Schiff mietete und min erst nach 
England unter Segel ging (v. 4787 —99). 

14. In den ersten Kämpfen vor Hantone werden die beiden 
Yerräter Fromont und Hute nicht nur, wie auch in den übrigen 

'assungon, gefangen genommen, sondern auch öffentlich aus¬ 
gestellt und von den Vorübergehenden und anderen mißhandelt 
( T> 5144_54 ? 5174 — 83, 5197—207, 5363 — 69, 5405 — 10, 
5556 — 62, 6366 — 70), so daß Bueve die Leute hindert, den 
Fromont bei dieser Mißhandlung umzubringen, da er ihn für 
eine ganz besondere Strafe am Leben erhalten will (v. 5155 
bis 69); auch dem Soibaut verbietet er, den Fromont vorzeitig 
zu töten (v. 5184 — 96), und bereitet ihm sowie dem Hate in 
der Gefangenschaft grausame Qualen (v. 5479—506,6401 —16). 

15. Doon schiebt, um festzustellen, ob der in Soibauts 
Dienst getretene Söldner Bueve ist, einen Spion in die feind¬ 
liche Burg, doch vermag dieser nichts über die Frage in Er¬ 
fahrung zu bringen; er ergreift dann bei dem Anblick des 
eingekerkerten Fromont erschreckt die Flucht und berichtet 
über seine Unternehmung (v. 5273 — 412). 

16. Bueves Fahrt zur Josiane nach Köln hat bei uns eine 
Art von Vorspiel erhalten. Als jener sich dem Soibaut zu 
erkennen gegeben hat, fordert dieser ihn auf, nun auch die 
Dame aus Köln zu holen, und nachdem beide ein Schiff aus¬ 
gerüstet haben, fordert Soibaut nacheinander seine beiden 
Söhne Thierri und Roboan auf, während seiner Abwesenheit 
in Köln, wo er die heiligen drei Könige besuchen wolle, die 
Burg zu bewachen und ihrer Mutter zu helfen. Beide lehnen 
diese Aufforderung schroff ab und verlangen, selbst mitzugehen, 
während der Vater seines Alters wegen zu Hause bleiben solle. 
Als dieser seine Söhne deswegen züchtigen will, hindert ihn 
Bueve daran und erklärt, er wolle seine Fahrt aufschieben 
und vorher aufs neue Hantone angreifen (v. 5852 —930). Dieser 
Einschub ist völlig überflüssig und nicht sehr geschickt erfun¬ 
den; das Benehmen der Söhne gegen ihren Vater steht in 












152 


X, Charakteristik unserer Fassung, 


scharfem Gegensatz zu ihrem sonstigen Yerhalten, und man 
versteht nicht, warum Bueve von seinem festgesetzten Plane 
absteht. Dazu kommt, daß Roboan behauptet, sein Vater sei 
hundert Jahr alt {v. 5897) u. a. Dieser Einschuh hat den 
Bearbeiter dann zu einer späteren Änderung gezwungen. Als 
nämlich Bueve nachher wirklich mit Soibaut nach Kola fährt, 
kann dieser nicht gut noch einmal einen seiner Söhne mit 
seiner Vertretung beauftragen und so bestimmt er seinen Neffen 
Gerart dazu (v. 6434—44). Daß er die beiden Söhne mit¬ 
nimmt, erfahren wir hier nicht, wohl aber indirekt dadurch, 
daß sie bei dem Aufenthalt in Köln eine Rolle spielen (v. 7 347 
' u. a., v. 7518 u. a.). 

17. Während Bueve in Köln abwesend ist, unternimmt 
Doon einen Angriff, der sich auch nur in unserer Fassung 
findet. Bueve hat die Verteidigung der Burg Soibauts Frau 
Aalais und deren Neffen Gerart anvertraut. Doon greift an, 
lagert sich aber, da er keinen Erfolg bat, mit seinem Heere 
in einem nahe bei der Burg gelegenen Tale. Nun entwirft 
Aalais einen !> Ian zur Vernichtung dor Feinde. Sie macht den 
Gerart darauf aufmerksam, daß Soibaut oberhalb des Tales 
einen Weiher hat hersteilen lassen, der durch zwei Röhren aus 
einem Flusse gespeist werde, schlägt vor, das Wasser dieses 
Weihers auf das Lager horabstürzen zu lassen, und trifft sogleich 
selbst die dazu nötigen Vorkehrungen. Der Damm wird durch¬ 
stochen und brausend ergießt sich die Flut zu Tal, über¬ 
schwemmt das ganze Lager, so daß wenige der dort befind¬ 
lichen Truppen davonkommen. Als Doon von der Jagd heim¬ 
kehrt, findet er das ganze Lager zerstört (v, 6445 — 634). 

18. Während in den anderen Fassungen der Erzbischof 
von Köln in der Intrige gegen Bueve und Josiane sich passiv 
verhält, hat unser Bearbeiter ihm eine sehr tätige Rolle über¬ 
tragen. Er laßt, als er von dem angeblichen Tode Bueves 
unterrichtet worden ist, die Josiane zu sich rufen, teilt ihr 
in Gegenwart des falschen Pilgers mit, Bueve sei gestorben, 
und er werde sie mit Huidemer, der auch nur hier sein Neffe 
ist, verheiraten. Josiane erhebt lebhaften Widerspruch, und 
der hinzukommende Ariopart packt den Fremden und zer- 












X. Charakteristik unserer Fassung. 


153 


schmettert ihn an einem Pfeiler. Als der Erzbischof A<jopart 
verhaften lassen will, bedroht dieser auch ihn, so daß er den 
Befehl zurücknimmt und sogar seinem Neffen rät, seinen 
Heiratsplan aufzugeben, dann aber, als jener bei seinem Ent- 
Schluß bleibt, ihm die Josiane aufs neue zusagt und den Pilger 
begraben laßt. Am nächsten Morgen lügt Huidemer der Josiane 
vor, er stehe von seinem Plane ab, worauf sie ihm dankt 
{v. 6845—991). Nachdem dieser nun den A^opart ein gesperrt 
hat, was auch in den anderen Fassungen vorkommt (v. 6892 
bis 7052), verlangt er aufs neue die Hülfe seines Oheims, und 
wirklich läßt dieser die Josiane wieder holen und verlobt sie 
trotz ihres Sträubens mit Huidemer. Letzterer teilt dies seinen 
Baronen mit und beSehlt die sofortige Trauung. Mit Mühe 
vermag Josiane einen Aufschub von vier Tagen durch zusetzen, 
aber nach deren Ablauf wird die Hochzeit pomphaft vorbereitet, 
Josiane wird mit Gewalt in reiche Gewänder gekleidet und 
zur Peterskirche geschleppt. Hierauf folgt eine genaue Schilde¬ 
rung aller Einzelheiten der Trauung, bei welcher es schließlich 
zu blutigen Tätlichkeiten zwischen den beiden zu Vermäh¬ 
lenden kommt (v. 7053 — 7219). 

19. Bueve erobert Hantone (v. 8397 — 695). Als er er¬ 
fährt, daß Doon nach London gegangen war und sich das 
Vertrauen des Königs erschmeichelt hatte, beschließt er, zu¬ 
nächst das Erbe seiner Väter zurückzuerobern. Als er nun 
mit einem Heere heranrückt, überredet seine Mutter die ver¬ 
sammelten Bürger nicht ohne Mühe, sich zu ergeben, eilt ihm 
selbst, ebenso wie eine Abordnung der Bürger, entgegen und 
bittet ihn unter dem Bekenntnis ihrer Schuld um Gnade. Als 
Soibaut ihren Tod verlangt, lehnt Bueve dies ab, verzeiht ihr 
den Tod seines Vaters, indem er ihr ernste Reue empfiehlt; er 
läßt sie bewachen und später als Nonne in das St. Priv£ kl oster 
eintreten. Den Bürgern verzeiht er ebenfalls und hält einen 
feierlichen Einzug. Nunmehr läßt er Josiane von der Burg 
herüberholen und beschließt auf ihren Rat, nach London zu 
gehen und Doon beim Könige des Mordes an seinem Vater zu 
zeihen. Vor der Ausführung dieses Planes läßt er die Be¬ 
festigungen von Hantone verstärken. Diese Episode findet sich 
























154 


X. Charakteristik unserer Fassung. 


in keiner der festländischen Fassungen; nirgends hören wir hier 
von einer Einnahme seiner Heimatsstadt. In der agn. Fassung 
findet sie sich zwar, aber erst nach Bueves Wiedereinsetzung 
in alle seine Würden und Besitzungen durch den König. Die 
Auseinandersetzung mit der Mutter findet in den anderen fest¬ 
ländischen Fassungen erst nach Bueves Sieg über Doon statt, 
und die Strafe ist eine ganz andere, viel strengere; in dem 
agn. Gedicht stürzt sich die Mutter von einem Turm herab. 

20. lu unserer Fassung allein gelingt es dem Doon, in 
dem Zweikampf dem Bneve zwei, allerdings nicht schwere, 
Wunden beizubringen (v. 9595 — 607 und 9769—73). Infolge¬ 
dessen läßt der König sich angelegen sein, letzteren durch 
seine beiden Leibärzte Sabel und Salatrö heilen zu lassen, was 
in zwei Wochen gelingt (v, 9916—30). 

2L Ein weiterer Zug, den nur unsere Fassung kennt, ist 
der, daß, als Buove zu dem Feste nach London zieht, Josiane 
ihn auf die besondere Einladung des Königs hin begleitet, da 
Soibaut dazu rät, obwohl sie in gesegneten Umständen ist 
(v, 10278—311). Auch sie empfängt der Königsehr ehrenvoll 
(v. 10334 — 49) und unterhält sich sogar besonders vertraulich 
mit ihr (v. 10358 — 64). Sie w r arnt ihren Gatten eindringlich 
vor der Teilnahme am Wettrennen, da er am Hofe so schon viele 
Feinde habe und er lieber armen Rittern den reichen Preis 
des Rennens überlassen solle (10704—21); selbstverständlich 
vergeblich, da das Rennen zur Erzählung gehört, Er teilt ihr 
dann auch seine Verurteilung mit, und beide Gatten kehren 
betrübt nach Hantone zurück (v, 11411—450). 

22. Während sodann von dem Prinzen der Anschlag auf 
Arondel unternommen wird, ist Bueve bei uns ausgeritten, um 
sich zu ergötzen (v. 10585—88), und so ist er denn auch bei 
der Ankunft der Trauerbotschaft am Hofe nicht anwesend, son¬ 
dern erfährt sie zu seinem Entsetzen erst, als er nach seiner 
Heimkehr dort eintrifft (v. 11118—129). 

23. Einzig der Bearbeiter unseres Gedichtes hat bei der 
Verhandlung über Bueves Schuld am Tode des jungen Königs¬ 
sohnes auch der Königin eine Rolle zuerteilt, ja er hat diese 
Figur sogar selbst zu diesem Zwecke erfunden und in das 







X. Charakteristik unserer Fassung. 


155 


Epos eingeführt, wo sie allerdings weder vorher noch nachher 
wieder auftritt. Sie sucht den Schmerz ihres Gatten zu lindern 
und ihn von dem harten Vorgehen gegen ßueve durch die Vor¬ 
haltung ab 2 ubringen, daß der Täter doch ein unvernünftiges 
Tier sei, welches gegen seinen eigenen Herrn nicht anders ge¬ 
bandelt haben würde. Sie vermag nichts auszurichten und muß 
schließlich schweigen (v. 11148 —171). 9 

24. Aus der gemeinsamen Suche Soibauts und Josianes 
nach Bueve sind bei uns zwei verschiedene, durch eiue Zwischen¬ 
zeit von sieben Jahren, getrennte Handlungen gemacht worden, 
indem die eigentliche Suche, bei welcher Josiane sich als Spiel¬ 
mann verkleidet, hier ein Vorspiel erhalten hat. Als die Dame 
nämlich in St. Gilo durch Soibaut aus der Hand der Sarazenen 
befreit ist, fordert letzterer sie auf, gemeinsam nach Bueve zu 
suchen. Josiane willigt ein und nimmt ihren Sohn mit, doch 
hat ihr Forschen keinen Erfolg (v. 11891— 931). Da werden 
sie einst auf dem Meere durch einen Sturm nach Hantone ge¬ 
trieben, wo Soibaut von einer Krankheit ergriffen wird, die 
erst nach sieben Jahren weicht (v. 12108—33). Als er genesen, 
bittet er Josiane, mit ihrem Sohne in Hantone zu bleiben, wäh¬ 
rend er selbst Bueve suchen wolle. Erst auf ihre wiederholte 
Bitte, sie beide mitzunehmen, willigt der Alte ein und fordert 
sie auf, sich für die Fahrt zurechtzumachen (v. 13 542 — 94). 

25. Eine ganz eigenartige Episode ist im Anschluß an 
die Schilderung der erzwungenen Hochzeit Bueves mit der 
Königin von Sivele, die ausschließlich in unserem Gedicht ei non 
Namen, Vencadousse, führt, eiogeschoben worden. Während 
nämlich in allen übrigen Fassungen Bueve bei seinem Vorsatze, 
seiner jungen Frau sieh zu enthalten, bleibt, wird er bei uns 
demselben bereits in der zweiten Nacht untreu. Als sie über 
das Fehlen der Lüebesfreuden klagt, redet er ihr vor, bei einem 
Liebesabenteuer sei er durch einen gewaltsamen Überfall seiner 
Geschlechtsteile beraubt worden. Als sie darauf in neue Klagen 
ausbricht mit der Begründung, sie habe Bueve nur zu dem 
Zweck geheiratet, um einen Erben für ihr Land zu bekommen, 
wird Bueve anderen Sinnes; er bindet ihr jetzt die weitere 
Erfindung auf, ein Prophet habe ihm ge weissagt, er könne 


















156 


X. Charakteristik unserer Fassung. 


durch den Verkehr mit einer reinen Jungfrau seine Mannes¬ 
kraft wiedererlangen, und als die Königin jenes zu sein ver¬ 
sichert, liegt er ihr bei und erzeugt mit ihr einen Sohn, der, 
wie der Dichter mitteilt, später noch große Taten vollbrachte 
(v. 12462 — 532). Aus den letzten Worten erfahren wir zu¬ 
gleich den Grund, weshalb der Bearbeiter diese Einfügungen 
vorgenommen hat: er brauchte für seine späteren Erfindungen 
noch einen Träger der Handlung, und diesen hat er sich so 
geschaffen. Diesen, wie sein Vater, Bueve genannten Sohn, 
von dem Soibaut und Josiane gleich bei ihrer Ankunft in Sivele 
hören (v. 12 736), und den auch Vencadonsse als ihren Erben 
erwähnt (v. 13102 — 6), lernt sein Stiefbruder Gui bei seinem 
Besuch in Sivele kennen und nimmt ihn mit nach Aubefort, 
wo beide ihren Vater kennen lernen (v. 17547—788). Diesen 
selben Sohn läßt Bueve dann später zu seinem Nachfolger als 
König von England ernennen, und dieser tritt dann auch nach 
Bueves Flucht die Herrschaft an (v. 18902 — 47). 

26. Eine letzte kleinere Zutat unseres Bearbeiters besteht 
darin, daß, als Soibaut sich mit Josiane auf die Suche nach 
Bueve begeben, er die letztere ihren Sohn (der zweite war ja 
von Bueve in das Boot gelegt worden) mitnehmen läßt 
(v. 12580sq). Soibaut macht vergebliche Einwendungen, da 
ihnen hierdurch große Schwierigkeiten entstehen würden; der 
Knabe wird auf einem Maultiere mitgeführt (v. 12613 —15). 
"Wie Soibaut vorausgesagt, kommen sie in große Bedrängnis und 
sehen sich sogar zu ihrem Schmerz genötigt, ihr Maultier zu 
verkaufen, so daß das Kind zu Fuß gehen muß (v, 12626—39), 
In Sivele suchen sie demnach auch Unterkunft a un ostel u 
povre gent converse (v, 12653), und das Kind erkrankt (v. 12656). 
Soibaut bettelt in der Stadt um Brot, seine Kleidung ist ärm¬ 
lich sowie an dreißig Stellen zerrissen und durchlöchert 
(v, 12659 — 62). Als Josiane sich dann als Spielmann aufstellt, 
um den heimkehrenden Bueve zu sehen, nimmt sie den Knaben 
mit und zeigt ihm seinen Vater, hält ihn aber davon ab, auf 
ihn loszueilen (v. 12 781—- 94), Diese ganze Szene ist geschickt 
erdacht und gut ausgefübrt. 








X. Charakteristik unserer Fassung. 


157 


B. Erweiterung herübergenoinniener Episoden. 

Dem gleichen Zweck wie die Interpolationen, nämlich 
dem, den Umfang des Gedichts zu vergrößern, dienen die Er¬ 
weiterungen, deren es ebenfalls nicht wenige gibt. Indem ich 
die wenig umfangreichen außer acht lasse, führe ich die fol¬ 
genden als erheblich an. 

1. Die Begebenheiten zwischen dem Überfall Bueves auf 
seinen Stiefvater und seiner Auffindung sind in unserem Ge¬ 
dicht weit ausgesponnen. Während er überall sonst, als die 
Herzogin den Soibaut mit dem Tode bedroht, sich freiwillig 
meldet, macht er sich bei uns zunächst unkenntlich und täuscht 
seine Verfolger, indem er ihnen gegenüber die Rolle eines 
dummen Bauernjungen spielt. Darauf läßt die Herzogin Soibaut 
holen, martert ihn, allerdings vergeblich, um ihn zur Heraus¬ 
gabe ßueves zu bewegen, und läßt ihn schließlich in den Kerker 
werfen. Dies alles geschieht noch während des Qochzeitsmahles. 
Es folgt nun am nächsten Morgen eine Unterhaltung Doons 
mit seiner Frau und seinen Freunden, worauf die Suche nach 
Bueve fortgesetzt wird. Am darauffolgenden Tage laßt die 
Herzogin auch Soibauts Frau gebunden vor sich bringen und 
verlangt unter Bedrohung mit dein Tode auch von ihr, eben¬ 
falls ohne Erfolg, die Auslieferung Bueves. Bei der erneuten 
Durchsuchung des Hauses wird Bueve entdeckt, aber nicht 
erkannt, vielmehr für Soibauts Sohn gehalten, und er rat nun, 
die Stadt zu durchsuchen, dann werde jener gefunden werden. 
Ais auch diese neue Maßregel nicht zu dem gewünschten Er¬ 
gebnis führt, läßt die Dame alle Kinder der Stadt herbeiholen, 
um festzustellen, ob eines, wie sie es von Bueve wußte, ein 
rotes Kreuz auf der Schulter habe. Erst als kein solches Kind 
gefunden wurde, läßt sie den Scheiterhaufen für Soibaut und 
seine Frau homchten {v. 1108 — 1319). Aber auch die Szene 
am Scheiterhaufen ist weiter ausgestaltet, Bueve kommt in der 
Rolle von Soibauts Sohn auf die Herzogin zu und verteidigt 
seine Eltern, so daß jene auch ihn auf den Scheiterhaufen 
werfen will. Da erklärt er laut, Bueve werde zum Vorschein 
kommen, falls Doon und seine Frau sich verbürgen wollten, 
daß jenem kein Leid geschehe. Vergebens sucht Soibaut die 








158 


X. Charakteristik unserer Fassung. 


Entdeckung zu verhindern. Das Versprechen wird gegeben 
und durch Bürgen sichergestellt, und nun erklärt Soibant, was 
er getan, habe er für seinen Herrn Bueve getan. Er bittet die 
Herzogin um die Erlaubnis, in seinem Hause Bueve zurecht¬ 
zu machen, und als jene dieselbe verweigert, tritt Bueve vor 
und gibt sich zu erkennen. Er geht nunmehr mit seinen 
Pflegeeltern in deren Wohnung, wäscht sich und kleidet sich 
neu, worauf er an den Hof zurückkehrt (v. 1832 —1453). Es 
liegt auf der Hand, daß hier die Handlung allzusehr in die 
Länge gezogen ist, so daß diese Erweiterung nicht eine Ver¬ 
besserung genannt werden kann. 

Diese Erweiterung hat dann noch einen späteren Einschub 
zur Folge gehabt. Als Bueve verschwunden ist, begibt in 
Fassung III Soibaut sich zur Herzogin und verlangt Aufklärung, 
worauf sie ihm mitteilt, sie habe ihren Sohn zu ihrem Bruder 
Oudart geschickt. Statt dessen fordert bei uns Soibaut von den 
Bürgen, sie sollten Bueve herbeischaffen, und diese verlangen 
von der Herzogin energisch Bechenschaft. Die Antwort, die 
daraufhin dem Soibaut übermittelt wird, lautet hier, daß Bueve 
sich am Königsbofe befinde, um sich in den Waffen auszu¬ 
bilden (v. 1712—43). Weder in dem agn. Gedichte noch in 
der Fassung I findet sich etwas Entsprechendes. 

2. Als Bueve mit Josiane von Monbrant aus über das Meer 
entflieht, verfolgt ihn Yvoiins Oheim Araustrai zu Schiff, doch 
wird letzterer von A<;npart mit einem Mast bedroht und ent¬ 
flieht (agn. Boeve 1875—90). Aus dieser kurzen Episode hat 
unser Bearbeiter eine solche von 181 Zeilen gemacht. Bueve 
sieht von dem Kauffahrteischiff aus ein sarazenisches Fahr¬ 
zeug kommen. Dies stand unter Führung der beiden heidni¬ 
schen Könige Corsuble und Margaris und sollte die Flüchtlinge 
zurückbringen. Die Kaufleute aber treten für ihre Schütz¬ 
linge ein und nehmen den Kampf auf. Nachdem die beiden 
Könige von Bueve getötet sind, werfen die Feinde griechisches 
Feuer auf das Schiff, doch wird dies durch Josiane erstickt. 
Nun greift auch Aijopart in den Kampf ein, indem er mit 
einem Maste auf die Feinde einschlägt statt nach deren Auf¬ 
forderung ihnen beizustehen. Zwar wird er verwundet, macht 




X. Charakteristik unserer Fassung. 


159 


aber dann durch einen gewaltigen Stoß das feindliche Schiff 
leck, so daß es mit Mann und Maus untersinkt. Pie Kaufleute 
freuen sich des Sieges, während Josiane A$oparts Wunden ver¬ 
bindet (v. 4419—4599). Dieser Kampf zur Sec ist anschaulich 
und mit Sachkenntnis geschildert. Von dieser Episode findet 
sich in der Fassung I nichts, in III kennt die Handschrift T, 
wie wir sehen werden, sie ebenfalls nicht, sondern enthält nur 
einen kurzen Bericht von der Seefahrt, dagegen bringt C zuerst 
die Schilderung unserer Fassung und schließt daran die von T, 

3. Die Szene, wie Bueve sich bei seiner Ankunft aus Köln 
seinem Erzieher und dessen Frau zu erkennen gibt, ist bei uns 
zu einem anziehenden kleinen Drama ausgestaltet worden, wäh¬ 
rend anderswo die Tatsache kurz mitgeteilt wird. Schon bei 
der Nachricht von Eueres ersten Taten hatte Frau Aalais ihres 
verlorenen jungen Herrn gedacht, und Bueve hatte sie auf 
baldige Nachricht von ihm vertröstet (v. 5229 — 33). Gleich 
darauf spricht sie geradezu die Vermutung aus, der angebliche 
Söldner sei, wie das Herz es ihr sage, in Wirklichkeit Bueve; 
zwar weist ihr Gatte diese Vermutung als unwahrscheinlich 
rauh ab, doch sie spricht nun den Wunsch aus, festzustellen, 
ob der Fremde ein Zeichen an der rechten Seite und ein rotes 
Kreuz auf der Schulter habe, dies würde die Richtigkeit ihrer 
Ahnung beweisen. Soibaut ist nunmehr damit einverstanden, 
die Sache zu erkunden, und bittet bei der nächsten sich bie¬ 
tenden Gelegenheit Bueve kniefällig, ihnen zu entdecken, ob 
er der Verlorene sei. Dieser bleibt zunächst bei seiner früheren 
Angabe; als jedoch die Dame ihn bittet, ihr seinen Arm und 
seine Schulter zu zeigen, verzichtet er auf weiteres Leugnen 
und gibt sich zu erkennen, worauf Soibaut ihm wegen seines 
langen Schweigens sanfte Vorwürfe macht. Aalais wünscht 
nnn auch ihren Söhnen die freudige Nachricht mitzuteilen, und 
nach einigem Bedenken gestattet Bueve dies auch, bittet aber allo 
dringend, das Geheimnis sonst streng zu wahren {v. 5582—785). 
Diese Szene zeugt von guter Erfindungs- und auch Darstel¬ 
lungsgabe. 

4. Die Kämpfe vor Han tone sind in unserer Fassung stellen¬ 
weise erweitert, weichen außerdem in vielen Einzelheiten von 



160 


X. Charakteristik uusorer Fassung. 


der Darstellung der übrigen mehr oder weniger ab, ohne daß 
sie darum einen besonderen Charakter hätten. Ich begnüge 
mich daher, die betreffenden Stellen anzuführen, indem ich 
auf die obige Inhaltsangabe des Gedichts verweise. In Betracht 
kommen die Verse 4857 — 5143; 5507—55; 5942 — 6400 und 
7966 — 8072. 

5. Die Art, wie Huidemer seinen Oheim, den Erzbischof 
von Köln, für seine Zwecke zu gewinnen und besonders wie 
er ihn von dem Tode Bueves zu überzeugen weiß, wird in 
unserem Gedichte viel eingehender geschildert als in allen 
anderen. Wir erfahren, wie jener zu diesem Zweck einen 
Burschen als angeblichen Pilger herrichtet: mit einem Kraut 
färbt er ihm den ganzen Körper, durch ein anderes läßt er ihm 
Wunden an Beinen und Füßen entstehen und hüllt ihn in 
eine entsprechende Kleidung. Sodann läßt er durch einen 
Schriftkundigen Salatrö einen Brief des Inhaltes anfertigen, daß 
Bueve, Soibaut und die Seinen tot seien und daß Bueve vor 
seinem Tode den Überbringer beauftragt habe, dem Erzbischof 
Bueves Wunsch zu übermitteln, die Josiane anderweitig zu 
verheiraten. Diesen Brief, sorgfältig in einer Kiste verpackt, 
übergab er dem falschen Pilger und ließ diesen ins Schloß 
gehen. Letzterer schleppte sich mühsam die Treppe hinauf und 
erzählte dem Erzbischof eine lange Geschichte von seinen Er¬ 
lebnissen, wie er jenseits des Meeres in der Gefangenschaft 
geschmachtet, wie dann in Hantone Doon de Maience durch 
Verrat Bueves Burg genommen, diesen selbst samt allen An¬ 
gehörigen ums Leben gebracht, und wie er von dem schwer 
verwundeten Bueve vor dessen Tode seinen Auftrag erhalten 
habe, lern Briefe glaubt der Erzbischof dann nicht mißtrauen 
zu dürfen (v. 6635 — 6844). Wenn nun auch hierin unerklärt 
bleibt, von wem, wo und wie der so bedeutungsvolle Brief, 
wenn er echt gewesen wäre, hätte geschrieben sein sollen, und 
dieser Umstand doch auch dem Erzbischof verdächtig erscheinen 
mußte, so ist, wenn man von diesem Mangel absieht, die Er¬ 
zählung anschaulich und auch stilistisch nicht ungeschickt 

6. Während in allen anderen Fassungen Huidemer sofort 
nach Bueves rechtzeitiger Ankunft in Köln von letzterem ge- 








X. Charakteristik unserer Fassung. 


161 


tötet wird, ist auch dieser Vorgang bei uns breit ausgestaltet 
worden. Huidemer entflieht nämlich aus der Kirche, und Bueve 
bringt zunächst Josiane auf das Schiff, wo er sie der Obhut 
Roboans anvertraut, und eilt mit einer Schar Bewaffneter in 
die Stadt zurück. Er trifft Huidemer, der auch Truppen bei 
sich hatte und von ihm die Herausgabe Josianes verlangte, in 
dem Kampfe wird letzterer getötet, aber seine Begleiter um¬ 
zingeln Bueves Schar, und erst auf Bueves Ruf eilt Roboau 
mit Hülfe herbei uud jagt die Feinde in die Flucht 
(v. 7354 -407). 

7. Die Tatsache, daß Doon sich zum Könige nach London 
begab und sich über den Angriff des alten Soibaut beschwerte, 
wird von allen Fassungen sonst nur bei I in vier Zeilen 
(1,5498—5501) erwähnt, bei uns ist dies Ereignis wieder breit 
ausgeführt (v. S128—396). Als er benachrichtigt worden, daß 
Soibauts Söldner Bueve sei, bricht er heimlich nach London 
auf und nimmt bei einem Bürger Quartier. Am nächsten 
Morgen lauert er dem König nach seinem Besuch der Pauls¬ 
kirche auf und trägt ihm sein Gesuch vor, zunächst ohne Er¬ 
folg, dann aber gelingt es ihm teils durch die Fürsprache seiner 
Freunde, teils durch seine Geschicklichkeit, sich allmählich 

immer mehr bei dem Könige einzuschmeicheln, und gegen Bueve 

# 

und Soibaut dessen Argwohn und selbst Zorn zu erregen. 
Dieser sagt ihm schließlich seinen unbedingten Schutz zu und 
überträgt ihm wichtige Ämter. Die Art, wie der König hier 
nach und nach um gestimmt ist, zeugt von guter Kenntnis 
psychologisch er Yorgänge. 

Diese Erweiterung hat aber noch einen Einschub veran¬ 
laßt. Während nämlich in Fassung I kein Grund angegeben 
wird, weshalb sich Doon zum Könige nach London begab, fügt 
unser Bearbeiter eine Szene ein, die jenen Schritt erklären soll. 
Bueve gibt sich nämlich hier auch seinem Heere zu erkennen, 
nachdem er dies bereits vorher heimlich gegenüber Soibaut 
und dessen Familie getan hat; sofort eilt ein Knappe hinüber 
nach Hantone und teilt dies dem Doon mit (v. 8087—127). 

8. Nicht weniger weit ausgesponnen und stellenweise ganz 
eigenartig ist auch die bald darauf erfolgende Fahrt Bueves nach 

Stimmifig, Boeva de II an ton#. H 


t 

















162 


X. Charakteristik unserer Fassung. 


London. Während in den anderen festländischen Fassungen 
sich Soibaut zuerst allein dorthin begibt, Bneve dagegen erst 
später folgt, ziehen hei uns nach der Einnahme von Hantone 
beide zugleich in Begleitung von Bewaffneten an den Hof, als 
sie erfahren hatten, daß Doon sich daselbst befinde. Dort be¬ 
gibt sich Bueve zuerst zur Messe, um Gottes Hülfe zu er¬ 
flehen. Bei dem gemeinsamen Besuche am Hofe begegnen sie 
den größten Schwierigkeiten; der Pförtner will sie nicht ein- 
lasseti und wird von Soibaut erschlagen; im Saal bedient Doon 
den König, Soibaut entreißt ihm den Pokal und schlägt ihn 
blutig, worauf der König ihn gefangen setzen lassen will. Nun 
bringt Bueve seine Klage vor, aber der König weist ihn schroff 
ab. Es entsteht ein heftiger Streit, und Soibaut läßt durch 
seine Söhne die Türen besetzen. Der König, zuerst sehr auf¬ 
gebracht, befiehlt aufs neue, Soibaut zu ergreifen, gibt aber der 
Gewalt gegenüber nach und sucht Frieden zu stiften, doch 
lehnt Bueve diesen ab, und Soibaut erbietet sich zum Zwei¬ 
kampf mit Doon. Erst als der Graf von Chester dieses Aner¬ 
bieten unterstützt, willigt der König ein, doch setzt schließlich 
Bueve durch, daß er an Soibauts Stelle dem Doon gegenüber- 
treten darf (v. 8696—9204). Die Erzählung ist anschaulich 
und wird ohne Unterbrechung fortgeführt, die Szene am Hofe 
ist fesselnd und von dramatischer Kraft. 

9. Während die Hochzeit Bueves mit Josiane überall sonst 
schon früher und ohne besonders große Festlichkeiten statt¬ 
gefunden hat, verlegt unser Bearbeiter sie in die Zeit nach 
Bueves Wiedereinsetzung und Genesung, und läßt sie auch mit 
großem Pomp vor sich gehen. Als Bueve den König über 
seine Absicht und über Josianes Herkunft unterrichtet hat, 
schenkt ihm dieser vier Maultierladungen Gold und Silber. Bueve 
zieht in Begleitung seiner Barone und des Erzbischofs von 
Canterbury nach Hantone, wohin er den Thierri und Roboan 
vorausgeschickt hat. Die Stadt war aufs prächtigste gescbmükt 
worden, und Josiane begibt sich mit der ganzen Einwohner¬ 
schaft Bueves Zug entgegen. Bei dem sich daran schließenden 
Prunkmahl setzt Bueve die Feier auf den folgenden Tag fest, 
worauf die ganze Stadt glänzend beleuchtet wird. Am nächsten 





X. Charakteristik unserer Fassung. 


163 


Morgen wird Josiane, prächtig geschmückt, von vier Grafen 
in die Amatuskirche geleitet, wo der Erzbischof die Trauung 
vornimmt, an die sich wiederum ein feierliches Mahl schließt, 
und dann ein Lanzenstechen, dem die Damen von den Fenstern 
aus zuschauen (v. 9953—10151). Dann erst folgt hier, geradezu 
als letzter Teil des Festprogramms, die grausame Hinrichtung 
des Fromont und Hate (v. 10152 — 10243). 

10. Endlich ist auch die Gefangennahme der Josiane durch 

die Sarazenen, die in dem agn, Gedicht in fünf Zeilen erzählt 

* 

wird (v. 2711 —151, bei uns sehr viel ausführlicher und auch 
anders als in den anderen festländischen Fassungen geschildert. 
Als nämlich ßueve mit Thierri auf der Jagd ist, landet zufällig 
eiu mit Heiden aus Monbrant bemanntes Schiff am nahen Ufer, 
die Leute finden und erkennen zu ihrer Verwunderung ihre 
Königin neben zwei Kindern schlafend, tragen sie samt einem 
der letzteren ins Schiff und fahren mit ihnen heim (v, 11556 
bis 11617). Es erscheint in keiner Weise glaublich, daß die 
Heiden von den beiden Kindern, die bei ihrer Mutter lagen, 
das eine „vergessen“ konnten. 

Aus dem Wunsche nach Erweiterung der Vorlage erklärt 
sich auch die letzte Veränderung, nämlich: 

C. Einführung neuer Personen in die Erzählung. 

Ich übergehe dabei die zahlreichen Figuren, welche nur 
auftreten, um sogleich wieder zu verschwinden, z. B. die ein¬ 
zelnen Kämpfer der beiden feindlichen Parteien oder Heere, 
die alsbald getötet werden u. a. Abgesehen von dem Sohn des 
Bueve und der Vencadousse, deu ich bereits oben (S. 156) 
besprochen habe, können diesen neu eingeführten Personen 
naturgemäß erhebliche Rollen nicht übertragen werden; sie er¬ 
scheinen meist nur in einem Abschnitt der ganzen Handlung. 
Die hauptsächlichsten dieser Personen sind folgende. Doon hat 
bei uns einen Neffen, nämlich den Sohn seiner Schwester 
Isabeau (v. 4942), Wilhelm von Aragon, der im Anfang unseres 
Gedichts einen gewissen Anteil an der Handlung nimmt. Als 
Doon nämlich von -der Herzogin die Aufforderung erhält, ihren 

Gatten aus dem Wege zu räumen, ruft er jenen sowie andere 

11 « 









1 u 


X. Charakteristik unserer Fassung. 


Neffen zu sieh und teilt den ihm gewordenen Auftrag mit. Jene 
billigen den Plan, begleiten ihren Oheim und helfen ihm, den 
Überfall aufGui auszuführen, wobei zwei derNeffen dem Schwer- 
verwundeten den Kopf abschlagen iv. 301 — 37; 398 — 471). 
Später finden wir denselben "Wilhelm im Gespräche mit der 
Herzogin (v. 959 — 61), und sie sendet ihn zu seinem Oheim, um 
ihm Bueves vermeintlichen Tod zu melden (v.976 — 95). Eben¬ 
derselbe nimmt dann später auch an den Kämpfen vor Hantone 
teil und wird dabei von Soibaut getötet (v. 4936— 49). Auch 
unter den Kriegern, die in Fassung I auf Doons Seite kämpfen, 
befindet sich zwar ein Neffe Doons, namens Wilhelm, dessen 
Tod dort in vier Zeilen erzählt wird (1, 4 680—83), doch scheint 
dieser mit dem unseren nicht identisch zu sein, da er aus 
Ardene stammt und von Bueve erlegt wird. 

Sodann erscheinen in demselben ersten Teile des Gedichts 
bei uns auch zwei Söhne Soibauts, Thierri und sein jüngerer 
Bruder Roboan (v. 5330—31). In allen Fassungen, auch in der 
anglonormannisehen, werden Bueve und Josiane auf ihrer Ver¬ 
bannung von einem Sohne Soibauts, Namens Thierri, begleitet, 
und in allen wird dieser schließlich an Bueve3 Stelle König 
von Sivele, indem er die dortige Königin heiratet. Ebenso spielt 
im zweiten Teil sein Bruder Roboan überall eine hervorragende 
Rolle. Diesen beiden hat unser Bearbeiter nun auch in der ersten 
Hälfte des Gedichts einen Anteil an der Handlung übertragen. 

In den Kämpfen um Hantone legen sich beide Brüder in 
einen Hinterhalt (v. 5507-—29). Sie überfallen Doon, bringen 
ihm eine Niederlage bei (v. 5536 — 37) und treiben das erbeutete 
Vieh in die Burg (v. 5550—54). Sie erfahren später durch ihre 
Mutter, daß der fremde Söldner in Wirklichkeit Bueve ist und 
versichern diesem ihre Treue (v. 5729 — 78), weigern sich aber 
ihrem Vater gegenüber, von der Fahrt nach Köln zurückzu- 
bleiben (v, 5861—904; s. S. 151 —52). Thierri besteht dann mit 
Doon einen ehrenvollen Einzelkampf, der allerdings keine volle 
Entscheidung bringt (v, 6252—307), und beide Brüder kehren 
nach der Schlacht mit den übrigen in die Festung zurück 
(v. 6398). In Köln ist Roboan zur Bewachung des Schiffes 
zurückgeblieben, und ihm vertraut Bueve daher die befreite 






X. Charakteristik unserer Fassung. 


165 


Josiane an (v. 7844 — 58). Als er Bueves Hülferuf vernimmt, 
eilt er mit Truppen in die Stadt, vernichtet die Schar Huidemers 
und kehrt mit seinen Leuten zum Schiff zurück (v, 7383—407). 
In Orgueil wird Thierri vou seinem Vater an Land geschickt, 
er sucht mit Erfolg ein gutes Quartier (v. 7589 — 616) und ge¬ 
leitet alle dorthin (v. 7627). Am nächsten Morgen gibt er den 
Rat, sofort weiterzufahren (v. 7665—68), und bereitet die Mahlzeit 
(v. 7671 — 72). Später am Königshof in London besetzen beide 
Brüder auf Befehl ihres Vaters die Ausgänge des Palastes 
(v. 8976—8S), und infolgedessen kann der Befehl des Königs, 
Hülfe aus der Stadt zu holen, nicht ausgeführt werden 
(v. 9032 — 43), Dieselben Brüder helfen gleich darauf dem 
Bueve, für das Gottesurteil die Rüstung anzulegen (v. 9270, 
9279 — SO). Später schickt Bueve beide von London nach 
Hantone voraus {v. 9998 —10001), und Thierri verkündet der 
Josiane sowie den Bürgern dort Bueves bevorstehende Ankunft 
(v. 10005 — 27). Beim folgenden Festmahl reicht er und Soibaut 
die Speisen, Roboan den Wein (10055—58). Letzterer Sohn 
wird dann in dem übrigen Teile des Gedichts mit Namen nicht 
mehr erwähnt. Wir erfahren jedoch am Schluß, daß, als Soibaut 
mit Hantone belehnt wird (v. 18845) und sich dorthin begibt, 
er seinen jüngeren Sohn dort vorfindet (v. 18857), womit wohl 
Roboan gemeint ist Man vermißt die Angabe, daß dieser bei 
dem bald nach der Heimkehr eingetretenen Tode Soibauts 
(v. 1S861) seinem Vater in der Herrschaft gefolgt ist. 

Weiter ist ein Neffe Soibauts, namens Gerhard, Sohn 
Antons von Hantone (v. 1727 — 28), neu eiogeführt. Er erscheint 
zuerst vor der Herzogin an der Spitze der Bürger, welche die 
Gewähr für Bueves Sicherheit übernommen hatten, welche aber 
von der Dame mit einer Lüge abgeepeist werden, daher nichts 
ausrichten (v. 1727—50). In den Kämpfen vor Hantone betraut 
ihn Soibaut mit dem Aufträge an seine Gattin, ihm möglichst 
viel Reserven als Unterstützung zu schicken, und er führt diesen 
Auftrag geschickt aus (v. 6047—80). Er kämpft dann an der 
Seite Soibauts und wird von Doon angegriffen, ohne daß eine 
Entscheidung erzielt wird (v. 6119 — 24). Als dann Soibaut 
den Bueve auf dessen Fahrt nach Köln begleitet, läßt er Ger- 







166 


X, Charakteristik unserer Fassung. 


bard als seinen Stellvertreter zurück (v. 6434 — 39), und dem¬ 
entsprechend führt dieser auch den Oberbefehl über die zu- 
rückgelassenen Truppen (v. 6540 — 42), so daß Soibauts Frau 
ihm ihren Plan zur Vernichtung des feindlichen Lagers vor¬ 
trägt (v, 6551—610). Später hören wir von ihm nichts wieder. 

Eine weitere von unserem Bearbeiter erfundene und ein¬ 
geführte Persönlichkeit ist der Graf von Cestre. Dieser erhebt 
sich energisch und erfolgreich gegen den König, als dieser den 
Soibaut und Bueve ab weisen will (v. 9131—43); er setzt später 
auch durch, daß in dem Gerichtskampf Bueve die Stelle des 
alten Soibaut einnehmen darf (v. 9196—203), und am Schluß 
des Gedichtes befindet der Graf sich unter den Baronen, welche 
König Bueve vor seiner Flucht in die Einsamkeit zusammen¬ 
ruft (v. 18892). 

Genau so verhält es sich mit dem Grafen Rogier, der auch 
nur bei uns am englischen Königshofe begegnet Er macht 
dem Sohne des Königs ernste Vorwürfe, als dieser immer wieder 
in Bueve dringt, ihm doch Arondei zu überlassen, ja er erklärt, 
das prächtige Pferd passe viel mehr zu Bueve, so daß der 
Prinz, wenn es ihm selbst gehörte, es umgekehrt sogar jenem 
überlassen müßte (v. 10874—94). 

Sodann erscheint allein in unserer Fassung auch eine Kö¬ 
nigin von England, allerdings nur einmal, nämlich als die Leiche 
ihres von Arondei erschlagenen Sohnes an den Hof gebracht wird. 
Sie beklagt ihren schweren Verlust, versucht aber trotzdem den 
Schmerz ihres Gemahls, welcher sich in Zorn gegen Bueve äußert, 
zu besänftigen, hat aber damit keinen Erfolg (v. 11148 — 71). 

Aus dem gleichen Grunde ist auch ein N’effe Yvorins, 
namens Jambus, zu nennen. Dieser greift Bueve auf dem 
Wege nach Aubefort an, wird jedoch von diesem so schwer 
verwundet, daß er zwar noch imstande ist, bis zu seinem Oheim 
zu retten und ihm die Nachricht zu bringen, daß Bueve sich 
auf dem Wege nach Aubefort befinde, um von König Hermin 
Hülfe zu holen, sinkt aber dann vom Pferde und gibt den Geist 
auf. Yvorin beklagt lebhaft seinen Tod (v. 14429—557). 

Endlich hat in unserer Fassung der Verräter am englischen 
Hofe, Rohart, der auch in Fassung I und III vorkommt, einen 








5. Charakteristik unserer Fassung. 


167 


Genossen Namens Amauvi erhalten, offenbar, weil die Verräter 
auch sonst paarweise auftreten, nämlich außerdem noch Hate 
und Fromont im Anfang, d. h. in Hantone, sowie Gonce und 
Fourrö in Hermenie. Auch ist die Rolle der zuerst genannten 
Übeltäter, die hier Verwandte Doons sind, insofern sehr aus¬ 
gedehnt worden, als ihre Tätigkeit sieb hei jeder Gelegenheit 
bemerkbar macht Nur durch ihre Ränke und Überredungs¬ 
künste gelingt es nämlich, den König, welcher den Doon be¬ 
reits vom Hofe verwiesen hat, zu dessen Gunsten wieder um¬ 
zustimmen (v. 8285—322, 8350—54). Als dann Soibaut und 
Bueve am Hofe erscheinen und zunächst vom Könige ungnädig 
behandelt werden, wollen jene den Soibaut ergreifen, wor¬ 
auf dieser seine verborgen gehaltenen Waffen hervorholt 
{v, 9014 — 24). Später raten sie dem Doon, den Gerichtskampf 
zu wagen (v, 9175 — 76), übernehmen für ihn die Bürgschaft 
(v. 9182), wachen mit ihm in einer Kirche (v. 9231—37), helfen 
ihm, sich für den Kampf zu wappnen, begleiten ihn zur Wal¬ 
statt und sprechen ihm Mut zu (v. 9305—43), Dann versucht 
Rohart, allerdings vergeblich, den König zu bestimmen, von 
dem Eide abzusehen (v. 9346—49), und bringt, als die Kämpfer 
neue Laozen verlangen, für Bueve eine solche, die er angesägt 
hatte, er wird aber ertappt (v, 9452—84). Als Doon gefallen, 
begraben ihn die beiden Ritter, schwören, ihn rächen zu wollen 
(v. 9904 —12), und wiederholen den Schwur, als Bueve am 
Hofe ehrenvoll aufgenoramen wird iv, 10350 — 53), sowie als 
sie später beim Wettrennen von Bueve überholt und verspottet 
werden (v. 10772—82). Sie haben auch Maxins Vater bei¬ 
seite geschafft und diesen selbst um sein Erbe gebracht 
(v. 10411 —14). Sie sind es denn auch allein, welche die Be¬ 
gehrlichkeit des Königssohnes auf den Besitz Arondels mit 
allen Mitteln anstacheln, als dieser sich klagend an sie gewendet 
hat (v. 10895 — 944), und welche ihn bei der Ausführung des 
Raubes unterstützen oder vielmehr leiten (v. 10963 — 84), wo¬ 
bei Amauri getötet wird (v. 11056—61). Letzteren Umstand 
vergißt der Bearbeiter allerdings, indem er später berichte^ 
daß, als Bueve zum König von England gewählt werden soll, 
Rohart und Amanri den französischen König durch Bestechung 










168 


X- Charakteristik unserer Fa'sung. 


zu bestimmen suchen, die Wahl zu verbieten, daß dieser sie 
jedoch gefangen setzen (v. 18749 — 72) und Bueve sie in Lon¬ 
don hangen läßt (v. 18832 — 38). 

In einigen anderen Fällen hat der Bearbeiter es für nötig 
gehalten, Personen, welche er aus seiner Vorlage herüber¬ 
genommen bat, welche aber dort keinen Namen hatten, mit 
einem solchen zu versehen. So nennt er, um einige derselben 
herauszugreifen, den ersten Boten, den die Herzogin an Doon 
schickt, Salonion (v. 241), den Geistlichen, welchem Doon den 
von ihr übersandten Briet zum Lesen reicht, Slilon (v. 274), 
den Schwager Soibauts, zu welchem Roboan geschickt werden 
soll, während Bueve dessen Stelle einnimmt, Thierri {v. 901) 
Der Kerkermeister Braidimonts, der zugleich Seneschall von 
Damaskus ist, heißt allein in unserem Gedichte Pinart (v. 2880; 
3059 — 60). Ebenso der Vater des Gui de Hantone und des 
Erzbischofs von Köln nur bei uns Garnier (v. 4658). Die Frau 
Soibauts, von welcher schon von Anfang des Gedichtes an die 
Rede gewesen ist, wird plötzlich in v. 5218 Aelis oder Aalis, 
d. h. Adelheid genannt, und dieser Name, auch in der Form 
Aelais, Aalais, kehrt von da an mehrfach wieder (v. 6065, 6355, 
6390, 6551, 6589, 7941 u. ö.). Ähnlich wird in v. 12041 von 
einer Dame Namens Vencadousso gesprochen, und man erkennt 
aus dem Zusammenhang, daß damit die Königin von Sivele 
gemeint ist; vorher war dies aber nirgends angegeben worden 
wohl aber erscheint dieser Name nachher dann noch öfter 
z. B. v. 12068, 13066, 13094, 13183, 16903 usw. Auffallend 
ist, daß der Bearbeiter auch sonst die Namen ab und zu nicht 
bei dem ersten Auftreten der betreffenden Person, sondern erst 
später angibt. So erscheint, wie soeben erwähnt, der Name Aelis 
erst v. 6065, die Frau Soibauts spielt aber in dem ganzen ersten 
Teile des Gedichts von v, 739 an eine erhebliche Rolle; das¬ 
selbe gilt von der jungfräulichen Königin von Sivele, die be¬ 
reits von v. 11968 an in der Erzählung vorkommt, aber erst 
v. 12041 zum ersten Male benannt wird. Ebenso Vencadousses 
Sohn erst v. 17 634, obwohl er bereits in v. 17 519 aufgetreten ist; 
endlich der französische König Karl Märtel erst v. 18780, von 
dem schon seit v. 16520 die Rede gewesen ist. 








X • Charakteristik unserer Fassung. 


169 


D. Änderung der übernommenen Charaktere. 

In mehreren Fällen hat der Bearbeiter den Versuch ge¬ 
macht, den Charakter der auftretenden Personen anders darzu¬ 
stellen als in seiner Vorlage, daher auch in den übrigen Fas¬ 
sungen. So läßt er den Doon in einem möglichst günstigen 
Lichte erscheinen. Zunächst hat er ihn mit hervorragenden 
körperlichen und geistigen Eigenschaften ausgestattet: er ist 
von hohem Wuchs und schönem Körperbau (v. 8208 —13, 
9172—73), dabei von unerschrockenem Mute (v. 6238, 8213, 
9431—33), er ist in allen ritterlichen Fertigkeiten, z. B. iu der 
Jagd, der Vogelbeize, im Brett- und Würfelspiel durchaus er¬ 
fahren (v. 8347—48), auch sehr gewandt und erweist sich da¬ 
her, sobald er am Hofe Aufnahme gefunden hat, dort als sehr 
dienstfertig (v. 8336—39), weiß sich dadurch sehr bald in der 
Gunst des Königs festzusetzen (v. 8350 — 52) und erhält Ehren¬ 
stellen (v. 8355 — 57), weiß auch geschickt den König gegen 
Soibaut und Bueve aufzureizen (v. 8759 — 87). Da er Bueves 
Überlegenheit aus Erfahrung kennt (v. 8136), so sucht er dem 
Gerichtskampf auszuweichen und bittet, eine Pilgerfahrt unter¬ 
nehmen zu dürfen (v. 9155 — 61); als er damit aber keinen 
Erfolg hat, zögert er auch nicht, den Kampf zu wagen 
(v. 9177—81). Vorher jedoch bittet er Bueve um Frieden und 
Versöhnung; er erbietet sich dazu, dessen Lehnsmann zu werden 
sowie freiwillig in die Verbannung zu gehen (v. 9395—406), 
und wiederholt dieses Anerbieten später, als er bereits ver¬ 
wundet ist, noch einmal (v. 9538 — 40). Seine Tat an Gui de 
Hantone erscheint bei uns auch weniger schmählich, da dieser 
nach der Angabe unserer Fassung früher ihm nicht nur seinen 
Vater, sondern auch seinen Oheim Raoul getötet hat (v. 311—15, 
321, 417— 20, 8311 — 12), er also mit seiner Tat nur Gleiches 
mit Gleichem vergilt (v. 8313). Dem Rohart gegenüber gesteht 
er sogar sein Unrecht unumwunden ein (v. 9339) und bereut 
ohne Rückhalt seine Tat (v. 6628 — 30). Er erklärt auch, er 
habe dem Gui gegenüber keinerlei feindliche Gesinnung gehabt 
(v. 9878), und schiebt die Hauptschuld seiner Frau als Anstif¬ 
terin zu, welcher er in seiner Liebe blind nachgegeben habe 
(v. 9340—41, 9792—94), In der Tat zeigt er sich im Anfänge 










170 


X. Charakteristik unserer Fassung, 


unseres Gedichts keineswegs auf die Hochzeit mit der Herzogin 
erpicht Sie ist in dieser Sache durchaus die Werbende, Drän¬ 
gende, und er stellt ihren wiederholten Aufforderungen stets Ein¬ 
wände entgegen, erbebt Bedenken, besonders Bueves wegen, und 
laßt sich nur mit Mühe bestimmen, in die Heirat zu willigen 
(v. 448, 480, 491, 520sq.). Er kehrt daher nach Maience zu¬ 
rück und kommt erst wieder, als ihm der Tod des Jünglings 
gemeldet worden ist (v. 1005), worauf die Hochzeit stattfindet 
(v, 1020 — 21). Als aber jene Nachricht sich als falsch erweist, 
bereut er seinen Schritt (v. 6030), erklärt, er sei hintergangen 
worden, und beschuldigt seine Frau geradezu als Anstifterin 
(v. 1226 — 29). Demnach tritt er dieser gegenüber auch später 
sehr schroff auf; er gestattet nicht, daß sie ihn küßt, und wirft 
ihr vor, sie habe ihn getäuscht und verraten (v. 1504—8); sein 
Tod, sagt er, würde ihr sicher gleichgültig seiu (v. 1525—26). 
Als sie ihre Handlungsweise gegen Bueve dann bedauert, mi߬ 
handelt er sie schmählich (v. 5263 — 65) und entfernt sich später 
von ihr, ohne von ihr Abschied zu nehmen {v. 8160). 

f m Kampf erscheint er sodann als ein tapferer Ritter von 
untadeligem Benehmen und als ein dem Bueve durchaus eben¬ 
bürtiger Gegner. Trotz schwerer Verwundung will er sich 
nicht für besiegt erklären (v. 9821 — 22), auf seine Sippe soll 
durch ihn keine Schande fallen (v. 9844), und er will aufrecht¬ 
stehend sterben (v. 9846). Als ihm sein rechter Arm abgehauen 
ist, ergreift er das Schwert mit der Linken und setzt den aus¬ 
sichtslosen Kampf fort (v. 9848 — 49). Er betet zu Gott uud 
empfiehlt ihm seine Seele an, indem er sich einen Sünder 
nennt (v. 9855—59), und gesteht, als er niedergerungen ist, 
auf Bueves Aufforderung hin ein, daß er den Gui von Hantone 
auf Anstiften von dessen Gattin verräterisch umgebracht habe 
(v. 9875 — 85). Es ist anzuerkennen, daß unserem Bearbeiter 
die beabsichtigte Veredelung von Loons Charakter wohl ge¬ 
lungen ist 

Mit demselben Geschick hat er die Mutter Bueves sich 
aus einem verworfenen Geschöpf in eine bußfertige Sünderin 
umwandeln lassen. Im ersten Teile des Gedichts erscheint sie 
durchaus verabscheuungswürdig. Sie ist eitel (v. 145—47) und 






X. Charakteristik unserer Fassung. 


171 


in hohem Grade sinnlich (v. 150—53), sie will daher ohne Ge¬ 
wissensbisse ihren Gatten zugunsten eines jüngeren Liebhabers 
beiseite schaffen (v. 157— 62) und scheut, um diesen Zweck 
zu erreichen, vor keinem Verbrechen zurück. Zuerst sucht sie, 
wenngleich ohne Erfolg, den Koch dazu zu bringen, seinem 
Herrn vergiftete Speisen vorzusetzen (v, 175— 224), und nach¬ 
dem sie den Gui mit Hülfe Doons aus dem Wege geräumt 
hat, will sie auch dem ihr und ihrem neuen Gatten unbequemen 
Sohne dasselbe Schicksal bereiten. Als dieser sie wegen ihres 
Putzes tadelt, schlägt sie ihn so, daß nur die Dazwiscbenkunft 
seines Erziehers Soibaut ihn vor dem Tode rettet (v. 642—46). 
Sie läßt letzteren durch Bedrohung mit dem Tode zu dem Ver¬ 
sprechen zwingen, seinen Zögling um zu bringen (v. 685 — 724), 
und als sie erkennt, daß jener sie getäuscht hat, mißhandelt 
sie ihn, damit er Bueves Aufenthaltsort angebe (v. 1165 — 70), 
und, da er sich weigert, versengt sie ihm seinen Bart mit einem 
Feuerbraod und wirft ihn in den Kerker (v. 1178 — 81), be¬ 
reitet auch der Frau Soibauts ein ähnliches Schicksal zum 
gleichen Zweck (v. 1255 — 61). Als aber alle ihre Anschläge 
ergebnislos bleiben, will sie das Ehepaar verbrennen lassen 
{v. 1320 — 31) und ebenso deren angeblichen Sohn, als dieser 
sie deswegen tadelt (v. 1342—44). Sobald sie nun ihren Zweck 
erreicht, d. h. Bueve in ihre Gewalt gebracht hat, beginnt sie 
sofort wieder ihre Mordanschläge gegen diesen. Zuerst versucht 
sie es mit einem vergifteten Fisch (v. 1482 — 83) und, als sie 
damit keinen Ei folg hat, läßt sie ihn als Sklaven verkaufen 
(v. 1541—44). 

Von dieser Zeit an ist dann aber offenbar eine Veränderung 
in ihrem i'nnern vorgegangen. Wenigstens erklärt sie später 
ihrem Gatten, als dieser hinter Soibauts neuem Söldner den 
Bueve vermutet, sie würde alles hingeben, wenn Bueve noch 
am Leben wäre, da sie schlecht an ihm gehandelt habe uud. 
beim jüngsten Gericht dafür werde zur Verantwortung gezogen 
werden (v. 5253—59). Ihr Gatte bat allerdings für diesen Ge¬ 
sinnungswandel kein Verständnis, so daß sie eine rohe Behand¬ 
lung von ihm erfährt (v. 5263 — 65), aber sie bleibt bei ihrer 
Gesinnung. Sie rat daher, als Bueve nach Doons Abreise sich 

















172 


X. Charakteristik uuscror Fassung. 


der Stadt Hantono nähert, den Bürgern davon ab, Widerstand 
zu leisten (v. 8474—84), und als diese ihr wegen ihres früheren 
Verhaltens Vorwürfe machen, erklärt sie freimütig: Trop est 
mes cors de pecfrid eucombrex (v. 8494). Sie geht, in ein Büßer¬ 
gewand gekleidet, mit aufgelösten Haaren und barfüßig aus 
der Stadt ihrem Sohn entgegen (v. 9500—5), gesteht ihm reue¬ 
voll ihre Schuld ein und bittet ihn um Verzeihung, indem sie 
ihm die Bestimmung über ihre Strafe anheimgibt (v. 8514—34). 
Bueve verzeiht ihr und läßt sie als Nonne in ein Kloster treten 
(v. 8593 — 96). Dieser Ausgang steht in scharfem Gegensatz 
zu dem Inhalt der anderen Fassungen, da die Herzogin in der 
anglonormannischen sich von einem Turm herabstürzt, während 
in I und III Bueve sie in einem im Meere befindlichen Turm 
ein mauern läßt. 

Soibaut ist auch in unserer Fassung der treue Lehnsmann, 
der für seinen Herrn zu jedem Opfer, auch das seines Lebens, 
bereit ist. So vermag, wie wir gesehen haben (S. 157), keine 
Qual, nicht einmal die sichere Aussicht des Feuertodes ihn 
dazu zu bringen, der Herzogin Bueves Aufenthaltsort zu ver¬ 
raten. Als sodann Yvorin den Turm, in weichem er und Josiane 
allein sich befinden, mit einem großen Heere belagert und 
droht, Josianes Solm zu töten, wenn sie sich nicht ergebe, er¬ 
klärt sich Soibaut ohne Zaudern bereit, allein hinauszueilen 
und den Kampf aufzunehmen, obwohl damit sein Schicksal be¬ 
siegelt gewesen wäre (v. 149SI—90). Auch ist er zarteren 
Empfindungen nicht unzugänglich. Um der Josiauo die An¬ 
strengungen der Roiso zu ersparen, erbietet er sich, sich allein 
auf die Suche nach Bueve zu begeben (v. 12569—77,12 586—S9), 
und als jene auf ihrer Teilnahme besteht, beklagt er lebhaft, 
daß ihr allzuviele Strapazen auf der Wanderung zuteil wer¬ 
den (v. 12630, 12637 — 39), ja er bettelt für alle um Brot 
(v. 12659 — 70). 

Aber unser Bearbeiter hat ihm noch einige Züge beige¬ 
geben, die seine Handlungen zuweilen als schroff, sogar rück¬ 
sichtslos und seine Worte als derb und rauh erscheinen lassen. 
Als seine Frau z. B. ihm die Vermutung ausspricht, der neue 
Söldner sei Bueve, weist er sie mit den Worten: „Tais, fole 








£. Charakteristik unserer Fassung. 


173 


ferne“ barsch zurück (v, 5590). Zu A$oparts Vorschlag, vor 
der Weiter fahrt erst das bereits fertige Mahl zu verzehren, 
fordert er Bueve auf: „Ne crees mie cest glouton deffaä, Lui 
ne chaurroii ... S’estiiens tuit oceis et desmembre (v. 7791—93). 
Obwohl später die Mutter Bueves letzterem sich reu- und de¬ 
mütig naht, erbietet sich Soibaut, an ihr die verdiente Todes¬ 
strafe zu vollziehen {v. 8537—42). Auch in der Scene am Hof 
in London tritt er außerordentlich energisch auf. Schon vorher 
hatte er dem Bueve geraten, falls der König Schwierigkeiten 
machen sollte, den Doon vor versammeltem Hofe zu töten und 
sogar vor einem Kriege mit dem Könige nicht zurückzuschrecken 
(v. 8723 — 34). Den Pförtner, der den Einlaß Heischenden 
nach dem ihm gewordenen Befehl den Eintritt in den Palast 
verweigert, versucht er zunächst durch einen King zu be¬ 
stechen, und als jener bei seiner Weigerung bleibt, erschlägt 
er ihn kurzer Hand (v. 8835—57), In Gegenwart des Königs 
fordert er dann Bueve auf, dom Doon, welcher jenem den Wein 
kredenzt, den Pokal zu entreißen, da dieses Amt ihm zustehe; 
und da Bueve ihn zur Ruhe ermahnt, entreißt er selbst dem 
Doon den goldenen Kelch, und zwar mit solcher Heftigkeit, 
daß dieser zerbricht und der Wein sich über den König er¬ 
gießt (v, 8873 —902). Als 1 toon sich infolgedessen an Soibaut 
vergreift, schlägt dieser ihn ins Gesicht, so daß ihm Blut und 
zwei Zähne aus dem Munde kommen (v. 8903—13). Auf des 
Königs Befehl, ihn zu ergreifen, droht der Alte, jeden nieder¬ 
zuschlagen, der ihn anrühren sollte (v. 89L4—24). Den König, 
welcher ihn trotzdem packt und dabei seinen Befehl erneuert, 
schleudert er mit derartiger Gewalt von sich, daß jener auf 
seinen Stuhl zurückfällt, und nennt ihn sogar einen Verräter 
(v. 9006—15), Er zieht sein Schwert (v. 9019 — 20), und da 
er schon vorher die Ausgänge des Palastes hat besetzen lassen 
(v. 8976 — 88), so ist der König samt allen seinen Begleitern 
gefangen (v. 9038—47). -- Bei dem Gerichtskampf vereitelt er 
Roharts Versuch, dem Bueve eine angesägte Lanze zu über¬ 
reichen (v. 9462 — 67), und als der König sich auf den Vor¬ 
schlag der Barone hin bereit erklärt, zwischen den beiden 
Kämpfern den Frieden zu vermitteln, erhebt er dagegen Wider- 



















174 X. Charakteristik unserer Fassung. 

Spruch (v. 9554—55). — Auch später in dem Kriege in Her- 
menie schlägt er ohne Rücksicht auf ihre gefährliche Lage den 
„prevost“, der Josiane gegenüber handgreiflich werden will, in 
liueves Gegenwart ohne weiteres zu Boden (v. 13 566—69). — 
Am Schluß erscheint er allerdings als fromm, wenigstens 
empfiehlt er der Josiane bei einem Seesturm, sich nicht zu 
fürchten, sondern sich dem Schutze Jesu an zu vertrauen 
(v. 18073—75). 

Der Charakter A^oparts, welcher in der Fassung I nach 
der komischen Seite ausgestaltet und erweitert worden ist, ist 
bei uns mehr mit rohen, stellenweise grausamen Naturinstinkten 
ausgestattet worden. So verbrennt er, als er für Arondel 
Hafer sucht und solchen bei einem frommen Klausner gefunden 
hat, ohne jeden Anlaß diesen samt seiner Kapelle (v. 4208—11); 
den falschen Pilger, der die Nachricht von Bueves Tod ge¬ 
bracht hat, packt er, schleudert ihn dreimal in der Luft herum 
und zerschmettert ihn dann an einem Pfeiler (v. 6899 — 919), 
ja er bedroht den Erzbischof, der ihn daraufhin verhaften 
lassen will, so energisch, daß dieser von seinem Vorhaben 
absteht (v. 6930—38). Als er dann von Huidemer eingeschlossen 
worden ist, tut er das feierliche Gelübde, jeden Bischof, Abt, 
Priester oder Mönch, der ihm in den Weg kommen sollte, um¬ 
zubringen (v. 7428— 3L). Einen Burschen, der ihm beim 
Herabsteigen von dem Turm mitteilt, in der Kirche finde Jo¬ 
sianes Trauung gerade jetzt statt, behandelt er genau so wie 
vorher den falschen Pilger, nur weil ihm dessen Mitteilung 
nicht angenehm ist (v. 7460 — 63); ja er hätte auch dem Erz¬ 
bischöfe seinem Gelübde gemäß das gleiche Schicksal bereitet, 
hätte Bueve ihn nicht davon zurückgebalten (v. 7464 — 70, — 
Mehrfach wird sodann seine Gefräßigkeit hervorgehoben (v. 7794, 
7804). In Orgueil widersetzt er sich wegen dieser seiner 
Eßlust der sofortigen Abfahrt, um nicht das fertige leckere 
Mahl im Stich zu lassen, obwohl er dadurch sich und alle 
anderen in große Gefahr bringt (v. 7774 — 88), und als beim 
Essen Soibaut sich über dessen gewaltigen Hunger wundert, 
wirft er diesem die gröbsten Schimpfworte an den Kopf 
(v, 7812 — 23). In dem folgenden Kampfe schlägt er dann 











X. Charakteristik unserer Fassung. 


175 


allerdings allein alle Angreifer in die Flucht und nimmt deren 
Führer gefangen (v. 7853 — 90). 

Den König stellt unser Bearbeiter als dem Weine zugetan 
(v. 8344), dabei aber als schwach und von sch wanken dem 
Charakter dar, bald aufbrausend und zu Gewalttätigkeiten 
geneigt, bald mutlos und verzagend. So weist er den Doon 
zuerst schroff ab, indem er ihm sein Unrecht vorhält (v. 8253 
bis 70), später jedoch läßt er sich durch das fortgesetzte 
Drängen von dessen Verwandten bestimmen, ihn an seinen 
Hof zuzulassen, ja er nimmt dessen reiche Geschenke, die er 
vorher abgelehnt hatte, jetzt doch an {v, 8330), obwohl er sich 
bewußt ist, daß er deswegen Tadel erfahren wird (v. 8321—22). 
Als er ihn aber erst in seine Umgebung aufgenommen bat, 
läßt er sich von ihm so umschmeicheln und umgarnen, daß 
er ihm schließlich alle dem Bueve zustehenden Ämter und 
Ehrenstellen überträgt (v. 8355 — 57), und daß cs dem Doon 
sogar gelingt, ihn völlig gegen Bueve und Soibaut aufzureizen 
(v. 8369 — 86). Als letztere nun an den Hof kommen, ist er 
daher dem Soibaut gegenüber zuerst sehr herrisch und befiehlt, 
ihn zu ergreifen; dann aber sucht er ihm gut zuzureden und 
predigt Frieden (v. 8915 —17, 8941—47, 8958—65). Da er 
aber auf Widerstand stößt, will er wieder Gewalt anwenden, 
packt den Soibaut eigenhändig und befiehlt, ihn in den Kerker 
zu werfen (v. 9002 — 5). Gleich darauf bietet er jedoch dem 
Bueve 10000 Mark Silber und die Stellen seines Vaters an, 
falls er Frieden machen will (v. 9074 — 76); ja sobald dann 
der Graf von Chester sich ebenfalls für Bueves Forderungen 
ausgesprochen, gibt er sofort völlig nach (v. 9134—53). Bei 
dem Gerichtskampf entdeckt er den Betrug Eoharts mit den 
Lanzen (v, 9461), erklärt aber nur, er würde jenen vom Hofe 
jagen, wenn er nicht fürchtete, sich dadurch Feinde zuzuziehen 
(v. 9476—77). — Die Königin, welche später ihm gegenüber 
den Bueve zu entlasten sucht, weist er mit rauhen Worten 
zurück iv. 11167 — 69), behauptet sodanu in der Verhandlung 
der Barone völlig unrichtig, Bueve habe eingewilligt, daß das 
Pferd seinen Sohn töte (v, 11190 — 93), und schwört, er werde 
nicht eher seines Lebens froh werden, als bis er jenen beiseite 






176 


5. Charakteristik unserer Fassung. 


geschafft habe (v. 11195 — 96) Daher erklärt er dem Bueve, 
er werde ihn hängen (v. 11244); er läßt auch wirklich einen 
Galgen errichten und jenen zum Hängen binden (v. 11250—56). 
Als ihm aber Maxin deswegen Vorstellungen macht, erfahren 
wir, daß er auch diesem böse mitgespielt haben würde, wenn 
derselbe nicht von einer starken Schar Bewaffneter begleitet 
gewesen wäre. So mäßigt er sich zwar, wiederholt aber auch 
ihm gegenüber, Bueve habe seinen Sohn durch sein Pferd 
töten lassen. Dann aber ist er damit einverstanden, daß die 
Barone entscheiden sollen (v. 11325 — 49). Man erkennt deut¬ 
lich, wie er zwischen den verschiedenen Stimmungen und Ent¬ 
schlüssen bin- und herschwankt 

E. Übertragung tätiger, z. T. kriegerischer Rollon 

an Frauen. 

Eine weitere bemerkenswerte Veränderung, die unser Be¬ 
arbeiter mit den Personen seiner Vorlage vorgenommen hat 
besteht darin, daß er im Gegensatz zu den übrigen Fassungen 
einzelnen Frauen einen bedeutsamen tätigen Anteil an der 
I iandlung und zwar sogar an den kriegerischen Aktionen über¬ 
tragen hat, besonders Soibauts Gattin Adelheid, sowie der 
Josiane. Jene spricht sich z. B. gegen Soibauts Plan, mit Bueve 
zu entfliehen, aus und schlägt einen anderen vor: Roboan, ihr 
jüngerer Sohn, soll zu ihrer Schwester geschickt werden, und 
Bueve soll, unkenntlich gemacht, in ihrem Hause dessen Stelle 
einnehmen (v. 860—95). Da Soibaut zustimmt, so wird dieser 
Vorschlag ausgeführt, worauf die Damo Bueves Äußeres mit 
Hülfe eines Krautes und eines groben Anzuges völlig verändert 
(v. 896 — 917), Später ist sie es auch, die ihren Gatten auf 
Bueves Verschwinden vom Hofe aufmerksam macht und ihn 
dazu bestimmt, diejenigen, welche sich für Bueves Sicherheit, 
verbürgt hatten, zur Rechenschaft zu ziehen (v, 1696 — 1711). 
Während der Kämpfe vor Hantone erkundigt sie sich, wer 
Fromont gefangen genommen habe, und als sie hört, dies sei 
die Tat des neuen Söldners, spricht sie den Wunsch aus, ihr 
junger Herr Bueve möchte ein ebenso tüchtiger Ritter geworden 
sein und jetzt neben ihr sitzen, worauf der Söldner ihr dessen 












X. Charakteristik unserer Fassung. 


177 


baldiges Kommen iu Aussicht stellt (v. 5218—39), Sie erklärt 
ihrem Gatten, seine Verwandten leisteten im Kriege lange nicht 
so viel wie der Söldner, und knüpft daran die Bemerkung, 
das Herz sage ihr, daß jener Bueve sei (v. 5563—80); und 
hieran schließt sich die anziehende Episode, wie sie es dahin 
bringt, daß Bueve sich zu erkennen gibt (s. S, 159). Im wei¬ 
teren Verlaufe des Kampfes läßt Soibaut ihr sagen, sie möge 
ihm möglichst starke Hülfstruppen aus der Burg an die Freut 
nachschicken (v. 6061—-65, 6077—80), und nachdem sie sich 
bei dem Boten über den Stand des Gefechtes unterrichtet bat 
(v. 6068—72), erläßt sie sofort die nötigen Befehle (v. 6081—89). 
Auch als man Hate gefangen einbringt, läßt sie sich genauen 
Bericht erstatten und erfährt zu ihrer Freude, daß der Söldner, 
den sie ja jetzt kennt, den Hate besiegt und gefangon genommen 
hat Sie schmäht letzteren, läßt ihn an einen Baum binden 
(v. 6355—67), und begrüßt dann freudig Bueve, als dieser aus 
dem Kampf zurückkehrt iv. 6390—93), Während der Abwesen¬ 
heit Bueves und ihres Gatten übernimmt sie zusammen mit 
ihrem Neffen Gerhard die Verteidigung (v. 6434—38, 6459—60), 
und es gelingt ihr, wie wir gesehen haben (S. 152), durch 
einen von ihr geschickt ersonuenen Plan das ganze Lager der 
Feinde zu vernichten. Bei der Rückkehr des Schiffes aus Köln 
schmückt sie zum Empfang den Palast festlich und begibt, sich 
mit Gerhard an den Hafen, begrüßt alle, besonders Josiane, 
für welche sie ein Maultier mitgebracht hat, und führt die 
Gesellschaft zur Burg (v. 7941 — 65). Als Buovo nach der 
Einnahme von Hantone Josiane durch Thierri herüberrufen läßt, 
eilt sie ihrem Sohne entgegen und begleitet die Damo in die 
wiodergewonnene Stadt (v. 8623 — 43). 

Fast noch größer ist der Anteil, den bei uns Josiane an 
kriegerischen und sonstigen in unserer Erzählung berichteten 
Handlungen übernimmt. So leistet sie Bueve in dem Kampfe 
gegeu die Löwen erfolgreichen Beistand, indem sie ihm das 
zur Erde gefallene Schwert wieder überreicht, und empfängt 
dafür seinen Dank (v. 4009—11). Als er gleich darauf an 
seinem Entkommen aus ihrer gefährlichen Lage verzweifelt und 
sich sehr verzagt ausdrückt, spricht sie ihm Mut zu (v. 4172 

BtimmiDg, ihm tone. 12 















178 


X. Charakteristik unserer Fassung. 


bis 74). Da auf dem Schüfe die Kölner Kaufleute sich vor 
dem Anblicke Atjoparts fürchten, führt sie diesen in eine 
Kajüte und läßt ihn sich hinlegen, so daß er ein schläft 
(v. 4399 — 402). Das griechische Feuer, welches die Sarazenen 
auf das Schiff werfen, bekämpft sie sachverständig mit dem 

v 

einzigen wirksamen Mittel, mit Sand und Essig, rettet so die 
ganze Bemannung und ruft dann den A^opart zur Hülfe herbei 
(v. 4522 — 32). Nach Beendigung des Kampfes verbindet sie 
A 90 parts Wunden und pflegt diesen (v. 4592—• 95). In Köln 
verwendet sie, als sie erkennt, daß Huidemer gegen sie Gewalt 
gebrauchen will, eine List; sie gibt nämlich scheinbar nach, 
erbittet und erhält aber dafür einen Aufschub der Hochzeit 
(v. 7091—96). Bei der Trauung beantwortet sie die Frage des 
Abtes, ob sie Huidemer als 1 atteu haben wolle, entschlossen mit 
„uein“, gibt auch die Gründe ihrer Weigerung an (v. 7160—67) 
und wiederholt letztere gleich darauf noch einmal (v. 7179—83); 
ja als Huidemer sie schmäht, schlägt sie ihn ins Gesicht, daß 
er blutete (v, 7195 — 201 ), und setzt dem Befehle Huidemers, 
sie zu ergreifen, Widerstand entgegen, bis die Kräfte sio ver¬ 
lassen (v. 7206—14).— V 011 ihr geht sodann bei den Kämpfen 
um Hantone der Kat aus, Bueve solle nach London ziehen, 
um Doon am Königshofe gegen ü herzu treten (v. 8663— 72). 
Nach ihrer Verheiratung warnt sie Bueve davor, an dem ver¬ 
hängnisvollen Wettrennen teilzunehmen (v, 10 704—24), 

Im zweiten Teile greift sie nicht minder wirkungsvoll in 
die Handlung ein. In Sivele entwirft sie den Plan, wie Soibaut 
und sie sich Bueve zu erkennen geben sollen (v. 13012 — 26). 
Besonders aber tritt sie in dem Kriege in ihrer Heimat Her- 
menie mit Waffentaten hervor. Einen starken Sarazenen, welcher 
den Soibaut durch einen gewaltigen Schlag betäubt hat, packt 
sie an den Haaren, wirft ihn zu Boden und tötet ihn ver¬ 
mittelst. eines Knüttels (v. 13588—605), erschlägt dann noch 
fünf weitere Feinde (v. 13640 — 41) und erklärt dem Bueve, 
sie werde auch ihm im Kampfe beisteben (v. 13801—7). Sie 
logt daher am folgenden Morgen eine Rüstung an (v. 14118—21), 
(es ist allerdings nicht klar, woher sie diese nimmt), tötet Tarsi 
von Bonnivant (v. 13906), sowie einige andere Sarazenen 


















X. Charakteristik unserer Fassung. 


170 


(v. 13919 — 24), und verspricht darauf ihrem Gatten, während 
seiner Abwesenheit den Turm zu verteidigen (v. 14118 — 21). 
Daher erbietet sie sich auch dem Soibaut gegenüber zur Hiilfe- 
leistung und, obwohl dieser das Anerbieten ablehnt (v. 14211 
bis 21), bekleidet sie sich aufs neue mit einer Rüstung (v. 14261 
bis 65) und rettet Soibaut aus Todesgefahr, indem sie einen 
der angreifenden Heiden erschlägt sowie einen anderen in die 
Flucht treibt (v. 14297 — 99). Es gelingt ihr und Soibaut, 
letzteren Heiden zu ergreifen, worauf sie ihn aufhängen 
(v. 14300—24). Später führt Josiane auch die Verhandlungen 
mit dem belagernden Yvorin und rettet durch eine klug er¬ 
sonnene List ihren jungen Sohn aus dessen Händen und damit 
vor dem Tode, mit dem diesor ihn bedroht (v. 15022—27). 

F. Sonstige Merkmale unserer Fassung. 

Unter den weiteren besonderen Merkmalen unserer Fas¬ 
sung habe ich eines bereits oben {S. 144 und 147 —48) erwähnt, 
nämlich die Neigung des Bearbeiters, jenem von ihm herrüh¬ 
renden Abschnitte einen möglichst national-französischen 
Anstrich zu geben. Diese selbe Neigung tritt nun auch in 
den übrigen Teilen dos Gedichtes deutlich hervor. So ant¬ 
wortet, um dafür einige Beweise zu geben, Bueve auf König 
Hennins Frage, woher er stamme: „De France le regne.“ 
(v. 1676), und dieselbe Angabe macht er gegenüber dem Riesen 
(v, 3231) sowie der Josiane (v. 3614) und sehr oft. Daher wird 
Bueve in dem Gedieht denn auch gewöhnlich U Francois 
genannt, z. B. v. 1869, 18S8, 1892, 2947, 2950 usw. oder 
U franr;öi$ eseuiers, bacheiers , z. B. v. 1833, 2017 u. ö. Dem¬ 
entsprechend heißt seine Heimat France, z. B. v. 2086, 2192, 
2219, 2694 u. ö., sogar douce France, z.B. v. 2285, 2747, 3348, 
3492, 3628, 3743 usw., und er selbst Bueve de France , so 
v. 12317, 12394, 12426 u. ö. Ja auffallenderweise schwört 
Bueve sogar iu London, als er aus dem Lande verbannt wird, 
er werde nicht in Frankreich oder England bleiben (v. 11389 
bis 92). Daneben begegnet allerdings auch die ältere aus der 
Vorlage herübergenommene Auffassung, z. B. Bueves . . . Jura, 
Fn Engleterre plan ne sejornera (v. 11406). Auffällig ist auch, 













180 


i. Charakteristik unserer Fassung. 


daß sogar die Truppen König Hermins mit Francois bezeichnet 
werden (v. 15181, 15928), ja selbst mit nostre Francois 
{v. 14453), und daß Bueve die Vencadousse von Sivele bittet, 
ihrer beider Sohn später zu seiner ritterlichen Ausbildung in 
das reyne saint Denis zu schicken (v. 13207). Ja in einer 
seiner Interpolationen verlegt unser Bearbeiter sogar Hantone 
nach Frankreich. In Köln erzählt nämlich ein Pilger, eine Dame 
habe ihn gebeten Que li venisse en France salüer TJn da - 
moisel a Hantone sor mer (v. 4693 — 94). 

Fast noch mehr fällt eine andere Veränderung in die 
Augen, welche der Bearbeiter an dem Gedichte vorgenommen 
hat, nämlich das geistliche Gepräge, das er ihm äufgedrückt 
hat Den Hauptverlauf der Handlung konnte er allerdings nicht 
verändern, weil dadurch die ganze Grundlage der Erzählung 
erschüttert worden wäre, aber er ist auf ein Mittel verfallen, 
das auch bei dem Guillaume d’Orange, dem Girard von Rossilion, 
dein Rainouart und anderen Volksepen 1 verwandt worden ist, 
wo der Held aus einem rauhen Krieger sich in einen frommen 
Hann Gottes verwandelt; auch er hat nämlich seinem Werke 
einen ähnlichen Schluß angefügt, indem allein in unserer 
Fassung unser Held sein Leben als Einsiedler beschließt. Als 
nämlich Josiane gestorben war (v. 18877), läßt er seinen und 
der Vencadousse Sohn zum König krönen (v. 18913) und flieht 
gleich darauf heimlich vom Hofe (v. 18916), begibt sich in 
einen Wald (v. 18955), findet einen soeben gestorbenen Klausner, 
den er begräbt, bezieht dessen Einsiedelei, indem er sich von 
Holzäpfeln nährt und sielt kasteit (v. 18984—85). Dann pflanzt 
er Bäume, befreit den Wald von Räubern und lebt so fünf 
Jahre lang in Armut (v. 18987—99). Als nun Bueve von 
Monbrant mit seinem Bruder Gm von Aubefort und Tbierri 
von Sivele neben dem König von Frankreich nach London 
kommen, um Bueve zu besuchen, und zu ihrem Schmerz hören, 
daß er verschwunden sei, erscheint dem französischen Könige 
im Traum ein Engel und teilt ihm den Aufenthaltsort Bueves 
mit. Alle begeben sich zu der Einsiedelei und finden jenen 

fa HP 

1) s* Boje, Uber den altfranz. Roman von Bueve de Han tone, Halle 
1909, ä. 132—33« 




























X. Charakteristik unserer Fassung. 


181 


sterbend. Nachdem er seine Söhne zum Abschied geküßt, steigt 
sein Geist, der Sünden ledig, zu Gott empor, um mit diesem 
vereinigt zu bleiben (v. 19019—111). Bueve bat also hier das 
typische Ende eines Heiligen. Aber, wie wir gesehen haben, 
auch ßueves Hutter hat sieh schließlich aus einem verworfenen 
Geschöpf in eine bußfertige Sünderin verwandelt, die hinter 
Klostermauern ihre früheren Verfehlungen zu sühnen versucht, 

ja auch Soibaut und selbst Doon bekamen zum Schluß fromme 

* 

Anwandlungen. 

Biese Neigung zur Frömmigkeit tritt jedoch nicht nur gegen 
Ende von Bueves Leben zutage. Fast alle Hauptpersonen 
unseres Gedichtes beobachten im ganzen Verlaufe der Erzählung 
sorgfältig alle Vorschriften der Kirche. So erfahren wir z. B. 
sehr oft, daß Bueve die Kirche besucht, meist allein, wie 
v. 2406—7, 5421—22, 8783—85, 10622 u.ö., wobei ausdrück¬ 
lich berichtet wird: De dien servir estott acoustume (v, 10623), 
ebenso von ihm und Josiane: De dien servir ont bonnc volentc 
(v. 16362). So geht er denn, als er in Sivele Josiane hatte 
singen hören, in die Vineentkirche (v. 12858) und hört später 
in Born beim Papst eine Messe (v. 18520). In Gemeinschaft 
mit seiner ganzen Begleitung besucht er nach seiner Ankunft 
in Orgueil das Gotteshaus (v. 7063—64), desgleichen mit Hennin 
nach seinem Siege über Yvorin (v. 15430), mit Josiane nach 
ihrer gemeinsamen Rückkehr aus M'onbrant (v. 16350—61). 

Aber auch die übrigen Personen sind nicht weniger ge¬ 
wissenhaft. So begibt sieb Soibaut nach seiner Ankunft in 
S. Gille sofort in die Kirche, um für das Gelingen seines Unter¬ 
nehmens zu beten (v. 11782— 87), und zu demselben Zweck 
in Sivele in die Moritzkirche (v. 12546). Der König von Eng¬ 
land, erfahren wir, wohnt täglich dem Gottesdienste in der 
Paulskirche bei (v. 8196—98); dort wartet daher Doon auf ihn 
und trifft ihn beim Herauskommen (v. 8218 — 23, 8234 — 35). 
Ebenso begibt sich Josiane mit der Tochter des Königs Simon 
in ein Gotteshaus, um für Bueves Sieg zu beten (v. 18330—34). 
Thiorri erinnert Bueves Sohn Gui daran, daß es Zeit zum Be¬ 
suche des Gottesdienstes sei (v. 17 069 — 70), und beide begeben 
sieb alsbald zur Messe in die Johanniskirche (v. 17072 — 73). 










182 


X. Charakteristik unserer Fassung. 


So wird noch mehrfach, ohne daß ein besonderer Anlaß dazu 
vorliegt, der Besuch der Messe oder sonst der Kirche hervor¬ 
gehoben, z. B. durch Soibaut und seine Frau (v. 1696— 98), 
durch Huidemers Leute (v. 6398), durch den englischen König 
(v. 10620—21), durch Vcneadousse von Sivele (v. 1233S), durch 
Bueves Sohn Gui ( v . 16821 — 22) u. a. 

Nicht weniger häufig begegnen wir der Mitteilung, daß 
der eine oder der andere m Gott, Jesus oder Maria gebetet 
habe. So tut Bueve dies in der Simonskirche (v. 2106— 7): 


,, Car coitstumiers en estoit ii frans hont, Et eascun jor prioil 
dicit et son non Qii’il ait merci de son pere Gition“ (v. 2808—10 
und wörtlich ebenso v. 5423— 27). Ähnliche Angaben kehren 
ziemlich häufig wieder von ihm und anderen, z. B. v. 733—35, 
2804, 2826, 3312, 4050—51, 7562 — 65, 8786 —88, 11668, 
14062 u. a. Ja nicht selten wird uns der Wortlaut der Gebote 
vollständig mitgeteilt, so solcher an Gott v. 828—36, 2612 — 14, 
2872—73, 3152—54, 3170—71, 3500—7, 9708 — 10, 9730-31, 
9855 — 59, 11796 — 97, 14420 — 22, 14855 — 58; an Jesus 
v. 661 — 74, 2518 — 19, 2833 — 36,8789—8810,14255 — 60, 
14930—41; an Maria v. 2575, 2763 -65, 2780 — 81, 3926, 
4326 — 28, 9678—80, 14399—405; an Gott und Maria 
v. 1968—69, 2816-20, 3982—83, 11397—403, 12632-36; 
endlich an Jesus und Maria v. 2809 —13. 

Aber auch andere kirchliche Handlungen werden erwähnt, 
zum Teil sogar samt dem ganzen dabei beobachteten Zc te- 
moniell beschrieben; so zweimal das Begräbnis eines Pilgers 
durch Bueve (v, 3467 —69, 3472 — 73 und 6967 — 70); die 
Trauung Josianes mit Huidemer (\\ 7152 — 59); das Wachen 
in der Paulskirche in der Nacht vor dem Gottesgericht „des- 
cutts, cn langes “ (v. 9227 — 28), die Trauerwache und der 
Trauergottesdienst für den englischen Prinzen (v. 11179 —80, 
11181—82, 11185); die Taufe des heidnischen Königs Faus- 
seron (v. 18466—70). Die Einzelheiten der Taufe werden auch 
bei anderen Gelegenheiten, erwähnt, so wenn Soibauts Frau 
den Bueve beschwört Par les sains fons a fm rengeueres, 
Quant oh le mini et le eres me et ie sei, K'anlrcsi n arges 
com elHerges embrascs (v. 5634 — 36; fast wörtlich ebenso 
























X. Charakteristik unserer Fassung. 


183 


v.-12187 — 88). An anderen Stellen hören wir, daß Bueve 
eine Pilgerfahrt nach Jerusalem zum heiligen Grabe gelobt 
(v. 2811 —12, 2818 —19, 2836), daß er in der Kirche opfert, 
so vor dem Gerichtskampf seine ganze Rüstung (v. 0250—53), 
die er dann für hundert Mark Silber wieder einlöst (v. 0294), 
während sein Sohn in der Johanniski rohe eine Mark Silber 
opfert (v. 17074 — 75); daß Bueve sich vor dem Hochaltar 
(ymage) verneigt, dies sogar, als er bewaffnet und zur Rache 
bereit in die Peterskirehe eindringt, um Josiane zu retten 
(v. 7290), aber auch sonst (z. B. v. 8811), und dasselbe tut der 
englische König (v. 8232); endlich daß Bueve iu Jerusalem 
dem Patriarchen beichtet {v. 3485) und ebenso in Rom dem 
Papste (v. 18519). 

Ein anderes Merkmal des geistlichen Charakters besteht 
darin, daß der Geistlichkeit eine möglichst bedeutende Rolle 
zuerteilt ist, indem deren Gegenwart und Mitwirkung bei allen 
Gelegenheiten stets hervorgehoben wird. So befinden sich bei 
Doons Hochzeit unter den Gästen an der Tafel Bischof Reiner, 
Priester und andere Geistiiche (v. 1057 — 00); beim Einzuge 
Bueves in Hantone läuten die Glocken, und die ganze Geist¬ 
lichkeit zieht ihm mit brennenden Weihrauchbecken entgegen, 
worauf Bueve vom Pferde steigt und zu Fuß an der Seite des 
Bischofs einzieht (v. 8583 — 90); ja, als Bueve sich nach dem 
Siege über Doon mit großem Gefolge wieder in seine Stadt 
begibt, begleitet ihu sogar der Erzbischof von Canterbury 
(v. 9994—95), der auch bei Tisch links neben ihm sitzt 
(v. 10065—66) und die Trauung Bueves mit Josiane vornimmt 
(v. 10110 —11}, Auch dem großen Hoffeste in London wohnen 
zahlreiche Erzbischöfe, Priore und Äbte als Gäste bei (v. 10269), 
und einer der Brzbischofe steht dem Könige besonders nahe 
(v. 10277). Als es später der Vencadousse von Sivele gelungen 
ist, den Bueve zur Heirat mit ihr zu bewegen, entbietet sie 
ihre Mannen, und unter diesen werden die Äbte und Bischöfe 
besonders hervorgehoben (v. 12418); von zwei Krzbischöfen 
wird Bueve dann zum König gekrönt (v. 15539), und genau 
so wird auch die Krönung von Bueves Sohn Gui zum König 
in Herraenie von zwei Erzbischöfen vorgenommen {v. 17 906). 











184 


X. Charakteristik unserer Fussitag. 


Ein Geistlicher, der Abt Savari, ein Oheim Bueves, bewahrt 
letzteren durch einen Tannenapfel, welcher aus dem Paradiese 
stammte, vor Vergiftung (v. 1458—72). Auf seiner letzten Reise 
in die Heimat besucht Bueve fast ausschließlich Kirchen fürsten, 
so in Rom den Papst (v. 18518), in Lyon und in Sens die 
dortigen Erzbischöfe (v. 18525 — 28, 18577), von denen der 
erstere sogar sein Vetter ist (v. 1852(1 — 27); beide Erzbischöfe 
schließen sich ihm als Reisebegleiter an (v. 18597—98), Schon 
vor seiner Ankunft in Paris hatte ein römischer Legat dort 
sein bevorstehendes Eintreffen verkündet (v. 18633). Alle so¬ 
eben genannten Würdenträger machen den feierlichen Einzug 
in London mit, bei welchem unter allen hochgestellten Personen 
ausschließlich die Teilnahme von sieben Erzbischöfen hervor¬ 
gehoben wird (v. 18794). Ja sogar in den Träumen spielt die 
Geistlichkeit eine hervorragende Rolle. So erschien es dem 
Bueve einst im Schlaf, als rettete er sich in ein Kloster, wo 
zahlreiche Mönche, Äbte, Priester und andere Geistliche ihn 
beschützten (v. 804 — 7), worauf zwei Tauben aus dem Prive- 
kloster ihn mit ihren Flügeln bedeckten (v, 809 —10). 

Auch die Form unseres Gedichtes hat ein stark hervor¬ 
tretendes theologisches Gepräge. Dies zeigt sich z. B. in den 
zahlreichen Anspielungen au die Bibel und deu Katechismus, 
So begegnen wir solchen an die Erschaffung der Erde,' des Meeres 

a 

und der Fische (v. 4826 — 28), an die Adams aus dem Schlamme 
{Union v. 4782—83), an den Sündenfall (v. 40—41), an Moses 
(v. 14857), an Elias (v. 712), an Noah und Abraham (v. 18006), 
an Daniel in der Löwengrube (v. 064), an die Rettung des 
Jonas aus dem Walfisch (v. 603) und au den tüchtigen König- 
David {v. 15593), Aus dem Neuen Testament an Christi Ge¬ 
burt am Weihnachtstage (v, S792) zu Bethlehem (v. 14062—63, 
15370, 15437, 18959), an dessen Taufe durch Johannes (v. 758) 
und zwar im Jordanflusse (v. 3479); weiter wird Simeon er¬ 
wähnt, der im Tempel Christum als Kind auf den Armen trug 
(v. 17155), sodann darauf hingewiesen, wie Jesus der Magda¬ 
lena im Hause Simons verzieh (v. 665), wie er einst Wasser 
in Wein verwandelte (v. 10482), wie er durch die Juden und 
speziell von Judas für 30 Silberlinge verraten (v. 067, 8795—97), 














185 


X. Charakteristik unserer Fassung. 

r 

später an diese selben Juden ausgeliefert (v. 8794) und ans 
Kreuz geschlagen ward (v. 661—62, 2518, 14930—31, 15912, 
16279); wie er von dort aus seinen Jünger Johannes segnete 
(v. 767), wie Longinus seine Seite mit einer Lanze durchbohrte 
(v. 8800, 12153, 13214, 18061, s. Aura, zu v. 13153), und er 
schließlich vom Kreuz herabgenommen wurde (v. 8801). 

Nicht weniger häufig wird aber auf Lehren der Kirche, 
speziell des Glaubensbekenntnisses Bezug genommen. So wird 
hervorgehoben, daß Jesus von einer Jungfrau geboren worden 
ist (v. 2763, 3983, 8791, 9242, 15615, 18959), für unsere Er¬ 
lösung den Kreuzestod erlitten hat (v. 8799, 14930—31), im 
heiligen Grabe beerdigt worden (v. 2811, SS02, 18062), am 
dritten Tage wieder auferstanden ist (v. 8803, 18063), die Hölle 
besucht hat {v, 8804—6, 18064—66) und dann zum Himmel 
aufgefahren ist (v. 8807). 

Auch zahlreiche Heilige werden angeführt, z. B. außer den 
weiter unten in den Beteuerungaformeln genannten noch viele 
andere, wobei ich immer nur einen Beleg angebe, so Amant 
(v. 185), Ame (v. 10079), Andrieu (v. 871), Aumer (v. 370), 
J>enisyj(v. 1718), (HU es (w 11902), Ilona re (v. 7180), Julian 
(v. 13511), Legier (v. 16163), Li'enart d. h. Leonhard (v. 17 576), 
Marcel (v. 16648), Martin (v. 10469), Michiel (v. 270), Morisse 
(v, 14992), Nicolai (v. 18049), Pierre (v. 986), Pol (v. 9238), 
Prire (v. SOS), Remi (v. 13162), Simon (v. 10908), Vincent 
(v. 12858), Wislasse (v. 19112) u. a. Weiter wird hervor¬ 
gehoben, daß der h. Leonhard aus Fesseln befreien kann 
(v. 17 570), und berichtet, daß Bueves Sohn Gui einen Helm 
besaß, welcher von dem h. Dionysius getragen worden war 
und den er erhalten hat, als er zum Kitter geschlagen wurde 
(v. 17091 — 92). Endlich hören wir von den heiligen drei 
Königen, welche in Köln verehrt werden (v. 5879, 0477). 

Aber auch sonst flicht der Verfasser hin und wieder fromme, 
z. T. spezifisch christliche Gedanken, Wendungen, Ausdrücke, 
Anrufungen und Beteuerungen in seine Erzählung ein. So 
knüpft der Koch an seiuo Ablehnung des Vergiftungsvorschlages 
die Worte: Sowviegne vous de dien !c raemant Kt de ses 
sarns, k’il vous soieut aidant (v. 218 —19). Buevo empfiehlt 



















186 


X. Charakteristik unserer Fassung. 


* 

seiner Gattin Ergebung in Gottes Ratschluß mit den Worten: 
A dieu du eiet eommandons nostre eufant (v. 14078) und: 
A dien de gloire cot telegne de C eufant (v. 14087). Daher be¬ 
gegnen wir mehrfach Wendungen wie fte commandent a dien 
qui ne menti (v. 114f)4, ähnlich 11652 u. ö.). Soibaut richtet 
seinen verzagenden Herrn mit den Worten auf: Commandons 
nous au com meisme de, Stil (sc. die Heiden) nos occient, ja 
ne serons da mp ne (v. 13421—22); beim Tode eines Kämpfers 
ruft der Dichter aus: Dieits en alt l'ame , rar il fn baptisies 
(v. 17402); auch sieht er den Tod Bueves voraus, se dieus 
neu pmse pur son samtisnie non (v. 563, ähnlich v. 3967). 
Dein Braidimont ruft Buevo zu: Aroec mol ai tcl seigneur 
amene, Gel ui qui m’a de la prlson gele (v. 2993 — 94). Hei 
einer anderen Gelegenheit wünscht er einem Heiden: Dieus 
raus doinst croire et foi (v. 3559); derselbe seinem Sohn heim 
Ritterschlag: Gr doinst dieus Jhesucris Quo tu leis soies . . 
(v. 15 593). Auch sonst tragen die Wünsche oft ein kirchliches 
Gepräge, z. B. Cü damediens qui en tu crois fn mis, Qui wer 
et monde saina et beuei , 11 saut , . (v. 2463—64); Dieus te 
ramaiut par son disne com maul (v, 27 10. ähnlich v. 1 1568); 
Dieus vom gart... de sainte mäiste (v. 3607); Or en penst 
dieus (v. 11609); Va Cent. ..au fit sainte Marie , Qui ton 
com gart de tonte vilounie (v, 1940—4L); Jhesus le (sc. Braidi¬ 
mont) tatst a sa toi convertir (v. 2533); Ja dien ne place qui 
tont a a sauver {v. 3218). Ebenso natürlich Verwünschungen, 
wie Jhesus les maleie! (v. 729) und viele ähnliche. 

Auf denselben Geist ist es zurückzuführen, «laß mehrfach 
die berichteten Handlungen oder Ereignisse oder der Erfolg 
eines Schrittes dem Ein wirken oder Eingreifen Gottes, Jesu 
oder eines Heiligen zugeschrieben, bzw. als von diesem ab¬ 
hängig hingestellt wird, z. B. in damedieus me fiet dl aas 
escaper (v. 801); Si com dieu plot et tu sine honte (v. 3017 u. 6.); 
cst reines . . en Jhesu, qui mon com m’a saure (v, 3344); 
Se dieus n’en pensc et la vir ge houeree .. ., aront dolereuse 
jornee (v. L959 — 60) u. a. 

Daher beginnen Selbstgespräche oft mit der Anrufung Gottes, 
Christi oder Mariä, an die dann Betrachtungen, Klagen u. dgl. 











X. Charakteristik unserer Fassung. 


187 





geknüpft werden. So in: „He, dieus!“ dist elc, „qui toi ns 
en baiilic; Peres poissaus, com m’aves etthäie, Quant jovenes 
hom ne faxt de moi s'amie“ (v. 119 — 52). In ähnlicher .Weise 
wird Gott angerufen v. 2030. 2074, 2582, 2595, 2973, 3024 u. ö.; 
ebenso Christus v. 1492, 2784, 2833, 3152 u. 5.; Gott und 
Maria v. 1584 — 85, 1968 — 69, 3785 — 80 u. ö. 

Diese selben werden auch bei Versicherungen, Beteuerungen, 
Bitten und Beschwörungen als Zeugen bzw. als Vermittler ge¬ 
nannt. So finden sieh wiederholt Wendungen wie pour ( pur) 
dien mit Zusätzen wie omni potent (v, 209). Ic. er ca tour (v. 284), 
de mäiste (v. 2136) u. a., oder par cei signour qui tun int en 
Oriaut (v. 1158) u. ä. In gleicher Funktion erscheint Jesus, 
z. B. in foi que doi le gtorieus Jhesu (v. 428), pur ia foi que 
doi Ic roi Jhesu (v. 1228), pur (c seigneur qui en ia crois fu 
mis (v. 2553), par cel dien con apele Jhesu (v. 2790) und in 
vielen ähnlichen Wendungen: desgleichen Maria, so in par ia 
foi que doi sainte Marie (v. 157), Par kt virge pueele tv. 1797) 
usw.; oder ein Apostel, z. B. in Par cel apostle que quierent 
pelcrin ( paumier ) u. a.; v. 1421, 1433, 2208, 3402, 3411 u. a.), 
par /’ apostle que on doit aourer (v. 3147), par saint Piere de 
Rome (v. 9568); auch in Gemeinschaft mit Jesus: Pur cd apostle 
que on aeitre et prie Ne pur le fil n la virge Marie (v. 12279 
bis SO); endlich Heilige, und zwar sowohl kollektiv, z, B. in 
pur les sedns cors de France (v. 332), par tous les sains de 
Rome (v, 965), par Ions les sains que on doit deproiier 
(v. 1231.8); als auch einzelne, wie Par le cors saint Amant 
(saint Simon, saint Richter v. 194, 1143, 6312 u. a.), par saint 
Denis (Marcel, v. 1718, 4953 u. a.), pour Camour de saint 
(ritte (v. 5309) u. a. Hierher gehört auch die Beschwörungs¬ 
formel: je te conjur par ta crestieute El par tes fons u fas 
reugeneres (v. 17 763—64). 

Auch daß der oder die Teufel oft erwähnt werden und 
vieles ihrer Einwirkung zugeschrieben wird, darf man auf 
diesen theologischen Geist ZLiiiickfübren. So herrscht der 
Teufel in dem Herzen einer bösen Frau (v, 37), der Schutz 
der Heiligen wird gegen den Teufel angerufen (v. 220), nach 
der Ansicht Fromonts und Hates haben Teufel den getöteten 





































188 


X. Charakteristik unserer Fassung. 


Bueve wieder ins Leben zurückgerufen (v. 1154); die Herzogin 
schickt die Kinder von Hantone zu allen Teufeln, als sie 
Bueve unter ihnen nicht gefunden hat (v. 1310); hundert Teufel 
verschaffen dem Fromont und Hate, nachdem sie Bueve ver¬ 
kauft haben, günstigen Wind für die Heimfahrt (v. 1620), und 
so greifen mehrfach ein oder mehrere Teufel in die Handlung 
ein. Ja einzeln erfahren wir, daß sie einen Menschen „gefeit“ 
haben, z, B, Qou cst uns kom que deable ont fae , En une 
ferne d'un luiton emjmrres (v, 4038 — 30). 

Bei dieser überwältigenden Menge von Merkmalen kirch¬ 
lichen Geistes, der dem Gedichte in allen seinen ä'eilen an¬ 
haftet, ist die Vermutung außerordentlich naheliegend, fast auf 
der Hand liegend, daß der Bearbeiter unserer Fassung ein 
Geistlicher gewesen ist, und diese Vermutung wird durch die 
Worte in der Einleitung desselben La canehnn ... par un 
eiere fu renouvelee (v. 15) fast zur Gewißheit. In jenem 
clerc hat man nämlich wohl sicher einen Geistlichen zu sehen, 
um so mehr, als er sich über die jongleoitr, d. h. die Volks¬ 
dichter, sehr unfreundlich ausspricht und sich zu ihnen, be¬ 
sonders ihrem Bericht, in Gegensatz bringt (v. 4 —13). 

Wenn ich nun dazu übergehe, die übrigen charakteristi¬ 
schen Merkmale unseres Gedichtes aufzuzählen, so erwähne ich 
zuerst die Neigung des Verfassers, gelegentlich Sentenzen, 
allgemeine Sätze praktischer Lebensweisheit in die Er¬ 
zählung einzustreuen. Einzelne derselben tragen auch wieder 
einen geistlichen Charakter, %vie: „wer 1 ott. vertraut, dem kann 
es nicht schlecht gehen“ (v. 760), „er hat nichts zu fürchten“ 
{v. 17798), oder „Gott ist ein starker Schutz“ (v. 1916 — 17); 
„er vergißt die Seinen nicht“ {v. 11427); „er hilft ihnen“ 
(v. 14080); „unser Leben steht in Gottes'Hand; ist uns also 
der Tod gewiß, so muß man sich in das Unvermeidliche fügen“ 
(v. 1466 — 67). Aber die meisten sind-davon frei. Eine nicht 
geringe Zahl bezieht sich auf die Frauen, meist im allgemeinen. 
So erklärt es der Dichter für eine Gemeinheit, eine Frau zu 
mißhandeln (v. 13543—44). Mehrfach spricht er sich ungünstig 
über sie aus. Er behauptet z. B., sie gerieten außer sich, wenn 
sie nicht ihren Willen durchsetzen können (v. 13143 — 45); 










X. Charakteristik unserer Fassung. 


189 



eine schlechte Frau, behauptet er. übertölpelt leicht die Klüg¬ 
sten iv. 88—39), ja sie ist jeder Untat fähig, vor ihr ist nie¬ 
mand sicher (v. 35—36); daher ist denn auch durch eine 
solche mancher brave Mann ins Unglück gekommen (v. 474—75); 
ja der Dichter läßt sich zu der Übertreibung hinreißen, daß 
man einer Frau überhaupt nicht trauen dürfe (v. 3527 — 28); 
jedenfalls sei es eine große Torheit, wenn ein alter Mann eine 
junge Frau heiratet (v, 64 — 66, 94 — 95, 109 —11); an einer 
andern Stelle sodann beklagt er den, der eine böse Mutter hat 
(v. 1495). Für das Verhältnis von Mann und Frau im ehelichen 
Leben endlich verlangt er, daß beide sich gegenseitig vertrauen 
und helfen sollen (v. 355—56), Mehrfach spricht er sich sehr 
bitter über den Verrat und die Verräter aus: der Verrat ist 
etwas Niederträchtiges (v. 5432), daher sollte einen Verräter 
der Teufel holen (v. 7331 — 32), jedenfalls darf man einem 

solchen nie trauen (v. 2075); aber leider kann sich niemand 

-■ ■ . 

vor Verrat schützen (v. 7040). Uber den Krieg sagt er, daß 
dieser die Einsetzung der ganzen Kraft des Menschen verlange 
(v. 5947—51), und daß man, um Erfolge zu erringen, seinen 
Feinden dabei möglichst viel Schaden zufügen müsse (v. 2546 
bis 48). Von den Großen dieser Erde urteilt er, daß der, 
welcher einem hohen Herrn treu dient, dafür oft schlechten 
Lohn empfängt (v. 2583— 85); er verlangt, daß ein König 
ein gegebenes Wort halte (v. 14876—77). Die Heimat ver¬ 
lassen zu müssen hält er für ein großes Unglück, denn in 
der Fremde sei man schlimm dran iv. 1787); aber auch Armut 
ist nicht minder beklagenswert, denn elend und verachtet sei 
der Mensch, welcher betteln muß (v. 724, 1786), Daher spricht 
er sich warm über den Wert der Freigebigkeit aus (v. 7648 
bis 49). Als Beweis, wie ansteckend oft das Beispiel wirkt, 
führt er an, daß ein einziger tüchtiger Kämpfer oft viele zur 
Tapferkeit ansporne, während ein Feigling nicht selten zahl¬ 
reiche andere mit entmutige (v. 2155 — 56). Weiter begegnen 
wir Sätzen wie: „Eine edle Gesinnung verleugnet sich bei 
keiner Gelegenheit“ (v. 3795); „ein junger Mensch, der krank 
gewesen ist, gewinnt unter guter Pflege schnell seine frühere 
Kraft und Schönheit wieder“ iv. 3690 — 91, 3699 — 701); „bei 













190 


X Charakteristik unsm'flr Fassung. 


einem Unglücksfall nützt es nichts zu klagen und Schmerz zu 
äußern“ (v. 11643, 18942). Endlich ist folgender Gedanke 
beachtenswert, welcher der aristokratischen Gesinnung jener 
Zeit wenig entspricht; er erscheint in Form einer Frage: Ne 
cutdes in que en bas pareuM AU des prendomes? {v. 17177 
bis 78). 

Ein anderer eigenartiger Zug unseres Gedichtes ist die in 
ihm hervortretende Vorliebe für das Seewesen und auch 
eine eingehende Kenntnis aller dahin gehörenden Verhältnisse. 
Der Verfasser zeigt, daß er mit den technischen Ausdrücken 
sowohl der Schiffsarten und der Schiffsteile als auch mit dem 
Segeln und den sonstigen Fortbewegungsarten der Schifte, mit 
dem Ein- und Ausladen, der Verproviantierung, sowie der Be¬ 
mannung und Einrichtung der Schiffe wohl vertraut ist, und die 
vielen Seereisen, welche bei uns in der Erzählung Vorkommen, 
geben ihm reichlich Gelegenheit, diese seine sachverständigen 
Kenntnisse zu zeigen. Ich habe bereits oben (S. 147) die an¬ 
schauliche und auf Sachkenntnis beruhende Schilderung eines 
Seesturraes hervorgehoben. Von den übrigen zahlreichen hier¬ 
her gehörigen Stellen mache ich nur auf einige wenige auf¬ 
merksam, indem ich außerdem auf die im Index unter „Schiff¬ 
fahrt und Seewesen“ angegebenen hin weise. Er weiß, daß zur 
Herstellung eines guten Schiffes die besten Teile, das Kernholz, 
der Eiche (euer de caisne) verwandt werden (v. 5858), und daß 
das Schiff für eine lange Fahrt sich mit Salzfleisch, Brot, d. h. 
Schiffszwieback, mit Getreide, Mehl, Wein und anderen Vor¬ 
räten versehen muß (v. 5859—60. 6429 — 33 u. a.). Ihm 
ist bekannt, daß man bei der Abfahrt erst die Mastbäume auf- 
richtet, dann diese durch Anziehen der Schoten festmaebt und 
darauf die Segel hißt (v. 15807—9, 1G1S8 -89, 16329 -30), 
daß die Schiffe auf dem Segel als Kennzeichen oft"bildliche 
Darstellungen aller Art führen (v. 4353), und daß man sich 
auf der Fahrt vermittelst der Sterne, besonders des Polarsterns 
orientiert (v. 4248). Er schildert eingehend eine Seeschlacht, 
oder wenigstens den Kampf zweier feindlicher Schiffe auf freiem 
Meere (v. 4419—586), eine Schilderung, die allerdings teilweise 
an die Land kämpfe erinnert, aber doch auch eigenartige Züge 


i 










X. Charakteristik unserer Fassung. 


191 


aufweist, so die Verwendung dos griechischen Feuers (v, 4520), 
sowie die dagegen wirksamen Mittet {v. 4523 — 25), das Leck¬ 
schlagen des feindlichen Schiffes vermittelst eines eisen- 
beschlagenen Balkens sowie die Versenkung desselben und die 
Vernichtung der ganzen Besatzung durch dieses Mittel (v. 4573 
bis 86). Außer der bereits erwähnten Schilderung eines See¬ 
sturmes enthält unser Gedicht noch eine zweite, zwar kürzere, 
aber auch recht lebendige (v. 7547 — 51). Auch die Beschrei¬ 
bung des Hafens von Hantone mit seinem Gewirr von Schiffen 
beruht offenbar auf eigener Anschauung (v. 11454 — 57). Wie 
sehr dem Verfasser die Verhältnisse und Zustände, die mit 
dem Meer und der Seefahrt Zusammenhängen, vertraut waren 
und in seiner Seele hafteten, erkennt man daraus, daß er sie 
auch in Vergleichen verwandt hat. So kleidet Soibaut seine 
Weigerung, der Herzogin Bueves Aufenthaltsort zu verraten, 
in die schönen Worte: Ains am re net bras de euer courant, 
Porte)' porra tnainte tief, maint chalant Et ia mtvic dttsqiien 
<1 herusalant, Que je ros die, ke fait ai de l'cufaut (v. 1174 — 77). 
Bei einer anderen Gelegenheit gibt der Dichter eine Vorstel¬ 
lung von der Schnelligkeit von Bueves Roß Arondel durch die 
Worte: Plus tost Vem porte, vens ne, cachc gälte (v. 14172). 
Auch träumte Bueve einst, daß feindlich gesinnte Männer ihn 
in ein scheußliches, schwarzes Meer werfen, wo tausende von 
Fischen ihn zu verschlingen drohten (v. 796 — 800). Ebenso 
träumte später Josiane, daß Bueve sich über See von ihr ent¬ 
fernte (v. 2659). 

Die in den beiden letzten Stellen erkennbare Vorliebe 
des Bearbeiters für Träume tritt auch sonst noch mehrfach 
zutage und bildet ein weiteres Merkmal seines Werkes. An 
mehreren Stellen erhalten wir ausführliche Schilderungen von 
solchen, die von einer guten Einbildungskraft des Verfassers 
zeugen. Wie einer der beiden soeben angeführten Träume 
(v. 791—810) den Bueve auf eine ihm drohende Gefahr hinweist, 
so tut dies auch ein anderer, auf den ich schon oben (S. 184) 
aus einem anderen Anlaß hingewiesen habe. Dieselbe Bedeu¬ 
tung hat für unseren Helden ein drittes Traumbild, das ihm 
als Träger des Uriasbriefes auf seinem Wege nach Damaskus 












192 


X. Charakteristik unserer Fassung. 


erschien. Er glaubte nämlich in seinem Schlosse zu Han tone 
xu sein und sah die Pfeiler des Saales und damit das ganze 
Haus Zusammenstürzen, und als er, um sein Leben zu retten, 
binauseilte, griffen ihn vier Löwen an und verhinderten ihu, 
Arondel zu besteigen (v. 2505 —14). Auch Josiane berichtet 
ihrem Kammerherrn vou einem bösen Traum, deu sie nach 
Bueves Verschwinden gehabt batte, w T ie die Bewohner Han- 
tones, wohin sie mit Bueve gezogen, letzterem die Krone an- 
boten, er sich aber ihr entzog und ihr nicht einmal antwortete 
(v. 2652—60). Ebenso wird sie, als sie nach ihrer Niederkunft 
von den Sarazenen weggeführt wird, während des Schlafes 
durch böse Erscheinungen gepeinigt, die sie auf das kommende 
Unglück aufmerksam machen (v. 11697 — 98). Endlich wird 
auch, wie wir ebenfalls bereits erfahren haben (S. 148), der 
französische König durch eine Vision mit dem Wohnort Bueves 
bekannt gemacht und erhält dabei durch einen Engel die Auf¬ 
forderung, diesen, der dem Tode nahe sei, aufzusuchen 
(v. 19093 — 99). 

Ein anderes Merkmal unseres Gedichtes besteht darin, dal! 
der Verfasser mit Vorliebe Pilger auftreten, z. B. Nachrichten 
durch sie verbreiten läßt oder ihnen andere Aufgaben zuerteilt. 
Wir haben schon oben (S. 150) gesehen, daß Bueve in Köln 
durch einen Pilger davon unterrichtet wird, wie bereits vorher 
auf dem Schiffe durch einen Kaufmann, daß Soibaut sich gegen 
Doon empört hat (v. 4678 sq.); ebenso läßt, Huidemer später 
dem Erzbischof den gefälschten Bericht über Bueves Tod durch 
einen solchen überbringen (v. 6714 sq.); ein Pilger endlich ist 
es wieder, allerdings höchst auffallendervveise, welcher dem 
Soibaut die Nachricht bringt, daß Josiane sich als Gefangene 
von Sarazenen in St. Gile befinde, um nach Monbrant gebracht 
zu werden (v. 11753 — 58). 

Weiter ist zu erwähnen, daß der Dichter die Gewohnheit 
hat, von Zeit zu Zeit die früheren Ereignisse, z. B. die bis¬ 
herigen Erlebnisse einer der Personen der Handlung zusammen¬ 
fassend zu wiederholen. So schildert Bueve der Josiane, 
der er als Knappe zuerteilt ist, seine traurige Jugend (v. 1843 
bis 56) und bei seiner späteren Rückkehr, als sie ihn nicht 














X. Charakteristik unserer Fassung. 


193 


erkennt, seine späteren Schicksale (v. 3639 — 48). Dieselbe 
Schilderung hat er schon vorher dem Pilger gemacht, den er 
auf der Reise nach Damaskus getroffen hat (v, 2477—84), 
Besonders umfangreich und eingehend ist der Bericht, welchen 
Bueve dem Soibaut über seine Erlebnisse, seit er von Fromont 
und Hate als Sklave verkauft worden war, erstattet, nachdem 
er sieh ihm zu erkennen gegeben hat (v. 5790—850). Josiane 
singt, als Spielmann verkleidet, ein Lied, dessen Inhalt uns 
alles das berichtet, was sich seit dem Tode des englischen 
Königssohnes zugetragen hatte (v. 12S18—55). Auch hier läßt 
der Bearbeiter sich wieder eine Unachtsamkeit zuschulden 
kommen, da er das, was in v. 12845—48 enthalten ist, früher 
nicht erzählt hat. Als König Hermin später den Bueve auf 
Aubefort zureiten sieht, erzählt er seinen Baronen, wie er jenen 
einst als Sklaven gekauft, dann aber durch die Verleumdungen 
zweier Verräter wieder verloren und sogar selbst dem Ver¬ 
derben preisgegeben habe {v. 14588—617). Nachdem der einst 
in einem Boote zurückgelasscne Sohn Bueves, welcher auf den 
Namen Gm getauft war, seine Eltern wiedergefunden hatte, 
gibt er ihnen einen genauen Abriß aller seiner Erlebnisse 
(v. 17 775 — 38), welche wir bereits vorher auch in dem Ge¬ 
dichte kennen gelernt hatten. Endlich berichtet dann Bueve 
selbst noch einmal seine früheren Schicksale dem Heidenkönige 
Pausseron, mit dem er zugunsten des Königs Simon einen 
Zweikampf wagen will (v. 18286 — 93). 

Zum Schluß hebe ich noch hervor, daß unser Bearbeiter 
verhältnismäßig umfangreiche geographische Kenntnisse 
an den Tag legt. Ich gebe auch hier zu jedem Namen nur 
einen Beleg; eine vollständige Aufzählung der Stellen findet 
sich im Namensverzeichnis. Am besten weiß er in Frankreich 
Bescheid (vgl. S. 144—5). Er kennt nicht nur Paris (v. 18575), 
die Seine (v. 18668), und sogar das Städtchen Corbueil, jetzt 
Corbeil (v. 18646), sondern auch Städte wie Montpellier 
(v. 12624), Marseiile (v. 19073), St. Gilles (v. 11728), Lyon 
(v, 18525), Dijon (v. 4835), Monloon d, h. Laon (Dep. Aisne, 
v. 16618), Sens (v. 18577), Orlßans (v. 16638), Saint-Omer 
(v. 370), Boulogne (v. 190S1) und Gravelingen (v. 18776), auch 

61i m mi n s, Boave de Hantono, J3 










194 


X, Charakteristik unserer Fassung. 


die Insel des Mont St. Miebel (v. 370), den Argonaer- (v. 2411.) 
und den Ardennerwald (v. 334>, sowie Länder wie Burgund 
(v. 12619), Auvergne (v. 12617), Berry (v. 12617), Poitou 
(v. 12618), Anjou (v. 12 618), Isle-de-France (v. 18576), Nor¬ 
mandie (v. 12618) und Bretagne (v. 12618). 

In England (v, 1768) nennt er außer Kantone (v. 29) vor 
allem London {v. 738) mit dem Tower (v. 9283), der St. Pauls¬ 
kirche (v, 8219) und der St. Paulsvorstadt (v. 8751), sodann 
Canterbury (v. 4884); von Ländern und Landschaften: Cestre 
(v. 9131), Leecestre d. h. Leicester (v. 18686), Clöecestre d. h. 
Colchester (v. 10408), Schottland (v. 18 893) und Irland 
(v. 18894). — In Italien erwähnt er Otranto als Hafenstadt 
(v. 13245—47), Benevent {v. 917), Horn (v. 13236) und in 
formelhaften Wendungen Pavia (v. 705) und Mailand (v. 18672). 
An Landschaften: Appulien (v. 12622), Calabrien (v. 17566), 
die Romagna (v. 18516), Toscana (v. 18524), Savoyen (v. 11392) 
und die Lombardei (v. 13 243) mit dem auffallenden Zusatz: 
ckiere Vont trovee {v. 13244). 

Er kennt sodann Deutschland (v. 12620) und darin Köln 
(v. 4642), von dem er auch weiß, daß es am Rhein liegt 
(v. 5880), sowie Aachen (v, 12678), und das dunkle Öupin 
(v. 4640), endlich die Landschaft Friesland (v. 5442). Im heutigen 
Belgien nennt er Dinant (v. 178) und als Einschiffungshafen für 
England Brügge (v. 4793); von anderen europäischen Ländern und 
Städten kommen nur noch Arkadien in Griechenland (v. 13347), 
Aragonien (v. 31), Castilien (v. 1790) sowie die Stadt Almeria in 
Spanien, endlich Rußland (v. 1565) und Ungarn vor (v. 12621). 
Dagegen weiß der Dichter im hl. Lande gut Bescheid. Er 
erwähnt Jerusalem (v. 536) mit dem heiligen Grabe {v. 3478), 
den Templern (v, 536), dem Patriarchen (v. 3482—86), sogar 
dem dabei liegenden Hügel Monjoie (v, 3876), weiter den Fluß 
Jordan (v. 3479) sowie die Hafenstädte Accon (v. 17577) und 
Jaffa (v. 3491); von Bethlehem spricht er nur in formelhaften 
Wendungen als von dem Geburtsort Christi (v. 7564); ebenso 
von Carfanaon (= Capernaum) als einem sehr fern gelegenen 
Ort (v, 13487). Von dem übrigen Asien kommen Persien 
(v. 145) und Syrien (v. 691) vor sowie die beiden phönizischen 















X. Charakteristik unserer Fassung. 


195 


Städte Tyrus (v. 2239) und Asealon (v. 4057). Das formelhaft 
verwandte „Rote Meer“ (v. 17 538) bildet den Übergang nach 
Afrika, welcher Erdteil durch die Berberei (v. 1586S) und durch 
Moriant, d, h. Maurenland, Mauretanien (v. 909) vertreten ist. 

So umfangreich hiernach aber auch die geographischen 
Kenntnisse des Bearbeiters zu sein scheinen, seine topographi¬ 
schen Angaben beweisen doch, daß er von der Lage einzelner 
Orte keine klare oder richtige Vorstellung hatte. Daß Maience, 
der Wohnort Doons, für ihn nahe bei Hantone, also in Eng¬ 
land lag, ergibt sich aus folgendem. Der Bote der Herzogin 
begab sich auf einem Maultiere „ohne Aufenthalt“ dorthin 
(v. 265 — 68); genau ebenso schnell ritt Doon mit seiner Be¬ 
gleitung von dort in den Wald bei Hantone (v. 334) und wieder 
zurück an seinen Wohnort (v. 476 — 77), gleich darauf ist er 
aber schon wieder bei der Herzogin, ohne daß von einer Reise 
die Rede gewesen wäre (v. 489—90). Genau so reitet Wilhelm 
von Aragon in kurzer Zeit von Hantone nach Maience (v. 982) 
und Doon den umgekehrten Weg (v. 1005). Unverständlich 
ist es sodann, daß der Bearbeiter den Ardennerwald auch in 
die Nähe von Hantone verlegt, da Gnis verhängnisvolle Jagd 
in diesem stattfindet (v. 290, 334, 384 — 85). Jener kann sich 
also nicht darüber klar geworden sein, daß diese Angabe einen 
inneren Widerspruch enthält, oder er muß auch in England 
einen Wald dieses Namens annehmen. Ebenso unverständlich 
ist es sodann, daß Bueve, nachdem er aus dem Lande verbannt 
worden war, von Hantone aus mit Josiane und Thierri mehrere 
Tage lang über Städte, Dörfer und Schlösser durch das Land 
ritt, bis er an das Meer gelangte, wo er sich einschiffte 
(v. 11508—15), da, wie stets hervorgehoben wird, Hantone am 
Meere lag und sogar einen Hafen hatte (v. 11454 sq.). Wo 
nach des Bearbeiters Auffassung Monbrant, das Reich Yvorins, 
lag, ist ebenfalls nicht festzustellen, da die Sarazenen, welche 
die Josiane von dem Walde in Noires-Combes, wo sie sie nach 
ihrer Niederkunft gefunden haben, zu Schiffe nach Monbrant 
bringen wollen (v. 11724—27), aber nach St.Gilles verschlagen 
werden (v, 11728—31). Hiernach nimmt er also auch fälsch¬ 
lich an, daß St. Gilles am Meer liegt. Als sodann Soibaut sich 

13 * 
























196 


X. Charakteristik unserer Fassung. 


von Hantone aus nach letzterem Ort begibt, wird nur von 
errer, nicht aber von einer Seefahrt gesprochen (v. 11770—74). 
Richtig dagegen ist die bereits erwähnte Angabe, daß Köln 
am Rhein liegt (v. 5880), und daß Bueve von dort zu Lande 
nach Brügge reiten kann, von hier aber nach Hantone segeln 
muß (v. 4789-—801). Ebenso begibt sich der französische König 
mit seinem Gefolge auf dem Landwege nach dem Hafenort 
Gravelingen {v. 18773—76), wo er sich einschifft (v. 18781—82). 
Daß er dann aber in Canterbury gelandet sein soll (v. 18786), 
ist unmöglich, da diese Stadt bekanntlich im Innern des Landes, 
sogar recht weit von der Meeresküste entfernt liegt. Man er¬ 
kennt also hieraus, daß die Angaben unseres Gedichtes einer 
kritischen Nachprüfung nicht immer stand halten (vgl. auch Anm. 
zu v. 1564). Daß uns in dem Gedichte auch sonst Beweise von 
Flüchtigkeit und Unaufmerksamkeit des Bearbeiters 
begegnen, will ich nun zum Schluß noch durch einige weitere 
Belege beweisen. So kehrt Doon, nachdem er den Herzog Gui im 
Walde erschlagen hat, mit seinen Leuten nach Maience zurück 
(v. 476—77), während die Leiche nach Hantone getragen wird 
(v. 483). Dort bricht seine Gattin heuchlerisch in laute Klagen 
aus (v. 485), berät aber bald darauf mit Doon über die weiter 
zu ergreifenden Schritte (v. 489); zwar wird nicht gesagt, wo 
dies geschah, doch kann dies nur in Hantone gewesen sein, da 
Fromont und Hate an der Beratung teilnahmen. Es fehlt dem¬ 
nach die Mitteilung, daß Doon sich aus Maienco wieder nach 
Hantone begehen bat, während wir (v. 559 und 570) zutreffend 
erfahren, daß er nach der Beratung sofort wieder nach Maience 
zurückgekehrt ist. Es zeugt sodann ebenfalls von einem Mangel 
an Aufmerksamkeit, wenn, wie uns in v. 571—72 und v. 580 
berichtet wird, die Dame nach der Beratung ein Maultier be¬ 
stiegen haben und nach Hantone geritten sein soll, da sie sich, 
wie gesagt, ja dort befand. 

Auch in der Szene von Bueves Befreiung aus dem Kerker 
besteht eine Unklarheit. In A steigt zuerst der eine, dann der 
andere seiner beiden Wächter in den Kerker hinab, und beide 
werden von Bueve erschlagen. Während nun in I die Kerker¬ 
meister ganz ausgelassen sind, erfahren wir in III, daß sie zu 









X. Charakteristik unserer Fassung. 


197 


ihm kommen, d. h. doch in den Kerker, um ihn umzubringen, daß 
aber beide selbst von Euere mit einem Knittel getötet werden 
fr, 2712 — 27). Dasselbe tun beide in II (En la chartre entrent 
v. 2770) und künden ihm seinen Tod an. Dann aber heißt es 
hier in v. 2776: Li uns s’avale , d. h. der Verfasser stellt sich 
vor, daß, nachdem die beiden in den Gefängnisraum getreten, 
der eine sich in den Kerker selbst herabgelassen hat, um Bueve 
anzugreifen. Dann, als jener uragebracht ist, fährt der Dichter 
fort: Uautre le voit, seure U esi couru (v. 2798). Er hat also 
vergessen mitzuteilen, daß auch dieser erst hinabgestiegen ist. 
— Auf weitere derartige Anzeichen habe ich in der Einleitung 
zu unserer Fassung II, z. B. S. 137—138, 142, 147, 165, 193 und 
in den Anmerkungen, z. B. zu v. 2411, 12809, 14081, 14871, 
18527, 18893 u.a. hingewiesen. 

G. Zusammenfassung. 

Das Bild, welches wir nach den obigen Darlegungen von 
unserem Bearbeiter erhalten, ist nicht einheitlich. Am meisten 
in die Augen fallend ist sein Bestreben, seine Vorlage durch 
Einschübe und Zusätze an Umfang zu vergrößern. Zu dem¬ 
selben Zweck hat er aber auch viele Vorgänge breiter ausge¬ 
sponnen, ja stellenweise zu langen Episoden erweitert. Aber 
auch in anderer Weise bat er seine Vorlage sachlich möglichst 
Hinzu formen gesucht, soweit sich dies erreichen ließ, ohne die 
Grundform der Erzählung zu zerstören. Durch die Einschiebung 
der neuen Episoden wird natürlich die Einheitlichkeit und Ge¬ 
schlossenheit der Handlung sehr beeinträchtigt, doch ist dies 
eine im Mittelalter bekanntlich häufig vorkommende Erschei¬ 
nung; einen erheblichen Fehler sah man damals hierin offenbar 
nicht. Was nun den Wert jener Zusätze betrifft, so zeugen 
einige von einer nicht unbedeutenden Phantasie und Erfindungs¬ 
gabe, andere leiden dagegen in einzelnen Punkten an innerer 
Unwahrscheinlichkeit, ja sie sind hin und wieder sogar von 
Widersprüchen, sei es mit den eigenen Angaben, sei es mit 
denen der älteren Teile des Gedichts, nicht ganz frei. Weiter 
ist zu bemerken, daß der Bearbeiter auch die Zahl der auf¬ 
tretenden Personen durch einige vermehrt hat, welche natur- 








198 


X. Charakteristik unserer Fassung. 


gemäß nur an einzelnen Stellen des Gedichts Vorkommen. In 
anderen lallen hat er die Charaktere der herübergenommenen 
Personen verändert, teils veredelt, teils vergröbert, einzeln 
auch wieder deren Rollen erweitert und ausgedehnt. Jn dieser 
Hinsicht verdient hervorgehobon zu werden, daß er mehrfach 
die Frauen tätig in die Handlungen, sogar in die kriegerischen 
eingreifen läßt, und daß er mehreren Personen, die in der 
Vorlage allgemein nach ihrer Stellung bezeichnet worden waren, 
mit bestimmten Namen ausgestattet hat Bei der bewußten 
und absichtlichen Veränderung der Charaktere legt er eine 
große Geschicklichkeit an den Tag. Er hat eine Zahl inter¬ 
essanter Charakterbilder neu geschaffen, die untereinander ver¬ 
schieden, klar und plastisch uns vor die Augen treten und 
dabei nicht, wie so oft im Mittelalter, nur gute oder nur 
schlechte Eigenschaften aufweisen, sondern deren von der einen 
wie auch von der andern Art in mannigfaltiger Mischung. Es 
sind also, wenigstens teilweise, Individuen, nicht, wie damals 
sonst meistens, Typen. Das ist eine Erscheinung, die zu jener 
Zeit nicht oft begegnet 

Die soeben aufgezählten Veränderungen haben es veran¬ 
laßt, daß unsere Fassung unter allen den am meisten von 
der gemeinsamen Urform abweichenden Inhalt aufweist. Dieses 
Umstandes war sich der Bearbeiter auch klar bewußt und hielt 
ihn für einen Vorzug seiner Fassung gegenüber den anderen, 
denn in der Einleitung seines Werkes betont er ausdrücklich, 
daß er „die richtige Geschichte“ bringe (v. 13), und stellt sich 
in schroffen Gegensatz zu seinen Mitbewerbern, die er beschul¬ 
digt, den Stoff gefälscht und verdorben sowie einen Teil des¬ 
selben vergessen zu haben {v. 8 —15, 48 — 50). 

Was nun den Geist der Dichtung betrifft, so fällt ein 
deutlich hervortretendes theologisches Gepräge in die Augen. 
Bueve beschließt bei uns sein Leben im Walde als frommer 
Einsiedler, seine Mutter als Nonne im Kloster, Außerdem aber 
wird nicht nur die Geistlichkeit, besonders die hohen Vertreter 
derselben, stets hervorgehoben und mit wichtigen Aufgaben 
betraut; es wird auch bei allen Gelegenheiten der Besuch der 
Kirche, der Messe, das Opfern und andere religiöse Bräuche 










X. Charakteristik unserer Fassung. 


199 


sorgfältig berichtet, es werden zahlreiche Gebete und andere 
Anrufungen Gottes, Jesu, Mariae und der Heiligen eingestreut, 
es begegnen viele Anspielungen an die Bibel und das Glaubens¬ 
bekenntnis, sowie fromme, spezifisch christliche Gedanken und 
Ausdrücke. Wir glaubten aus diesem Zuge den Schluß ziehen 
zu dürfen, daß der Bearbeiter ein Geistlicher gewesen ist. 
Auffallend und schwer damit in Zusammenhang zu bringen ist 
der Umstand, daß er auch eine genaue Kenntnis der Vorgänge 
des Seelebens sowie der technischen Ausdrücke der Schiffahrt 
besaß. Dieses Merkmal, welches iu festländischen Dichtwerken 
keineswegs häufig begegnet, erklärt sich am besten durch die 
Annahme, daß der Verfasser in der Nähe des Meeres lebte 
oder wenigstens längere Zeit gelebt hatte, so daß er die Schil¬ 
derungen von Erscheinungen und Vorgängen an und auf dem¬ 
selben, die er in seiner Vorlage fand, beibehielt, vielleicht noch 
sachverständig vermehrte. 

Demnächst macht sich bei ihm in dem ganzen Gedicht 
ein französischer Lokalpatriotismus bemerkbar. Nicht nur lobt 
er Frankreich, verwandelt auch ab und zu Angehörige anderer 
Völker in Franzosen, er stellt sogar den König von Frankreich 
über die Herrscher anderer Völker, macht ihn z. B. geradezu 
zum Lehnsherrn Englands. An kleineren Zügen kann man 
endlich noch erwähnen seine beträchtlichen geographischen 
Kenntnisse sowie seine Vorliebe für die Verwendung von 
Träumen und von Pilgern in* der Erzählung. 

Stilistisch hat er manche Vorzüge aufzuweisen. Sein Be¬ 
richt ist meist geschickt angeordnet und schreitet ohne schlep¬ 
pende Verzögerungen und ohne Weitschweifigkeit fort. Im 
besonderen liebt er es, Sätze allgemeiner Lebensweisheit ein- 
zuflechten und von Zeit zu Zeit frühere Ereignisse und Er¬ 
lebnisse in Form von Zusammenfassungen kurz zu wiederholen. 
Für das Phantastische und Übernatürliche zeigt er keine Vor¬ 
liebe, dagegen erwähnt er mehrfach Züge des Volksglaubens, 
und da er in seinen Schilderungen und Beschreibungen oft 
viele und genaue Einzelheiten bringt, so verdanken wir ihm 
zahlreiche und interessante Angaben kulturhistorischen Inhalts. 
"Wie in der Cbarakterzeichnung, so zeigt er auch in jenen 










200 


X* Charakteristik unserer Fassung, 


Schilderungen sowie in der Wiedergabe von Empfindungen 
und Seelenstimmungen große Begabung, Ich habe bei der 
Besprechung der Interpolationen bereits einige Stellen als be¬ 
sonders gelungen hervorgehoben. Ihre Zahl kann aber leicht 
noch vermehrt werden. So erklärt Bueve sehr schön und mit 
warmen Worten, wie sein treues Pferd Arondel ihm für keine 
Schätze der Welt feil sei (v. 10830 — 48, 10865 — 73). In er¬ 
greifender Weise gibt er später seinem Schmerze Ausdruck, 
als er entdeckt, daß Josiane ihm von den Sarazenen geraubt 
worden ist (v. 11629 — 41). Sehr anziehend ist die oben (S. 156) 
erwähnte Begegnung zwischen Bueve und Josiane dargestellt. 
Josiane zeigt ihrem Knaben einen ihm fremden Mann als seinen 
Vater, das Kind will daraufhin sofort auf diesen zueilen und 
weint, als die Mutter dies nicht zuläßt (v. 12 783 — 94). Auch 
die Spiel man nsszene, weiche lebhaft an die im Aucassin er¬ 
innert, ist reiz- und lebensvoll durchgeführt {v. 12803 sq.). 
Weiter verdienen die edlen Ratschläge hervorgehoben zu wer¬ 
den, welche Bueve seinen Söhnen erteilt (v. 17 947—54), sowie 
die prächtigen Regierungsgrundsätze, w r elche der eine derselben 
seinem Vater als Richtschnur für seine spätere Tätigkeit vor¬ 
trägt (v. 17 955 — 59). Diese und ähnliche Stellen beweisen, 
daß dem Bearbeiter gute Gedanken zur Verfügung standen, und 
daß er diese auch geschickt und formvollendet in die richtige 
Form zu kleiden verstand. Kurz, alles in allem ist er trotz 
einzelner Mängel doch eine eigenartige, nicht uninteressante 
literarische Erscheinung. Daß er nicht mit dem in der Hand¬ 
schrift P sich nennenden Pierre du Ries identisch sein bann, 
wie behauptet worden ist, habe ich bereits oben (S. 4) hervor¬ 
gehoben, 


















Anmerkungen 


1. Davor ist die Bezeichnung Knp. I zu setzen. 

7. um abeie amiiene fondee . Man erwartet statt des Ad¬ 
jektivs anciimcy das sich nach abeie richtet, ein Adverb als nähere 
Bestimmung zu fondee. Über dieser Erscheinung* die im Altfranz, 
nicht selten, heute noch einzeln sieh findet, handelt Tobler, Term. 
Beit 3 . I 2 , 75—88 „Adjectiva kongruierend in Verbindung mit Parti- 
cipien oder Adjectiven“, Der Liste so verwendeter Adjektiva ist 
demnach ancien hinzuzufügen. Ähnlich: li damages li fu grtis 
avenits v, 11670: Josiane , la bete coulouree v, 15Ü40; auch wohl: 
la eoiffe * * ert double sartie Bueve III, 6501; Mout cstöie (sagt 
Eiiide) huem euree Erce 2605; Tete les a la da me atornex Fabliaux 
3, 43; vous estes iete atomex ib.; nies escus u'est iains noreaus 
Octavian 2182 u. a. 

21 — 28. Dafür in C 5 Verse: 

Seignor p our dien par q ui la ilors boutonne 

Kt qm tous biens merit ei gueredoime 

[Et qui] sa grace uos doinst et abandonne (undeutlich) 

So faites pais q ue nus noit ui resomie 
Sores chanson de molt fiere personne* 

29» Hantormc. P schreibt fast immer Hanstm(n)e t doch be¬ 
halte ich die der ursprünglichen Gestalt nähere Schreibung von CT \V 
Hanion(n)e bei. Dagegen liegt kein Grund vor, für Josiartr r wie 
P schreibt, mit GTW Josien(n)e einzusetzen. 

30. Dieser Vers, der sich nur in P W findet, ist offenbar 
späterer Zusatz; v. 40—41 sind noch jünger, sie stehen nur in P; 

42. lor malisses n’assomme * Godefroy belegt (X, 112) malice, 
malisse auch als Maskulinum und (I, 448) assanier auch intr, in der 
Bedeutung „endigen, aufhören u . Ein weiteres Beispiel ist: Jo ne 
cuitf or si vaillani Home Äit jusque la ou terre asome Troie 5428. 

50. la flour . Das Wort wird in der übertragenen Bedeutung 
„Blüte, bester teil, Elite a meist nur von persönlichen Begriffen 
gesagt, z. B, de Frame la flur Rol. 2431 oder in unserem Gedicht: 
La flours de Londres v. 10 014. Daher findet es sich oft in Ver- 




























Anmerkungen. 


biadung mit „des princes, de chevakrie ‘‘ u. ä. Aber es wird auch 
gebraucht> wenn von Pferden und anderen Begriffen gesprochen 
wird (Godefroy IX, 628). 

51. laissour, „Muße, Möglichkeit“. Die lautgesetzliche Form 
des Wortes ist wohl loisour, eine Ableitung von lat, Heere. Die 
daneben vor kommenden Formen laissour, lessour sind offenbar durch 
laissier „zulassen“ beeinflußt; auch die Nebenform laisour läßt sich 
so erklären, falls nicht etwa s das stimmlose s wiedergeben soll. 
Auch Meyer-Lübke gibt im. Etyra. Wb. als Herleitung tles AYortes 
licorem + lasare. 

54. rapairece. Uber diese Form s. Einleitung S. 74. 

56. Auffallend ist die AViederholung von noble des voran¬ 
gehenden Verses; in CT lautet der zweite Halbvers: a la fiere 
vigour. 

57. Var. (d. h. in den Varianten) eiazufügen: fehlt in T. 

96. Am Schluß setze ein Komma. 

103. Dahinter in CT 4 A 7 erse: 

Que il deuoit (deuroit T) tenir et emhracier 
Nest pouretes bien le puis affichier 
Fors de viel home qui ne se puet aidier 
Cele est dollanto que il a a moiUier. 

«p 

121. um feste joiie. Uber derartige Part. Prät. mit aktiver oder 
adjektivischer Bedeutung handelt Tobler, Term. Beitr. I 2 , 40 sq. und 
belegt auch esjüi in der Bedeutung „freudebringend“. Ein weiteres 
Beispiel: La novele . . . Ne li fu belle ne jöie St, Remi 1484. 

126 —40. Dafür in CT folgende 4 Verse: 

Guys laimme molt {Mais forment laimo T) si ne se 

(sen T) garde mie 

La deme (dame T) se (fehlt T) lieue par son (sous T) 

laube eselareie (esclairie T) 
Trestoute sole sens point de eompaguie 
Vint (Va T) as fenestres de la csale voutie (grant tour 

antle T). 

139-—41. Dafür in AV 4 Verse: 

En son dos vesf une blanche chemise 
Et par dessus vng einer bliaut de tire 
Ung mantelet a afuble dermine 
Puis en monta en la solle votie. 

140. Aumarie, d. h. Almeria, eine Stadt in Spanien (Anda¬ 
lusien), in welcher die Araber kostbare Stoffe, besonders aus Seide 
herstellten, die im Mittelalter berühmt waren. S, V. Sallentin, Handel 
und Verkehr in der altfranz. Literatur, Diss. Göttingen 1910, auch 
in Roman. Forschungen XXXI, S. 135; Langlois, Table des noms 








Anmerkungen. 


203 


propres, Paris 1904, S. 58. Die Stadt wird bei uns noch genannt: 
Vn auqueton de soie d’Aumarie v. 14261 und un paile d’Aumarie 
v. 17 705. 

154 — 57. Dafür in P 4 andere Verse, die aber wohl nicht 
ursprünglich sind: 

Voir tniews lamaisse qiie riens qui fust en vie 
Par cest viellart sui traie et hounie 
Je nai de lui amour ne compaignie 
Ne biau solas car il nen set demie. 

162. Dahinter in T: 

Proierai lui tant et ne demorra mie (+1) 

Gui oehirra a lespee fourbie. 

166. um feste joumt „ein Fest, an dem man sich freut, 
freudenreich“. Über derartige Part. Präs, „mit Entartung des 
Sinnes“ spricht Tobler, Verra. Beitr. I 2 , 36 sq. und gibt S. 50 
andere Belege für joiant. 

170—74. Dafür in CT: 

Et la deuee vait (Et celle va la T) mecine querant 
Poissons {Puisons T) et herbes por guion demandant. 

177. sers de deniers racaiant. Racaiant ist Part. Präs., 
das des Reimes wegen oder als Prädikat des Flexionszeichens ent¬ 
behrt, das aber die Bedeutung eines Part. Prät. des Passivs hat. 
Auch diese Erscheinung behandeln Tobler, Venn, Beitr. I -, 36 sq.; 
Klemenz, Der syntakt. Gebrauch des Part. Präs, und des Gerund. 
im Altfranz., Diss. Breslau 1884; Stiraming, Zs. f, rom. Phil. 10, 
552—3 und Ernst Mönch, Die Verwendung des Gerund. und des 
Part. Präs, im Franz., Diss. Göttingen 1912, 172 — 74. Racatant 
ist bisher nicht in passivem Sinne nachgewiesen worden. Dahin ge¬ 
hört auch creant „glaubwürdig“ v. 531, 947, 1151, passant = passe 
v. 533 u, a.; vgl. auch Anm. zu Bueve I, 9838. 

178. Dmant ist eiue Stadt im heutigen Belgien, in der Pro¬ 
vinz Namur; s. Langlois, Noms propres S. 176, In unserem Ge¬ 
dichte ist es also der Wohnsitz des Renier, Vaters der Gräfin, 
vgl. v. 245 — 46. 

183—84. Dafür in CT: 

Je te donraj quinse sols (mars T) de besans (besant T) 

Et taut dauoir richcs (q ue molt T) seras menant (manans T). 

187—88. Dafür in IV 3 Verse: 

Je te donre vinl Uwes maiutenant 

Mais que tu cueuures mon bon et mon coumawt 

lloult y aurez graut preu ca en auant. 










204 


Anmerkungen, 


190 — 93 lauten in W; 

Respondi däme je le feray bonnement 
Lors si jura sur les sains maintenant 
Celle sassist ioste luy en un banc 
Son fol courage luy ala desoouurant 
Que son seigneur oceiroyt voyrement, 

190 — 215 lauten in CT: 

Et eil fu moit de lauoir desirant f. T 

Deine dist il tot a veshe talent f. T 

Car je ferait trestot vostre {Le ferai iou et si le vous T) creant 

Deles vn mwr sarestewt maintenant 

Tot son corage li deseuecre en present (plourant T) 

Amis dist eie ses tu que te (ie T) demans 

Ja mais mes cuers niert ne (neu iert T) lies ne joant 

Tant com ie sacbe conto (le due T) guion viuant 

II est toua viens et chenws et ferrans 

Na plus damor que vn roncins fertans (que« ronchi recreantT) 

A (as T) poissons faire soes bien entendant 

En so» mangier li aporte (aportes T) cleuant 

Se tu loeis il ert (molt tiert T) bien eonuenant 

Quant eil lantant tout (loy se T) li mua li sans 

Deine dist il et qwiert il del enfant. 

198. main ct avespremant. Ave.spre.menl erscheint sonst immer 
nur als Substantivum. In dieser Verwendung würde man hier aber 
den bestimmten Artikel davor erwarten; es hat an unserer Stelle 
also ganz die Bedeutung eines Adverbs; W hat dafür ,,a Vcmiiita/nt“', 
CT weichen ab. 

211. Die Lesart von P occires, d. h. si mit dem Futurum, 
ist wohl ein Versehen des Kopisten, vgl. v. 295; W: Se tu occis ; 
CT lesen anders, 

222. por la teste perdant. Das Gerundium steht im Sinne 
und in Vertretung des Infinitivs, s. Stimming, Zs. f, rom. Phil. 
10, 528; Anm. zu Bueve III, 147; Mönch, Die Verwendung des 
Gerundiums und des Part. Prfis. im Frz., Diss. Göttingen 1912, 
S. 27 sq. 

222 — 24. Dafür in W 0 andere Verse: 

Guv de hantonne est Chevalier vaillant 
Moulfc ma nourry souef et doulcement 
Cest traisou se son mal ie consent 
Ja dieu ne plaise ie pere omnipotent 
Que je traisse le pere ne lenffent 
Quant lewr feray sauoir prochaiuoinent. 























Anmerkungen. 


205 


Hinter v. 235 in W: 

Dieu la confonde la male quele ment 
Preudon estoyt nauoyt dambler talaiit. 

240. Dafür in P 2 Verse: 

Le sien mari qui estoit molt preudo?» 

Qwil seit mourdris v tues par puison, 

in W 4 Verse: 

Et con occie son loyal cotnpaignon 

De males Iierbes et de feire poisson 

Le vent occire par mortel traison 

Mais eile ne trenue qui nul coraseil luv dont. 

247. sachb hom. Uber diese Art von Hiatus s. Tobler, Vom 
franz. Versbau 5 , S. 70 — 71, und Einleitung S. 23. 

257—61. Dafür in W 3 andere Verse: 

Et de bantonne la tour et le däniou 
Je le prendre a per et a baron 
Et eil respont a dieu beneyson. 

274. Diesen Vers hat P in zwei auseinandergezogen; s, Var. 

279. Le ehief dreeka. Uber den Sinn dieses Ausdruckes s. 
Bueve I, Anm. zu v. 1182; ähnliche Wendungen mit gleicher Be¬ 
deutung sind in unserem Gedichte: kance la teste v, 2563; a le 
ckief Uvi v. 4200; drega le menton v. 18119. 

283. Statt der Laisse VIII hat W noch folgende 14 weiteren 
Verse mit dem Reim auf - on : 

Sire dist jl moult vous eroyst grant renon 
Chiere dame damour vous fayt le don 
Cotnme la fame au preuz conte [guion| 

Qui de hantonne tient le mestre donio« 

Et si vous raande sire par garredon 
Se vous latnez quociez son baron 
Puis vous prendra mie ne vomä menton 
Do de maience quant entant la raison 
Grant joye en ot foy que doy samt simon 
Vng sien nepueu qui guillaume ot non 
En appella si le mist a raison 
Et aut res princes qui nommer ne sauou 
Tout leur descueure son talant et son bon 
Conseilliez moy seigneurs ee dit deon. 

296. la eo nt esse. Gui erscheint der Regel nach als Herzog, 
so v, 126 und 211 (hier würde conte nicht in das Metmm passen), 
457, 480 u. ö. In v. 338 dus P, quem CT, v. 457 ouens PCT, 


206 


Anmerkungen. 


v. 480 duc T, conie CP. Es herrscht hier also ein erhebliches 
Schwanken in der Angabe des Titels, und dasselbe gilt auch von 
den anderen Teilen des Gedichtes. So lesen in v. 10906 und 10920 
alle Handschriften duc Guion, und das Metrum läßt conto nicht zu; 
umgekehrt weisen in v. 11474 ebenfalls alle Handschriften conteGui 
auf, wo duc nicht eingesetzt werden könnte. In v, 12197 haben 
alle Hss. euens, in v. 12911 dus. So erscheint Bncve noch als 
Graf v. 7605, 7688, 12 197 n, ö., als Herzog v. 338, 480, 3561, 
3575, 3579, 3842, 3850, 10197, 10461, 13501, 16872. Es ist 
anzimehmen, daß in den älteren Passungen das Lehen teils als 
Grafschaft, teils als Herzogtum bezeichnet wurde. 

313— 14. Über diese Behauptung, die auch in v. 321, 417—20 
und S312 wiederkehrt und die von unserem Bearbeiter erfunden ist, 
s. Einl. S. 169. 

321. Dahinter in \V 3 Verse: 

Raoul mon onele trayt jl le cueur du ventre 
Celluy dargence a la fiere puissance 
Petit estoye or suis yssu denffenoe. 

324 — 37. Dafür in AY nur 3 Verse: 

Vecy ung brief qne menuoye sa fame 
Se ioccy Guy par le mien essiente 
Tost me prendra quele deuoir me mande. 

327. le, d. h. Gui, ihren Gatten, (metrai — melra). 

340. Dahinter in AV noch 2 Verse: 

Dieu la confonde et tuit lny saint de France 
Hoult pourehacoyt sa mortelme meschance. 

343 — 44. Dafür in AY 3 A r erse: 

Hais non favsoit dieu lny doint eneombrier 
De luv occire se poinne et detranchier 
Neu ne se puet de traison guetier. 

350 — 52. Statt dieser 3 A r erse In AV; 

Four ce lo filz en ma chartre gecter 
Hais par lappostre que requierent paumier. 

B57—62. Das hier und in Fassung III {v. 284 — 89) von 
der Herzogin angegebene Mittel gegen ihr erdichtetes Leiden be¬ 
steht also darin, sich beim Schlafen in ein frisch abgezogenes, noch 
warmes Hirschfell einzuwickeln und außerdem das Herz des Hirsches, 
ehe es erkaltet ist, zu verspeisen. In Fassung I wird kein der¬ 
artiges Mittel erwähnt, während in dem anglonormannisehen Gedicht 
die Dame ihren Gatten zu dem gleichen Zweck um frisches AYild- 
eberfleisch bittet (Boeve 129 — 30). Letzterer AVuusch erinnert au 
den einer Dame in einem Fabliau, die, um sich von einem eben- 













Anmerkungen. 207 

falls vorgeschützten 'n Wohlsein zu befreien, ihren Gemahl ersucht, 
auf die Jagd zu gehen und ihr frisches Wildbret zu verschaffen 
(Montaiglon, Fabliaux VI, S. 25). In unserer Fassung handelt es 
sich also um zwei verschiedene Mittel: eines, das Hirschherz, ist 
eine Abart des soeben erwähnten und wird auch sonst zu medizi¬ 
nischen Zwecken empfohlen. So heißt es in dem afr. Lehrgedicht ,,La 
Chace dou Cerf“ ijubinal, Nouv. Ree. de Contes etc. I, 154—72), 
man solle das Herz des Hirsches den Aussätzigen eingeben (v. 389 1 , 
den ..Stein“ desselben (las du euer) dagegen schwangeren Frauen. 
Das andere wird bekanntlich auch im Roman de Renart vom Fuchs 
bei dem am Fieber erkrankten Löwen verordnet und mit Erfolg an¬ 
gewandt, indem er dem Wolf das Fell abziehen, dieses trocknen und 
dann den Löwen in dasselbe ein wickeln läßt {Ren. 10, 1530 — 84, 
15G1—63, 1021—24, 1660 — 63). Oscar Kühn, welcher (Medi¬ 
zinisches aus der altfranzösischen Dichtung, Breslau 1904, S. 94sq.) 
mehrere derartige im Volksglauben für heilkräftig angesehene Mittel 
anführt, hält das letztere für eine ja auch heute noch gegen das 
Fieber verwandte Schwitzkur (S. 99). 

359. tieve. Das Wort erscheint sowohl im Reim auf brieve 
wie auf leve (lavat), s. Godefroy 7, 705; belegt sind auch die Ab¬ 
leitungen teveU, tevor und tievoier „lauwarm machen“. Das Wort 
geht wie Hede auf tepidum zurück, ist aber jüngeres Lehnwort, 
nach Meyer-Lübke, Franz. Gramm. §125 von den Ärzten herüber¬ 
genommen. Auffällig ist dann allerdings, daß es mit leve reimt. 
Dies erklärt sich wohl, wie bei De „Gott“ und bei eve „Wasser“, 
durch Reimzwang, da entsprechende Wörter mit j? schwer oder 
gar nicht zur Verfügung standen. 

361. en paßt grammatisch nur zu mengier, deutet aber ganz 
allgemein an, daß von der frischen Hirschhaut etwas ausgesagt 
werden soll. 

362 fehlt in P, wird aber durch den Zusammenhang gefordert. 

370. samt Aumer. Es ist besser, ebenso wie in den beiden 
folgenden Namen, Saint zu schreiben, weil es sich nicht um den 
Heiligen, Bondern um einen nach ihm genannten Ort bandelt. Saint 
Aumer, in der gewöhnlichen Schreibung Saint Omer, ist eine Stadt 
in Artois, heute Arrond. Pas-de-Calais, an der Eisenbahn von Lille 
nach Calais gelegen. 

371. Saint Andrieu bedeutet Saint Andrews in der schotti¬ 
schen Grafschaft Fifc, heute eine bekannte Universitäts- und See¬ 
stadt, früher der Wohnsitz der Erzbischöfe von Schottland. — Moni 
Saint Michael ist die bereits im Rolandslied erwähnte, 709 ge¬ 
gründete berühmte Benediktinerabtei dieses Namens, die auf einer 
kleinen Felseninsel etwa 3 Kilometer von der Küste im Ärmelmeer 



208 


Anmerkungen, 


in Oer Normandie im heutigen Arrond. Avranches gelegen war, und 
die jetzt als Festung und als Gefängnis dient. 

371 — 72 lauten in W: 

Des le port tlApres jusques a Monpellier 
Nos piez en langes que vous nen eussez. 

377 — 1389. Dafür in W 868 andere Yerse (s. Anhang I). 

383. estroii. So mit C; wenn wir die Lesart von P eslrois 
beibehielten, d. h, die in der Anm. zu v. 7 besprochene Konstruk¬ 
tion, so würde das Attribut von seinem Substantiv bl'rnts durch 
die Caesur getrennt werden. 

384. antU s. Einleitung S. 40. 

410. Der Vers fehlt in P, ist aber für den Zusammen¬ 
hang nötig. 

425. gi'enu. Uber das g s. Einleitung S, 72. 

435. Der Vers, den P dahinter eingefügt hat, gibt keinen Sinn. 

475. Setze dahinter einen Punkt. 

487. Dahinter in CT: 

Des {Dix T) or est bueues en molt graut orfante (ofTrete) 

En son viuarat ne q«it que« soit ostes. 

490. Dahinter in CT 2 Yerse: 

Cloz fu entor de murs (mor C) et de fosses (fosse C) 

Doz et la deine se sistrent {sient T) lez a lez. 

499 — 502. Die Ereignisse, auf welche in diesen Zeilen an¬ 
gespielt wird, werden sonst nirgends erwähnt. Sie kommen auch 
nur in unserer Fassung vor, stammen daher aus der Phantasie des 
Bearbeiters und sind eine Erweiterung der auch in den anderen 
Fassungen enthaltenen Angabe, daß die Herzogin bereits vor ihrer 
Verheiratung den Doon, bzw. letzterer sie geliebt habe (vgl. I, 37; 
agn. Boeve 25). In dem anglonormannischen Gedicht hatte Doon 
sogar mehreremal um sie angehalten, war aber von ihrem Vater 
abgewiesen worden (agn. Boeve 26 — 27). 

505. Dahinter in CT 3 Plusverse: 

De tez maris puet on trouer asses 

Toz estoit vi eus (Trop est vlens hons T) porris et asotes 

De moi pari soies qnites dames (ouites estes remes T). 

518. Der Yers fehlt in CT. 

523. emparU. Tobler bringt in seinen „Vermischten Beiträgen“ 
I 2 , 146 —160 eine Liste von Part. Prät. transitiver und intransitiver 
Yerba, welche „den bezeichnen, welcher die Tätigkeit des Verbs 
vollzogen hat oder gewohnheitsmäßig vollzieht“. Darunter erscheint 
auch (S. 159) sorparle „im Reden zu weit gehend“. Hinzuzufügen 
ist demnach emparU „sprachgewandt“, das mehrfach vorkommt, z. B. 
















Anmerkungen. 


209 



sages et couriois estoii, Larges et moult bien emparles Percev. 508; 
La biele, la bien emparlee ib. 9641; Seros tu nies $i emparlee Com 
tu as esie? Fabliaus 1, 108. Auch in unserem Gedicht noch: trop 
estes emparlez v. 8942; ähnlich v. 12471. 

525. II rn’ochira, se il vit longuemant. Der Positiv hat hier 
die Bedeutung eines Komparativs, also „länger“; ebenso in Se il 
vit longms, moult ert de granx vertuz v. 1511; wohl auch in: 
A dms lUuetes, ne gaires loing de et, Est Josiane v. 12 926; so¬ 
dann in: Se ce ne fall, longues ne puet durer v. 14933; PrendSs 
le moi . ., Jou ne vuel pas que vive longement Bueve III, 8258. 

534. Dahinter in T: 

U noierai en une iawe courant 
Apres le pere peu viuera lenfaut. 

537. Darauf folgt in CT: 

Dms traitors felons et souduiaus (Doi traitour felon 

et sousdoiant T) 

Il sunt venu a li deliurement (tout maintenant T). 

573. engoulee. Über das Adjektivum engoule „rot verziert“ 
s. Anm. zu Bueve I, 977 und Nachtrag. Das "Wort kommt auch 
noch v. 4707, 7126, 8205, 8815, 10095 und 10394 vor. Das 
davon abgeleitete engoulure „(rote) Verzierung“ v. 648 (s. Anm.) 
ist bisher anderweitig nicht belegt. Godefroy gibt nur unsere Stelle 
und übersetzt es fälschlich mit „ eollet indem er es also von gttla 
ableitet. 

574. röee. Röe , prov. rodat, Du Cauge circumrotaius, er¬ 
scheint als Beiwort zu targe, eseu oder zu der Bezeichnung eines 
Stoffes bzw, des daraus gefertigten Kleidungsstückes. Es kommt 
von lat. rota und bedeutet „mit runden, kreisförmigen Verzierungen 
versehen“; vgl, Scheler, Bueves de Commarchis, Anm. zu v. 2971, 
P. Meyer, Klamenca und Daurel et Beton im Glossar unter rodat. 
Porpre röee erscheint z. B. noch Aym. de Narb. 2534; targe röee 
Raou! de Cambrai 1804; Prise de Cordres 2783 u. 5,; paile röe 
Aym. de Narb. 98, 1083. Auch in unserem Gedichte findet sich das 
Wort noch als Beiwort zu targe (v. 6199) und zu paile iv. 15100). 

578. une cercle doree, Godefroy (II, 20) belegt cercle mehr¬ 
fach als weiblich. So kommt die Wendung cercle doree im Aubri 
le Bourgoign S. 227, v. 4 und 8 vor, ebenso in einem Plusverse 
der Hs. P des Bueve III hinter v. 512 und in jenem Gedichte 
selbst v. 7622, 7692 und 13170. Tobler verweist im Glossar zu 
obiger Stelle aus dem Aubri auf it. cerchia und span, cercha. An 
andern Stellen unseres Gedichtes ist cercle männlich (s. Glossar). 

600. Tost en aves ja faite l’oubltee. Das Verbum finitum 
wird ab und zu durch faire mit einem Substantivtim, das meist ein 
Abstraktum ist, oder mit einem sübst. Inf. umschrieben, so in: 

Stimming, BoeTe de H&ntone, 14 







210 


Anmerkungen, 


de Buevon me fais desevrement Bueve III, 8418; A enviz fax la 
departie Eneas 1775; Le remnir fait Ven a. peine ib. 2303; tost 
eust faite la retomee, Se il osast por honte Joiird. de Bi. 3736; Sire, 
fait il , h remanoir Ferai donques Escoufle 1685; la mesestanee 
Dont eil U a rementevance faite ib. 6022; N’i voel faire plus de- 
mouree Balahain 1148G; Ere le fruit eueilli I.)ont eil U ot fait 
veance Lambers Ferris (Wi)motte-Festband, S. 000, v. 18) u, a. 

609. par ces monstiers offrir ist die Lesart von T (a ses statt 
par ces in. C), während die von P ces autem recouuir hier keinen 
guten Sinn ergibt. 

623. tel man De coi. Das Relativpronomen quoi wird einzeln 
auch in bezug auf Personen gebraucht: Deus li (der Königin Adel¬ 
heid) otreü mqjeste, Pur quei eist Uvres ful traue Phil, de Thaun, 
Best. 3158; Aymeri . . Por coi se hastent Aym. de Narb. 3147; 
le filz sainte Marie De qoi Viglise cstoit fondee Fabliaux 5, 218 u. a. 

635. Quant eine an fuissent passe. Die Vertretung eines 
irrealen Bedingungssatzes durch einen temporalen mit quant und 
dem Konj. Imp. oder Plusq. ist sehr selten. Helmer, Die Ver¬ 
tretung hypothetischer Nebensätze durch andere Konstruktionen im 
Französischen, Diss, Güttingen 1913, S. 50 — 51, bringt als älteste 
Beispiele solche aus Commines. ln neuerer Zeit findet sich diese 
Konstruktion einzeln, wenn quand noch merne hinter sich hat, also 
mehr konzessiven Sinn auf weist, z. B. Quand bien mime il eüt eie 
possible que Smith füt dans la confiance . ., de quelle nature pouvait 
Sire ee mystere Müsset, Confession V, 3; Video nous en füt vertue, 
quand merne vous ne nous l’eussiez pas suggeree Augier, Pierre 
de Touche 3,1; quand merne il e€U decouvert quelque chose, il 
n’Stait komme a lui faire inanquer son avenir A. Daudet, Frommt 72. 
Auch nach quand allein in derselben Bedeutung: Quand on ne 
m’eüt rien dit, faurais su vous connattre Mol. Ec. des F. 5, 7. 
Ein Temporalsatz mit puis que und dem Konj. Imp. in Vertretung 
eines irrealen Bedingungssatzes findet sich noch in unserem Ge¬ 
dichte: ne doutaisse vini paiens, Puis que je fuisse sur mon desirier 
v. 2787. Auch statt eines realen Bedingungssatzes findet sich im 
Afr. ein Temporalsatz mit quant und dem Konjunktiv des Präsens, 
z. B. quant le tres&r moi seit mostrex, Vus en irex Agn. Boeve 
v. 3298 {s. Anm.); mit la ou ebenso: Ja ne perdrai marckie ne 
foire La ou je puisse Vilh. v. Engl. 2003; vos gardex Que mde 
espie ne vos trwisse. — „Dame, . . la on je puisse, Ne me verra 
ja mde espie i( Karrenr. 4546; andere Helmer, a. a. 0. S. 55sq. 

Hinter v. G35 in CT: 

Et je eusse mes garnemens saisi 

Tost (Et T) men (me C) alaisse en autre liu q*te ci 

(en estrange pais T) 











Anmerkungen. 


211 


639. Que de moi soient li gamement saisi, d. h. daß ich die 
Waffen führen kann, kampffähig bin, vgl, v. 770 und: 

Gel ferai bien conraer et garnir 
Tant que il puist desor cheval seir 
Et qu’il porra ses garnemeus souffrir 
Jourd. de Blaiv. 775 — 77. 

648. engoulure. Das Wort ist anderweitig nicht belegt, be¬ 
zeichnet aber offenbar den Teil des Gewandes, der die Kehle um¬ 
schließt, also etwa „Kragen“. Die entsprechende Stelle in III 
lautet (v. 585) ot sanglmt . . les mgoules del her min pelipon, wo 
also engoulex das gleiche bedeutet; auch dies Wort kommt sonst 
nicht vor. 

663. Dahinter in C 3 Verse: 

Et herbergas saint p ere em pre noiron 
Et cowuertis saint pol son compagnow 
Et suscitas de mort saint lasaront. 

Dieselben Verse in T hinter v. 664 in der Reihenfolge 3, 1, 2 
und mit e! pre statt em pre. 

685 — 86. Var. lies; 684 — 85. 

699. Dahinter in T: 

Et dist fromons hasset a vois Serie 
Soy. dist il souffres que ie vous die. 

719. les mH Ihres, d. h, die ihm angebotenen (v. 691); in 
v. 756 ist von 500 Livres und 10 Maultieren, in v. 956 von 
1000 Mark die Rede. 

728. escherie, Escherir, prov. esearir „zuteilen, zuteil werden 
lassen, auszahlen“; es begegnet noch v, 11388. 

752. Der Vers fehlt in P, ist aber für den Zusammenhang 
erforderlich. 

758. Das Komma hinter mors ist zu streichen. 

759. Das Anführungszeichen ist zu streichen. 

767. amparlier, meist mit der Schreibung emparlier, bedeutet 
sonst „Advokat“, auch „der für andere das Wort führt“: hier offen¬ 
bar einfach „Sprecher, Mitsprecher“. 

788. Mit diesem Verse beginnt in CPT eine neue Laisse. 

809. acouvete begegnet noch v. 9272. Acouveter wird in der 
Einleitung (S. 71) mit dem gleichbedeutenden aeouverter identifiziert. 
Es ist aber wohl richtiger, darin eine Ableitung von afr. aeouver 
(adeubarej zu seheu; s. Zs. f. rom. Phil. 26 (1902) S. 326 und 
Rom. 31 (1902) S. 453. 

820. Dieser Vers kehrt in v. 837 wörtlich wieder. 

848. Rabömet. So auch v. 877 und 900, dagegen Robbet 
v. 851; die übrigen Handschriften haben andere Formen oder Kamen. 

14* 








212 


Anmerkungen, 


lioböet ist eine gewaltsame Verkürzung von Boböenet, denn letzteres 
ist das Diminutivum von Boboan, wie dieser Sohn Soibants hieß, 
z. B. v, 5020, 5331, 5508, 5550 u. ö. Der Name stammt aus dem 
Alten Testament, da König Salomons Sohn und Nachfolger Roboam 
hieß {Kois III, 11, 43; 12, Isq.). 

857. ains k jor esclarci. Über diese Konstruktion, in welcher 
das Bart. Prät, wie in dem lateinischen ante primam vigiliam con- 
feclam ein Verbalsubstantiv vertritt, von welchem das dazugehörige 
Substantiv als Genitiv-Attribut abhängig zu denken ist, s„ Anm, 
zu Bueve I, 10259. 

874. Dahinter in C: 

Tierris rnes freres est molt poestis; 

in T 2 Verse: 

Roboennet et son frere tierri 

Et Bai un frere qui a a non tierris. 

882. moutons. Auffallend ist der Plural, der jedoch auch 
v. 910 von demselben Worte erscheint. Auch sonst begegnet dieser 
Numerus hin und wieder bei Benennungen von Tieren, wenn da¬ 
mit die von diesen stammenden Felle oder das daraus gewonnene 
Leder gemeint sind, besonders bei agnel, z. B. in unt . . sun ekapel 
d’ainneus sur Voriller hve S. Thomas (v. Garnier) 1939; Chaseuns 
avoit . . . una jupe de gros agniaus forrm Aym. de Narb. 1624; ot 
denn pelifons bons et biaus, Uun d’cscuirens, Vautre d’aigniaus Barb. 
et M6on 3, 191, IG; derselbe Gegensatz zwischen forre d’agniaus 
und forre d’eseuriaus begegnet Rom. de la Rose 9825—26; weitere 
Belage für agniaus bei Go de fr oy 1, 161 und 8, 47. Meist wird aller¬ 
dings in diesem Falle der Singular verwandt, So in sollers de buef 
v. 883 und 912; guigcs de cerf v, 1906 und sollers de vache v. 16413, 
Der Plural scheint also bei der Bezeichnung kleinerer Tiere üblich 
gewesen zu sein, wo eher mehrere Felle für einen bestimmten 
Zweck gebraucht werden, als bei großen. 

883. encomis. Das Adjektiv wird von Godefroy (1, 118) 
nur mit einer einzigen Stelle aus Jean Priorat belegt und mit „dur 
comme la corne u übersetzt. 

889. uns carbons arsis. Ein Adjektiv arsi findet sich bei 
Godefroy nicht, weder afr. noch nfr., ebensowenig bei Littre oder 
im Diet, gön. Dagegen führt Sachs aus Landais als veraltet an; 
arsi „brandig“. Aus dem Zusammenhang ergibt sich für unsere 
Stelle „ausgebrannt“, daher von einer Kohle „schwarz“. 

895, 89G, 897, 898 Var. versehentlich 995, 996, 997, 998. 

907, triuler von tribulare „dreschen“ wird in den romanischen 
Sprachen, wie es scheint, fast ausschließlich in übertragener Be¬ 
deutung „quälen“ verwandt Es hat hier offenbar den Sinn „reibon, 
pressen, um. den Saft heraus zu hol en “. 




















Anmerkungen. 


213 


909. Mors de. Moriant. Moriant ist eine Nebenform von Mariane, 
Moriaigne, Moriene , welche Mauretanien bedeuten. Mor ist ein Be¬ 
wohner dieses Landes „Maure, Mohr“. Der Ausdruck Mor de Moriant 
begegnet auch Conquete de Jerusalem 7516, 8211 (s. Langlois, Noms 
propres, S. 472); derselbe Vergleich v. 1428. 

922. d’une somme pesant ,,vom Gewicht einer Saum.tierlast“; 
dasselbe: du pesant d’une somme v. 968, 991; s. Zs. f, rom. Phil. 
10, 537 und Mönch, a. a. 0. S. 6. Derselbe Gedanke wird in 
v. 1086—87 anders ausgedröekt. 

932. fonde bedeutet hier offenbar „Band, Schnur“; auch lat. 
funda heißt „Schleuderriemen“, und das daraus hervorgegangene 
fronde bezeichnet heute in der Sprache der Chirurgie „eine Art 
Binde“ 

933. Blaive. Ein Fluß dieses Namens findet sich nicht in 
dem Namenverzeichnis (Les noms propres) von Langlois und ist 
auch mir sonst nicht begegnet. Er kommt noch v. 970, 993 und 
1150 vor. 

953. roi amant ist bekanntlich eine volksetymologische Ver¬ 
änderung von raemant (redimentem) ; dasselbe v. 1511, 3863, 4080, 
7500 u. ö.; dagegen raemant v. 3152, 16974, 17 008. 

967. Der Vers fehlt in P, wird aber durch den Sinn ge¬ 
fordert, vgl. v. 824 und 990. 

972. fonde ist sonst in dieser Verwendung nicht belegt. Es 
heißt heute als Seeausdruck „flacher Teil des Meeres, Untiefe“. 
Daher hier ähnlich „ein nicht tiefes Gewässer“. 

991. Der Vers ist in P versehentlich ausgelassen worden, 
vgl. v, 922 nnd 968. 

1042, Dahinter in T noch 3 weitere Verse: 

Doon seoir a dois a or batu 
Sa mere baise et souvent et menu 
Pres ne li est li cuers de duel f’endus. 

1056. Fouques de Pise et Guis de MonpeUier. Diese beiden 
Ritter, die also in der unmittelbaren Umgebung Doons sitzen, ge¬ 
hören offenbar zu dessen nächsten Vertrauten, und da wir in 
v. 5078sq. erfahren, daß Buove in der Schlacht den Foucon, Neffen 
Doons und Bruder Guis, tötete, andere Ritter dieses Namens aber 
nicht begegnen, so liegt es nahe, beide Fouques und beide Guis 
miteinander zu identifizieren, so daß aho die in \m 3 erem Verse ge¬ 
nannten die Neffen Doons sein würden. 

1075, manecier. Über diese Umstellung der Vokale zweier 
Silben s. Anm. zu Bneve I, v. 20. Weitere Beispiele in unserem 
Gedichte sind: manechant v. 14559; vöer statt veoir v. 1662 nach R; 
dies auch öfter im Leben des h. Ebrulfus, z. B. voeir v, 2234 


214 


Anmerkungen. 


voier v. 3182, (: envoier) 3374, 3397 u. <).; veier v. 4250; weiter 
bei uns: desvokpee v. 1953; envolepee v. 6967; cuvokpant v. 11544; 
herupes v. 4028 neben gewöhnlichem Imrepes v. 3245; sonstige: 
deniers menöe% Orson de Beauvais 182, 419; preoehe statt prösche 
(von prodicare statt praedicare) im Reim auf Antioche, Ste Paule 271; 
pain behüte Ayra. de Narb. 2170; besonders bemerkenswert ist joe 
(zweisilbig) für jeo im Reim auf roe, Donnei des Amants 277—78. 

1076. Der Vers fehlt in P, ebenso v. 1081, doch sind beide 
für das Verständnis erforderlich. 

1090. ml pueent atouchier. So nach C, die Lesart von PT 
würde der von v. 1096 fast wörtlich gleich sein. 

1091 — 94. Diese Verse sind in P ausgelassen worden, sie 
müssen aber eingefügt werden, da ihr Inhalt in v. 1102 — 4 be¬ 
richtet wird; dasselbe gilt von v. 1096 wegen v. 1107. 

1095. l’ensivent. Besser ist l’ensiuent zu schreiben, vgl. v.1106. 

1112. a loiU son ialon, Durch das Verbinden des Hackens 
sollte der Anschein erweckt werden, daß der Fuß verwundet war, 
Bueve also nicht abwesend hatte sein können. 

1152. Dahinter in C 8 Verse: 

Veimes nos ens en liaue flotant 
Et si sentimes com i! estoit pesant 
Et le lasaimes flotcr on floz auant. 

1175. cbalant oder calant, das aus dem mittelgriechischen 
Xelavöiov stammt, bezeichnete nach Prahm, Das Heer und die 
Seefahrt in der altfranzösischen Literatur (Diss. Göttingen 1915, 
S. 29 — 30) ursprünglich ein schnelles Ruderschiff, war jedoch in 
der altfranz. Literatur die Bezeichnung für ein großes, schnelles 
’ransportschiff. Der Ausdruck begegnet in unserem Gedichte noch 
ziemlich häufig, z.B. 5837, 5857, 7934, 11515, 11699, 11728, 
12828, 1 2 839 u. ö. 

1181. Dahinter in CT: 

En pies sallirewt (Empres en saillont T) chiualier et seriant 
Doon en portcnt en sa (la T) chambre atant (plus graut T). 

1199. Cis. Gemeint ist Doon de Hayence, 

1203. Am Schlüsse des Verses setze oben ein Anführungs¬ 
zeichen. 

1220. uns earbons tnenu. Menu gibt keinen Sinn; die Lesart 
von T oseur ist unwahrscheinlich, eher könnte man mit C molu 
schreiben, da die zermahlene Kohle, weil ohne Glanz, noch schwärzer 
erscheint als die in Stücken. 

1223. Var. füge ein: „fehlt in T“. Dahinter in CT: 

Mieudres de lui (li C) ne fu onqrtes veu 
Voire dist do (dos C) mal men (me C) est auenu. 



















Aumevkoageu. 


215 


1227. or molu bedeutet wie noch heute pulverisiertes Gold, 
Goldstaub, das zum Vergolden von Bildern, Statuen und anderen 
Gegenständen verwendet wird. Dann aber ging in diesem Ausdruck 
das Gefühl für die Grundbedeutung verloren, er wurde ganz ira 
Sinne des bloßen or gebraucht; so bei uns und z. B. in: N'enparti- 
roie por plain val (Vor molu Qe ne le toiüe le chief desor le bu Raoul 
de Cambrai 4642—43. 

1236. Der Vers fehlt in P, ist aber nötig, weil sonst der 
Bedingungssatz im folgenden Verse ohne Hauptsatz ist. 

1242. A cest mol ont kt parole laissic. A cest mot heißt ge¬ 
wöhnlich „bei diesem Wort“, und hieraus ergibt sich, wenn keine 
Rede vorhergeht, die übertragene Bedeutung „in diesem Augen¬ 
blick“, z. B. A irrst mol s’est Eueres esveüUes v. 3395; A cest mol 
cst Malagus arrives v. 17049 u.Ö. Einen ähnlichen Sinn hat mot in: 
L’en ne puct pas tot a un mol (in einem Augenblick) Conler tot le 
conveiement Guill. le Marech. 4932; Ce li responi Keus a cd mot 
(sofort) Veng. Rag. 4095. Auch Godefroy 5, 421 übersetzt a un 
mot mit „sofort“; dasselbe in: en mer les cmbatireni, Taut furent 
noiet a un mot Rob, le Diable 3365 Var. lect. — Dieselbe Be¬ 
deutung hat a icele parale s. Foerster, Anm. zu Aiol 8420 und 
Ebeling, zu Auberße 315, 

1244. delie. Da das Maskuliuum vorliegt, so ist zu lesen 
delic (vielleicht auch zu schreiben). Über derartige Augen reime s. 
Tobler, Gött Gel. Anz. 1877, S. 1605 und Altfranz. Versbau 5 , S. 145. 
Ebenso in; (trickerie) cst co[mjble de pcckic Et de to% maus cst 
entechic Joufrois 619; Qm je croi. qui men euer fenderoü a moiiii, 
Du bon prinche i venoü le fujurc entaiüie (in einer Laisse auf -ie) 
A. de la Haie, Le Roi de Sicüe 78 u. a. 

1253. le mieus de sa maisnic. Uber die Verwendung des 
ursprünglichen Neutrums miete mit dem bestimmten Artikel im 
Sinne von „der beste Teil, die Tüchtigsten“ s. Fr. Pfennig, Die 
Komparation des Adjektivs im Französischen, Diss. Göttingen 1908, 
S. 48. Ein weiteres Beispiel bei uns: fu ... du mieus de sa 
maison v. 17 726. Dies noch im nfr. des mieus, s. Littre unter 
mienx 5, 4. 

1270. Var. füge ein: „Der Vers fehlt in C.“ 

1278. El leitet den Nachsatz ein. 

1304 fehlt in P, ist aber wohl nur versehentlich ausgelassen. 

1312 —15. Über die Bedeutung dieses Kreuzes auf der Schulter 
Neugeborener s. Anm. zu Festl. Bucve de Hant. I, 7081. Es wird 
noch erwähnt v. 5597 — 98 und ßueve 111, 125lsq. 

1316. Dahinter hat T die letzten C Verse noch einmal, nur 
in v. 2 a statt ot, v. 4 fehlt, v. 6 lautet: p. c. a eile les e, reuides. 

1320 sq. Über das Verbrennen von Verbrechern und denen, 














216 


Anmerkungen. 


die als solche galten, handelt W. Foerster, Der Feuertod als Strafe 
in der altfranz. erzählenden Dichtung (Morsbach-Festband, Halle 1913, 
S. 181 — 89). Er führt alle in der altfranz. Epik vorkommenden 
derartigen Fälle auf, aber noch nicht den unsrigen, obwohl dieser 
charakteristische Zug sich auch in der Fassung I (v, 472sq.) findet; 
ja auch in der anglononnamiischen droht die Gräfin dem Soibaut, 
sie werde ihn verbrennen oder hängen lassen (v. 339). Weiter wäre 
aber noch hinzuzufügen Claris und Laris v, 9678sq., wo eine Dame 
verbrannt werden soll, weil sie angeblich ihren. Gatten umgebracht 
hat, so wie Perceval v. 37768sq., wo ein junges Mädchen diese 
Strafe erleiden soll, die beschuldigt wurde, ihren Bruder ermordet 
zu haben, um sich das Erbe anzueignen, und ib. 4=2230sq. End¬ 
lich ist aber noch zu erwähnen, daß in dem agn, Boeve auch die 
Josiane verbrannt werden soll, weil sie den ihr gewaltsam an ge¬ 
trauten Gatten in der Hochzeitsnacht erdrosselt hat (v. 2129—72), 
daß in der Fassung i i des Bueve (v. 3088) der Kiese Esmerö 
droht, er werde seine Geliebte als Strafe für deren vermeintliche 
Untreue verbrennen lassen, weiter, daß zu derselben Todesart Bueve 
seine eigene Mutter als Strafe für ihre vielen Übeltaten verurteilt 
(ib. v. 7826), endlich daß auch Herrn in bei der Gerichtsverhandlung 
über die Schuld seiner Tochter den Richtern die Frage vorlegt, 
ob Josiane dem Feuertod e geweiht oder freigesprochen werden solle 
(Sera ma fdle ou arse ou delivree? III, 11407). 

1335. ICH somit ars m la pourre venU. Die strenge Gram¬ 
matik verlangt ventee. Es ist aber konstruiert worden, wie wenn 
es hieße „und als Pulver in den Wind gestreut würdend, h. 
a (en) poudre venU, eine Wendung, welche in der Anm. zu Bueve 
III, 6806 und bei Godefroy 8, 176 mehrfach belegt wird. Unsere 
Konstruktion begegnet in unserem Gedichte noch einmal v. 14771 
und auch sonst hin und wieder, z. B. träitres, . . A grant mariire 
sera vo cors livrex, Pendux ou ars, et Ja poudre, venU Charroi de 
Hirnes 1369. Daneben kommt auch die korrekte Konstruktion vor, 
z. B. bei uns ert arse et la pourre ventee v. 14382. 

1349. Et velt avoir s’amour. Über diese Konstruktion bei der 
Aneinanderreihung zweier Relativsätze s. Anm. zu Bueve I, 10029. 
Ein weiteres Beispiel: celui . . Om erestiem je sui et port son non 
Eustachiusleben (ed. Ott) 1320. Statt des Relativums im Akk. er¬ 
scheint le: li franpöis bachelers Qm vous aves a avoir aeate, Ei 
vostre fille le vos a adoube Bueve II, 2019, ebenso 6330; statt 
des Relativums im Dativ ior; Doi iräüor, gue damedims confonde 
Et lor doinst mort v, 2666; statt des Relativums im Nom. ii: 
tiaion , , Qui vous vendi as paiiens d'outre mer Et moi fist il de 
la terrc geter v. 6038; im Gen. de hti: Soibaut, Que dieus main- 
tiegne et ait de lui piU v. 12 708. 













Anmerkungen. 


217 


1358. sa mere nel metra cn bald nee. Der Verkleidete er¬ 
klärt, Bueves Mutter werde den Bueve fortan nicht mehr schädigen; 
metre m balance bedeutet: „in eine zweifelhafte Lage bringen, der 
Gefahr außsetzen“. Hinter v. 1358 in C noch 10 weitere Verse 
mit dem Reim auf *ance: 

Mais vers lenfant ai si grant airanee 

Q«i plege vieut soi sens demorance 

Tez ou il a surte et fiance 

Que par li nait lenfes mal ne pesance 

Et dist soibaus par les s ains cors de franco 

Ce fera ie lachies sans demorance 

Qwant mon fil plaist ni aura atendance 

Et dist la male molt a grant asciance 

Gi metrai plege de bone conuiasance 

Qwil naura mal taut com aie possance. 

1359. Varia lectio. Statt: „die Verse 1359 — 89 stehen 
nur in P if ist zu lesen: . lauten in W anders“. 

1364. mel. Auffallend und schwerlich richtig ist viel neben 
mal der folgenden Zeile. — W, das hier P ziemlich ähnlich äst 
(s. Schluß der Anm. zu v. 377), liest: Que ja sans moy somit plus 
tourmente. Die Wendung dolor ne viel kehrt überdies in v. 1378 
wieder. 

1365. Ou. Der Satz vertritt einen Bedingungssatz; s. Körte, 
Die beziehungslosen Relativsätze im Französischen, Diss. Göttingen 
1910, S. 107. 

1381. Ich. hatte diesen Satz als Hauptsatz zu dem Bedingungs¬ 
satz in v. 1376 gefaßt’ mit Rücksicht auf v. 1404 ist es aber wohl 
richtiger, ihn als dem vorangehenden Temporalsatz mit Tant que 
koordiniert anzusehen. Dann ist als Hauptsatz vor v. 1382 hinzu¬ 
zudenken: „So teile ich Euch mit, daß .Daher muß hinter v. 1380 
ein Komma, hinter v. 1381 ein Doppelpunkt gesetzt werden. 

1383 — 85. Durch diese Worte wirft der verkleidete Bueve 
dem Doon vor, er sei schuld daran, daß Soibauts Frau so schmäh¬ 
lich gemißhandelt worden sei (v. 1256sq.). 

1394 — 96. Dafür in W: 

Si est du mal durement assoto 
Ce ne vo us vault dit beuues anoa de 
Ou vows di res ou vous encuseray. 

1399. a fiance. Über derartige Präpositionalausdrücke im 
Sinne eines Adverbs der Weise, gebildet mit a und einem Subst, 
ohne Artikel, s. Friedr. Behrens, Umschreibung der Adverbialbildung 
durch die Verbindung Subst. mit Präp. im Franz,, Diss. Göttingen 
1915,8.40—48. 


218 


Anmerkungen. 


3.4:15. ce soü vosire merci. P hat mercis, doch liegt hier der 
Akt. modi vor, "wie in der Lesart von W la vosire grant merci. 

1419. garni. Die Lesart von P gari ist wegen des dabei 
stehenden conreS nicht möglich. 

1439. ne verra Her? di. Über diese Auslassung des bestimmten 
Artikels vor Ordinalzahlen handeln Tobler, Venn. Beitr. II 8 , 116 
und Ebeling, Auberee zu v. 65. Sie geben aber fast ausschließlich 
Beispiele für tierz, einzelne für quart, und das Subst. ist meist 
jom. Der Brauch findet sich aber auch vor anderen Substantiven, 
z. B. Silvis reg mit, uncles Bruti, tierz rois latins Münch. Brut 2075; 
auch prädikativ: Sezimes fu Cadorz de Liz Troie 8125; Älhanaelus fu 
tierz dameix Münch. Brut 2084: Charles qui fu Hers et li pire (sc, der 
drei) St. Remi 6818. Aber auch bei anderen Zahlwörtern, z. B, 
Juno premiere Est revenue Eneas 137; Premiere nuit qu’avec k 
dm cottcha L’ore fu bone Garin lo L. I, 49, 2; prim jor d’avril 
de Paris issent Otinel 711; Quinte nuit devant scint Pierre Luque 
acoueha Romania 12, 224, v. 5; fut ladäe bataille cinquiesme Jour 
de janvier Commines 5, S; Pest Pomolus, Cil evi setmes de la 
ligniee Eneas 2951; Basins estoit omimes Fierabr. 4423; reoenrai 
dedenz jor quarantisme A. et A. 1785. Dahin gehört auch „der 
letzte“: Je ultimes an sni Parise 1189; avoit este penduz : C’est a 
larron daarrain nies (das letzte Gericht, der letzte Gang) Fabliaux 
4, 93; samedy enmivant, pemdtieme d'aoust Commines 6, 11. Auch 
prädikativ: je te commant . . sie chamberieres , et la dame iere sepme 
Jourd. de Bl. 2406. Andere Beispiele aus unserem Gedichte: devant 
quari jor ne m’en quier remüer v. 5920; Jusc’a quari jor le respit 
motrms v. 7095. 

1448. Bitevön en lern ei le. bouche. et le vis. Über diese Kon¬ 
struktion s. Anm. zu Bueve I, 4222. Ein derartiger Akkusativ der 
Beziehung findet sich besonders bei colp ferir (s. Friedwagner, Antn. zu 
Vengeance Raguiclel 1084). So noch in unserem Gedichte v. 3287, 
5006, 9505, 9834; sonst: trois cops le, fieri Bueve III, 5980; 
Guibcrz le fierf un cop Mort Aym. 2708 u. a. Ähnliche Ausdrücke 
sind: onques un cop ne l’asena Cristal et Clane 6148; doch auch 
sonst, so in: .Sie Vataignoie un seid cop de m’espeee Bueve III, 6730; 
Dehait ait Eueres et la bouche, et le nes Bueve II, 9135; De joie 
sagenoittc $i la bnisa le pie De Venus la deesse 206, 2; ces dms 
lies Estraitcment et mains et pies Octavian 4752; ähnlich ib. 4992; 
Ses enfanz baise et les ieuz et kl face Eustachiusleben (ed. Ott) 
1404. Auch der Vers 1605 unseres Gedichtes lautet in R,: Et 
bien les batent les /laus et les costes. 

1450. plus blans que ne soit flors de Hs. Über den Kon¬ 
junktiv nach einem Komparativ, der jetzt nicht mehr gebräuchlich 
ist, s. Erich Müller, Die Vergleichungssätze im Französischen, Diss. 













Anmerkungen» 


219 


Göttingen 1900, S. 113 sq. Einige weitere Belege: Boueement . . 
riant J/e mit pluz qi/sh ne sueitte Blondei de Nesle 4, 8 (in der 
Änm, wird der Konjunktiv fälschlich ^nicht gerechtfertigt“ genannt 
und als ein Opfer des Reims bezeichnet); vos saves Plus ke je ne 
face Rom. n P Fast 148, 32; vif un pont Plus romte qe ne seit 
md Purgatoire S. Patrice (hrg. von Vising 1016) v. 568; Adonc 
estoient U hoschage . * plus sauvage Et le päis qm or ne sott Fab- 
liaux 1, 26 — 27; Baras , . plus ert que Halmes ne fitst del mestier 
engingmus ib. 4, 95 u. a. 

1483. enkerber en un Im. Auffällig ist die Verwendung von 
cm, da mkerber gewöhnlich par oder de bei sich hat, uni das Mittel 
zu bezeichnen. Gerdau, Die französische Präposition En, Diss. 
Göttingen 1909, S. 92 sagt: „bei Beginn der französischen Über¬ 
lieferung ist die instrumentale Bedeutung [von en] so wenig rein 
entwickelt, daß man in den meisten Fällen die Entstehung aus 
anderen Bedeutungen noch deutlich erkennen kann.“ Unter den 
von ihm gegebenen Beispielen steht dem unsern z, B. nahe: por 
norrir m deliees la ehar n’est pas sainm Rusteb. (hsg. von Kreßner) 
161, 12; aus späterer Zeit: il nous donna ä äiner en poisson Mad. 
de Sev, IX, 141. Die zugrunde liegende Bedeutung würde also bei 
uns etwa sein „in der Form von“, d. h. das Gift sollte Bueve in 
Gestalt eines Hechtes beigebracht werden. Die einzige Handschrift, 
die unseren Vers noch hat, liest m bedui 7 d. h. ambedui 

1488. Va gde U ist le : sc. den Hecht, nicht IL 

1492. Dahinter in RW: 

De ceste chouse aorez soies tu 

Qui ce ina fet ne me tient mie a dru. 

1495—Qß, Die beiden Verse sind natürlich ironisch gemeint. 

1527. In den Varianten ist nachzutragen: dame] fause RW; 
duel ot et] plaine est de RW. 

1532. ira a Valenec . Es ist nicht klar, welche Stadt oder 
welches Land mit Yalence gemeint ist; man erwartet Maience, die 
Heimat Doons; R und W haben Wülance. 

1548. vin sor He ist der gute, hefelose Wein im Fasse, so 
lange dies noch ziemlich voll ist; s. Foerster, Aid, Amu. zu v. 217; 
0. Klauenberg, Getränke und Trinken in altfranz. Zeit, Diss. Güt¬ 
tingen 1904, S. 44. Derselbe Ausdruck v. 4275, 4289. 

1550. cor, 1. cor. 

1563. navie bedeutet zwar gewöhnlich „Flotte“, wird aber 
auch von einem einzelnen Schiff gebraucht, s. W. Frahm, Das Meer 
und die Seefahrt in der altfranz. Literatur, Diss. Göttingen S. 27 
bis 28 und 50; dasselbe v. 430G und 11612. 




















220 


Anmerkungen. 


1564 vinrrent en Hongrie. Der Dichter denkt sich demnach 
Ungarn als am Meere gelegen (vgl. as pors de Hongrie v. 18497); 
in v. 1628 ist sogar von einer Insel die Rede. 

1599. Si sera honte. P hat hontes . das beibehalten werden bann, 
da honte mehrfach besonders im 0. und NO. männlich gebraucht wird; 
s. Foerster, Anm. zu Aiol 3128 und M, Friedwagner, Anm. zu Yen- 
geance Raguidel (Halle 1909) v, 5644. So auch in: Trop fait son 
honte eil qui colpe son ms Bueve III, 7842. 

1616. Dahinter in RW: 

Quar del auoir auomes a plente 

Ja par bueuora ne seroras mes (jamais W) greue. 

1618. a lor nes. Da es sieh um nur ein Schiff handelt, 
so ist besser mit R nef zu lesen. 

1626. a parmain. Godefroy bringt nur einen Beleg für 
parmain, das er mit „kndemain“ übersetzt. Bei uns heißt es 
aber offenbar allgemeiner ,,alsbald, sogleich“. Derselbe Ausdruck: 
a parmain le sares v. 10297; a parmain me rares v. 15277; ehi 
«grant meschief, . . Je le voeil a parmain savoir \ ’restre com- 
portö 1088. 

1640. Yor diesem Verse am Rande hinzuzufügen: Kap. II. 

1640 — 41 fehlen in F, sind dort aber nur versehentlich 
ausgelassen worden, wie aus dem V in v. 1642 hervorgeht, das 
ohne jene Verse unverständlich bliebe. 

1643. Vont ja avani men6, P hat sigle , und dies hätte in 
den Test anfgenommen werden können. Zwdr belegt Godefroy 
sigler transitiv nur mit rner als Objekt, aber ein persönliches Ob¬ 
jekt findet sich noch in: Aehopars a la sigle levee, Moult bien les 
sigle parmi la mer v. 4330. 

1649. Der Vers fehlt in P. wird aber durch den Zusammen¬ 
hang gefordert. 

1653. Var. einzufügen: Dahinter in RW: 

Q ue lautre ior a un port achetei. 

1658. Un vert ehapel U ont el chief pose, Ce segnefie qm il 
estoit venes Et est a vendre. Auch in Fassung 1!! wird Bueve 
auf den Sklavenmarkt geführt, ,, Capel u cief . ., Che senefie qu’il 
esi a acheier v. 1526 — 27. Dazu schreibt mir Appel: „Das 
Schmückeu des zu Verkaufenden ist wohl daher gekommen, daß 
man das Vieh auf dem Markte zuerst mit Preisen krönt und das 
so ausgezeichnete, mit Blumen geschmückt, zum Verkauf stellt 
Ich erinnere mich, diese Sitte auch in der Bretagne gefunden zu 
haben.“ Demnach heißt ehapel hier, wie mehrfach im Altfranzö¬ 
sischen, „Kranz“. 












Anmerkungen. 


221 




1668, faucons. Das lateinische faleo, -onis kommt in der 
Bedeutung „Falke“ erst um 500 bei dem Grammatiker Servhis in 
seinem Kommentar zu Virgil vor; vorher bezeichnet es einen Men¬ 
schen mit sichelförmig gebogenem Daumen* Wahrscheinlich ist das 
Wort in jener Bedeutung germanischer Herkunft und bedeutet „der 
fahle“, ist also nach seiner Farbe benannt (s. Reeder, in Real¬ 
lexikon der germanischen Altertumskunde I, 217 unter „Beizvögel“)* 
Der in v* 5400 erwähnte esmerülon, auch esmeril genannt, z* B* 
v. 5348 (von ah& smerlo) } ist eine Unterart, der „Zwergfalke“* 

1690. qui tani fait a löer. Derselbe Halbvers kehrt v. 1695 
und 1698 wieder, 

1739* conquester * So besser mit RW wegen v. 1703 und 
1769 statt demander ß wie P hat* 

1767, el roiaume de Ferse, Hiernach muß man annehmen, 
daß in unserem Gedichte Aubefort (v* 1645) die Hauptstadt von 
Persien ist, in welchem König Hermin (v. 1646) regiert* Daher 
wohnt König Danebus in der Nachbarschaft von Persien (v + 1921). 
Damit stimmt aber nicht, daß in v. 2544 Danebus „cü de Persie £{ 
genannt wird. 

1776. Hier beginnt in P eine neue Laisse. 

1804. s f en issirent de l’eue. Vorher (v* 1789) ist nur von 
einem Wasser gesprochen worden, in oder au welchem Bueve Arondel 
getränkt hatte. Daher muß die Bemerkung, daß die Jünglinge 
aus dem Wasser herausgehen, auffallen; man kann annehmen, daß 
sie darin gebadet haben* 

1819, Et Josiane. Von Josiane ist vorher nicht die Rede 
gewesen. Da sie aber hier als bekannt vorausgesetzt wird, so 
sind wahrscheinlich oben, wo König Hermin den Bueve mit der 
Wartung Arondels betraut (v* 1689 — 90) in unserer Fassung einige 
Verse verloren gegangen, in welcher von Josiane gesprochen wurde. 

1842. mibuissier, 8oi mnbuissier meist „sich in einen Hinter¬ 
halt legen“, hier allgemein „sich verbergen, sich einhüllen“; dies 
auch noch v; Bueve IU, 7029* Ähnlich heißt es im Octavian vom 
Könige, welcher sich auf die Lauer legt, um festzustellen, ob seine 
Gemahlin ihm die eheliche Treue bricht: Qthemens s'est mbuschies, 
En un requoi s'est esconses Oct. 188 — 89* 

1857. Dahinter in RW 6 Verse: 

Vodriez estre desormes oheualiev {or en droyt chier W) 
Autresi (Autresoyt W) mande mes peres soudaiers 
Guerre li sort (soyt W) la greiner desoz ciel 
Dame dist b. se vous ce fesiez 
Vostre hom {en W) seroie achetez a deüiers 
Dist iosiarme oll pßr le mien chief. 



















222 


Anmerkungen, 


1865. Der Vers fehlt in P, muß aber aus RAV herüber¬ 
genommen werden, weil sonst die Antwort des Königs nicht paßt; 
dann natürlich auch v. 1866 in RW. 

1809. fu roi Daniel. Ein König Daniel kommt nach Langlois, 
Table des noms propres, in den Volksepen nicht vor; der Name 
scheint nur des Reims wegen gewählt worden zu sein, gerade 
wie roi Jheremie in v, 15956. 

Hinter v. 1899 in RW 3 weitere Verse: 

El front (Et le frone \V) deuant on Imnoit le chapel 

Bones reliqwes i ot de samt Marcel 

Lespeie a ceinte dont trän che le coutel (le test W). 

Dieselben Handschriften lesen in v. 1899 Lace le hiaume statt 
Chams/, lui le braue, und jene Lesart könnte den Vorzug zu ver¬ 
dienen scheinen, weil sie allein den Helm erwähnt, so daß also 
die angeführten drei Verse in den Text zu setzen sein würden. Aber 
dagegen spricht, abgesehen von der grammatischen Inkorrektheit, 
1. daß in dem Helm sich Reliquien befinden, während Josiane 
Heidin ist, sodann 2. daß in RW Kueve das Schwert selbst um- 
schnallt, während sonst Josiane ihm alle Teile der Rüstung an- 
Legt. Also ist bei P zu bleiben. 

1902. Lyverie . Dieser Name eines fremden Landes oder 
Reiches ist offenbar der Phantasie entsprungen, da weder die 
bekannte Neger-Republik Liberia an der Küste von Oberguinea ge¬ 
meint sein kann, deren Ursprung nicht höher als bis 1822 hin¬ 
aufreicht, noch die gleichnamige Stadt in Costa-Rica in Mittel¬ 
amerika. 

1906. Dos fu d'yvoire. Der Ausdruck os d'ivoire wird von 
Godefroy 10, 34 belegt. 

1908. Dieser Vers findet sich nur in RW, ist aber einzu¬ 
fügen, da das Fähnlein (v. 1909) sich nicht an einem Schild, son¬ 
dern an einer Lanze befindet. — In Var. 1. „hinter v. 1909“ statt 
„hinter v. 1908“. 

1909. a dis claus d’or ot lacie. Bemerkenswert ist, daß der 
Ausdruck lackr gebraucht ist, obwohl es sich nicht um Bänder, 
sondern um Nägel handelt; RW lesen i ot un statt ot lade ; hier 
fehlt aber der Begriff des Befestigens. 

1933. a grant siege tramise. Der Singular kanu zwischen 
den Pluralen bleiben und entweder auf Danebus bezogen werden 
oder auch unpersöulieh gefaßt werden. — siege ist nach Godefroy 
(10, 673) im Afr, männlich und weiblich. 

1937. ireslie statt des korrekten ireslice ist eine Neubildung 
aus dem sekundären Akkusativ tresli des Maskulinums, der sich 



















Anmerkungen. 


223 


z. 13 Eneas 7055 findet: Par !e chanp gisent . . halbere fresli. Das 
Fern, kehrt in unserem Gedichte wieder in la broigne treslie v. 9602, 
9620; das Mask. in hauberc tresli v. 11488. 

1942. te pH que tu mon pere äie. Wie Tobler, Verm. Beitr. 
I 2 , 27—30 nachgewiesen hat, findet sich im Afr. nach einem Aus¬ 
druck des Wollens ini Objektsatz mit que nicht selten der Imperativ, 
d. h. die Form der direkten Aufforderung. Ebenso: Or te pri que 
si fc fai v. 16031. 

1971. demie ne denree. Diese alliterierende Zusammenstellung 
erscheint (auch in der Reihenfolge denree et demie ) mehrfach zur Ver¬ 
stärkung der Negation; so gleich wieder in v. 2005; ebenso anders¬ 
wo in: De Saissoingne navrez danree ne demie Sachsenlied 6891: 
Et li di que tu u'as demie Ke denree de ton avoir Fabliaux 3, 94; 
denree ne demie En taut te nwnde n’a de foi Gaut. de Coincy 553, 
488; n'en perdi demie ne denree Aym. de Narb. 1313; mnt honor 
au monde, Dont n’a denree ne demie Baud de Conde 157, 119 u, ö. 
Denree ist eine Ableitung von denarium und hat auch zuweilen 
dieselbe Bedeutung wie denier. Meist aber bezeichnet es „den Wert 
eines Hellers bzw. die Ware, die man für diese Münze erhält“. So 
erscheint mehrfach der Ausdruck denree de pain (Godefroy 2, 508) 
und infolge davon denree allein in demselben Sinne, bezeichnete 
also ein Brot von einer gewissen Größe oder einem bestimmten 
Gewicht, und demie im speziellen Sinne war die Bezeichnung für 
ein halb so großes Brot, So führt Godefroy (2, 499) folgende Stelle 
aus dem „Livre des mestiers“ des Estienne Boileau an: „Les trois 
demies de pain a paier ehascune semaine pour son tonlin , c’est a 
saeoir demie le merqnedi et denree te samedi. Aber auch demi 
allein wird im Sinne einer sehr kleinen Menge verwandt und dient 
so zur Verstärkung der Negation; gewöhnlich in der weiblichen 
Form: ens est mis De reperdre, se demie A de sens ne de voisdie 
Adam de la Haie (ed. Coussemaker) S. 1G4; n’i voi de mon prea 
demie Baud, de Conde 234, 22 u. ö. Daher als Füllwort der Ne¬ 
gation , z. B. L ’en i prent . . tanz menuz peissons de meir Que neu 
vos sät demies nomer Mont St. Michel 474. In männlicher Form 
meist mit der Negation an ein Subst. angefiigt: n’avra ami Kes 
an tout seul, non voir demi Gant, de Coincy 535, 491; Ke me 
puei jour ne demi, Sanz vous veoir, Kens souffire Christ, de Pisan 
I, Nr. 25, v. 9 u. 8. Dies auch noch später, z. B. n’ay plaisir ny 
drnitj Marot IV, 116; Sans respect ni demi Mol. SganarelJe Sc. 16, 

2048—-49 nach KV; in der Lesart vou P schwebt Et le 
vassal in der Luft, außerdem ist dort der erste Vers wörtlich gleich 
v. 2053. 

2055. Deus en a mors. Die Lesart von P Tons les wider¬ 
spricht v. 2045 und 2061. 




















224 


Anmerkungen. 


2070. les espieus noieles. Auch von Spießen wird mehrfach 
erwähnt, daß sie mit Nigello-Verzierung- versehen waren, so in 
unserem Gedichte noch v. 5961, 7396, 7852, 8157. 

2072. en fwies toument, I'ber den Plural hierin s. Bueve 
de Haut. I, 5105; ebenso v. 2110, 4205, 5143, 5371 u.ö. — Hinter 
diesem Verse in RW noch: 

Q ue de la mort andeus les ot sauuez (eulx dens 

les a tenses W) 

Or lo?it lessie li gloton pariurez. 

2122. Arondel le müe. Über dies Beiwort eines Pferdes 
s. Bueve de Haut. 1, 6502; dasselbe v. 2677, 4233, 5092, 7280, 
7523 u. ö. 

2129. Dahinter in KW; 

De leur escuz (escu W) se sont ei fort hurtez 

Qwa meruoillons (Que a merueille W) ere furent 

estonez. 

2138. De par Buevon. Über das Vorkommen dieser Ver¬ 
bindung und ihren Ursprung s. K. Kellermann, Französische Präpo¬ 
sitionen in syntaktischer Verknüpfung untereinander, Diss. Göttingen 

1914, S. 79 — 91. 

2144. il tenrroit de lut neu iretes. Mit lui ist natürlich der 
König Dermin gemeint, RW drücken dies deutlicher aus: dou rot 
son herite. Daher sagt Braidimont auch in v. 2588 von König 
Hermin: eil me munde de qui je tieng mon fie. 

2154. Davor zu setzen: Kap. III. 

2161. Moult ont perdu et petü gaaignie. Dies ist ein stehen¬ 
der Ausdruck; er kehrt wieder in: Perdu avons et petit gaaignie, 
v. 6379 und mit geringer Änderung in: Moult ai perdu et petit 
eonqueste v. 5139. 

2189 — 91. Cor me prendes . . Ott tu m'en mainnes . Über 
diese Änderung der Konstruktion bei der dilemmatischen Gegen¬ 
überstellung zweier Imperative in Frageform s. Bueve de Hant. I, 37; 
Josiane wiederholt ihre Aufforderung in v. 2218 —19; ein weiteres 
Beispiel in unserem Gedicht: La mort m’envoie . . U tu me getes 
de cest ntortel peril v. 2764 — 65; ein sonstiges: Car . . nous fai 
geter ens en la mer Ou tu nous fais ansdeus les des coper Bueve 
III, 6761. 

2194. En eest päis je n’ai terre. Wenn ein isolierter Haupt¬ 
satz mit einem Adverb oder einem adverbialen Ausdruck beginnt, 
so tritt im Altfranzösischen regelmäßig das Subjekt hinter das 
Verbum, s. Koopmann, Die Inversion des Subjekts im Französischen, 
Diss. Göttingen 1910, S. 17sq. Selten bewirkt das Metrum die 
regelrechte Wortstellung (ib, S. 18), Dementsprechend lesen auch 
RW an unserer Stelle n’ai je. 
















AnraerkuDgeEL 


225 


2217* manande* Das Wort hat hier offenbar die Bedeutung 
„Besitz, Reichtum“, wofür sonst immer manandie , manantie, ma- 
nand&rie und andere Formen gebraucht werden» 

2225 — 26. un träitre . Mon pere occisL Koordinierung 
Statt Unterordnung durch einen Relativsatz. Diese findet sich 
selten, wenn beide Sätze affirmativ sind, z. B. Vous estes eil . 
La dame en mamne v, 4074. Sonstige Beispiele sind: Ja mais 
n’iert hum T plus volentiers le serve Roh 2254; Monoseeros est 
beste , Un cor ai en la teste Phih de Thaon, Best, 394; il fait 
moult que sage, par altrui se chastie Destr. de Rome 534; tels 
i vont en Bretaigne Fabliaux 2, 125 u. a*; oder wenigstens 
der Hauptsatz: tels me pot blasmer, Nel savrat amender Cumpoz 
1088: Tes cuide estre amex, ne Fest point Jean de Condö U 5 
178, 26 u* a. 

2234, masange ist eine Nebenform von mesange „Meise“, die 
bei Godefruy 10, 145 mehrfach belegt ist 

224L moi et Bueve semblons. Ober diese auffällige Ver¬ 
wendung der Akkusativform des persönlichen Fürworts statt des 
Nominativs handelt G. Ebeling, Probleme der romanischen Syntax I 
(1905), S, 162 sq. Er weist nach, daß sie nur dann vorkommt, 
wenn es sich um die Verbindung zweier Subjekte, sei es zweier 
Pronomina oder eines Fronomens mit einem Substantiv, handelt. 
Er erklärt sie durch den Einfluß der bekannten, gleichbedeutenden 
Wendung entre moi ei Buevon. Unsere Wendung kehrt wieder 
v. 2653; moi et mon frere .. avons v. 5774; ähnlich v. 5901, 7900, 
11910; nos soions, moi et toi y acorde v. 9418. Daneben U et 
Soibaus y. 0397, 7221; ähnlich v. 8241, 8292 u. ü. 

2282. Ma dame mande Jca li venes. In der Anim zu 
v. 1942 haben wir den Imperativ statt des Konjunktivs in einem 
Objektsatze nach einem Verbum des Wollene kennen gelernt. Au 
unserer Stelle ist das Verbum des Hauptsatzes ein Verbum des 
Sagens, der Satz mit que leitet demnach die indirekte Rede ein, 
und letztere weist die Form der direkten auf, indem an Stelle 
des zu erwartenden Konjunktivs ebenfalls, wie in den oben er¬ 
wähnten Sätzen, der Imperativ ein tritt. Über diesen Brauch 
handelt August Fischer, Die indirekte Rede im Alt französischen, 
Diss. Jena 1900, S. 11* Weitere Beispiele aus unserem Gedichte: 
(Jedes vous munde que li faiies gar der Cel träitour v, 7720; vous 
mande , que vos vos en venez v. 8635; vos mande que Ci venes 
aidier v. 15 762. 

2319. en trestout mon regne. Die beiden Handschriften RW 
lesen cest regne } was vielleicht besser ein zusetzen ist, weil das 
Reich nicht der Josiane, sondern ihrem Vater gehört. 

Stimmiag, Bouv. de Kantone, 


15 















226 


Anmerkungen. 


2322. Statt dieses Verses haben RW deren 3: 

Bien sei de uoir que yous iestes ire 
Sl de riens ai anuers yous meserre 
Del amender ai bone uolente. 

2328, dut estre honis „er wäre beinahe vernichtet worden“, 
Devoir mit dem Inf. begegnet mehrfach in dieser Bedeutung. So 
noch in unserem Gedichte: en dut estre mors v. 13845. Auch 
sonst, j i. B, li ernte , , t Comant il dut estre antrapex Et eomant il 
est eschapex Eree 5101; avugle m’ot Coveitise . Mort et träi me 
dut avoir Willi, v. Engl. 898; bien i dut estre balux ib. v, 906; 
morir dut l'autre semaine De paor, quant eh te vit Meraug. 5312; 
de paor diiusics Estre morte ib. 5G77; je dui morir ib. 5097 u. a. 

2345. Bien li vaurroit la voie d’outre mer. „Dem Bueve 
würde seine Fahrt von jenseits des Meeres wohl nützen.“ Die Worte 
sind natürlich ironisch, gemeint; daher ist auch nicht mit BW nos 
Btatt li zu lesen. 

2354. grans mals est du celer. Über diese Konstruktion, in 
welcher estre eine mehr sinnliche Bedeutung „herkommen von“ hat, 
handelt Tobler, Verm. Beitr. I 2 , 5sq. Dieselbe in: Male cose est . . 
de felonie v, 5432; mit dem Infinitiv; Grant vilonie seroit de plus 
proiier v. 10873; pechiex est de Buevon afoler v. 11303; C'est vilonie 
de ferne laidcngicr v. 13543. 

2384. ne vaus mie ma foi a trcspasser. Einzelne Beispiele 
für den Inf. mit a nach voloir bringen Lachmund, Über den Ge¬ 
brauch des reinen und präpositionalen Infinitivs ira AltfrauzÖsischen, 
Diss. Rostock 1879, S. 6 und Soltmann, Der Infinitiv mit der Prä¬ 
position a im Altfranzösischen, Franzos. Studien I (Heilbronn 1881), 
S. 385, z. B. Ke rien ne puis je iant voleir Cuni a eissir del cw- 
veriage Ducs de Norm, 1G70G; riens plus ne voü Qu’a abatre sun 
graut orguil ib. 33 057. Andere sind: Mius doi voloir a morir 
seule Que tote Iioma acompaignier Ille et Galeron 4033; Se nul 
voloit A faire garir cest preudom, Gel gariroie Fabliaux 5, 41. 

2399. Orcanie erscheint in den altfranzösischeu Epen mehrfach 
als der Name eines heidnischen Landes oder Reiches (s. Langlois, 
Noms propres, S. 501). 

2400. sa mort portera . . Ens en un brief. Wir haben also 
hier das aus der Geschichte König Davids bekannte Motiv des Urias- 
Briefes, das auch sonst in der altfranzösischen Literatur hin und wieder 
verwandt worden ist. Boje (Über den altfranz. Beuve de llamtome, 
Halle 1909, S. 79) führt zwei derartige Stellen an, nämlich aus 
Murqiie de Rome und Valentin et Orson; eine weitere findet sich 
in der Geschichte vom Kaiser Consta nt (Li contes dou roi Constant 
Pempereur, Nouv. fr. en prose du XIII 0 s., Paris 185G, S. 19 und 
Dit de l’empereur Constant, Rom. 6, S. 161sq., v. 303 sq.). 

















Anmerkungen, 


227 


2411. el bos d'Ar gönne fu mors. Der Mordanschlag auf Bueves 
Vater fand nach der Fassung I im Ardennerwalde statt (v. 5G68), 
auch die unsrige nennt als Schauplatz des Überfalls v. 290 la forest 
d’Ärdane, und in r. 334 heißt es von Doon und den Seinigen: 
Dusqu’en Ar dam n’i ont fait arrestance; ebenso wird nach v. 385 
die Jagd in diesem Walde vollbracht. Wenn nun hier und in v. 4708 
der Mord in den Argonnerwald verlegt wird, und zwar in allen 
Handschriften, so beruht dieser Widerspruch auf einer Unachtsamkeit 
des Bearbeiters der Fassung II an unserer Stelle, da die Argonnen 
sonst nirgends als Ort der Tat erscheinen. 

2424. Dahinter in KW 2 Verse: 

Powr (Puis W) ce vous aim q ue nous iestes mes hom 
De mon preu fere vous proi an gnerredon. 

2427. A ces ensaignes que il devint mes hom (vgl. v. 2551). 
Que ist relatives Adverb und vertritt das Relativpronomen mit par ; 
ähnlich in: *7 les tendroit . . as costumes que li empercur les avoient 
tenux Villeh. 280; ein solches mit anderen Präpositionen in: 11 
n’avoit contree ne terre , . qu'eles ne fuissent (in donen) Escoufie 
5409; El ne se puet en cel Heu traire Que li Chevaliers son inaire 
Peust veoir Fabliaux 1, 29; en la forme qu’ellc (sc. der Friede) 
avoit este couchee par escript Commines 2, 9. 

2429. Hinter diesem Verse in KW: 

Vostre mesaie se dieu plest bien feron 

Mes or me dites ce q ue nos (vows W) demando«. 

2433. Auf diesen Vers folgen in RW 3 Verse: 

Hastez vous tost q ue molt ai g?-ant beson 
Au reperier vous (je W) donrei riche don 
Or et argent auräs (a tas et W) a foison. 

2455. croisai. In P ist das o unterpungiert. doch steht croissi 
auch in KW; crissir, worin oi nach pikardischem Brauch in i ver¬ 
wandelt wäre, ist sonst nicht belegt. 

2461. s’eri assis desous l’ombre d’un pin. Desous in diesem 
Ausdruck erklärt sich als verkürzt für „unter einer Pinie im 
Schatten“, etwa wia in: Suz un‘ olive est descendux en Vumbre 
Rol. 2571. So schon im Rolandsliedc: Alex en est en an vergier 
sux Vumbre v. 11; sonst: se cocha desox Vonbre d’un pin Mort 
Aym. 385 u. a., und so meistens, auch in unserem Gedicht, z. B. 
Desous l’ombre d'un pin v. 2504, 2527 u. ö. 

Hinter v. 2461 in RW 3 Verse: 

Blanche toaille ot (fut W) misa deuant li 
Diener se uont que lene fu matin 
B. le uit cele part esf uerti. 


15* 








228 


Anmerkungen. 


2464. mer et monde, P hat onde 3 doch ist die Lesart von HW 
wegen der Alliteration vorzuziehen; sie kehrt überdies in v. 2531 
wieder. — Statt saina, d. h. seigna, hat E forma (wie v. 2531), 
W säum, doch kann die Lesart von P wegen des danebenstehenden, 
gleichbedeutenden benei beibehalten werden, 

2463 — 98. Diese Episode hat T aus unserer Passung heriiber- 
genommen, vgl. Fassung III, 2465 — 88. 

2468. boucel erscheint auch v. 3333 und 3950; es geht auf 
*butticeUum, das Deminutivum von buttis „Faß“, zurück. Über 
die verschiedenen Ableitungen dieses Wortes und seine Verwandten 
s, Blondheim, Bocel, Romania 39, 142 —150, und Meyer-Lübke, 
Wörterbuch unter buttis und butlia. 

2470. Hinter diesem Verso in R (in W an einer anderen Stelle): 

Par foi dist b. uaillant hom te norri 
Et uailkmt dame uoiremeat autresi. 

2518. Glorious pere, qui en la crois fu mis. Ein auf einen 
Vokativ bezogener Relativsatz hat regelmäßig das Verb in der 
2. Person; Ausnahmen, wie bei uns, kommen jedoch einzeln vor, 
s. L. Kraft, Person und Numerus des Verbs im Französischen, 
Diss. Gött in gen 1904, S. 26. 

2521. s’est mis ou grant ferre ehemin. P liest en son statt 
ou grant, doch paßt das nicht gut zu ferre. 

2530 — 31. Die Verse sind mit v. 2463 —G4 fast völlig 
gleichlautend. 

2538. li tiens dieus. Die Lesart von P li cors dieus beruht 
offenbar auf einem Schreibfehler. 

2559. ce qu’il ot en VescHL So mit KW, weil die Lesart 
von P ce que la letre dist eine wörtliche Wiederholung von v. 2554 
sein würde. 

2562. en geta un ris. Li statt en, wie P hat, ist offenbar 
eiu Versehen. 

2568. roncis. Über die Formen mit und ohne n s. Lai du 
Conseil, hsg. von Albert Barth, Erlangen 1911 (auch Rom. Forsch. 
31, 799 — 872), Anm. zu v. 119. Das Femininum dazu erscheint 
in une vielte ronde Bueve III, 101; eomme vielte roncie Raoul de 
Cambr. 1880 n. ö. Über den ronein als Wagen-, Last- und Reit¬ 
pferd s. Fr. Schmidt, Das Reiten und Fahren in der altfranzösischen 
Literatm', Diss. Göttingen 1914, S. 8—11. 

2572. Dahinter in RW: 

Bie« le me dist li paumiers pelerins 
Et (Ne R) iosiene com seines departiz. 

2603. essiavait ist besser essiavoit zu schreiben. Essiaver, 
essever (*exaquare ) intr, „ herausfließ eil 














Anmerkungen. 


229 


2603. biet stammt vom frank, hcd und bedeutet „Flußbett“. 
Das Wort wird von Godefroy (1, 648) nur durch ein Beispiel aus 
der Karlsreise belegt, kommt aber öfter vor, z. B. Grant est li cue 
ei parfont sont li bie Prise de Cord res 1330; Si les dbatent an bies 
ei m fosses ib. 1520; auch mehrfach, im Bueve III, z. B, v. 2968, 
3113, 3203, 3772; bildlich, und zwar in obszönem Sinne: Se tu 
eres toz vis ou coille Et teste et col et venire et piez, Ne seroit mie 
pleins U bUs Renart 7, 628. 

2004. li graviers bezeichnet ursprünglich „Strand, sandiges 
Ufer“, hier ergibt sich aus dem Zusammenhang die Bedeutung 
„Bach, Fluß“. Dasselbe Wort in: La teste en {sc. des Riesen) fait 
voler ens u gravier Bueve III, 3123. 

2608. Hinter diesem Verse in RW: 

Taut le depoignent as (es W) iambes et as (es W) piez 
Q m a n c ent leus les li o«t antaumez (luy ont le euir 

playo W) 

2621. le sens cuide changier. P liest esragier statt changier, 
doch kann ich jenes Verbum nicht in aktiver Bedeutung belegen. 

2624. la recaupe, nfr. recoupe „was beim Schneiden abfällt, 
Späne“; hier offenbar „Stumpf“; in RW steht das gleichbedeutende 
la retremhe. 

2630. Garder le font paiien au chartertet . Statt dieser Lesart 
von P ist die von RW einzusetzen: Paien le firent garder a deus 
chartriers. Zwar könnte sich der Plural in v. 2631 sq. auf die 
Heiden beziehen, aber später ist von zwei Kerkermeistern die Rede, 
so in v. 2759 (U doi ehartrier ) und in v. 2891 (les deus chartriers ), 
von denen in v. 2883, 2884, 2887 und 2888 mit les und lor ge¬ 
sprochen wird, auch ist in v. 2882 von einem mcdstre gaiolicr die 
Rede, und Bueve tötet in v. 2795 — 2803 zwei Kerkerwachter, 
auf welche dann in v. 2891 und 2897 hingewiesen wird. 

2645. a fonde. In den Zeilen 932 und 972 haben wir zwei 
verschiedene Bedeutungen von fonde kennen gelernt; in unserer Stella 
hat das Wort eine dritte, welche Godefroy (4, 55) belegt. In den 
von ihm gesammelten Beispielen erscheint es z. B. koordiniert mit 
maistre und cle.f (fig.), sowie in Wendungen wie fonde des Sciences, 
de la foi, hi es nosire fonde u. ä., woraus sich also die Bedeutung 
„Grundlage, Stütze“ und für a fonde der Sinn „gründlich“ ergibt. 
Das Wort stammt unzweifelhaft von lat. fundus, -i „Grund, Boden“, 
nur muß man eine Form funda, d. h. eine neutrale Pluralform 
ansetzen. 

2651. (fest Bonne foi. Über diesen Nominativ ohne s wegen 
foi s. Fassung I, zu r. 3533. Ebenso v. 3521; daneben Bomfois, 
z. B. v. 2661. 


230 


Anmerkungen. 


2G59. s’espaingnoü es ondes. Für „einschiffen“ erscheint soi 
espaindre (s, Godefroy 3, 505) neben häufigerem soi em-paindre ; 
letzteres z. B. v. 3495, 4319 und 7772. 

2G9G — 97. est riens remez Ne mais uns gans. Ne mais 
wird hier als Fräp. behandelt, daher mit dem Akk. verbunden. 
Dagegen mit dem Nom. in Nus hom n'% a ,. conversö Ne mais 
idl v. 16 082. 

2715. nubiant. Das Wort wird von Langlois (Noms propres 
S, 491) in der Bedeutung „nubischer Sarazene“ belegt; in unserer 
Stelle scheint es aber, wie die danebenstehenden Ausdrücke amiraut 
und aufage, allgemein einen sarazenischen Würdenträger zu be¬ 
zeichnen. 

2717. argent. In der Einleitung (S. 00) habe ich das g als 
aus dem Konjunktiv eingednmgen erklärt. Es ist wohl richtiger, 
in der Form mit g Analogiebildung nach sorgent, sorge neben sordent, 
sorde zu sehen. Ähnliche Bildungen sind aergent und -oient, z. B. 
in: les pieces (des Gewandes) departoüni Si com li rain les aker~ 
goient Perceval 22 990; Le presire ahergent demanois Sei traient 
dedens le maison Barbazan et M6on, Recueil TV, 43, 720, wenn 
man sich für die Diezsehe Herleitung des Wortes (adhaerere) er¬ 
klärt; nach der von Tobler und Mussafia ( aderigere) sind sie die 
korrekten. 

2724. Mont Möysant. Eine offenbar erfundene Ortsbezeich¬ 
nung. Möisant bedeutet Moses, kommt auch als Name eines 
Königs und einer Insel, sonst aber nicht wie hier als der einer 
Stadt vor. 

2720. U croist li poivres, li ors ei li enchans. Li ors paßt 
nicht gut zu croist, daher ist vielleicht statt li ors et besser mit 
RW et commins („Kümmel“) et zu lesen. 

2735. Der Vers fehlt in P, ist aber wegen v. 2730 aus RW 
einzufiigen. 

2776. Li uns s’avcde. Wir haben in v. 2770 erfahren, daß 
beide Kerkermeister bei Bueve eingednmgen sind. Die Stelle bat 
auch sonst Unklarheiten; so erwartet man, daß entsprechend dem 
Verse 2776 auch der andere Wächter sich herabgelassen hat, doch 
heißt es in v. 2798 einfach: seure U est couru, In der Unter¬ 
suchung über das gegenseitige Verhältnis der verschiedenen Fassungen 
werden wir sehen, daß der Bearbeiter zwei verschiedene Vorlagen 
benutzt und dnrehemandergemischt hat. 

2813. dame, car en penses. So mit RW, da die Lesart von 
P et cor me deliw'es eine Wiederholung von v. 2810 enthält. 

2822. s’en volermt li pelle. Pelle, meist pesle (pessulum), 
nfr. pene „Riegel“. 










Anmerkungen, 


231 


2823, broques. Droque bezeichnet einen anderen Teil des 
Halseisens, durch welches Bueve gefesselt war, etwa „Haken, Zapfer, 
Dorn, Stift“, 

2825. de la joie sendete. Über den bestimmten Artikel in 
dieser Verwendung s. Bueve I zu v. 48 und Ebeling, Auberöe zu 
v. 487. Ein anderes Beispiel in unserem Gedichte: De la grant 
joie ne pot sor pies ester v. 7315. 

2836. Am Schluß setze ein Anführungszeichen oben, 

2844. de noient ne s’arresle. Dies auch in v. 2841 als 
zweiter Halbvera. — Var. zu v. 2863 und zu 2864 L v. 2802 
und 2863. 

2863, Dahinter in RAV 4 Verse (diese Notiz ist in den Var. 
vergessen): 

Desouz damas (En eheuauchant ’V) clioisi un olimer 
A {Et AV) un ruisel qui desce«t du« rochier (au gravier AVj 
La descent b. pour son cors refroidier (rafraychier V') 

II ataclia so« auferant (offers en AV) destrier. 

Diese A T erse enthalten nnr eine Erweiterung des in v. 2863 Ge¬ 
sagten: sie passen auch nicht zu d’eneosie son destrier in v. 2863. 

2864. Dahinter in RAV 2 A'erse (in den A T ar. vergessen zu 
bemerken): 

De ieuner et des granz nuiz (de grant nuit AV) ueülier 
Auoit le cors pene ei trauaillie. 

2878. Onques nus kam n’escapa de si grief. Bemerkenswert 
ist, daß hier das mit einem Adverb versehene Adjektiv substanti¬ 
viert ist. Zu vergleichen hiermit sind die von Tobler, A T errn. Beitr. 
II 2 , 103 (Adjektiv in Substantivfunktion) aus dem Neufranzösischen 
angeführten Beispiele von le trop -plein (z, B. d'amertume). 

2909. Dahinter in R 3 A T erse: 

Q«e lamir. li ot un cop done 
Parmi le chief lot si bien asene 
Qwe a grant li ostent li escler (—1). 

2929. a un eerele dore. So mit RW; die Lesart von P: 
dont li'eerch est dorts enthält einen grammatischen Fehler, der 
im Innern des Verses selten vorkommt. 

.. 4k 

2931. Alosö ist das Streitroß Braidimonts. Außer diesem 
und Arondel kommen in unserem Gedichte noch folgende Namen 
von Pferden vor: Fauvel, das des Doon z. B. v, 4926 u. ö., und 
Abis tue, das Teines heidnischen Großen v. 17148; weitere s. Anm. 
zu Bueve HI, 280 und Fr. Schmidt, Das Reiten und Fahren in 
der altfranz. Literatur, Diss. Göttingen 1914, S. 76 sq.; daselbst 
auch die frühere Literatur. 







282 


Aüm erklingen. 


2950. ffentis. Hardis, das P statt dessen hat, kommt auch 
im folgenden Verse vor. 

2953. Dahinter in HW: 

Itel (Ung tel W) ehetif ponr noient redoutez (redouterW) 
En lui na force ne uertu ne honte (bontes W). 

2968. Dahinter in RW 4 Verse: 

Souent reclame ilie.su de maieste 
Gloriows dieu par lauostre bonte 
Conduisiez moi a bono sauuete (sancte W) 

Taut q ue iaie (je soye W) au samt sepuere este (nie W). 

2975. Dahinter in R"W: 

De moi naura ne merci ne piete (pitie W) 

Que ie ne soie a martire liure. 

2981. Auffällig ist, daß sowohl in P als auch in R hinter 
diesem Verse eine Zeile eingeschoben, ist, in welcher das Besteigen 
des Pferdes zum zweiten Male erzählt wird. Der Flusvers muß 
sich also bereits in der gemeinsamen Vorlage von PRW befunden 
haben und dann von W als überflüssig ausgelassen worden sein. 

3010. Desous la boucle li a frait et tröe. Es fehlt die Be¬ 
zeichnung des Schildes, den Bueve durchlöchert hat; daher ist mit 
RW: a son cscu tröe zu lesen. 

3061. Dahinter in RW: 

B. consiut taut a especone 

As armes cuide q ue ce soit (fust W) lamire. 

3077. Dahinter in RW: 

Powr seid itaut q m ehetif mas clame 

Ferei ie ia (fei W) de ton cors autre tel (cel W). 

3087. Dahinter in W: 

Nenterra mais a damas la eite 
Fouir sen cuide et meetre a sauvecte, 

darauf in BW: 

Si biere la b. ataint et asene. 

3106. A demi frain. Dieser Ausdruck bezeichnet eine Art 
des Reitens, bei welcher der Zügel mehr als in der gewöhnlichen 
Lage angezogen, hochgenommen wurde. Etwa gleichbedeutend da¬ 
mit ist die Wendung sor f'rein, welche z. 8. Bueve I, 6248 und 
III, 7989 vorkommt (s. Anm.). Beide Arten des Reitens wurden 
bei gefährlichem Gelände an ge wendet, wo also Vorsicht nötig war. 
Die entgegengesetzte Art zu reiten ist die de plain frein oder Je 
fr ein abandow ; s. Fr, Schmidt, Das Reiten und Fahren in der alt- 
franz, Literatur, Diss. Göttingen 1914, S. 95. 























Anmerkungen. 233 

3118, Der Vers fehlt in P. doch folgt auf eine derartige 
Äußerung (v. 3009—17) gewöhnlich eine Antwort 

3122. Dahinter in KW der Vers (diese Angabe ist in den 
Yar. vergessen): 

Frans amir. dient li deffae. 

3135. bärge. Dies Wort hat nach Frahm (a, a. 0. S, 33 — 34) 
zwei Bedeutungen: 1, großes und breites Segelschiff, das haupt¬ 
sächlich Transportzwecken dient, so v # 4388 und 16285; 2. Boot, 
speziell Beiboot eines Schiffes. 

3166, moult parfont li gm. Diese Worte entbalteu genau 
genommen einen Widerspruch, da Furten der Regel nach eben nicht 
tief sind. Gemeint sind wohl die Punkte, Stellen, an denen Euere 
durch zureiten versuchte. Tielleieht könnte man auch mit KW: et 
pleine de fierte lesen. 

3189. Der Vers fehlt in P, muß aber aus RW eingesetzt 
werden, da Bueve ja ein Unterkommen braucht. 

3196, Dahinter in RW 3 weitere Verse: 

Deus le condme p ar sa digne piete (pitie W) 

Sil (Si W) ne le garde molt aura mal ostel 
Comme yous orroiz sil (se jl W) nos uient a gre. 

3211. Der Vers ist eine wörtliche Wiederholung von v. 2345; 
hier ist der Sinn aber nicht ironisch, Bueve erklärt vielmehr, daß 
durch jenes gute Werk die ihm auf gezwungene Fahrt über das Meer 
doch Nutzen gebracht haben würde* 

3215. Dahinter in RW 4 Zeilen: 

Je te di bien mieuz ten uendroit aler 
Se ei demores tu na n puez esehaper 
Ng te coueigne morir et definer (deuier W) 

Nus liom que (quiW) uiue ne tan porroit taaser (tenterW). 

3241, Ja mais a körne nul jar ne forferis * So mit RW; 
die Lesart von P: Ja mais preudome, je euii , n y esmrnires paßt 
nicht gut, da der Riese dem Bueve ja nicht eine Verspottung, 
sondern einen Diebstahl verwirft. Er meint also, Bueve werde 
kaum lebend davon kommen, höchstens in einem Zustande, daß er 
niemand wieder ein Leid werde antun können. 

3244. Quaiorse pus avoit en s&n esti * Este bedeutet hier 
wohl „aufrechte Stellung“, ähnlich in: Li Chevalier le chisne fu drois 
en son este („stand aufrecht“) Chev. au cygne I, 42Go, wo Godefroy 
(3, G04) 3} stature u übersetzt. Daher wird es auch in der Bedeutung 
„Höhe“ verwandt, z. B.: Plus de vint piez ot kc dousve de U Et 
Men soissante de hautour et d’esle Rom. cTAquiii 776. Im Münchener 
Brut 1298 steht in demselben Sinne estage: Vint et sis picz avoit 
Jestage, 












234 


Anmerkungen. 


3261. Dahinter in R1V 3 Verse: 

Mes p ar lapostre com qmcrt en noiron (orron W) pre 

Aineois q ue maies empire ne greue 

Te sera il cheremejit co»ipare. 

3263. Hinter diesem Verse in R1V: 

De raoi te garde (gardesAV) qua la rnort ies (suisAV) liurez 

Neschaperas par home q ue (qui W) soit nez. 

3299. D'une retraite li a tel cop paiie. Retraite ist ein Aus¬ 
druck der Fechtsprache und bezeichnet die Kunst, beim. Zurück¬ 
ziehen der Waffe dem Gegner eine Wunde beizubringen, z. B. De 
l’espee quil a traite Fiert a plain cop ei a retraite Gilles de Chin 
5029; sodann auch, wie hier, jenes Manöver selbst, ähnlich: D'une 
retraite le fiert par les cosies v. 9770; D’une retraite te fiert un cop 
si grant v. 9834. 

3301. li faussars a la iierre a tont chiet. P hat li gaians, 
doch wird die Lesart von KV' durch v. 3305 gestützt, auch kann 
wohl die Waffe, nicht aber der Riese samt dem Arm zur Erde 
lallen. Die Waffe des Riesen wird in v. 3279 coutel genannt, d. h. 
allgemein „Messer“ statt „Sichelmesser“; RAV lesen auch v. 3279 
faussart. 

3311. Der Vers fehlt in P, wird aber durch den Zusammen¬ 
hang gefordert. 

3315. Par les deus gambes l’a coubre. Über dieses coubrer, 
cohrer „ergreifen, packen“, das auch mit nasaliertem b als combrer 
vorkommt, erklärt G. Paris, Rom. 23, 244 Anm.: „Je ne saurais 
lui trouver dEtymologie.“ Meyer-Lübke (Wörterb. 7136) führt es, 
allerdings mit Fragezeichen, unter den Ableitungen von reeuperare 
an; aber das b bleibt unerklärt Das Wort erscheint auch v, 4035 
und 5927. 

3333. hon vin fourmente. Fourmente ist der sekundäre Akku¬ 
sativ für fourmentel. Man bezeicknete mit vin fourmentel einen 
AVein, der aus einer vorzüglichen Traube der Champagne gekeltert 
war; diese Traube ist graurot und heißt auch heute noch „le fro- 
menteau“. Der Ausdruck war ursprünglich wohl eine Ortsbezeieh- 
nung (von frumenhim) , z. B. gibt es noch heute einen Ort Fromenteau 
(Dep. Nievre). 

3361. Dahinter in HW: 

Re qwier dou uostre uaillant un d enter (vng denier 

monnoye AV) 

A taut sen. torae plus ni a seiorne. 

3372. Hinter diesem A T erse in RAV: 

Tresquau (Jusques au AV) matin qwil (que il AA T ) fu aiorne 

Or le gart deus le roi de maiste. 








Anmerkungen. 


235 


3373. Dahinter folgen in RAV 2 Verse, deren zweiter die 
folgende Laisse beginnt: 

Com vom orrez sil (se il AV) uos uient agre 
Dea ore (or W) fu b. dedenz le bois plenier. 

3374. Dahinter in RW: 

Lassiez {Lasse W) estoit ne se pout esu ei liier 
Or le gart de«s le pere droiturier. 

3379. Auf diesen Vers folgt in RW: 

B. uoient (B. ont veu W) dormir el bois plenier 
Deioste {Decoste W) lui ont ueu so« destrier. 

3386. Respont hr mestres. So mit RW; P liest: Et dist 
li autres, was weniger gut ist, da es nicht nur zwei, sondern 
mehrere Räuber sind, es sich hier auch um einen Befehl des Haupt¬ 
manns handelt. 

3395. A icest mot. Über mot s. Aura, zu v. 1242. 

3396. Der Vers fehlt in P, er muß aber in den Text auf¬ 
genommen werden, weil sonst lors im nächsten Verse unver¬ 
ständlich bleibt, auch kein Grund für das Schwertziehen vorliegen 
würde. Dann aber muß auch in v. 3398 die Lesart von RW ein¬ 
gesetzt, d. h. in dem Text statt Voit les larrons ses prent gelesen 
werden: Les maus glotons en prist, 

3409. Dahinter in RAV: 

Male gent estes dist b. li gnerrier 

Mes quant uers yoms (je voy W) merci ne ma (ny a AV) 

mest« , r. 

3444. Einter diesem Verse in RW 9 weitere: 

Forment se pcine de sa p^rte uengi'cr 

E de ms dist b. ta»t yoms doi gracier 

Gueri mauez de meint mal encombrier 

A cest besoin voms pri de moi aidi«r 

Se ci (si W) moeient eist felo« losengicr 

Si mait dews ice seroit pechie 

Nel eonsentiez biau pere droiturier 

Lors sesuertue li eortois ckcuah'er 

As maus glotons ala granz co us (grant cop AV) paier. 

3447— 48 in der Fassung von RAV, weil die von P eine 
Wiederholung der Verse 3422 — 23 enthält. 

3449, Dahinter in RW 4 Verse: 

Au uis (vil AV) deables uoist ore ses (cel AV) destrier« 

Nos ni auons nule riens gaamgnie 

Fuions uous (f. R) en trop auons atargie (ci targe AV) 

Si latendomes na« eschapera pie. 










236 


Anmerkungen. 


3456. li gentis Chevaliers. So nach BW, da dolans et cou- 
recies, wie P hat, wörtlich in v. 3451 vorkommt 

3471. les bestes du ramzer. P hat regnier, doch paßt dies 
nicht zu bestes. 

3476. Id Montjoie ist der Name eines Hügels bei Jerusalem, 
der z. B. mehrfach in der Conquete de Jerusalem (p. p. Hippeau) er¬ 
wähnt wird, nämlich v. 467, 775, 782, 784 und 804. 

3479. Au flun Jordain. El, wie P hat, paßt nicht gut zu 
dem vorangehenden au scptdere; auch erfahren wir erst in v. 3480, 
daß er in dem Flusse badete. 

3495. tantost li marinier , So lese ich mit BW, da li cortois 
notonnier von P das gleiche Reim wort wie in v. 3493 ergeben 
würde. 

3499. Dahinter steht in K: 

Molt se dolouse ne (moult W) Hst a menioillie?” 
in W: 

Desia vit la tour et le terrier 

Et le passage dont jl uuyt au prcmier 

Quant jl le vit moult en fut couroucie. 

3510. aeueilli. Die neufranzösische Präsensform acueüle, die 
P hat, ist bemerkenswert, aber wohl nicht dem Dichter zuzu¬ 
schreiben; sie begegnet z. B. auch in der Lesart von P des Verses 
9801: le racoille und in: Li cors seme que l’ame cueillic (:vueilk) 
Ste Paule 774. 

3525. Auf diesen Vers folgt in RW; 

Et reconust (reconut W) iosiene au uis eler (fler W) 

Plws (Puis W) de mil foiz se (sen W) prist a meruoillier. 

3540'—41. Dafür in RW 3 andere Verse: 

Molt le fist bien cele nuit aaisier 
Asez li done a boiure et a mengier 
Et q«ant fu ore b. sala couehier. 

3542. Dahinter in RW: 

Si tost com uit le ior (b. W) escleroier 
B. se lieue plus ne uost (voult W) atargfer. 

3550—51 fehlen in P, sind aber nötig, um die Aufforderung 
des Wirtes zu begründen. 

3559. Hinter diesem Verse in RW: 

Que ne soiez au iugemewt dampno 
Atant sen est b. dilec torne. 











Anmerkungen, 


237 


3565 — 3603, Statt dieser sentimentalen Stelle, die Eigentum 
von P ist, finden sich in RAV nur 2 A'erse: 

Q ne tant auoit clede?iz son euer ame 
Nel cuäde mes uoer e« (veoir a W) son ae. 

3581. Mieus me souffri&l. Soufrir scheint im Altfranzösischen 
nicht unpersönlich vorzukommen, gibt hier auch keinen Sinn, Auel- 
leicht ist m’aferist oder me venist zu lesen. Die Stelle findet sich 
nur in P. 

3612 —13. Statt dieser beiden Verse stehen iu RAV deren 7: 

B. sasist sus le mabre (menbre AV) liste 
Lez iosiane de ioste le degre (son coste AV) 

La franche dame au (a R) gent cors euore (aurye AV) 

De maintenant le« a aresone 

Amis paumi’ers di moi pur amistiez 

De q«el pais de quel terre iestes (es tu AV) nez 

Di le moi frerre (francoys AA r ) se il te uient a gre. 

3615. Dahinter in RAV: 

Si graut ioie ot (a AV) iosiene au uis der 

Nus nel (Ne le AV) porroit dire ne peuser (deuiser W). 

3616. Dahinter iu RAV (iu den Varianten vergessen): 

Et li dona doucement a lauer. 

3619—20. Statt dessen in RAV 4 Verse: 

Et len li fist a mengier aportier 

Des meillors vins (De noble vin AV) le fist bien abuurer 

De qwant que b. sot dire et deuiser 

Li fist la damo uenir et conreer (doner R). 

3622. Poi s’en faloit, ne l’avoit ravise. Nach den Ausdrücken, 
welche unserem „es fehlte wenig daran“ entsprechen, steht der 
Regel nach in dem davon abhängigen Satze das Verbum im Indi¬ 
kativ und mit ne, s. Tobler, Berliner Akademie 1902, 12—13. 

3625. Dahinter in RAV: 

Tante meseise i (mesese luy AV) auoit andure 
Nest de meruoille sil est (si fu W) descoloure. 

3630 — 34. Dafür in K 2 A'erse, in AV davon nur der erste: 

Qm a non b. molt est gentis et bier (ber AV) 

Et preuz as armes ie ne eonois son per. 

In dem Test, d. h. der Fassung von P, ist auffällig, daß in v. 3631 
und 3633 preus vor kommt; ebenso vendre v. 3042 und 3643; RAV 
haben statt der beiden letzteren Verse nur einen: Vendre le fist, 
ce oy dire et conter. 







238 


Anmerkungen. 


3648. Auf diesen Vers folgen in RW 11 weitere: 

Molt estoit saies cortois et asceme 
Trestot mon euer li auoie done 
Or lai perdu ne sai ou est ale 
Par losengters fumes nous {f. R) deseure 
Or ne sai lasse (iesse R) si iames le uerre 
Ou q«e il sott de«$ ait de li piete (pitie W) 

Et le ramoint oncore a sauuete 
Tant cune foiz eusse a lui parle 
Si le tenoie mes en ma poeste 
Iames nauroie ne mal nanfermete 
Bist iosiane frerre pow amor de. 

3008—71. Statt dieser Verse in RW 4 andere: 

Ceanz seroiz nobleinent ostelez 
Et richement scruiz et onorez 
Tant i seroiz et i seiornerez 

Com me vous pleira et vous uendra (sera W) a grez. 

3083. Setze einen Punkt an den Schluß. 

3712. saus laissour. Über laissour s. Anm. zu v. 51; sanx 
laissour bedeutet also eigentlich „ohne Verzug, sofort“, ist aber 
hier offenbar nur Flickwort. 

3710 — 20. Dafür in RW 3 Verse: 

Quant uos uendroiz e« Ia terre francor (francoy W) 

Se vous ueez b. le poigneor 
Sei saluez de par moi par amor. 

3772. preudome te nourri. Als Nom. erscheint meist preudom 
oder das korrekte preuxdome; RW lesen gentis hom. 

3770. Der Vers fehlt in P, ist aber zum Verständnis nötig. 

3786. Setze davor Anführungsstriche unten. 

3798. vous m’aves por vil. Avoir mit doppeltem Akk. oder 
Akk. und por heißt „halten für, betrachten als“, s. P. Grosse, Die 
Konstruktion des doppelten Akkusativobjekts im Französischen, Diss. 
Göttingen 1912, S. 72 und 109 — 10. 

3858. Un blane hauberc et un ebne, nämlich von Bueves 
Waffen, welche Josiane nach v. 2735 bei ihrer Verheiratung mit¬ 
genommen hatte. RW lesen le statt un und son statt un, doch 
kann die Lesart von P beibehalten werden, da in v. 2735 von 
,,les bones armes“ gesprochen wird. 

3859 — 62. Dafür in R 3 andere Verse: 

Puis li aporte tost ei isnelement 

II sen (nen W) adobe q ue plus ni atent (plus ne 

va demourant W) 

Lespee ceint a so» senestre ffanc. 




Anmerkungen. 


239 


3872 — 82. Diese Verse finden sieh mit einigen Varianten 
auch in C, sie lauten dort: 

Presterai vows” trcnte mules espainois 

Nenil voir darne car ou (]. on) les nos eouroit (1. touroit) 

11 ia molt et chastians et destrois 
El ne por q«ant qui en france lauroit 
Tote sa uie plws manans en seroit 
Celle respont com vo us plaira se soit 
Son seneschal appela honefoi 
Amis dist eile venras tu omoi (— 1) 

Oil dist il p ar la foi que vous doi 
Ne vous faudrai por nule riena qni soit 
Autre si yiennent si carchent a esploit 
Trente sommiers de fin or espaignois. 

3877. La damoiseie sa ckemise cousoit. Dies soll wohl heißen, 
da sie sich als Mann kleiden wollte, entweder: sie nähte ihr Hemd 
unten zum Teil zusammen, d. h. in Gestalt von Hosen, oder sie nähte 
es um, damit es kürzer würde; RW lesen: sa pelice escorgoit. 

3927. a desiroit, dies d. h. die Lesart von RW ist vorzu¬ 
ziehen , da destrois (P) in v. 3929 vorkommt. 

3940. Man vermißt den Befehl an Bonefoi, den erlegten Bären 
zum Braten zurechtzu machen; dieser steckt in t’en haste, wofür RW 
si le haste (sc. den Bären) lesen. — arons et du caut ei du froit, 
nämlich „Braten, Fleisch“. 

3944. faii i ont maint espoi. Sie haben das Fleisch also 
auf mehreren Spießen gebraten. 

3948. regarde par deles un aunoi. Die Lesart von P regarde 
derriere lui tout droit kann nicht richtig sein. Bueve ist nämlich 
in der Höhle; falls er also das Wasser hinter sich erblickt hätte, 
so wäre auch dieses in der Höhle gewesen, während es nach 
v. 3949—50 außerhalb derselben war. 

3956— 67, sowie v. 3979 — 80 (Var. irrtümlich 3956—80) 
finden sich auch in C, sie lauten dort: 

Bue. va corome bons cheualiers (—1) 

Ne reuenra se sera molt iriez 
De bo«nefoi mn vallet despensier 
Se diex ne» pense qm tot a a bailiier 
Doi lion so nt auale de un rochier 
Dedens la crente sentirent les sommiers 
Ens sont entre molt orguillous et fier 
Mais bonefoi encontrerent premier 
Les dras du corps li ont trait et saciet 
Et 1 autre corps deuore et meugie 
Trestot meniuent ne mais le destre pie. 


240 


Anmerkungen. 


y. 3979 — 80 lauten in C umgestellt: 

De bonefoi le destre pie (— 2) 

Lerbe sanglente et le bois debrisie. 

3952 fehlt iuP. doch, fordert der Parallelismus von v.3957—58 
die Einsetzung des Verses. 

3967. Dahinter in P 5 Verse, die eine nichtssagende und 
ungeschickte Wiederholung des bereits Erzählten enthalten, daher 
sicher auf Rechnung des Kopisten zu setzen sind: 

Ä itele heure ont le vassal mengie 
Cest bonne foi qui prens et vaillaws iert 
Käme puiscedi ne« fu nul point sous ciel 
Ne iarnais nert ie croi al rnien addier 
Qwant li lion orent si esploitie. 

3974 — 75. dien ne plot . . Qu’il le peussent devorer. Nach 
Ausdrücken wie „Gott, das Geschick u. a, wollte es, daß . steht 
itn Altfranzösischen der Regel nach der Indikativ, d. h. es wird 
nach dem Sinne konstruiert (Belege s. Anm. zu Bueve I, 9680). 
Ähnlich nach dieu plot; so in unserem Denkmal: dien -plot . . Qu’ü 
arrivercnt v. 11963; plot a dieu ,. Tierris et Baeves issirmt v. 12001. 
Ebenso erklärt sich der Ind. in: Or envoia Bmvon dius tel taient . . 
K'en Hennenie vini aler Bueve III, 13448. An unserer Stelle steht 
der Konjunktiv, weil der Ausdruck dieu plot verneint ist. 

3070—77. lor nalure mie ne le requiert Qu’enfant de roi 
puissent par mal touchier. Die Negation des Hauptsatzes gehört 
dem Sinne nach in den Nebensatz. — Über den Volksglauben, daß 
die wilden Tiere einem Konigskinde kein Leid antun, s. Anm. zum 
agn. Boeve de Haumtone v. 1668 und Bueve I CI, 3894. Dieser 
Volksglaube tritt uns auch in einer Episode der Fassung I des 
altfranz. Romans Floire et Blaneheflor“ entgegen: Fioire stürzt 
sich aus Yerzweifelung über den vermeintlichen Tod Blancheflors 
in die Löwengrube, um den Tod zu suchen, aber die Löwen rühren 
ihn nicht an, sondern liebkosen ihn i Flore und Blaneeflor, hrg. von 
i. Bekker, Berlin 1844, 934—62). Hier wird also der Grund 
für das auffällige Verhalten der Löwen nicht angegeben. Einen 
weiteren Beleg gibt Boje (a. a. O. S. 113) aus der Histoire de 
Valentin et Orson Kap. 23. In der Fassung 1 des Bueve findet 
sieh nichts von dom in Rede stehenden Märchenmotive. Auch dem 
Kopisten der Vorlage von BW war letzteres wohl nicht bekannt; 
wenigstens hat er unsere beiden Verse durch den einen: Pueele 
iert vier ge, ice la /ist lessier ersetzt, der also einen anderen Volks¬ 
glauben wiedergibt. 

3981. Der Vers fehlt in P, ist aber nötig, da Bueve ja gleich 
nachher (v. 3984srp) über den Verlust von Josiane klagt. 




















Anmerkungen. 


241 


4028* Der Vers fehlt in P, ist aber zur Schilderung A<?oparts 
erforderlich; ohne ihn würde auch das Wort noir in zwei auf¬ 
einanderfolgenden Zeilen Vorkommen* 

4087. demie Inte ale. So mit KW, die Lesart von P quatre 
pas passe ist um eine Silbe zu kurz; die Zahl quatre kommt auch 
in v* 4036 vor, 

4046* de Popdicans ms* Popelieant (von publieamis gebildet) 
war die Bezeichnung für einen Ungläubigen, einen .Ketzer, dann auch 
für ein heidnisches Volk (s. Langlois, Noms propres, S, 535), 

4054 — 62. Von diesen Versen lauten einige den entsprechen¬ 
den von C ähnlich {s. die Varianten), 

4054, FAchöpars. Der Name kommt einzeln mit dem Artikel 
vor, z. B. hier sowie v, 4185, 4315, 4318, 4321 u* ö. Er ist ur¬ 
sprünglich ein Volkername und bedeutet Äthiopier {s, Paul Meyer, 
Rom, 7, 437—40), er ist aber auch Gattungsname, wo er einen 
sarazenischen Großen bezeichnet, z* B. Si amassour , si apopart, Si 
amirant, si amuafle Yaillant um fueille * . N'ont pas eonquis Gaut* 
de Coinsy 421, 182 — 86* 

4056. Mcr-Desrube. Diese OrtsbeZeichnung, die sonst nicht 
belegt ist, scheint eine von dem Verfasser erfundene Bildung zu sein. 
Desrübe ist offenbar ein Verbaladjektiv zu desrub$ } hat daher die 
gleiche Bedeutung „wild, jäh, steil abstürzend“. Letzteres erscheint 
als Attribut nicht nur zu Ausdrücken wie „Felsen, Berg, Graben“, 
sondern auch zu „Wasser, Fluß“ u. ä.; hier also zu „Meer“ 

4057. Escdlonm bedeutet Ascalon im Süden von Palästina 
und begegnet öfter in afr. Epen, s. Langlois, a. a, O. S. 194* — 
as pors de Melant * Diese Worte beweisen, daß der Verfasser von der 
geographischen Lage Mailands eine ganz falsche Vorstellung hatte* 

4QG4* Qui est o toi . Vielleicht ist besser mit C Queis gern 
voits esies zu lesen, da Bueve ja damals sich nicht in der Höhle 
befand* 

4079. Dahinter in RW: 

Entre ses bras molt le uet iustlsa^t 
Car li paiens auoit force molt graut* 

4087. Tervagani ist der Name eines heidnischen Gottes, der 
zuerst im Rolandsliede, später in vielen Volksepen erscheint, meist 
in Verbindung mit Muharaed, wie bei uns, oder mit Apollo. Nach 
Tavernier (Zs* f. rom* Phil* 38, 226^—29) ist der Nominativ Ter- 
vagans ein „unreines“ Anagramm des lateinischen Götternamens 
Saturn. 

4089. In der Laisse XCI stimmen mehrere Verse mit den 
entsprechenden von C überein (s. Varianten). 

St Imming, Boove do Hwutono. 16 















242 


Anmerkungen. 


4091. En talenl a, la teste li taurra. Im Alt französischen 
tritt in Subjektsätzen mehrfach das Futurura an Stelle des meist 
verwandten Konjunktivs, auch nach den Verben der Willensäußerung, 
z. B. talanx m’est or androit pris Qm ja de ci ne partirai N’a vile 
n'a chaslel n’irai Willi, v. Engl. 3326 sq,; Cant volets vos que . . 
nostre Pri&ux ramenrons? Fabliaux 3, 111 u, a, 

4103. giete in Verbindung mit les dens ißt auffällig; geler 
muß hier „hinausstoßen, vorstrecken“ im Sinne von „fletschen“ 
bedeuten; Aqopart tut dies, um seinen Gegner mit den Zähnen zu 
packen, R hat le bras statt les dens, also „er streckt den Arm 
aus“, was an sich einen guten Sinn ergeben würde, aber neben 
dem darauffolgenden l'aerl par les bras nicht möglich ist. 

4105. pctrla. Lies par la. 

4124, io-us li cors. So mit RAV; die Lesart von P que tresious 
gibt keinen Sinn. 

fourmie. Über fourmier, fremier „sieh lebhaft bewegen“ s. 
Die altfranzösischen Motette der Bamberger Handschrift, 1906 Anm. 
zu 8, b, 12 (S. 118); dasselbe Wort in der Bedeutung „wimmeln“ 
v. 15829; anders in: li saus li formte v. 17694; Bueve III, 1908. 

4145. s'en devoie morir. Sa = „wenn auch“, s. Herrn. Jo- 
hannssen, Der Ausdruck des Concessivverhältnisses im Afr,, Diss. 
Kiel 1884, S. 53sq. 

4153. Son petit doit a a son dent hurte. Diese eigentüm¬ 
liche Art, eine Behauptung oder ein Versprechen zu beteuern, wird 
in der altfranzösischen Literatur mehrfach von Heiden angewandt. 
So heißt es auch in der abweichenden Fassung unserer Stelle in C: 
Hurte a son dent, sa foi li a plevi v. 4008. Auch in anderen 
Dichtungen, z. B. Sire, bien vous croi seur les dieus; Mais asses 
vous querroie mieus, Se vous Vangle kurtids au dent ifonmerque et 
Michel, Th. fr. au m, -ä, S. 167 und gleich darauf: Se li dois ne 
fust au dent mis, Ja Mahom ne t’eust tense ib.; Leva le doit, a 
son dent le hurta Enf. Og. 2282; Sa loi jure, et en a son dent 
dou doit hurte, Que tout metra poitr tout ou ce iert recouvrö Bueves 
de Comm. 829 — 30. Ein weiteres Beispiel aus dem noch nicht 
herausgegebenen Moniage Renouart findet sich in der Anm. zu der 
Stelle aus dem Th. fr. du m. -a. angeführt: Por l’otroier fiert son 
doi a sa dant. Weitere Belege bringen Bredtmann, Der sprachliche 
Ausdruck einiger der geläufigsten Gesten im altfranz. Karlsepos, 
Diss. Marburg 1889, S. 6S, Otto Leibeckc, Der verabredete Zweikampf 
in der altfranzösischen Literatur, Diss. Göttingen 1905, S. 57—58, 
Boje (a. a. O. S. 113), sodann D. Behrens, Zs. f. fr. Spr. 15, II, 194, 
letzterer vier aus Anseis de Cartage (v. 4995, 7003 — 4, 7009 und 
8530 — 31), sodann einen aus Enfances Ogier 1603 und Ogier le 
Dan. 11588. Er macht zugleich darauf aufmerksam, daß dasselbe 
























Anmerkungen, 


243 


Rechtssymbol auch in einer Stelle des Earlmeinet (ed. Keller 33, 
14—15) und in einer des mkd* Reinolt von Montelban (v. 14372) 
begegnet Wie sodann Risop (Archiv 116, 123) berichtet, besteht 
noch heute bei den unteren Schichten des französischen Volkes der 
Brauch, zu gleichem Zwecke den Nagel des Daumens mit den 
Zähnen derartig in Berührung zu bringen, daß ein schnalzendes 
oder knackendes Geräusch entsteht (faire daquer Vangle de son pouce 
sur les denis ) t Dies sollte nach Risops Ansicht andeuten, daß die 
Zuverlässigkeit der Beteuerung ebenso unzweifelhaft sei wie die 
Festigkeit und Widerstandskraft der berührten Zahne, 

41 CS, sei jornees est nos ehern ins remis, d. ln wir müßten, 
um davonzukommen, sieben Tagereisen weiter sein* 

4187. eourt plus tost qm chevcms effreös. Vielleicht ist besser 
mit BW cherreaus zu lesen, doch läßt sich auch ehevaus halten 
(vgl. escapes v. 4188)* Ebenso läßt sich die Wiederholung von 
eourt in v* 4187 und 4188 vermeiden, wenn man im zweiten Verse 
nach EW fait liest. 

4189* oi * * les talons armes. Die (dicke) Haut auf seinen 
Hacken war geborsten, weil er keine Schuhe trug. 

4198. Dahinter in EW: 

Tu fes peckie et grant desloiante 
A grant mesaise (mermoille R) lauoie laboure, 

4199* Je men cuidoie mais oan desjuner. Auch die Lesart 
von RW: ouan mes yverner gibt einen guten Sinn. 

4215. ne dira un ne el. Über die Verbindung un et d f 
un ne el s, Hermann Jäger, Die Syntax der unbestimmten Für¬ 
wörter tel, autre und nul, Diss. Göttingen 1906, S. 90. Einige 
weitere Beispiele: se ü dit ou un ou el Berol, Tristan 5QS; Taut 
se bareta Tun et d'el Que toz jors sauva son chatel Fabliaux 1, 84 ; 
tant conquesta Qu'il ot assez ct un et el ib. 4, 97, Neben el er¬ 
scheint auch autre: Tant alereut parlant * , D'uns et dautres et 
Tun cf Tel Veng. Rag. 3661 u. a* 

4248. VestoiU. Gemeint ist der Polarstern, welcher in der 
alten Zeit für die Seefahrer nachts ein wichtiges Mittel zur Orien¬ 
tierung war* Er wird auch in v. 4331 erwähnt. Er heißt ge¬ 
wöhnlich es tolle marinier, marinal, de mer } tresmontagne (s, Frahm, 
a. a. 0* S. 79), doch genügt auch das einfache estoile. So bei uns 
und; Puts se tarne la pointe ioute Contre Vestoile Bible Guiot 643; 
ebenso ib. 650, 655 — 6 u* ö. 

4249. Dahinter in RW 4 Verse: 

Oil dist b. je (te R) en mon penser (pense W) 

Deus rnaidera et la soe bonte 

Bist laeopart ne soiez effreez (affole W) 

Molt bien vus cuit (tint W) conduire a sauuete. 

16 * 









244 


Anmerkungen. 


4268. a lä perche saisie. Da hier die Angaben der Verse 
4263 — 64 wiederholt werden, so ist vielleicht besser mit BW 
miß perche a s. zu lesen (vgl. un grünt pel v. 4264). 

4272. hi galie. Galie ist unser „Galeere“. Das Wort ist 
durch Vermittelung des mit. galia aus dem mittelgriech. yaXaiu 
entlehnt (s. V, Frahm, a, a. 0. S. 36 — 38). Man verstand darunter 
ein schmales und flaches Fahrzeug, das meist durch eine mehr oder 
weniger grol3e Zahl von Rudern, seltener durch Segel fortbewegt 
wurde und dessen Haupt Vorzug in der Schnelligkeit bestand. Es 
war ursprünglich nur im Mittelmeer im Gebrauch, wurde dann aber 
bald auch auf anderen Meeren heimisch. Das Wort begegnet noch 
v. 4280, 4296, 430S u. ö. 

4277. Qui lor dannast l’avoir de Homenie. Ein ganz ähn¬ 
licher Gedanke begegnet v, 14 259. Wie aus v. 18516 hevorgeht, 
bedeutet Bomenie das Rom umgebende Land, das in anderen Denk¬ 
mälern Homogne heißt. In neuerer Zeit bezeichnete man mit Romagna 
den nordöstlichsten Teil des ehemaligen Kirchenstaates. 

4280. Quarante. Diese Zalil gibt P gegenüber von quatorse 
in RW, was natürlicher erscheint. 

4289. plente vin. Hier ist also vin dem Quantilätsbegriff 
plenii koordiniert, statt subordiniert zu werden; ebenso in paicn 
vinrreni graut plente v. 15212; desgleichen fuison in or et arge nt 
fuison v. 13483; so beide Worte in Sarrazin furent graut fuison 
et plente v. 16 083. Einige weitere Beispiele: n’estoimt mie gens 
el siech kl plente Aiol 1700; Alemandiers i ot plente Rom. de la 
Rose 1345; avoit . . . Plente formend et plente dras Fabliaux 3, 157; 
Je li ßisse hon tage , S'il me donast deniers pkrt.16 ib. 6, 35; aporta . . 
vin, qui fu de bnene grape, Platin pol Löwenr. 1050 — 51 u. a. 
So erklärt es sich, daß fuison im Afr. ab und zu in der Bedeu¬ 
tung „viel- adverbial zum Verbum tritt (Belege bei Godefroy 4, 46). 
Die erwähnte Koordinierung ist übrigens auch dem heutigen Sprach¬ 
gebrauch nicht ganz unbekannt, vgl. Les femmes que Von voit se 
perdre, la phipart Out commence pur croire d ce depart Augier, 
Gabrielle 3, 4; immer blessant Que dans mau aniitie vous ayex st 
peu foi ib. 5, 5. 

4306. la navie s. Amn. zu v. 1563. 

4318. la nave. Das Wort stammt, wie auch Frahm (a. a. O. 
S. 29) hervorhebt, aus dem Italienischen, entspricht also dem afr, 
nef und bezeichnet wie dieses allgemein ein Schiff, so v. 4242, 
4286, 4310 u, ü., teilt jedoch nicht dessen spezielle Bedeutung 
..großes, breitgebautes, schwerfälliges Lastschiff, welches meist durch 
Segel, seltener durch Ruder fort bewegt wurde“. 

4322. la vier sähe. Als Beiwort des Meeres erscheint salee 
z. B. noch v, 4330, 16184, 18640. An sonstigen Beiworten führt 


















Anmerkungen* 245 

Frahni (a. a, 0* S. 8 — 9) auf: haute > hau tarne, maior, parfände, 
salse, hruiant, ressoignm und antie . 

4330* bien les sigle, s, Anm, m v* 1643* 

4336. ce vos di et ereant ist die Lesart von R; par h mim 
esoiant, wie P hat, findet sieh auch in v, 4344, in P auch noch 
in v* 4347* 

4337, pain* Dafür in PW (Var* versehentlich nur „in P“) 
vitiy doch beruht dies auf einem Versehen, da der Wein im nächsten 
Verse erwähnt wird, 

4338* elare ist eine Art von Würzwein (piument a Anna zu 
v* 11115), aus welchem die würzenden Zutaten durch Abklären 
entfernt worden sind* daher auch vin dare genannt (s. 0, Klauenberg, 
Getränke und Trinken in attfranzosischer Zeit, Diss, Göttingen 1004, 
S* 54 sq*). 

4339* solier. Darunter verstand man bei den Landbefesti¬ 
gungen eine Art Plattform oben auf der Festungsmauer (s. Haus 
Schumacher, Das Befestigungswesen in der afr* Lit,, Diss, Döttingen 
1906, S. 42 — 43). Hier ist offenbar ein umschlossener, höher 
gelegener Raum des Schiffes gemeint, der einen freien Blick in 
die Ferne gestattete, 

4353, la orois en la volle und v. 4357 la erois el prernier 
front; rgL en lor voile vit escrit Apollin v, 4428. Die Segel waren 
hin und wieder mit figürlichen Abzeichen bemalt, vgl, Lor volles * . 
bien enfigurees a testes de dragon Aye d’Av* 1746* So zeigten die 
der Pilger und Kreuzfahrer oft Kreuze, andere die Wappen ihrer 
Besitzer u* a* (s. A, Schultz, Das höfische Leben zur Zeit der Minne¬ 
singer, 1889, H, 337 und Frahni, a* a* O. S. 65)* 

4358* Diese Zeile paßt besser vor v. 4357, sie steht aber 
in allen Handschriften dahinter, 

4365* Dieser Vers, welcher sich in BW nicht findet, ist 
wohl ein Zusatz von P* 

4370* de Londrcs repairommes , Es ist sehr ungeschickt von 
dem Bearbeiter, daß er Bueve hier im Orient Kaufleute treffen läßt, 
die sich auf der Heimfahrt von London nach Köln befinden* 

4388, bärge s* Anm. zu v* 3135. 

4390* Donif deable T ment eis? Der Zusatz dedbh, diable zu 
Fragewörtern findet sich bekanntlich noch heute in Fragen, um. die, 
meist unwillige, Verwunderung des Fragenden auszudrücken, z. B, 
Qm, diable, allait-il faire dans cette galere? Mol*. Fourb* de Scapin 
2, 11: Gomment, diable , etre tonte senk ä Pheure qtdil est üL La 
Jalousie du Barb. Sc. 11 u. a. Paul Fahrenkamp (Die Syntax der 
substantivischen Interrogativpronomina qui f que , quoi im Franzö¬ 
sischen, Diss, Göttingen 19Ü7) weist das Wort als Zusatz von qui 
(S. 17), von que (S. 38 — 39) nach, aber erst vom 15. Jahrhundert 





















246 


Anmerkungen. 



an. Wie unser Beispiel zeigt, erscheint es so ater schon früher 
und auch nach anderen Fragewörtern. Andere Belege sind: Coment, 
deable, est ce Laquis Qui ment $a? Meraugis 2086; Qu’est ce, diable? 
es tu esfrenUs? Rom. de la Rose 11856; dieselbe Wendung ib. 
12450; außerdem führt Godefroy (9, 375) aus dem noch nicht 
herausgegebenen Charles le Chauve an: 11 le dit a sen frere : Que, 
dydble, esse la? Es kann auch von dem Fragewort getrennt werden: 
Pot cot Va mort, diable? Roman d’Alexandre, p. p. P. Meyer I, 
S. 162, v. 1201; dasselbe in zwei nur in RW befindlichen Stellen, 
nämlich Ln v. 419S: Qui es, deables, qui me cercles mon ble? (RW) 
und in dem Einschub hinter v. 12470 (s. Anm,}: Qu’est ee, deable? 
Ave» me vos trovee ? (Auch Bueve III, Anm. zu v. 11180.) 

4405. Nagent a joie li damoisel gentil. Vielleicht ist besser 
mit KW li marcheant statt li damoisel (P) zu lesen. 

4417. Dahinter in RW: 

Si b. prcnont le damosel gentil 

De male mort le feront morir (J1 le feront 

de malle mort mourir W). 

4419 — 20. un dromont . . . a irois bretesees, gram fu li 
hordeis. Dromont oder dromon stammt vom mittelgriech, fyöjutov 
und bezeichnete ursprünglich ein Ruderschiff, später aber stets ein 
hochbordiges, schwerfälliges Segelschiff; es war vielleicht die größte 
Art von Schiffen jener Zeit (s. Frahm, a. a. O. S. 30 — 32). Auch 
hier handelt es sich um ein gewaltiges Fahrzeug, da es angeblich 
eine Besatzung von 4000 Mann hat. Dieselbe Bezeichnung begegnet 
z, B. noch v. 4795, 11575, 12110, 15 734 u. ö, — !Inter bretesche 
verstand man anf dem Lande mit Zinnen versehene Turme, welche 
als Außenbefestigung eine Burg sicherten; unter hordeis ähnliche 
Teile der Befestigungswerke (s. Hans Schumacher, Das Befestigungs- 
wesen in der afr. Lit, Diss. Göttingen 1906, S. 32 und 13). Auch 
hier haben wir darunter, da wir es mit einem Kriegsschiff zu tun 
haben, einen dem Angriff und der Verteidigung dienenden turm¬ 
artigen Aufbau zu verstehen, der uns im Baudouin de Sebourg V, 
118“21 genauer beschrieben wird: 

es dromons .. 

Y avoü grans chasteaus establis a l’entrcc, 

Bien fais et bataillie» et a tour eslevee, 

De eres Haus en viron noblemeni garitee. 

4454. 'ferne nos sommes au fort roi, Soi tencier a alcun 
wird von Godefroy 7, 673 durch folgende Stelle aus dem Gebete 
des Theophilus belegt: Don tout en tout a toi me commant et 
me tarne. 















Anmerkungen. 


247 


4476. Hinter diesem Verse stellen in RW folgende 5: 

011 se deffendent qni §ont darmes (darmes sont W) garni 
La ueissez un molt grant chapleiz 
Dambedeus p arz fu granz li fereiz (hordeis W) 

Leur nes acostent granz fu li bordeiz (chapleys W) 

Des (De W) haches fierejit ei des (de W) branz acerins. 

4480. Les marouniers. Da bisher immer mir von Eauf- 
leuten die Rede gewesen ist, so ist vielleicht besser mit RW Les 
marchmnz zu schreiben; doch wird auch in v\ 4639 von mariniers 
gesprochen. 

4495 — 99, Dafür in RW 4 andere Verse: 

Dont so^t paien duremmt es tonn i (estorni W) 

Li rois corsubles (cornubles W) eescria a hauz criz 

(haut cri W) 

Dist a beuorc mn irez mie einsi 

Par mahonmiet (mohon E) tuit seroiz desco^Ez. 

4520* feu gregois. Das „griechische Feuer“ war seit den 
Kreuzzfigen auch im Abendlando wohlbekannt; s, darüber A. Schultz 
(a, a. 0.) H, S. 303, 305, 348, 380, 

4546. Lais. (Iber diese Nebenform von hi s* EinL S. 60. 
Beide Formen begegnen noch v. 7712, 8516 und 17 713* 

la geste Apollin ist eine Nachahmung der bekannten in den 
Volksepen häufigen Ausdrücke mit geste und dem Casus obliquus 
eines Namens; RW liest dafür gent 

4557, li uit jor } d, h* „die folgenden, bevorstehenden“, s* 
Anm. zum agn. Boeve de Haumtone v, 1143, Dasselbe in: li troi 
jor sont passe v* 5503; Sen ton päh vels aler U maiin f Je te donrai <* 
v. 10475; le matin revmSs v, 12 705; Le matinet soü tonte Vos 
armec y* 14 376; Ja ne verrai le matin ajorne y. 16 303: serös le 
matin adoubes v, 16 581; ähnlich v, 16592, 19 094 u* a. Einige 
weitere Beispiele: sa pröece Comparerent mout li Grczeis Ain% que 
passassent li dui meis Troie 642; ähnlich 2023, 3283, 3574; 
Ja ne verres passer la quimaine . . Qm je tont vos rendrai Gui de 
Bourg* 3198; ne fast mais gari de le semaine mtiere Fierabr* 1264; 
Li dus fist faire lelres * , , Dedanz les quinse jorz an fist laut asenbler 
Qm . . Parise 2057 u. a* 

4579. Rompent quevilles et eil etau , d. h, die Pflöcke, Bolzen 
und Nägel, mit denen die Planken des Schiffes zusammengehalten 
werden* 

4584, Lor nes affondre, RW liest afonde. Godefroy und 
Tobler. Wörterbuch I, 196 — 97 belegen Formen mit und ohne r, 
welch letzteres nicht lautgesetzlich ist; effondrer auch y* 6529 
in PRW. 











248 


Anmerkungen, 


4G40. vinrrent a Oupin. Es läßt sich nicht sagen, "welche 
Stadt hiermit gemeint ist, die also sieben kleine Wegstunden (v. 4624) 
rhei nab wärt s von Köln lag; bei Langlois kommt der Name nicht vor. 
Settegast (Über einige deutsche Ortsnamen im französischen Volks¬ 
epos, Zs. f. rom. Ph. 38 [1914J, S. 459: möchte es mit Oppenheim, 
früher auch Uppenheim, das 25 km südlich von Mainz liegt und 
im Mittelalter oft genannt wurde, identifizieren; die Lage würde 
aber nicht zutreffen. Formell könnte eher Olpe passen, eine Kreis¬ 
stadt im Regierungsbezirk Arnsberg in Westfalen, doch liegt dies 
wohl zu weit vom Rhein entfernt, und derselbe Einwand läßt sich 
gegen Etipen erheben, das 1 o km südsüdwestlich von Aachen liegt. 

4658 —50. Auch in den übrigen Fassungen ist der Erzbischof 
von Köln Eueres Oheim (vgl. agn. Boeve 1899; I, 4259 — 60; 
III, 45 — 47). Unser Bearbeiter hat dann noch den Namen des 
Vaters der Brüder hinzu erfunden. Eigentümlicherweise wird dieser 
Vater des Gut von Hantone bei uns vorher nie erwähnt. 

4665 — 68. Den Grund, weshalb Bueve seinen wahren Namen 
in Köln geheimhalten läßt, erfahren wir erst v„ 4835 sq. Er will 
nämlich Söldner von Köln mit in die Heimat nehmen und, da er 
auch dort zunächst unerkannt bleiben will, so wünscht er, daß diese 
Söldner ihn nicht verraten können. RW hat dies nicht verstanden 
und hat daher hinter v. 4668 eingefügt: Que ml comioisscnl si 
mortel enemi, was aber für Köln keinen Sinn gibt. 

4673. Dahinter in RW 8 Verse: 

II a son non cliange et remue 

Que nel eownoissent si (eil W) enemi morte 

Do de maience qwc lost lauroit (qui tant laura W) greue 

Qm le fist uendre pur sa desloiaute 

Et de sa terre lauoit desherite 

Mes ore aproche qui li iert (quil est W) guerredone 

Si deus garist b. et son harne 

Et seib. (sambault W) le uieil chenu barbe. 

4700. A scs larrons m’i a fait destromser. P hat als Reim¬ 
wort destourber, docli erweist das dabeistehende larrons die Lesart 
von RW „berauben, ausplündem“ als die richtige. 

4704. ne vos caut d’effreer. Nach chaloir findet sich meist 
der reine Infinitiv, aber auch der Infinitiv mit der Präp. de, welche 
also den Grund (eigentlich die Richtung woher) der Empfindung 
bezeichnet, so: de conter . . As janz, qui je sui, ne vos chaille 
Lüwenr. 3729; Ke ne me cliaut de! recorder ib, 6775; ne voz chaul 
d'esmaier Jourd. de Bl. 2630 und 3457 u. a. So auch noch in 
unserem Gedichte: ne vos caut d’äirer v. 5918; ähnlich v. 6110, 
6182, 6231, 8508 u. ö. 




















Anmerkungen* 


249 


4713 — 30. Der Bericht des Pilgers stimmt ziemlich genau 
mit dem des Greises in v. 4615 — 29 überein. Letzterer ist eine 
ungeschickte Vorwegnah me des unsrigen, da Bueve trotzdem untätig 
in Köln bleibt, 

4716. en fin. Dasselbe v. 8242, 8374, 10479; das Adjektiv 
fin mit en vertritt das Adverb; fin heißt hier „ganz, vollständig 14 ; 
s. Boeve de Haumtone, Amu. zu v. 332. 

4780 — 88. Statt dieser Verse in RAA 7 : 

Vos remeindroiz en icestui roion 
Et lacop&rt ouec uos leisseron 
Droit a hantone le droit (nosire AV) chemin tendron 
Se ie onques puis (puis faire AV) mon pais conque rron 
Se puis eonqmrre ma terrc et mon roion 
A molt graut ioie uos i espouseron 
Sire dist eie a dieu beneicon 
Dews vos rameiut qui sofri passion 
A lerceuesque priet congie li frans hon 
Et li pria poiir dieu et po^r son non 
De io. par non de (et par R) guerredon 
Dist larceuesque bien la uos garderon 
Bims nies dist il neu aiez sospecon 
Atant sen part b. li gentis hom 
Et o lui uont meint uaillant (gentil W) compoignon, 

4793. Britges, d. h. Brügge in der heutigen belgischen Pro¬ 
vinz AVeetflandern, 15 km von der Meeresküste entfernt, kommt 
in den altfranz. Epen mehrfach vor (s. Langlois, a. a. 0. S. 118 
und A T . Sallentien, Handel und Verkehr in der altfranz. Literatur, 
Diss. Göttingen 1910, S. 132). R schreibt dafür Verton, AV Verron, 
Kamen, welche ich nicht deuten kann. 

4794. Dahinter in RAV 3 A 7 erse: 

Viandes orent et plente et föison 
Bien serui furent de char et de poison 
La nuit i iurent et au matin sen uont. 

4800. Dahinter in RW 3 Verse: 

Son gentil mestre quel (qui AV) norri enfaneon 
Q^i guerre ot por lui conto (contre AA r ) doon 
Quant le chastel a ueu li frans hon, 

4803. apele iantöst scs compaignons. P hat Ihm de statt tantosi 
und dementsprechend in v. 4808 respont statt respondent, doch be¬ 
weist der Plural signor in v. 4808, daß die Lesart von RW die 
richtige ist. 


5 


10 


15 

















250 Anmerkungen, 

4810. Cil qui faü guerre. Die streng grammatische Kon¬ 
struktion verlangt cel, celui wie in v. 4838, aber der Nom. läßt 
sich durch den Sinn rechtfertigen. 

4812. moult bien le serviron. Die Lesart von P: voleniiers 
le prendron entspricht nicht der Situation. 

4838. l’Esclavon bedeutet ursprünglich „Slave“, erhielt dann 
aber die Bedeutung „Sarazene, Heide“; eine Nebenform ist Esclabon, 
z. B. v. 15 286. 

4847. Recht cstes. Man könnte auch (vielleicht noch besser) 
nach R\V retenu lesen, da Bueve sieh ja als Söldner angeboten hat, 
er auch in v. 4869 sagt: m’aväs retenu en saudee. 

4854. escaletes oder escheletes (RIV) sind kleine Schellen oder 
Glocken, welche die Pferde als Zierrat um den Hals trugen, vgl. 
Quant Eues faü h eeval galoper, Trente escaletes s‘i aeordeni si cler, 
Harpe ne gigle riest tele a escoter Iiuon de Bord. 6484; von dem 
Pferde König Dammonts erfahren wir sogar: mit eseheletes d’or i 
pendent les a les Gui de Bourg. 2335; weitere Belege s. Godefroy 
3, 382. Gleichbedeutend begegnet auch der Ausdruck sonete. So 
wird von dom Sattel der Flordeapine gesagt: Trente sonneifes oi 
par (ferner la cuirie; Quant la mule galope . Adonc font les son~ 
nette» . . grant mclodie Gaufrey 2027—-29. 

4858. soudoiier ne pris je pas. Die Lesart von P saudoiiers 
ne prise pas ist unwahrscheinlich. 

4864. Et j’en ai ceni. So ist unzweifelhaft mit RW zu 
lesen, da Bueve im folgenden von seinen Leuten redet und er 
nach v. 4769 hundert Leute mitgebracht hat; et si entent (P) gibt 
keinen richtigen Sinn, da Bueve keinen Nachschub erwartet. 

4874. les sentes segrees. Die Lesart von P scrrces gibt keinen 
Sinn, ebensowenig in v. 4880 vile statt des richtigen nie (RW). 

4883. Bist uns gloutons. Diese Bezeichnung ist gewählt, 
weil der Krieger sich gegen Bueve unfreundlich gesinnt ausspricht; 
BW haben Anglois statt gloutons. 

4893. servee scheint hier des Reimes wegen im Sinne von 
serie „still“ gebraucht worden zu sein, denn das Part, von serrer 
paßt hier nicht. 

4922, le merel bedeutet den Spielstein, besonders im Brett¬ 
spiel, dann auch dies Spiel selbst, das meist mit merelle bezeichnet 
wird. Beide Ausdrücke kommen in einer von Godefroy (5, 255) 
angeführten Stelle vor: Finet: Jouons au jeji de la marelle . . I a 
bien: G’est bien dit, le jeu du mereau Esi bien commun Anc. th. 
fr. III, 52. An unserer Stelle ist „Spiel“ im übertragenen Sinn 
gebraucht: „Kriegsspiel“, Merele kommt auch in der Bedeutung 
„Schicksal“ vor, z. B. Las! quar si m’est changiec la merele Qu'on 
m'a jete en prison Blondei de Nesle 17, 7. 














Anmerkungen. 


251 


4985. que ce est qm tu dis? Über diese auffällige Wort» 
Stellung im Fragesatz, d. ln die der indirekten statt der direkten 
Frage, handelt Tobler, Venn, Beltr, I 2 , S. 67—68 und A. Schulze, 
Der altfranz, direkte Fragesatz, 1888, §221. Daß diese Erscheinung 
auch der neueren Sprache nicht fremd ist, beweist E. Bieringer, 
Der mittel* und neufranzösische direkte Fragesatz, Diss. Göttingen 
1910, § 70—71. 

4997—98 fehlen in P, sind aber unzweifelhaft einzusetzen, 
da Fromont und Rate regelmäßig zusammen erwähnt werden; 
Fromont wird auch nach v. 5093 von Bueve angegriffen. 

5006. grani cop le ferL Über diesen doppelten Akkusativ 
s. Anm. zu v, 1448, 

5025. Dolans fu Eueres } quant li esiui guerpir. So mit SW; 
die Lesart von V {Dolans en fu) läßt nicht erkennen, von wem die 
Rede ist, ebenso entspricht partir statt guerpir nicht der Situation. 

5033. ne se tint mie mm. Der Nominativ mus erklärt sich 
ebenso wie in vos voi houni et eonfondu v; 5035 durch den Sinn; 
dies sogar nach einer Präposition, z. ß. sire . . . Vom en seres terms 
por fols prouves v. 9134, Ebendahin gehört auch die bekannte 
Konstruktion Eueres ot non v. 80 u, ö.; s. Tobler, Yrai aniel, Anm. 
zu v. 147 imd Anm. zu Bueve I, 428, 

5uö3 — 55. Die Verse fehlen in P, müssen aber eingesetzt 
werden, da sie für den Zusammenhang nötig sind. Es muß je* 
doch in v. 5053 Soibaut im Sinne eines Dativs {statt Soibaus) ge* 
lesen werden. Soibaut ist nämlich von Doon vom Pferde gestoßen 
worden (v. 5042), erscheint aber später wieder unter den Kämpfen¬ 
den (V. 5059 u. o.). R kürzt den Namen stets ab, so daß die 
Flexion nicht zu erkennen ist. 

5064, de coi fesmaies tu? Diese Lesart von RW ist offen¬ 
bar richtig; die von P: que me demandes tu? paßt hier nicht. 

5068. geudes vom deutschen gilda sind die Fußtruppen, die 
von der eigenen Bevölkerung gestellt wurden, daher meist mit dem 
Zusatz a pie; R und W bannten das Wort offenbar nicht; R schreibt 
dafür andres } W lemdes, 

5078. Foucon, frere fu Giti, s. Anm. zu v. 1056* 

5089. Tenu se sont Men ensemble serre. So mit RW, die 
Lesart von P: La gmt soibaut oni arriere torm steht im Wider¬ 
spruch zu v. 5087. 

5100. Dahinter in RW: 

A eens Hura le traitour proue 
(Asens la b, commande et Bure W) 

Que plus le het que nul hotne charne. 











252 


Anmerkungen. 


5185. Dahinter in RAV 3 Verse: 

Cel traitor plain de desloiaute 

Par lui ai ie (Parmy aage AV) raon seignour aclire 

Le preu bueuore nostre droit auoue. 

5189 — 90. Statt dieser Verse in RAV 5 andere: 

Q«e cest li lions que (qui W) plus el monde he 
Descrui la par sa desloiaute 
Or li serra par tens gucrredone 
De lui destruire gardez naiez pitie 
Quant b. ot seib. escoute. 

5205. torquillons. Das Wort ist eine Ableitung von torquere, 
bedeutet also ursprünglich „Wulst“, Godefroy belegt mehrfach den 
Ausdruck torquillon d’eslrein, Bei uns heißt es offenbar in Über¬ 
tragener Bedeutung „kleiner Stein“. Es kehrt in v. 5367 und 5408 
wieder. 

5215. El .. se vont agenillier. Mais, wie P statt d liest, 
paßt nicht, da kein Gegensatz vorliegt. Dahinter in RAV 5 A T erse: 

Deus cor ne seuent li dui ewfant guerrier 
Que b. fust lor seignor droiturär 
Ne se tenisseut por lor de monpellter 
Q«e ne lalassent acoler ei beiss/er 
B. les prist andeus (tantost AV) a aresmer. 

5218, Dame Aelis, Auffallenderweise wird hier, wo der Name 
zum ersten ITale genannt wird, nicht besonders erwähnt, daß dies 
die Gattin Soibauts ist; später heißt sie Ae käs , z. B. v. 6355, 
7932, 7941 u. ö., oder Aalais, %. B. v. 6065, 6390, 6443 u. ö. 
(s. Einleitung S. 168). 

5219. U voit Soibaut, sei prent a arraisnier. P hat Buevon, 
doch geht aus v. 5226 hervor, daß Aelis den Soibaut und nicht 
Bueve angeredet hat. 

5224. Statt dieses A T erses in BW 3 andere: 

Que b. fist no seignowr eissi liier 
Et de haßtone ci banir et gitfer 
Aus sarr. le uendi pour or mier. 

5225. Dahinter in RAV: 

Sil nos eschape sanz mortel (mareel AV) enoombrier 
Lan nos denroit honir et uergoigmer (vergonder AV), 

5231. je eusse an des membres trenchUs. Trenchies (copez RAV) 
ist nicht Akk. Plur. auf membres bezogen, sondern Nom. Sing., der 
sich durch den gleichen Sinn „ein Glied würde mir abgeschnitten“ 
erklärt, s. Anm. zu v. 5033; in v. 5357 hätte daher die Lesart 
eaupes von P bleiben können. 





Anmerkungen, 


253 


5233. Ne ?nais que Barnes fast si bons Chevaliers enthält 
eine recht auffällige Konstruktion, Ziemlich oft wird ein Bedingungs¬ 
satz mit „wenn nur, vorausgesetzt daß“ durch mais que eingeleitet 
{s. E. Helmer, Die Vertretung hypothetischer Nebensätze durch 
andere Konstruktionen im Französischen, Diss, Göttingen 1013, 
S. 93 sq.); andererseits erscheint ne mais que ebenso wie ne mais , 
mais que und mais vor einem Nomen in der Bedeutung „außer“, 
d. ln in präpoptionaler Funktion (s, Tobler, Venn. Beitr. III-, S*88sq» 
und E. Helmer, S. 93 sq.). In unserer Stelle haben wir eine Ver¬ 
mischung beider Konstruktionen, d. h, ne mais que als Konjunktion 
im Sinne von mais que verwandt. Dieselbe erscheint noch einmal: 
Ne mais que JBueves fust encor en sante v. 5259. 

5239. Statt dieses Verses in BW 3 andere: 

Cil de ha?itone s en tornent (sen sont tournez W) rengie 
Vers la eite dolauz et corrouciez 
Molt ont perdu et petit gaaigne. 

5258. ks cheveus . . sans eue res . Here saus eue ist ein 
sprichwörtlicher Ausdruck und bedeutet „Jem, etwas Schmerzhaftes 
antim“, 

5260, se savoie man enfant ou trouver . So mit R; outre 
mer von P beruht sicher auf einem Lesefehler. 

529L un espie , Das Wort erscheint sonst meist weiblich; 
in der einzigen Stelle, in welcher Godefroy (3, 528) uns Villen 
das Wort männlich anführt: Aux champs debout eomme vng espie 
(Codicille 225) liegt in Wirklichkeit des Heimes wegen geändertes 
espi (spümmj vor. So liest auch an unserer Stelle H um, und 
man könnte un? drucken, wenn nicht lui in v. 5293 und il, le 
v. 5297sq. bewiesen, daß das Wort hier männliches Geschlecht hat, 
das sich ja aus dem Sinn leicht erklärt und auch sonst belegt ist, 
z. B, Enz el patais en est montex Vespie Ahn. de Narb. 3476; 
Devant le rois se mcl Vespie; Li roh le sieut Bereu!, Tristan 
1961—62; Ilec oi wie (1. un) espie que de Home fu nez Flor, de 
Rome 1014. So erklärt sich auch der Nom. Flur, espie in: Diva, 
sont eil paltonier o espie? Narbonnais 5562. 

5316. est fort fremee mit RW; das statt fort in P befindliche 
ore stammt aus dem vorigen Verse und gibt hier keinen Sinn, 

en iceste Ule. Es ist verlier nicht davon die Rede gewesen, 
daß die von Soibaut errichtete Festung (v, 4621 sq.; 4717 sq.: 
4800 sq.; 5750) auf einer Insel liegt; auch wird weder bei dem 
Hin- noch bei dem Rückwege des Spions erwähnt, daß er über 
Wasser gekommen ist. Aus v. 6499 — 6503 ergibt sich sogar 
deutlich, daß die genannte Burg nicht auf einer Insel gelegen war. 
Vielleicht ist daher besser mit RW et bataillie zu lesen. 



















254 


Anmerkungen. 


5340. espi ist eine hier des Reimes wegen gewählte seltene 
Nebenform von espieu; sie wird von Godefroy 3, 528 belegt: Li 
faus ermiles Jci douta Powr Vareevesque se iapi, Quar ü n’oi bourdon 
ne espi Housket, Chron. riin. 25 074. 

5348. esmeri. Uber esmeril und das in v. 5400 verwandte 
esmerillon s. Anm. zu v. 1668. 

5381. assis . . sor un leson. Leson ist eine Nebenform für 
legon, welches eine Ableitung von lat. ledus ist und gleiche Be¬ 
deutung wie franz. lit hat. Das lit diente in altfranzüsischer Zeit 
nicht nur als Bett, sondern bei Tage auch als Sofa (s. Adolf Eerll, 
Saal und Kemenate der alt französischen Ritterburg, Diss. Güttingen 
1900, S. 117 srp). Dasselbe gilt also auch von legon (Belege bei 
Godefroy 4, 761 und Kerll S. 55). — R und W lesen a (en) un 
respons. 

5401. Der Vers fehlt in P, doch ergibt sich aus v. 5449, 
daß er einzusetzen ist. In v. 5401 handelt es sich um den Flügel 
eines (gebratenen) Regenpfeifers, in v. 5449 um den eines Kückens; 
dieser scheinbare "Widerspruch erklärt sich durch den Reim. 

5416. el regne d’Abüon. Dieser Ortsname findet sich bei 
Langlois nicht, vielleicht ist er des Reimes wegen aus Abilant, 
einem häufig in den Volksepen vorkommenden Ländernamen, ent¬ 
stellt. 

5421—27. Diese Zeilen sind eine fast wörtliche Wieder¬ 
holung von v. 2406—11. 

5428. Soibaut a pris. P hat Soibaus l'a pris, doch geht 
aus dem Zusammenhang und aus par Vermin pcUgon hervor, daß 
Bueve hier Subjekt ist. 

5435 — 36. consent isies Que Do le prist. Nach den Verben 
des Erlaubens, Gestattens u. ä. steht im Altfranz, zuweilen der 
Indikativ im Objektsatz, wenn der Inhalt desselben als Tatsache 
hingestellt werden soll, also bei uns „Do nahm sie mit Eurer Zu¬ 
stimmung“; ähnlich in: Commmt aves soufferi qm sornmes abessies, 
Que le, roy Guitant est et mori et dclrcnehUs Gaufrey 2279 — 80; 
cele suefre quHl le baise Percev. 3254 u. ö. 

5436. en eustes mtl Uwes. In v. 1536 hat die Dame den 
beiden Baronen 100 Hark Silber und den Erlös aus Bueves Verkauf 
versprochen: also bedeutet en nicht „dafür“, sondern „von ihr“. 

5438. Je lor prioie , raengon en preissent. Lor bezieht sich 
wohl auf Do und die Herrin von Hantone, und raengon prmdre 
bedeutet etwa: „Ersatz nehmen für, abstehen von“. 

5455. as marvheans de Prise. Friesland ist auch liier offen¬ 
bar des Reimes wegen gesagt, in v. 1565 heißt es, daß die beiden 
den Knaben an russische Kaufleute verkauft haben. 




Anmerkungen. 


255 


5456* roi d'Ermenie* Auffallenderweise wird erst liier zum 
ersten Male der Name von König Hennins Kelch genannt, der 
natürlich Armenien bedeutet (vgl, Einleitung 3* 168). Der König 
selbst ist bereits v, 1646 und dann oft namentlich erwähnt worden, 
aber es ist bisher immer nur von Aubefort, der Hauptstadt seines 
Landes, die Rede gewesen {z, B. v. 1645 u, ö.). 

5485* Der Vers fehlt in P, ist aber nach der ganzen Sach¬ 
lage sicher ursprünglich. 

5490, ne se pol de ses deus nimm aülkr. P liest pi4s statt 
mains t doch ist die Lesart von K W offenbar die richtige, denn 
da der Kopf draußen war, so konnte er nicht mit den Händen 
an den Kopf, das Gesicht usw. kommen, 

5503. li iroi jor s. Amu. zu v. 4557. 

5504. De Vene caude li arrousent le vis, nämlich um seine 
Qualen zu vergrößern, vgl. v. 5560 sq. 

5507. se painne de sa guerre esbaudir* P liest (erre statt 
guerre, doch gibt das keinen guten Sinn, während esbaudir mehr¬ 
fach vom Kampf oder Krieg gesagt wird, z. B. Doni missies fier 
esior esbaudir Raoiil da Cambr. 3471. Auch in unserem Gedichte 
z. B, v, 5556 und 12097, 

5538. un graut cavtis, wofür li un eschaveis hat (in W ver¬ 
derbt). Beide Worte sind nicht belegt, und ihre Bedeutung ist 
nicht klar, da eine Ableitung von eavum „hohl“, cavare „aushühlen“ 
hier nicht zu passen scheint, falls das darauffolgende „un bras de 
mer u ungefähr gleichbedeutend ist. 

5539. parfons fu li fis. Fis ist der Nom. Sing, von fd } 
das von Godefroy 3, 791 in der Bedeutung „courant de Beau“ 
belegt wird. 

5540. Dahinter in RW: 

Qwant dautre part au riuage se prist 

Bie?i fu lemprez (trampez W) ses pelicous hermms. 

5549* Dahinter in RW 3 Verse: 

Et b, est uers la röche guenchiz 
Oueqt^a li meint Chevalier de pris 
Descendu &ont en mi le pre flori. 

5503. Dafür in R (in den Var. fälschlich: in KW): 

I^a femme selb, a tont ce regarde 
A son seigneur a oortoisemewt parle. 

5584. Mon chier signeur, que je nouri sei ans « Der erste 
Teil ist Apposition zu Gukm le vaiilant > während das Relativum 
que sich auf Bueve bezieht* 

5588 fehlt in P, ist aber wegen v. 5593 einzusetzen. 







256 


Anmerkungen. 


5611. Sobaut. Druckfehler statt Soibaui. 

5613. Bueves menjue. So statt B. meisme in P wegen v. 5615 
und 5620. 

5618 — 20. Die Lesart und die Wortstellung von BW ver¬ 
dient vor der von P den Vorzug. 

5654, iYe vos eaut mie grant notse a demener. Zu v. 4704 
haben wir die Konstruktion ehaloir de kennen gelernt; es findet sich 
jedoch auch der Inf. mit a {s. H. Soltmann, Der Infinitiv mit der 
Präposition a im Altfranzösi sehen, Franzos. Studien I, 388 — 89). 

5655, Dahinter in R 2 Verse, in W nur der erste: 

Le fiuz guio« de hawtone le b er 
Qnc do osdt pur son graut erccombrer 

5659. Dahinter in R: 

Sire glorius uerai iustisier 

Qui bien uous eroit ne se doit esmoier. 

5673. Cil de. Hantonc. RW haben dafür Do de Maiencc und 
dementsprechend den Singular bei den folgenden Verben, Da aber 
Bueve offenbar auch seine Mutter und sonstigen Feinde meint, so 
ist P beizubehalten. 

5678. avant bedeutet auch „weiter“, z. B. Dites avant v. 174, 
daher liier „auch noch zu andern Leuten“, ebenso in v. 5717, so¬ 
wie en avant in v. 5780 und 14072; vgl. en avant „noch mehr“ 
v. 10722. Dagegen heißt avant „später, im folgenden Abschnitt“ in: 
Com vqus orres en la canahon avant v. 13859, ähnlich v. 14333. 

5691. Alts lor dire. Lor (P) stellt pleonastisch neben dem 
folgenden as gram et as petis; vielleicht ist aber besser mit R W 
le zu lesen, 

si failes vo plaisvr. P liest lor statt vo, doch ist die Lesart 
von RW unzweifelhaft die richtige; lor ist durch das vorangehende 
lor hervorgerufen worden. 

5719. Hinter diesem Verse in RW: 

Vostre home sont nes deuez hair (heir W) mie 
Q ue plttS nos aimeut q«e riejis qnc soit enuie. 

5760. prett. Das Wort findet sich bereits im vorangehenden 
Verse, und man könnte mit R moult Men statt preu ei lesen. Da 
aber W mit P übereinstimmt und unsere Fassung nicht vor dergleichen 
Wiederholungen zurückschreckt, so habe ich P beibehalteu. 

5780. Hinter diesem Verse haben RW: 

A home ne paar riens (pourrie W) qui soit en nie 
Q ue soie b. natrez (naistre W) de sa liagnie. 

5788. Bueves lor conte. Da Bueve mit Soibaut allein ist, 
so kann lor nur „da, dann“ heißen; RW haben U. 











Anmerkungen. 


257 


5796. m’en portermt. Den Sachverhalt gehen genauer RW 
mit m’amenermt wieder. 

5807. Vielleicht ist der Vers, welchen RW hinter diesem 
Verse haben: Que je avoie en la terre conquis in den Text ein¬ 
zusetzen, da er der Wahrheit entspricht und die Undankbarkeit der 
beiden Ritter noch deutlicher hervortreten läßt. 

5817. Li amiraus, qui apres me sivi. Der Relativsatz ver¬ 
tritt hier nach Tobler (Verm. Beitr. I®, 248sq.) das Prädikat, d. h. 
der Sinn ist etwa derselbe, wie wenn das Relativpronomen fehlte; 
nach Meyer-Lübke (Rom. Gramm. 3, 704 — 5) stellt das Substan- 
tivum einen Hauptsatz ohne Verbum dar. RW lesen: Car Vamiraut , 
qui en prison m’ot mis, haben also eine andere Konstruktion. 

5832. trente roncis. P hat die Zahl vier, doch haben RW 
nach v. 3872, 3883 nsw. die richtige Angabe, 

5904. Dont vos fagons servir, P hat feres statt fapons, doch 
muß hier etwas von den beiden Brüdern gesagt werden, also minde¬ 
stens ferons; aber die Lesart fagons ist besser gestützt. 

5914. il Van vaut donner. Donar wird bekanntlich auch 
absolut gebraucht im Sinne von „schlagen“ (s. Godefroy 9, 408). 
Der Begriff „Schläge“ ist also hinzuzudenken, und dieser wird in 
unserem Falle durch „en“ ausgedrücht. Allerdings kann ich ander¬ 
weitig en nicht in dieser Verwendung belegen; man könnte en 
übrigens auch mit „deswegen“ übersetzen. 

5954. les chierges nach RW, weil der Plural mehr Wahr¬ 
scheinlichkeit für sich hat als der Singular in P. 

5973—78, Statt dieser 8 Verse hat R 4 andere, W nur 
den ersten derselben: 

Do de maience tu aies mau dahe 
Mo« pere as mort par ta deslaiaute 
Dews me lest uiure par la sue bonte 
Ta«t que ie taie le chies dou bu seure. 

5997. Der Vers fehlt in P, wird aber durch den Zusammen¬ 
hang gefordert; denn wenn Doon mit Soibaut einen Kampf haben 
will (v, 5998), so muß er letzteren aufsuchen. 

6 H1. 1 V’i voions. P hat den Singular Je ne voi, doch ist der 

Plural wegen des vorangehenden dient st hotne (v. 6110) richtig. 

6137. Der Vers fehlt iu P, er muß aber wegen enfant in 
v. 6238 aus RW herübergenommen werden. 

6141. Je ne vos pris. P hat me statt vos (RW); daß aber 
letzteres richtig ist, folgt aus vos in v. 6242. 

6165. Rainnier ist mit RW statt Gcdfier mit P wegen v. 6175 
und 6225 zu lesen. 

6192. Fcres cascun du trenchant de l’espee. Chascun könnte 
Akk. Sing., also Objekt sein, aber auch Nom. Plur., und es würde 

Stimm Lug, Ouuve da llitniooe 









258 


Anmerkungen. 


in letzterem Falle im Sinne von tuil stehen; s. Anm. zu Bueve 
HI, 4650. 

6232. Der Vers fehlt in P, ist aber wohl mit Rücksicht auf 
v. 6234 aus E¥ einzusetzen. 

6263. Hinter diesem Verse sind in RW deren 3 eingefügt: 

Guy (Cui R) de hantonne le pl«$ loial princier 
Qui (Que W) onqwes fust bien le puis affichier 
Je te deffi de dieu le droiturier. 

6266. Der Vers fehlt in P, ist aber, wie das mais in der 
folgenden Zeile beweist, einzusetzen. 

6309—11. Die 3 Verse fehlen in P, müssen aber aus RW 
eingeführt werden, da sie für den Zusammenhang nötig sind. Da 
Doon später wieder an der Schlacht teilnimmt, so muß er in¬ 
zwischen wieder ein Pferd erhalten haben; auch ist ohne das Hinzu¬ 
kommen von Kämpfern auf beiden Seiten nicht verständlich, wes¬ 
halb der Kampf zwischen Thierri und Doon unterbrochen wird. Da 
sowohl v. 6308 als auch v. 6311 mit vis fier endigten, so konnte 
der Schreiber von P leicht von einem zum anderen überspringen. 
Dann muß aber auch in v. 6311 o le statt au gelesen werden, da 
R und W den Namen Soibaut oft als drei Silben rechnen, P jedoch 
stets als zwei. 

6323. Vous me donnes ce que je vous requier. Hit ee ist 
Hate gemeint, und bo wird das Neutrum pou, ee im Französischen 
mehrfach in Beziehung auf Personen gebraucht, s. meine Ausgabe 
der Motette der Bambergor Handschrift, Dresden 1906, S. 120 (Anm. 
zu v. 5). Einige weitere Belege: qui po atme e prie e seid Qnil hei , 
tote sa peine pert Troie 13615; moli m’aves crüelment Nuisi vers pou 
ki onques plus m'agree Andrieu Contredit 9, 2, 2; Cucr amourem est 
tous jours desirans ß’estre aveue ce qu’ü aime loiaument Mölanges 
Chabaneau 1906, S. 505 (v. 32); Ce que tant pöex amer . . . N’en 
devcx lessier aler Bartsch, Chrest, 53, 15; ähnlich ib. Gl, 4? u, a. 
Sogar wo es sich um mehrere Personen handelt: Ou doit ce 
(„diese Truppe“) chevauchier? Bueve III, 9139; ce qui n’estoit morl 
estoit fugitif Commines 3, 4. Beispiele für ersteren Brauch auch in 
unserem Gedicht noch: trouvS orent ce qu’aloieni querant (sc. Josiane) 
v. 11 597; trouvc avons ce k’aliens desirant (den Sohn) v. 17 796; 
ähnlich v. 11597 und 17 829; besonders bei estre, z. B. v. 646, 
4198, 13440. Dieser Brauch findet sich auch heute noch bei ce 
und pa, z. B. Un poete, vois-tu, pourvu que pa lise ses vers Pailleron, 
Le Monde 3, 1; C’est vicomte, on ne saß comment ni pourquoi, 
et pa se porte ä tout propos Champion de la noblesse Augier, Gern! re 
de M. Poirier 1, 2; auch wenn es sich um mehrere Personen handelt : 
ces diables de penseurs! pa ne se brosse jamais A. Daudet, Lettre» 














Anmerkungen. 


259 


de mon moulin 9; Ces brigands d’artistes, (a rentre ioujours si tard 
id., Fromont 53; C’est mdchant, les morts . C’est tout blanc . , 
et fa ne parle pas Maeterlinck, L'Oiseau bleu 4, 7. Einige weitere 
Beispiele für ga gibt E. Lemme, Die Syntax des Demonstrativ¬ 
pronomens im Französischen, Diss. Döttingen 1906, S, 138 — 39. 

6335 — 36. Dafür haben E¥ 2 andere Verse: 

B. lasant q ue (qui W) nel out mie chier 

Granz cows li paie (donne W) dou branc forbi dacier. 

6339—42. Dafür in EW 5 andere Verse: 

lies se {sa W) priere ne li aura mestier 
Molt par li ofFre et argent et or mier 
Ce ne uaut rien ia nen prendra (aura W) denür 
Ne» prendroit mie tot lor de montpelltcr 
Que ne Ie face de male mort iuigier. 

6340. Prems de moi raengon. — „Certes“, dist il } , . „Ja 
n’en atrrai argent.“ Wir würden sagen: „Sicherlich nicht.“ Dieses 
Fehlen der Negation begegnet besonders in einer verkürzten Ant¬ 
wort, z. B. „ baillies moi . . tostre espee,“ — ,, Cerles“, dist Buevcs, 
„n’en sui pas coustumiers v. 13514; namentlich, wenn die Antwort 
nach dem Grunde einer verneinten Behauptung oder Erklärung fragt, 
z. B. „Pariastes al rei?“ — „Nenil,“ — ,,Por quei?“ (warum nicht?). 

— „N’i a seignor Eneas 647; „Je non ferai.“ — „Por quoi?“ — 
Je ne voudrai Meraugis 2938; „ja- n’en istras.“ — „Pour quoi?“ 

— ib. 3128, 3208 u. ö,; eil noient ne me donroient. — Por quoi? — 
Par foi! qu’i ne porroient Rom. de la Rose 12131. Letzteres auch 
noch heute, z. B, „N’y va pas!“ — „Pourquot ?“ Sardou, Maisön 
Neuve 3,11; „ne m’approchez pas!“ — „Tims, pour quoi?“ ib. 4, 3; 
„Vous ne pouvez pas sortir par la,“ — „Pourquot?“ ib. 4, 5; 
le peilt Kdel ne m’apportera rien.“ — ,, Pour quoi? “ Maeterlinck, 
L’Oiseau bleu 1,1; Ils n’ont pas faim? , . . Pour quoi ? “ ib. 1,1 u. ö. 
Einzeln wird jedoch die Negation auch hinzugefügt, z. B.: movoir 
ne s’osent. — Por quoi non? — Par foi! qu’il ne vuelent Rom. 
de la Rose 12558 u. a. 

6347. Hinter diesem Verse in RW: 

Je uos comant cest (cel W) gloton pautonier (losengirr W) 
Bien le gardez se de rien mauez eher. 

6352. Dafür in RW folgende 2 Verse: 

Et les deus poinz li font estroit lier 
Contre eheual lenmenerent arrier. 

6358. Moult bien, par dieu del ciel. Diese Lesart von RW 
ist unzweifelhaft die richtige, weil sie die zutreffende Antwort auf 
die vorangehende Frage outhält, was die von P nicht tut. 

17* 








260 


Anmerkungen. 


6359. Dahinter in R W: 

Le man glotew traitor losengier 

Qui uendi b. uo^re (nostre W) droit heritier. 

6364. Hinter diesem Verse in RW 3 weitere: 

13. le preuz fuiz guion le guemer 

Aus Sarrazins le uendis 'uendi W) pottr er mier 

Tu et fromont cui dieu dornt encombrier. 

6373. vit s’enseigne baissier. So mit RW, weil die Lesart 
von P keinen Sinn gibt. 

6377. ensaigne hat hier, im Gegensatz zu v. 6373, die Be¬ 
deutung „Feldgeschrei“; s. Friedwagner, Anm. zu Veng. Raguidel 
3756. 

6405. kaulement als nähere Bestimmung von guerredoner ist 
bemerkenswert, R liest noblemmt, W voulmtiers. 

6413. fenestre wird von Godefroy in der Bedeutung „Falle“ 
belegt; sodann führt er unsere Stelle an und übersetzt femstre aus 
dem Zusammenhang mit „Halseisen“ (carcan). 

6416. Statt dieses Verses stehen in RW folgende 8: 

Sire froinont molt me deuez amer 

Vons nauiez ceanz a cui parier 

lies ie uos ai oowpaignon (compaignie W) ammene 

Ce est haton q ue uos ici ueez 

Compaignons darmes auez meint ior este 

Or deuez bien ma cuisine garder 

Fromont lentent sa le chief encline 

Car bien atent (entant W) que il lout rampone. 

6440. Soibaus en maine ist die Lesart von RW; apek, wie 
P hat, gibt keinen guten Sinn. 

6442. Statt dieses Verses in RW 4 andere: 

Et preuz aus armes hardiz et adure 
A taut sen portent li Chevalier loe 
Seib. et b. sont en la mer entre 
Et roboanz (raboarn. W) et tierri li menbrez. 

6444. An Stelle dieses Verses in RW: 

Les «mim an da au roi de maieste 

Qwi (Que W) les etmduie a droite ßauuete. 

6456. Dahinter in RW: 

Di8t li mesages oil en cherite 
Messagier frere or me di don ponr de. 

6487. Dahinter in RW: 

lies lem (len ny W) puet nule rien adrecier (anoier R) 

Par qwan. les puist uerser ne (quauer et W) pecoier. 















Anmerkungen* 


261 


6495, por le mieus rehaitier. Über eine derartige Substanti¬ 
vierung eines von einem Adverbium (mieus = plus) begleiteten In¬ 
finitivs s. Tobler, Yerm. Beitr* II 2 , S. 55 sq. 

6512; Die in den Text gesetzte Lesart von BW ist unzweifel¬ 
haft die richtige; Doon bittet seine Leute um ihren Rat, und diesen 
geben sie dann in v. 6624 sq. 

6515, Der Yers paßt nicht recht in den Zusammenhang, und 
da er in BW fehlt, so ist er vielleicht als ein Zusatz des Schreibers 
von P anzusehem 

653L Der Yers fehlt in RW, es liegt aber kein Grund vor, 
ihn als nachträglichen Zusatz anzusehen, da Aalis jetzt den Ober¬ 
befehl in der Festung hat 

6537, Unter den drei Lesarten atrave ? assamble r estraU ist 
die erste, d. h* die von R, offenbar die richtige; Doon und die Be¬ 
lagerer haben vor der Festung ein Zeltlager errichtet (vgL v, 6544, 
6550, 6602), denn Doon geht sogar von dort auf die Jagd (v. 6545), 
andere seiner Leute spielen Schach (v. 6549). 

6550. asbanoier ist das bei Godefroy als Spielform von 
esbanoier belegte abanoier mit graphischem s* 

6565. Vem d’un bies. Neben biet (s. Anm. zu v, 2603) gibt 
es im Altfranz, auch biez y bi6s mit der gleichen Bedeutung, das 
wohl auf ein anzusetzendes *bettium vom ahd. betti zurftckzuführen 
ist (s, Körting Nr. 1237, Meyer-Lübke, Wörterbuch Nr* 1016). 

6584. le manoevre * Da männliches manoevre im Afr, wie 
auch jetzt noch den Handarbeiter bezeichnet, hier aber unzweifel¬ 
haft die maschinelle Yorrichtung, das Bauwerk gemeint ist, durch 
welche der Wassersturz ermöglicht werden soll, so ist le hier als 
weiblicher Artikel anzusehen* Jene Bedeutung von la manoevre 
ist bisher nicht belegt gewesen. 

6585. Ä dis esduses font iorner le vivier « Diese Lesart von 
P bedeutet: „In sehn Schleusen lassen sie den Weiher sich wenden, 
einströmen“; RW lesen tenir statt ferner: „Durch zehn Schleusen 
lassen sie den Weiher halten, d. h. zurückhalten, sich atifstauen“, 
was vielleicht besser paßt. Auch in v. 6586 ist trenchier, wie RW 
hat, unzweifelhaft richtig: der Fels, der ein Hindernis für die Ab¬ 
leitung des Weihers bildet, soll durchschnitten werden. 

6600. le roidier* Das Wort kann ich sonst nicht belegen; 
es ist aber offenbar eine Ableitung von roü> roide und bedeutet 
nach dem Zusammenhang „Wassersturz“. Es kommt noch einmal 
in v, 6610 vor, aber beidemal nur in RW. Der Kopist von P 
kannte das Wort offenbar nicht, denn in v. 6610 drückte er den 
Gedanken anders aus, an unserer Stelle ersetzte er roidier durch 
vivier. Letzteres paßt aber nicht, und die andere Änderung ist 
ungeschickt, enthält überdies einen grammatischen Fehler, da das 










262 


Anmerkungen. 


Subjekt l’ew. als Prädikat fichiee oder fickie verlangt, was beides 
nicht in den Heim passen würde. Daher haben auch hier, wie 
in der ganzen Episode, R und W die gute Lesart. 

6608. n’i ot löge. So ist, wiederum mit BW, wegen des 
danebenstehenden gleichbedeutenden pavillon zu lesen gegenüber von 
corde (P), das keinen guten Sinn gibt. 

6623. Der Vers fehlt in P, ist aber für den Zusammenhang 
nötig, da die Gefahr für Doon und die Seimgen nicht darin be¬ 
steht, daß die Verteidiger der Festung herauskommen, sondern darin, 
daß diese sie an greifen. 

6647. Nies Varchevesque. Die strenge Logik läßt statt nies 
den Akk. erwarten. Eine längere Apposition wird aber hin und 
wieder als Relativsatz gefühlt, daher wie ein solcher behandelt; 
vgl. v, Lebinski, Die Deklination der Substantive in der Oil-Sprache, 
Posen 1878, S. 47, Mussafia, Zs. f. rom. Phil. 3, 250 und Suchier, 
Aue. u. Nicolete, S. 49, Anm. zu 1, 4. Daher wäre auch in: Mais 
perdu ont toi lor millor garani, Roi Athanas de l’ille de Morgant 
v, 16108 die handschriftliche Überlieferung Rois A. besser bei¬ 
behalten worden. Andere Beispiele sind: Et fiert Otrant . Niex 
Yvorin, fieus au roi Fandet Bueve III, 14188; fiert Oudart . 
Oncles Buevon ib. III, 15 684. 

6651. Der in P dahinterstehende Vers ist offenbar ein Zu¬ 
satz des Kopisten, er wiederholt fast wörtlich die vorangehenden 
Worte, 

6652 sq. jure . , qm, se .. que il . . Die Wiederholung des 
que, wenn der Substantivsatz durch einen Bedingungssatz in zwei 
Teile geteilt wird, findet sich hin und wieder; so: dist . . que, 

s’il ne l’a , qu'il fera v, 10 815; me faetx ostagex dotier Que, 

se tu vieus . ., Que . . repairiex Bueve 131, 15 200sq,; s. Fried¬ 
wagner, Anm. zu Veng. Raguidel 1783. Dasselbe gilt von dem 
kausalen que, %. B. Geniieus rois, . . . gardes ton sairement, Que, 

si dieus ait merci de moi, Que je ne ■mespris onc verfs] toi 

Octavian 349 — 50 u. ö. 

6661. für ent a roneis träine. P allein hat den Singular 
a ronei, was jedoch nicht möglich ist. 

6665. nul liu. Nului in P ist offenbar ein Schreibfehler, 
da es nicht zu assener paßt. Dieselbe Wendung kehrt v. 7067 
und ähnlich v. 7149 und v. 10884 wieder. R weicht ab. 

6668. Moi. Man könnte auch entsprechend dem vorangehen¬ 
den Verse Moi 1 oder Moie schreiben. 

6681. Vims me donrries la danie. So mit P; der Vers fehlt 
in W, während R; Don n’avroie, d. h. eine Frage hat. Letzteres 
scheint hier das Richtige zu sein, nur müßte man, um die nötige 
Silbenzahl zu erhalten, lesen: N’avroie dom? Dann muß natürlich 

















Anmerkungen, 


263 


auch der in R darauffolgende Vera Que se je l'ai, saehiex par veriU 
in den. Text aufgenommen werden. 

6689 — 90. Dafür ia E 4 Verse (in W fehlt der Abschnitt): 

Gele nuit a malt ueille et pejise 
Par qwel engin ne par qwel fauseto 
Aura la dame au gewfc cors ennore 
Au matänet sest hnidemiers leue. 

6692. Dahinter in R 3 Verse: 

Se me ua«s ercre riches hons te ferai 
Ta«t com ie uiue nauras mes pourete 
lies or me di garde ne soit cele. 

6710 1 . ouilli nach E, wofür P coisi hat, erscheint hier allein 
als das Zutreffende. 

6713. fit ioits li cuirs ereves. Die an den Füßen rissige Haut 
wird auch v. 6748 erwähnt; ähnlich erfahren wir von Apopart: 
ot . . les talons creves v. 4089. 

6714. afubler, das R hat, verdient vor aporter in P den 
Vorzug. 

6753. Der Vers fehlt in P, ist aber nicht zu entbehren. 

677 7—8. Ne sorent mot.. De si qu’il furent assene. Ne savoir 
mot heißt gewöhnlich „nichts wissen, merken, ahnen von etwas“, 
z. B. Ne sorent mot cele gent mescreant, De nostre gent ne savoieni 
noiani v. 15862 u. a. Nun erscheint aber diese Wendung in der 
Erzählung einzeln auch mit einer anderen Handlung durch einen 
Temporalsatz verbunden und bezeichnet, daß letztere eintrat, ehe 
sich die Person, um die es sich handelt, dessen versah, daß jene 
Handlung, jenes Ereignis also unversehens, überraschend ein trat. 
So erfahren wir z. B., daß bei Rainouards Taufe mehrere Barone 
diesen Über das Taufbecken hielten, und dann heißt es (Äliscans 
p. p. Guessard): Mais Eainouart pesa com desfaes : N’en seurent 
mot, quant kur est escapes v. 7928 — 29. Ähnlich bei uns: „ehe 
sie sich dessen versahen, wurden sie angegriffen“. Einige weitere 
Belege: Le plus plenier chemin tenras; N’en savras mot, quant tu 
t'cnras A une mout beiß fontaine Eob. le Diable 642; Denoakn est 
tost akx; Ainx n J en sout mot, quant Trktran saut Berotii, Tristan 
4385; Ne sorent mot, quant il s’escria Guill. le Marech. 2749; 
Eins n’en sout mot, si fu entr’eus Octavian 476. Auch in der 
dritten Fassung unseres Gedichtes; z. B. Ainc n’en sot mot, si se 
trueve gisant Bueve III, 4200; Ainc n’en sot mot, s’öi l’enfant 
crier v. 8762; Ainx n’en seut mot la saraxine gent, Dusque li rois 
les ocist v. 15 957. Also regelmäßig folgt ein Temporalsatz mit 
quant, si oder de si que, dusque u. dgl. 




264 


Anmerkungen. 


6778. Dahinter in BV: 

Assailli fureufe li baron nature 
En cel ehastel par traison morte. 

6788. Hinter diesem Verse lügen BW ein: 

Cil (Si W) lassaillirent enuiron et en (f. B) le 
Car il estoient si (cil W) ermerni morte. 

6801. et Buevon. So mit BW; son signor, wie P liest, 
gibt keinen Sinn, da Bueve nicht Doons Herr ist. 

6808. Dahinter in BW: 

Qui Chevaliers estoient adure 
Hardis as armes et formest redoute. 

6831. Dahinter in RW (in Var. zu erwähnen vergessen): 

Si vit la mort de Buevon au vis eler. 

6833. Statt dieses Verses haben RW deren zwei: 

Molt tenrement ne se (sen W) pot consirrer 
Molt doucement (tendrement W) le prist a regret er 

{se print a consirrer W), 

6851. Dahinter in RW: 

Quant el (eie R) le uit ainsi fort dolouser 
Courtoisement li (len W) prist a demander. 

6882. Dahinter haben RW: 

Que si vous uoi gramoier et plorer 
Dites le moi nel me deuez celer. 

6897. Dieser Vers, der in P fehlt, muß aus RW eingefügt 
werden, da man sonst nicht weiß, daß der Erzbischof die folgen¬ 
den Worte spricht. 

6936. Auf diesen Vers folgen in RW 5 weitere: 

Li (mais W) acoporz (lachopart W) aus poinz le 

uost courer (combrer W) 

Mes ainz le prist oncore (auant encore len print W) a apeler 
Sire arceuesque se me fetes irier (yriez W) 

Si chierement le ferei comparier 

Qua (que W) vos ferei an deus les ieuz (chies W) uoler. 

6958. Diesen Vers hat P ausgelassen und dann den folgen¬ 
den dementsprechend geändert. 

6998. Mi kome sont le service escouter . Estre mit dem reinen 
Infinitiv hat die Bedeutung von estre ale, z. B. il fu parier a dant 
Doon Bueve III, 5029; li ctiens Amis . . estoit en un rer gier de - 
duire Am. et Am. 3428; TJt (= uit) jurs i fu fere sa pieinte Chardry, 
Josaphaz 2513; La dame iert , . En un vergier coillir la flor Rom. 
















Anmerkungen. 


265 


u. Fast. S. 58, 53; il n'i est mie; II est acheler unt ckose Fabliaux 
4, 147 u, a, Dieser Brauch lebt bekanntlich auch heute noch, je¬ 
doch nur, wenn etre im Defini oder in einem zusammengesetzten 
Tempus der Vergangenheit steht; etre kann sogar reflexiv gebraucht 
und von en begleitet werden: II assista Roche fort, lorsque celui~ci 
s’en fut donner des coups de eanne d l’editeur Rochette E. Olli vier, 
L'Empire liberal 12, 404—-5. 

7008. cor ne set. Es ist besser, c’or zu schreiben (in E steht 
sogar quor), da cor, wie es scheint, nur in Verbindung mit einem 
Konjunktiv oder einem Imperativ (s. W. Foerster, Ille und Galeron, 
Anm. zu v. 457) und im Sinne von „weil“ (s. Bueve de Kant. I, 
Änm. zu v. 993) vorkommt. Dasselbe gilt daher von cor v. 10201; 
desgleichen von: cor ne le set? v. 13837. 

7010. Der Vers fehlt in P, muß aber eingeführt werden, 
weil die Stelle sonst nicht verständlich ist. Auch in v. 7011 ist 
die Lesart von P {la tour) zu verwerfen, weil bisher noch nicht 
von einem Turm die Rede gewesen ist. 

7030. ot les remis boutes. Über die Form vereus s. Bueve 
de Kant. I, Anm. 2 U v. 571. Die Konstruktion „er hört die Riegel 
vorgestoßen“ ist auffällig; vielleicht ist besser nach R zu lesen: 
ot statt oi) les verroux coler; W hat ot le (1. les) veiroulx morde. 

7039. Der Vers fehlt in PW, muß aber aus R herüber¬ 
genommen werden, weil sonst das Folgende nicht verständlich ist. 
—- Zweisilbiges häi ist wohl nur eine graphische Spielform von ahi, 
das z. B. v. 7195, 7292, 8076 und 11634 erscheint. — Als letztes 
Wort hat R pautonier, was nicht in den Reim paßt; ich habe par- 
jures dafür eingesetzt, das sehr oft in Verbindung mit träitre vor¬ 
kommt, z. B. v. 6907, 7195, 7292, 7300, 7367 u. ö. 

7050. s’en retorne a la table acorder . Soi acorder „sieh ver¬ 
tragen“ muß scherzhaft gemeint sein. Nach den vorangehenden 
Versen war er zornig und traurig (vgl. v. 7052), beim Anblick der 
Mahlzeit wurde er friedlich, söhnte er sich mit seiner Lage aus; 
C hat acouter „sich auflehnen“, das auch in v. 7045 als Reimwort 
vorkoinmt und nicht gut paßt, W arrer, d. h. arreer „sich zureclit- 
machen“. 

7058. Dahinter in RW: 

De lui cei garde que ie soie encombrez 
Quatre huis de fer i a qui sont barrez. 

7102. Var. lies 7103. 

7120. parmi ample regne. Man erwartet l’ample, jedoch steht 
so nur in W. 

7135. a saint Pierre. Lies Samt, weil es sich um die Kirche 
dieses Namens handelt; dasselbe v.7238, 7465, 7522. 



266 


Anmerkungen, 


7141. Dahinter in R 4 Verse: 

Labes fu sages dm$ le puist enorer 
Yoit larceuesqw« sei prist a apeler 
Cest mariage uolez le creanter 
Dist ]arceuesq?ie ie le faz espouser, 

7147. marier. Das Wort erscheint auch v. 7149 als Reim- 
wort. RW lesen an unserer Stelle assener, doch würde dadurch, 
da daine dann das e elidieren müßte, der Vers zu kurz; in v. 7149 
hat W allein empkrier. 

7163. bonte „Tüchtigkeit“. So mit RW; biante, wie P hat, 
paßt nicht zu dem Folgenden. 

7191. Der Vers fehlt in P, wird aber durch den Zusammen¬ 
hang und durch die Konstruktion gefordert. 

7203, as poins la vost coubrcr. So nach RW r , weil die Les¬ 
art von P: li (1. si ) Va as poins coubrö einen Widerspruch mit dem 
folgenden Verse ergeben würde, da Huidemer nach letzterem die 
Dame nicht angerührt hat. 

7213. Quant se revini. Die Lesart von P erwähnt nicht, 
daß Josiane aus der Ohnmacht erwacht; dies ist aber nötig, da sie 
in der Ohnmacht nicht schreien kann. 

7287. Dahinter in W (Var. fälschlich RW) 6 Verse: 

Yoyt le bernage au grant huis assembler 
Et josienne la belle ot tant crie 
Ne se pot mais aidier ne remuer 
Que vous diroye ja fust ales penser 
Es vous beuue en la presse toume 
Jusques au mostier ne se voult arrester. 

7309. ses drus, wie RW haben, wird durch das daneben- 
stohende ses prives gestützt, während die Lesart von P ses dus 
nicht richtig Bein bann, da Huidemer unter seinen Freunden keine 
Herzöge hat; es liegt wühl ein einfacher Schreibfehler vor. 

7315. De la grant joie. ; ber den bestimmten Artikel s. Anm. 
zu v, 2826. 

7342. rmtroit. Subjekt dazu ist der im vorangehenden Satze 
als Objekt vorkommende Soibaut, wie sich aus dem folgenden er¬ 
gibt; deutlicher drückt dies R aus: Qu’il (1. Que il) iert ja en la 
eite entre, was daher vorzuziehen wäre, wenn nicht auch W wie 
P läse, nur daß es entroit hat, richtig, weil Soibaut vorher noch 
nicht in der Stadt gewesen war. 

7343. quarante Chevaliers. R und W lesen soissante , und 
da v. 7500 auch in P gesagt wird, daß Soibaut 60 Bewaffnete bei 
sich hatte, so ist in den Text soissante zu setzen, also in die 
Varianten: quarante P. 














Anmerkungen. 


267 


7375. Va fern ei encontre ist ein Hysteron proteron; ßW 
haben dies nicht erkannt und haben den Schluß in et eneombrc 
geändert, doch gibt dies keinen Sinn. Weitere Beispiele jener 
stilistischen Erscheinung sind bei uns: li destriers a mort le vostre 
mfant Et Va fern v. 11160 — 61; Le premier jor, que je fui m 
saudee Et j’oi au roi ma ierre fowrjuree v. 12476 — 77; s, Anm. 
zu Bueve III, 2327, 

7388. Secourons les; les braucht nicht mit R in le verwandelt 
zu werden; Roboan denkt an Bueve und Soibaut, der sich ja auch 
in der Stadt befindet. 

7393 — 95 fehlen in P, es muß aber mitgeteilt werden, daß 
Roboan den Bueve trifft; der Umstand, daß der Name Roboan sich 
im Anfang sowohl Yar. v. 7392 als auch Yar. v. 7395 findet, hat 
wohl das Überspringen veranlaßt 

7404. Dahinter in R 3 Verse: 

Car roboant les sout bien chastier 
Molt les demoine et aua«t et arrier 
Meint en oscit au branc forbi dader. 

7406. Hinter diesem Verse schiebt R 5 weitere ein: 

Et roboanz les a bien conuaiez 
A sa uoiz haute les a escriez (—1} 

Mar i uenistes ma dame marier 

Powr soue amour auroiz grant encowibrier 

A tant sen tourne sa les sie ns ramenez. 

7425. enseeles „versiegelt“ ist hier offenbar bildlich im Sinne 
von „verschlossen“ gebraucht; anderweitig ist es mir in dieser Be¬ 
deutung nicht begegnet. 

7431. Der Vers, welcher sich in P hinter diesem befindet, 
gibt keinen Sinn, ist daher als Einschub des Kopisten anzusehen. 

7448. a un gargon trouve . P bat aus dem einen Burschen 
deren zwei gemacht, liest daher a deus gargons troaves und porterd 
im nächsten Verse, aber schon in v. 7450 hat auch P h gelassen 
und redet ebenso in den folgenden Zeilen immer nur von einem 
Burschen. Demnach ist die Lesart von R¥ anzunehmen. 

7464. Aval la sale commence a devaler. La sale gibt keinen 
Sinn; das Wort ist wahrscheinlich versehentlich aus der voran¬ 
gehenden Zeile herübergenommen. Da sich Apopart in einem Turm 
befindet (v. 7409), so ist vermutlich Aval la tour zu lesen; in R.W 
lautet der ganze Vers anders. 

7475. Der Vers fehlt in P, muß aber aus RW eingefügt 
werden, weil er den Grund von Bueves Zorn angibt. 

7479. a Vajorne. Für den Begriff „Tagesanbruch“ führt 
Gödefroy 1, 205) an: ajornail, ajornal, ajomant, ajornee„ ajome- 


268 


Anmerkung«*?!. 


ment, ajorner. aber nicht ajonre. Er bringt dann noch ein weib¬ 
liches ajornc, das er durch folgende Stelle aus einem Glossar des 
13. Jahrhunderts belegt: Crcspvsculum, ajourne. Letzteres Wort 
muß aber wohl ajourne gedruckt werden, würde dann also mit 
dem unserer Stelle identisch sein. 

7510. pensex. Pensons, wie P hat, ist nicht richtig, da 
Bueve im folgenden erklärt, er selbst wolle sich zum Erzbischof 
begeben. 

7530 — 31. Die Lesart von P ist zu beanstanden, einmal, 
weil sich chargier in beiden Versen findet, im ersten aber nicht 
zu livrer paßt, sodann bezieht sich der Inhalt beider Verse un¬ 
zweifelhaft auf den Erzbischof. 

7537. El Rin. Diese Lesart von RW ist besser als en mer 
von P, da sie erst v. 7G39 ins Meer gelangen. 

7545. des autres tel Qant. Wenn tel unmittelbar vor Kardinal¬ 
zahlen steht, so ist dessen Bedeutung oft so abgesehwächt, daß es 
den Sinn von „ungefähr, zirka“ erhält, s. H. Jäger, Die Syntax 
der unbestimmten Fürwörter tel, autre und nul, Diss. Göttingen 
1906, S. 27—28. 

7611. eine eens mereis. Wie im Lateinischen 600, so wird 
im Altfranzösischen 500 oft zur Bezeichnung einer unbestimmten, 
aber großen Zahl gebraucht, z, B. in Verbindung mit dameiseles 
Erec 50; mit foiz ib. 274, 415; mit Chevaliers ib. 1966, 2343; 
mit barons ib. 6419; mit tables ib. 6922 u, a. In unserem Ge¬ 
dicht dieselbe Wendung wie hier in v. 7767. Aber auch andere 
Zahlwörter werden in gleicher Bedeutung verwandt, so 400, z, B. 
Erec 6662; so 100, z. B. Erec 1180, 1390, 1636, 1936, 1942, 
2024, 3423 n. a. Manchmal wird eine scheinbar ganz genaue Zahl 
gewählt, z. B, en ocirreie , , A m'espee quarante et huit Eneas 5836; 
Je qu'en (sc. Hüte) oi veu vint et nuef A nul jor mes vcu n'avoie 
Chapel si bien ouvre Rom. de la Rose 863; Tramefrai li ehevals de pris 
Riehes et chiers treis cen-x et dis Eneas 3250; dasselbe v. 3420 u. a. 
Meist ist bei der Wahl der Reim maßgebend gewesen. 

7657. Dahinter in RW: 

Puis si asistrent quant il orewt laue 
Molt furent bien eerui et comee. 

7702 — 3 fehlen in P, müssen aber aus RW herübergenommen 
werden, weil aus ihnen der Grund für Oedons Haß gegen Bueve 
ersichtlich wird. 

7715. Dahinter in RW: 

Molt sui mauues si nel puis uengw' (—1) 

Ja nestortra sen aura son loier. 














Anmerkungen. 


269 


7746. Auf diesen. Vers folgen in EW 2 weitere: 

Ce fu folie de eeanz osteier 

Or vous direi ceu qttai oi co?iter (ee que len ma conte W). 

7758. Hinter diesem Verse schieben BW ein: 

Len li a dist (dit W) que son frere ai (ot W) tue 
Sil le puet fere a mort sotnes (seron s AV) üure. 

7769. Dahinter in BW: 

Sauriez mais a nul ior pourete 
Sa ient a b. mointenant apele. 

7780. laisses. Die dritte Person laisse, die P hat, gibt 
keinen Sinn. 

7781. nous, Druckfehler, 1. vous. Die Lesart nous von 
P stimmt nicht mit der zweiten Person in laisses und faites. 

7791. cest glouton deffae. So mit RW; das Beiwort parjure } 
das P verwendet, ist dem A^opart gegenüber hier durchaus nicht 
am Ort. 

7794, Der Vers fehlt in P, aber der darin ausgesprochene 
Gedanke ist hier wesentlich, daher ist er nicht zu entbehren. 

7851. Hinter diesem Verse ein Einschub, in R von 47, in 
W von 48 Versen: 

Fierent de haches ei de branz acerez 

La veissiez fier estor demener 

Tant haute fremdre (frete W) et taut escu troer 

Tant bon hauberc derompre et descirer 

Tant (ücieualiei tresbuchier (et tranchier W) et versier 5 

Et tant (maint W) boriois morir et deuier 

Et lacopart en la sale iert (est \V) remes 

Dame dist il sil vous plest ca uenez (f. W) 

Print josienne p«r . . . engoule (f. R) 

A la (cesteR) fenestre ueliez acouter (la mena acosterAV) 10 

Dame dist il ici demoureres 

Por la bataille veoir et esgarder (regarder W) 

Dusques a poi mi (Pour vre amour me AV) uodrai esprouer 
Por uostre amour me uerrez maint cop paier (f. W) 

Dist io. a uosire uolente 15 

Li acopart si a sesi son pel 

A ses deus meins la contremont leue 

Par mi la porte sen ist (vit AV) toz abriuiez 

Jusqueu lestor ne si est arestez 

Le baston (baron AVj Ueue par uiue poestez (poeste AV) 20 
A un seul cop (f. AV) en a deus afrontez (afronce AV} 
Contre ses eons na arme poostez (poeste A\ r ) 







270 


Anmerkungen. 


Ces hiames froisse et ces escuz bendez [gitez 

Cinquante et plus (Bien cinquante R) en a bieu (f. W) morz 

Si tost com lorent li boriois rauise 25 

Poor en orent forment lont redoute 

Dist lua a lautre don est eist (eil W) eschape 

Qwi latendra musart sera prouuez 

En fuie tornent sest lestor demore 

En leurs hostelz se sewt bien enferme (f. W) 30 

Huideß (Heude AV) le uit a poi nest (moult en est W) forsene 

En fuie torne molt fu espoente 

Vers son pales est guenchiz et toraez 

Li acopart la molt bien rauise 

Anpres (Apres W) lui cort en ses poinz tint son pel 35 

Huides (Heude W) le uit molt fu espoente 

Par sa porte entre corroucie et irie 

Trente smant la deuoient garder 

Lor seignour uirent sen furent adole (efiraez W) 

Mes lacopart sest (est W) de corre haste (hatez W) 40 
Enpres huidon (Apres heudon W) est en la porte entre 
Forment luy crye (li eserie R) huide (heude W) ni garirez 
De male mort uoms fere ia finer (afiner W) 

Huides (Heude W) lentent si en fu effreez 

Ses barous a inointenant apele 45 

Seignowr dist il cest gloton mosciez 

Que par lui fui formest desbaratie (desbaretes W) 

Et eil responent eome (si com R) tos comandez 

Yoide (Vukle W) mein sont vers lacopart ale 

Mien esciewtre ia fust (jlz sont W) mal ariuez. 50 

7856. les rues en veissies conbrer. In den Var. nach zu tragen: 
Der Vers fehlt in EW. — Als Reimwort steht in P coubrer „er¬ 
greifen, packen“, was hier keinen Sinn gibt. Ich habe conbrer 
geschrieben, da u und n mehrfach in der Hs. verwechselt werden. 
Combrer wird von Godefroy (2, 188) in der Bedeutung „behindern, 
mit Hindernissen versehen“ einmal belegt neben häufigerem en- 
combrer. G. Paris möchte in der von Godefroy angeführten Stelle 
(Commanderent k& nus me mohstoit les freres . . ne ne combraisl 
en auchune maniere ) n’encombraist statt ne combraisl lesen, also ein 
Verbum combrer nicht zugeben, doch scheint mir jene Änderung 
nicht notig zu sein, da combrer sich doch aus descombrer, prov. 
descombrar } sowie aus combre und combreux erschließen läßt. 

7871. Dahinter in EW: 

Jlon droit seignowr a cui me sui done 
Mau guerredon ten sera apreete. 













Anmerkungen. 


271 


7873, Hinter diesem Verse haben RW: 

A toi me re» (maten W) en bone loiaute 
De moi puez faire la toe volente. 

7898. Dahinter in E¥: 

Come (Comme mon W) seignowr lige vos Beruhe 
En bone (vosfre W) foi par {en W) droite leaute. 

7900, Auf diesen Vers folgen in RW: 

Deus foiz en lau se jl (sil R) mest comande 
Vous seruire comme seignowr droiturier (droicture W), 

7936. Hinter diesem Verse in RW folgende vier: 

Et il et b. mes sires au cors gent 
Veez (Vez W) com lor nef sen uie«t (va W) ca adrecant 
Alez contre eulx (e» ancoutre R) cheualiet et seriant 
Droit au riuage iel (je W) vows pri et coma»t. 

7944. vivage. Druckfehler, 1. rivdge. 

7947. Encorliner. Encontremont, das P hat, ist offenbar ein 
Schreibfehler. 

7963. Dahinter in RW: 

Quant il fu eure (entre W) sasistrent au mangier 
Apres mangie»' se sont ale couchier, 

7973. Auf diesen Vers folgen in RW: 

Seinewt (Sengnent W) espees puis mon teilt es desbws 

(el destner W) 

Les escnz prene»t ei les tranchanz espiez. 

7991, Der Vers fehlt in P, ist aber nicht zu entbehren 
(cf. v. 7980). 

7993. Soibaut mit RW statt sct gent ergibt sich aus v. 7998 
als richtig. 

8043. abriev&s. Statt dessen hat P csfrcös, was aber hier 
durchaus nicht paßt. 

8047. Destre et senestre cömmenga a capler. Die beiden Ad¬ 
jektivs werden in dieser Formel auch adverbial gebraucht; so nocli 
bei uns in: Diestre et senestre fiert desor cele gent v. 13915; Destre 
et senestre donne mainte colee Gaydon 7927; Tant fiert destre et 
senestre . . Que . . Gaufrey 6436 u. a. Destre allein erscheint ad¬ 
verbial in dem Ausdruck destre cotm, von einem Pferde gesagt, 
das die Mahne rechts trägt, s. Foerster, Anm. zu Cliges (1910) 
v. 4770 und Zs. f. fr. Sprache 36 (1910) II, 114—15. 



272 


Anmerkungen. 


8059. Dahinter in HW 4 weitere Verse: 

rW 

Contre ses cow.s na arme poeste 
Maint en i a (a ja W) oscis et affole 
A un grant fust que il porte quarre 
Sil nos consiut nos serons ucrgonde. 

8062. n’i ol ne guenci ne tarne. Über die Verbindung von 
unpersönlichem avoir mit dem Part. Prät. eines intrans. Verbums 
handelt Tobler, Gött. Gel. Anz. 1875, S. 1063—64. Einige andere 
Beispiele: ei ne doit avoir lande Löwenr. 104; n’i ait plus aresiu 
Cor. Loo. 025; n’i ait plus demore Jourd. de BI. 4151; il n’i ait 
en Vost ne tolu ne cm hie Gui de Bourg. 297; n’i ol plus lande ne 
fern ne honte Fierabr. 450G; ja n’i avra plus atendu Reuart 10, 
1059 u. a. 

8072. Dahinter in RW: 

Maugre doon et son autre barne. 

In R folgen, noch 7 weitere Verse: 

Seib. et b. se furent desarme 

Et b. a seib. aresne 

Sire dist il per ia uostre boote 

Alo« ueoir liate le pariure 

Lui et fromont qwe so«.t emprisone 

Si les uerront ces chewa/iers prisez 

Les barons a o lui b. mene. 

8073. Dahinter in RW (vgl. Anm. zu v. 8072): 

Les barons a b. oluy mene 
Et auec eulx samb. le barbe. 

8097. Do, nies träitres. „Do, welcher mich verraten hat.“ 
Über diese objektive Verwendung des Pronomen possessivum handeln 
Tobler, Yerm. Beitr. II 2 , 80 und W. Kramer, Die Syntax des Possessiv¬ 
pronomens im Französischen, Diss. Göttingen 1905, S. 93 —94. 
Weitere Beispiele: Tes crcans et les hons ammis Serai St. Remi 
3419; se .. il n’alast vengier Ses tors ib. 4359 u. a. 

Hinter v. 8097 folgen, in RW 3 weitere: 

Par traison et par desloiaute 

Mes se dieu plest le roi de maieste 

Par tens li iert (si est W) molt mau guerredone. 

8120. Dahinter in R: 

Chies un suen oncle qwe gentis est et her 
Arceuesqwe est de Ia bone eite. 



















Anmerkungen. 


273 


8134. Hinter diesem Vera haben RW noch 4: 

Eneontre lni ne porrions durer 

Car (Que W) plus me het que nul home charne 

U?i bon conseil ai quis et controue 

Que nos ferons se il vos uient a gre. 

8148- Lni ne Soibaut que ne fam afoler * R hat nes statt 
was dem üblichen Sprachgebrauch entspricht, aber auch ne ist 
durchaus möglich; que ist das Relativpronomen. 

8151. Das Komma am Schluß ist zu streichen. 

8171. Dahinter in E¥: 

Cil len mercie quant recut (jl tint W) le presant 
Do de maience va (vet R) son oste aresnaJit. 

8210. Zu ergänzen ist } ,fu> e&toiP also liegt ein Anakolut 
vor; RW schreibt daher: fu parmi le baudri . 

8229. Dahinter in R: 

Par auentwre il ment a uos parier 
Resporct li rois bi en puet estre uertez. 

8248. Auf diesen Yers folgen in R 2 weitere: 

Aidez moi sire p ar la uostze honte 
De mon auoir uole^tiers vos do^rai. 

8257. Yar. Der letzte der drei angefühlten Verse (En traison .,) 
muß den beiden anderen vorhergehen. 

8258. Dahinter in RAV: 

Et a damas fu il emprisone 

Molt a soffert poine et andure {—1). 

8305. Var. Der hinter 8305 befindliche Yers auch in W, 

8309. Darauf folgt in RW: 

Nenil ce croi ainz sera compare 
Si bp puet mau li est eneontre, 

8312. Mm pere ot mort , des que fu bmhelers. In v. 418 — 20 
wirft Do dem Gui von Han tone vor, daß er nicht nur seinen Vater, 
sondern auch seinen Oheim Raoul getötet habe. Darüber s. Ein¬ 
leitung S. 169. 

8394. Hounis est Bueves et Soibaus li barbez. In P lautet 
der zweite Halbvers: et a sa fin akz } doch ist die Lesart von RW 
vorzuziehen, da Soibaut eiu ebenso gefährlicher Gegner Doons ist 
wie ßueve. 

8429. monie t rii fist delaimiant. P setzt die beiden Verba 
in den Plural, doch ist der Singular wegen v. 8528 und 8530 un¬ 
zweifelhaft richtig. 

StimaiiUgj Bouie sie UnnttiAe. 


18 






274 


Anmerkungen. 


8449. Dahinter folgen in E1V 4 Verse: 

Et seroiz mis a deseritement 

Se il uos prenent ne (et W) seib. e/isemerat (le vaillentW) 

Ja reancon ne prendront ne argent 
Que ne soiez linre a grawt (f, R) tormewt. 

8453. Dahinter in R\V: 

La feron nos un cenbel auenant 

Nos asandrons et dam'ere (arriere W) et deuant, 

8460. Chevalier et serjant. Der zweite Teil des Verses ist 
in P verderbt; vielleicht stand in der Vorlage trestuit communal- 
ment, wovon das erste Wort in maintre verschrieben wurde unter 
Einfluß von maini der folgenden Zeile. 

8484. Dahinter in HW 2 Verse: 

Et ce (E se ce R) ne fetes ce sera (cest moult 

grant W) foletez 

Tuit en seroiz honi et vergonde. 

8516. lüi. Die Form von P lais kann bleiben, cf. Amn. zu 
v, 454G und Einl. S. GO; ebenso in v, 17 713. 

8527. Mes euers me juge. Diese Lesart von R bringt un¬ 
zweifelhaft das Richtige gegenüber von eors in PW. 

8541. Dahinter in HW: 

Le meillor home que len poist trouer 
Et (a W) toi ftst eie (f. W) en frn deseriter. 

8542. Darauf folgen in RW: 

Vour nule rien ne la deuez (deussiez W) amer 
Einz deussez le sien cors vergonder. 

8551. Auf diesen Vers folgen in RW 4 weitere: 

Car (Que W) tuit diroient li cheualier menbre 
Vez la b. de liantone sor mer 
Qui fist sa mere a martire liurer 
A toz iorz mes me seroit reproue (repronuier W). 

8594 fehlt in P, ist aber als wichtigstes Zeichen der Unter¬ 
werfung durchaus nötig. 

8610. Die in P hinter diesem Verse befindliche Zeile gehört 
nicht dahin, 

Var. 8655: so ist zu lesen statt 7655. 

Var.: Hinter v. 8668, Druckfehler, 1. 8662. 

8719. s'eet li rois en envers moi fausses. Die Verbindung 
i?« envers kann ich sonst nicht belegen; sie findet sieh weder bei 

















Anmerkungen. 


275 


Gerdau* Die französische Präposition en } Diss. Güttingen 1909* 
noch bei Reyelt* Über den Gebrauch der franz* Präpositionen vers, 
envers, demrs etc** Diss, Göttingen 1911* Auch Karl Kellermann* 
Französische Präpositionen in syntaktischer Verknüpfung unter¬ 
einander, Diss. Göttingen 1914, S. 46* kann für en envers nur 
unsere Stelle beibringen* dagegen verweist er für en avers auf 
einen Beleg bei Godelroy I, 52L — "W weicht ab, in R fehlt 
die Stelle. 

8737. Do muß aus RW statt voir in P herübergenommen 
werden, da sonst gesagt werden würde, der König selbst solle des 
Verrats an geklagt werden* 

8765, A il grani gent ou il est a prive? Der zweite von 
zwei dilemmatisehen Fragesätzen zeigt im Afr. meist die Form einer 
Assertion* s. Tobler, Yerm. Beitr. I 2 , 24 sq.; A. Schulze, Der afr* 
direkte Fragesatz, Leipzig 1888* S, 138 — 39; Beispiele bis ins 
16, Jahrhundert bringt Bieringer, Der mittel- und neufranzösische 
direkte Fragesatz, Diss. Göttingen 1010, S. 50* Bei unserer Stelle 
weist T die nfr. 'WortStellung auf: ou oroient il? Weitere Beispiele: 
So nt crestiien u il croient Mahon ? v* 13 441; Venes me vous . . aidier 
Ou vous ve?ies man chastel espiier Bueve III* 5007* 

8772. Der Vers fehlt in P, muß aber eingesetzt werden, weil 
der Wirt doch den Doon seinem Gaste näher bezeichnen muß. 

8776. povre honte , Emen besseren Gegensatz zu den träitaurs 
der folgenden Zeile würde das in W befindliche preudomme bilden* 
doch findet sich jene Lesart in P und in R, und auch in v, 10 416 
heißt es in ähnlichem Zusammenhang: Nus poires kam ?i J est tenus 
en chierU . 

8784. n ? i ont plus demour P hat ait statt ont * doch 
paßt „es möge nicht länger gezögert werden u hier nicht* um so 
weniger, als in der nächsten Zeile auch P mit: S'ont le sermse öi 
fortfährt 

8802. fus couchUs . Auffällig ist, daß hier ira Gebet plötz¬ 
lich die 2, Fers. Sing* verwandt wird, da sonst regelmäßig der 
Plural erscheint* doch wechselt auch sonst in der Anrede der 
Numerus, 

8807. A FAcmsion. P hat A rouvoisons, doch bedeutet dies 
die Gebete für die Feldfrucht drei Tage vor dem Himmelfahrts¬ 
tage* paßt also hier nicht, 

■ 

8823. fern bien escouter — bien escoutera. Uber faire mit dem 
Infinitiv zur Umschreibung des Verbum finitum s. Tobler, Yerm. 
Beitr, I s , 20 sq. 

Hinter 8835 Var. lect. vor km P ist einzufügen: 8836. 

IS» 





27 6 


Anmerkungen. 


8837. Hinter diesem Verse schieben RW 6 weitere ein: 
Dist li porters un petit matendez (actendez W) 

Tant que li rois seit den mangier leue (du mengfer 

soit leuez W) 

Et dist seib. trop nos fes demorer 
Amis biau frere la porte deffermez 
Je uows donroi dou mieu au retorner. 

8862. Sus el palais. Da el pais auch in der folgenden Zeile 
vorkommt, so ist vielleicht besser mit EW Et avec li zu lesen, 
obwohl unser Bearbeiter bekanntlich an dergleichen Wiederholungen 
keinen Anstoß nimmt. 

8860. saiüent. P hat sisent, doch ergibt der Zusammen¬ 
hang und vor allem die Wiederholung von saillirmt in v, 3872, 
daß R W recht haben. 

Var. 8779: so ist zu lesen statt 8879. 

8909. pds. Das auffällige e statt oi stammt aus Ableitungen 
wie peler. 

8936 — 7. Guion a mori . . Par träison, ne n'en fu des fies. 
RW lesen que statt ne, und dies ist in der Tat die gebräuch¬ 
lichste Art, den Modalsatz mit „ohne daß“ einzuleiten. Aber es 
liegt kein Grund vor, die eingesetzte Lesart von P zu beanstanden. 
Nach Bruno Heinrichs, Die Modalsätze im Französischen, )iss. 
Göttingen 1903, S. 59sq. wird der Modalsatz auch zuweilen durch 
einen koordinierten Hauptsatz vertreten; meist tritt dieser allerdings 
asyndetiseh hinzu; seltener aber auch mit Hülfe einer Konjunktion, 
z, B. Bien a vangiee, el si ml sei (ohne es zu wissen), La dame 
la mort son seignor Löwenr. 1362. Mit ne ist allerdings bisher 
kein solcher Satz belegt; aber in dein von Heinrichs S. 91 ange¬ 
führten Satz (mit „modaler Tautologie“): L’anfes se tot et ne dist 
plus Fabliaux 4, 148 könnte ebenso gut ne wie et stehen. 

8960. s’est . . . acordes. Soit acordes, wie P hat, gibt keinen 
guten Sinn, da der König nicht eine Bitte ausspricht, sondern eine 
Tatsache mitteilt. 

9016 und 9025. Rohars. Beidemal hat P dafür Raous, doch 
kommt ein Baron Namens Raoul sonst in der Umgebung des Königs 
nicht vor, während Rohart und Amaurri schon von v, 8285 an 
als Verwandte und Freunde Doons aufgetreteu sind; von v. 9056 
an hat auch P richtig Rohart. 

9044—48 fehlen in P, müssen aber in den Text gesetzt 
werden, weil sonst die Worte in v. 9049, die nur in Soibauts 
Munde Sinn geben, unverständlich bleiben. 

9049, que nos ne querons el. Diese Lesart von RAV paßt 
besser in die Situation als die von T und vermeidet auch die 

■t.M __ 

Wiederholung von gre als Reimwort. 


























Anmerkungen 


277 


9067. Dahinter in RW: 

Sou gttCJTedon aura procheinement 
Ainz que de cort men aille departant. 

9070. le fas vainm. Faire oder rendre in Verbindung mit 
dem Part. Prät. dient zuweilen zur Umschreibung des Verbum 
finitum. So noch in unserem Gedieht in Vint rois fist puis bap- 
tisies et levis v. 18030; sonst: Mais la dame la fiel concluxe (be¬ 
drängt sie, setzt ihr zu) Par les rai&ons qu’el li sot rendre, Si 
que plus ne s’i pot deffendre Fabliaux 3, 270 — 71; h rendrai tot 
vainm Otinel 320; dasselbe Joufrois 442; len renx (1. Pers, Sing.) 
mate Am. et Am. 740, 7G2; fis faire un fu espris Octavian 1658 u. a. 
Letzteres noch im 16. Jahrhundert, z. B. feu ., . Qui couve eneore 
sous ma cendre . . Si ne la rens de tes pleurs apaisee L. Labe, 
Elegie II, Schluß; Venez a moi . . Fi de tous poinels vous rendrmj 
soulagex 0L Marot, Le Balladin v. 159 u, a. 

9094. faut. P liest fait, doch stammt dies wohl von dem 
fait der vorangehenden Zeile, während faut durch v. 9105 und 9140 
gestützt wird. 

9104, qu’il remaigne vivant. P liest que le hisse vivant . 
Da jedoch in unserem Gedichte die 1. Pers. Sing, des Ind, und 
Konj. der ersten schwachen Konjugation der Regel nach ohne e 
erscheint, so ist die korrekte Lesart von E1V einzusetzen. 

9135, la bouche et le nes. Über diesen Akkusativ s. Anm. 
zu v. 1448. 

9170. Faites moi pendre. Diese Lesart von RW ist offenbar 
die richtige, ira Gegensatz von prendre in P. 

9179. Ja ne vivra. P hat verra, doch, brauchen wir hier 
ein intransitives Verbum, verra paßt auch nicht zu dem folgenden 
Temporalsatz mit tant que. 

9184. Soibaus ot joie. P liest duel, doch paßt das hier 
ganz und gar nicht zu der Situation. 

9190. a soissante ans passes. P hat die übertriebene, daher 
unmögliche Angabe „ bien Cent a. p.“ 

9223— 25. Diese 3 Verse fehlen in P, müssen aber aus RW 
eingeführt werden, da die ganze soeben geschilderte Szene sich 
am Morgen zugetragen hat (v, 8783 sq.), in v. 9226 aber vom 
Abendessen gesprochen wird. Die drei Zeilen sind versehentlich 
überschlagen w T orden, weil sowohl v. 9222 als auch v. 9225 mit 
den Worten li baron Chevalier enden. 

9245. lanier. Das Wort stammt nach Leo Jordan (Pest¬ 
schrift zum XII. allg. deutschen Neuphi lologentage, Erlangen 1906, 
S. 74—78) von hnarius „Wollweber“ ab. Die Handwerker und 
besonders die Wollweber waren im Mittelalter wenig geschätzt, oft 
verachtet, und so erhielt lanier die Bedeutung „gemein“. 




Anmerkungen. 



Var. 9263: so zu lesen statt 9293. 

9282. Dahinter in HW 4 Verse: 

Dist lun a lautre molt est eist (eil W) bei arme 
Se (Et W) il a droit dieu li croise bonte 
Au droit en soit ähesu de maieste 
Parmi la porte issent de la eite. 

Diese Verse können auch in der Vorlage von P gestanden haben 
und von P übersprungen worden sein, da der letzte derselben ebenso 
wie v. 9282 mit „de la cite t( endigt. 

9313—17 sind in P wegen des gleichen Reim Wortes destrier 
in v. 9312 und 9317 übersprungen worden; sie sind aber nötig, 
1. um die zwei Schwerter zu erklären, 2. weil Sporen mit zu der 
Rüstung gehören (vgl, v. 9295), 3, schließt sich v. 9318 besser an 
v. 9317 als an v. 9312 an. 

Var. Hinter v. 9342, Druckfehler, I. 9442. 

9351. Dahinter in BW: 

II jureront foi que ie doi a de 

En tel maniere com lor iert (est W) deuise. 

9378. Hinter diesem Verse schieben R¥ deren 3 ein: 

Dou (De W) tout en tout estes vous pariurez 
Si mait dews et eist sei nt e/more 
Et tuit li autre de la crestiente. 

9387. conte. So ist mit R¥ statt duc in P wegen v. 9345 
zu lesen. 

9390. Dahinter in P: 

Si mait die?« et li saint hounere 
Cest grans damages que niestes acorde. 

Diese Verse stammen jedoch unzweifelhaft von einem Kopisten her; 
der erste stimmt wörtlich mit v. 9367, der zweite ebenso mit v. 9436. 
Dazu kommt, daß der Ausdruck Si m’äit dieus wegen des Verbs 
im Singular zwar in v. 9367, nicht aber hier, wo vier Grafen 
sprechen, paßt, sodann daß hier mir ein kurzes Kommando, nicht 
aber eine Betrachtung am Platze ist. 

9404. en mon a&. P hat regne als letztes Wort, doch gibt 
dies hier keineu Sinn. 

9417. Eneor ie pri. Da es sich um.eine Wiederholung der 
ausgesprochenen Bitte handelt, so ist diese Lesart von RW richtig 
und nicht die von P: Je te depri. 

9419. cuides ist für die 2. Sg. des Konj. Präs, nicht korrekt; 
daher wohl besser mit R euide zu lesen. 






















Anmerkungen. 


279 


9422. Auf diesen Vers folgen in RW 8 weitere: 

Ne fus si mes (Que ne fu si W) nul ior de ton ae 

Et respon b. molt (trop W) auras hui iangle 

Bataille auras que je neu ferai el 

Jor de ma vie autre pez ne (ne?» W) ferei 

La mort men pere si dieu plest vewgerei 

Tu loceis par ta desloiaute 

Hui est li jorz que il iert (est W) gwerredone 

Quant do lentent raolt ot le euer ire. 

Auch hier könnte das letzte Reim wort ire, das auch das von v. 9422 
ist, dafür sprechen, daß diese Verse in P von dem Kopisten über¬ 
sprungen wären, doch enthalten sie zum großen Teil nur Wieder¬ 
holungen und scheinen daher spätere Zutat zu sein. 

9463. Der Vers fehlt in P, er wird aber durch den Zu¬ 
sammenhang gefordert. Ebenso ist in v. 9464 die Lesart von P 
zu verwerfen, da sie den Tatsachen widerspricht: Soibaut ist keines¬ 
wegs mit dem König vertraut. 

9494. Der Vers fehlt in P, muß aber eingesetzt werden, da 
bei derartigen Kämpfen regelmäßig die Wirkung des Stoßes mit¬ 
geteilt wird. 

9496. forment. So mit RW, weil P das fort et der voran¬ 
gehenden Zeile wörtlich wiederholt. 

9502. Hinter diesem Verse scheint eine Zeile ausgefallen zu 
sein, in welcher angegeben wurde, daß Doon den Helm Bueves 
traf, entsprechend dem v. 9504, wo von Bueves Schlag gegen 
Doon gesprochen wird. Nur so erklärt sich auch der Singular 
Fors fu li kiaumes (RW) in v, 9503. P hat den Fehler zu ver¬ 
bessern versucht, indem hier v. 9503 mit den Worten beginnt: 
Fors haubers ont, doch steht dieser Plural im Widerspruch zu dem 
darauffolgenden Singular desfant in dem auf haubers bezüglichen 
Relativsatz. 

9525 — 28. Die Verse fehlen in P, sind aber wohl nur ver¬ 
sehentlich überschlagen worden, wozu das gleiche Reim wort abaiant 
in den Versen 0524 und 9528 Anlaß bot. 

9544. Dahinter in RW: 

Vers toi ne puis trouer nule amistie 
Puis qainsi est foi que doi damede. 

9546. Dahinter in RW: 

Come lion hardi et adure 
Et de combatre furent entalente. 

Var. Hinter v. 9571, Druckfehler, 1. 9570. 



280 


Anmerkungen. 


9608. Dahinter in RW: 

Or uoi ie bien que ne mesparnes mie 

Tu nias greue se dews me beneie. 

9613. Contra le cop a l’espee drecie. Nach dieser in P be¬ 
findlichen Lesart würde Doon den Schlag Bueves mit dem Schwerte 
pariert haben, was ja durchaus möglich ist. Da wir aber in v. 9615 
erfahren, daß Bueve den Schild des Gegners zerschlagen hat, so 
werden wir besser in v. 9613 mit RW sa targe statt s’espee ein- 
setzen. 

9617. Der Yers fehlt in P, es gilt aber auch hier das in betreff 
des Verses 9494 Gesagte: die Wirkung des Schlages wird regel¬ 
mäßig mitgeteilt. 

9622. De si as os. P liest au lart statt cs os, doch ist dies 
unmöglich. 

9641. Die Lesart von P stimmt nicht, wie die von RW 
mit der vorangehenden Konstruktion. 

9649. Dahinter in R: 

Et corageus preuz ei hardiz et fier 

Liqwewa q ne muire ce sera granz pechiez (b. v. 9647! 

Toz deus sorct nobile guerrier (— 2), 

9668. a Yestordre qu’ü (ist du branc. Wenn der substantivierte 
Infinitiv ein Substantivobjekt bei sich hat, so tritt dies entweder 
im Akkusativ hinter den Infinitiv, z. B. au commencier l’uevre Guill. 
de Pal. 4053; Si chante au cueillir les floretes Fabliaux 5, 255 u. a., 
oder eben dorthin im Genitiv, z. B. al trespasser d’un pont Aiol 7870; 
bien aperput , . au reprendre de s’aleine Renart 5, 1140 u. a.; oder 
endlich das Objekt befindet sich in einem Relativsatz, dessen Verbum 
faire ist An unserer Stelle zeigt es auch hier die Form eines 
Genitivs; es kommt aber auch im Akkusativ vor, z. B. au immer 
que je fix ma teste Joinv. 432. 

9674. Hinter diesem Verse findet sich in P der Vers 9683 
(also zweimal), er paßt aber an unserer Stelle nicht 

9683. Dahinter in RW: 

Si uit pame tyerri son escuier 

Et seib. mener un duel plemer. 

9690 — 91 fehlen in P, doch ist ohne diese Verse das Folgende 
nicht verständlich. 

9703. Der Vers fehlt in P, ist aber für den Zusammenhang 
unentbehrlich. 

971G. Dahinter in P ein Vers, der keinen Sinn gibt, in RW 
die folgenden 3: 





















Anmerkungen. 


28! 


De ce quoscit mon seignow?* droiturier 

Le preu guion le noble cheualiet (nobile garriw W) 

Selb, comeince bueuon (a beuue W) ahuichier. 

9720. Dahinter in RW: 

La preuz la sage qui tant fet a loer (josienne au corps 

chier W) 

Qui a n menas de {Que tu lessas a W) coloigne lautrier. 

9721. Auf diesen Vers folgen in RW 3 weitere: 

Se ne tespreuues (Et ne tespreuue W) contre cel pautonnier 

A lui nauras iames nul recourier 

Por soue (son W) amor te doiz bien efforcier. 

9723 — 24. Statt dieser beiden Verse in RW: 

Crut li la (sa W) force quant ot seib. le fier 
Et a (Contre W) doon se corut aprochier 
Ja li aura li deifendres mestier. 

9731. Dahinter in RW 5 Verse: 

Que ial ici de ma terre a/imene (amene W) 

Se sui veincus inolt seront uergonde 
Nauront honor iames en mon ae 
Et mes parages en (sen W) soroit auile 
Nel consentez sire par uo bonte. 

9737—39 fehlen in P, können aber nicht entbehrt werden, 
weil sie den Grund zu der Forderung in v. 9736 enthalten. 

9744. Dahinter in RW: 

A son arcon pendoit un brano lettre 
B. le uit graut ioie en a mene. 

9764 — 69. Dafür in W G, in R 5 andere Verse: 

Do en fu molt eorouciez et irie 

Quant son chief sent que il ot estone 

Powr la grant plaie fu li gloz abosme 

Do feri b. un cop desmesure 

Desus le liiaume mais petit la greue 

Grant cop luy paye du branc daci'er lectre (f. R). 

9801. se racoilienL Die Lesart von P: le racoüle stimmt 
nicht zu sont entremelle und ist auch formell zu beanstanden. 

9823. Dahinter in RW: 

Loraille rese dont tu mas vergonde 
Naurci (Jaure W) mes ioie si lauras compare. 



282 


Anmerkungen. 


9848. Dahinter in RV 3 Verse: 

Perdu ot lautre par le ihmi comant 
Bien sen cuida deffendre longuement 
Mais sa deffetice ne li ualut neant. 

Var. Hinter v. 9852: Druckfehler, l 9851, 

9855. Dahinter in RW 6 Verse: 

Qui en la uerge taombras dignement 
Et char et sanc i preis bonement 
Qni feis ciel et (f. R) terre et firmame?it 
Deus qui soufris en croiz languoissement 
Quant li (f. W) iuif vous mistrent a torment 
Rois droituriers qui es saus finement 

9861. Dahinter in RW 4 Verse: 

Que do oscist a duel et a torment 
Or ne leroit powr or ne p our argent 
Que (Qui W) ne locie ou face recreant 
Par molt graut ire li corut mointenant f. W 
Dont le cuewr fut monlt aireenient f. R. 

9865, Dahinter in RW (in den Var. vergessen anzugeben): 
Donc (Do W) ne se pot (peilt W) mouoir ne taut ne quant. 

9873, Auf diesen Vers folgen in RW: 

Com osceis guion par cruaute 
Le mien franc pere qui tant ot noblete. 

9876, Dahinter in RW: 

Par lui serei penduz et trainez 

Nest pas meraoille que bien deserui lei. 

9881. Darauf folgen in RW 3 Verse: 

Si mait d eus et li saint enore 

Qainsi fu il (Que a, fut W) come ie ai deuise 

En tel moniere fu cnem guiz deuie. 

9888. RW haben dahinter folgende 5 Verse: 

Et si dui fll qui molt (tant W) orent bonte 
A b. ont un cheual amene 
P our la chaleur li ont son hiaume oste 
B. monta el cheual abrine 
Es tos le roi et o lui son barne, 

9895. Dahinter in y. RW: 

Tout (Des W) mointenant descent a son oste 
Si home o (a W) lui que il ot amene. 


























Anmerkungen, 


283 


9907—8. Statt dieser beiden Verse in RAV deren 3: 

A un conseil sont lä glouton ale 
Et dient bien a lor eonseil priue 
Eincois un an acompli et (ne AV) passe. 

9909. Dahinter in RAV: 

Si firent il q«e mar fusent il ne 

Com uos orroiz sil (se jl W) uos est chante 

Oez q ue firent li glouton desfae. 

9911. deseröS, wie RAV haben, entspricht dem encröer in 
v. 9900, während aporte, wie P liest, hier keinen Sinn gibt. 

9925. Par eis meisme „durch sie allein“ ist die Lesart von P; 
RW lesen: Par hur mecines, was vielleicht natürlicher ist. 

9953. Dahinter in RW 4 Verse: 

Je sui vostte hom ce ne puis ie noier (veer W) 

Et uos messires terriens droiturier 

De mon afere uos ueil dire et noincter (prier AV) 

Jeunes hom sui ne pris onques moillier. 

9959 — 60. Dafür in RAV 3 Verse: 

Li rois hermins macheta a dentcrs (or mier W) 

Qm cel pais auoit a iustisier 
Une Alle ot qui me ftst cheualwv. 

9983. Se ses pere ert . . fines. Ert ist selbstverständlich 
Imperfekt, nicht Futur; R schreibt deutlicher ere, 

9985. Si en ariez. P hat Si en aroit, doch haben RAV un¬ 
zweifelhaft das Richtige, da es sich, wie der vorangehende Vers 
beweist, für den König darum handelt, daß Bueve, nicht daß Josiane 
einst ein Königreich erben wird. 

10011. tout sommes rasase. Rasaser weist Godefroy (6,605) 
einmal im Aim. de Narb. 187 nach: Dont (sc. des granz avoirs) 
la die foni si bien rasazer Qm riens rii faut q’an sacke deviser, 
woraus sich die Bedeutung „reichlich versehen mit“ ergibt. Das 
Part. Prät. kommt aber auch zweimal in den Narbonnais vor, näm¬ 
lich: Tote vostre ost en sera rasazee De cele sauvagine v. 3555 
und: Lors fu la mle gar nie et rasazee v. 6365; ebenso in: il sont 
rasazi (im Text ohne Grund rasasie) de viande Claris et Laris 1704. 
Endlich auch in der dritten Fassung unseres Gedichtes: Tele richesse 
ont laiens conquestee } Taute en fust Räume u Troies rassasee 
Bueve III, 13820. Das AA r ort hat also etwa denselben Sinn wie 
das Simplex ß.?ase, das oft in Verbindung mit manant oder riche 
vorkommt (ohne dies z. B, v. 8379, 16 294 u. ö.) und wie dieses 
„reich“ bedeutet. Diese Bedeutung passt auch an unserer Stelle, 







284 


Anmerkungen. 


da Bueve die vom Könige geschenkten vier Maultierlasten mit Kost¬ 
barkeiten (v. 9988—89) mitbringt. HW lesen demenex noblete. 

10024. Dahinter in RW 3 Verse: 

B. la mort par force (occis W) en champ mate 
Yeant le roi et son riche (et voyant son W) barne 
Vengiez sen est bien (tont W) a sa voulente. 

10030. Auf diesen Yers folgen in RW 3 "weitere: 

Et par les rues de la bone eite 

Ont maint cluer poille et meint bliaut gite 

Par les fenestres ou furent li oste. 

10 033. de la bone eile. Diese Lesart von RW ist unzweifel¬ 
haft die richtige, da es sich um die Bürger der Stadt Han tone 
handelt, während die Lesart von P: en viron et en le die des 
ganzen Landes bezeichnen würde. Dann muß natürlich auch im 
folgenden Yerse die Lesart von RW eingesetzt werden. 

10038. Dahinter in RW 3 Verse: 

B. cheuauche le frein abandone 

Auecques (Ouec R) ceus que il a amene 

Viren t ces genz que (qui W) contre aus sont ale. 

10048 — 9. Les haus barons . . a menes Dusc’avoec lui en 
son palais pave. Die Verbindung der beiden Präpositionen „bis“ 
und „mit“ ist auffällig und ist mir auch sonst nicht begegnet 
Kellermann (s. Anm. zu v. 8719) belegt jmque mir verbunden mit 
a, apris, empres, aupris de, ckex, dega, delä, dehors, derriere, 
devant, en, endroit, entre, outre, par-dessus, sous, sur und vers; 
avee nur nach de und hors de. W hat auch ovec, avecques allein. 
Auch dusque allein würde einen guten Sinn geben. Man braucht 
aber deshalb jene Verbindung doch nicht zu beanstanden; avuee 
hat darin offenbar die Bedeutung von ehes; dies mehrfach, z. B. 
com fu repairies . . ne l’estul mie Proier d’akr avoc s’amie Floris 
et Liriope 460 u. a. 

10066. cele bone eite. Diese Lesart von RW ist der von P 
k'o lui ot amene vorzuziehen, weil letzterer Halb vers auch v. 10070 
vorkommt. 

10118. foni ee$ ours , . berser. Bären werden in der alt¬ 
französischen Literatur verhältnismäßig selten als Jagdtiere erwähnt, 
doch führen E. Bormann, Die Jagd in den altfranz, Artus- und 
Abenteuer-Romanen, Marburg 1887, S. 65 (§176) und F. Bordiert, 
Die Jagd in der altfranz. Literatur, Diss. Göttingen 1909, S. 20 
mehrere derartige Stellen an, z. B. Boeve de Haumt. 1494, De- 
struction 96, Roman d’Escoufle 1711. Dazu kommt noch: Cacher 
vont es fores ,. Äs smglers et as cers et as ours Ren. de Mont. 89, 20; 
betet fait un graut ors que il a Aym. de Narb. 3851. Auch in 





Anmerkungen. 


285 


Bueve III, 3570 hat Yvorin, allerdings in dem morgenländischen 
Reiche Monfbrant, auf der Jagd einen Bären erbeutet 

10122, ckl grant palais pknier* Diese Lesart von RAV ver¬ 
dient den Vorzug vor der von P, die wörtlich auch in v. 10119 
vorkommt, 

10130, fres hermine ehier . Das Afr. brauchte hermin und 
hermine als Substantivuni, aber beide der Regel nach männlich, 
während das AA r ort im Nfr, stets weiblich ist 

10138. levent apris mengier. Bekanntlich wusch man sich nicht 
nur vor, sondern auch nach der Mahlzeit die Hände (s. A. Schultz, 
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger (1889)1, 432; P, Zeller, 
Die täglichen Lebensgewohnheiten im afr Karls-Epos, Marburg 1885, 
S. 39, Anm, 125); vgl, Apris mengier ont li baron lave v, 16918; 
apres mangier } quant il orent lave Bueve III, 4893; Qant U Che¬ 
valier ont mangle y Lave s'en sont sor le planchie Octavian 3177—78; 
Quant ot disne } on lava Meiiador 12429 il, a. 

10149, Statt dieses Averses sind vielleicht mit RW deren 2 
einzusetzen, indem man nämlich im ersten et denkrs liest und 
dann: Les riches dras et les courans destriers ein fügt. 

10168, Dahinter in AA r : 

Faictes les moy ysnelemerct mander 

Et dit tierry moy y comiient aler (“ v, 10167) 

Ce respont b, bien le vueil creanter (cf. v. 10168). 

10188, unes broies , AVie aus dem Folgenden hervorgeht, be¬ 
deutet dieser Ausdruck (eigentlich „Bretter“) hier eine Quetschmaschine, 
bestehend ans zwei parallelen Platten, zwischen welche die zu zer¬ 
quetschenden Gegenstände gelegt wurden, worauf die beiden Platten 
gewaltsam aneinander gepreßt wurden. Zur Verstärkung der Qualen 
der zu quetschenden Personell wurden die beiden Platten auf den 
Innenseiten mit hervorstehenden Nägeln versehen (v, 10189), Die 
obere Platte wird hier v ( 10190 broion genannt (v. 10 188, 10224), 
und das Äneinanderpressen wurde von 14 Knechten (v. 10227) be¬ 
sorgt, wie es scheint, indem diese sich auf die obere Platte stellten, 
möglicherweise auch mit Hülfe von Schrauben oder Kurbeln. 

10190. broion stimmt zu bt'oies v, 10188 und kehrt v. 10224 
wieder; die Lesart bourgois in P, die keinen Sinn gibt, beruht auf 
einem Schreibfehler, 

10197t Id dusj mes pere. Li cmm von P kann beibehalten 
werden, da Hantone bald als Herzogtum, bald als Grafschaft be¬ 
zeichnet wird, vgl, Anm. zu v. 296; RAA r lesen Gm f li miens pere, 

10207. Dahinter in R: 

A r endu a honte et a doleur Hure 

Par eus ai je meinz g/anz uia m emiure. 







286 


Amnerkungen. 


10211. Der Vers, den P dahinter einfügt, bildet inhaltlich 
zu dem in v. 10211 Gesagten einen "Widerspruch, ist also als Ein¬ 
schub eines Kopisten anzusehen. 

10215. pendes. Pendre hat hier, wie aus dem Folgenden 
hervorgeht, die allgemeine Bedeutung „töten“. 

10241. adoir. Druckfehler, L ardoir. 

10243. Dahinter in RAV 165 Zeilen (s. Anhang II). 

10 255. Dahinter in R\V 3 Verse: 

Et ie ses ho ns ce ne puis noier (veoir W) mie 
Par tens couient que iaille en son seruise 
O moi menrai de ma grant baronie. 

10261. cor, 1. c’or, s. Anin. zu v. 7008. 

10275. Dahinter in RW: 

Sest gentis hons et de haut (gent W) parente 
De mes frans homes vueil que (qui W) soit eunore. 

10277. l’archevesques. Es läßt sich nicht erkennen, welcher 
Erzbischof gemeint ist; vorher ist von mehreren solchen die Rede 
(v. 10269). 

10 303. Der Vers fehlt in P, muß aber eingefiigt werden, 
weil sonst v. 10304 nicht verständlich ist. 

10377—78 fehlen, in P, erscheinen aber notwendig, da man 
doch eine Bemerkung von. seiten des Königs erwartet. 

10419. ei ainsi maumene. F liest dafür: et tont mon parente, 
doch steht diese Lesart mit dem Inhalt von v. 10417 im Wider¬ 
spruch. 

10433. Dieser Vers, welcher in P fehlt, muß eingesetzt 
werden, weil sonst v. 10434 in Bueves Mund keinen Sinn geben 
würde. Dann muß aber auch in v. 10434 die Lesart von RW 
genommen werden, um die Wiederholung von dieus zu vermeiden. 
In der Var. leetio von v. 10434 muß P statt RW gelesen werden. 

10446. Hinter diesem Verse wiederholt P die beiden Zeilen 
10441—42, die aber hier nicht passen, 

10459. Dahinter in RAV: 

Tot {Des AV) meintenant li {len Al'} est aus piez 

(au pie W) alez 

B.len a doucement (moult tost len a susW) releue. 

10478. esterlins. Der Ausdruck „Sterling“ erscheint schon 
damals sehr häufig, wenn es sich um englisches Geld handelt, z, B. 
v. 12 697, 12 907; Bueve I, 6223, 6231; s. Anm, zu Bueve III, 4870. 
Aber auch in Frankreich ist esterlin der Name einer gangbaren Mtinz- 
art, welche vier deniers galt, s. Beiz, Die Münzbezeiehuungen in der 
ultfranzösischen Literatur, Straßburg i.E. 1914, S. 25 — 27. Was den 






























Anmerkungen. 


287 


Ursprung des Wortes betrifft } so erscheint soeben in den Hansischen 
Geschichtsblättern (1917,. S. 1—22} ein Artikel meines hiesigen 
Kollegen Edw* Schröder, in welchem er es von * staterting herleitet, 
einer Ableitung des grieeh.-lat Wortes staier, welche wie dieses 
„Normalmünze“ bedeute. Das Wort habe dann ins Französische und 
Anglonormannisehe Aufnahme gefunden und sei von hier aus auch in 
das Englische eingedrungen. Das ist alles wenig wahrscheinlich, 

10493, Dahinter in HW: 

/ 

Gele part droit se (sen W) guenchi et ala (tourna W) 

Vint a la porte fermee la troua* 

10499, Auf diesen Vers folgen in BW noch 4: 

Arriers sen uoist q ue (va ia W) le pie ni metra 
Ne en sa vie mes ni (ne le W) recouerra 
Martins lentent grant mautalant en a 
Lors iure dieu iames ne se (sen W) rnoura, 

10517. dis des nos . EW lesen dis des Martin } doch kann 
die Lesart von P beibehalten werden, da der Dichter mit seiner 
Sympathie auf seiten Maxi ns steht. 

10541 — 42, Tout eil . * Fist il destruire, et für ent malbaillis. 
Yon den beiden koordinierten Yerben verlangt das eine den Nominativ, 
das andere den Akkusativ. Der Dichter hat den Nominativ gesetzt, 
der Akkusativ ist also aus dem Sinne zu ergänzen, 

10550. Cousin et onde ? aulre progain. Diese Lesart von R, 
d. h. der Nom, Plur., ist unzweifelhaft die richtige. Dann müßte 
man konsequent er weise allerdings auch ami schreiben; amis ist 
von dem Kopisten eingesetzt worden, um einen Augenreim her- 
zustellen. 

10 584 —85 (in der Varia lectio versehentlich 86). Die Lesart 
von EW verdient unzweifelhaft den Vorzug vor der von F, die 
drei Zeilen umfaßt. 

10 G14. lei eommenee canchons de nobleU . Deutlicher Hin¬ 
weis auf den zweiten Hauptteil der ganzen Erzählung. 

10 GIG, une feste Tune soUempnüe. Han erwartet de grant 
sollempnitöf wie v, 10 634, doch stimmen alle drei Hss. überein, 

10 666 . Ne respondi P liest nel statt ne, aber einmal wird 
li sehr selten angelehnt, sodann macht der folgende Satz es wahr¬ 
scheinlich, daß auch der erste kein Objekt hat. 

10696. Dahinter in RW: 

Es prez doit estre desoz cele eite 

Et li rois a et (f, W) dit ei creante (commande W). 

10 764. Aingois que Buerns, P liest ains statt aingois } doch 
würde dann dem ersten Teil des Verses eine Silbe fehlen oder mau 
müßte inkorrekt Buevons schreiben. 










288 


Anmerkungen. 


10 785 — 93. Diese Verse fehlen in P, sind aber unentbehr¬ 
lich; das gleiche Reim wort grant in v. 10884 und 10893 hat das 
Überspringen veranlaßt. 

10 790. bute bedeutet sonst fig. eine Scheibe, Zielscheibe; 
hier offenbar das Ziel des Wettrennens. 

10 803 In den Var. ist nachzutragen, daß dieser Vers in 
P vor v. 10801 steht. 

10 884. Ne le porries. P hat qe statt ne. Dagegen ist aber 
einzuwenden, daß nul ohne ne nach Jäger (Die Syntax der un¬ 
bestimmten Fürwörter tel, autre und nul, Diss. Göttingen 1906, 
S. 103) im älteren Altfranzösisch überhaupt nicht vorkommt, daß 
sich vielmehr erst vom Ende des 13. Jahrhunderts an einzelne 
Ausnahmen finden. Dazu kommt, daß [* que fast immer durch q’ 
wiedergibt, seltener que ausschreibt, aber niemals die Schreibung qe 
verwendet. Demnach liegt unzweifelhaft ein Schreibfehler vor. ~~ 
Am Schlüsse des Verses setze Anführungs striche oben. 

10926. s’U le voü que perem soion. Setze ein Komma 
hinter voü. 

10939. Dahinter in RW: 

Tant en donrons or et argent foison 
Que de sa inort bien nos acorderon. 

10954. Dahinter in RW: 

Seignow dist b. oez que vos requier 
Desus les euz et les menbres tranchier. 

10963. An Stelle dieses Verses finden sich in RW 7 andere: 

Dune cliaene le fircnt anfergier (enferrer W) 

Per ce le firent mentir ne uns en quier 
Qwan nel peust embler ne esloigm'er 
Au fuiz le roi uos deuons repainer 
Qui taut auoit golouse le destrier 
A londres fu sus ou (le W) pal es plem'er 
Formest pensis ni ot qwc corroucier. 

11040. fu geMs . . a essil. P liest a estri, aber Bueve wurde 
später bekanntlich in der Tat verbannt, und dazu kommt, daß estri 
kurz zuvor, in v. 11037, als Reimwort vorkommt. 

11044. un baston pumeri. Das Adjektiv ist selbstverständ¬ 
lich eine Ableitung von pomier; Godefroy belegt nur pomerin. 

11047, estordi „betäubt“ paßt nicht gut neben mort, findet 
sich aber in allen Handschriften. 

11075. Du pie regele. Über regeter du pi6 oder des piis 
„mit den Füßen ausschlagen“ s. Tobler, Mitteilungen S. 266. 

11108- Der Vers ist aus RW genommen, weil die Lesart 
von P nicht in den Zusammenhang paßt. Dann muß aber auch 




















Anmerkungen, 


289 


in v, 11110 der Text von RW eingesetzt werden, um eine Wieder¬ 
holung des Reimwortes vivant zu vermeiden. 

11115 * piumant ? auch piument t pimeni , pignient ist die all¬ 
gemeine Bezeichnung für den Würz wein, d, h. Wein, welchen mau 
durch Zusätze, wie Honig, Zucker, Kräuter, aromatische Wurzeln, 
Säfte u. dgL wohlschmeckender zu machen glaubte (s. 0. Klauen¬ 
berg, a, a, 0. 54 scp). 

11121. vit tant prinee vaillant Gisant, wie P statt vaillani 
hat, ist unmöglich, da außer dem Königssühn nur Amaurri getötet 
worden ist. 

11137. Statt dieses Verses haben RW deren 3: 

Quarat 11 rois uit le cors (roy W) de son enfant 
Gesir en biere eircsint feitierement 
Mointenant uet sa doulor enforchant. 

11138 und 11139, Es liegt auf der Hand, daß RW mit 
embrace und regrete das Richtige haben gegenüber von dieu jure 
und regarde in R Da nun P regarde statt regrete geschrieben hat, so 
hat es auch den Wortlaut der Klage (v. 11140 — 43) unterdrückt 

11144. la röine. Von einer Frau des Königs, die in dieser 
Szene eine nicht unerhebliche Rolle spielt, ist bisher niemals die 
Rede gewesen; vgl. Einleitung S. 160. 

11146. Dahinter in RW: 

Et clerc et lai et toute lautre gent 

11148. Dahinter in RW: 

La franche dame a pourpenser se prent. 

11149. Dieser Gedanke begegnet in den Volksepen häufig; 
vgl. v. 11152, 11154, 11643 u. a, 

11159. Hinter diesem Verse wird in W v. 11158 wiederholt. 

11164. Va nouri et tenu tonguemant P liest assäs et statt 
et tmu, doch paßt- das nicht zu nouri . 

11169. Dahinter in RW: 

Taisez u os en nen parlez en auant 
A uos nafiert de ce parier neant. 

11174, embierä* Emombre, wie P statt dessen hat, gibt 
keinen Sinn. 

11202. Der Vers, den P dahinter einschiebt, ist unzweifel¬ 
haft der Zusatz eines Kopisten; er paßt weder in die Konstruktion 
noch in den Zusammenhang, stimmt außerdem fast wörtlich mit 
v, 11 247 überein. 

11204. Dahinter hat R 3 Zeilen hmzugefügt: 

Dou graut pales aualent le degre 
Vers löstet b, se sowt aehemine 
Heuer le ueulent li TOis lot commande. 

Stirn miag, Boeve de Kuntoue. 







290 Anmerkungen. 

11227. pour de. Daß so mit R¥ zu lesen ist, ergibt sich 
f aus pour les sains des folgenden Verses; dann, muß es natürlich 

i ,V auch de lui statt de dieu (P) heißen, 

|U 11239. av4s vostre essoine trouve. Auch conte von RW gibt 

einen guten Sinn. 

!j | 12246. Ja ist mit RW zu lesen statt La in P. 

11255. s'est li rois ?noult 1ms te. Gegen die Lesart von P 
a gründe volenti spricht, abgesehen von der Form gründe t daß auch 
im vorangehenden Verse velt vorkommt. 

11258. Dahinter in RW: 

Car trop le uirent corroucie et troble (irie W) 
j Son Beremmt en a (ot W) li rois iure. 

, 11268. acort. Diese Lesart von R ergibt sich aus dem Zu- 

sammenhang als die richtige gegenüber von P {recort} und W [confori). 
( 11276. Qu’il ne les face de male mort finer. Natürlicher 

jj !t erscheint es, mit RW Que il nel zu lesen, d. h. die Drohung auf 

Bueve zu beziehen, doch gibt auch die Lesart von P einen guten 
;• Sinn, sie stimmt auch mit dem Inhalt von v. 11332 — 33 überein. 

11311. Dahinter in R 2 Verse: 

Fuiz ert au roi que molt le pout amer 
Tour cel enfant le ueaut li rois iugier. 

11315. Dahinter hat P einen Vers eingeschoben, der aber 
: nicht in den Text gehört; er ist eine Vorwegnahme des Verses 

11330, der ganz gleich lautet. 

11336. Der Vers fehlt in P, äst aber für das Verständ¬ 
nis nötig. 

11338. cest prince. Diese Bezeichnung wird nur hier auf 
Bueve angewendet. 

j i" 11365. Der Vers fehlt in P; da er aber dem oben Erzählten 

■. entspricht und dazu dient, die Rolle des Maxin, der nur in unserer 

Fassung vorkommt, als bedeutungsvoller erscheinen zu lassen, so 
war er unzweifelhaft einzusetzen. 

11384. Dahinter in RW: 

Quant li baron oent bueuon parier 

De grant pitie (pitie gr. W) commencent a plorer. 

11388. eschene. Über esekerir s. Anm. zu v. 728; denkbar 
ist auch eschevie, wie R liest, „beendet“. 

'*.»{ 11389sq. Das Machtgebiet des englischen Königs reicht hier 

, 'j auffallend weit, nicht nur über Frankreich, Bondern auch über 

; Savoyen, die Lombardei und bis nach Ungarn. Da aber in v. 11405 

* | gesagt wird, daß Bueve schwor, England zu verlassen, was allein 

; | den tatsächlichen Verhältnissen entspricht, so beruht diese Angabe 

auf der Erfindung des Bearbeiters. Nun erscheint aber in unserem 











Anmerkungen. 


291 


Gedichte später der König von Frankreich umgekehrt als Lehnsherr 
von England (s, Einleitung S, 144 sq.); demnach hat der Bearbeiter 
zwei einander widersprechende Angaben übernommen, was bei seinem 
Mangel an Achtsamkeit nicht auffällig ist Vielleicht aber verdankt 
die Baisse 191 einem noch späteren Bearbeiter bzw. einem Kopisten 
ihre Entstehung, der seine geographischen Kenntnisse zeigen wollte* 
Es entsteht nämlich keine Lücke, wenn man sie streicht. 

11429* Dahinter in R 3 Verse: 

Tyerri dist b. entendez a moi ca 
En cel destrier qui tant greue nos a 
Hetez ma sele car n os en irom ia* 

114B2* les barons * P liest dafür les bourgois, doch ist von 
Bürgern hier nirgends die Rede* 

11434, An Stelle dieses Verses in R 4 andere: 

Au departir doucement le besä 
Ei b. lui car duremmt lama 
(Jänners le roi de mort gararcti la 
Ei empres dieu sa nie li tensa* 

11445, Dahinter in KW: 

Mais ne puet estre q ue dews nel (non fera dieu ne le AV) consenti 
A la röche erent lor chastel seignuri (leur ehemin acueilly AV). 

11447. et li eortois Tierri . So ist mit KW zu lesen, weil 
Thierri das Ehepaar begleitet, während P ihn nicht mit auf führt 

11454 — 57. Die Verse fehlen in P, doch ist es nicht wahr¬ 
scheinlich, daß sie spätere Zutat sind; vielmehr spricht das gleiche 
Reimwort garnie in v* 11453 und 11457 dafür, daß sie in P ver¬ 
sehentlich Überschlagen worden sind. 

11475* Der Vers fehlt in P, muß aber eingefiihrt werden 
mit Rücksicht auf v* 11477* 

i 1518. Noire-Conible. Ein derartiger Name findet sich nicht 
In dem Verzeichnis von Langlois; v. 11580 und 12831 heißt die 
Stadt Noire-Combe, — In Fassung III bezeichnet derselbe Name, 
allerdings in der Plmalform, einen Wald (s. Namenverzeichnis). 

11582. Ou Josiane estoit. Diese Lesart (RAV) paßt besser 
in die Konstruktion als die von P> 

11604. Que ne s’esfroie* Diese jüngere Form der 3. Sing, 
des Konj. Präs* wird durch das Metrum nicht gesichert; man kann 
sie daher dem Kopisten zuschreiben und s’esfroü lesen, da die 
Grammatik den Konjunktiv fordert* 

11608, Dahinter in RAV: 

Por ce lenportent li gloton soduiant 
Que a (Qua R) celui sera reconfortant. 


19* 




292 


Anmerkungen. 


11658. Darauf folgen in EW noch 3 Verse: 

Deus le conduie qui ne faut ne ne ment 

De io. est pensis durement [ment W). 

Quant lu perdue angnoisse en a tres grant (ainsi faictiere- 

116G2. adiree. Über das Verbum adirer „verlieren“ s. Zs. 
f. rom. Ph. 36 (1912) S. 748. Dasselbe in: ü ot son signour adire 
v. 11805; Josiane, que il ot adiree v. 13 258; mon enfant . . ai 
adire v. 14107 (s. Tobler, Wb. 1, 145—46). 

11663. la U renge. P hat les statt ia ; obwohl jenes an 
und für sich ebensogut ist wie dieses, so spricht für la einmal, 
daß auch adiree den Sing, aufweist, desgleichen das V ( l’avra in 
v. 11664), das sich in allen Handschriften findet. 

11666. um senk ake. Die Verba der Bewegung haben ab 
und zu einen Akkusativ bei sich, welcher den Ort angibt, auf 
dem die Bewegung vor sich geht, z. B. li chevaus marcha le fust 
Qui tenoit la porte Löwenr. 942; le (sc. le lerre ) commenderent a 
courir Froissart, Chron. (ecl. Luce) 7, 56; Moultes terres ai errees 
Tobias 635; quant il (sc. die Sonne) at alees Trestutes les eontrees 
Comput. 1861; tante voie ot ake Cleom. 12492; taut ont la mon- 
tagne ake Renart 1, 1197 u. a. Ursprünglich lag in dieser Kon¬ 
struktion der Acc. loci vor, wie in: Ce chemin . , trag touz jours 
Miracles N. D. 17, 1077 u. ä., aber schließlich fühlte die Sprache 
in den Akkusativen ein Objekt (cf. pareourir ), konnte die Kon¬ 
struktion daher auch ins Passiv verwandeln, so hier und in: Ei 
fu toute kt, ditte eite eourute Froissart, Chron. (öd. Luce) 7, 46. 

11667. antree. Druckfehler, 1. antee. 

11668. Dahinter in R 3 Verse: 

Que cele guart que tant chier a eue 
Car molt se crient quil ne lait perdue 
A tant sen issent de la forest herbue; 
in W 1 Vers: 

De la forest ont veue lissue. 

11669. Tierris et Bueves est . . issus. Nach zwei durch et 
verbundenen Subjekten findet sieh das Verbum hin und wieder im 
Singular, s. L, Krafft, Person und Numerus des Verbs im Fran¬ 
zösischen, Diss. Göttingen 1904, S. 83. 

11 682. moult se daimme dolant. So mit EW; in P (et daime 
mescheant) fehlt se und, wenn man es einsetzt, so wird der Vers 
um eine Silbe zu lang. 

11692. Dahinter in RW 4 Verse: 

Or la conseut eil sires qui ne ment 
Perdue la se dews ne la li lent 
Par mer la» moinent sarr. et persant 
Rendre la cuidont yuorin de mon braut. 



























Anmerkungen, 


293 


11708. Auf diesen Vers folgen in R 2 Verse, in W einer: 
Molt mesmeruoil oomment de«s le consent (f. W) 

Que iai perdu bueuo«. le mien ament, 

11711 —13. Die Verse fehlen in P, aber die Worte „das 
nützt Euch nichts“ in v. 11715 machen es wahrscheinlich, daß 
Bie einzusetzen sind. 

1171G. Dahinter in EW 3 Verse: 

Grant ioie aurez onc neustes si grant 

Richece auoir (auroiz W) tant com tos ert (est W) talant 

Ainz tant nen orent tuit 11 uostre parant. 

11718. Auf diesen Vers folgen in RW noch 3: 

Amirant est molt a grant tenement 

Et plus uos aime que nule riens {chose W) uiuant 

Vous estes cele qwe plus uet desirant. 

11723. Dahinter in RW 8 Verse: 

Par le pais si seule (pouure W) et poorement (senilement kV) 

Or auroiz tant de lor et de largent 

Com uös plera et uos uient a talent 

Quant io. antendi cele gent 

Ke sout que fere ne pout estre aut rem e nt 

Ades regrete b, le sien amant 

Amis dist eie a ihe.su uos (te W) eommant 

De vos veoir sui molt desirraut (fehlt W r ) 

Trop me merueil commejjt dieu se consent (fehlt R). 

Sh 

11737, seronl Das Futurum (RW) ist wegen der Überein¬ 
stimmung mit y# 11734 besser als das Präsens (sont) von P; der 
Dichter spricht hier eine Prophezeiung aus, 

117 GO. ne sai . . . la ou est ale. La ou steht mehrfach 
wie hier im Sinne von cue, meist in relativiacher Verwendung; so 
in: Ti tint Fesrnt , ., La au Mahons fu painiures Bueve III 4174; 
fiel sai ou trover En nule ierre la ou je j misse ater ib. 11531; 
est croisiez Paar ater m cele voie La ou eil pas ne stemploie Wie 
Ludwig IX. das Kreuz nahm (Zs, f. rom, PhiL 32, 74) v. 5; Des si 
a Salenike la u devoimt ater N*avoit , . . que sei Heues Aiol 0978; 
a grant envie . * . du Heu la ou il habile S* Ebrulfus 1981; s'en 
retorne edle part La ou il avoit habüe S, Remi SOS; En la voie 
et ou pavement Par la ou U rois dut descendre Fist , « - ib. 3837; 
dasselbe auch in der zusammengezogenen Form lau\ so in: Li 
boem peseherres s’en ala . * En la ierre lau il fu ne% St. Draal 
(p. p. ilicJiei 1839) 3459 ; u le poroii on trouver? Bien seroit que 
on regardast Lau il est et don y alast La Dame a la lycorne 4810; 
Partout lau vient ? voie li foni ib. 4DG8; Si les mainne u grant 
töui’noi Lau il avoit molt grant effvoi ib. 678L Damit ist y* 12 384 





294 


Anmerkungen. 


uaseres Gedichtes zu vergleichen: aves oi dire, Ensi com Bueves 
se prist a dementer, ebenso la dame li a eonie Ainsi come de 
avoit ovre Octavian 4867 wo ainsi com für com steht. 

Umgekehrt begegnet aber auch la hin und wieder im Sinne 
von ou, la du. So heißt es in dem oben erwähnten Gedichte 
Über Ludwig IX.: Trop me tarde que n'i soic La dieus fu crucefüex 
v. 9; rcspandra , . son sanc . . en la terrc La dieus nasqui v. 70; 
sonst in: au chemin fors La on enfuct sovent les cors, . . ihtec 
m'alent Berol, Tristan 1910; n’est pas osteus a pe$oier Ne la on 
doie formier Ille et Galeron BI36 (wo mit Unrecht Foerster la 
in ou , Löseth in lau ändert); Ainqoia vous . . metroie kors de la 
voie La on ne vous poiroit trouver Que le deusaiex espouser 
Cleom. 2273; Li cor Heu s'en sont ale Partot la lor fu comtnande 
Cristal et Clane 6754 (in der Anm, eine falsche Erklärung); La 
71 a kal soris moult souvent y revielle Gilles li Muisis I. 311; 
Lour parole n'est fors vcns, Car la on cuide courtoisie . . . n'a 
fors triquerie Matthäus der Jude (ksg. von Wolff, Diss. Greifswald 
1914) IV, 3, 4. Einige weitere Beispiele gibt Meyer-Lübke, 
Eom. Gr. 3, 671. — La begegnet sogar in temporalem Sinn, d. h. 
im Sinne von „als“, z. B. Monia seur mer a une ajournee La on 
li eut sa navie aprestee Eueve III, 16 361. 

11 766 — 70. Diese Verse fehlen in P, aber der Plural se 
sont achemmi in v. 11771 kann nicht unmittelbar auf n’i a plus 
dmioure in v. 11765 folgen; die Verse sind also einzusetzen. 
P hat dann hinter v, 11771 einen Vers eingefügt. 

11786, Gegen die Lesart von P ist einzuwenden, daß honere 
zwei Zeilen vorher auch als Reim wort erscheint. W steht P ganz 
nahe, schreibt nur au cois molle, was mehrfach als Beiwort von 
Josiane vorkommt, z. II. v. 6681, 7507, 11912; daher habe ich 
die Lesart von W in den Text gesetzt; R weicht ab. 

11841. Dahinter in EW 4 Verse: 

Ei leure soit de dien hien euree 

Questes resqueuse a ceste (resconse le W) gent desuee 

Cest auenture et flere destinee 

Quo dieu de gloire ma souferte et (soufrete “W) do/mee. 

11842, Dahinter in RW: 

Et de bueuort. se il vos plest et agree 
Coment en futes partie et deseuree. 

Var. 11844, Druckfehler, 1. 11843. 

1.1852 (inVar. fälschlich 11952). Dahinter in R 8, in W 7 Verse: 
Quant seib. ot io. escoutee 
Ce sachoiz bien gra«t ioie en a menee 
De ce quele est seine ef sauue eschapee 



















Anmerkungen. 


295 


Et que il (quil R) lot (ot W) recouquise a lespee (son espeeAV) 

Mes dautre part mointe lerme a ploree 

Car il ne Bout (scet W) le leu ne la contree 

One bueuoji treusse (trouisse AV) dom (dont AV) a grant desirree 

Dien le li rende et la nirgenoree (fehlt AV}, 

11858, Dahinter in E¥; 

Le fuiz le roi gita mort estendu 
Don b, dnt estre as forches pendu. 

11 871, Dahinter in RW; 

Mon droit segnor a cui hows liges sui (su AV). 

11872, dusqu'as bonnes Artu r Diese Bezeichnung für einen 
fern gelegenen Ort begegnet mehrfach in den altfranz. Epen (s. Langlois, 
a. a. 0. S. 49). Sie findet sich auch Bueve III, 2030 und 13251. 
Hinter diesem Verse hat R exngesehoben: 

Cite ne uile estrange ne coneu 
Que tot ne cerche a laide de ih&su. 

11875, Dahinter in RAV: 

Molt mas aide gentis hom et ualu 
D bus me lest uiure taut quil te soit rendu. 

11887. Auf diesen Vers folgen in RAV noch 4: 

Contre la gent qui ne croient en de 
De moi neusent ne merci ne pitie 
Ainz me rendissent yuorin lamire 
Voir meuz amasse (Mieulx me yenist AV) 

que fasse arse en un re, 

11890. Dahinter in RA\ r : 

Por moi auez gra^t trauail endure 
Sages homs estes et pleins de loiaute. 

11894. Hinter diesem Verse schieben RAV deren 5 ein: 

De ca la mer et de la autretel 

Ne lerons bourc ne chastel ne cite 

Domen ne alle recet (bourc ne ville AV) ne fermete 

Qu ie ne (neu W) quiere de lui la verite 

Se il est mes en nie nen Santo (— 1), 

11896, Dahinter in RAV: 

Dorenauant au chemin me metre 

For lui cerchier plus ni (ne AV) demourere. 

11900, Darauf folgen in RAV: 

Mes cuers me dit et si (fehlt AV} me vient en pense 
Qm se dien plest (ie uif AV) eneor le trouuerre. 

11911. Bim. Car } das P hat, paßt hier nicht 
























296 


Anmerkungen, 


11921. Dahinter in RW 3 Verse: 

Nos alisons o uos de volente (bon gre — 1 R) 

Et dist (Seigneurs dit ce W) seib, ne puet estre gree 
Je ne ueil mie que plus soiez penez. 

11Ö37. Hinter diesem Verse in RW: 

Preudous estoit et pleins de (de graut W) loiaute 
Holt ereoit bien parfitement en de. 

11940. Galant (= germ, Wiland) kommt bekanntlich in den 
Epen als der Name eines berühmten Schmiedes vor, nach Langlois 
auch als der einer Insel, nicht aber als der einer Stadt. 

Var.: Hinter v. 11959: 1. RW statt W. 

11962. Dahinter in R1V: 

Despendu orent et argent et or mer 

Si lor couint formest afebloier (apouroier W). 

11974. Auf diesen Vers läßt R noch 4 folgen: 

Ce fist pouerte que molt les a chaciez 
Qua maint franc home a fet fere meechief 
Assez achetont a boiure et a maugier 
Ore en panst dens de ses gages paier. 

11975. Pour de l’avainm. Dies ist eia sehr frühes Beispiel 
für die Verwendung des neufranzösischen Teilungsartikels nach einer 
Präposition. Schneider, Die elliptische Verwendung des partitiven 
Ausdrucks im Altfranzösischen, Diss. Breslau 1883, gibt dafür nur 
je ein Beispiel aus dem 13. und aus dem 14. Jahrhundert: les 
meillors perdent lor droit por des peiors Joufrois 1472 und oiseles 
por du pain donroie Meon II, 284. Es kommen in jener Zeit aber 
noch mehr Fälle dieses Gebrauches vor, so in: la fu la dure pierre . . 
miss en des careitez (= eharetes) Gaufrey 5248; En se court por 
des oes s’en vait Fabliaux 4, 3; Por del fmrre eeurt a la grange 
ib. 4, 4; li sires .. Por du feu se met a la voie ib. 4, 71; Por 
tresiout Vor qui est en Frise N'en partist eh sanz du sanc ib. 4, 196; 
se nul voloit , . faire garir cest preudom Gel gariroie por du son 
(— sien) ib. 5, 41. 

11994. Desus le pont. Devant, wie P hat, paßt nicht in 
die Situation. Hinter diesem Verse in RW: 

Et cent vileins et quinse iumentiers 
Qui de uifaille uenoiewt tuit cliargie, 

12015. li rompi son espiel, RW lesen conduit statt rompi, 
doch hat P das Richtige, da Bueve nachher (v. 12030) nicht mehr 
mit dem Speer, sondern mit dem Schwerte kämpft. 

12017. „Monjoie“ ist das aus zahlreichen Epen bekannte Feld¬ 
geschrei der Franzosen. Derselbe Bueve verwendet es in v. 12033, 

































Anmerkungen, 


297 


12208, 12 219 und IG043; in v. 17 312 und 17 431 Eueres Sohn, 
in v, 17329 die Truppen Thierris, io v, 15 972 der Christ gewordene 
Yvorin, 

12024. Dahinter in EW: 

Car molt sont preu et noble dheualier 
En grarat estor se seuent bien aidier, 

12035, Nus Chevaliers ne doit avoir saudee Qui or n% fierL 
Der Relativsatz ist nicht qualitativ, sondern quantitativ determi¬ 
nierend, hat daher das Verbum im Indikativ, obwohl er sich auf 
einen negativen Begriff bezieht 

12 041, Vencadousse. Dieser Narae der Fürstin von Sivele 
war bisher nicht angegeben worden, und trotzdem wird sie hier 
in einer Weise genannt, als wäre sie bereits bekannt. Von hier an 
begegnet der Name dann öfter, z P B. v. 12 068, 13066, 13094, 
13118, 13183 usw.; s. Einleitung & 168. 

12042, Ponr li estoü ede bare rnenee . Bare hat hier offenbar 
die Bedeutung des nft\ barres „Kriegsspiel“, jouer am barres „Krieg 
spielen“. Letztere Wendung belegt Godefroy {8, 295) auch ära Alt¬ 
französischen figürlich und übersetzt sie mit „en venir aux mains“. 
In eigentlichem Sinne findet sich jouer as barres z* B. in der afr, 
Gregor-Legende (p, p. Luzarche 1857) v, 995, R setzt guerre, 
W garre für bare ein. 

12 047, Dahinter in RW: 

Granz co us ferir sus la gent desfaee, 

Sachiez de uoir molt li plest (plot W) et agree, 

12 057, Dahinter in RW: 

De cel estor ont ii le pris eu 
Droit a loste! ambedui sont venu, 

Var, Hinter v. 12062: En son, dahinter 1. (un K}, 

12063, Dahinter in RW: 

Amene lont deable et baucebu (bancalu W) 

Se il reuient aus fins (en fin W) somes venu, 

12065, Dahinter in RW: 

De leur mesnie orent il molt perdu 
Molt se fist liez qui eschapez en fu. 

12 068, Dahinter in RW: 

Einz descendi de son pales volu (votu W) 

Nule plus bele clame do lui ne fu. 

12 070, Dahinter in KW: 

La merci dieu le glorieus iesu 
Desconfit sont li paien mescreu. 







298 


Anmerkungen. 


12073. Dahinter in BW 3 Verse: 

Jferueilleus ccm-s i aura hui feru 
Benoite soit leure que il (quil R) nes fu 
Car äl nos a gentiment secorti. 

12 085. Avoec man oste soupcrai, ce niest vis. Statt der 
Flickwörter ce m’est vis ist besser mit RW anquenuit zu lesen. 

12097. Dahinter in RW 3 Verso: 

Et toz veneuz mes mortews enemis 
Qui me gastoient ma terre et mon pais 
Taut auez fet que molt vos aim et pris. 

12 099. Dahinter in RW: 

Molt tos donroi et argent et or ßn 
Et palcfroiz et destriers et roncis. 

12113. Hinter diesem Verse in RW noch 4: 

Si com dieu plot cf il fu destine 

Seib. le vit ne li vint mie a gre 

De la nef issent plus ni ont seiourne 

En la eite (Droyt a hantonne W) sont embedui 

(andui R) entre. 

12124. Dahinter in RW 3 Verse: 

Une grant piece ont ilec seiome 
Que ne se sont raeu ne remue 
Tant quil auint par la dieu volente. 

12146. N’a tets barons. Diese Lesart von RW verdient vor 
der vou P N’a tel baron, wegen für ent in v. 12147, den Vorzug. 
Dagegen beruht meiUors in demselben Verse auf einem. Versehen, 
es ist meillor zu lesen, wie P und W richtig haben. 

12155. n’Öistcs mais sa per, also sa per auf canchon bezogen, 
ebenso in v. 12 381, sodann auf Josiane bezogen in v. 12402; da¬ 
gegen erscheint das Pron. poss. in männlicher Form in ne sai dire 
son per v. 12168 auf pucclc bezogen und in N’a son par eil v. 13487 
von Josiane gesagt. Wie Tobler, Verm, Beitr. I 2 , 166sq, und Kramer, 
Die Syntax des Possessivpronomens im Französischen, Diss. Göttingen 
1905, S. 100sq. nachweisen, findet sich, wenn es sich um den Ver¬ 
gleich mit einem weiblichen Substantiv handelt, nicht nur weib¬ 
liches, sondern auch männliches Adjektiv und Pron. poss , also auch 
son per, pareil, 

12162. Dahinter in RW: 

Eie auoit (ot a W) non uaucadoce (vanquadouceW i au vis der 
Bele dame iert el pais not sa per. 

12166. aillors bedeutet hier, wie öfter im Afr. und Nfr,, 
„(an) jemand anders, (an) eine andere Person“, s. Jürgensmann, 








Anmerkungen. 


299 


Die französischen Orteadverbia in pronominaler Verwendung, Diss, 
Göttingen 1907, S. 104 —5, Damit ist zu vergleichen: J'ai m'amisU 
en autre Uu donnee Euere III, 10 566. 

12172, por son cors äeporter. So ist unzweifelhaft mit SW 
statt lor cors (in P) zu lesen, da die Aufgabe des Gefolges natür¬ 
lich darin besteht, die Herrin, nicht aber darin, sich selbst zu 
unterhalten. Ebenso ist in v* 12173, 12176 und 12178 die Lesart 
Ton KW vorznziehen > im er Steren Verse, weil dadurch die Wieder¬ 
holung von pucde in zwei aufeinanderfolgenden Versen vermieden 
wird, im zweiten, weil aus dem Folgenden hervorgeht, daß Venca- 
dousse den Thierri, nicht aber Bueve in ihr Zimmer einladet, im 
letzten, weil hier nur von der Absicht, dem Plan der Dame die 
Kede ist, während erst in v. 12184 über die Ausführung be¬ 
richtet wird. 

12177. Der Vers, den P dahinter einschiebt, ist eine Wieder¬ 
holung von y. 12175 und unterbricht die Konstruktion. 

12194 — 95. si und se sind nur graphische Spielarten des¬ 
selben Wortes. 

12 201* Hinter diesem Verse schieben KW folgende 4 ein: 
Or somes ci venu et arriue 
Molt de ses homes a meslre adire 
Par mescheance com dieu la destine 
Mes moi et lui en somes eschappe. 

12230. Das Anführungszeichen vor Bueves ist zu streichen, 

12243. Der Vers fehlt in P, er muß aber aus KW eingeführt 
werden, weil er die Begründung von Bueves Frage enthält 

12261. cade, über dieses Wort (meist mit adverbialem -$), 
welches in dem Pariser Glossar 7692 als Übersetzung von lat. sodes 
erscheint, handelt Tobler, Jahrb. XII, 213 und A. Schulze, Zs. f. 
rom. Phil. VIH. 299 — 302. Es wird, wie sodes , in familiärem 
Gespräch, fast als Flickwort, etwa in der Bedeutung von „doch, 
gefälligst“ oder, wie bei uns, von „mit Verlaub“ eingefügt. Seine 
Abstammung ist nicht bekannt. Man könnte vor caele ein Komma 
setzen. 

12267. Dcsor celi ne quier nule auire querre . Sor und desor 
wird von Waldmann, Die begriffliche Entwickelung des lateinischen 
„Super u und „Sursum“ im Französischen, Dies. Leipzig 19OG, 
S. 37—38 in der Bedeutung „gegen u , d. k. in feindlichem Sinne, 
belegt, nicht nur nach Begriffen der Feindseligkeit selbst, sondern 
auch sonst, z. B. ouvroieni deseure naiure „gegen die Natur“ 
Froissart, Poes. II, 61, 2059. Daraus ergibt sich die Bedeutung 
„zum Schaden, zum Nachteil von“, welche an unserer Stelle vor- 
liegt; ebenso in: desor celi ne quier je autre prandre v. 12312; 
Deseure cele ne quier autre espouser v, 12 4QL 





300 


Anmerkungen. 


12 268. Dieus le me gart. Die Lesart von CW (gart) paßt 
besser in den Zusammenhang als saure (P), wofür man überdies 
saut erwarten würde, 

12 269. ne li plot mie ceste, Ceste findet sich mehrfach sub¬ 
stantivisch im Sinne von „diese Sache, Angelegenheit“, so schon 
in einem Plusverse hinter v. 321 des Rolandsliedes (s. die Aus¬ 
gabe von Stengel 321a): ferai un poi de legerie Vers trestox cels 
qui ceste m’ont bastie. Sodann in: ceste vos iert mout chier vendue 
Erec 3569: Se vox de ceste ne vox pöex oster, Je vox ferai celle teste 
coper Am. et Am. 752; „Amors a meülor renon.“ —- „Proves moi 
ceste“ Roman de la Rose 6267. Weitere Beispiele, auch von anderen 
Fürwörtern und Adjektiven, gibt Tobler, Anm. zu Vrai aniel 2. 

12271, mal form sa röele . Anspielungen auf das sich 
drehende Rad der Glücksgöttin sind im Mittelalter recht häufig: 
z. B. begegnet unser Spruch wörtlich wieder in: Mal torne la röele 
Anseis 375. Andere altfranzösische Beispiele bei Littrö unter „reute“ 
und bei A. Kadler, Sprichwörter und Sentenzen der afr. Artus- und 
Abenteuerromane, Ausg, u. Abh, Nr. 49, S. 56; provenzalische in 
meinem Bertran de Born 1879 Anm. zu 4, 29. 

12 276. vos le m’escondites. Das neutrale h hat hier allge¬ 
meinen Sinn „die Sache, um die es sich handelt“. So mehrfach, 
z. B, nos covient a guarder Que en tel sen le comenc-ons Que iraire 
a hon chief le poissons Troie 3797 — 98; II nel mist mie en non- 
chaleir ib, 7664; encore ne l’ai ge forfei Renart I, 1242; A tunt le 
{= die Erzählung) voel de lui laissier Guill. de Pal. 341 u. a. Be¬ 
sonders als Objekt zu faire, z. B. le firent bkn Troie 2424, 6544; 
ähnlich Erec 2225, 2229, 2253; Joufrois 1054 u. ö., le feront 
noaux Karre 5390 u. a. Sehr häufig in Wendungen wie: quei le 
ferons, fera? z. B. Gaydon v. 4919; Destr. de Rome 509; Fabliaux 
1, 52 u. a. oder: comment le faites vous? „wie gellt es Euch?“ z. B. 
Comment le fetes vous? Estes vous respassee ? Gaut. d’Aupais 373; 
Sire, comment le faites vous? — Dame, bien Fabliaux 5, 218 u.a. 

12282. Dahinter in RW: 

De eele teste nenporterez vos mie 

Einz vous sera copee et roignie (raongnie W). 

12298. une example. Das Zahl wort une ist in R ausgeschrieben; 
example ist im Afr. bekanntlich oft weiblich (s. Godefroy 9, 553). 

12304. esciante. Das gelehrte Wort hat hier und v, 12 313 
des Reimes wegen ein unorganisches -e erhalten. 

12320. Dahinter in P 3 Verse, die sicher Einschub eines 
Kopisten sind, da sie zu dem sonstigen Ton des Gedichtes in 
schroffem Widerspruch stehen (vgl. auch v, 12501), 







Anmerkungen, 


R01 


Ei de tes eouilles ne me veus aaisier 
Et ton baket ne mes en mo*i viuier 
V on puet bien ei largernent pesehier. 

Am Rande steht von jüngerer Hand: „ne tlespkise a dame“* 

12 324. Auch hinter diesem Verse schiebt P fünf weitere ein, 
von denen auch das zu v* 12 320 Gesagte gilt: 

Moult te uoi ore dorgoeil outrecuidier 
Je te presente ci endroit mon mortier 
Ei tu ni veus pas ten postel lanchier 
Le marchie pues auoir tout sans broiier 
Se nest du cul mault i pues gaaignier. 

12342, Der Vers fehlt in P, ist aber für den Zusammen¬ 
hang erforderlich, 

12 351* h caufraln s'i laga le poitrier. Gaufrain oder chan- 
frain, wie die Form des Wortes meist lautet, hatte ich in der Anm* 
zu ßueve I 9407 in Anlehnung an die nfr, Bedeutung mit „Stirn- 
platte“ übersetzt. Fr, Schmidt, Das Reiten usw. S* 27 sq, weist 
jedocli nach, daß diese Bedeutung im Afr. nicht zutrifft, und macht 
es wahrscheinlich, daß das Wort ein Metallstück unmittelbar am 
Maule des Reittieres faezeiclmete* 

12 361. devie steht für de&voiee, das analogisch oder dialektisch 
zu desviice wurde, wofür im Osten und Nordosten desviie eintrat, 
das hier zu dcsvie verkürzt worden ist. Desvoiiev bedeutet „vom 
rechten Wege abgehen, auf Irrwege geratenhier im moralischen 
Sinne* 

12 362, emoisie. Envoisie wird hin und wieder in schlimmem 
Sinne gebraucht, in einigen von Godefroy (3, 321) angeführten 
Glossaren wird es durch laseivus wiedergegeben. 

Var, 12 367 1, 12 3G8* Ebenso 1.: Hinter v, 12368 (statt 
v, 12367). 

12 375, par moi secours rdavrez. So ist mit E¥ zu lesen, 
da in der Lesart von P (pas secours n’aver&s) der Gegensatz zwischen 
Bueve und Cliristus (v* 12374) fehlt* 

12397* Prendres me vous , Das Fut, findet sich nur in RW, 
in P das Präsens, doch wird erst eres durch den Sinn gefordert* 

12407. Der Vers, den P dahinter hat, ist als späterer Ein¬ 
schub anzusehen, da v* 12 408 nur als Antwort auf das in v, 12407 
Gesagte paßt* 

12420. Dahinter in P (in Var. versehentlich: RW) 8 Verse, welche 
in RW fehlen und unzweifelhaft späterer Einschub sind, da sie aus¬ 
schließlich das En v, 12420 Gesagte weitschweifig wiederholen: 

Par vn niessage qwi fu et preus et ber 
A lostel bue, sen uint sans arreater 










302 


Anmerkungen. 


Bueuon trouua qm moult fist a loer 
Tout maintenant 1 l a pris a conter 
Biaus sire bue» pas nel vos vueil celer 
Par moi vos fait nostre dame mander 
Q ue vos venes esrant a li parier 
Bue* respont girai Sans demourer* 

1242L Die beiden in P darauffolgenden Verse sind sicher 
fremder Zusatz, da von dem darin Gesagten vorher nichts er¬ 
wähnt worden ist: 

Plus de vint fois lauoit ia fait mander 
Qwil nen daignoit paroJes escouter, 

12423. Dahinter in EV: 

Moult le regardent li demoine et li per. 

Darauf in R noch: 

Et un et aut re et ueil et bachelier. 

12427. m eouvent le ntmes. P hat ear statt en f doch halte 
ich dies nicht für möglich. 

12 440. Dahinter in P 6 Verse, von denen das zu v. 12320 
Gesagte gilt: 

Forment li poise q ue ne fu retornee 
Moult desiroit la dame estre troee 
Mais quant el uit et percut la buee 
Qu6 nen aroit demie ne denree 
Moult par en fu courecie et iree 
Quant na la chose q ue tant a desiree. 

12456-—54L Diese Episode findet sich auch in T* 

1.2 400 . tonte jor. In dieser ziemlich häufig begegnenden Ver¬ 
bindung wird jor stets weiblich behandelt (Beispiele s. Godefroy 
10, 49). Über die verschiedenen Erklärungsversuche s. Fried wagner, 
Anm. zu Yeng. Raguidel 90. Die wahrscheinlichste ist die, daß 
der Ausdruck von tote nuit forraeli beeinflußt worden ist. 

12463. Dahinter in T folgende 3 Verse: 

Mais dales lui a reinige sespee 
Voit le la dame si en fu esfraee 
Dont a parle ne sest arestee. 

12470. Dahinter in T 1 Vers: 

Quant dales mox chi coucies vostre espee; 

in BW folgende 8 Verse: 

Se autremmt nc sui de tos amee 

Et ch ier tenuc et souerct regardee 

Mieuz ameroie par la vierge enoree 

Que vos fusiez outre la mer betee (bouree W) 
































Anmerkungen 


303 


Quest ce doable (deables H) auez me tos trouee 5 

Ne sui ie bele et (fehlt R) fresche et colouree 
Bien dol raaudire leure que je (i R) fu (sny W) nee 
ConqueB a vos me sui abandonnee. 

12473* Qui si . Dafür in P Comment, was keinen guten Sinn gibt. 

Hinter v, 12473 in T 4 Verse: 

Cuidies pour vous que iou aie oubliee 
La moie femme que iou ai tant amee 
Naie p ar diu nen arai ia pensee 
Bien le vous di non pas a recelee, 

12 49L Dahinter in T 1 Vers: 

Mais or me sui a noiant atournee; 

in RW 2 Verse: 

De cui ie fuse seruie et enoree 

Mes au nouauz (nianz W) me sui ore donee (adonneeAV). 

12520. Hinter diesem Verse schiebt T 27 Verse ein: 

Mais iai moilKer loiaument vous pleuis 

Quest fille au roy mault est de bons amis 

Deus fi ms en ai ki moult sont de grant pris 

La mere a lun dame si nest ochis 

Fourres et gouces doi traitours faillis 5 

Emblerent lautre ne sai sil est ochis 

Mais se vos cors mauoit conuent issi 

Se de ma femme nouuelez puis oir 

De uo pais me laisseries issir 

Et iou serai li vostre bons amis 10 

Si vous iurrai sor tous sains beneis 

Ne vous faurai tant com ie soie vis 

Sire di st eile et ie le vous pleuis 

Mais bonne prueue i convenra venir 

Car tant vous ainc ne men puis repentir 15 

Bue. lentent sen a gete un ris 

Mais bien sachies frans Chevaliers gentis 

Que il nest hons tant soit de mere vis 

Sil est au siede et ensi fais delis 

Ses euers ne soit mues a poi de dis 20 

Si fu li bue. qui tant pur fu gentis 

Mais yo. ne mist pas en oubli 

Car tous dis fu ses bons loiaus amis 

Dont commeneha et li gieus et li ris 

Li acolers et li dous baiseis 25 

Bue. li dist com Chevaliers gentis 

Dame dist il or sui vos bons amis. 





304 


Anmerkungen. 


RW liaben statt dessen 2 Verse* die v* 24—25 von T entsprechen: 

Huhnes commeinm et II ieus et li ris 
Li acolers et li bohordeiz, 

Var. 12540, Lies RW statt W hinter dem, 

12 543* Dahinter in RW 3 Verse: 

La daine a prise et il est ses mariz 
Oubliee a josienne au der vis 
Ne la cuide veoir iames nulz dis. 

Var* 12545, so zu lesen statt 11545. 

12 564* Cerekier es tuet So mit RW; in der Lesart von P 

(Et en chercaisse) ist der Konjunktiv nicht gut zu erklären* 

12598* Ich habe diesen Vers nach der Lesart von RW ein¬ 
gesetzt, weil die von P eine Tautologie enthält und außerdem um 
eine Silbe m kurz ist* 

12 600* Dahinter in RW: 

Bien ressemble hemme la courtoise moillier. 

Darauf in W noch: 

Que la ueist sen eust graut pitie* 

12 617* Angiers, Da hier und in der folgenden Zeile Land¬ 
schaften und Länder aufgezählt werden, so ist Angiers und ebenso 
in v* 12 618 Poitiet's dos Reimes wegen statt Anjou und Poitou 
eingetreten* 

12618* et Bretaigm et Poiliers, P liest: Bretaigne ei le regnier, 
doch versteht man darin nicht* welches Königreich gemeint ist 

12 624* Dahinter in RW 5 Verse: 

Ou ne queissent bueuon le oheualier 

Lui et tyerri son cortois escuier 

Nen trouent nul (mie W r ) ni ot que corroucier 

Uh an errerent (sercherent W) ei pkis au mien cuider 

Et vont cerchant la terre et le regnier* 

12 636, Dahinter in RW 3 Verse: 

Le cortois b* le nobile princier 

P our lui ai ie soufert maint destorbier 

Et mointe paine et momt tresgrant (endurer et W) meschief, 

12 638* vit si P liest le viL Danach würde Josiane den 
Soibaut getröstet haben, während offenbar das Umgekehrte zutrifft 

12 647, Dahinter in RW 5 Verse: 

Par tens raura (aura W) son seign our quele quiert 

Des ore orroiz (orron W) se lessiez le noisier 

Comment eie ot son seign our droiturier 

Oi lei di re souent en reproiuer 

Droiz a droit vient que que doie targier. 





















Anmerkungen, 


305 


12 656. Dahinter in RW: 

Si com dien plot le glorieus celestre 

Qui tot consent bien paet les potrres pestre (et les 

biens amonneste W). 

Var. 12 720; Druckfehler, 1. 12 721. 

12 737 fehlt in P, ist aber für den Zusammenhang nötig, 

12 738. Dahinter in RW: 

Qui nostre dame a espousee et prise 
Jel vos dire dist li ostes amie. 

12771 — 72. Die Verse fehlen In P, müssen aber des Zu- 
sammenhanges wegen eingeführt werden. 

12801, Dahinter in RW: 

De la riu[i]ere venoit esbanoiant 
Desus son poing son oisel aplaignaut 

12804. Dahinter in RW: 

Oes seignowr quele fist et comment 
Ce ne fist mes dame mien escient. 

12805 sq. Über diesen Zug, daß Josiane als jogleresse ver¬ 
kleidet die Geschichte ihrer eigenen Liebe singt, handelt Boje 
(a. a. 0, S, 129 sq.) und führt Stellen an, in denen dies Motiv sonst 
noch begegnet. Nach ihm hat der Verf, des Aucassin diesen Zug 
aus dem Bueve de Hantone entlehnt (S. 130 — 31). 

12 806. Gote ot f&ndue* P liest Taute ert f. Dies könnte 
sich aber auch nur auf Josianens Kleid beziehen; daher ist die 
Lesart von RW vorzuziehen. 

12 808. i ot pierres seant Die Lesart von P (samblans statt 
secmt) gibt keinen Sinn. 

12 810. Dahinter in RW 3 Verse: 

Comme iuglere qui chante p our argent 

La franche dame se contint sagemeut (ensemmt W) 

Son chant commeince bei et cortoisement. 

12 818. Dahinter in RW 3 Verse: 

Et graut enui et fort encombremml 
Onques mes tel nauint a nule ge nt, 

Or mentendez si vos dire conment 

12 820 — 23. Dafür in RW 11 Verse: 

Le destWer b. couoita du re me ut 
Nel pot auoir por or ne p our argent 
Car nel uendist (mauldist W) p or nule rieh viuaut 
Lenfes ama le destrier itrestant 

Stiinmiug, Bogye de Uautone. 


20 





306 


Anmerkungen. 


Etnbler (Oblier W) le vout si fist q ue non sachant 

Vjnt en lestable ou estoit repoirant 

Prendre le vout soef et coiement 

Li bona destriers ne conuit pas lenfant 

Si le feri dou pie si durement 

Quenmi lestable le gita mort errant 

La uint a (auint W) b. molt (si W) grant encombrement. 

12 833. Statt dessen in RW 8 Verse: 

Ses naaus dou ventre li ala aprochant 

Car li termines ne fu plus en auant 

Par le pleisir au pere omnipotent 

Se deliura la dame (belle W) mointenant 

I>e deus enfans qui asez (quasez — 1 R) furent gent 

Dedenz cel bois fist son acouchement 

lies ni ot femme a son deliuremmt 

Qni la li fust secourable ne aidant. 

12834. Dahinter in RW 3 Verse: 

A lor espees alerent bois trenchant 
Vne löge bastirent meinteuant 
Et de feugcre li firent couche grant. 

12837- Statt dieses Verses in RW 8: 

Ja auint b. un graut encombremont 

Par mer aloient sarr. ei persant 

La ariuerent et port i vont preuant 

Puis se« issirent li felon souduiant 

Par mi le bois por (vont W) lor cors deportant 

Treuuent la dame sen furent meruoillant 

Tan tost lan portent por metre en lor (a son W) chalant 

Bten la conurent plusor et li 'aliquant. 

12844. Dahinter in RW 4 Verse: 

Et lor tolirent ses mistrent a torment 

Toz les osci streut poi en rernest (remist R) viuant 

La dame en fist une joie molt grant 

Atant sesmurent salerent cheuauchant. 

12845 — 8. Von den in diesen Zeilen berichteten Dingen ist 
oben nicht die Rede gewesen; besonders konnte Josiane weder die 
Schicksale ihres zweiten. Zwilliugssohnes noch den Fischer oder gar 
dessen Namen kennen; auch der Name Branlant kommt weder 
vorher noch nachher vor. 

12840. Der Vers fehlt in P, er muß aber eingesetzt werden, 
weil sonst der nächste Vers unverständlich ist. 
































Anmerkungen, 


307 


12848. Dahinter in R: 

Emsmt plot dien qui toz les biens consent 
Hierauf in B noch: 

r 

Mea ne le sout la bone da me noient 
Sen fust certeine molt eust ioie grant. 

Statt .dieser beiden Verse in W: 

Que son fi.1 ot josienne au corps gent 

12850 — 51. Statt dieser beiden Verse in RW 5: 

llorz est ee dient plusor et li auquant 
Trop a lessie sa femme et ses enfanz 
Se il est vis dien le gart de tourmmt 
Et sil est morz same a ihesu commant 
Atant define jo. son chant. 

12852. Dahinter in BW 2 Verse (in Van einzufügen): 

Et de sa fern me quil soloit amer tant 
Et de selb, qui le norri sei anz. 

12 853- Daliinter in EW 5 Verse (in Var. einzufügen): 

Que m (a \V) son euer en ot ioie si grant 

Nel poist dire nus honx qui fust uiuant 

Car il sout bien trestot certainemerat 

Que ce fu uoirs et (qui R) de rien ne mesprent 

Einsi (Que ainsi W) fu (fust W) il com en (eile W) 

a dit le chant 

12 854. Dahinter in R 2 Verse: 

Tant fu pansis li cheualier uaillant 
Mes ou pales nen uoufc fere semblant. 

12 855. Dune grant Urne . Liens bezeichnet auch die Zeit 1 
welche man zutn Zurficklegeu einer Heue braucht* So noch in: 
Dune grant lim ne dist ne o ne non v* 17 504; Uestours dw a 
grant demie louee Bueve III, 7709; il ne seit en demie loee Quel 
pari il est ib. 10915; A Vun des estres . . S’akeuta . . plus d une 
grant liuee ib. 12 223; Lar fönt li baron ielrisee Qui bien dura une 
Hirn Octaviaii 3196: bien fu Heue et demie Qu'en quidoit qu ü fust 
saus vie Wie Ludwig IX das Kreuz nahm (Zs. L rom. Phil. 32, 74) 
v. 24; Une loee i eseouta Por savoir Cristal et CI,nie 8749; Puts 
que li tornois commencha. Plus de deus liwees dura Durmart 8^ 94; 
Deus liues ains que Haube crieve Prestre com porte 610; Il n'ert 
vmpres jusqua deus liues Fabliaux 5, 202; fu la mute sonnee 
EntPels deus plus d'une liuee Fergus 47, 13. 

12868, le Chevalier Buevon. P liest le damoisel B. % doch 
paßt damoisel hier nicht als Beiwort für Bueve, 


20* 



308 


Anmerkungen. 


12874. Dahinter in R 7 Verse: 

Et bien cuidoit que ce fust uns ho»i {— 1) 

Nauoit pas de femme la facon {— 1) 

Gote ot fendue eheueus roignez en son 
Souliers granz de uache bien liez cosutremont 
Ou uit le mes si li dist sanz tencon 
Amis biau sire conte nos ta reson 
Dist li uallez oolentiers la dirron. 

12 889. dist eie. So ist mit RW statt dist ü in P zu lesen, 
■wie P in v, 12 892 auch richtig hat; il ist vermutlich durch das 
gleich darauffolgende nes veranlaßt worden. — Norton. So liest 
P hier und in v, 12 902, doch vermag ich den Namen nicht zu 
deuten; ebensowenig aber Verton, wie RW haben. Der Dichter 
verlegt den Ort in die Nähe von Hantone (v. 12903). 

12890. de cu i ist die Lesart von RW, gegenüber von de coi 
in P; erstere wird aber durch das Folgende als die richtige er¬ 
wiesen. 

12891. Der Vers fehlt in P, doch muß la eanchon in 
v. 12890 näher bezeichnet werden. Ebenso ist v. 12893, der sich 
auch in P nicht findet, einzufügen., da neben Bueve und Thierri 
auch Josiane erwähnt werden muß. 

12899. Pongon, Von einem dritten Sohne Soibauts ist sonst 
nirgends die Rede; er scheint ausschließlich des Reimes wegdn er¬ 
funden worden zu sein. 

18901. Dahinter in RW: 

So il le senent nia (Si le sauoient ja W) darrte le diront 
Je nel voudroie por tot lor de cest mont. 

12907. enforchies als Attribut zu esterlins bedeutet hier wohl 
„stark, vollgewichtig“, da bekanntlich bei den meisten ilünzsorten 
mehrere Arten von verschiedenem Gewicht, daher auch von ver¬ 
schiedenem Werte und Kurse umliefen. So noch bis in die neueste 
Zeit von der Mark, dem Gulden u. a. 

12 911. Dafür in RW 14 Verse: 

Cui de«$ guerise de mort et dancombrier (mortel enc, W) 

Car en sa chambre me dona a mangier 

Et au partir me dona bons deniers 

Grant bien me fist dicu la gart da«eombrier 

Pelerin frere dist b. le g uerrier 

Or sei ie bien que bon pelerin ies 

De«s te guerisse et le (ton W) cors et le (ton W) chief 

De eesle uoie (noie W) pren sor (sus W) moi la moite 

Et ie ten cuit molt (bien W) richement paier 

'lot (Dont W) a ton gre auras de mes deniers 

























Anmerkungen. 


309 


Mais qw nel Sache nus hom desoz {nes dies nmil 

hemme soubz W) ciel 

Droit a hantone men (me W) porteras un trief 
A (Et W) io, la bele au cors legier 
Je sui ses sires et eie est ina moillier. 

12 914» Gatow. Man erwartet f i iroie } doch fehlt i nicht 
ganz selten vor dem Fat, und de tu Im p» Fut» von aller t So lautet 
v» 9053 — 54 der Fassung III in C: Jou ai un oste, Berengier le 
Normantj Q’imi ancui gezir , während in T steht: Oesir i wel; 
andere Beispiele sind: ui passereit un deble; Tu irras a grant 
pöur Purgatoire S. Patrice (hsg» v. Vising, 1916) v. 577; Vm mereia 
de Vostel (das er ihr anbot) et dit qzdelle ira Por herbergier Me- 
raugis 3790; Se je nose aler , , A li > bien porra avenir ICencore 
irai je } s'ele velt Escoufle 3153; Enmelos i veut aler t A sa mere 
en aquiert gres; „Par dieu , fille, vous riires Rom» tu Fast, II, 90, 5; 
sek vous i savoit hui ? ... demain iroit saus respit Jus Adam v.41. 
Dies auch noch im Nfr.: Si elk y va? Eh bien! firai aussi 
Failleron, Le Monde oü Vau s’enunie 2, 2; 1Vous dinons ce soir 
ehe* les Vimdle. — „Je riirai pas <{ , Bordeaux, Les yeux qui 
s'ouvrent 131 u, a, s. Hayden, A note on the ellipsis of y before 
iraiy Romanic Review 5 (1914) 93 — 4, 

12 916» Dahinter in RW: 

Et tel richece qm nus ne puet priser 
Et si as prise si tres bele moillien 

12918 — 19, J'aim mieus edi en la plante du pii Qm ceste 
taute en la bauche et el chief\ Ich erinnere mich nicht, diese be¬ 
merkenswerte Wendung anderswo gelesen zu haben, obwohl sie 
formelhaft zu sein scheint. Eigentümlich ist darin die übertragene 
Bedeutung von m. Bueve will die Josiane lieber, nämlich haben, 
besitzen „in, innerhalb der FuMäohe^ d, h. selbst wenn sein Besitz 
an ihr im Bereiche derselben bleibt, sich nur auf diese, also einen 
unwichtigen Teil des Körpers erstreckt, als die Yencadousse in bezug 
auf Kopf und Mund, ja ganz* 

12927. Statt dieses Verses in RW: 

Et si amoine o lul lun (un W) de ses fuiz 
Et seib. qui a le poil florx. 

12 928* Dahinter in RW 5 Verse: 

II sieuent bien q ue \ T os iestes ici 

Car bien lor fu et conte et iehi 

A un paumier en ont parier oi 

Vor yos cerchier ice sachiez de fi # 

Out il erre plus duu an ei demi. 




310 


Anmerkungen. 


12391. Dahinter in R\V 2 Verse (in Var. einzufügen): 

Mointes mesaises (Mainte mesaise \V) ont il p or vos sofTri 
Dauoir sont poure et forme»! desgarni. 

12934 — 51. Dafür in RAV folgende 32 Verse: 

Tant com ie aie vaillant un angeui« (parisi AV) 

Molt lor donroi ee (si W) saehent il de fi. 

Or ei argent quil seront repleni 
Ei do n seru»t richement reuesti 

Molt feroiz bien la darae respondi 5 

B. li preuz regarda deuant lui 

Sa moillier uit qui dou rno »stier issi 

Et io. ilec plus natendi 

Congie a pris a b. le gentil 

Et le co?» man de a dieu qui ne menti 10 

Dist io. franc cheualicr gentis 

le vos com man t a dieu de paradis (qui ne me?iti AV) 

Car ie vois la ou vos mauez tramis 

Et respont b. pensez en. biaws amis 

Si vos ce fetes qwe vos mauez promis 15 

Que ie reusse io, au der uis 

La dame el monde q ue ie mieuz aim ct pris 

Tant vos donre argent et ver et gris 

Vos et vostre oir serowt (e?t seroiz R) riebe toz dis 

Sire dist eie seurs soiez et fis 20 

Par tens auroiz ce que mauez requis 

Atant sen pari io. au der uis 

A sort ostel que ni a terme quis 

Seib. troua qui molt fu ses amis 

Mestre dist eie car soiez esbaudiz 25 

Et anuoisiez et baitiez et jolis 

Jai veu b. si maist s. denis 

Et ouec lui iert uos/re fuiz tyerriz 

Dist seib. dame (f. W) a dieu en rens merciz 

Qui ma conduit en ioestui pais 30 

Qwi bien croit (Orient AV) dieu toz tens li iert aidis. 

Sire seib. ge«tis fuiz a baron. 

12951. De mon signour. Der Genitiv hängt von ceste nouveh 
in v. 12950 ab. 

Var. 12953, Druckfehler, 1 . 12954. 

12962. Dahinter in RAV: 

Trop par sui poure ne men crerroit n«a hom 
Tyerriz me im es en auroit retracon (seroyt tont 

vergon W). 















An di erklingen. 


311 


12990. «ne osfe. Das Wort wird bei Godcfroy nur mit 
unserer Stelle belegt und aus dem Zusammenhang mit „flocon“ 
übersetzt. Audi ich vermag keinen weiteren Beleg kinzuzufügeu. 
RW weichen ab. 

12992. d'un Miaut d’or frois. Da es sich nach v. 12 991 
um kostbare Gewänder handelt, so ist estroit, wie P liest, kein 
geeignetes Beiwort zu Miaut. Ebenso gibt im folgenden Verse die 
Lesart von P keinen guten Sinn: siet paßt nicht zu se vest in 
v. 12 991, und bfroi , wofür wohl Vor frois ein2usetzen ist, ist 
kein Kleidungsstück, über welches die guimph gelegt werden 
könnte. 

12993. Dahinter in RW 3 weitere Verse: 

Ses gainemewz don eie se jJaroit 

Ot io. aporte ouec soi 

Plus bele dame ne verroiz vos des mois. 

12997. Dahinter in RW 3 Verse: 

De la blaute quen la dame veoit 

Molt fu la dame et (f. W) bele et auenant 

Nule plus bele ne trouast lan viuant, 

■ g- 

13 013, S'avoec cest home , * me irouvSs garnemant? "har 
diese Verwendung einer indirekten Bestätigungsfrage im Sinne einer 
direkten s. Tohler, Yerm. Beitr, I 2 , 2G — 27 und A, Schulze, Der 
afr* direkte Fragesatz, S, 133. Einige weitere Belege: A dem! 
si ja verrat h jor Que jes pous&e metre m tor? Thebes 3621; 
Damey fet il } s 3 il vos remanbre? Erec 1114; Dit li gar$on; » S'm 
avrai man hier? Gaydon 9028: dist a Olivier; »Sire, si me 
laires? u Eierabr. 1582; Amis 7 eonment? Si ne me reconnissies 
wie? Escoufle 7699: Comment? Si ne men direz rien ? Xe si 
ne voudrex fers bien? Chev, au barisei 297 — 8; »je fiel poi 
prendre“. — »Sei ferissiez? i( (habt Ihr ihn geschlagen?) — »Je 
nhi de quoi Iienart 2, 397 U- a. Dies kommt auch heute noch bin 
und wieder vor, z. B. 11 vous trouve fie?\ — »S'il est possible! 
je ne h rmeontre pas Labiche, La Grammair© 1,3; Jean s'indignait: 
si Detail possible que des enfants fusscnt si mechants Loti, P£eh* 
dTsL220; Scst moi qui ne irden vais plus. — Comment? —* Apres 
celaj si tu vcux den aller , toi? Pailleron, Le Monde 3, 4, Zwei 
Stellen aus Feuillet, Montjoye gibt Tobler a. a. 0 , einige weitere 
Bieringer, Der mittel- und neufranzösische direkte Fragesatz, Diss. 
Güttingen 1910, 3* 45* 

13 013* avoee ist nicht Präposition, sondern Adv* „zugleich 
hiermit, außerdem noch“; ce$i home ist Dativ; der Text von RW 
lautet anders* 






















312 


Anmerkungen. 


13018 — 25. Dafür in RAV 14 andere Verse: 

Liez fu li ostes qnant la dame ot parle 

Robe acheta a sewb. le barbie 

Et al enfant tel com li vint a gre 

Bien vestu furent et molt bien aceme 

Ostes di st eie molt bien auez oure 

leist seruises \os iert gerredoue 

Procheinement ce vos di par verte 

Hui mes puis (po«r W) bien aler en (par AV) la eite 

Sus ou (le AV) pales raeintenant men ire 

A T eoir b, mon seignowr nature 

Höstes dist eie se il vous vient a gre 

Yenez o nos si feroiz noblete 

Cest mien (mon AV) enfant menroiz par amistie 

De iouste (coste AV) moi iert (est W) seitwb. li barbiez. 

13036. Pas avant autre. Dieser Ausdruck, welcher unserem 
„Schritt fiir Schritt“ entspricht, begegnet noch in: Pas avant autre 
est vers Bucvon guenchis Bueve III, 2531; aucli sonst, z. B. pas 
avant autre s’en ret JRenars Renart 2, 28 G; es ros Grinbert m la 
ferle pas avant autre ib. 10,1109. Damit zu vergleichen ist die Yer~ 
Wendung von autre in: De chief a autre la lettre a resgardee Bueve 
III, 11 387; vaü par las mes . . altre puls altre St Alex. 43, c; 
Janbe sur autre ihm seoit Fabliaux 1, 308; Be terre en altre vaü 
fuiant H. Brut 3671 u, a. Statt autre begegnet auch die AVieder- 
holung des Substantivs, z. B. li a de cief en cief eontee Bueve HI, 
11390 u. a. 

13045 — 53. Dafür in RAV folgende 24 (in A r ar. versehent¬ 
lich 25) Verse: 

Qwi sires iestes de ceste gra«t eite 

Je vos requier en non de eharite 

A T os£re mangier tant quaie o (a AV) vos tlisne 

Dist tyerri dame molt auez bien parle 

Vos en. aurez a vos/re volente 5 

La table est mise meintenant out laue 

Lors sont assis plus ni ont demore (ot seiowrne AV) 

La gentis dame et seitnb. li barbez 
Joste son pere fu tyerris li senez 

Holt le regarde et si la rauise (aduise AV) 10 

Quant le conuut si plora de pitie 

Brace leuee la tyerriz acole (le courut acolcr AV) 

C. (celle AA r ) foiz le beise ei pl«s a mon pense 

(au mien cuidter AV) 

Vers lui le serre par grant humilite 














Anmerkungen* 

Ne fu tel loie cum tyerriz a (la W) mene 
Tot por son pere seimb. quil a troue 
Tuit sen memeillent li prince et li cliase 
Et io* au gerat cots enore 
Le sien courage na -plus Uec cele 
B, apela si la aresoae 
He b. sire ch eualier alouse 
Molt a ert toi orgueil ei cruaute 
Encor ne inas de tes euz regarde (esgarde W) 

Petit y os membre de la tresgrarat bonte* 

Var. 13054 hinzuzufügen: en yo graut] en vost re RW* 
13059* Statt dessen in RW 4 Verse: 

Yostre fuiz est en droite verife 
Yos lengendrastes en mes flans le porte 
Jen acouchei el faois fuellii (fueilly W) rame 
Yqs le oieästes en un batel ferre. 

Var. 13OGI* So zu lesen statt 13 071* 

13062 — G5* Dafür in KW 19 Verse; 

Quant b* out tont ice (tous ses irioz W) ascoute 
Ne pot mot dire tant out le euer serre 
A ehief de pece auoit bueuora (b.W) parle 
Dame dist il tout ce fu uerite 

Que y os mauez et (f* R) dit et aconte 5 

De nule rien ni auez ros fause 

Ma moi liier festes primes vos espouse 

Ainz q ue ei fuse (fustes W) Yenuz ne arme 

Vers iui sen uet (court W) plus ni a demore 

Puis la besä doucemmt et soef 10 

Et io* a b* acole 

Grant ioie firent ne velstes aute 

B* üst ioie ice est nerite 

De son biau fiz quarat il out auise 

Car il le uit et bei et figure 15 

Si com nature (ili esn W) lout et (f* W) fet et forme 
B* resemble mieuz (plus W) q ue nul (f* R) home ne 
Tuit ses (sen V) merueillerat el pales principe 
Et un et autre li ieune et li barbie. 

13070 — 72* Dafür in RW 9 Verse: 

Si iriait d eus q^au (au W) moustier lespouse 

Ainz q ue geuse geu a uo coste 

Bien le vos dis onc nel (oneqz ne le W) ros cele 

Dist vencadoce merueilles oi p ar de 

Mes mieuz amasse se il pleust a de 


313 

15 


20 



















314 


Anmerkungen, 


Quel last eucore a londres la cito 
Car io uoi bien p or lui perdu vos oi 
Plus a de mol et valor ei biaute 
Forment me poise conques vos acointe. 

13082, Statt dessen in RW 3 Verse: 

Chascun porta baston macue ou pol 
Retenir nuelent (vourent W) le baron nature 
En eel pais estre (outre W) sa uolente, 

13149. Ne la veisse, wie RW haben, ist unzweifelhaft das 
richtige; P liest Nel veissies, doch gibt dies keinen guten Sinn, 
da Vencadousse nicht wohl den Wunsch aussprechen kann, daß 
Bueve die Josiane, solange er lebte, nicht zu sehen bekommen 
hätte, Entscheidend ist aber der Umstand, daß Vencadousse hier 
ihren Leuten gegenüber das wiederholt, was sie vorher zu Bueve 
gesagt hatte, und daß die Lesart von RW genau dem dort in 
v. 13126 — 27 enthaltenen Gedanken entspricht 

13153. Longis mit festem s } auch Longi, Longin ist der 
blinde römische Centurio, welcher nach der im IIittelalter sehr 
verbreiteten Sage Christi Seite arn Kreuz mit einer Lanze durch¬ 
bohrte, dessen Verzeihung erhielt und das Augenlicht wiedererlangte. 
In dem Berichte des Evangeliums Johannis 19* 34) heißt es mir: 
„der Kriegsknechte einer öffnete seine Seite mit einem Speer“, — 
Vgl, Carl Kröner, Die Longinuslegende, ihre Entstehung und Aus¬ 
breitung in der französischen Literatur, Diss. Münster 1899* Weitere 
Anspielungen auf dieselbe begegnen bei uns in v, 8800, 13 214 
und 18 OGI* 

13189. orfelis . Das auslautende n ist des Reimes wegen 
ausgelassen. 

13 222, Davor in RW folgende 13 (Var. fälschlich 19) Verse: 

A (au R) bar sor aube desus une colombe 

Se sist bertran (bertren E) desoz un pin en lombre 

Si com la geste le deuise et reconte (raconte W) 

Vn coutei tint do n paroit une pomme 

Lors li remembre de b de li an ton ne 5 

Et de samie iosiene la blonde 

Et du destrier arondel darragonne 

Qui fu nouri es landes dalibron© fdeliberte W) 

Hui mes orroiz chancon et bele ei bonne 

Du filz le rol de (t Rj lemiine leur oncle 10 

Si com bueuon (b, W) porta el ehief couronne 

Ei il co?? qui st yuorin et ses hommes 

Yileins iuglieres ne ros en seit respondm 

13 222. Von hier an findet sich der Text auch in T. 








Anmerkungen. 


315 


+ 


13 233 sq. Diese Einleitung zu dem neuen Abschnitte des 
Gedichtes enthält manches Auffallende. Zunächst, daß die geo 
graphischen Kenntnisse des Bearbeiters sehr verworren sind. Die 
Gesellschaft reist von Rom Über Ungarn (v, 13241) nach der Lom¬ 
bardei (v, 13243), durchzieht diese und gelangt dann nach Otrento, 
wo sie ein Schiff besteigt. Die beiden Orte Montguion (w 13251) 
und Pui-Arpent (v T 13 252) scheinen der Phantasie des Verfassers 
entsprungen zu sein, wenigstens vermag ich sie nicht zu identi¬ 
fizieren, Ungeschickt ist es sodann, daß bei der Abreise von Sivele 
nur Bueve und Soibaut genannt werden (v. 13 233), bei der Fahrt 
durch die Lombardei ausschließlich Josiane (v. 13 243); der Sohn 
wird gar nicht erwähnt; daß er dabei war, erkennt man nur an der 
Angabe, daß die Gesellschaft aus vier Personen bestand (v, 13 240). 
Erst in v. 13310 ist von ihm die Rede. Auffällig endlich ist die 
Bemerkung, daß die Gesellschaft die Lombardei schnell durchzog, 
„weil sie sie teuer fanden“ (v. 13 244). 

13254. Dahinter in T 16 Verse: 

Diu en aoure et marie sa mere 

Et il les gart si li plaist et agree 

Li et bue. a la chiere menbree 

As maronniers ont la nef commandee 

Et tout lauoir sans nule demouree 5 

Droit a siuele facent la retoumee 

Salues nous la roine hormeree 

Grant dnel demairment a cele deseuree 

Li maronnier de hanstonne la lee 

Droit vers siuele lont lor voie toumee 10 

Mais insqua poi feront la retournee 

Awec th + a la chiere membree 

Ki nage et single haute volle leuee 

Vers hermenie dolans en sa pensee 

Mais sarr. lont destruite et gastee 15 

Et la terre arse et destruite et reubee. 

13256. Dahinter in T 3 Verse: 

Et si baron a cui il desagree 

Mais ia navroat vers yv. duree 

Se di us neu pense qui fisfc ciel et rousee. 

13 268. Dahinter in BW 3, in T 2 Verse: 

Luns fu ferus dune trenchant espee 

Lauf re nanrez dune (de RW) saiete lee (enpenee RW) 

Autresi fuient (Autres vit furent W) come gent forsenee (f. T). 

13 294. Auf diesen Vers folgt in W: 

Garde naura se puis fenir mon espee 
Grans co us ferre sus la gent defiaee. 


t 







316 


Anmerkungen* 


13401* Ä cel castel skstoii ravises . Auffällig ist die Präp. a ? 
da soi ramser meist mit de konstruiert wird. Godefroy belegt jedoch 
(6, 630) aus der Ghace dou cerf: Ti dois tu tmm tans raviser , und in 
gleicherweise (1,532) intransitives aviscr ebenfalls mit a verbunden, 

13 441, Sont crestiien u il eroient Mahon? Über diese Form 
der dilemmatischen Frage s, Anna, zu v. 8765. 

13 447* mal i prisent le monL Der Sinn ist nicht recht klar, 
Moni ist offenbar = montem , also „übel (d, li* zu ihrem Unglück) 
nahmen sie den Berg“; BW' lesen povprisirent } was auf dasselbe 
hinauskommt, T passerenL Es ist jedoch nirgends von einem Berge 
die Rede* sondern nur von einem festen Turm, 

13452, Päisant P liest Sarrasin, doch ist dies nicht richtig. 
Wie oben berichtet worden ist (v. 13 404), hegt Bueve zwar den 
Verdacht, daß Heiden in dem Turm seiu konnten, er weiß aber 
nichts Genaues; und es ist daher verständlich, daß er sich neutral 
für einen päisant , einen Landbewohner aiisgibt. 

13457, cel baile, Bails f baiüe ist eine zu den Außenwerken 
einer Burg gehörige Befestigung, s* H. Schumacher, Das Befestigungs- 
wesen in der afr # Literatur, Diss, Göttingen 1906, S* 10; weitere 
Beispiele: Tot le balle a faxt alumer Eneas 9632; vi um bretesehe * * 
Et vi le bailh et le fasse Löwenr. 195* 

13474. a mont. P hat dafür lamon , und da dies für lamont 
verschrieben sein kann* so ist vielleicht so zu lesen (aus la amont ). 
Godefroy (4, 739) belegt mehrfach laval im Sinne von la avaf sonst 
z.B* Laval est fu forment ardauni Purgatoire S, Patrice (p* p* Yising, 
1916) v, 420, ebenso ih. v* 701* 715, und lamont findet sich z* B,: 
El plus haut estage lamont As fenestres apoier vont Durmart 6855. 
Auch Godefroy bringt (1, 273 unter amont) noch eine Stelle aus 
Phiquets Ausgabe des Roman de Itou: Se il le pot lamont (Pluquet: 
ramont) en m vie emonlrer ? Ambedous li fern les ieus erever v, 3850* 
Aber erstens gibt lamont hier keinen guten Sinn, sodann aber liest 
Andresen an der betreffenden Stelle (v. 3109) la nuit statt lamont 
und gibt auch in der Varia lectio keine Abweichung der (einzigen) 
Handschrift an, 

13478, cor > 1. ctor; dasselbe in v. 13 837, s. Anm* zu v, 7008* 
13479, K oni, ! 5 liest Km, doch wäre dann encriesme felon 
Nom* Sing., was einen grammatischen Fehler ergeben würde* In 
der Tat waren auch mehrere Heiden da, 

13485, sont ton Sor un } wie P hat, gibt keinen Sinn, 
13494* prison , Diese Lesart von CRW entspricht mehr der 
Situation (vgl. en esst maistre äongon v, 13493) als maison in P. 

13 494, Dahinter in BW: 

Et cele dame a la eiere facon 

Qui taut (moult W) a blaue le uis et le menton. 


















Anmerkungen. 


317 


13515. Dahinter in T 7 Verse, in ~W 2, in R einer: 

Parmi la regne wel tenir (tendre ge EW] mon destrier 
Tant q«e sarai com gi ere herbregies (f. RW) 

Alez biau sire ce di st li pautotmiers (f. R). 

Die folgenden Verse nur in T: 

Mar donteres ne avant ne arrier 
Bue. deseent de son courant destrier 
Droit as degres quil ne volt delaiier 
Et yo, qwi mowlt ot le vif fier. 

13594 — 95. Dafür in T: 

Si roidement a le baren tire 
Sus u palais lauoit asouuine, 

13 643. Von hier an kürzt P den Bericht stark, läßt viele 
Verse aus, die sich daher in RTIV finden. Hinter v. 13G43 in 
T 9 Verse: 

Bue. deseent du grant palais paue 
Et yo. qui tant avoit bonte 
Li frans dus bue. ne sest pas arestes 
Sor ar. est erraument montes 
Que il troua droit au pie du degre 
La le tenoit uns cuiuerä pariures 
Bue. le fiert du poing qwil ot quarre 
Los de la goule en dms li a frone 
Si qua la terre la mort et souuine. 

13 668. cerchant. P hat trachant, doch gibt dies keinen 
guten Sinn. 

13 698. Dahinter in T 3 Verse: 

Dame dist il entendes mon samblant 
Je me douc mo«lt de ces trois mescreans 
Car il sont mowlt felon et sousduiant. 

13 747. Dahinter in IV 2 Verse, in R einer: 

Cil les maudie qui forma tot le mont 
Si comme aiiez oy en la chancon (f. R). 

13 795. Dahinter in T: 

Dist a son maistre ne li a pas cele 
Quant il lentent le euer en ot ire. 

13859. avant s. Anm. zu v. 5678. 

13 897. Blaquenie, Ein Land dieses Ramens vermag ich nicht 
zu belegen. 

13962. Statt dieses Verses in T folgende 6: 

Que chi fust or rois th. li senes 
Mes eseuiiers que tant pooie amer 








318 


Anmerkungen. 


Li rois oudara qwi est deseoche nes 
Li quens engres guill. li barbes 
Et li barnages que aviens amene 
Que en la mer perdismes p ar loure. 

14047. Dahinter in E 4 Verse: 

Et analen le pont tot meintenant 
Ou par lapostre que qnerent peneant 
Tuit i morrez a mespee trenchant 
Ja ni auroiz per nul home garant 

14081 — 85. Was hier Bueve von der Taufe der Kinder er¬ 
zählt, ist vorher nicht berichtet worden. 

Var. v. 14100 und 14107: so zu lesen statt 14206 und 
14207. 

Vär. 14154: so zu lesen statt 14254. 

14158. Dahinter in KW: 

Se il vos venist a (en W) talant et a (en W) gre 
O vos alasse ia ne fust (nen fusse W} trestorne. 

14172. vens ne cache galie, Vergleiche aus der Schiffahrt 
sind in der afr. Literatur selten, s. Frahrn, a, a. O. S. 135 — 37; 
derselbe führt jedoch einige Stellen an, in denen, wie bei uns, die 
Schnelligkeit eines Schlachtrosses mit der einer Galeere verglichen 
wird. Einige weitere Vergleiche s. Anm. zu Bueve III, 2103. 

14190. Dahinter in T 3 Verse: 

Et sachies bien se croire me voles 
Nous asaurons sa femme od le vif der 
Et le sien mestre qtü chaiens est remes. 

14197. Ja sera mors et a sa fin ale$. Diese Lesart von T 
bringt unzweifelhaft das Richtige. Tuit seront (P) paßt nicht, weil 
nur zwei Gegner da sind, von denen Josiane vergewaltigt und der 
Alte getötet werden soll. Diese Lesart (der Plural) ist durch il ne 
sont der vorangehenden Zeile veranlaßt worden. 

14260. la gent paienie. Patente erscheint hin und wieder 
adjektivisch als Attribut zu loi t gent und terre. Einige Belege gibt 
Godefroy 5, 687. Einige weitere: gent fmienie Bueve III, 15 699, 
15958, 18001; Aym. de Narb. 120, 360, 4393, 4067; Hort Aym. 
4156; la toi paienie ib. 17 9S2; Aym. de Narb. 3477 u. a. Hier¬ 
mit ist zu vergleichen die Verwendung von Feminie in: Ses puceles . . 
Qw'el amcna de terre fernenm Mort Aym. 3880. 

14283. Li autre doi. An dem Kampfe sind demnach drei 
Sarazenen beteiligt. Zwar hatte Bueve deren drei mit der Be¬ 
wachung seines Sohnes beauftragt {v. 13671, 13821 — 34), aber 
einer von ihnen war inzwischen zu Worin geritten, um ihn zu 













































Anmerkungen. 


319 


benachrichtigen {v. 14026—36)* Wir müssen daher annehmen, daß 
er inzwischen zurückgekehrt war, was aber der Bearbeiter vergessen 
hat zu berichten, oder es liegt eine Unachtsamkeit vor. 

143GO. Dahinter in T 3 Verse: 

Lors sont venut Sans longe demouree 
Ensamble chiaus ot mowlt gens aunee 
Quant il les vit si lor dist sa pensee. 

Var. 14470, Druckfehler, 1. 14471. 

Var. 14528. Statt „fehlt in RW U L: fehlt in mort suy 
naurez ou corps parfondeme^t W. 

Var* 14596 — 98, L 14596 — 99* 

14 613 — 16. Der Bearbeiter hat sich nicht vergegenwärtigt, 
daß König Hennin das hier Berichtete nicht wissen konnte. 

14 630. Dahinter in T: 

Le euer du ventre a poi ne se pasma 
Quant il revint a son euer graut ioie a. 

Var. 14634 einzufügen: „Der Vers fehlt in RW,“ — Hinter 
v. 14 634 in T 11 (in der Var. lect unrichtig 17) Verse: 

Tout ce fiat gonces li traitres crual 

Fourres ses freres qui tant aauoit de mal 

Sire dist bue. ne vous mentirai ia 

Mors est fourres de ce ne doutes ia 

Mes cors meismes sons monbranc ocis la 5 

Mais li fei gonces de mes mains escapa 

Mais se il vit encor le comparra 

Et dist li rois li lerres trai ma 

A yv. est tournes par de la 

Mors en dut estre du glouton desloial 10 

Quant bue. loit durement len pesa. 

14639* Dahinter in P 2 Verse: 

Et tous les autres que en la tour trouua 
Bue. li preus ensi li deuisa; 

In RW 1 Vers: 

Mort est li gloz car (que W) b* oscis la. 

14 664. Dahinter in RW: 

Iceste gent ja ni auront duree 

Par cel segnnr qui mainte ame a saunee* 

14665 — 66. Mieus vocil avoir Farne du cors sevree } Bois 
Yvorins rdait kt teste caupee. Über diese Konstruktion in dem Ver¬ 
gleichungssatze s. Tobler, Verm. Beitr. 1 2 , 223sq. und Erich Müller, 
Die Vergleichungssätze im Französischen, Diss. Göttingen 1900, 
S. 89 sq, 


320 


Anmerkungen. 




14093—97. Dafür in RW 5 andere Verse: 

Ni dureront li paien deffae 
Pour io. ai molt ie cueur irie 

Et pour saimbault mon raaistre au poil mesle (felilt in R) 

Qne ie lesse en la tor enserre 

Par moi aura seeour en uerite (fehlt in AV) 

Mieuz ueil morir ne soit a sauete (soient deliure W). 

147IG. Dahinter in RW: 

Dou graut pales est li rois auale (deuale W) 

Et li preuz (jl et W) b. qui tant a (ot W) de bonte. 

14 735. Des Sarrosins. Diesen Text von T habe ich ein¬ 
gesetzt statt Del roi paiien von PRW wegen des Plurals in S’il 
ont assis des folgenden Verses. Vielleicht ist aber doch letztere 
durch den Stammbaum der Handschriften geforderte Lesart beizu¬ 
behalten, indem dann der Plural sich durch den Sinn „der König 
und die Semigen, sowie sein Heer“ erklären würde. 

Var. 14737 statt „fehlt in R“ 1. fehlt in PRW. 

14737. Nach dem in der vorigen Anmerkung Gesagten könnte 
man meinen, daß der Vers 14 737 als ein Zusatz von T anzusehen, 
also zu streichen wäre. Da er aber nicht entbehrt werden kann, 
so ist er zufällig zugleich in T und in s (RW) ausgelassen worden. 
Var. 14738. Einzufügen: „fehlt in RW“. 

14765. Assegie ot. PT haben statt dessen ont, was nicht 
paßt und sicher aus dem vorangehenden Verse genommen ist. 

14 768. li, Druckfehler, I. Ie. 

14771. la potirre vente s. Anm. zu v. 1335. 

14786—-91. Statt dieser Verse in RW folgende: 

A grant meruoille en sont ioinchie li pre (vgl. v. 14 788) 
Quant li paiens ot sa raison (lor a tot —1 R) conte 
De son cheual choi (chay \V) tows (f. R) enuerse 
Lame sen part dou fei dou (dun felon W) pariure 
Car il estoit dun roit espie naure. 

Var. 14792. Voit, dahinter einzufügen: (Vit W). — tout a 
le sanc mue T. — Hinter v. 14 792 in RW: 

De mautalent a tot le sanc (sens W) mue 
As aut res turs a li rois demande. 

14804. Dahinter in T 7 Verse: 

Do sous monbranc leu ge ia encoutre 

La li fis ge un damage mortel 

Quant li tolli yo. au viE der 

Et un sien fil qui od lui ert remes 

Bien sai quil a vers moi le euer ire 

Vengera soi sil en a poeste 

Mais por mahon cui iai mon euer donne. 

























Anmerkungen, 


321 


14 860* Dahinter in R: 

Car trop uos het eist felon roi persant 
Es uos un turc qui p ar la mein le prent, 

14 871 — 74. Ton dem, was in diesen Versen behauptet wird, 
ist oben nichts berichtet worden, 

14 883 (in Var, Druckfehler 14882) bis 84, Dafür in R: 

Gü sarr, q&e si ama lenfant 

Qm tes paroles net au roi disant (—1) 

Creoit bien dien le pere roi amant, 
in AV: 

Bon crestien est sachiez voirement 
Gelluy qui aloyt an roy jlluec disent 
Bien croyt en dieu le pere royaulmerct 

148S4. Hinter diesem Verse schiebt T den Vers 14889 ein, 
T hat diesen also zweimal. 

14 904 — 08. Dafür in RAV folgende 4 Verse; 

Yo, est en eele tor leanz 

0 lui seimb. dont len ma eonte taut 

Q?<i a saint gile ma oscise ma gent 

Se il ne uient (Se eile nlst \A r ) de la tor erraument. 

i 

14909, occirai Da P und T penderai lesen, was auch einen 
guten Sinn gibt, so müssen wir nach dem Handschriften-Stamm- 
bäum besser diese Lesart einsetzen, 

14 931. Dahinter in RAV 5 weitere Verse: 

Si com ioi mon pere recorder 

Li preuz bueuun cui (que AA r ) d eus puisfc enorer 

Li mal iuif uos firent tormenter 

Per pecheors uousis (voulsites AV) inort endurer 

Por eus denfer et trere et giter. 

Var. Hinter 14 943, Druckfehler, L 14942, 

14950 — 57. Dafür in EW folgende 9 Verse: 

Que se il uuelent a lui merci crier 
Et de la tor issir et analer 
Le damoisel leira a decoler 
Si (Et W) le fera en sa terre inener 
La le fera bien norrir et garder 
Et ma, li fera aorer 

Sil se niaut bien en la loi afermer (enf. W) 

Roi le fera et eorone porter 

Le roi paim sot raolt bien sarmoner, 

14 959. d*autre Martin chanter * H. Suchier weist. (Miscellanea 
linguistica in onore di G. Ascoli 1901) nach, daß im A Itfran zu si scheu 

SÜinming* Boovo do Haiituuö, 21 








322 


Anmerkungen. 


der Ausdruck ckanter (parier) d'altre Martin sich ziemlich häufig 
findet; er nimmt an, daß Martin aus matire entstellt sei, welches 
sich z. B. im agn. Boeve de Raumtone v, C27 findet. 

14970—73. Dafür in RW folgende 6 Verse: 

Et deuant moi ton cors agenoillier 
De toi ferai trestot mon deairrer 
Ardoir en feu ou en eue noier 

Cel (Le mau W) uieillart fere si empircr (cowiparer W) 
Pendws (Pendu R) sera comme lierre murtrier 
Por lescopart (lachopart W) que il fist detranchier. 

14979 — 80. Dafür in RW 3 andere Verse: 

Lairons nos ci (Lairez moy vous W) morir raon eritier 
Cil {Cist W) sarr. nen aura ia pitie 
Molt est er« eus dews li doint encomhrier, 

14991. Dahinter in RW: 

Mieuz mieil quil mure (rnuire W) et quil per de le chief 
Que uos perdisse trop mauez fet de bien (eu niestier W). 

14 992. Dahinter in T 5 Verse: 

Se vous perdoie naroie recouurier 
Doutne vivant que onques fust sous eiel 
Desci atant que voäe repairier 
Buewon le preu q«i taut i’ait a prisier 
Od le secors dout auons graut meslier. 

15 025 — 20. Dafür in RW 0 Verse: 

Leisez lenfant bien puet auoir mestier 

Yos ou autrui sil estoit chewalier (ja ny aura denier W) 

Je men istrai (yray W) ia ni aura dangier 
Vosfre sere sei voulez (se uues R) otroier (— 1) 

Mes sires estes (f. R) ie ne le (nel R) quier noier 
Se (Et W) uos de mort me uolez respitier. 

15048. Dahinter in T: 

l)e vostre maistre q«est eil la tour serree 
Ki est od vous en dirai ma pensee. 

15051—52. Dafür in RW 4 Verse: 

Qui a seint gile fu lautrier arriuee 
Li acopart (achopart W) i (f. V') ot la teste coupee 
Oe fist eil (cist \V) uieuz a la barbe mellee 
Niere mes licz si laura comparee, 

15090 — 91. Dafür in RW 3 Verse: 

Quar cil hevaut ont fete la criee R 
Quatre banier y ont fayt la criee W 
Chase«» sarmast saus fere (que ny ayt W) demouree 
La ueissiez meinte broinne endousee. 




































Anmerkungen* 


323 


15 095, Dahinter in R\V 4 Verse: 

Et il i (luy W) uint ni a plus demore 
Qu noit (va W) le roi si la aresone 
Sire fet il dites uo nolcnte 

Et dist li rois ni ait plus areste (a p. demoure W). 

15100, Dahinter in KW: 

Sarr. lont molt richemßttt arme 
Un auqweton li out turc endouse. 

15119, Dahinter ist folgender Vers in den Text einzirfügen* 
der sieh in allen Handschriften findet: 

Tant Sarrasm contre terre verse. 

15152— 58. Dafür in KW folgende 3 Verse: 

ferez baren ni soit nnl espargnie (aus la gent an maufez"W) 
Qui ce ne croient que dew^ a estore 
La ueissez maint miste (riclie W) cop donne* 

Van 15177 und hinter v. 15177, Druckfehler, 1. 15178. 

15197, Dahinter in T ein Einschub von G7 Zeilen (s. An¬ 
hang III), 

15 212. paien vinrreni . . . graut plmtSj s. Amu, zu v. 13 483. 

152IG. Dahinter in T 3 Verse: 

Mais a bue. fust ia mal eneontre 
Quant ses barnages est od lui aiostes 
Adont i ot maint pesant cop donne. 

15 234 — 49. Dafür in RW folgende 7 Verse: 

Je gart (gars R) lenfant qui de vous est (que uos 

tant K) amez 

Or le (Je le vous W) rendre si uos le commandez 
Bien croi en dien qui de ui er ge fu nez 
Crestiens iere en fonz regenerez 
Bien a set anz que ce est mes pensez (que y ay 

mon penso \V) 

Amis dit b, certes bien dit anez 
Ke uos faudrei tant come uif screz. 

15 270. Dafür in T ,3 Verse: 

Bue. les a baisiet et acoles 
Et la dame a son enfant acole 
Grant ioie en fait ie euie tele norres, 

1527S. Dahinter in T: 

Ains si combat mes oncles li senes 
Et nos barnages kest de mer escapes. 


21* 

















324 


Anmerkungen. 


15280. Dahinter in T 3 Verse: 

Mais vos arais tous me salueres 
Le roy th. et oudart le menbre 
Dame dist bue. a vostre volente. 

15281. Dahinter in R 5, in EW noch 2 weitere Verse (in 
Var, unrichtig): 

Li rois hermins oueqwes lui est alez 

Apres lor genz ez les uos aroutez 

Qui les paiens siuent parmi les prez 

Hois yv. senfuit molt airiez 

Naurez cstoit par andeus les costez 

Quant li paien fu un (ou W) tertre montez 

Bien fu de b. parchius et rauisez (parsus et auise W). 

15280 — 03. Dafür in RW folgende 5 Verse: 

Je le uoi la o lui meint compaignon 
Nen puet aler se deu plest et son non 
Or mo suiuez et uos et uo baron 
Girai (Sire W) apres le sarr. felon 
Sus arondel mon destrier arragon. 

15293. Dahinter in T: 

Et vengerai mon petit Yaleton 
Que me tolirent li encrieme felon. 

15 329. Dahinter in T: 

Et li barnages dengleterre sor mer 
Var laus sont mort desconßt et mate. 

1533G. Dahinter in RW 2, in T G Verse; in RW: 
Trestoute ta gont sont a mort liure R 
De uos he gent petit en remainrez W 
Perdu auez les barges (berges W) ei les nes; 
in T: 

Car bien me menbre du grant estor campel 
Que me fesistes sor noires combles es pres 
Ja perdi iou mon fil enmaillote 
Par vostre gent et par vo poeste 
Vengerai moi par diu de maiste 
De vostre cief me sera amende. 

15357. En douee France. Statt dieser Lesart von PRW ist 
wohl besser mit T En Engleterre einzusetzen: 

15350. Dahinter in T IG Verse: 

Un graut termine i fumes seiome 
Par losengiers en fumes hors gete 
Vers iherwsalem euc mon chemin torne 













Anmerkungen. 


Od moi menai yo, au Tif der 
De dem enfans fu ses cors emblaes 
Quant uns orages me mist en vo regne 
En noires combles la fumes esconse 
La fit la dame de son fruit deliiires 
De deus biaws fifcs qm moult avoie ames 
La fu mes cors mtmlt male ment menes 
Tu mi tolis yq, au yü der 

V 

Lim de mes fms petis enmailloles 

Uh perdi iou p ar ma grant folete 

Mais p ar la postre con quiert en noiron pre 

Ja te eera de ten chief amende 

Jou neu prendroie tont lor qifi est fondes. 

15376. Dahinter in BW 4 Yerse: 

De ucwfre fuiz sei (se IV) uolez otroier 
Tot por sa mere q ue ie pris a moillier 
Par oelui dieu qui fu croicefie (cruxifiez W) 
None charnaument ne fn de lul priue R 
Ne fnsmes oneques quemnn dune amictie IV. 

15383. Dahinter in T 3 Yerse: 

Et il se viut leuer et baptisier 
Mais ne len croi en verte le sachies 
Desci a tant q ue il est baptiaies. 

15397. Dahinter in R: 

Par tel uertu la li bers sone (— 1} 

Toz retentist et ii bois et li prez. 

15403. Dahinter in R 10 Yerse: 

Rois yuorins se dreca en estant 
Entendez moi et paien et pereant 
Et un et autre turc et popeliquant 
Conterei uos trestout le couenant 
Quo fet auom uers bueuon lo uaillant 
Desor croiron en dieu le tot poissant 
Car il cria et ciel et firmament 
De nos puet fere tout a son talent (— 1) 

Qui ce ne croit il na de mort garant 
Mo[r]ir lestuet et finer a torment. 

15427. Dahinter in T 3 Yerse: 

Et puis oudart a eui escoche apent 
Le roy th. fll le maistre vaillant 
Et tous ses pers dengleterre la grant. 











326 


Anmerkungen. 


15430. Dahinter in RW: 

Grant fu lofrande et de lor i ot tant 

Net porteroient dui mul et aufricant (en traient W). 

15473. Dahinter in T: 

Li rois oudars va la dame adestrer 
Li preiia th. fius soy. le barbe. 

15491. Et Josiane et Soibaus. PT nennen nur Soibaut, doch 
ist unzweifelhaft die Lesart von ßW richtig, da Josiane bei dem Jlahle 
nicht fehlen kann. Diese Auslassung ist aber in jenen beiden Hand¬ 
schriften zufällig gemeinsam; sonst müßte nach dein Stammbaum 
die Lesart von P und T eingesetzt werden. — Hinter v. 15491 in T; 

Li rois oudars sasist a lautre les 
Li rois th. et engres qui fu ber3. 

15504. Dahinter in T ein Einschub von 67 Zeilen (s. Anhang IV). 

15519. Dahinter in RW 3 Verse: 

Li (Un W) arceuesques a la messe chante 
En un cerquil en ont le cors (roy \V) pouse 
Et yo. la durement plore. 

15528. no peme. Ko steht in BW, während PT mon 
haben. Wie aber Ebeling, Zs. f. fr. Spr. 25, II, 100 sq. nach weist, 
geht in direkter Rede mehrerer Personen der Autor im Air. einzeln 
von der 1. Pers. des Plur. zu der 1. Pers. des Sing. Über, vergißt 
also, daß mehrere sprechen. Danacli braucht mon nicht als Fehler 
angesehen zu werden. 

15532 — 34. In diesen Versen ist die Lesart von T ver¬ 
mutlich die richtige. Gegen die von EW spricht, daß hier in 
v. 15 532 Bueve statt Josiane als Erbe hingestellt wird; gegen die 
von P, dafi dort Bueves Erbrecht nicht durch seine Ehe mit Josiane 
begründet wird. 

15546. Hinter diesem Verse (Var. unrichtig „Hinter v. 15 545 1 ') 
in RW 3 Verse: 

Li fuiz bueuon auoit dose anz passe 

Si bei enfant nauoyt (na R) en (a W) nnl regne 

A penthecoste que len dist en este. 

15558. Dahinter in RW: 

Sire fet il deits vons (f. R) en saehe gre 
Le glorieus li rois (le roy W) de maiste. 

155G9 — 70. Dafür in R folgende 7 Verse (Var. unrichtig: 
„in T 6‘ ; ): 

Cent damoisiaws ont o lui este (— 1) 

Toz gentis Lomes et de grant noblete 















ÄmnerkuDgen. 


327 


Por soe araor i ont la nuit noille 
Uns arceuesqws lor a messe ehantee 
Molt riehe offronde ont sor lauter pose 
Et qua nt il orent le servise escoutc 
Droit au palais sen sont retorne (— 1). 

15 62!, En un arpent fu quatre fois tarne s. Über dieses Reiter¬ 
kunststück und andere s. Schmidt, Das Reiten und Fahren eta S. 9G, 

15 650, Dafür in R 3 Yerse: 

Molt richement nos seroit auenu 
So d&us uousist et la soe uertu 
Mes ne puet estre ne la pas eome ntu, 

15GG2, Die Lesart von P de sour mer la nauie gibt keinen 
Sinn* — Hinter v, 15 6C2 bringt T noch 3 Yerse: 

Le mist li fei II cors diu le maudle 
Gele bonte li ai iou bien merie 
Sa char en fu a grant honte perie. 

15 670. In den Varianten einzufügen: „fehlt in R u . 

15 CS3. Dahinter in T 3 Yerse; 

Ne ainc guilL li marchis au cort nes 
Ainc taut nen ot en trestout son ae 
Not ainc repos ne soir ne avespre. 

15 733. port d* Aussah Ein Hafen dieses Namens wird sonst 
in den altfränkischen Epen nicht genannt, auch laßt sich nicht 
sagen, was damit gemeint ist, 

15 736. Or vorn devons a Buevon repainer* Vom ist die 
Lesart von RTW und ist als Dativus ethicus zu fassen, ähnlich wie 
in: Ci vous lairai de Buevon y, 16 3GG, ähnlich v. 16 37Ö, IG 901 
und 18 948, 

15 780, Dahinter in T 4 Yerse: 

Os vous lairai mon maistre a la chiere membree 
Et godefroy qm bien fiert de lespee 
Cent Chevaliers garderont la contree 
Con ni niesfache vaillant une denree. 

15811. estrumantj auch esiurman stammt von dem nieder!. 
stuurman und bezeichnet den Steuermann des Schiffes, der oft zu¬ 
gleich der Kapitän desselben war, s. Prahm a, a. 0. S, 124 — 25. 

15 829. formient s. Anm. zu v. 4124. 

15 833, la roi Druckfehler, b le roL 

15 868, Setze am Schluß ein Komma, — Barbarie bezeichnet 
die Berberei, das Land der Berber in Nordafrika und wird in der 
altfranz. Literatur mehrfach erwähnt {s. Langlois, Noms propres 
S. 68), 


* 







































328 


Anmerkungen. 


15 892, Qm il renoit So mit RW, da Qm il renoie , wie 
P liest, offenbar nicht richtig ist. Denkbar wäre auch qm s'ü 
renoie (T). 

15 894 —9S. Die Auslassung dieser Verse In P ist dadurch 
veranlaßt worden* daß sowohl v. 15893, als auch y, 15 898 das 
Beimwort racordes auf weisen, so daß die Verse dazwischen leicht 
übersprungen werden konnten. 

15 956. roi Jheremie, s. Anm. zu v, 1809. 

15 983. mire* Die Form mie für „Arzt 44 , die P hat, kommt 
sehr selten vor; doch ist sie mir in folgender Stelle begegnet: 
Damedieus n’oublia mie La couslume dou nage mie 7 Qm quant il 
a plaie vme . . Qu il la plaie garir ne laisse Yie de St Retni 560. 
Die Form hätte daher in den Text aufgenommen werden können, 

16 015, Au tour francois cst revenus . Über tour frangois 
s. Anm, zum agn, Boeve 3604; der Ausdruck kehrt in Vers iS355 
wieder. An letzterer Stella wird das Manöver im Kampf ange* 
wandt, an unserer dient es als Reite rkunatstiick* s. Fr. Schmidt, 
Das Reiten usw. S, 96. 

16061. Nuble begegnet schon im Rolandsliede (v. 3224) als 
der Name eines heidnischen Landes; es hat aber wohl nichts mit 
Nubien zu tun, da letzteres selir viel häufiger als Nubie verkommt, 

16062. Dahinter in T 3 Verse: 

Bue, le prist un iour qtd est passes 
De sous siuele ou il fu ariues 
Awec son frere escorfant le menbre. 

16077. Ke mais . . ne „ebenso wenig“, s. Anm. zu Boeve I, 
9068 und Tobler, Verm. Beitr. 3 3 , 92 sq. Dafür ne plus: ne s’en 
porent esloingnier Ke plus qm se por dt ahn gier La rnari . . . 
Eussent la maison assise St. Remi 6454. 

16083, Sarrasin furent grant fuisort, s, Anm. zu v f 13483. 

16 089. Dafür in R: 

Delez la boucle li a fret et fause 
Panni le piz li conduit son espie, 

16 093. Dahinter (Var. unrichtig,hinter v, 16 092) in T 3 Verse: 
A tant es vous bue. tout abrieue 
Voit le sien fil a pie en mi le pre 
Cui il ataint tost a son tans nse. 

16096—98. Dafür in R (Var. unrichtig „in RW“) 10, in 
W 9 Verse: 

Meint turo i ot oscis et afole (decoppe W) 

A beuuonnet ont un (le W) cheual mene 
Fort et isnel corant et abriue f* W 
Li bers i monte par lest der neeile 

























Anmerkungen. 


329 


Bemie son pere lauoit aresone 

Fuiz dist Ii rois comraent 1103 uet (est W) por de 

Estes el cors ne plaie ne nanre 

Nenil uoirs sire la merci damede 

Eespont li rois dews en soll aore 

A icest mot sont en lestor entre. 

16108, Boi Athanas. Das überlieferte rois kann beibehalten 
werden, s, Anm, zu v. 6647. 

16109. Dahinter in KW: 

Cent (Dis W) nute et plus de la geste puant 
Le roy {rois R) amena voirement (noirement R). 

16151, Gegen die Lesart von P spricht einmal das Reim- 
wort commantj das auch in y. ] 6152 vorkommt, besonders aber, 
daß etwas über die Ausführung von Turcaiit’s Befehle gesagt werden 
muß (vgL v + IG 153), 

16 244. Se H Turs fust baptisies et levis * Tels Chevaliers ne fu. 
Es liegt eine verkürzte Periode vor; hinter dem Bedingungssatz ist 
Irin zu zudenken: „so würde man zugestehen, erklären, daß“. Dieser 
Satz würde also Hauptsatz zu dem Bedingungssatz und inhaltlich 
auch zu dem folgenden Substantivsatze sein, der formell auch Haupt¬ 
satz ist. Andere Beispiele: S } or cust joie , moult fu bien osteles 
Bueve III, 9793 („so hätte man wohl sagen können"); Mais s 7 ü 
s*osaisent as Sarrasins mcslcr, Moult i fist ge nt la röine asanler 
ib. v. 10 011 („so wäre alles gut gewesen, denn 1 ); Se je i muir , 
Deus a tot a garder Enf, Yiv. 120 (so müßt Ihr denken); Se je . , 
vivoie tant Queje vSisse * , Dos deits ensemble . , Combalre . ^ Onques 
de riens si liez m fui Heraugis 2011 (so würde ich erklären) u. a. 
Über derartige Konstruktionen s. A. Schaidt, Die vollständigen hypo¬ 
thetischen Satzgefüge mit der Konjuktion si im Französischen, 
Diss. Göttingen 1911, S.50 sq. (der allerdings eine andere Erklärung 
gibt), und Georg Kiene, Zur Syntax der Bedingungssätze im Fran¬ 
zösischen, Diss. Göttingen 1914, S. 26 sq, 

16344— 45. Dafür in T 3 Yerse: 

Quant la dame ot son signour auise 
Encontre va car moult lauoit ame 
Bu& li a son bras au col gete* 

16 344. Die Lesart von P erscheint wegen des grammatischen 
Fehlers (ale auf Josiane bezogen) unmöglich. 

16 345, Va. So besser mit RW statt a in P wegen v. IC 347, 

16 355. Dahinter in T: 

Tont pour la ioie de bue, le sene 
Et de son fll q ui est rois couroimes. 




330 


Anmerkungen. 


IG358, Dahinter in T: 

Cil damoisel eil legier baceler 

Et ces pueeles qwi tant ont de biaute. 

16359 — Gl stellen in W zweimal, dann noch einmal v. IG358 
bis 60 und dann v. lG3G2sq. 

16369. Dahinter in T 3 Verso: 

Ot le serui de bonne volente 
Forment lamerent de bonne volente 
Et il meismes gi’ant foi lor a porte. 

IG 377. aroit a non Guis. In v. 11938 heißt der Fischer 

M 

Fouquerant. Uber diese Inkonsequenz des Bearbeiters s. Einleitung 
S. 19 G—97; über weitere Beweise von Unachtsamkeit s. ib. S. 136,137, 
139 — 40, 143—4, 149, 150 u.a.; Anrn. zu v. 1767, 2411, 277G, 
4370, 11389, 12845 — 8, 14283 u. a. 

IG379 —80. Dafür in T 3 Verse: 

Par non le nomment herminet ce mest vis 
Par le boscage la ou il fu norris 
Par la vertu le roy de paradis. 

10 381. Quant ol sei ans . Sieben Jahre erscheinen zu wenig 
für die gleich darauf von ihm berichteten Taten. Daher schiebt T 
hinter v. IG382 den Satz ein: „Als er 15 Jahr alt war“. 

1038Gsq. Über diesen Zug, daß der Pflegevater eines Find¬ 
lings adliger Herkunft den vergeblichen Versuch macht, diesen einen 
bürgerlichen Beruf erlernen zu lassen, wobei die ritterliche Natur 
immer wieder durchbricht und alle Versuche zu Schaüden macht, 
spricht Boje (a. a. O. S. 12 G), der auch die verschiedenen dabei ge¬ 
wählten Berufe aufzählt. 

IG401. aigmlins. Über den Plural s. Anm. zu v. 882. Da, 
wie wir dort erfahren, die Bezeichnungen der Tiere auch deren. 
Felle bedeuten können, so wird auch an unserer Stelle aignelin 
„Lammfell“ heißen, eine Bedeutung, die, obwohl jetzt vei'altet, dem 
Worte auch im Nfr. noch zukommt. 

16404. Statt dieses Verses in T folgende S: 

Cuiuers garchons com losastes penser 
Ke mes paroles ne nies dis trespasser 
Nestes mes flas psr le cors s. omer 
En mon batel vous trouvai sor la mer 
La on vous fisent ne sai qucl gent. porter 
De S05i mon braue si com ioi conter 
La vous rauirent en batailie camper 
A un franc hom??ie de haust, sor mer. 






Anmerkungen. 


331 


16405 — 7. Es muß überraschen > daß der Fischer sich liier 
so gut über den Vater des Findlings und dessen Schicksale unter¬ 
richtet zeigt In v. 11 649 sq # haben wir erfahren , daß Bueve seinen 
Sohn am Meeresufer in ein Boot gelegt, in v, 11935sq M daß ein 
Fischer das Kind bald darauf dort gefunden, seiner Frau gebracht und 
gemeinsam mit ihr erzogen hat Das ist dem Bearbeiter offenbar 
hier nicht gewärtig gewesen. 

1G41L Dahinter in T 9 Verse: 

Hermines fius ie ne fais fors jouer 
Mes enfes estes ie nel wel celer (— 1) 

Mais aino li enfes ni ot puis son ponser 
Aino puis nel pot de loial euer amer 
Quil li oi tels paroles conter 
Aino iure diu qui tont puet go nur euer 
Se il sen puet pasrtir et deseurer 
Kerra son pere tant coin porra durer 
E fouquerres li a fait acater. 

16 409. se vaü (Vals deparkmt. So liest P, im Gegensatz zu 
en est iournm Venfant in HTW. Aber mit Rücksicht auf den 
Stammbaum erscheint es doch richtiger, letztere Lesart trotz des 
grammatischen Fehlers einzusetzem Letzterer findet sich im Reim, 
und tornes wird durch Guios Vcn tonte in v, 10 470 gestützt 

1G47G. Vertons. Der Harne lautet in TW anders (in den 
Varianten ist creions P zu streichen), in v, 1GG29 haben aber alle 
Handschriften Verton ^ nur P Vernon« 

16488. Dahinter in T 3 Verse: 

Or ne sai iou sil i fu raeordes 
Car puis nen soi nouelles ni vretes 
Droit a lenfant est erraument ales, 

16 51G. Dahinter in T 4 Verse: 

Mais uns traitres u batel vous porta 

A un estour vous tolli et reuba 

Et a sespee ochirre vous cuida 

Mais diu ne plot q ui tont le mont fourma. 

16532—34, Diese Verse fehlen in PT, sie müssen aber mit 
Rücksicht auf v. 16545 Bq. eingesetzt werden; demnach sind sie 
zufällig zugleich in jenen beiden Handschriften ausgelassen worden. 

IG 550, Dahinter in T 3 Verse: 

La bonne dame le porta en son le 
Sen deliura ens en un bos rame 
En noires cornbes quant furent ariue. 

Var. „Hinter v. 16553“ Druckfehler, L Hinter v, IG555. 








332 


Anmerkungen. 


16569. In diesem Verse und in den folgenden erscheint der 
König von Frankreich als Lehnsherr auch von England. Über diese 
Auffassung s* Einleitung S. 144,147—8 und Ämn* zu v, 11389 — OL 
— Dahinter in T 3 Verse: 

Que il li donnent sil viut la roiaute 
Li rois guill. ia dis li ot donne 
Pour son filluel qtie tant auoit ame. 

Der Vers, den P hinter v* 16 569 hat (s. Var,), enthält die un¬ 
richtige Angabe, Bueve gehöre zum Geschleckte des englischen Königs* 

IG574. Dahinter in T: 

Ken hermenie ala a graut barne 
Puis ne oi menchoigne ne vrete. 

16 581. h matin . Über die Bedeutung des bestimmten Artikels 
s. Anm. zu v* 4557* 

16 606* Quinse sornmiers (Vor et d'argent troussb Man 
erwartet Irousses auf sornmiers bezogen* Da aber alle vier TIss. 
troussS im Reim lesen, so ist dies beizubehalten und sommier im 
Sinne von „Maultierladung 11 aufzufassen, also „15 Maultierladungen 
an aufgeladenem Gold und Silber a , 

16 650* la dmne du casteL Damit ist die Tochter des Scliloß- 
herrn gemeint, vgl v. 16709, 16715 —17. 

16 657* Dahinter in T 6 Verse: 

Plus lameroie q a& nule riens sous de 
Et dist li aut re or au es bien parle 
Se il mauoit de ses bras acole 
Plus lameroie que france le regne 
Et dist li autre or aues bien parle 
Ensi ont dit entrelles et parle* 

16 694* Dahinter in KW 3, in T 2 Verse: 

Quaire vint liures auoient bien couste f. T 
Se li a fait li enfes presenter f, E¥, 

Lenfes les a au bouriois presente (a loste fait donner T) 
Sire dist gui (jl W) tenes par amistie f. T* 

Var* 16 724, Einzufügen: „Fehlt in T tL . 

16 753. Der Vers, den P dahinter einfügt (s. Var.) ist sicher 
Zusatz des Kopisten, da sein Inhalt nicht der Wahrheit entspricht* 
Dasselbe gilt auch von dem hinter v, 16 764 eingeschobenen, weil 
er fast wörtlich mit v. 16 759 überein stimmt 

Var* 16 821 — 29 Druckfehler, 1* —28. 

16 822 — 26. Die Verse fehlen in T, sie müssen aber ein¬ 
gefügt werden, weil die dort erzählten Ereignisse in den Zusammen- 




Anmerkungen. 


333 


hang gehören, z, B. ist v. 16827 ohne die vorangehende Zeile 
unverständlich. 

16 828. Dahinter in T: 

Car de lauoir aues vous a foison 

Et sil vous plaist asses vous en donrons. 

16 883 und 16 835 stehen in W zweimal, der dazwischen 
stehende Vers fehlt dort. 

16848. Dahinter in R 7 Verse: 

Deus uos saut siro qui sofri passion 
Yenez o moi et uostre cowjpoignon 
Mi sire le mande et nos uos en prion 
II est lasus en cel mestre donion 
Oueques lui si prince et si baron 
Cort tiut pleniere de ceus de son roion 
Sire dist gui molt bon gre li sauom. 

16870 — 82. Dafür in P nur 3 Verse (s. Anm.), die Über¬ 
lieferung ist dort offenbar verstümmelt. 

16 881 — 82. Dafür in T 13 Verse: 

Droit a hanst. que de uoir le sauons 
Puis revint cha de gent ot grant foison 
Od lui eine mile de cheualievs barons 
Sans la pietaiile eseuiier et garchon 
Droit en la terre herminet le baron 
Ei peres est yo. au cief blont 
Nous le laisasmes es nes et as dromons 
Guerre i trouasmes si grande ne vit on 
Car yv. de monbranc le royon 
Ardoit la terre herminet le baron 
Et li mefoit en fu et en carbon 
La li fesismes un secours si tres bon 
Que destruisismes yv. lesclabon. 

Hiernach soll also Bueve nach Hantone zur Geh gekehrt sein, 
was aber der Wahrheit nicht entpricht. 

16890. Dahinter in T 8 Verse: 

Et li barnages quil avoit amene 
Diaus men porti ia mar en douteres 
Quant fu conquis yv. li barbes 
Apres rechiut sainte crestiente 
Et ses barnages quil auoit amene 
Eil nel rechiut si ot le cief eolpe 
Si men revinc en iccstui regne 
Od lui remest me3 peres li barbes. 










334 


Anmerkungen. 


IG897. Dahinter in T 3 Verse: 

Mais sil seust de lenfant la Trete 
Plus grande ioie en eust dernene 
Ado nt monterent u grant palais paiie. 

IG002. piummt et ehre, s. Amu. zu y, 11115 und 4338. 

IG930. Malagus. Die Hss. weichen stark von einander ab: 
die richtige Form ergibt sich aus v. IG990, 17 031, 17049, 17121, 
17184, 17 393 und 17 422. 

IG932. Dahinter in T: 

Turgans les guie uns pa. doutremer 
Deuant ceuanche sor son destrier armes. 

17048. Dahinter in T: 

Car mottlt est iouenes et de petit ae 
Mais mofcdt est preus selonc le mien pense. 

Var. 17122 — 35, 1. 34 statt 35. 

17141. en rille, de Blaion. Der Zweikampf fand also auf 
einer Insel statt (vgl. v, 17158 und 17482), unzweifelhaft, um 
leichter unberechtigte Einwirkungen auf den Verlauf des Kampfes 
verhindern zu können. Diesem Brauch begegnen wir mehrfach. 
So wird in der Fassung III auch der Gerichtskampf zwischen Bneve 
und Doon auf einer Themse-Insel ausgefoehten (III, 75G0und 7589). 
Weitere Belege führt O. Leibecke (Der verabredete Zweikampf in 
der altfranz. Litt., Diss. Güttingen 1909, S. 50) auf. 

17149. Vcngendra uns häion. In betreff dergleichen Angaben 
über fabelhafte Herkunft von Pferden s. Fr. Schmidt, Das Beiten usw. 
S, 87. • ' ~ 

17150. Taus jors couroit ... Ja ne moillcist. Couroit ist 
Imp. Fut., steht also für courroil. Es liegt also der Fall vor, daß 
ein hypothetisches Satzgefüge durch zwei asyndetisch aneinander- 
gereihte koordinierte Hauptsätze vertreten wird; s. Erich Helmer, 
Die Vertretung hypothetischer Nebensätze durch andere Konstruk¬ 
tionen im Französischen, Diss. Güttingen 1913, S. 26 sq. 

17175. Dahinter in T: 

Car ie tarai errant mört u tue 
Dist hermincs or maist damredes. 

17187. Baksgues ist eine andere Form von Balaguei , das 
bereits im Bolandslied (v. G3, 200 und 894) und in vielen anderen 
Epen vorkommt (s. Langlois, Noms propres S, G5), ursprünglich 
eine Stadt in Spanien bezeichnet«, nämlich das heutige Balaguer 
in Catalonien, nicht weit von Lerida. 











Anmerkungen. 


335 


17 208, Dafür in RW: 

Dessus lespaule est II e ous deuale 
Le haubars a empoire et fausse* 

17313, Dahinter in T: 

Si keneore voie mon pere le vaillant 
Ma dötice niere que ie desirre taut* 

17 31G* Dahinter in T: 

P ar diu glouton vous nires en auant 
Feres baron nes ales espargnant. 

17384* Dahinter in T: 

Quant il le broce des esperons des pies 
Effoudres sainble qui descende du ciel* 

17439* pluisor et li aliquant. Aliquant hat ab und eu den 
bestimmten Artikel vor sieh,, z. B. li auquant * * Aparceussent tost 
Vafeire Karre G85S; Li auquant s*en tornerent Aiol 1020 il 5*, und 
dies erscheint dann mehrfach in Verbindung mit plusor, das auch 
den Artikel zu sich nehmen kann, z. B, A go redistreni lor tatant 
Li plusors cVeus e li auquant Troie 3842; La defors sont cor ul 
li plusor et alquant Karlsreise 389; Oit aves auquant et li plusor 
Raoiü de Cambr. 2; En Ja mer sunt enirez plusors ei li auquant 
Gaufrey 4422 u* a* 

17 45G* Li quinse sigrn i sont poinf. Unter li quinse sifjne 
sind wohl die 15 Zeichen, die auf den Untergang dor Welt bin- 
deuten, zu verstehen* Auffällig ist nur, daß eine derartige Dar- 
Stellung sich im Zelte eines Emirs findet* 

17 505. Dahinter in T 9 Zeilen: 

Or vous coniur de diu et de son non 
Et de 8- piere s, pol son compnignon 
Et de la virge qui marie a a non 
Si vraiement que vous vauries pordon 
Auoir au iour qm angle trambleront 
Que vous me dites sil vous plaist vostre non 
Et qui vous estes et de quel region 
Gar bien sambles mon. droit signour buouon 
Le plus loial qui cauchast desperon* 

17 509* Dahinter in T 7 Verse: 

Mais nel ui de quoi la cormoisson (-1) 

En un batel me troua uns preudons 
Si men porta petit en sa maison 
Si me norri dius len dornst guerredon 
Taut ai ale et anal et amont 
Que apris ai de vrete le sauons 
Mes peres est li riches rois bueuonß. 




336 


Anmerkungen. 


17 516. Daran! folgen in T noch 20 Yerse: 

Dont le courut baisier et aeoler 

Sire dist il bien soies vous troues 

Je sni vos hons sor sains le puis iurer 

Que ie fui nes la ou vous fustes nes 

Et si fui la ou fustes deseures 5 

Du roy bue. q?« taut feit a loer 

Si vous rauirent sarr. et escler 

Gonces li fei et ses freres fourrea 

Pour vous sont il ocliis et (lecolpe 

Un frere aues qwi aivec vous. fu nes 10 

Le preu guill. od lo viaire cler 

Bien eroi quil soit chewaliers adoubeß 

De monbranc doit tenir lea iretes 

Apres le roy ie le sai de vrete 

En hennenie bue. porres trouer 15 

Je li laissai sachies de verite 
Et yo. qwi taut a le vif cler 
Hertnines loit moiilt en ot le euer cler 
Et waeadoce q«i fent feit a loer 

De la coulour graut ioie prist a muer. 20 

17518 fehlt in W (in Var. nachzutragen). 

17 521. Statt dieses Yerses (in Yar. unrichtig „statt v. 17 520“) 
iu T 4 Yerse: 

Et bue. Infr mowlt en ot le euer cler 
Grant ioie mainnent aine noistes son per 
Li doi enfent qui tant font a loer 
Miws se resamblent q ne deus goutes de mer. 

17 528. Dahinter in T: 

Et noblement sernir et atourner 
Grant ioie en font li borgois honreere. 

17 530. Dahinter in T: 

Trestout i vont viel iouene et baceler 
Et un et autre q«i i weHent aler. 

17551. Dahinter in B 4 Yerse: 

Mes oscondire pas ne li osa (-1) 

Tot en plorant otroie li a (— 1) 

Len fant li baille et gui len mercia 
Molt li a dit que bien le gardera. 

17 560. Dafür in E 3 Yerse: 

Tres bien le gart que molt preudon sera 
Tyerri retome et gui sachemina 
A granz sospirs lun lautre lessie a. 















Anmerkungen. 


337 



17 561, Dahinter In T 3 Zellen: 

A acre vint illuecqwes mer passa 
En hermenie uns templiers len mena 
De siuele ist hermin.es si sen va. 

17570 — 83, Diese Verse enthalten den Bericht des Pilgers 
über seine Schicksale in indirekter Rede, die allerdings nicht ein¬ 
geleitet ist Von seinem Zusammentreffen mit Euere haben wir 
in unserem Gedichte nichts erfahren. 

17 583. a Vostel le paumier delivra bedeutet, daß Bueve für 
den Pilger die Rechnung in seinem Quartier in Hermenie bezahlt hat. 

17 584 lautet fast wörtlich wie v. 17567; mit nos Franpoü 
sind Gui imd seine Begleiter gemeint, 

Var, 17599 — 633 Druckfehler, 1, 632. 

17 602, A un port W hat dafür A arbre port (in R fehlt 
die Stelle), was mit P A aubefort zu stimmen scheint, in Wirk¬ 
lichkeit dies aber nicht tut, P hat, wie gewöhnlich, hier stark 
gekürzt und läßt die Reisenden sofort nach Aubefort kommen. In 
den übrigen Hss, gelangt Gui aber erst nach einer längeren See¬ 
reise zu dieser Stadt (v. 17 607), und diese Seereise hat er von 
einem nicht genauer bezelchneten Hafen aus begonnen (v. 17 602), 
der also selbstverständlich nicht Aubefort gewesen sein kann. 

17 603 — 52. Dafür in P nur folgende 4 Verse: 

Au marines sest II enfes lenes 
II et si home sont vestus et pares 
Tieris ses freres estoit bien acesmes 
Vers le palais es les ackemines. 

17 606. Dahinter in T 2 (in Var. unrichtig 3) Verse: 

Aino par nui honme ne furent destourbe 
Tant ont nagie p ar mi la haute mer, 

17 625. Eige * Dieser Name einer Hafenstadt erinnert lebhaft 
an Riga, das aber liier nicht in Frage kommen kann. Der Name 
ist bei Langlois nicht belegt. 

17 634. Tkrri ot non. Es ist hier das erstemal, daß dieser 
Sohn des Bueve und der Vencadousse mit Namen genannt wird, 
und zwar lesen RW Tkrri ot non^ ainsi fu apeles f T dagegen 
Buevonnes fu par sen non a., während in P, das hier stark kürzt, 
der Vers fehlt. Derselbe Gegensatz findet sich auch in v* 17 642: 
gui Tierris est nommis RW, Buevonnes fu n. T (in P fehlt auch 
diese Zeile), in y. 17 718: Tkrriet au poil [chief RW) blont PEW, 
a la eiere fachon P; in v. 17 724 Tierriet l 3 mfangon FRW, Bue~ 
vonnet au cief blont T; endlich in v, 17 734: et o lui Terrion P, 
qui bien senbla preudon RW, od son frere Buevon T. Die Ent¬ 
scheidung zwischen beiden Namen wird durch v. 18 914 gebracht, 

Stimming, Roev© d© Hantone. 22 











338 Aumerkuügeu. 

der in P zwar wieder ausgelassen ist, aber in T in Form von zwei 
Zeilen erscheint: En Engleiem ont Venfant eoromie, Illuee le mu¬ 
mmt Buevon le restore , während er in RW En Engleterre ot non li 
restores lautet. Die Benennung restor4 7 die sich also in allen Hand¬ 
schriften findet, hat aber nur Sinn, wenn der Nachfolger denselben 
Namen wie sein Vorgänger hat, und daraus ergibt sich also, daß 
der Name Bueve der richtige ist, daher überall einzusetzen ist. 
Demnach ist bei uns zu lesen: BuevonnSs fu par son non apelSs, 

17 654. Dahinter in R: 

En haut parole que bien fu escoute 
Cil damo dieu qui en croiz fu pene 
Gart le roi b. et trestot son barne. 

17 686. Dahinter in T: 

Bue. monta en la tour pour mirier 
Pour la compaigne veir et acointier. 

17 713. Lai Man kann auch mit P lais lesen, s. Anm. zu 
v* 4546. 

17 718. Tierriet au poil klont, L a la eiere fachon ; ebenso 
v, 17 724 Buevonnet au ehief klont statt Tierriet Vmfangon r und 
v. 17 734 öd son frere Buevon statt et o lui Terrion , s. Anm. zu 
v. 17634. 

17 726. du mieus de $a maison , Über U mieus s. Anm. zu 
v. 1253. 

Var. 17 743. Mius P 7 Druckfehler L T, 

17846—48. Dafür in EW 24 Verse: 

Foi que doi deu qui nos doit gouerner 

Se ie i voi nul mautalant lener 

Tot (Dont W) le plus cointe le ferei comparer 

Cil de siuele lest le cheual aler 

Le fort escu prist a eschanteler 

La grosse lance paumoier et branler 

Le filz dun duc ala (uint R) a (i R) lui jouter 

Grans co us se donent sor les escus dorez (bandez "W) 

Le filz au (le W) duc fist son espie froer 

Que les esclices en fist en haut voler 

Cil de siuele don uos moez conter 

Cheual et homme fist a terre verser 

Done commencerent escuier a huer 

Quant celui vire?tt contre (a la AV) terre torner 

De toutes pars pristrent a assembler 

Ati filz bueuon font lances aporter 

Le ior en fist plus de irois cen% (dun cent E) quasser 

Et li rois bueue quant si le (il W) uit iouster 










































Anmerkungen. 


339 


Soo filz guion en prist a apeler 

Et ioslenna que il pot tant amer 

Dame clist {fait W) il eist (sil W) fait molt a louer 

Bist iosienne bien uos doit ressembler 

H es uos filz de uos fu engendrez 

A icest mot qm uos moez conter. 

Hinter r, 17 850 werden die fünf letzten dieser Yerse sowie 
v. 17 849^—50 in ßW wiederholt 

17882 — 86. Diese Yerse stimmen in allen Handschriften fast 
wörtlich mit den Versen 17 750 — 54 überein. Der richtige Ort 
für sie muß aber unsere Stelle sein, da Bueve, wenn er diese Worte 
seines Sohnes schon kennen würde, ihn nicht nach dem Befinden 
des Königs von England fragen könnte (v. 17 879), 

17 937 — 39. Statt dieser 3 Yerse hat T deren 2: 

Li rois hermini a la colour rosee 
Li rois guill. qwi ait bonne duree, 

17 948. Dahinter in T: 

Yous desfendes par lance et p ar espee 
Si que partout en voist la renommee; 

in ßW: Aidiez lun lautre au tranchant de lespee. 

17 969. Dahinter in T 3 Verse: 

Ensi disoit la dame dermenie 
Puls ne les vit a nul iour de sa vie 
A teuls paroles fisent la departie. 

18003. Saint Denise. Der Name erscheint in beiden Be¬ 
deutungen zuweilen mit gelehrtem -e r s. Langlols T Noms propres 
S. 581 — 82. 

18013 —IG. Die Yerse fehlen in P, sie können aber nicht 
entbehrt werden, weil sie die Schicksale des andern von Bueves 
Zwilliiigssöhnen, nämlich des Buevonet, Gufs Bruder, berichten. 

18Ö30, fist baptisUs et leves , Über diese Umschreibung des 
Verbums finitum s, Anm. zu v. 9070, 

18091* li fieus Guion. Dies ist eine Bezeichnung für Bueve. 
P und E haben dafür den grammatischen Fehler U rois Buevon. 
Ersteres hat aber wahrscheinlich in der Vorlage gestanden, denn 
es ist kaum anzunehmen, daß T und W unabhängig von einander 
jene immerhin ungewöhnliche Wendung erfunden haben sollten, 
während deren Ersetzung durch U rois Buevon sehr nahe lag. 

18096, Dahinter in T: 

CItes estoit de mault tres graut renon 
De graut richoise i avoit a foison. 


22* 








340 


Anmerkungen. 


Var. 18099 —100 fehlen in PT; I. fehlen inT, Cel roi guerroie 
uns paieus fausseron P. 

18103. Monbraidon. Es läßt eich nicht bestimmen, "welcher 
Ort damit gemeint ist. Langlois weist in der ConquGte de Jerusalem 
einen König Clarion von Monbrandon nach. 

18104. Dahinter in T: 

Sa eist asist entour et environ 
Et mist en fu embrase et en earbon. 

18110. Bah. Ich vermag nicht anzugeben, welches Land 
der Dichter hiermit meint. 

18127. le. maistre marinant. Dies ist die Bezeichnung für 
den Steuermann, der meistens zugleich der Kapitän des Schiffes war. 
Er wird auch maistre marinier, maronier, nachte)' oder einfach 
maistre genannt, s. Prahm, a. a. O. S, 123 — 25. 

18136. Dahinter in T 2 Verse; 

En tout ce regne na nule plus plaisant 
Entour la eist maint tref et maint brehant; 
in ß\V: Gaste li a meint borc et meint estant 

1817C—79. Dafür daß diese Verse, welche in P fehlen, ein 
Zusatz sind, scheint zu sprechen, daß sie auf -6s ausgehen, während 
die Laisse sonst auf -er reimt. Aber v. 18180 hat in allen Hand¬ 
schriften, auch in P, -es; also können auch die vorangehenden 
diesen Yersausgang gehabt haben. T hat versucht, durch Änderungen 
den Reim -er herzustellen, und hat dies auch In v. 18176—77 
durchgeführt, allerdings sehr ungeschickt (besonders in v. 18177), 
aber in v. 18178 — 79 hat auch T -es gelassen. Daß beim Auf¬ 
zählen der Hauptpersonen neben Josiane auch Soibaut besonders 
erwähnt wird, ist durchaus natürlich; vgl. v. 18200 — 201. 

18209. of. Das Subjekt dazu ist der im vorangehenden Verse 
erwähnte pomn, also König Falsaron. In P lauten v. 18209 —10: 
Par deuers destre vint la gent desree[e], 

Faussarons fu venus la matinee. 

18213. Dahinter in T 3 Verse: 

Mais ia per vous ni sera plus tensee 
Que eile ni soit a la terre versee 
La vostre force i aura poi duree. 

18269. Dahinter in T: 

Sil creist diu ne les soies vertus 
En nul roiaume no fast itels escus. 

18334. Dahinter in R 3 Verse; der erste auch in Vfi 
B. sen ist Ie pont fu aualez 
De ia uüe ist si est uenuz es prez 
La ou li turs latendoit toz armez. 























Anmerkungen. 


341 


18355, Au tour franfois est , * retomes, s fc Anm. zu v, 16105, 

18304. Statt dieses Verses in T: 

Ke sot qua faire li cuiuers mescreant 
De duel et dire va forment tressuant 

18 395 — 412, Dafür in P nur 2 Verse, die nicht in den 
Zusammenhang passen: 

Desor le hiame ala terre sespant 
Li sans li raie del nes moult duremant, 

18400, Dahinter in T 3 Verse: 

Pom 1 cou le üst sachies le vraiement 
Li sarr. nochesist laufe mint 
Arrier revient tost et isnelement 

18425, rois d'Oriani, um dt 6, Eine Stadt Oriant oder Orient, 
die aber nicht identifiziert werden kann, wird von Langlois (a. a, 0, 
S, 504) mehrfach belegt, 

18429 in Van emzufügen: fehlt in T, 

18450, Dahinter in T, 


Et quil ne liert sara le cief colpe 
Li rois sjmons bien si est acordes. 


1S472— 83 und 18485 — 504, Statt dieser Verse stehen in 
P folgende drei vor y, 18484: 

Puis espousa la bele au cors molles 
Puis prist congie si sen est retornes 
En son pais et trestous ses barnes, 

18516, Romania, s. Anm, zu v, 4277. 

18 523. Parmi la terre a sa voie acueillie. Da es sich hier 
um eine Gegend bei Rom handelt, so ist la terra wohl als Über¬ 
setzung des italienischen la Cajnpayna aufzufassen, so daß man auch 
la Terra schreiben könnte, 

18527, Nies fu son pere et fims au dm Elye , Von diesem 
zweiten Bruder des Herzogs Gui de Hantone und dessen Sohn, der 
also Erzbischof von Lyon war, hören wir hier zum ersten Male, 
Ebenso ist nie davon die Rede gewesen, daß Gui diesen Neffen 
bei sich erzogen hat (v, 18551). Übrigens hat der Bearbeiter ver¬ 
gessen, daß er den mit unserem Erzbischof identischen Abt Savari 
in v, 1459 zu einem Vetter des Gui von Hantone gemacht hat, 
während er ihn hier für dessen Neffen erklärt, 

18550 P Dahinter mW: 

Myeulx lamoye foy qua doy mini remy 
Que ne fesoye ntil homrne de soulin. 











342 


Anmerkungen. 


18552. Dahinter in W 5 Yerse: 

Com ine traictres desloyaulx loclt jl 
Dedens le boys verdoiaut et foilli 
Pleust a dieu qui oneques ne menti 
Que fast penäus anuyt ou le matin 
La traison que do brasa et fist. 

1855G. Dahinter in W 3 Verse: 

Car tousiours out de ce mestier .wuy 
Oneques bien ne firent ne bien ne consenti 
Plus de cent hommes ont jl entre eulx trahi. 

185G8. Dahinter mW: 

Et parez fu do quarreles ploume 
Nauoyt plus beau en trestout le regne. 

Var. Hinter v. 18570; Druckfehler, 1. v. 18571. 

18571. Dahinter in W 3 Verse: 

Et coppes dor riebe ment celle (— 1} 

Nest homme ou mon.de q m pas pouist esmer 
Lauoir quil valent en argent raonnae 

18573, Dahinter in W: 

Dieu le conduie le roy de mageste 
Pour qui jl fu trauaillie et pene. 

18581. Dahinter in W 3, in K 2 Verse: 

Et obligiez tout a sa voulente f. E 

Si li rois b. uenoit par cel (en cest W) regne 

Catnmc son cors leussent enore. 

18582. Var. lect. hin zuzufügen: vne bonne eite P. Da nun 
auch T cele bonne eite hat, so müßte man nach dem Hand sch riften- 
stammbaum einen dieser beiden Texte einsetzen. Ich habe aber 
die besser passende Lesart von RW gewählt, indem ich annehme, 
daß P und T zufällig übereinstimmend jenen Zusatz, der sich be¬ 
reits in v. 18577 findet, wiederholt haben. 

18582. Dahinter in W 3, in If 2 Verse: 

Li arccuesqwe a molt de lui pense 
De tout son pooir la jl bien aaisie f. E. 

Et li boriois de la noble eite. 

18583. Dahinter in W: 

Et si ont toute la ville encourtine 
Jcil present qui luy ont presente. 

18585. Dahinter in W: 

Et jbftsu crist pour luy en ont prye 
Que jl gart par sa saincte bonte. 





















Anmerkungen. 


343 


18686 — 89- Der Graf von Leicester wird hier also als ver¬ 
trauter Freund Bueves eingeführt, der ihn warm und herzlich be¬ 
grüßt Dieser ist aber bisher in unserem Gedicht überhaupt noch 
nicht vorgekommen, T hat Gloencestre statt Lewes tre, doch auch 
abgesehen davon, daß diese Lesart allein dasteht, paßt jener Name 
hier nicht Letztere Landschaft gehört dem Maxin, welcher in der 
Yerbanmmgs-Szene Bueves als ein ganz junger Knappe dargestellt 
wird und dort beim Könige warm für Buevc eintritt Aber Clöecestre 
wiid niemals Grafschaft genannt, auch wird Maxin nie als „Graf 
von Col ehester“ bezeichnet, so daß Maxin hier kaum gemeint sein 
kann* Andererseits verwendet sich bei den Verhandlungen vor dem 
Gerichtskampfe zwischen Bueve und Doon ein Graf von Chester 
sehr energisch im Interesse des ersteren (vgt v, 9131 und 9196).; 
daher ist es auffällig, daß dieser bei den eben erwähnten Gelegen¬ 
heiten nicht wieder auf tritt, sondern erst wieder später bei der 
Bestrafung der beiden Verräter Rohart und Amaurri. Dies alles 
beweist wiederum einen großen Mangel an Achtsamkeit, von dem 
der Bearbeiter unserer Fassung, wie wir gesehen haben, auch sonst 
mehrere Proben gegeben hat 

18706, Li rois se lieve, m m mai/n un haston. Der Stab 
war neben dem Szepter das äußerliche Abzeichen der Würde des 
Königs, So erfahren wir z* B., daß Richard Löwenherz, welcher 
sich zweimal, 1188 und 1194, feierlich krönen ließ, beide Male 
dabei das Szepter in der Rechten, den Königsstab in der Linken trug 
(A. Schultz, Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger, 1889, I, 
644—45)* Im Rolandslied (v. 280 — 81) überreicht Karl bekanntlich 
dem Ganelon seinen Stab und Handschuh, um sie auf die Gesandt¬ 
schaft zu Marsilie mitzunehmen. Daher wurde basion auch bildlich Im 
Sinne von „Oberbefehl, Herrschaft u gebraucht (s, Godefroy). 

18 737. Dahinter in T 5 Verse; 

Et yo sienne tili© hermin le bon rol 
Estoit roine awec bue. le roi 
Quant lor tramis lor enfant de par mol 
Cui ie donnai et armes et conroi 
Et si le fis ohemUev deuant moi* 

18749. Dahinter in T 7 Verse (dort in v, 18 748 Amanris 
loit statt Eohars lentent)': 

Nies fu rohart et de sa serour nes 
Cousins doon dont vous oi aues 
Par lui fu bue. de la terre getes 
Et par rohart le cuiuert pariure 
Par lor conseill et par lor faussete 
Fu lenfes huges en lestable tues 
Si com vous est et dit et deuise. 

















344 


Anmerkungen. 


18750. A m aurris. Dieser ist bereits bei dem Überfall auf 
Arondel getütet worden (v. 11057 — 61), s. Einleitung S. 167 — 68. 

18 765 — 66. Dafür in T 4 Verse: 

Et p ar robart le felon poriure 
Thieris Iocist &us soibaut le sene 
Ei a siuele est or rois coronues 
Dune grant bare lot tout esceruele. 

18 838. Dahinter in T: 

Tous les gloutons qui sont du parente 
A li rois bue. pendus et traines. 

18858—61. Dafür in E 22 (in Var. irrtümlich 21) Verse: 

Poincon troua un raboant leine 
Ses cleus enfanz qttil tenoit en cherte 
J1 ont lor pere acole et baisie 
Et conioi et raolt enore (— 1) 

Seib. a ses fuiz aresonez 5 

Enfanz dist il ne me soit pas cele 

Ou est uos mere qwe tant ai desirre 

Quant li enfant ont lor pcre escoute 

Des cuers soupirent des euz ont plore (— 1) 

0 pale uoiz li ont dit et conte 10 

Morte est lor mere de lärme ait de«s (— 2) 

Seib. lentent grant duel en a mene 
Atant ez uos les barons dou regne 
A lui en uienent par bone uolente 

Keceu lont comme lor auoe 15 

Mes maladie la sorpris et greue 

Ses amis mande si a tot deuise 

Leuesque i ui nt qwi est del parente 

Qui doucement li a dit et monstre 

De ses peehiez li die la purte 20 

II si a fet por bone uolente 

Cil len asout q«i en ot poeste 

Uit iorz uesqui et puis est trespasse. 

18864. Dahinter in T: 

A londres furent lamirable eite 
Set ans tous plains en ti[n]rent lirete. 

18893. ot a non Helle. Im Gegensatz zu der anglonorman- 
nischen und den übrigen festländischen Fassungen spielt der König 
von Schottland in unserem Gedichte keine Kolle; er wird allein an 
dieser Stelle erwähnt und heißt Elias, während er anderswo Aigart 
oder Oudart genannt wird. — Hinter diesem Verse in T: 






































A nme r t un gen, 345 

« 

Ses cousios fu estrais de sa lignie , 

Fiws fu oudart a la chiere hardie 
Oncles fu bue, qm taut ot seignorie 
Freres sa mere nel mescrees vüus mie. 

In R stehen statt dessen: 

Barons et eontes et tote la clergle 
Tuit i sont uenu q ue nul ne se destrie. 

18894. In den Var, einzufügen: fehlt in RVT. 

18908. Var. eus P, L eus T. 

18914. li RestareSj b. Amu. zu y. 17 634; wahrscheinlich ist 
auch bei uns die Lesart von T vor zuziehen. 

18960. Gorleus, Druckfehler, L Glofieus. 

18988* Dahinter in T: 

Et maintes herbes a dedans ahanes 
Par maintes ntiis a illuec demoures. 

19018. qui ainc chainsist d'espee. Ich kann ceindre nur 
transitiv oder reflexiv, aber nicht intransitiv nackweisen; T hat 
ftrist statt chainsist 

19033. Dahinter in T: 

De josienne la reine honneree 
Li ramenbra et de bue* son pere* 

19045* Dahinter in R 6 Verse: 

Et bien garniz de bescuit et de blez 
De char salee de uin et de clarez 
De riches tires et de poiles roez 
De palefroiz de destriers selornez 
De bones armes de forz escuz bendez 
0 moi menrai quatre cenz adoubiez. 

19053. Dafür in T: 

A lendemain quant solaus fu leu.es 
Ü dromon entre qui fu gratis et feres* 

19061—-63. Dafür in R 10 Verse: 

De bueuon fu roi gui aresonez 
Frere dist il enuers moi entendes 
Bien a sei ans accwpliz et passez 
Ne ui mon pere roi bue. lalosez 

Ne io. qwi tant a de biautez 5 

La nostre mere qui nos porta es lez 

Prenez congie a trestoz uos priuez 

La nostre terre bien garder cowzmandez 

Gui si a fet ni si est delaiez 

Puis sont andui en un dromont entrez. 10 











346 


Anmerkungen. 


19072. a Lions vint. Auffällig ist, daß Lyon hier vor 
Marseille als Etappe der Fahrt genannt wird. 

19074—77. Dafür in T 9 Verse: 

Droit a lions en est aehemines 
La est th. awee iaus aiostes 
De lions partent ni est nus arrestes 
Droit a paris ni ot resne tire 
Et hermines q«i tant ot de bonte 
Le roy de france por cui fu adoubes 
Voloit veoir car de lui fu araes 
Et quant le vit au pie li est aleß 
Li rois tantost len a sus releue. 

19077. Dahinter in R: 

Au roi de france en est au pie alez 
Par lui fu il ehewalter adoubez. 

19084. Dahinter in R 3 (Var. fälschlich 2), in T 14 Verse. 

In R: Een sorent mot estrange ne priuez 
Ne plot ihmi le roi de inaiestez 
Molt ot grant gent en cele riche (—1). 

In T folgende 14 Verse: 

Uns mos sen tourne ne si est arestes 

Ki le noncha a londres la eite 

Que li rois est droit au port ariues 

En sa compaigne a un roi coronne 

Od lui hermin daubefort le fremee 5 

Li rois th. de siuele sor mer 

Quant li rois bue. a les mos escoutes 

Des iei*s du cief commencha a plourer 

Va a lencontre les barons honneres 

Desci a iaus ne si est arestes 10 

Ensamble od lui a les barons menes 

Ens el palais qai a or fu ouures 

II fu asses qwi bien lor ot conte 

De yo. et de bue. son peir. 

19089. Dafür in T 4 Verse: 

Li rois th. li preus et li senes 
Li rois guill. et hermins li aloses 
Ki pour lor pere estoient forment ire 
Et pour lor mere q«i tant ot de biaute. 

19095. la forest d'Oubies. T liest: Vous en ires au bos con 
disi aubks; W nennt den Wald doublen, R des bien. Man könnte 
daher^auch dou bies schreiben; s, Anm. zu v. 2603. 














































Anmerkungen. 


19104 — 05, Dafür in T; 

Ni a eehii ne plourast de pitie 
Taut ont ale et auant et arrier, 

19115 — 27, Dafür in T folgende 17 Yerse: 
Mas et dolans coureehous et ires 
Et lendemain qnant iors fu esciairies 
Tont sen departent li barem Chevalier 
Au iouene roy prisent trestont congie 
Li rois guilL et hermms li proisies 
Lor frere ont moult acole et baisiet 
Puis est cascims arrier[e] repairies 
Luns ne vit lautre onq ues pnis ce sacies 
Chis linres faut di us en soit grasies 
Et benois soit qm teuls vous fist premiers 
Ki le eserit de diu soit il sainnies 
Onqwes plus nen oi de vrete le sachies 
Et qui plus en saroit on lorroit volentiers 
Yons qm laues oi tout beneoit soiies 
Pries pour celui qui che liure eserit 
Que d im le prenge a bonne fin 
Amen amen ensi soit il. 






Anhänge. 




Anhang I. 

Statt v. 377 — 1389 (in den Var. unrichtig 1388) der Aus¬ 
gabe (1013 Verse) hat W nur folgende 872 Zeilen: 

Et fist armer deux de ses cheualiers 
Et il meismes eeat bien appareillie 
Daubert et deaunie et despee dacier 
Assez mena et chiens et liemmier 
Ou boys dargonee en ala pour cbacier 5 

A dieu commande son filz et samonr 
Ne le Terra mais sain ne sauf ne haitie 
Lors eourut beuue acoler et bester 
Fuiz dist li qanz dieu te gart dencombrier 
Se je vy tant que armes puisses porter 10 

Grant est la terre que au ra s a iostiser 
En mon viuent te cuide si auaneier 
Fürs dame dieu ne te couuient prier 
La male dame sa desleal moillicr 
Son chambellant en print a arrestier 15 

Amis dist eile jl stet tost cheuauchier 
Jusques a villance sans plus delaterger 
Dy moy deon quil se pent de vengier 
Que quant guy va en la forest chacier 
Se sains ne sans len lesse repain'er 20 

Ja a mamour naura mais recouurier 
Et eil respont cg fayt a oetroier 
Et eil monta sus im courant destrier 
Jusques a voillance ne se voult atergier 
Adonc court son mesage conter 25 

Quant dos lentent ni ot quesleessier 
Lors fist armer quatre eens chenalicrs 
El ual dargonee salerent enbuchier 
Dieu peut du conte que a la mort est jugie. 

Do de maience ot quatre eens eseus 
Ou boys dargonee sont entrez et ferus 


30 


























Anhänge. 


349 


La trace treuuent de guion le chami 

Tant out un serf chacie et pourceu 

Que mort labat soubz ung arbre rarnu 

Do de maience la le premier amneu 35 

Si si escrie a force et a vertu 

Guj de hantonne mau soiez vous venu 

La mort mon per© vous ieit ia suy vendu 

Et la mon oncle bien raen est -souenu 

Que oceisses com me fei mesereu 40 

Huy est le jour quil te sera vendu 

Ne le lerroye pour un muy dor fondu 

Quant luy qaus qui ne pot viure plus 

Adonc parolle ne cest mie teuz 

Fuiez dit jl glouton estes ensus 45 

Que par lappost re que requierent li 

Auant que je meure vous sera diier rendu 

Lors brandit lance dont le fer fut molu 

Eiert le premier v uermeil de lesen 

Dessoubz la bouehe luy a fret et fendu 50 

Et le hauberl desmaillie et rompu 

Parmy le corps luy conduit le fer nu 

Mort le trebuche enmy le pro herbu 

Hantonne escrie a force et a vertu 

Dien cor nay si c ent armes a escus 55 

Tuit fussent mort eil traictor pariur 

Mieu essient ia nen eschappast nulz 

Beau chier filz beuue puls den com feras tu 

Mort yes beau filz quant ton pere as perdu 

Dien consent mame que a rna flu suis venu 60 

Bien ay este et trays et vendu* 

Guy de hantonne fut chemk'er menbrez 
Preus et hardis et darmez redoutez 
De destre broche des esperons dorez 
Et tint lespee dont le pont fu letres 65 

En la grarct presse cest moult bien esprouez 
Destre et senestre commanea a chapler 
Centre ses cops ne peult nulz homs durer 
Dis en abat li vieiz chanus berbez 
Ains que li brans luy fast des poins ostez 70 
Do de maience en fut moult airez 
Ses Chevaliers en a hault escriez 
Barons dist jl pour dien or esgardez 
Vez du vieillart com si cest reuelez 
Se jl meschappe tous suy desbaretez 75 



Anhänge, 


Qui le prandra bien luy est cncowtrez 

Moult luy donre auoir et keritez 

Et a touaiours aura mes amictiez 

Quant eil lentendement celle pari; sont alez 

Sen re luy couuient bien quatre emt armez 80 

Le conto encloent enuiron et en lez 

Lancent luy dars et espiez caserez 

Soubz luy ont mort son destrier seiowrnez 

Ensement lont lie et atrape 

Com li venierres fayt ou boys le sanglier 85 

Qui ne sen peut fouir ny aler 

Quant yoyt luy qane quil ne peut plus durer 

Son espee rent au traietre proue 

Mais luy crye pour dieu de maieste 

Do de maience la enuers luy tire 90 

Ysnelement luy a le heauine oste 

Et la uentaille du blanc haubert saffre 

Le jour fist do moult graut desloyaulte 

Que not du eoute ne luercy ne pitie 

Lespee trayt le chief luy a coppe 95 

Le corps sans lame est a terre versc 

Ly dui baron sont en fuie tourne 

Que auec luy ot luy quans guy amene 

Jusques a hantonne ni ot regne tire 

La ooise lieue par toute la eite 1Q0 

Tuit y acourent sergent et bacheler 

En vne biere en font guion porter 

Son corps ouurirent si luy ont enbaume 

Celle nuyt lont en la salle garde 

Jusques au matin que jl fut enterre 105 

An un mostier qu en feissent il el 

Seigneurs barons moult bien oy lauez 

Fuis quaret on est mort moult tost est oblies 

La faiiee ruande euesques et abbez 

Et clercs et prestres et moines couronues 110 

Seigneurs dist eile a moy en entendez 

Mesire est mort que vous bien le sauez 

Moy et beuuou en sorat lez et iriez 

Jl est moult jeune na que sept ans passez 

Taut que jl soyt Chevalier adoubes 115 

Se jl vous plaist feance me ferez 

Et eil responnent a no^re volente 

Trestous luy ont et pleui et jure 

Or est la fuuee en greigneur seurte 















Anhänge. 


351 


Not mie un moys ne quinse jonrs passez 120 

Manda do qua luy venist parier 

Et jl y vint neemye asseurer 

En sa compaignie Cent Chevaliers armes 

En Tilg Yergier fut ly ples diuisez 

Qui fut enclos a murs et a fossez 125 

Sua la fresche herbe fut ung tappis gectez 

Do et la darae sassirent les a lez 

Les Chevaliers fout aussus deus ester 

La male dame le apprint a appeller 

Sire dist eile je vo tis doy moult amer 130 

Pus que nul komme de la crestiente 

Lautre an vous vy soubz coulonne jouster 

Quant ooeisteöt dan ricliart de vielmer 

Depuis eelle heure ne vous peux oblier 

Mon sire est mort que vous occis auez 135 

Le mautaleut vous en soyt pardonne 

Jel le vous pardon ycy et deuant dcus 

Et si vous plaist a moiller me prenez 

Quant do len teilt moult en fut vergondes. 

Dame di do au gent corps aduenant 140 
Yostre sei gnur oceige voirement 
Mais je le fis du tout par vos commans 
Et j}our mon pere vengier encemant 
Dont print jl le Yengement 

Mais si vous plaist or le laissiez atant 145 

Car luy queux guy a amis et parens 

Et tous uiesnaez en auez ung enffent 

Qui me occira si vit longuement 

Ja ue verra quatre jours si auant 

Namay le pere non feray je lenfent 150 

Pour vosfre ame loccire en dormant 

Est vo us fromont et haste laiement 

Deux traistres que le eorps dicu crauant 

Basen dist eile franc Chevalier vaiHant 

Ostagies moy que niestier en est grant 155 

Que par beuuon naura eneombremmt 

Do de maience ne aussi ses parens 

Dame dy hate tout a Yostre commmt 

Et si vous Tient a gre et a talent 

Nous loccirons ne Tiara longuenumt 160 

La faulce lot si en ot joye grant. 

La dame appelle fremondin et haton 
Yenes auant franc chemiier baron 


352 


Anhänge. 


Ostages moy vers mon seign&ur doon 

Que de ma terre ne leura tencon 165 

Do se redoubte de mon enffent beuuon 

Dame dist bäte si me doint dieu pardon 

Se jl vous plaist maintenant locciron 

Je congnoys herbes dame ce dit fromon 

Et si scey faire et destemprer poison 170 

Jl nest komme ne powr voir le vous dison 

Cil en auoyt anale le menton 

Que par medicine en eust met guerison 

Je en donray a vostre enffent beuuon 

Mais que le col et passe du braion 175 

Naura mais jo«r de la mort guerison 

Lors se fienee et la dame et doon 

Quelle preudra a per et a baron 

Grant joj r e en maine ef liate et fromon. 

Or ont ensemblo la chose creantee 180 

Le mariage par male destinee 
Do sen reua en la sienne contree 
La faulce dame a a dieu commandee 
Mainteffoiz la besiee et acolee 
Puis si lot moult chierement comparee 185 

Puis en mourut mal la vit oncqz nee 
La male monte sus la mule affeustree 
Hate la print par la manche paree 
Et fromont la dautre part adrestree 
Jusques a hantonne ny ot regne tiree 190 

Parmy la porte en la ville est entree 
Deuant la salle cest ung peu arrestee 
A pie descent de la mule afeutree 
Beuue deuale jouxte une cheminee 
Tons les degrez de la salle pauee 195 

Sa mero auoyt reue et esgardee 
Que moult par fut ardant et enflambeo 
De lanemy fut pinse et enflambee 
Lan li ot ja la parolle contee 
Co mm ent doibt estre adorce espousee 200 

Et lauoyt ja pleuie et fiencee 
Quant beuue lot mie ne luy agree 
Des maintencnf lauoyt araisonnee 
Dame dist beuues ou fustes vons mandee 
Fusse a nopeez ou a feste criee 205 

Je vous voy cy vestue et bien paree 
Moult malement yous estes atournee 
















Anhänge. 


Voas siet bien la gimple en la greue 
Celle coulenr vous voyt monlt coloree 
Dame sembles de nounel mariee 
Mary voulez bien voy vorfre ponsee 
Tost est la mort de mon pere obliee 
Pute ressemble la Alle vos/re mere 
La male lot sa la coulenr rrmee 
Filz dist la faulce a tort mas remponee 
Dame eilst beuue par la vierge honoree 
Ne par celluy qui fist mer et gelee 
Se prens celluy dont jos la renommee 
Do de maience qui ma ocis mon pere 
Vous en serez courtement mariee 
Si en mourres par male destinee 
Et do aussi aura courte duree 
Par moy sera lame du corps ostee 
La male lot coidewr luy est muee 
Quant eile entent de beuue la pencee, 
Dame dit beuue se le corps dieu te 
De mary prendre vous vous deussiez tenir 
Jusques a set ans passez et accomplis 
Tant que je eusse mes garnemens vestiz 
Si vous pleust adonc prendre mary 
Je vous laissasse la terre et le pays 
Je nen tenisse vaillent vng engenin 
Mais men alasse aucun seigneur seruir 
Filz dist la mere quesse qm tu diz 
Te poise jl se je prens tel mary 
Qui garde ma terre et la tiengne aussi 
Trop pur es jeunes paine ne peult souffrir 
Dame cüst jl ja est ore ainsint 
Se je lauoye et jure et pleuy 
Se prenürez vous mon mortel anemy 
Do de maience qui mon pere meurdry 
Mais par celluy qui de vierge nasqui 
Se je vis taut q ne armes puisse souffrir 
Se mariage couuiendra departir 
Je ne pourroye endurer ne souffrir 
Courte duree aura vostre mary 
Je loeeiray au braue daeier forby 
Nuiz lioms fors dien ne le powrra guerir 
La male lot tont le sang luy freimt 
Moult fut dolente oneques mais ne fut cy 
Filz dist la mere com ty voyt asoty 

S11 m w i ng: , Boove de Hart tone» 


354 


Anhänge. 



Et de folie le tieu corps euliardy 

Trop seras fol se tu longuement vys 

Dieu ne fist homme qui toy puisse guerir 

Haulce la paume moult grant coup len fery 255 

Que enmy la place labaty estourdy 

i ’armv la beuche luy fist le sang saillir 

Ja lusit mort quant tibault luy tolly 

Ce fut ly maistre qui beuuon ot nourry 

Plus loyaulx homs de mere ne nasquit 260 

Celluy sembault de mort le garenty. 

Le vielz sembault qui taut lut loyaulx hom 
Moult doulcemeut a redressie beuuon 
Entre ses bras lemporte en sa maison 
Ou voyt sa fame si la mise a raison 265 

Dame regarder cowe mortel traison 
Veez de ma dame qui veult prendre doou 
Cil de maience qui a ocis guion 
Tant la batu raon damoyseau beuuou 
Ja leust mort mais rescoux luy auon 270 

La dame lot ne luy fut mie bon 
Tendrement plcure des yeulx po«r lenfancon 
Estant ses bras si acole beuuon 
Plorans luy baise le vis et le menton 
Lors le regecte bellemcut a bas son 275 

Tant mal y fustes gentil filz a baron 
Mal y vy sire la vosire nourisson 
Formewt vous heent yceutx traiteulx felon 
Bien scay et croy qui vous enherberons 
En vne chambre lont porte en escons 280 

Si lont couchie en vng lit abandon 
Sembault le cueuure du mentel fermeillon 
Beuues sen dort ny entant sa bien non 
A tant voycy fromowdin et haton 
Deux traistres qui moult furent felou £85 

Virent sembault eil ont mis a raison 
Sire sambault pour le corps sinnt simon 
Oy es vne chose que dire te voulons 
Sele consens moult seras riebe homs 
Or et argent te donrons a foisou, 290 

Fromont et hate que le corps dieu mauldie 
Virent sembault qui fut de boune vie 
Conte lyon la mortel felonnie 
Sire sembault homs de graut seigneutie 
Se voulez faire a nosire eommandie 295 















Anhänge. 

Hoult en aurez se dieu me donne vie 
Or et argent et autre manandie 
Ne serez pourez en nul jour de vo vie 
Et dit sembault or soyt la chose oye 
Se cest orgueil ou se eest feionnie 
Ou traison que mon seigneux ocie 
Se ne feroie pour a perdre la vie 
Car vielz komme suy cest la barbe florye 
De moy gaber me semble villennie 
Et cilz responde ce ne vault vne alye 
Nous reqnerons que beuue nous ocye 
Le filz guion qui mourut a kachie 
Bien le peuhc faire tu las en ta baillie 
Se ne loccis par dieu le filz marye 
De celle teste nemporteres vous mie 
Si en mourras ains leure de eomplie 
Chascun des deus trayt lespee fourbie 
Sembault vouloient occire a graut kackie 
Luy bons koms et graut paour de sa vie 
Les gloutons vit plains de grant feionnie 
Tout maintenant powr dieu mercy leur crye 
Seigneurs dist jl par dieu le lilz marye 
Se me occiez vo us ferez grant folie 
Et grant peckie se dieu si me benye 
Aincoys que muere par celle feionnie 320 

Occiray beuue ne peut remanoir mie 
Mieulx vueil qui muere que ainsi perde la vie 
fure vous ma foy vous est pleuie 
Que loceiray auant demain complyo 
Et si cilz responnent ne sera pas foüe 325 

Vous en aurez de nous la druerie 
Et de ma dame auoir et manandie 
Tout sou tresor meetra en vos baillies 
Or en peneez no lobliez vo m mie 
Sembault leur jure sur les sains que len prie 330 
Si ilz sen retourne qui le corps dieu mauldie 
Sembault demeure a la chiere esmarye. 

Sembault remaint ou not que couroucier 
Ou voyt sa fame prist len a aregnier 
Dame dist jl saurez moy ecmseillier 335 

Par ma foy jen ay moult grant mestier 
Fronont et bäte luy felou pautonnier 
Mont fait sur sains jurer et fiencer 
La mort beuuon mon seigncur droicturier 


355 


300 


305 


310 


31» 


23* 






356 


Anhänge. 


üoy le eouuicnt occire et detreneiner 340 

La dame lot le sens cuida changier 
Ha gentil sire dist sa franche moillier 
Mercy pour ilieu qui tout peut justieier 
Youlez vous donc dame dieu regnier 
Las ba ta couipe et si va au moustier 345 

Et prie dieu qui tout peut iustieier 
Qui nous deffende de ai fort encombrier 
Que ja deabie ne nous puist engigm'er 
Que maufavsons nostre seigneur droicturier 
Ne quil ayt maulx dont luy puissons aidier 350 
Mieuix ameroye tout ce pays vidier 
Et chestiue estre par es trän ge resnier 
Tant que messire 
Et mi dui filz refussent chrarlicr 
Et dist sende bien fayt a octroier. 355 

Sire sembault dist la dame au uis der 
Priez adieu qui tout a sauue 
Qui nous deffende de si inortel penser 
Que uulz deables ne te puisse encliantev 
Que ton seigneur faces a mort liurez 360 

Qui le ponist tant nourrir et garder 
Quo jl pouist ses garnemens porter 
Et nos dui filz refussent adoube 
Ny dureroient ly traitor prouue 
Bien les pourrons hors du pays gecter 365 

Et dit sembault dame or en pensez 
Eu vne cbambre vont beuue appeller 
Ly enffes dort qui nul mal na pense 
Sembault le boute si la a luy tiray 
Puis len appelle beliement et soue 370 

Dotnoyseatilx sire desormais vous leuez 
Nuit est obscure bien est temps de soupper 
Sire dist beuue a vostre volente 
Mais vne chose vous veil dire et conter 
Or auant mauint vng auision tel 375 

Quan vng mostier entroye pour eurer 
La vy tant cierges ardaus et embrasez 
Tant clerc tant prestre tant moinne courönne 
Tous reuestus puis la messe chanter 
Et a troys hommes oy ma mort jurer 380 

Ma destre eapaule vy de mon corps seurer 
Yne grant pierre me vy au col fermer 
Et dcdens bleue me faisoyt len gecter 














Anhänge. 


357 


Cest vue eaue qui fayt a redoubter 

Ne men pouoye yssir ne releuer 3S5 

Quant vne ehose me venoyt de par de 

Ma doulce da me au gent corps lxonore 

Yostre mamelle qui ma nourry soue 

Qui mabruuoyt dune poison yte 

A vng basin de fin or esmere 390 

Lespaule ou corps me faisoyt resanner 

La mercy dien ne suis malade ne blecie 

Dist sembault sire mau vous est encontre 

Je toccirroy que sus sains le jure 

Fromont et hates le traitor proue 395 

Mont fayt ta mort pleuir et aber 

Beuue lenteut son sens cn a raue 

Ou voyt sembault sil a araisonne 

Sire dit beuue ce soyt au plaisir de 

De moy feras la tene voulente 400 

Mais vng petit de respit me donnes 

Et dit semba«iß jo loctroy et le gre 

A un secret pour lenfFent regarder 

Beuue se gecte encontre vng pillier 

Dame dieu print de cuc«r a reclamer 405 

Glorieux pere qui tous peuz gouuemer 

Qui estoras et la terre et la mer 

Et en la vierge te lessas a vmbrer 

Et ou sepulcre couchier et reposer 

Au tiers jour de mort ressuseiter 410 

Si comme cest voir sire par ta bonte 

Pencez de mame que man corps est fine 

Se envers vons suy de riens meserre 

Beau sire dieux si le me pardonnez 

Et mon chier pere qui atort fut fmez 415 

En paradis la sienne ame poser 

Atant se saingne si est empiez leuez 

Qui donc oist le dansel demanter 

Ses poins detorder et ses eheueulx tirer 

Guyon son pere tenrement regrecter 420 

Tant mar y fustes franc cheualier menbrez 

Que vous amoyt ne ma gueres ame 

Apres romoyt naure gueres dure 

Beuue se painne ne se pot consirrer 

La mort redoubte nen fet mie a blanmcr 425 

O vint sembaw/t si print a appeller 

Sire dit beuue vez rae cy apreste 


358 


Anhänge. 


Ociez moy puis que couuant lauez 

Tont luy pechiez voms encoyt pardonnez 

Sembowii leotant si len print graut pitie 430 

Ou voyt beuue si print a conforter 

DamoysUu sire ne vous chault dafier 

Ja dieu ne plaise ne la sene bante 

Que vous par moy aiez maulx ne griete 

Ne nous des maus dont vous puisse garder 435 

Beuue lentent grant ioye en ainene 

Sire diBt jl dieu vous en sache gre 

Tant uiuege quil soyt garedonne. 

Quant beuue ot qui de lame est si 
Or fu si liez oncques mais ne fut cy 440 

Sembauft appelle bellement luy a dit 
Ha sire mestre pour dieu qui ne menty 
Car menmenez en vng pays enty 
öu en tel terre que ne soye choysi 
Ce me parcoiuent cy glouton malej 445 

Fromons et hate mon mortei anemy 
Tost mocciront qwe mont moult en hay 
Et dit sembaw& au gent oorps segnorj 
Anuyt mouuron quaut sera auespry 
Et je auray mon auoir recueilly 450 

Qui me promistrent ly glouton malej 
Et dit la dame ne ferons mie ainsi 
Car je vne herbe cotn claime vrasi 
Sen raindrons beuue et la bouehe et le vis 
Ses blanches mains et ses piez autre ci 455 

Si aura chappe dun burel que je quis 
Solleys de vache bien haulx eßeueys 
Auant qui soyt vespre laure atorne cy 
Aler pourra entre ses anemis 
Ja ne sera ne veuz ne choysi 460 

En charnp yra pour garder nos brebis 
Et dit sembawft ly preus et li gentilz 
Pensez en dame pour dieu de paradis. 

Dist sembaw^ dame je vous pry doulcement 
Pensez de beuue tost et ysnelement 465 

Destrempez la en eaue et en vin blanc 
Beuue en oindrons et derriere et deuant 
Ses blanches mains et ses piez ensemeret 
Dun mouton noir luy apportent deuant 
Vng pelicon qui moult fut mau seant 470 

Et luy apportent la chappe raboant 






Anhänge* 


359 


Le fius sambawft auques furent dun graut 

EI poins luy baillent un grmt baston pesant 

A leur brebis lont eirnoye en champ 

Beuue y va courroucie et dolant 475 

Le vieh s&mbault le va confortent 

Sire dist jl ne tesmaier noiant 

Qui par lapestre que quierent peneant 

Tout se fage pour nostre amendement 

Taut que te puisse nourrir eucor sei ans 480 

Adonc auras striuez et garnemens 

Et adoubez receront raon enffent 

Ja ni garont li cuut souduiant 

Que si nons vont malemOTt destraingnent 

Sire dist beuue moult parles saigement 4S5 

Je doy bien faire tout le rosire commant 

Sembaw^ retourne qui ot le poing ferrant 

JI et sa fame au gent eorps aduenant 

De lenfent pristrent ses riches garnemens 

Du pelicon reconsirent lespans 490 

Et du bliant le vermeil bongnerent 

De fain et derbe lemplirent par dedens 

Prenent ses ehauces ses soilliers cordouan 

Tout acousirent au riches garnemena 

Li vielz semb auli fut durement sachant 495 

Print vne pierre merueiileuse et pesant 

A la chenete la lient par deuant 

Puis la gectoient en leaue la courant 

La pierre afonde niais ly drap votre Öautant 

Quant cest cliose qni lenderaant lenffent 500 

Qwi la prouante en soyt apparissent 

Et voos froraont et liate laiement 

Yirent semb<rwii dif luy ont maintenant 

Comment en est de nosire conuenant 

Quen auez fayt diotez le nous errant 505 

Et dit sembaztU enrnena malement 

Gemme luy homs qui est vers dien perdant 

Ja la mienne ame naura rachetement 

Quant inou seigneuT ainoye voirement 

Et respont hate fayt kuez saigement 510 

Moult en aures or fin et argent 

Sembawft lesmaine ablene la courant 

Enleue gardent luy glouton son duiant 

Le pelicon connuirent maintenant 

Et du bliuant le vermeil bongnerent 515 


360 


Anhänge. 


Or cuident bien que noiez soyt lenITent 

Batent leurs pamnes sen retoument rient 

Encore vng jour en seront moult dolent 

Ou vous orres en 1 a chancon auant 

Jusques au palays ne font arrestemerat 520 

La tarne tieiment en la salle seant 

0 luy guill aume dargence con&ellaxit 

Kiez fu doon moult lamoyt durement. 

La fauee estoyt v pales de bantonne 
On se comeille a guill aume dargonce 525 

Messagier fut pour les nopces Bemondre 
Et les gloutons qui sur le palays monte 
Ja male dame leur eourut alencontre 
Ala mius quel pot moult bien les aresonne 
Quauez vous fayt Seigneurs filz de preudonme 530 
Dame dist hate se dien graut bien me donne 
Semb auli son maistre tel bien ne fut jl oncques 
Print vne pierre merueilleuse et fergonde 
Si li lia par deuant ala gönne 
Puls le gecta en biene la parfonde 535 

Or est noiez ne le meetrez oncques 
La fauee lot tel joye not eile oncques 
Jsuelement vint aunies si luy cont© 

Sire gmllaume alez tost a uostre oncle 

Et si luy dictes ne le eelez yo m oncqz 540 

Que ses amis face aux noces semondre 

Se ne est la tcrre par samt pierre de romme 

Ja par beuues nen aura mes chalonge 

Que noiez est en bleue la parfonde 

Quant eil lentant tantost aebeual monte 545 

Oncqz ne fina taut quil vint ason onel© 

Ysueleme^t la parole luy conte. 

Comme do ot la parole escoutee 
0 vint guil laume si luy dist sa penceo 
Est beuuc mort niait mestier selee 550 

Et eil respont verite est prouuee 
Jl fut noye dedens biene lalee 
Vne graut pierre luy fut au col fermee 
Larae luy fut hors de son eorps seuree 
Quant do lentendit graut joye en a menee 555 
Tout maintenant a sa gent assemblee 
De chmaliers y ot grant an nee 
Atant sentorne plus ny ot tlemouree 
Do de maience et sa gent honoree 











Anhänge- 


361 



Jusques a hau tonne la eite lionnoree 5GÖ 

Yecy hantonne la eite lionnoree 

La dame est riehe et bien en parentee 

Elle sera ja moustier espousee 

Quant mort est beuue grant ierre ay reeonuree 

Vers le palays ont leur voye tournee 565 

Treuuent la fauce noblem ent atournee 

Que grant gent ot auee luy assemblee 

Ore a la ioye qui tant a dessirree 

A vng mostier fut maintenant menee 

Vng arceuesque la doon esponsee 570 

Puis sen retournent en la salle pauee 

Grant fut la joye en laville menee 

Et mainte eliambre enconrtinee 

Mais la court fut le jour desbaretee 

Ou vqus orres eil vous plaist et agree 575 

Beuue repaire ala chiere menbree 

Celle joye a oye et escoutee 

Quant ot le bruit la coulewr a muee, 

Grant fut la joye s us v pales planier 
Chantent et content eil ingleor logier 5S0 

Car auoir enident moult merueilleux loier 
Grant joye mainent puis la gent rehaitier 
Beuue repaire ou le couraige fier 
Deuant luy a ses angels chaciez 
Ha dieux dist lenffent com si a mau inestier 585 
Filss suy de conte et on ma fet bergier 
Desor deusse pour saillier mon de stier 
Et en riuiere porter mon espreuier 
Or suis ycy com me poure de stier 
Si malst dien moult me doibt ennuier 590 

Joy moult grant joye en ce palays planier 
Qui fut mon pere guion le bon garrier 
La dessus est qnant do le pautonnier 
Mon pere oecist au braue forbi dacier 
Or prent ma mere a per et a moillier 595 

Cest vne chose qui me doibt anuier 
Puis qui la prise jamais ne raaura chier 
Auant me fera oceire et de copper 
Mais par lappostre que reqmerent paurner 
Mieulx vueil mourir qui yiure a reprouier 600 
Et que naille ma terre chalangier 
Si que le voient eist baron iäxeuaXiei 
Sa cliappe lest li au fes anuis fier 


362 


Anhänge. 


Jus la gecta pour estre plus legier 

A dsus mains tint vng baston de pommier 605 

Vers le pales se print aadrecier 

jBuelement en monta le planehie 

Vit par la sale in amt baron cheualiev 

Ses seneschaus de seruir engoisier 

De lez doon fist le conte renier 610 

Et larceuesque qui tant fist aprisier 

Beuue le voyt le sang cuida changer 

Enrny la place se courut apuier 

Deuant doon le cuuert losen gier 

A sa voix haulte commanca a hucher 615 

Or raentendez dit beuue cbewalier 

Barons et danies sergent et escuier 

Et vngs et autres princes et hiretier 

Qui se pays auez a jostiser 

Entendez moy pour dieu je vous requier 620 

J1 vous couuuent vne darne jugier 

Que son seigneur afayt le chief trenchier 

Et son. enffent en vne eue noier 

Dictez en voir sans point do mensongter 

Doibt eile donc jamais de char mangier 625 

Ee mary prendre ne entrer en. moustier 

Neu ranc seoir de baron cheualier 

Len la debueroyt lionnir et vergonder 

Et en vng feu ardoir et greillter 

Do ne maience traitre losengicr 630 

Si maist dieu moult fait ablatangier 

Mon pere as raort aton trenchent espie 

Or prens mamere aper et a moiliier 

Sua mon deffauls moult me doibt anuier 

Mauuays traictre comment loses bailler 635 

Deuant tes homraes la te vieng chaleugißr 

Le baton hauce sans point de latergier 

Fiert son paratre dessus son hanepier 

Paumez labst sus le conte renier 

Du sang vermeil qui de luy iist raier 640 

Fist tout sauglant la table et le doublier 

Deux cops luy donne ains que sentraie arrier 

De le tiers coup y peust emploier 

Ja mais nul mire ne luy eust mestier 

La gent doon. se lieuent saus targier 645 

A beuue gectent fouaces et quartiers 

Les graus lianaps et les costeaulx dacier 
















Anhänge* 


363 


Mais dien mercy ne le porent touchier 

Benne sen va fuiant aux escuiers 

Courant sen tourne pour sa y'i e eslongner 650 

La gent guion en orent grant pitie 

Soubz leurs manteaulx lont mis et en buchie 

Hors du palays lont eonuoye a pi& 

Beuue sen fuit contreual au garcons 
Bien ee eonduient lame finee guion 655 

Eotre vngs et autres en vint en sa maison 
Chies dant semhauU qui taut estoyt preudon 
Lors despoilla son vert pelicon 
Si le gecta dedens vng puis parfont 
De lautre part a geete son baston 660 

Et dun drappel a lie son talon 
A vng feu sassist beuue le geutilz koms 
Sus ses genoulz aprins vng enfencon 
Pttis si le Est qae ncs connemt Ion 
Atant sen viennent la menie doon 665 

Bien sont deus c ent liencranne felon 
Qui beuue quierent afus et abatons 
Viennent aux huis si briserent les gons 
Onmrent beuue si lont mis a raison 
Que fays tu cy fius au putain garcon 670 

Diims ce que demanderon 
Vestu cy vng petit valeton 
Qui a yestu vng nairet pelicon 
Et en sa main tenoyt vng gros baton 
De ton couraige est et de ta facon 675 

Nest pas plus grant ainsi comme nous cuidon 
Seigneurs dit beuue mi ny congnoisson 
Oncques pour nos uoces ne passames le pont 
Ne neu menjasmes ne morcel ne broion 
Ci lies raengierent qui greigneur droyt yont 680 
Fius sai scmb^mfr si gart ceste maison 
J1 et ina mere a la clere facon 
Sont ala court ale neuws menton 
Yeoir la feste des cheualiers barons 
Seinbawft mon pere a encor bei baton 685 

Qui pant la sus ase mestre clieuron 
Dont taillere atas et a folson 
Une grant piece en mectre v poson 
Sen rostire du maigre en se cliarbon 
Ne vient mon pere assez en mangeron 690 

Bist lun a lautre eist nous tient abrison 



364 


Anhänge. 


Plus scet de Lernte com ne seet nulz vielz hon 

Jnsques a demain nous tendroyt tel raison 

Ilate le liert de son pie sus le frone 

Quaterre abat le damoysel beuuon 695 

Et li brisa la teste a vng cheirron 

Seigneurs dit beuue vous feres des raison 

Et vilennie et mour grant traison 

Encores vng jour en aurez garedon 

Ales vous en filz au putain glouton 700 

Se vient mon pere sembault le franc hom 

Chascun donra vng eop de liuroison 

Eieut sen retournent luy en criemie felon 

La court serchierent et anal et amont 

Et quant ne potent trouuer lentfent beuuon 705 

Arriere sen tonrnent ale«r seigneur doon 

Le chief luy band ent dun vermeil siglaton 

Atant es vus fremondin et haton 

Du traictor qaient maleison 

La male fauce les a mis a raison 710 

'Venez auant fuys au putain glouton 

Tray mauez et mon seigneur doon 

Vous me jurastes au mostier mint simon 

Qui de ma terre ebaceriez beuuon 

Cil de bantonne le lilz auuiel guion 715 

Dame dit bates par dieu et par so« nora 

Sa fayt sembault ou le flory garnon 

Tray nous a par sa grant mesprison. 

Lame di st bastes par dieu omnipotent 
Sa fet sembault que nous fist entendsut 720 

Questoyt noiez en bleue la courant 
Du pellieon coraieumes lespans 
Et du bliuant le vermeil bonguere«t 
Et dit la fauce viengne sambault auant 
Amenez lo tost et ysuelement 725 

Cil y coururent qui vont leur mort querant 
Cil lamenerent par iss bras trainent 
Sus vng palays eu monterent errant 
Voyt le la fauce tont ly mue lo sens 
Sembault fery dun gros batou pesant 730 

Parmy le cliief si engoiseusement 
Que a la terre en fist chcoir le sens 
Puis luy a dit la male son duiant 
Cuuert dit eile vas meraudre lenffent 
Ou par lapestre que quierent peneant 


735 
























Anhänge. 


365 



Je vous feray lierberger mamelement 

Et ama chartre analer maiatenant 

Je yous feray mourir agrant tourment 

Lors luy escrient baehelcr et sergent 

Ue seml yault sire rendez beuue lenfent 740 

Ne vous laissiez a tel tourment 

Et ait sembault vous parlez denoiant 

Je nen feroye potir yous ne taut nequant 

Ne yeez yous ala terre tel sang 

Qui de la face mena ius deualant 745 

Par cel apoetre que quierent peneant 

Ains deuiendra vne eue si courent 

Qni portera nauie et chalent 

Et si courra jusques a jhcmsolem 

Que beuue rantle powr liurer a touvment 750 

La fauce lot si ot grant marrement 

Tantost le liure a deux de ses sergcns 

Qui lont batu raoult doloreusement 

Puis laualerent en la chartre plus grant 

La face eniure le pere omnipotent 755 

Quil est pendu et eneroix au vant 

Pour sembault pleurent mains et cownnUBaulmßwt 

Pucelles cheualiers et sergens. 

Grant fut ly deulx en la sale pauee 
Pom' sembault ont mahlte lerne ploree 760 

Les escuiers ont les nappes ostees 
Et ses courtines a costiaulx tronconnees 
Bien ont leur males farcies et hourdees 
Be maderins et de couppes dorees 
La vitaille ont departie et dounee 765 

Aux poures getis lont tonte habandonnee 
Asses en eurent ly malade et ly frere 
Bist lung a lautrc dien ait lame son pere 
Qni au palays commanca la meslee 
Bien Yeult eil enfes chalongier sa contra 770 

A son parastre a la teste ehermee 
En plusieurs lieux la luy a entamec 
Pnis est ly plez et les noces finees 
Quelle soyt mais guerie ne sance 
Bo empörterer^ en la salle pauee 775 

Et sa moillier est apres luy alee 
Sire dist eile vers vous suy mal erree 
Mais par la foy que doy lame mon pere 
Ne fut par moy la traison pencee 







366 


Anhänge. 


Se fist sembault a la barbe meslee 780 

Forment en suis courrouciee et jree. 

Doon empörte en la chambre yraseu 
Les cheMal^ers sont entowr luy venu 
Et luy demande qui xous a cy fern 
Ne scay dit jl par le tresdoulx jhesu 785 

Mais on ma dit que filz ma fame fut 
Et filz guion qui ot le poil chanu 
La da me lot tont a le saug meu 
Sire dist eile et donc ne me croys tu 
Par celhiy dieu qui ou del fayt vertu 790 

Je nay bourioys qui sur samt ne vo us jnr 
Que beuue nestoyt ne eelle ne repcu. 

La fanlt le jour la nuyt est aprimiee 
Dcdens vng lit cest la dame couchee 
Nc pot dorrair que trop fut traueiliie 795 

Et lendemain ne cest pas atergee 
Ains coinmanda a toute sa meignie 
Hantonne soyt par tont quise et sercliiee 
Pour beuue guerre dont est contrariee 
Et si la cherehe le jour et la nuitee 800 

Quant ny trouuerent si en fut courrouciee. 

Lj pautonnier la ville bien sercherent 
Qncques enffent de set ans ny trouuerent 
Chies dan sembault maintenant sen alerent 
Dedens lostel sa moilh'er y trouuerent 805 

Quant lont veue forment la ledengierent 
Parmy les treces la prinrerat et combrerent 
Beuuon lenfent en ent revoy trouuerent 
Luy et la dame ans ou palays menerent 
Batent frapent et mouli les ledengierent S10 

Hastcs fiert beuues de son poiog par derriere 
Seigneurs dist beuues car yous traiez am ere 
Je ne suis mie ne llerre ne trichiere 
Suis filz sambault ala bardie chiere 
Frenez mes freres et nostre chamberiere 815 

Ne puis alez car la jambe ay brisee 
Vng valeton ray fery dune pierre 
Quant cilz lente^de^t le damoysel laissererct 
Droit ala dame en sont venus arriere. 

La male dame ot mouit le ceur yrie 820 
Qua 7it vit que beuue nest venu ny trouue 
Toutes les rues serchent de la eite 
Oncques enffent de sept ans ny reutest 









Anhänge* 


367 


Quelle ne face deuant iuy amener 

Et quant jlz furent ou graut palays menez 825 

Tuu@ vng avng les fist desnuer 

Pour vne playe que beuue a au eoste 

Le cuida bien congnoistre et aduisier 

Que sus lespaule auoyt la eroix raie 

Aussi vermeille come rose en este 830 

Mais jl ny vint ne ny fut amene 

Ne plot a dien ne la sienne bonte 

Voit le la fauce tout a le sang mue 

Vne grant place fist faire en la eite 

Et quatre chars despines aporter 835 

Puis fayt sembault de la chartre gecter 

Luy et sa fame droyt au fei] amener 

Que les vouloyt ardoir et embraser 

Benne luy enfes fut remue a lostel 

Quant jl choysi du grant feu la clarte 840 

He dieux dist jl pere de mageste 

Trop voy mon maistre a graut tort demeoer 

Luy et sa fame qui me nourrist souef 

Mais foy que doy au corpß de da me de 

Mieulx vouldroye eslre ocis et decoppe 845 

Que ja sans moy soient plus tou rin e rate 

Se jl y meurent ne veulx pas escliapper 

Alant sen tourne en sa raain tint vng pel 

Bien se contint come homs afolez 

De ei au feu ne si est arreste 850 

Voyt le bernage qui estoyt assemble 

Et vy sembault plement de lautre lez 

Et sa moillisr au gent eorps lioaore 

Beuue les suit formest len a pesay 

A sa voix clere a fiaultement crie 855 

Seigneurs baron amoy tous entendez 

Vous qui cy estes venus et assemblez 

Je parleroye si vous venoyt agre 

Se me voulies creancter seurete 

Do et madame q ne je voyla ay este 860 

Qui ne feroieni a beuue cruaulte 

Mal ne douleur pour nul liomrue charner 

Taut qui fust clieualier adoube 

Bien vous diroye de beuues verlte 

Par mon cliief do auez mal ouure 865 

Qui mon doulx pere auez si mal mene 

Le preux sambault qui taut a de bonte 











368 


Anhänge. 


Et sa moillier au gent corps honore 

A beuue sescrie li baron nature 

Sainsi lo faictes que raus lauez diuise 870 

Sembault aures tout vis et aseure 

Hais que beuue nous soyt cy amene. 

Von den Versen 841 — 872 sind einige mehr oder weniger 
den entsprechenden in P ähnlich (vgl. den Text v. 1359 —1389), 
aber die dauernde Übereinstimmung der beiden Fassungen beginnt 
erst mit v. 1390. 


Anhang IL 

Hinter v. 10243 der Ausgabe fügen E und AV die folgende 
Aqopart - Episode von 105 Zeilen ein (Ro7a— 58a, W 178b —181a): 

Li acoporz prist ce a regarder 
Ei prisa point nosire crestiente 
Tantost li uint ou euer et ou pense 
Qwil sen iroit el pais ou fu ne. 

Li achoparz ne sc uost atargier 5 

Ou uoit bueuou sei prist a aresmbr 
Sire dist il fetes pez si moez 
Vos auez quites vos onors el vos fiez 
Et iosieunc auez prise ainoiller 
Droit a samt iaque alasse volentiers 10 

Se il uos plest donez men le etmgie 
Amis dist b. po ur dieu qui meint el ciel 
Ee puez tu plus ton oire respitier 
Bist lescopajt plus ne uueil atargwr 
Amis dist b. de moi aies cong ie 15 

Chargerai toi et serianz et somiers 
Dist lescopart ie uueil aler a pie 
Mes de lauoir amenrei volentiers 
Sen despendrei si ien ai mestier 
Et respont b. de ee sui ie raolt liez 20 

B, li Charge deus serianz molt ligiers 
Et si li liure dauoir un grant somter. 


1 achopart W, uad so immer. — 2 Ee AV. — 3 ou] eu W. — ou] 
cn W, — f> vit AV. — si le piint a arrester AV, — 7 enuers moy enten- 
dez AV. - 8 quites] qui tous AV. — 10 seigneur Jacques AA r . — 11 Sil 
(— 1) R. — 12 dit AV, — par d. q. mame ystol AA r . — 13 — !5 fehlen in AV. 
— 18 on man re IV. — 19 se jl men est m. AV r . — 21 molt] fehlt R. 













Anhänge, 


369 


Li acoparz sest de b. tonten 
Dens smanz a oueques li menez 
Et un so mier dor et dargewt trouse 25 

Li eortois b* la a den ccwimande 
Et aus serianz proie par amistie 
Qne il le seruent tout a sa uolente 
Ei eil re&ponerat bien en sera pense 
De bueuon sont parti ei deseure 30 

Puis sen entrerent en lor cheniin ferre 
Dessou z hantone trouere^t uoe nef 
De momtenant i sont tuit troi entre 
En mer senpeignent et pre?me?it a sigler 
Et b. fu a hantone es prez 35 

Desi au soir qm il fu assere 
Les vespres sonent p ar la bone eite 
Bueuon i uet et o lui son barne 
Ampres les uespres sont el pales monte 
Li cuiainier ont le mengier haste 40 

Atant asistrent li oheualiev menbre 
Aus tables seruent li nouel adobe 
La nuit sont bien serui et comee 
Apres mangier font les napes oster 
Des liz pßrolent si les font aprester 45 

Cil cheualier sen uont a leur ostel 
B. sala couchier et repouser 
Lez sa moi liier iosienne au uis der 
Icele nuit i ot ris et ioe 

Lore fu bone deus fuiz & engewdre 50 

Ainz quü fusent par creu en ae 

Orent assez mesaise et pourete 

Com uos orroiz se il uos uient a gre 

Et au matin quant il fu aiorne 

B* se lieue li gentis et li ber 55 

En tour lui furent si baron asemble 

Seneschal Sst de tierri le menbre 

Le fuiz seirab. o le grenon melle 

Et lacopart a tant fait et sigle 

Desoz uertone est au port ariue 60 


24 a] fehlt R — auec (—1) W. - 26 adieu la W. — 28 le] fehlt W* — 
30 Atant sen sont W. — 33 Des W r — 34 et pöncermt de gigler W. — 
35 aux el pre W. — 36 asegie W. — 37 par] de W. — 38 fehlt in W. 
— 39 Apres le vespre W. — 45 font] vont W. — 40 A leur oste sea vont cil 
cheualier W. — 48 Lez josienne sa courtoiso moilkhr W. — 49 ot] ont W. — 
50 a] ont W. — 55 le ber ß, — 59 fait et] fort R. — 60 Bessoubz vercou 5V. 

S timmi Eosvb de Hsuilojie. 24 


i 




870 


Anhänge. 


Tont meintcnant sont en la uile entre 
Cele nuit sont ricliement ostele 
Cliies un boriois menant H asazie 
Li aeopart a sa gent apelo 

Ses dcus serianz que o lui ot inenez 65 

Seignom* dist il aprestez a soper 
Et ien irai deduire et deporter 
Et eil responent a vostre uolente 
Li acoparz sest de lostel tornez 
Et li seriant sont leanz demore 70 

Le men gier ont memtenant atourm 
Et lacopart sen uet tot abriue 
De la iiile ist plus ni a seiorne 
Don retorner na mile uolente 
Passe la terre el de lonc et de lo 75 

Tres parmi france & son chemiti iourm 
Deus 1 e conloude li rois de maieste 
Eti son euer pense orgueil et fausete 
One ne fina tant quil uint a la mer 
Deuant marseille a un batel loe SO 

Li mariniers la molt bien auise 
Ei le con nuit si la outre passe 
Lor uoille ürecent ei en mer sont antre 
Tant ont nage ei tant fort ont sigle 
Par desoz iafes sont au port ariue 85 

Li aeoparz est issus do la nef 
Aus mariniers a eongle demande 
Puis san torna tot le chemin ferre 
JusqusL monbrant ne si est areste 
Dedenz la uile est mointenazit entre, 90 

Li aeoparz est entrez en monbrant 
Parmi ]a uile sen uet isndement 
Jttsquau paleis ne fist demoremerct 
Bien le connment liuissier et chabrelant 
Et un et autre sar m%in ei pereant 95 

Quant il le uirent molt se uont mmioillant 
Leanz troua yuorin lamiiant 
Li acoparz a parle hautement 
Le roi salue bien en sot le romant 


61 Des m* W. — 02 sont] fut W, — 60 a] au W. — 69 sest] est 
\V, — 72 tous W. — 78 Enj a \Y* — SO Trat a merseille sa un "W. — 
82 la] a VV. — 91a monlranc W. — 94 chambellaut W. — 95 cheualier 
et sergmt W, — 96 Q, jl entrost {—1) W, — 99 en] fehlt (— 1) K* — 
rommans W. 
















Anhänge, 


371 


Cil mahomet ou nos somes cremt 
Saut yuorin le sire de monbrant 
Ei son barnage que 1101 ci en present 
Lamiraut lot si le uet regardarat 
Bien le conut et son salu li reut 
Mahon saut toi dist li rois en riawt 
Aeopart frerre ne me celer neant 
Di moi ou as este si longiiemerat 
Dist li paiercs jel türai voiremmt 
Conter uos uueü tot le mien erremmt 
P our iosienne ta moilher au cors ge?it 
Ai soufert poine et atmi et torment 
Quant lenmena b, li combatant 
Je les atains a un tertre passant 
Molt esi b. preuz et cheualier vaillant 
Na si hardi en eest Seele uiuarat 
II me conquist par son graut hardement 
Et me mena en france la auant 
Ilee me fist prendre baptisement 
Droit acoloigne une eite uaillant 
Mes ie ne pris lor creance nient 
Je la renoi des ici en auant 
Saorerai mahon et teruagant 
Tant ai este a antone la graut 
B. a prise iosienne au cors gent 
Et a li a jeu tout charnaummt 
De son cors fet son bon et son talewt 
Quant ie ui ce molt oi le euer dolerct 
Je men tornei et men parti atant 
A b + fis acroire et entendant 
Que a mint ia que iroie uoiremerct 
A uos men uing eimi faitireme^t 
De uos neoir estoie desirrant 
Dist yuorins bien soiez uos ueignawt 
Ne u os faudrei iames en mou uiuant 
Mes tresformant ai le euer dolent 
Tour iosienne que je amoie tant 
Que ma este tolue longuement 


100 


105 


110 


115 


120 


125 


130 


135 


103 esgarde?it W. — 106 celles noyent W. — 108 D, laehopart 
je le d. — 109 le mien] mon (— 1) fi, — 111 Si W. — 112 Ie fran- 
uoys com bat ent — 114 Moult prenx est beuue W. — 117 me] inen W. 
— 120 Mais ie ne prm W. — 121 Je W. — 123 hantonne W, — 125 tout] 
fehlt R. — ohamell erneut \W — 127 mout oy le W* — 129 atendant R, — 
133 venant W. “135 Mais forment ay mm cuewr triste et dolant W, — 
136 iainoie (— 1) R. — 137 Qui W, 

24* 







372 


Anhänge. 


Mes par malion ou ma creance apent 

Li rois hermins lc comparra briement 

Mar acointa sa fille o le cors gent 140 

Destruiz sera Be il ne la me rent 

Dist lacopßrt ne uos aniaiez tant 

Mes iiurez moi trois m il paiens errant 

Si iosiene la bele ne uos rent 

Fetes moi pendre et liurer a tormeret 145 

Dist yuorins uos parles bonemewt 

Tot mon tresor uos otroi ei cmnm&nt 

Rois yuorins en apela sa gent 

Seignowrs dist il molt ai le euer dolent 

Honi raa b. de hantone la graut 150 

De ma moilk’er iosienne au cors gent 

Qui ma tolue einsi faiterement 

Or uos proi ie a toz et uos eommant 

Qwa lacopart faciez le sien talant 

Et il responent sire a vostve commant 155 

Yuorins fist aprester un chalant 

Assez i mistrent et pein cuit et uin blane 

Et eliar salee et meint chier gamement 

Destriers et armes et meint mulet emblani 

En mer senpeignent li gloton souduiawt 160 

Cist feront b. corroucie et dolant 

Or uos larrons des paiens aitant 

Si uos dirons de b. au cors gent 

A hantone est en son pales plus grant 

Riehe cort tiut si dura longuemeut. 165 


Anhang III. 

Hinter v. 15197 folgen in T folgende 324 Verse, und zwar 
deren 2 mit dem Reim der letzten Laisse, d. h. auf -is, und darauf 
9 weitere Laissen: 

Mais taut i ot de turs et de persis 
Cainc ne puet estre yv. eonsiuis. 

Grans fu la noise et li cris et li hus 
Atant es vous un glouton malostru 

141 Destaus IV. — sera] fehlt (— 2) K. — sil (— 1) E. — 142 es- 
rnuiez ~W. — 143 dis mH IV, — corant IV. — 149 le] mon W, — 154 
facoit sou c. (— 1) ß. — 155 sire] tont W. — 157 v mist W. — das erste 
et fehlt in R. — 159 Destrier armes W. — 161 Cist] Si le W. 




























Anhänge, 


373 


Gonces ot non armes sous son escu 5 

Relenqui ot le digne non ihesu 

Et roi liermin q«i se sires drois fu 

A sa vois clere escria de vertu 

Ou ies ales rois hermins li chenus 

Et toi et bue. seres ancui pendu 10 

Sei puis ataindre le glouton malostru 

Je lochirrai a mon espiel molu 

Car de mon frere ma mowlt fait irascu 

Tu lochesis au brane dachier raolvi 

Desous monbranc ou li grans eaples fu 15 

Quant li dus bue, a ees mos entenclu 

Gele part tourne ar. le grenu 

Et il et gonces se sont entreferu 

Desor les boucles ont per eines les escus 

Grans cops se donnent des bons espiels molus 20 

Gouees peclioie le roit espiel molu 

Mais li dus bue. la si bien conseu 

Jambes leuees la u camp abatu 

Sor lui retourne et trait le branc molu 

Ja ein presist le cief desor le bu 25 

Quant de tous sens fu gonces seeouru 

Et li rendirent son auferrant grenu 

Bue. le voit moult eu est iraseus 

Desor sou elme a un paien fern 

Jusques es dens la trestout pourfendu 30 

Estort son cop si la mort estendu 

Paien le voient si recueurent vertu 

Desor les nostres moult graut la tenohons fu. 

Grans fu lestours fiers et desmesures 
La veissiea taut pesant cop donner 35 

Tant pie taut poing tante teste colpee 
Grient et braiont durement li naure 
Ferment i fierent sarr. et escler 
A c ent des nostres i ot les chief colpes 
Se diws neu pense li rois de maiste 40 

Tout i seront ochis et deeolpe 
Mais damrediws nes a pas oublies 
Car rois oudars dcscocÄe li senes 
Li rois th. li«s soybaut le barbe 
Et li barnages de haust, sor raer 45 

Flueuent [et] nagent parmi la haute mer 
Vers aubefort lamirable eite 
Tant out ale li baron naturel 


374 


Anhänge. 


Par un niatin quant solaus dut leuer 
Li rois tli. a deuant lui garde 
Voit lo vaissel bue. qm tant est ber 
Li maronnier en ont le euer ire 
Droit vers siuele furent achemine 
Au roy oudart la voit th. mostre 
Sire dist il pour diu or esgardes 
Le vaissel voi bue. le baeeler 
A ees paroles sont a a iaus asamble 
Li maronnier qwi ont les cuers ires 
Oudars les voit ses a araisonnes 
Signour dist il quels noueles di res 
Du duc bue. qm tant fait a loer 
De yo. la bele od le vif der 
Et eil lor ont de cief en cief conte 
Com la tourmente les avoit demenes 
Et cotnmc il est vers aubefors ales 
Au roy hermin le preu et le sene 
Et a siuele nous a fait retourner 
A la roine qm tant a de biaute 
Quant 11 baron ont ees dis escoutes 
Du duc bue, qwi est vif escapes 
Grant ioie en ont li baron naturel 
Vers aubefort se sont achemine 
Fluent et imgent les volles haus leues 
Tant ont nagiet parmi la haute mer 
Qna quatre liues sont il de la eite 
Et li baron sont illuec ariue 
Li rois oudars a sor destre escoute 
Soi la noise et la mortalite 
Et la huee q ite pa ien ont mene 
Li nostre estoient durement apresse 
Moi/lt en i ot de mors et dafoles. 

Grans fu lestours tout contreual la pree 
Gel iour i ot feru maint cop despee 
Bue, li dus a senseigne esoriee 
Li rois bermins aubefort ia loee 
A escriet a mowlt grant alenee 
Sa gens esparse est a lui asamblee 
Et yo. fu en la tour quarree 
Des abatus vit la terre peuplee 
En quatre archies aual parmi la pree 
Ne trouast on de terre deliuree 
Ne soit haubers ou escus ou espee 
























Anhänge. 


375 


Ou hemme ochis ou teste sanglentee 

Ou bon cheual trainant sa bouele 

Par lost demainnent issi tres grant huee 95 

Bien quatre liues en tentist la contree 

Li rois oiulars en entent la criee 

Engres apele a la chiere menbree 

Iji rois th. de siuele la lee 

Et les barons qwi sont de reiiouraee 100 

Signonr dist il or oies raa pensee 

Tees cele tour qni est et haut et lee 

Pour voir i a graut estour et mellee 

Vqub en poes bien oir la criee 

Coures as armes bonne geilt honraeree 105 

Et il si font sans longe ilemouiee 

La veissies mainte broigne endossee 

Et maint liauberc qwi ot la maille lee 

A lur cols pendent tante targe roee 

Et a lor flans ont chaintes les espees HO 

Et en lor cies les bons elmes poserent 

Es destriers montent sans point de demorei 

A lor garebons ont lor nes convwandees 

Et tout lauoir nen reinurent denree 

Droit vers la tour ont lor voie atournee 115 

Lilie et dernie norent il pas alee 

Deuant Saus ganlent en mi liu de la pree 

Deus barons virent fuir de randonnee 

Luns fu ferus dune hace acheree 

Pres que lespanle ne li ont ius ostee 120 

Et lautres ot lespaule toute ostee 

Autresi fuient oomwte beste bersee 

Quant des ehiens est prwtie et deseuree 

Cil virent lost de la terre homieree 

Od cliians' aiostent la vrete ont conteo 125 

Du duc bue. comment eile est alee 

Et yo. la roine honneree 

Comment eile est en la tour enserree 

Et du bon maistre q«i ot bonne duree 

Mais lenfanclion nest pas awec la mere 130 

Car sarr, en firent deseuree 

A yv. fu rendus en la pree 

Sous aubefort la fort eite loee 

Quant li baron out cesti escoutce 

Pour lenfanehon ont la chiere muee 135 

Dont sen tornerent sans nule demoree 







376 


Anhänge. 


Virent la tour qwi haute fu et lee 
Le tour choisirent qwi gardoit la contree 
Aymers dist parole abandonnee 
P ar diu dist il qm fl st ciel et rousee 140 

Cil la sus doiueut avoir bonue soldee 
Et reube fresche a Ion ge gerönne 
Car mowlt bien voit entour lui la contree 
Clia fait li maistres qm bien, paie soldee 
A celui a sa liurison donnee 145 

■ Quant li baron ont cesti escoutee 
Pour le gabois risent a recelee 
Adont brochierent sans plus de demoree 
Vers la graut tour qm est haute leuee 
Lors jurent diu qwi list ciel et rousee 150 

Se venir pueent a la gont desfaee 
Chier lor veudrout la terra quest gastee 
Et lenfanchon a La ekiere menbroe. 

Desous la tour qwi fu et haute et grans 
Mowlt fieres iostes i fait bne. souuent 155 

Et yv. qwi ot graut mautalent 
Une autre esciele fl st mander de sa gent 
Si le conduist gonces qua diws erauent 
El premier chief mowlt esforchiement 
Vini mile furent as riches gamemens 160 

A lestour virent mowlt orgi Ileusement 
Lance sor fautre mowlt acesraeement 
Dor et dachier la grant place respleut 
A lasambler i ot mowlt grant tourment 
Eil resortirent crestiens de ws arpens 165 

Yv. iure mahon et teruagant 
Ancui ferai roy her min dolent 
Dolans fu bue. de banst, la grant 
Quant vit sa gent mener si malement 
Vers sarr. retoume mowlt souuent 170 

Mal est baillis cis qwi a cop latent 
Car vassaus fu et plains de hardement 
Ar. broce qwi les grans saus pourprent 
Sor son eseu va ferir un serpent 
Cousins estoit yv. de monbranc 175 

Riehes hons de graut terre tenaiit 
Le roit espiel pur mi le cors li rent 
Denant ses hommes a la terre sestent 
Voit le yv. a poi dire ne fent 
Sil le puet faire ia le fera doleut 


180 






















Anhäuga 


377 


Brandist !a hanste au confanon dargent 
Li rois hermins qui ne lamoit noient 
Fiert en lescut painturet a argent 
Ausi li perche com un raim de sarment 
Fors fu laubers quant maille nen desment 185 
Et yv* si yient si durement 
Que il lenvoie sor lerbe verdoiant 
Li rois saut sns qm moult ot hardement 
Lespee traite p ar mcudt grant mautalent 
Pour lui aidier a tant cs vous sa gent 190 

Mais sarr. le gietient niallement 
Phis de eine eens en i vont crauentant 
Ja sen fuissent p ar le mien essient 
Ne fust dus bue. p ar le mien essient 
Qwi vers les turs se combat vistement 195 

Quant bue. voit le roy hermin le fier 
En ia graut presse ferir et caploier 
Moult peu se prise sil ne li va aidier 
Brandist la hanste au brun coutel dachier 
Fiert yv, en lescut de quartier 200 

Eauberc ot bon ne le pot empirier 
Mais yv. conuint larchon widier 
Moult laidement fist le roy trebuchier 
Sor lui retourne ia si vauaist vengier 
Mais tant i ot de ouiuers pantomiiers 205 

Le roy li tolent que ne le pot touchier 
Et le remisent u bon courant destrler 
Bue. le Toit vis etnda esragier 
Tout maintenant a trait le braue dachier 
Fiert eepinart un traitour mourdrier 210 

Compains fu gonce le cuiuert pautonnier 
Ki son signour hermin ot renoiiet 
Par celui ent bue. un pesant destourbier 
Quant son enfant porta sor le grauier 
Ou li preudons le prist quot non foukier 215 

Qui le norri de gre et volentiers 
D grant estour se feri de legier 
Si bien le fiert dus bue* li guerriers 
Ken la ceruele li fist le braue baignier 
Larchons wida puis en prist le destrier 220 

Hermin le baille le riche roy prisie 
Es archons saut de gre et volentiers 
U grant estour se feri de recief 
Et il et bue* qwi taut fait a prisier 



Anhänge* 


La veissies graut estour commeuchier 225 

Taut banste fraindre et taut eseu perchier 

Mais sarr. furent bien cent millier 

Contre tm des nos vint en i trouuissies 

Si se combatent li nostre a graut mesoMef 

Se di us ne fnst et la soie pities 230 

Et li secors qui taut fist a prisier 

Ja de lestour nen tournast uns ander 

Atant es vous roy oudart le guerrier 

Et la compaigne qui taut fist a prisier 

En lestour cntrent li nobile guerrier 235 

La veissies maint rniste cop paier 

Maint sarr. oebirre et detrenebier 

Lun mort sor lautre verser et trebuchier 

Li rois oudars qui taut fist a prisier 

Escoche escrie et bue* leutendie 240 

Le euer en ot mot*lt ioiaut et mowlt lie 

Gele part tourne le bon courant destrier 

Mais ne pot mie iusqua la eheuauebie[r] 

Taut i avoit de la gent lauresier. 

Grans fu lestours fiers et deamesures 245 
En lestour est rois th* entres 
Ki de siuele tenoit les fremetes 
Li quens engres gtiilL li seues 
Et li barnages de banst sor mer 
La veissies tante teste colper 250 

Maint sarr, trebucliier et verser 
Th* escrie siuele baut et der 
Marmion crie robers qui taut fu ber 
Quant li dus bue. oit les barons crier 
Adont sot bien nel porront endurer 255 

Li sarr* que di us puist mal donner* 

Gonces esperonne le pendant dun costal 
Brauchst la banste od lenseigne roial 
Sor son escut fiert millon le vassal 
Senescaus fu roy th. le loial 260 

Lescut li perclxe le hauberc li faussa 
Var mi le cors li mist lanste poignal 
Monbranc escrie feres i commnnal 
Ni garira bne, li desloial 

Ne rois hermins qui tant ma faxt de mal 265 

Ki men caeha hors de son hiretal 
Moi et mon frere dant fourre le loial 
Bue, locist sous monbranc el praal 











Anhänge* 


379 




Ja nistera li glous de cel iornal 
Ne yo, qm tant a fait de mal 
Estera arse ens en un feu cruaL 
Li rois th. quant gonce ot veu 
Qui a miUon et mort et confondu 
Et les ramprosnes a moult bien entendu 
Sil ne len venge ne se prise un festu 
Vers gonce tourne son auferant greuu 
Brandist la banste od le fer esmolu 
Et feri gonce en son dore escu 
De chief en chief li a fraint et fendu 
Et le hauberc desmaillie et rompu 
Les le coste li mist le fer tont nu 


Ne las pas mort rnais il la abatu 

Sor lui sareste et trait le braue tont nu 

Th. le fiert de sor son elrne agu 

Que au retraire la a ferre estendu 

Puis le saisist par kuberc cot vestu 

Si en traine le glouton molostru 

Mais de pa. fu la bien secouru 

Siuele escrie rois th. li menbrus 

Atant eis bue, an poigneis venu 

La ont fei gonce et pris et retenu 

Grant ioie font quant il lont conneu 

Gonce saisist dus bue. li menbrus 

Tont piece a plece li glous decopes fu 

La vint oudars et engres li menbrus 

Et li barnages qwi dengleterre fu 

Grant ioic mainnent quant bne. ont conneu 

Errant se sont en lestour referu 

Des maintenant i ont graue cops fern 

A yv. en est uns mes venu 

Ki li aconte de gonce le chenu 

Et del secours qumt de la mer issu 

Yv, loit grant duel en a eu. 

Rois yv. quant celui ot oi 
Le euer en ot coreeous et mari 
Le destrier broce des espmms pensis 
Et fiert engres en lesen dazirr bis 
De cief en cief li a fratne et malmis 
Jus a la terre li quens engres eai 
Isuellement est empieß resaillis 
Et tint lespee comme preus et faardis 
Son cheual voit sest es archons saillis 


270 



280 


285 


200 


295 


300 


305 


310 





380 


Anhänge. 


Et yv. son poindre parfurni 

Quant li rois voit quil a a engres sailli 

De maintenant ala ferir liermin 315 

Deseoche fu fius oudart le gentil 

Dusqnes cs dens fu ferus et partis 

Lame scn part iliesus en ait merehi 

Et yv. sescria a haut cris 

Feres pa. ia neu ira ims vis 320 

Se rois herrains puet estre consiuis 
Et il et bue. q«i nest pas mes amis 
Naurai mais ioie tant q«e soit mors u pris 
Bue. lentent cele part est vertis. 

Von diesen Versen sind die letzten 7 eine Wiederholung 
v. 15186 — 89, 15191, 15195 — 96. 


Anhang IV, 

Hinter v. 15504 finden sieh in T folgende 67 Verse: 

En lor pais dont furent ment ia 
Li rois oudars en estant se leua 
On voit bue. doucement dit li a 
Sire dist il aler men couvenra 
En iheritsnlem car pour cou meu ge clia 5 

Et au sepulcre ou couchier se laissa 
Li rois de tous ki trestous nous fouraaa 
Et eil baron qwi pour nous vinreüt eba 
Car iliesus cris grant honwor fait nous a 
Quant de Ia mer sauuement nous geta 10 

Certes dist bue. mes cors od vous ira 
Fuis a hanstonne mes cors repaira 
Li rois hermins forment sen courcha 
Quant il lentent bue. sen re tour na 
De mautalent trestous eil tresua. 15 

Li rois hermins est forment adoles 
Qnant il entent de bue. au vif der 
Que a hanstonne sen voloit retoumer 
Amis dist il pour noicut em parles 
Ensamble od moi aueu mais demorres 20 

Et la couronne en vo cief porteres 
La teure ert vostre environ et en les 
Sire dist bue. eine eens merchis et gres 
Ja vostres bons ne me verres lausser 













v 


Anhänge, 


381 


Quant li baron out ces mos escouter 25 

Form ent commenclie entriaus a souspirer 
Pour lor signour qui taut fait a amer 
Eatourner fisent les vaissiaus et les nes 
Asses i fisent de viandes porter 
Dedens entrerent li baron natnrel 30 

Ne sai q m doiue de lor olrre confer 
Ne combien furent el palagre de mer 
Taut ont ale par vent et par ore 
Qua seke terre est venus li barnes 
Pnis en nienterent es mules seiornes 35 

Et lor vaissiaus comwzandent a gar den 
Nostre baron q ui tant font a prisier 
Tant ont ale et voles et sentier 
De iheruscAem ont choisi les clokiers 
Et les tours hautes et les palais pleniers 40 

Var mi les nies prisent a cheuauchier 
Et sont venu droitement au mostier 
Beles osfmndes fisent li chemlier 
Et pnis alerent le pulere baisier 
Et le s. temple qm gardent li templier 45 

Apres remonteilt li baron eheualier 
Jusqua vaissiaus prieent ä repairier 
Dedens entrerent li baron oheualier 
Vers aubefort prisent a repairier 
TJil iors seioment od bue. le guerrier 50 

Et au nueuinwrce sen vaurent repairier 
Congie ont pris a bue. le guerrier 
Et a la dame qui ot le cors legier 
Bue. detint son m&istre le guerrier 
Au roy hermin vont li baron proiler 55 

Et a la dame qui le corage ot fier 
Que il en laissent awec iaus repairier 
Le duc boe. qm tant fait a prisier 
Li rois hermins lors respondi premiers 
Quil nel laira partir ne eslongier 60 

Atant sen partent ni vaurent plus targier 
Que vous feroie la canchon alongier 
En son pais est cascuns repairiers 
Moult sont dolant de bueuon lo legier 
Quant ensi sont del baron eslongie 
Au duc bue. men vaurai repairier 
A yo. qui tant a le vif fier. 


05 




Glossar. 


n Pr dp.: a-|-le = al 7455, au 78, a + les = as 72* h Ort wohin, 
Ziel, Richtung: zu 54, 06, 73, 2. Ort wo: in 72, bei 1636. 

8 * Begleitender Nebenumstand: 68, 159. 4. Dativ der Person: 28, 
163. 5. Mittel: um, mit 33, 371, 619, durch 640, 1598, 6. Zeit, 
wann: in , zu 86, 121. 7. Gemäß 541, 2140. S: Zier Angabe 

der Eigenschaft: mit 32, 58. 9. Gendiviseh (besitzanzeigend): 78, 
281, 918, 1032. 10. Vor Inf: 1734* 
aaisier rfl, sich emrichten, niederlassen 19115* 
aaisenmnt Sni. Behagen, Bequemlichkeü 1520* 
aaisier tr. verpflegen, versorgen, behaglich unter bringen 2176, 4232; 
rfl. 5210* 

aancrer tr, verankern 4492. 

aati P. 2* = ^4* erpicht, begierig auf 4506. 

ab a i s s i e r in heruu terlassen 10 062; intr. sinken 90, 6377; her ab- 
kommen 3900: rfl. sich beugen 4078, 5182, 9364; sieh legen 
(Wind) 18079* 

abandonneement, -mant Adv, ohne Hindernis, Rückhalt, nach 
Wunsch, Willen, eilig, kühn, 4335, 4360, 11679, 11723* 
ab an d cm (n) er, abandomier 4300; in und rfl * schießen lassen 
1951, 3130, 13914; überlassen, schenken 7703, 2007; hinein¬ 
treiben 2054, 3018; sich hingeben 5083; sieh stürzen, eilen 4306, 
5133; Part * 2* = A. eilig 2045. 
abatre in nieder schlagen 229, 410, 440, 501, 9524. 
ab6 K & abes 1468, 7136, abb6 12418; 8m. Abt 805, 1458. 
abeie Sf Abtei 7, 726, 11386. 
abelir inir ; unp . gefallen 11051, 14273* 
abevrer tr, tränken 1790, 8344* 
a b i s m e Sm* Abgrund 4166, 4284. 
abitation Sf Wohnung 18089* 
ab o ml er inir * im Überfluß vorhanden sein 30* 
abosmer intr . außer Fassung geraten , niedergeschlagen sein 9002, 
11173. 

abriconor tr. zum Narren haben, täuschen 38. 






Glossar. 


383 


abriever intr. eilig dahmstürzen: P. 2. — A. eilig, geschwind 2101, 
2932; = Adv. 2974. 

a b 8 oudre tr . absolvieren, erlösen: P. 2. absoln 11862* 
acat Sm. Kauf 10 907, 

acater, ach ater 1339, 15GG; tr* kaufen 1598, 2018, 10 905; 
erwerben 1210 G- 


aeener ii\ herammnlcen 5275, 7741. 
ac(li)ere A. stählern 455, 19G5, 5628. 
acerln A, stählern 640, 443D. 

ace 8 m e r tr. aus statten, schmücken, zurechtmachen 1665, 5613, 
5911, 6976. 
ach - s. auch ac - 

achaitiver fr, gefangen nehmen, knechten 3231, 
a cliem in (n) er fr. in Bewegung setzen, führen 18643; rfl* sich auf 
den Weg machen 8466, 8469. 

acliiever fr. vollenden 8757; intr. zum Ende gelangen, fertig werden 
mit (de) 5951, 

acier, acliier 9250; Sm. Stahl 426, 1067. 
acliner rfl* sieh beugen 5182, 9364. 
aclore Pr. 3* aclot 3580; fr. einschließen, wuschließen. 
acoillier, acuellir; Pr* 3. aqent 7547, 6 , acoillent 8003, aeuellent 
1589, acueilient 12 620; Perf.L acoilli 5819, 3. acuelli 3475; 
P*2* acoilli 18512, acueilli 18523; — fr. sammeln 4918; aufe 
nehmen (Weg) 3510; packen 7547; angreifen 1589. 
acomtance Sf. Freundschaft 1349. 

ac amtier rfl sich bekanntmachen 7977, 12007; tr. henmhrichtigmi, 
mitteilen 8080; unternehmen, anordnen 9516; kennen lernen 
9793. 

acoisier rfl , zur Ruhe kommen 19092. 

acoler fr. umhalsen 97, 3600; an den Hals nehmen (Schild) 1977, 
2039; umfassen 6369; Inf = Sm* 12470. 
aeompaignier rfl , sich zugesellen 10 315, 19 098. 
acomplir fr. vollenden 2756; intr. sich erfüllen, zu Ende gehen 
606, 635. 

aconduire fr, keranhingen, herbeiführen 13 024, 
aconslnre P. 2. aconseu erreichen, fassen 1238. 
aeonter fr, erzählen 193, 8162; schwatzen 9342, 
acorclance Sf Vertrag 322* 
acordemailt Sm* Vertrag 2721. 

a cord er tr. versöhnen 2325, 7897; rfl sich vertragen 7050 (s. Anm.\ 
7906; Übereinkommen 9070. 

acorrc Pr , 3. acourt 1661; PA* acourant 14830; P. 2. acouru 12068; 

intr* herbeilaufen. 
a c o r t Sm. Versöhnung 1126 8. 








384 


Glossar. 


acouchier intr. niederkommen 11849; sich niederlegen 15511. 
acoupler ir. ankoppeln 7877. 
acourchier tr. kürzen 17193. 

acoustumer: estre -f- P. 2. gewohnt sein 0992, 10G23, 
acouter rß. sich stützen, lehnen 3371, 6744, 8648. 
acouveter tr. bedecken 809, 9272. 
acreanter tr, zustimmen, annehmen 6956, 10675. 
acuelür s, acoillir. 

acuser tr. anxeigen, offenbaren, verraten 1396, 5680. 
ademetre rß. sich begeben, eilen 17432; P. 2. ademig eifrig, eilig. 
geschwind 4967. 

ad ent er tr. aufs Gesicht mederdrücken 13595. 
ad es Adv. immerzu 101, 13312; immer 1298, 
ad es er tr. anrühren 810, 1384. 

adestrer tr. (auf der reckten Seite) geleiten 10109, 12802. 
adirer tr. verlieren 11662 (s. Anm.), 11805. 
adoler tr. betrüben 6792, 8248. 

adont, adonques 328; Adv. alsdann, da 76, 2009, 6928. 
adoüber tr. und rß. ausrüsten, ausstatten, wappnen 1379, 1691, 
1865, 1930, 2065, 4440; beschenken 10 845; P. 2.—Sm. Be¬ 
waffneter, Ritter 7500, 16602. 

adrecier, adrechier tr. u. rß. richten, wenden 1094, 3389, 6332, 
6486, 17242. 

adroit N. S. adrois 3951; A. richtig, geschickt; Adv. adroit 12 985. 
adure A. abgehärtet = tapfer 445, 2021. 
advers, avers 8178; A. feindlich 2838. 

adversier, aversier 3811, 149S8; 1. Sm. Feind, Teufel 3990, 
14975; 2. A. 4113, 12011. 

adveraite Sf. Anfechtung, Widerwärtigkeit 10209, 13846. 
a6 Sm. Alter 502, 517, 3633; Leben 2977. 
aemplir tr. anfüllen 10 258, 11460. 
aerdre tr, packen 4103; rß. sich anhlammcrn 7440. 
aesmer tr. schützen, zielen, zielend schlagen 9778. 
afaire,afere 12510; Sm. Angelegenheit, Sache, Zustand 505, C96, 
5606. 

afaitier tr. abrichten 379; P. 2. **= A. wohl erzogen 776. 
afaraer intr. hungern 17 543; P. 2. ausgehungert 18981, 
afeblir tr. schwächen 2779; mir. schwach werden 9832, 18874. 
afebloiier tr, schwächen 2592, 3429, 4311. 
afere s. afaire. 

aferir Pr. 3. afiert 9967, 14876; Kond. 3. aferroit 2242; intr. zu¬ 
kommen, sich passen, geziemen, sich eignen zu. 
afermer, a(f)freiner tr. bestärken, versichern 17026; befestigen 
18173; rß. sich festsetzen 1812. 














Glossar, 


385 


a feilt rer tr . zivriehien, satteln, schirren 572. 1014, 7G29. 

affondrer intr. versinken 4584 (s. Änm .), 

affrenier s, afermer. 

afier tr. geloben, verbürgen 566, 1282* 

afiler tr. wetzen ? schärfen 4031, 7804* 

afiner inir. zu Ende kommen mit 5672, 8672; tr * töten 10199* 
afoler fr, übel zurichtm = töten 462, 1597* 
afremer s. afermer. 

afubler, aftiler 8216; tr. umheften 7 anzdehm 2293, G714* 
agait Sm. Hinterhalt 4896, 4914, 5967* 
agaster tr * verwüsten 14581. 

agenoiliier, ageneillier 15 573, agenillier 5215, 8875, 13 675; 
intr. und rfl. nicderkmeen 3292, 9239, 

agenoillons Adv. knielings , auf den Knieen 8787, 9365* 

agreer intr. und rfl. genehm sein, gefallen 569, 1967, 10673* 

agrever tr. schädigen, belästigen 8247, 9814. 

agil A * spitz 401, 5037. 

ag ui ei er tr. schärfen 14265. 

ah an Sm. Mühe } Schmerz 12818. 

akaxier tr. plagen , quälen 18 985. 

ahameskier tr. schirren f mit Geschirr versehen 10326. 
ahi! Inierj. ach! 4961, 11634. 

ahonter fr mit Schande bedecken ? beschimpfen 7199. 
aidance Sf Hilfe 1357. 
aide Sf Hilfe 174, 14406. 

aidier Inf 356j Konj. Pr. 2. äie 1942, 3. äit 319, 749, äie 715; 

fr* helfen 219, 366, 3400; rfl * 2635* 
aidif N.S. aidis 2517, 10552; A. hilfreich . 
äie Sf Hüfe 773, 14176* 
aigle Sf. Adler 13 991, 15144. 
aignelin Sm * Lammfell 16401 (s. Anm * zu v. 882). 
a i g r i e r fr* reizen 7 stacheln } treiben 114, 14171. 
aiguisier fr* schärfen, schleifen 3281* 
ail Sm. Zwiebel 446* 

aillors Adv. anderswohin, jemand anders 12166 ( 5 . Anm*)* 
uinc Adv. je 2917; ne ^ nie 47, 299, 3502; durchaus nicht 416. 
ains 7. Konj. bevor 18, 54, 360; Präp. vor 132, 761, 857, 5701; 
2. Adv . eher, lieber 369, 1334; sondern > vielmehr 105, 845; 
vorher 1002; eher 1925* 

äinsne, ains ne 5600, ains-ne 17525; A. der ältere 5861, 5875. 
air Sm. Luft 4828, 17 606* 
äir Sm. Zorn 4388, 4575* 
äiree Sf Zorn 16 212. 

airement N. S. airemens 4029, 7693; Sm. Tinte. 

Stirn miag, Boeve de Han tone, 25 









386 


Glossar. 


äirier, stirer rfl. zürnen 225, 2599, 5918; P. 2. = A. zornig 
2610; Adv, äireemant 16434. 
äirison Sf. Zorn 1115. 
aise Sf. Bequemlichkeit 7022. 
aisil Sm. Essig 4523. 

»ine Sf. Hilfe 3886, 3S93. 
ajesir Pf. 3. ajut 12833; intr. entbunden werden, 
ajortie Sm. Tagesanbruch 7479 (.s. Anm.). 
ajornee Sf. Tagesanbruch 4899, 7988. 

ajorner 1. intr. Tag werden 4049; anbrechen 6689; 2. Sm. Tages¬ 
anbruch 5969. 

ajouruaut Sm. Tagesanbruch 15844. 

ajouster tr. versammeln, zusammenziehen 8771, 13275, 

alegier tr. erleichtern , mildern 362. 

alemele Sf Klinge 2850, 3280. 

alenee Sf in a graut oj mit lauter Stimme 12 033. 

alentif N. S. alentis 15179; A. säumig. 

alor Inf S92; Pr. 1. vois 1513, 2. vas 2499, 3. vait 172, vet 9525, 
va 226, 6*. vont 168; Imjperf 4. aliens 1.7796; Fut. 1. ira 1840, 
3. ira 258, 4. irons 855, irom(m)es 11561, 11917, 5. irßs 3085, 
6’. iront 11601; Kond. 1. iroie 369; Konj. Pr. 1. voise 3660, 
3, voise 1053, voist 4965, aille 2712, 6. voisent; Konj. Imperf 
3. alissies 6607; Imp. 2. va 196, 4. alons 773, 3. ales 947; intr. 
gehen: rfl. s’en <■* 226, 570; davongehen, davonkommen 2877; 
Ir. begeheti 11666 (s. Anm.); unp. va de es geht um, handelt sieh 
um 4888; «v -f- P. I vb. fin. 225, 1172. 
alete Sf Flügel 809, 2214. 
aleure Sf. Gangart 14511. 

alever Pr. 3. alieve 8182; tr. erheben, erziehen 624. 

alexandrin A. aus Alexandria 1451. 

alie Sf Zwiebel 693, 5715. 

aligni A. gut gewachsen, schlank 18496. 

alöer tr. lohnen, vergelten 18371. 

alongier, aloignier tr. verlängern 3433, 13917. 

alose A. berühmt 3630, 5130. 

alumer tr. anzünden 1179, 5953; intr, jig. entbrennen 18 383. 
amaisnier tr. besänftigen, versöhnen 9647. 
atnaladif N. S. amaladis 12 559; Ä. krank. 
amanevi A. gewandt, tüchtig 5760, 12525. 
amasser tr. auf häufen, sammeln 3351, 5903. 
ambedoi Zw. beide 787, 1581; andoä 242, 553, Acc. ambedeus 
6207, andeus 1608, ansdeus 2897, 5117. 
am bl er intr. im Paßgang gehen 13309, 18677. 
ame, arme 11048; Sf Seele 472, 616, 6839. 










Glossar, 


387 


amen Int erj. Amen 19125* 

amenbrer intr, unp. sieh erinnern 16 754* 

amende Sf Buße 8943, 8959* 

amen der Konj. Pr. 3, amant IG 438; Ir. Entschädigung leisten, er- 
setzen, büßen 2322, 2922, 7459, 8557; besser machen 12409; 
rfl. sich bessern 5448, 8603; intr. Nutzen ziehen, Lohn emp¬ 
fangen 2291. 

amen die Sf. Buße, Schadenersatz 5776. 
amendise Sf Ersatz, Entschädigung 8570» 
amener Pr. 1. amain 8249, 3. amainne 7884, G. ameinent 9317; 
Fut. 4 . ameiirrons 3726; Konj, Pr, 3. amamt 10284; Imper. 2. 
amainne 11560; herbei führen } herbringen 178, 448, 2097. 
arner Inf 176, Pr. L aim 1744, 3, aimme 212; ir, lieben 1757; 
mieus lieben ivollen 1235; P. L = Sm, Liebhaber 169; roi 
amant = raemant 953 (s. Anm,). 
ami Sm, Freund 176. 
amie Sf Freundin 30, 124* 
amirable A, bewundernswert 7726, S66L 
amiral Sm, Emir 2532, 2723. 
am Iran t Sm . Emir 14 913, 15890. 

aniiraut, N S. amiraus 1922, 1964; Sm. Emir 2103, 2135, 
amir§ Sm, Emir 2096, 3036. 

amistie, arniste Sf Freundschaft, Liebe 369, 3531, 3554, 6815. 
amonter tr. erhöhen 18026. 

amor. amour Sf Liebe 59, 155, 162, 7915, 16864. 
amparlier Sm, Mitsprecher, Unterhändler 767 { s . Anm ,). 
ample A. weit 2450, 4791, 7120. 

an Sm. Jahr 79, 5897; Fautre ^ voriges Jahr, vor einiger Zeit 236; 
par ^ jährlich 12 236. 

ancestre(s) Sm. PL Vorfahren 4904, 12 266* 
ancien, ancnen A, alt 7, 9903. 
ancienour Ä. älter, alt 46, 290, 

arujois 1.Konj. ^ que ehe, bevor 753, 990; vor 1237, 6676: 2, Adv, 
vorher 3569. 

ancre Sm. Anker 7586, 18173. 

ancui Adv, noch heute 3866, 3941; anqui dass. 1960, 6527. 
andoi s, ambedoi. 

anel, PL aniaus 12 607; Sm . Hing 2823. 

anemi Sm. Feind 414, 633, 8950. 

anemie Sf Feindin 125, 

angele, ange Sm. Engel 6840, 19093, 19101. 

angevin Sm. Heller ( aus Anjou) 4022 S 4984. 

angoisse Sf Angst, Qual 10 232, 18369, 

angoisseus A. schmerzlich, qualvoll 1275. 





388 


Glossar. 


angoissier, angoussier 12 348; tr. bedrängen 3428, 3481; rfl. 
sich anstrengen 3061. 

anoiier, ennuier 5359; tr. unpers. schmerzen, verdrießen 5225, 
6059. 

anoncier tr. berichten 10137. 
anquenuit s. anuit. 
anqui 5. ancui, 
ans s. eus. 
ansdeus s. ambedoi. 
anste s. hanste. 

anti, antiu 3400, autieu 0002, antiö 384 (.?, Anm)\ f. antie 1944, 
3912; A. alt 5756, 11442. 
antiquite Sf. Altertum 2087, 3194. 
anter, antrer s. hanter. 
an ui Sm. Schmerz, Verdruß 10 784, 14067. 
anuit Adv. heut JVacht 719, 1859; anquenuit dass. 845, 6039. 
anuitier 3, inir, Kackt werden 3839, 9223; Ger. anuit an t = Sm. 

Anbruch der Kackt 3860; 2. Sm. Anbruch der Nacht 0527. 
anvel A. jährlich 15 070. 

aoinbrer tr. beschatten, bedecken, verbergen 8791. 
aourer, Pr. 3. aeure 17S4, 2804; tr. anbeien 300, 1362, 1927, 
2826. 

aoust, N. S. aous Sm. August 12305. 
apaisier rfl. sich beruhigen 10963; sich versöhnen 12 912, 
aparcevoir, I*r. 3. apergoit 1S87; Pf. 3. aperout 5057; P. 2 . aparceu 
1484, apere eu 2800; tr. und rfl. bemerken. 
apareillier tr. und rfl. zurüsten, ausstaUen 1859, 2181, 3837; 
fertig machen 2305. 

aparissant A. sich zeigend, sichtbar 10750, 15429; estre <v. offen¬ 
bar sein, erscheinen 7930. 
aparler tr. anreden 1462, 2055. 

aparoir, apparoir 1148: Pf. 3 aparut 59G8; P. 2 äparu 1208, 
3897; inir. erscheinen, anbrechen 1148. 

apartenance Sf. Zugehörigkeit, Verwandtschaft 317. 
apartenant Sm. Verwandter 521, 17 785. 
apartenir, Pr, hui, 2, apartiens 12 205; inir. gehören. 
apeler tr. rufen 175; nennen 10428; anrufen 1784: anreden 1792; 
verklagen 8666, 8737. 

apendre, Pr. 3. apant 8173; inir. gehören 1300, 11110. 
apenser tr. überlegen, ausdenken 13358; rfl. nachdenken 9147, 
18761. 

apereevoir s. aparcevoir. 

apert K. S. apers 1223; A. kundig, klug, gewandt ; Adv. apertement 
14690; apertemant deutlich 11633. 




Glossar, 


389 


apoiier fr. stützen 7430; rfl. 1030, 1044. 
aporter fr. herbeitragen, herbringen 203, 785. 
apos teile Sm. Papst 18518. 

apostre, apostle, aposteie Sm. Apostel, Priester 13G2> 1421, 
1433, 1975, 2913. 

apovrir tr. arm , elend machen 14105. 

aprendre Inf 17 782; Pfl. apris 2490; P. 2 . apris 6825; Imper. 2. 

apren 1802, 5. aprenäs IG742; Ir. lehren 3296; intr. lernen 2490. 
apr6s 7, Präp. nach 819; venir ^ folgen 2415; hinter jd. her 3043; 

2. Adv. nachher 25G; hinterher 3097; en ^ nachher 5805. 
apresser tr. drücken , bedrängen 2817, 12 669; rfl sieh nähern 
8851. 

aprester tr. ausstatten 141; herriehten 783; xurechtmachen 3611; 

vorbereiten 9156; rfl 9816; P.2. — A* bereit 3262. 
ap(p)roeiner, aprocier mir. herankommen, sieh nähern, nahen 
3285, 6538, 11733, 12 440. 
aproismier mir. herannahen 12800, 
apronvender fr. verproviantieren, unterhalten 12465. 
aquitier, aqniter tr. befreien 2286, 7987; einlösen 3654; rfl. 

sich entledigen 7082, 7254, 19111. 
aracliier tr. ausreißen 4218. 

araison(n)er, ar(r)aisnier anreden 309, 494, 839, 1522, 2117, 
10818, 10876. 

arbalestier Sm . Armbrustschütze 15 720, 
arbre Sm. Baum 440, 2963. 

archevesque, arcevesque Sm. Erzbischof 4648, 4650, 17487. 
archiee T archie Sf Bogensehußweiie 3058, 3134, 10789. 
archie r Sm. Bogenschütze 6053. 
areho ier intr , mit dem Bogen schießen 11561. 
arc h o n, a r g o n Sm. Sattelbogen 2050, 3013, 7334, 
ardoir Inf. 2364, 3529; Pr. 6\ argent 2717 (s. Armin; Kong. Pr. 2. 
arges 5636; P. 2, ars 1235, 4211; fern, arse 13 261; mfr. ver¬ 
brennen 1179, tr. 1932. 

argent, argant Sm. Silber 248, 868, 942, 9502. 
arme s . ame. 

arme Sf Waffe 72, 308, 8830. 
armer tr. bewaffnen 1963, 3052. 
armöure Sf Rüstung 13935; PL 3036, 0066. 
arondele Sf Schwalbe 1780, 179L 

arpent, arpant Sm. Morgen Landes > ein Längenmaß 9383, 10763. 

arrabi A. arabisch 2438, 2448, 10 995. 

arragon A. aragonisch 3714. 

arrengier rfl. sich auf stellen, ordnen 15 398. 

artesiier fr. mit dem Zügel anbinden 3370, 13 945. 






3 DO 


Glossar. 


arrestanco Sf Aufenthalt 334. 

arrestee, arrestÖ Sf. Halt, Aufenthalt 580, 1012, 4892. 
arrestemont Sin. Aufenthalt 3844. 

ar(r)ester P. 2. arrestu 400, 1040; tr. auf halten 2948; intr. und rß. 

sich auf halten, stehen bleiben 786, 958, 1054, 2841, 2846. 
arrestison Sf. Aufenthalt 268, 560. 

arrier, arriefe Adv. rückwärts 47G; hinten 1182; xurück 1307, 
2162. 

ar(r)iver tr. und intr. landen 804, 3229, 4325, 11456. 
arrouser tr. begießen 5504. 

ar(r)outer intr. sich auf den Weg nachm 8507; tr, auf den Weg 
bringen, versammeln, aufstellen 3099, 8864, 14670; P. 2 auf 
den Weg gemacht, geraden Wegs 3057. 
arsi A. ausgebrannt, schwarz S8D (s. Anm.). 
art Sm. Kunst 10480. 
asbanoier s. eebanoier. 
asechier intr. trocken werden 17444. 
ases s. assGs. 

asnier Sm. Eseltreiber 12957. 
assaiier s. essaner. 

assaillir Inf. 5827, assalir Inf. 4490, 4518; Pr. 3. assaut 6335; 
Pr. ü. assaillent 451; F. 4. assaurons 14370, 6. asaudront 6623, 
assauront 8482; Imper. 4. assalons 3425; P. 2. assaüli 3 083; 
tr. angreifen. 
assambler s. assembler. 

assase, asasö A. reich, begütert 2115, 3583, 7615. 
assaut Sm. Angriff, Ansturm 4622, 

as(s)egier ir. belagern 6504, 10501, 14765; rß. sich Umstellen, 
niederlassen 2620, 

assemblee Sf Ansammlung 7990. 

assembler, assambler 1370, 4623; assanier 16081; tr. ver¬ 
sammeln 306, 1004; rß. 6193; intr. handgemein werden 6251; 
Zusammenkommen, Zustandekommen 6949. 
assembler Sm. Zusammenkunft 7183. 

as(s)ener tr. treffen 3267: unterbringen 6665. 7067: angreifen 
6778; führen, leiten 10430; anbringen, unterbringen, führen 
16392, 16519; intr. ankommen, cs getroffen haben 3234. 
assentir rß. zustimmen 2245, 7150. 

asseoir, aseoir Pr. 3, assiet 8911, 6. assieent 7732; Pf 3. ussist 
1113, 6. assisent 10 648, asisent 242, 2461; Imper. 4. asseons 
7783; P. 2. assis 850; rß. sich setzen ; estre assis sitzen 2760; 
ir. setzen 1401, 2182; belagern 3731, 14736. 
as(s)Ss Adv. genug 508; viel 577, 1188; oft 1219; sehr 1744. 
asseurance Sf Versicherung, Sicherheit 1406. 









Glossar. 


391 


assöurer in u, rfl. versichern ß beruhigen 100G, 3101, 4252. 

as sommor intr. endigen, aufhören 42 ($. Änm .)* 

assouagier tr. lindern 372. 

astenir rfl. sich enthalten 3744, 4632* 

asur, aziir Sm. Blau 1907, 4929, 4995, 

atache Sf. Band 7644. 

atacliier, atacier tr. befestigen 2634, 17109; anbinden 3256, 
4298. 

ataindre Inf. 2947; Pr. 1. ataing 429, 3. ataiirt 460; P. 2. ataint 
3273, N. atains 14498; in erreichen, treffen . 

atapiner tr. verstecken, fig, verkleiden 6908, 7323, 
atargier intr. u. rfl. zögern 164, 368, 3425. 
atemprer Ir. stimmen (von Mmikinstrummien) 1024, 10105. 
atendance Sf. Erwartung 1356, 

atendre, atandre Pr. 3. atant 10738; Imper. 2. aten 5359; tr. 

erwarten 336, 866, 2230. 
atenir in halten t fcsthalten 4492, 

atenrir, atenrrier 11458, 15660; Pf 3. atenrri 11450; intr . 
gerührt werden. 

ater rer tr . zu Boden schlagen 388, 16094. 
atirier tr. bereiten, ordnen 9634. 

atisiei tr. entzünden, reizen 3396; intr. brennen, glühen 11879. 
atorner, atonrner tr. u, rfl. zurichten, ausstatten 589, 787, 2295, 
5955, 9796. 

atouchier tr. berühren 9529, erhaschen ; treffen 1090. 

atour Sm. Ausrüstung 308, 

atraire tr. herbeiziehen G563, 14849* 

atraper tr. überrumpeln 8113, 9040. 

ll t.ra v er in einquartieren, unterbringen 6537, 15873. 

atropeler rfi sich ansammeln, zusammenfinden 10670. 

anbe Sf Morgenröte 713, 3897. 

aubero s. liauberc. 

angour A. höher, hoch 291. 

a u c t o r i 16 Sf. Ansehen 11776. 

auctour Sm, Verfasser, Autor 63. 

ancun Fron, indefl irgendein 2291, 5581. 

au di an oe Sf, en ^ laut, deutlich 12 299. 

aufage Sm. ein sarazenischer Würdenträger 2715, 14 913. 

auf er raut Sm. Schimmel, Grausehimmel 3387, 4856, 

aulricant A. afnkanisch 3028. 

aumaire Sf (Waffen-) Schränk 18004, 18978. 

aumosue Sf Barmherzigkeit, gutes Werk 610, 2769, 3674. 

au ne Sm. Elle 1038. 

äunee Sf Versammlung, Menge 7092, 10101* 






392 


Glossar. 


äuner fn u. rfl, (sielt) versammein, sammeln 1957, 14187. 

aunoi Sm> Erlengehölz 3948. 

auquant Fron . wirfä/l einige 1768, 2110, 5410* 

auqiies Adv. etwas 523, 1494; sehr 16442; lange 1584, 2341* 

auqueton Sm. Waffenrock 14261. 

aus er rfl sich bedienen 18846* 

ausi Adv . auch 887, 3675; ebenso 2546; ^ com ebenso wie 1368. 
autant Fron, indef ebensoviel , ebensosehr 9825. 
au tel Fron, indef. ebenso Ich 5121, 10140. 
autel N. S, aut6s 7468; Sm m Altar 8786, 9239* 
autre A. ander 365, 437; s. autre an; l’autr’ier kürzlich 350, 
2206; pas avant autre 13 036 (s. Arm .}; Adv. autremant 10 777; 
Absol autrni 3584, 4562; vgl. un. 

autresi, autressi ebenso 874, 1440. 17 357. 
autre tan t Fron. indef ebensoviel 1447, 10700. 
avainne, avonnc 929; Sf Hafer 1830, 3319. 
aval Fräp. abwärts, durch 2502; vgl. val. 

avaler fr. herunterbringen 2600; herunter werfen 5189, 9005; intr. 

u* rfl. herunterkommm 1670, 2776; Inf = S. 2511, 
a v a nc e man t Sm . Förderung f Nutzen 18942, 
avanc(h)ier tr. fördern 772, 2224; intr, u. rfl. vorwäriskommen 
2800, 6334, 8880. 

avant Adv, vorher , zuerst 193, 250; vorn 1182; vorwärts 1643; 
weiter vor, später 10 785, 13859; weiter, d. h. auch zu andern 
Leuten 5678 (s. Anm.)^ 5717; en ^ dass, 5780, 14072; en^ 
weiter, noch meh\ länger 9102,10 722,14 072; vgl metre und or. 
avant-garde Sf Vorhut 15 080, 

avenant A. schon , angenehm 214, 519, 4334; passend 5290, 
avenir Inf ', 2255; Fut. .5. avenrra 9534; Pf S . avint 3728; 
F. 2 . avenu 1234; intr. hingelangen 2514; reichen 2605; zu- 
stoßen, ergehen 1234, 5790, 11079. 
aventure Sf. Abenteuer 3728, 11593; par^ durch Zufall, viel¬ 
leicht 2493; en ^ aufs Geratewohl 11610, 
averer tr. erfüllen 7469, 
avers s. adv erg, aversier s , adversier, 
avespree Sf Abenddämmerung 1025, 12446. 
a ve sp re man t Sm, Abenddäm menmg 15 810; — Adv 198 (s. Anm), 
avesprer intr, Abend werden 782, 4245; Inf. = Sm. 4697, 15 474. 
avilläer tr. erniedrigen 2156. 

avironner, avirouner tr. umzingeln 454, 7378, 7834. 
avis Sm. Meinung 10551; estre erscheinen 793, 870, 10087. 
aviser tr. bemerken } erkennen 812, 2016, 2970, 7393. 
avoe, avoue N. S. avüez 14 615; Sm. Schutzherr 1299, 8970, 
9011, 13575. 




Glossar, 


393 


avoec Prüp w mit 178, 448; — nfr. chez 10040 (s, Anm)] adv. 
zugleich, außerdem 13 013 (s. Anm ,); avuee 18171; avoeques 
2750, 7518, 

avoller in auf den Weg bringen, geleiten 6479, 13511, 
avoir Inf 51, 70; Pr. 1. ai 179, a 180, e 11213; 2, as 149; 
3. a 113; 4. avon(s) 658, S73, avommes 8569; 5. av£s 108; 
8 . ont 10, 334; Imperf. 1. avoie 357; -5. avoit 125; 6. avoient 
1019; Put, L av(e)rai 158, 2267, avre 11246, arai 819; 
2: a(v)ras 192, 690; 3. a(v)ra 156, 760; 4. arons 7670; 
5. a(v)r6s 53, 295; 6, a(Y)ront 1960, 10470; Kond. L aroie 
5913; 3. a(v)roit 98, 1378; 4. ariens 6532; 5. averies 6686; 
aries 4037; ariez 9985; Pf 1. oi 6996, euch 8302; 3. ot 
29, 57; 4, eußmes 1124; 5. eustes 5436; 8. orenfc 482, SÖ9; 
Könj, Pr, 1. aie 825; 3. alt 237, 472; 4. aions 12120; 5. aiies 
3341; 6, aient 493; Konj. Imperf 1. eusee 1743; 3. enst 86, 
645; 4 . eussons 867; eussieos 10272; 6. eussent 708, 823; 
Imper. 5. ai(i)cs 249, 740; P. 2. eu 21G9; tr. haben, bekommen 
2783; empfangen, aufnehmen 472; por halten für , betrachten 
als 1410, 3798 (s. Anm *); „messen u 1038; a unp. „es handelt 
sich um™ 282; es gibt 767, 1058; es ist her 884, 7070; 
Inf = Sm. Habe 189; Reichtum 508; „Lohn“ 954. 
avoler intn her fliegen, heraneilen 2356. 
a von ne s. avain ne. 
avouerie Sf Schutz 1916. 
avril Sm. April 1427. 
azur &. asiir, 

Bacheier, baceler Sm. Jüngling 161, 1386, 5901, 9120. 
bacon Sm. geräuchertes Schweinefleisch 1127, 
baile Sm. Befestigung 13 457 ($. Anm.). 
bailli Sm. Amtmann, Verwalter, Herrscher 12 539. 
baillie Sf Gewalt , Besitz 113, 149, 5714, 8S88. 
bailiier, balier 13 991; Pr. L bail 5103; tr. beherrschen 73, 
2264; besitzen 10869; benutzen 11988; überliefern, übergeben 
265, 272, 719; in seine Gewalt bekommen 770, 1096; „tragen™ 
6054; geben 6085, 16527; malr^ übelzurichten 88; estre mal 
bailli 1411; mal bailli 4396; uiaubaiUi 18 229 übel angekommen 
sein. 

baignier tr.u.rfl. baden 3480, 3696; fig. 6246. 
baing Sm. Bad 1872, 1880. 
baisier tr. küssen 97, 116, 152. 

baissier tr. senken 6407; intr. sinken, sich senken 0373. 
balance Sf Wagschale 956, 2923; Gefahr 327; vgl. metre. 
balier s » bailiier. 











304 


Glossar, 


baloiier intr. sich hin und her bewegen, flattern 15002. 
ban Srn. N. bans Bekanntmachung 14703. 
banc Sm. Bank 959, 12 805. 

band oil Sm. a— ungehindert, mit Eifer 1138, 4798, 12897. 
banier Sm. öffentlicher Ausrufer 15937, 17058. 
banicre Sf. Banner 14391. 

banir fr. entbieten, auf bieten 1929; verbannen 10540, 13218. 

baptesme Sm. Taufe IG202. 

baptestire Sm. Taufe 4139. 

baptisemant Sm. Taufe 15422. 

baptisier ir. taufen 669, 2035. 

barat Sm. Trug 5812. 

barbe Sf. Bart 32, 75, 4024. 

barbe, barbez A. bärtig 443, 3275, 9016. 

bare Sf. Kriegsspiel 12042 (s. Anm.). 

barel PL bareus 11550; Sm. Faß. 

bargaignier, bargignier ir, u. intr. handeln, Handel treiben 
1609, 3491, 

bärge Sf. Barke, Schiff 3135 (s. Anm.) , 4388. 
barnage Sm, Ritterschaft 2349, 6450; Tüchtigkeit 7025. 
baron N. ber 1 . Sm. Baron 107, 900, 978, 2218; 2. A. tapfer 
2303, 2607. 

baron nie Sf Ritterlichkeit, Tüchtigkeit 9593; Ritterschaft 15669, 
17966. 

barre Sf. Querstange 7029. 

barrer ir, verrammeln 7436; R 2. bare mit Streifen versehen 
7843. 

bas fern, basse 18 881; A. niedrig 7648; leise 18881; en<^ leise 
12023. 

hasset Adv. leise 3169. 

bastir ir. bauen, aufbauen 4621, 5755; fig. 761, 10977. 
bas ton Sm. Stoch 1037, 1045; 'Stab 18705 (s. Anm). 
bataille Sf. Schlacht 1955, 3262; Abteilung 14726, 15 072. 
bataillier, bateillier, batillier tr. befestigen 6481, 7940, 13 975, 
14247. 

batel Sm. Boot, Schiff 11650, 11934, 12609. 
batre tr. schlagen 231, 652, 8917; stampfen 15999; flg. her - 
stellen (Kette) 12 756: <^sa coupe seine Sünden bekennen 3477; 
P. 1. = Adv. schnell, eilig 1953, 5071. 
bauchant Sm. Schecke, Art Pferd 10638, 10 761. 
baudrö Sm. Gürtel 4024, 8210. 
baut iV. baus 8S88; A. heiter, froh 957, 6387. 
behortler, bebourder 16353; bohorder 17 841; intr, u, rfl. sieh 
im Kampfspiel üben 1801, 1806, 8645. 












Glossar. 


395 


bei fern , bele 146; N, S. m, biaus 192, 300; A , schön 167, 1666; 
angenehm 2821; estre bei angenehm sein, gefallen 604, 8183; 
Adv. bclement 678; belemant freundlich 976, 4343; bei 141, 
179. 

bende Sf Band 4634, 7129. 

ben d e r tr. besetzen, besticken 491; verbinden 1212. 
benSiijon Sf Segen 668, 2416. 

beneir Inf 5733; Pf 3. ben ei 2464, 2531; Konj. P-r. 3, ben eie 
107, 2466; P. 2 . benois 1197; beaeois 11 875; tr . segnen. 
ber s. baron. 

bersaire S?n. Zielscheibe 13 888. 

b e r s e r tr, schießen, jagen 10118. 

besaut Sm, Byzanier, eine Goldmünze 181, 16991. 

beseuit in pain ^ Zwieback 4288. 

beseigne Sf Bedürfnis, Not 1862; Sache, Angelegenheit 5511. 
besoing, beson 9942; Sm. Not f Notwendigkeit 0055, 6OSO; 

avoir ^ bedürfen 2414. 
beste Sf Tier 1657, 2940, 3400, 
beubant Sm, Gepränge, Pracht, viel Besuch 3851. 
blaute Sf. Schönheit 3549, 3691. 

bien 1. Adv . wohl 2, 16; sehr 25; wohl, ausdrücklich 1S3; 2 , Sm, 
Gutes 651, 695, 2255; Glück, Heil 2492. 
bienfait PL bienafais 13053; Sm. Wohltat 12 679. 
bienviegnier tr. willkommen heißen 18681. 
biere Sf Tragbahre 1287. 

bi et, bi 6, N. S. bi es 6565 (s. Amn)] Sm. Flußbett 2603 ( 5 . Anm,). 
bis A. dunkelfarbig 882, 4994. 
bi sei Sm. dunkle Farbe 4928. 

blanc N. blans 1427; fern, blanche 1950; blance 1810, 1879; 
A. weiß 509, 5283. 

blancoiier mir. weiß werden^ bleichen 75. 
blas me r tr. tadeln 1146, 2868. 
blastengier fr. tadeln 7077. 
ble PL blez 4217; Sm. Getreide 4178, 8683. 
blecier tr. verletzen 3971, 5269. 

Miaut PL bliaus 383, 8250; Sm. langes Gewand 785, 1BS1. 
blont, bien 10 869, 18694; fern, blonde 30; PL m. blons 888; 

A . blond 1667, 1863. 
bohorder s. behorder. 

boire Inf 12576; boiyre 2637; Pr, 5. beves 4877; Pf. 3. but 
2452; P. 2. beu 2474; tr. trinken * 

bois, bos 2411; Sm. Wald 122, 1779; Holz 3917, 11547. 

boisdie Sf Betrug 697, 5447, 

boisier mir. Betrug verüben 6394, 10537. 







396 


Glossar. 


boiste Sf Schachtel, Kasten 264, 6738. 
boivre s. boire. 

bon fern, bone 1687; bonne 1; boune 23; boine 135; LA. gut> 
trefflich 71, 660, 18580; tüchtig , groß 831, 1013; Adv. bonne- 
ment 13159; bonnemant 4867 gern; 2 , Sm. Wunsch 188, 4832. 
bon neu re A, gesegnet 7985, 

baute Sf. Güte 1704, 8090; Tüchtigkeit 3173, 3183; Ritterlich¬ 
keit 8096, 8342; Guttat 8356. 
bordon, bourdon Sm. Pilgerstab 3466, 3474, 6750, 5340. 
borgois Sm, Burger 6053, 18922; bourgois 1889; bourjois 7185; 
borjois 18 530, 

borgoise Sf, Bürgerin 18922; bourgoise 17930; bourjoise 11301. 

bort Sm, Bord feines Schiffes) 18 047, 

bos s. bois und bot 

boscage Sm. Wald, Gebote 11520. 

böschet, bosket 17221; Sm. kleiner Wald 14428, 15300, 
bot PL bos 2570, 2606; Sm. Kröte, 
boucel Sm. Füßchen 2468 (s. Anm .), 3333, 3950, 
bouche Sf. Mund 228, 511. 
bouele Sf Buckel des Schildes 19SO, 2047. 
bongerant PL bougerans 4644; Sm. steife Leinewand. 
boujon, bougon 13 436; Sm. großer Pfeil 4801, 18116. 
boulir P. L boullant 5560; P. 2 . bouli 9308; inte, kochen. 
bourc, borc 3189; PL bours 1932, 3698; Sm. Flecken 1914, 
1934. 

bourtler tr. tauschen, betrügen 13 708. 

bourdon $. bordon, 

bouteliier Sm. Mundschenk IS807. 

bouter tr. stoßen 1102, 1504, 2094; vorschieben 7030; stecken 
7106; werfen (Feuer) 16 931. 
braie Sf. Hose 1879, 13014. 

braire Fr. G. braient 15120, 17 324; intr. schreien , klagen . 
braue, braut 9500; NS. braus 9090; N PL braut 9522; A, PL 
brans 1651; Sm. Schwert, Klinge 426, 9503. 
brandir tr. schwingen 1978, 2102. 
branler, branller tr. schwingen 16 043, IS347. 
braon Sm. Fleischstück 1128. 
braa Sm. Arm 649, 1174, 

bretesce Sf. mit Zinnen versehener Turm 4420 (s. Anm,). 

bricon Sm. Narr , Dummkopf 271 } 745, 12 956. 

brief N briös 6892; Sm, Brief 252, 2401. 

brievet Sm. Brief 2550, 6728. 

brisier tr* zerbrechen 229, 2889. 

brocke Sf spitzer Pfahl 2617. 







Glossar. 397 

brochier, brocier ir. spornen 1977, 2039. 

broie Sf eine Quetschmaschine 10188 (s. Anm) ) 10221* 

broigne Sf. Brünne 1981, 4200* 

broion Sm, Teil einer Quetsckmaschim (Marterinsirument) 10190 ? 

10224 (s. Anm. zu 10188); fig. Klemme ; Widerwärtigkeit 13503* 
broque Sf. Halten, Stift 2823 ($, AnmX 
brouder, brousder 17 084; ir, besticken 575, 15102* 
b rueil Sm. GehölzWald 17142. 
bruelle Sf Gehölz 7983, 11659* 
bruellet Sm. kleines Gehölz 5967, 7980* 
b r ü i r tr. verbrennen 18228* 

bruir© P. 1. bruiant 3150; mir. brausen, rauschen 2 dröhnen 6599, 

bruler, brillier tr, verbrennen 1180, 14355* 

bu = buc Sm. Rumpf 419, 8400; iV* S, bus 5489. 

bnef PL buSs 4919, 7992; Sm, Ochse, Rind 883, 4626* 

buer Adv, zum Glück 1974. 

buie Sf Fessel 2633* 

b ul et er tr, beuteln 3190, 3331, 

burel Sm, Wollenst off 12597, 

burnier intr. glänzen 14274* 

burnir intr, glänzen; P. 2 * geputzt, blank 4441, 4477, 4507, 4510* 

busce Sm, Holzscheit 7449* 

bute Sf Zielscheibej Ziel 10 790 (s, Anm,). 

Qa, eha 3224; hier, da 4287, 5517, 13417; hierher 6906. 
eaaignon Sm. Kette 1144, 13 498. 

caaine Sf Kette 13 054, 14 036; chaaine 1650; cäine 2890, 12 756* 
cacliier tr. verjagen 82, 1855; jagen 258, 328, 364; treiben 3892; 
betreiben 7331. 

ca eie Adv. gefälligst 7 bäte, mit Verlaub 12201 (s, Anm.), 
caien s Adv. hier drinnen, hier herein 14021; chaiens 3351, 3932, 
4290. 

painclre, chaindre Pr. 3. gaint 15607, chaint 7275; G * chaignent 
402, ehaingnent 4891; Pf 3 * ehainst 377, 1899; Konj. Pr * L 
chaigne 597, 1200; Konj. Impeif. 3. cliainsist 19018; P.2. gaint 
5533, chaint 2788; N. chains 15565; Ir. gürten; intr . sich 
umgürtm 19018 (s. Anm.), 

gaingler tr. gürten 2979, 9318, 10733; cbaingler 3184, 7234. 
cahisil Sm * Leinwand, Windel 11543* 

cainsse Sm, Leinwand, Kleidungsstück aus Leinwand, Windel 11608* 
cäir Inf 2508, chäir 14281; Pr. 3. chiet 820, 1077; FuL 3, carra 
205; Pf 3. chäi 1491; G, chäirent 2824; F, 2, cheu 4008, 
clieois 12 997; intr . fallen, 
caisne Sm. Eiche 4033, 5858* 






39S 


Glossar. 


caitif 233G; N. caitis 818; chaitif 1653; N. chaitis 885; Sm. Un¬ 
glücklicher, Elender 1031; Gefangener, Sklave 1574, 1653. 
ealandre Sf. Kalender kr che, Feldlerche 12 306. 
oalant, chalantll75; Sm. Art Schiff 3151,3491 (s. Anm. zu 1175). 
calengo Sf. Herausforderung 1036. 

calengier Fr. 1. calens 1072; tr. Rechenschaft verlangen für 1053; 
ah fordern, verlangen, streitig machen, beanspruchen 12 003, 
13116, 14579. 

caloir Pr. .3. caut 1745, 4704, 6182; chaut 722; Pf. 3. calut 
18885; Iiond. 3. chaurroit 7792; Konj. Jmperf. causist 63G; 
intr. kümmern, brauchen 4704, 5918. 
calour Sf. Hitze 4194. 
camberiere Sf. Kammerfrau 5148, 12451. 
camberlenc s. cambrelenc. 

cambre, chambre 677, 1210; Sf. Zimmer 773, 1009. 
cambrelenc Sm. Kammerherr 3879; chambrelenc 1S70, 2274; 

camberlenc 5530, 5953; PI. camberlens 10436. 
camp -A 7 . cans 9283; Sm. Gefdde 4084; Kampfplatz 9201, 9285, 
9301; Kampf 5287, 5574, 17034. 
campel, champel 5627; A. Feld- 16032; campal 18258. 
ca nee 1er, clianceler 4007; intr. wanken, schwanken 15609,17290. 
eanchon, changon 10785; Sf. Lied 2 , 11 , 10614. 
cangier, changier 2268, 2900; tr. verändern 17489; wechseln 
12 596; emtauschen 10872; le sens ^ wahnsinnig werden 1050, 
2203. 

9 aut s. cent. 

cantel Sm, Seile; en c.. (l’escu) an der Seite hängend 4946. 
canter, chanter 3, 49; Pr. 4. cantommes 26; tr. singen 8 , 11588; 
krähen (vom Hahn) 5944; Ger, coc cantant Hahnenschrei 024, 
944. 

cape, chape 8711; Sf. Mantel 9020, 9088. 
capel, chapel 1658, 3889; Sm. Hut, Kranz 12662 (s. Anm. 
zu 1658). 

capelain, cbapelain 6717; Sm. Kaplan 16546. 
capelier Sm. Teil des Panzerhelmes, der den Kopf unter dem Helm 
umhüllt 3289, 3415. 

caple Sm, Kampf, Kampfgetöse 4543, 6208, 7384. 
capleis Sm. Kampf 5021. 
caploiier intr. kämpfen 6279, Inf. = Sm. 3432. 
ca pulsier tr. schneiden , schnitzeln 2214; schlagen, klopfen 6520. 
ear Konj. denn 3G, 1746; Wunschsatz einleitend: doch 757; vor 
Imper. 773, 781, 2189; cor 2363. 
car 1. Sm. Wagen 6469; 2. Sf. Fleisch 10237, 13691; char 
1548, 2183. 

















Glossar, 


399 


car- s. auch ohar-, 

carboti, charbon 17 148; Sm. Kohle 889, 1220. 
carcan Sm. Halseisen 2032, 2817. 

carcliier, cargier 3S84; carkier 16595; fr, beladen 2152, 
3883; aufladen 4220. 

ca ree Sf, Karrenladung, eine Karre voll 5206, 
carete, charete 1321; Sf. Wagen , Karren 6496. 
carite, cliarlte 8294; Sf. Barmherzigkeit 1596, 4043, 6458. 
cargier und carkier s, carcliier, 

earnel A. fleischlich^ sterblich 4071, 7760; vertraut, intim 5194; 
carnö 14432; PL carnes 5194; charnel 12210; cham6 
13836, 

caroiier ifr, fahren 8679. 
caroler intr, Reigentanz auf führen 10354. 
carpentier Sm. Zimmermann 5479, 6409, 
cascun, chaßcuns 707; Fron , indef jeder 49, 1268. 
casemant, cassemant 13 897; Sm. Lehn, Besitz 2723, 9078, 
caser tr. belehnen 7757, 9990; P. 2. ~ Sm. Lehnsmann, Vasall 
1345, 10574; cliase 14673, 16596, 
easse Sf. Kiste ^ Kasten 9356. 
easseinant s. casemant 

ca&tel, cliastel 1914; PL castiaus 1851; chastiaus 4051; Sm. 
Schloßt Burg 1571, 1912. 

castelain, chastelain 18610; Sm. Burghen* 16709, 
ca steiler tr. züchtigen 13 910. 

oauche, chauce 1882; Sf Fußbekleidung 919, 5630. 
cauckie Sf Straße 1249, 17708. 

cauchier tr. u. rfl. mit Fußbekeidung versehen 138, 912, 5531. 
canclion Sm. Fußbekleidung, Socke , Strumpf 4764. 
caudet A. lauwarm 359. 
catifer tr. erwärmen 12 985. 
caufrain Sm. Stirnplatte 12 351 (*■. Anm.f 
eaup K, S. caus 18 379; Sm, Schlag, Stoß 9853; cop 467, 1074, 
PL cops 2124, 18377; cols 16 012; saus ^ ferir ohne Schwert¬ 
streich 7733. 

cauper tr, durchschneiden, abhauen 439, 744, 2077; coper 471; 

couper 16051; colper 1734, 2363. 
caurroi Sm. Gebüsch von Hasdsträuchern 3934. 
caut JK, caus 8344; c haus 2185; fern, catide 5504; chaude 4876; 
Ä, warm / — Sm. Warmes 3941, 

cay&is Sm. 5538; über die Bedeutung s, d. Amn. 
cayer tr. aushöhlen 2911, 3133, 
cavestre Sm. Halfter 11071, 
caveus s, chevel. 











400 Glossar. 

ce Fron, dem . dies, das 8 , 166; sich auf Personen beziehend 6323 
(s. Anm); rv la jenes t dies 546; che 1316; ice 9567; 90 U 
989; ichou 16 461. 
celöbrer fr. feiern 19 023. 

celer R 3. 9 oile 495; Imper. ^oile 18418; tr, verheimUcJten, 
verbergen 250, 1066 ; rfL 12182; Inf — Imper. 4710; P. 2. = Sf 
Heimlichkeit 11842, 1C17Ö; a eeiee heimlich 1196; a cele 
2320, 10 814, 

celeste, celestre 12260; A. himmlisch 2826, 12658. 
eelier Sm . Keller 1304, 3775, 5481. 
cembel Sm. Kampf 4915. 

cendal PL cendaus 13950; Sm. leicht®* Seidenstoff 18266. 
eener mir. ein Zeichen gehen (zu kommen) 12996. 

Cent PL eens 756; pant 7545, 7928; Zw. hundert 307, 450. 
cercier, cerquier, cherkier, che rq ui er, chercier tr . suchen 
1097, 1135, 1138, 1264, 1285, 1290, 4050, 11509, 12623, 
cercle, cerclel 4924; Sm, Iiing, Reif 2929, 4924, 14 277; Sf 
578 (s. Anm.}. 

cerf, cherf 386; N. S. cers 2941; Sm. Hirsch 358, 190Ö. 
certain A. gewiß; estre cw inne werden 1153; Adv .certainnement 7554. 
certainnete Sf Gewißheit, Sicheres 165 68 . 
certes Adv. sicher y gewiß 834, 1223; = gewiß nicht 6341 (s. 
Anm). 

cesse Sf } faire ^ auf hör m } Halt machen 2736, 3775. 
cesser intr. aufhören 2828, 4273, 11896. 
ceval 5 . cheval. 

cevir rfL sich fördern , ernähren 5357. 
cha- s . auch ca. 

cliaiiere Sf Sessel 2910, 9008. 
chainf Sm. Gürtel 15 565. 
ehainture Sf Gürtel 3279. 
eh aut Sm. Gesang 12853. 
ehapele Sf Kapelle 1697. 

c har tarier, chart rier Sm. Kerkermeister 2030, 2759. 
ehartre Sm. Kerker 232, 1181, 2148. 
chavaus s, eheval. 

ohemin Sm. Weg 384; ^ ferre Landstraße 2521, 3041, 3206. 
che ml nee Sf Kamin 4875. 
chemise Sf Hemd 1879, 3877. 

chenu, kenn 1729, 3636; quenu 5170; A, alt , grauhaarig 406, 
1507. 

cheval, ceval 380; PL chevaus; Sm. Pferd 436, 14437. 
cheva 1 eri e Sf. Ritterlichkeit 161, 11461; Ritterschaft 1935; faire 
Ritterlichkeit bewähren 1947. 















Glossar, 


401 


Chevalier, chiralier 1091; Sm. Ritter 25, 71, 1046. 
chevauehier intr. reiten 524, 3130, 3693, 
chevel PI. cheveus 888, 1385; caveus 9762; Sm, Haar , 
chief FL ehiös 5104; Sm. j Haupt 84, 1658; Anfang: el (n) 
premier ^ an erster Stelle 255, voran 1098; de ^ en ^ von 
oben bis unten 1264; von Anfang bis zu Ende 12475; — Ende 
1516, 4540; a ^ de pieee nach geraumer Zeit, a ^ de am 
Ende von, nach 10148, 
chien Sm. Hund 379, 7877. 

einer A , teuer 461, 748; Adv, ehierement 7043; avoir ™ lieben 
1092, 1274; tenir ^ dass. 1832. 
chiere Sf Antlitz 1267, 1273, 5774, 
chierge, eierge 778, 2839; Sf Kerze } Lieht 5636, 5954. 
chierte, eierte 4258; Sf Liebe 6644. 

chi6s, cies 16477; Präp. im Hause von 502, 5308; Richtung 
wohin: zu 1094; woher: de ^1029. 
ehivalier s , Chevalier. 

chose, cose 730,5432; Sf Sache, Ding 52, 529, 2291; Ursache 2378. 
ci Adv. Mer 5, 201; hierher 325, 496; ici 1463; si 216, 875, 
994; de si a bis 1369; de si eu bis in 3088. 
ciel Sm. Himmel 421, 759, 1034. 
ci- s. auch chi-* 

eil Pr. dem,, Subst. u, Ädj .: N. S. icil 189; cieus 38; eis 623, 
1199; icis 16380; Acc. cel 86, 254; icel 1781; K PL eil 
168; Ace . ciaus 449; ceus 1018; cels 4752; fern, cele 78 ? 854; 
celle 16487; Subst, eelui 238, 421, 4763; fern, cell 12267; 
Adj. celni 1034, 5908; icelui 13 359; derjenige r jener, solcher. 
eine Zw. fünf 513, 2045, 
cincjuante Zw. fünfzig 1095, 15 761, 
cire Sf Wachs 275, 2401, 
eise! A. PL cisians 6528, 6575; Sm* Meißel. 
eis er tr. meißeln 9461. 

eist Fron. dem ., Subst, u. Ädj.: N. S, eist 1438; icest 1240; 
Ace. cest 533, 606; K. PL eist 48; ici st 4836; Am. [m. und 
fern) ces 609, 775; fern* ceste 5, 21; iceste 1261; Subst. 
icestui 4635; cestui 12 021; fern, cesti 13126; dieser; iceste 
— j S* diese Sache 12269 (s, Amn ♦). 

ci Sterne Sf Zisterne , Sammelbecken, Grabe 3913. 
cit6, cit 1413, 2445; Sf Stadt 1300, 

ela m er Pt* 3. claimme 1544; erklären 5713, 9736; anerkennen, 
nennen 1574, 7605; rfl. ausrufen 2761* 
clamour Sf Klage 311, 

clare Sm. abgeklärter Würzwem 4338 (s. Amn .), 6703. 
eiarte Sf. Glanz, Schimmer 8830. 

3timniiag r Boove de Ban tone. 


20 







402 


Glossar, 


clati Sm. Nagel 1909, 2936, 4579, 
elaufichier tr. annageln 17 669. 
clavel Sm. Nägelchen 1898, 4923, 

clef PL des 3361, 3854; clez 8495; Sf Schlüssel 13 716, 13765, 
der A. hell, klar 788, 1778, 

clerc N S. u. A . PL clers 283, 17 488; Sm. Geistlicher 15, 
241, 806, 2655, 

clergie Sm* Geistlichkeit 7470, 8585, 
clignier intr. blinzeln 12 996, 

cliner ir.u.rß beugen, senken 9144* 10062, 18295, 
clochier, clokier Sm. Gloekeniurm 7583, 12643, 17 609, 
cloer tr. mit Nägeln beschlagen 18 782, 
cloke Sf. Glocke 8583. 

olore, P. 2 „ clos 92S5; tr. schließen, umschließen. 
coc N Ä cos 5944; Sm * Hahn 924, 944. 
co ff re Sm* Koffer, Kiste 17630, 

coi LA* ruhig 9058; Adv. coiement heimlich 1196, 1891, 5526; 
eoiemant 197; 2 . Fron, inlerr.: de rv. 5064; 8. Fron , reh 
coi que was auch 1263, 3748; = que que während 7219; 
™ auf Personen bezüglich 623 (s. Anm.), de ^ (auf Sachen) 
4563, 9635. 

coife Sf. Eisenkapuze 3290, 6303, 

coillir, cnillir, cueillir tr. pflücken 6710; ^en he Haß fassen 
gegen 9879, 10605, 11229. 
eoint erneut Adv. freundlich, vertraut 17690. 
c o i s i e r tr. verschweigen, schweigen , auf hören mit 12900, 12963. 
eoisir tr. wählen 607; bemerken 962, 1423, 2112. 
coite Sf Eile, in a ^ d ? esperon spornstreichs 266, 13 435. 
coitier refl. sich bedien 13527. 
coi PL cols 403, 1800; Sm. Hals 378, 12 965, 
eolee Sf. Schlag an den Hals 1002, 1202, 4881, 
eolp, cols, co Iper s. canp, cauper, 

com Adv , wie 442, als 601, als ob 2380; conm.e 5, comme 14, 
452; eome 17148; con 2212. 
combatour Sm, Kämpfer 55, 

combatre intr. kämpfen 1610, rfl. 3381, 7394; Inf. = & 9237 
P. L = A. streitbar, tapfer 9497; = Sm. 11557, 
c o m b 1 e r tr. überhäufm 12 7 0 3 * 
corribrer L tr. ergreifen , fig, anreden 8515; packen 9018, vgl. 
Anm , zu 3315; 2. conbrer tr. behindern, mü Hindernissen ver¬ 
sehen 7856 (&'. Anm.). 
eombrisier tr. zerbrechen, martern 231, 

comfait, confait 18 078; A . was für ein, welch ein 12549 } 15 579. 
commandemant 7 conmandemant Sm, Befehl 199, 8447. 


* 







Glossar. 


403 


Commander tr. befehlen 106, 3679: anbefehkn } anvertrauen 1319 
2GS2, 6457; rfl, 3164, 4320. 
commandie Sf Befehl 4303, 10 256. 
commaiit Sm. Befehl 541, 2710. 
comme, come s. com. 
commencemant Sm. Anfang 4350. 

commencier, commencliier tr. u. inir. beginnen 27, 91, 1198, 
3834. 

comment Adv . wie 940, 1625. 
com mim A. gemeinsam 12362* 

commnnal Adv. communalmant 10 794, 11 145; commimaument 
4231 gemeinsam . 

coinpaignie, compaigne 2664, 2068; Sf Gesellschaft 696, 1247; 
Gefolge 3905, 6438. 

compaignon Sm. Begleiter ^ Genosse 479, 7002; compagnon 243; 

F* compains 1582; J\ r . compains 1614, 2334. 
comparer s. comperer, 

com passer tr. sorgfältig einricMen, aus führen 6735. 
comperer tr. bezahlen, erkaufen 461; büßen 598, 2042; vergelten 
9569; comparer dass, 3410: Fut. 5 . comparrea 7368; Rand. 3* 
comparroit 7978. 

compisser tr* bepissen 5200, 5366, 

complie Sf. Teil des NackmiiiagsgoUesdmistes^ Abend 132, 9609. 
conbrer s . combrer. 

concevoir P. 2. conceu 13304 tr. empfangen. 
conduire Inf. 11645; Pcrf 3. conduist 4918; Konj . Fr. 3 con- 
duie 2498, 7541; Imper.5 conduisies 4327; P. 2 conduit 6701; 
tr. geleiten, führen. 
confait s. comfait. 

confondre Konj\ Pr. 3 . confonge 11036; tr. vernichten 423, 974; 

übel zurichten 5035. 
con fort Sm. Trost 11264, 11733. 
conforter tr. u. rfl. trösten 1763, 4172, 11716. 
con fu s i on Sf Verwirrung , T vrnichtung 1Ö 945. 
congie Sm. Abschied 559, 3543, 19108; Erlaubnis 2175, 2202* 
conjöir tr. willkommen heißen, begrüßen 17, 3599. 
c o n j ii r e Sf Beschwörung } Zauberspruch 2740. 
conjurer tr. beschwören 5295, 12193. 
conmandemant s. commandemant. 

connissance Sf Erkennungszeichen auf dem Schilde 9267. 
connoistre Inf. 5616; Pr. 1. connois 550, 1704, 3. connoist 3798, 
4. oonnisson 10909, 5. conoissies 18130; Pf . 2 coiiims 12 746, 
3* connut 277, 1271, 4. conneumes 13 082, G. connurent 11594: 
Fut* 2. connistras 895, 3. connistra 13354; Komi 3. comiistroit 

26* 



404 


Glossar. 


1759; Konj. Imperf connenst 917; PL 1. connissant 5292; 
PL 2. conneu 893; tr. kennen, erkennen; PI. 2. = A. bekannt, be¬ 
rühmt 1209; estre + P. 1. = erkennen, inne werden 1153. 
conquerre Inf. 17G9; conquere 10470; Pf, 3. conqutst 2146; 
Put. 4. conquerron 4844; P. 2. conquis 428C; tr. erwerben 1709: 
erobern 7987; erbeuten 4280; besiegen 4525. 
conquester tr. erwerben 1703, 5139; erbeuten 2151. 
conreer, conrreer tr. zurechtmachen, ausrüsten 1419, 1G10; ver¬ 
sorgen 3G71, 10300, 

conroi, conrroi Sm. Ausrüstung 12 991, 14 725; Gruppe, Ab¬ 
teilung 10002; <N/de bataille Schlachtordnung 14GG2. 
conseil PL consaus 9127; Sm. Hat 733, 41G3; Plan 880; Be¬ 
ratung 2351. 

conseil Her Sin. Paigeber 2880. 

conseillier, consi liier, Konj. Pr, 3. consaut 10989; intr. raten 
747, 1529; im Geheimen sprechen 960; rfl. sich beraten 355, 
76G; sich raten, helfen 6159. 

eonsentir, Pr. 3. consant 11562; P. 2. consentu 1229; tr. zu¬ 
sammen, bewilligen, zulassen 2978, 3501, 5435. 

consirer rfl. (de) sieh enthalten 35G4, 10375. 
consiure Pr. 3. consiut 4934, (L consiuent 5151; P. 2. eonsivi 
11045; tr. einholen , erreichen, treffen 9557, 15183. 
conto Sm. Berechnung 12 237. 

conto N. S. cueus 7605, 7709; Sm. Graf 24, 1408, 1889, 7688, 
9387. 

contenemant Sm. Verhalten, Benehmen 8418, 9490. 
conter tr. erzählen 5, 585, 2561; aufzählen 14415; Inf. — Sm. 
3771. 

contesse Sf Gräfin 296. 
contour Sm. Graf 3708. 

contraliier tr. Widerwärtigkeiten bereiten 3497, 3824; widersprechen 
5491; feindlich anreden, verspotten 10774, 17263. 
contre Präp. gegen 1992, 15838; auf, auf — zu, entgegen 410, 
1502; o- terre zur Erde 2509; vgl. mont. 
coitredtire tr. verweigern, verwehren 10927; P. 2. — Sm. Wider¬ 
spruch, Weigerung, Widerstand 4597, 5552. 
contree Sf Land 570, 1011, 13250. 
contre mont s. mont. 

contre ater rfl. Widerstand leisten, sich bezwingen 2701. 
eontreval s. val. 
controuver tr. erfinden 6693. 

convenir Pr. 3. covient 17825, convient 93; Put. 3, convenrra 
17837, covendra 5997, covenra 8496, oouvenrra 2442; Konj. 
Pr. 3. eouviegne 123G7; intr. müssen , brauchen; i mp. geziemt 









Glossar, 


405 


sich 93; anheimgestellt , überlassen sein 12367, 14087; estre 
*4~P, I* ergehen 1160; P, 1. s. couvenant, 
co n v er s e r inir . verkehren } sieh auf halten 4181, 12653, 
convertir tr. bekehren 2533, 4393; P. 2, = Sm, 15 732, 15 848* 
cop, coper s, caup, canper, 
cor Sm, Horn 378, 4932, 

cor 1 „ — c'or 1550, 7008 (s, Anm .), 10 261, 13478; 2. s. oar. 
corage Sm. Mut 80, 2173, 3293; Gesinnung 3575, 5218, 
öorageus, corajous 18138; A . mutig 72, 4619, 
coraille Sf Eingeweide 13 903. 
eortle Sf Tau 4298, 6603, 

cordouan, cordoan A. von koräitonischeni Leder 919, 950, 
c o r e e Sf. Eingeweide 12 031. 
eorgic Sf Peitsche 1268, 3890. 

corner tr. mit einem Horn blasen, das Zeichen geben; in l’Jaue** 
d. h zum Waschen 8821, 15488, 18802» 
corone Sf Krone 9980; couronne 975; courounc 2007; courone 
2242. 

coron(n)e v tr, krönen 15 678, 18015; conroner 15 707; courouner 
806. 

cor re Inf 1952; courre 2101; Pr. 3. cort 4186, court 1791, 
keurl 5377, 6. conrent 1604; Pf 3. courut 1844; Fut . 7. 
courrai 8376; P. 2. couru 431; intr. laufen, eilen; anlaufen, 
angreifen 2045: laufen — zurücklegen 3898; sus ^, seinem, 
Boure ^ anlau fen, angreifen 431, 441, 3264, 6221; rfi, s’enr^ 
forteileny davonlaufen 4186; P L = A. strömend, „reißend“ 
926, 1174; schnell 2729, 2932, 9496; 2. = Adr. eilig 7 schnell 
1156. 

cor ro mp re P. 2\ corrompn 11; tr. verderben. 
cors Sm. Körper 100, 2054: zur Umschreibung der Person 129, 
548, 4878. 

corsu A, beleibt 1963. 

cort Sf. Hof 9218, 10 274; court 1452, 8175; 2V. S. cours 1441, 
cortois, courtois 1878; A. höfisch> höflich 1864, 1878, 3550; 

Adv. cortoiseman1179, 8430; courtoisement freundlich, sanft 780. 
cortoisie, courtöisie 8268, 8934; Sf HSfisehh&it, Anstand 8300, 
9217, 

cose $. chose. 

cos er tr. tadeln , schellen 2908. 
costal Sm. Seite 1826L 
coste Sf Rippe 3393, 5015. 

costö Sm* Seite 887, 1921; PL A. eostez Hüften 2644, 2758. 
costoier intr. entlang vorbei fahren 17 601, 
costume Sf Gewohnheit ? Sitte 9213. 








406 


Glossar. 


cote Sf 1 Rock 8829, 12597* 

9011 s. CG* 

eouarder intr. feige handeln t feige sein 9419* 
couardiö Sf Feigheit 9566* 

couart N. S. couars 12075; A. feige; = S. Feigling 2156* 
Cüiibrer tr. ergreifen> fassen 3315 ( s . Anm .), 4035, 5927* 
couche Sf Ruhebett 12180, 16496, 

couchier in hmlegen 3468; intr . u. rfl. sich hmlegen 2504, 2739, 
3541; xu Bett gehen 2340; nieder kommen 11591; estro + P. 2. 
liegen 341, 2964; Inf — Sm . 2340; Ger. in soleil couchant 
= Sonne nun t er gang 13 8 7 9 * 

eoudre Imperf 3. cousoit 3877; Pf 3. consi 920; in nähen. 
couler tr. fließen lassen 1872, 9923; vorschieben 8834; herab- 
gleiten 18389; intr , fließen, strömen 3601. 
couIon Sm. Taube 808, 

coulour Sf Farbe 58, 28G, 3701; coulor 6854; couleur 12 391. 
coulourer in färben; Pari. 2. = Ä. coulourö von blühender Gesichts¬ 
farbe 10094, IG430. 

coulourir tr. färben; 712. = A. von blähender Gesichtsfarbe 147,9605. 
coupe 1. Sf Becher 1187, 4877; 2. Sf Schuld; PL coupes 11213; 
s . batre. 

conper s. cauper. 

cour(r)9cier, coureeliier 3161; eouroucier 3451; intr. zornig 
sein 1207, 1255, 2160, 4486. 
cou re 90 ns A , zornig 2449, 2742, 4416, 
coureour Sm. Läufer f Bote 301. 
couron(n)e, couron(n)er s. corone, coroner, 
cours Sm. Lauf 4001; Wettrennen 10672, IQ 675, 
coursier 1. Sm. Renner 2168, 10960; 2. A. schnell 3387 S 6173. 
court, — s. eort, —. 
cousin Sm. Vetter 1125, 3676. 
couster intr. kosten 7779, 9821, 16530. 
coustumior A. gewohnt 2408, 5423, 13 514. 
coute Sf Becke 1266, 

c 0 u t e 1 PL coutiaus 4 02,10 S 4 ; Sm. Messer 2213; Sehneide 1908,4925, 
couv- vgh conv-, 

couveuant (vgl. convenir) Sm. Zustand } Lage 184; Verabredung 
940; Versprechen 540, 6843; Sachverhalt 4062, 13004; Art 
und Weise 13 009; par cou vertont nach Gebühr 1401; avuir eil 
couvenant versprechen 10 800. 

Convent N. S. couvens 17 026, 17125, Sm. Abmachung, Bedingung, 
Vereinbarung; par tel^ in der T Voraussetzung 506, 8325; 
par iin ^ quo unter der Bedingung 10 636, 10 823; avoir eu rv 
vereinbaren ? versprechen 12 427 (s* Anm ,)* 


t 







Glossar. 


407 


co üt er tu re Sf Decke 9273, 

couvine, covine Sm, Plan, Lage, Zustand 5588, 5593, 5700. 
couvoitier tr. begehren 10722; estre + P. L dass. 189. 
couvoitise Sf Begehrlichkeit 1016. 

oouvrir Inf. 23S3, 37GO: Pr. 3. cuevre 678; Konj. hnperf 3. 
couvrist 2641; F. 2. PL couvers 8638; Ir. bedecken, verbergen 
3760, 5688; rfl 12 684. 
covine s . couvine. 
cras s. gras* 
erauller s . eroller. 

craventer, cravanter tr. zu Boden schlagen 3089, S857; ver¬ 
nichten 8842, 11724. 
creance Sf. Glaube 1353. 
creant A. sicher, verläßlich 1151; vgl. croire, 
creanter tr. versichern 204, 1376, 2143; mgestehen 2277, 2347. 
creatour Sm. Schöpfer 284* 
creature Sf Geschöpf 735, 3571, 
creer tr. erschaffen 15514. 
crenel PL A. cremaiis 18255; Sm. Zinne 10515. 
ereil eie A. mit Zinnen versehen 17 609. 
crenu s. grenn. 

e r e p o n Sm. Kreuz (Körperteil) 17151. 
cresme Sm. Salböl 5C35, 1218S. 
crespi A. kraus 888. 
crestel Sm . Zinne 14945. 
crestiien Sm, Christ 3110, 4044, 

crestlen(n)er tr. zum Christ machen, laufen 2034, 15455; P. 2. 
= A. christlich 14 370; = Sm. Christ 7883, 8054, 

crest'iente Sf Christentum, Christenheit 1654, 1666, 18025. 
crever Pr. 3. crieve 11076; ir. durchbohren 14947; intr. durch¬ 
brechen (aube) 4898; Part, 2. rissig 4189, 6713. 
cri Sm, Schrei 407, 1026, 
er ree Sf Geschrei 13260, 15056. 
criembre P. 2. cremu 13 586, tr. fürchten. 
cri'cr intr. rufen 1 zurufen 1820, 2914; schreien 7245; tr. anrufen 


8505. 

cristal Sm. Kristall 342. 

croire Inf 1915; Pr. 1 . croi 19, 3. croit 200, 4 . creon 670, 

5. crees 2378. 6. croient 13500; Pf 5. erat 2388, crei 5337, 

6. c rare nt 13 790; Konj. Imperf 3. ereist 13398; Fut. L kerrai 
3350, 3. terra 14882; Kond. 1 . kerroio 2374, 6 . kerroient 
13 747; Imper. 2, croi 1007; 5. crees 7791; I\ 1. creant 947; 
P. 2. creu 10 710; tr. u. intr. glauben; vertrauen 200; rfl. 
sich vertrauen, sich verlassen auf 3853; Inf = der Glaube 3559; 










408 


Glossar. 










estre + P* P glaubwürdig sein, Glauben finden 531 ($. Anm, 
zu 177), Ml] glauben 13684, 13890, 1 

crois Sf Kreuz 662, 1313, 2463. I 

croisicr fr. kreuzen ; P. 2. in cliemi n Kreuzweg 2862. 1 

croissir t Ir, zerbrechen 5004, 18047; 2, mir, brausen 2455. I 

croistre Inf 2924; Pr. 3 . croist 285, 1862; Konj. Pr. 3. croisse 
8632; mir. wachsen ; fr. vermehren 2924. 
croller, erau11 er 7551; inir. zittern, schlingern (Schiff) 7551; 

tr. schwingen 8041; schütteln 10G58, 14351, 
croute Sf. IIöhle y Gruß 2687, 3912. 

crual s. eruel. j 

crucefiier, cruehefiier tr . kreuzigen 15 369, 17264, 19121. 

criiel, crual 18256; A. grausam 557, 10218. j 

crileltS, cruautö Sf. Grausamkeit 3209, 7241, 11253, i 

crupe Sf. Kreu%y Hinterteil 13 759, 15060, 

cueillir s. coillir. 

cuens s. conte, 

euer L Sm. Herz 37, 138, 3795; Mut 4987; Wille 8093; 2. Sm. 

innerster Teil, Kern {des Eichenholzes) 5853. 1 

cuidier Inf 18713; Pr. L cuit 52, 1760, quit 1435, 6572, 
cuide 5602, 6. quid ent 11740; Fut. 3 . cuidra 10965; tr, denken 
127; glauben 1050; ^ + Inf beinahe 3640; Inf — Sm. Ge - 
danke, Ansicht 18713. 
cuir Sm, Haut, Fell 358, 6713. 
culse s, cuisse. 
cuisine Sf Küche 199, 5482. 
cuisinier Sm * Koch 10052. 
cuisse, cuise 17244; Sf Schenkel 456, 3435. 

cuit- s. quit-. M 

cuivert N. S. euirers 10 743; A feige 684, 10743; Sm, Feigling 
2770, 2984. 

cuivrier tr. quälen, peinigen 17 956. 
culuevre Sf Natter 2570, 2606. 

eure Sf Sorge, in n’avoir ^ nichts wissen wollen von 3854. 
euve Sf Kufe 4760, 18472. 

Dahait $, dehe. ' 

daignier mir. geruhen 2253, 2655. ' 

da im K. S. dains der Damhirsch. 
dal es s . delös, 

damage Sm. Schaden 626, 1454, 11670. j 

dam agier tr. schädigen 2608, 3427. 

dame Sf. Dame, Herrin 209, 655, 3580. 

damedieus, damede 3200; damred6 18073; Sm,Herrgott 44, 825. 










Glossar. 


409 


damoisel K S. damoisiaus 781, 1105; damosiaus 2467; Sm. Jüng¬ 
ling 652, 657. 

damoisele Sf. Präulein 1827, 5829. 
dampner tr. verdammen 12 293, 13422. 

dangier Sm. Gefahr 6581; Schwierigkeit , Weiaerimq 10 974, 
Gewalt 18 729. 

d an sei N. S. dansiaus 2014, 5727, Sm. Jüngling 28, 1455. 
dansillon Sm * Jüngling 10 912. 

(laut, iY & dans 503, 3296; Sm. Herr 685, 830. 
darrier s, derrier. 
davaler s , devaler. 

de Präp ,, -[- le = del 10, 184; du 46, 82; den 362, 1. zur Be¬ 
zeichnung des Gen. 7; 2. Grund: durch, aus 20, 100, 1133; 
3. Anteil 13, 41, 201; 4 . Richtung woher: von 29, aus 82, 
fig. 151; 5. Mittel 256; 6. in Bezug auf 74, 540; über 612; 
7, Zeit: in 502; S. heim Passiv: von 152; fh nach Kampar ,: 
als 87, 441, 973, 8651; 10. vor Inf: zu 1745, 1952, 2121. 
de L PL des 8348; Sm. Würfel; 2. s. dleu. 
deable, diable 1426; Sm. Teufel 37, 220, 1154; tritt zu einem 
fragenden Fürwort 4390 (s. Anm ), 
deablie Sf teuflische Handlungsweise 12292, 
debonnaire A. freundlich^ gütig 18 548; Adv. deboioairemant 10 730, 
decauper, decoper 3051; decolper 1385; tr . zerstückeln, abhamn 
795, 7751, 11547. 

decevoir Inf 8848; P. 2. deceu 39, 67; tr. lauschen } betrügen. 
decha in par ^ Adv. hierher 9962. 
decoler tr. enthaupten 5794. 
decolper, decoper s . decauper, 

d e d e n s Präp. in — hin ein 232, 796; in 1206, 3593; innerhalb 
18 854; Adv, drinnen 4287, 5489. 
dedesoiis Präp. unterhalb 11252. 
dedevant Präp. vor 1037. 

deduire r/L sich benehmen 1368, 8926; sich ergötzen 3584, 10380. 
deduit N. S. deduis 2327; Sm. Vergnügen 1798, 12503. 
deff- & auch des!-. 

definemant Sm. Ende , Tod 11143, 14035. 

definer tr. beendigen 10 624; ums Leben bringen 473. 

defors Präp , außerhalb 5145, 8686. 

de foul er tr. niedertreten 2342, 2361. 

de gaste r tr. verwüsten 13294. 

degr6 Sm. Stufe 582, 1041; A. PL Treppe 7609, 16 660* 
deguerpir tr. verlassen y auf geben 18 263. 

dehe Sm. Unglück 10604; ait mal ^ sei verflucht 493; ait mal 
daliait dass, 4560; aie dehe dass. 10848. 








410 


Glossar, 


dehors Präp. außerhalb 2865; Adv . 1934, 
deiouste, dejoste 4601; dejoustre 12563; Präp. neben 1461, 
2472; par^ 5363* 
dela Präp , jmsetfe 4459, 

delaiemant Sm. Aufschub, Zögerung 520, 8429, 

delaiier J. m/n zögern 8438, 11385; 2, fim. Verzug 3476, 6616, 

deles > dal6s 343; Präp. neben 138; par ^ 1290, 3330, 

delie A .; Augenreim statt delie; zart, feingewebt, fein 1244, 

ilelit Sm. Ergötzen, Genuß 2249* 

delivre A. frei 15 545* 

delivrer ir. überliefern 1567, 2135; befreien 2076, 2404; rfL 
6959; intr. niederkomnun , entbunden werden 11537, 11850* 
dels $< dueL 

demain Adv . morgen 713, 5193; Sm. Morgen 1251» 
demaine Sm. Lehnsherr 11284, 11348» 

d em ander tr. fordern , verlangen 240, 538, 5174; hUten 733; 

werben um 2714. 
demanois Adv. sofort 13 557. 

demoncT Pr. 3. demainne 0568; Fut. 3. demenrra 11021, äußern, 
bezeigen 5654; behandeln 10142, 11634; ^ le duel dm Schmerz 
äußern 2691, 2711; rß. sieh benehmen 2015, 8754» 
dementer rß. außer sich geraten 758, 1788; klagen 3748; Inf. 
= Sm. 11686. 

demi A. halb 298, 3106; denree et demie 1971 (s. Anm>); a demi 
frain, 31 OG (s. Anm .). 
demor, demour Sm, Verzug 293, 305, 

demorer, dem eurer 1382, 2263; Fut. L demouerrai 14169; Konj, 
Pr. 3. demeurt 120; intr. bleiben t verweilen 478, 7391, 8020; 
verziehen 7215; unterbleiben 7151, 7870; übrigbleiben 7810. 
demourance Sf. Verzug 320, 1405, 
demouree, demore 11903; Sf Verzug 13, 4890* 
denier Sm. Heller 2037. 

denree, denrree 2005; Sf Hellcrswcrt 9; ^ ne demie 1971 
($. Anm.\ Heller 83. 

dent, da n t 9330; PL dens 229; Sf. Zahn 642, 8912, 9788. 
departie Sf Trennung 11463, 14246. 

de parti r 1. tr. verteilen 1015, 4645; 2, intr * sieh trennen , fori- 
gchen 1441, 3905, 4408; Inf — Stn. 2640, 3556, 
depec(h}ier tr. zerreißen> zerstückeln 2890* 3277, 3979, 4947, 
deport Sm. Unterlialtung f Ergötzen 1 1266, 11734. 
deporter tr, erfreuen 3309, 9013 ; rß. (son eors <*•) sich vergnügen 
1072, 7001* 

deproiier ir. bitten^ anbeten 12 318, 18 72Ö» 
derompre s. dearompre. 



















Glossar. 


411 


der(r)iere, derrier, darrte r 6023; Adv, hinten 908, 1083, 1163* 
der vor intr. den Verstand verlieren, verrückt werden 1811, 11834; 

tr, ie sens ^ dass. 1332, 2073, 3220. 
des L Präp. von — ah > seit 1312, 4047; rw or nunmehr 91, 1633, 
& ici en avant von nun ab 11716; 2, Konj. ^ qne sobald als 
8312, 14116; bis 9414* 
desaancrer inirr, den Anker lichten 7924* 
desarmer Ir. entwaffnen^ jd. die Waffen abnehmen 447, 2181. 
desliareter fr* zu Grunde richten, besiegen 2150, 6187. 
descanche $. descaus. 

descaus fern, descauche 8501; .4. ohne Fußbekleidung 17S3, 2820* 
descendre Pr, 3\ desgant 8428; Ff 3. descendie 17 254; intr. 

herabsteigen 411, 581, 2791. 
descirer tr. zerreißen 1981. 
deseombrer tr. befreien, entledigen 2646, 7495* 
desconlire tr. zerstören , zerbrechen 275: in die Flucht schlagen 
11834; entmutigen 4981. 

desconfort Sm. Mißvergnügen, Mutlosigkeit 11732; Verdruß 13387* 
desconforter tr. entmutigen 2109; rfl, verzagen 7021* 
descoulonrd, desconlorß 9 788; descoulouri 12 928; A, entfärbt 
2955, 3603, 

descouvrir Kond. 5. deseouverrois 12 977; P. 2* descouvri 1702; 
tr. entdecken 5352* 

deserßer tr. abhaken } hemnternelunen 9911. 
descroistre P 2. deserßu 16 287 intr. abnehm en, sich verringern. 
desdire tr, widersprechen 5S04; leugnen 16867; rfl. tvortbrüehig 
sein 14 877. 

deseritemant Sm * Enterbung 11127* 
des er t PL desers 4952; Sm. Wüste. 
deserter tr * verwüsten 18998, 19 021. 
deservir tr. verdienen 1X249* 

desesperer, desperer 12377; intr, verzweifeln 13419* 
üeseur s , desor. 

desevrer tr. trennen 1758, 2339; auseinanderhalten , unterscheiden 
17 524* 

desfae, deffae A. unselig 567, 6926, 7791, 1Q21L 

desfendance Sf Schutz 1355; Verbot 2228* 

desfendre, deffendre Pr, 3. desfant 9503; tr. verbieten 2432; 

6072; rfl, sich verteidigen 442, 8326* 
desfence, deffence 2629; Sf Verteidigung 446, 6333* 
desfension, defefißiün Sf Verteidigung 14305; Verbot, Ver¬ 
wehrung 4818, 

desfiance Sf Herausforderung 9097* 
desfiee Sf Herausforderung 8011, 




412 


Glossar, 


desfier tr. heraus fordern 2121, 7756, 
desfigurer tr, entstellen 9823, 

des fremer, desfermer 10533: tr. auf schließen > öffnen 7845, 8506* 

desfübler, desfuler 7043: tr, ablegen } ausziehen 4633, 

desgarnir tr. berauben 5701* 

desguiser tr. verkleiden 1296* 

deshaLtier tr. betrüben, entmutigen 346. 

desir Sm. Wunsch> Verlangen 011, 3576* 

desirance Sf. Verlangen 2220, 

deslr(r)er tr. begehren, ersehnen 961, 3276, 3595, 16097, 

desireter tr, enterben 82, 1678, 2287, 

desirier Sm. Sehnsucht, Verlangen 2192, 6254. 

desjnner intr. u. rfl frühstücken, speisen 4199, 18308. 

deslacier tr. losmaehen 14 304. 

desloial N. S. desloiaus 130; A, treulos 10898. 

desloiaute Sf. Treulosigkeit 2088, 5177* 

desloüer, deslier tr * losbinden 385, 1569, 3388. 

des mal liier tr. zerreißen 434, 5082* 

desmembrer tr * zerstückeln 1308, 2062 

desmentir, Pr. 3. clesmant 13901; tr. zerstören. 

desmesurö A. maßlos 1709, 3248, 9046. 

tlesnüer tr. entblößen 6704, 10219, 

desor, des eure 574; desonr 1314; Präp. oberhalb 419; über 
10583; bei 1732; zum Schaden> Nachteil von 12267 (s. Anm .), 
12 312, 12401; bei Beschwörungen: bei 3679; par rw darüber 
574, 1881, 

desous, desos 17822; dessous 9494; Präp. unterhalb f unter 1817, 
2581; par ^ dass, 1814. 

despauer tr. zerfetzen , zertrümmern 2053, 3016, 
despe ji dre tr * ausgeben, austeilen 8170, 11972, 
despens Sm, Ausgabe 10373, 11777. 
despensier Sm. Hofmeister, Verwalter 3520, 3959. 
des per er s. desesperer. 

despersoner tr * entstellen, verletzen tf schädigen 2643. 

despisier tr , verachten 18143. 

despit Sm. Verachtung 13890* 

despoiilier tr. abnelmen ? aasziehen (Kleid) 676* 

desprisoner tr. aus dem Gefängnis befreien 2050. 

desque s, dusque. 

desraisnier tr. u. rfl , erklären f auseinayidersctzen 3482, 10866, 
13528, 

desreö P. 3. = A. wild 14651, 16690. 
desrerigier intr , die Reihen verlassen 0126. 
desicher tr. berauben 6765, 






Glossar. 


413 


desrompre, Pr. 3. dercmt 9017; P *2. dcsront 2053 , 3016; PL 
desrous 15 203; tr. durchbrechen 1S1G * 
clesvubun Sm t Abhang t Schlucht 2856, 12 831* 
desrube Sm* Abhang, Höhe 4241. 

dessafrer tr. des Schmuckes berauben , zertrümmern 15088, 15119. 

dessartir tr. zerstückeln, zerschmettern 4509. 

dessenrer intr. sich lösen, zerbrechen 8039. 

d e s s e v r e e Sf. Trennung 15 789. 

dessevremant Sm. Trennung 11G37, 11 705, 

dess otis s. desons* 

destachier tr. losmachen, abbrechm 6535. 

(lestemprer tr. mischen 907, 4029. 

d e s t e n d r e Pr. 3. de staut 7550; rfl. dahinjagen, - schnellen 3001. 
destin Sm, Schicksal 10 464. 
destinee Sf, Schicksal 1001, 4888, 11401. 
de stin er tr. bestimmen 5923, 10080. 
destor Sm. Umweg 3725. 
destordre tr. entfalten, auswickeln 5077* 
destourber tr. bedrängen, belästigen 6961. 
desto urbi er, destor hier Sm. Bedrängnis 3447, 3501, 9672. 
destraindre, P. L destraignant 7548; P 2. destraint 1272; tr* 
quälen, bedrängen 2619, 10191, 10512* 
destre, diestre 13 915; A. recht 4G8; a ^ 28G3; clevers ^ 9835; 

Sm. rechte Seite; Adv. ^ et senestre 8047 (*. Anm *). 
des tri er Sm. Sehlachtroß 31, 1859* 

destroit 1. Sm. enger Ort * Engpaß 3874, 3936; Angst, Unruhe 
3927; 2. A.j N.IS. destrois 3929; ängstlich, unruhig. 
destronsser tr. berauben, ausplündern 4700. 
destruction Sf Tod, Vernichtung 14332, 

destruire, Pf G. destnüsent 69; P. 2. K destruis 17471; tr. zer¬ 
stören, töten 1585, 2198. 

desus Präp. auf 437, 491; bei 1717; an 5878; über — hinaus, 
gegen 2228; oben an 7112; par ^darüber 7015* 
desveroillier tr * losriegeln 15 9GG. 
desvestir fr. entkleiden 4764; oblegen 1109. 
desvoleper tr. entfalten 1953, 6019. 
detirer tr. wegziehen 7217. 

detordre tr. winden, ringen {Hände) 738, 2692, 11125. 
detraire tr. auseinanderxiekm, vierteilen 2568. 
detrencier, cletrencliier tr. zerstückeln^ nieder hauen 395, 8 64, 
3424, 4282. 

de tri Sm. Verzug 5735* 

detriier intr. sich aufhalten, säumen 3178, 6503. 
detroiichonner fr. in Stücke schlagen, zerschmettern 3270. 


414 


Glossar. 


deugie A , %arl } fein , schlank 348, 3968, 8210. 
deus s. doi u * duel. 

devaler, davaler 5722; intr. hinuntergehen 1835, 2164, 8984, 
18 364. 

de vant Präp. vor 924, 1939; Adv. vor 203, 1054; vom 228, 
908; voraus 2945; par ^ vorn 3384; aucv entgegen 3863. 

i 

deveer tr. verbieten f versagen 8723, 8839- 
devenir, Pf. 2 . devenis 2551, 3. devitit. 1171; 1\ 2. de venu 397; 
intr. werden 1534, 14298* 

devers Präp. auf — zu , nach ■—* hin 1030, 10935; par ^ dass. 
3563, 4918. 

devie, fern, devie 123G1; P.2. = A. vom rechten Wege abgewichen, 
auf Irrwege geraten, unsinnig, toll 
de vier intr . sterben 6813, 10 238, 19107; Inf — Sm. 6725, 7328. 
d e v i n A. göttlich 11 537* 
deviner intr , belehren^ erzählen 49. 

(levis Sm. Rat f Anweisung 4966, 13210, 

d e v i s e Sf Wille, Wunsch 118 81 * 

devisemant Sm. Anweisung, Anordnung 10 791. 

deviser, de visier 10860; tr. arminan der setzen 4, 1541, 6698; 

einteilen 6015; amrdnen 9283; erzählen, berichten 10 613, 
devision, division 262; Sf Rat , Anweisung 277, 
devoir, Pr * L doi 157, 2, dois 2291, 3* doit 16, 5. dev6s 1731, 

3. doivent 22; Put 3. üeveua 10 286, 5. devres 10 362; Iiond. 
1. deveroie 12227, 3* devroit 7332, 5. deveries 6806; Pf 

3. dut 2328; Konj. Pr. 3. doie 1063, doive 7076, 4. cloion 
10 933; Konj. Imperf 3* deust 5261, 4. deusson 14712, 
5. deussies 607, 609, 6. d&ussent 1100; tr. müssen, sollen, dürfen ; 
mir. schuldig sein 7 schulden 157; estre beinahe sein 2328 
{s. Anm,)j 13 845* 

devourer tr. verschlingen 800, 3966. 
di Sm. Tag 866, 1439, 12 940. 
diable s. deable* 
diemence Sm - Sonntag 18 795. 
di estre s. destre. 

dien, de 1313, 1593; N. des 7246; Sm * Qoti 105, 107; sous 
™ = unter dem Himmel 13 802. 

d i gn e, d i s ne 2710, 11609; A . würdig^ wert 7565; Adv , digne- 
ment 17 906; dägnemant 14081, 
digner s. disner. 

d i g n i t § Sf Würde, Würdigkeit 8792, 17081. 

di re Inf. 1701; Pr* l di 183, 325, 2* dis 860, 3. dist 26, 2554, 

4. dieoo 1122, 5* dites 2261, 6 . dient 1215, 1768; Imperf 

5. disiißs 7953, 6. disoient 12152; Fut.L dirai 12, 2. diras 186, 










Glossar. 


415 


4 . diron 251, dirommes 2648, dirons 1775; Pf 2. desis 854, 
,5. dist 194; Konj. Pr. I die 717, 1177, 3. die 133, 1263, 

5. diiös 19125; Konj. ImperfL deisse 5712, 3. des ist 5393, 
dßist 11224; Imper. 2. di 2276, 5. dites 250, 978; P. 1. di- 
sant 952; P. 2. dit 210 , fern, dite 4; tr. sagen; Imper. di, va! 
= wohlan 3259, 4090; wohlan, sprich! 6070; P. 2. — Sm * 
Wort, Bede 6463, 12 853; Pi. dis 15 594. 

dis Zw. zehn 4G2. 
disne s. dignc* 

disner, digner 2467, 8814; intr. speisen 3201, 3213; rfl, 4701; 

Inf. — Sm. Mahl 5207, 7732. 
ditifi Sm. Spruch 19120. 

divers A. verschieden 18 930; seltsam, schlimm 195. 
division s. devision* 

doetriner tr* belehren, unterweisen 9194, 10396; P. 2 = A. ver¬ 
ständig, weise 10084. 
doxa Sf Finger, Fingerbreit 9511. 

doi PL dni 2031; Ace. dens 767, 884; Zw. zwei 470, 493, 808. 

doignon s. dongon. 

dois Sm . Tisch 1183, 1860. 

doit Acc. doi 1890; PL dois 4030; Sm. Finger 4153, 8843. 
dolent A. traurig 113* 
doi er tr. hobeln, zuhaumi 5480, 6584. 
dolereus A. schmerzlich, elend 1960, C150. 
doloir Pr. 3. delt 100; intr. schmerzen; P 1. = A. traurig 103, 
8085; zornig 1042* 

dolour, dolor, doleur Sf Schmerz } Trauer 294, 734, 11078, 
11621. 

dolouser intr, u. rfl. traurig sein , Schmerz empfinden 2712,11604, 
15149. 
dols s . dous. 

don Sm. Geschenk 7650, 994S; Lohn 680; faire ^ beschenken 256. 
don s. dont 

dongon, donjon 1139: doignon 2433, 7425; Sm. Burgturm 1102 , 
14310. 

don(n)er, dünner 3124; Inf 1973; Pr. 1. doins 162, doing 
18845, 3 . donne 95, donne 326; FuL 1. donrrai 160; Kond. 
]. donrroiö 8734, 5. donriife 1526; Konj. Pi\ 3 . doinst 44, 
120, dont 5383; tr. geben , hingeben; — Schläge versetzen 5914 
($. Anm .); Inf = Sm, 7649, 
donques s. dont 

dont, don 11457; L Adv. wovon, wodurch 20, 53 ; woher 2476, 
3159; vertritt den Gen . des Fron, rel 339, 1071; 2. — done 
denn 1062, 5385; da. dann 1948; donques 630. 


r 











416 


Glossar. 


derer tr, vergolden; P, 2, 464, 578, 1978* 
dormir intr. schlafen 361, 2452; rfL 763, 1549* 
dos Sm. Rücken 1896, 2064. 
dosnoiier mir, tändeln, flirten 101, 8893* 

d oxi ai r e Sm. zum Unterhalt nötiges Einkommen, Wittum, Leih- 
gedinge 7268* 

do übler tr. verdoppeln 2009* 

doublier A. doppelt 3290, 3383* 

douQöur Sf Milde 14064. 

doxir Sm. ein Maß (vier Finger breit} 62, 298* 

doos, (lols 1492; fern, douoe 748, 1288; Ä. sanft, milde; Adv . 

doucement sanft, freundlich 3647; doucemant 8423, 
douse Zw, zwölf 1471, 3898. 
doutance Sf Zweifel, Furcht 325, 1401, 12300* 
d out er tr, u. rfL fürchten 518, 529, 840, 2044, Do 87; zweifeln 
18 937; Inf = Sm. Zweifel IG950* 
drap Ä. PL dras 140, 918; Sm. Tuch, Gewand 2640, 10 220. 
drapel A. PI. drapiaus 1152; Sm, Kleid. 

drecier, drechier tr. u. rfl, auf richten, erheben 137, 775, 2778; 

auf ziehen 1619; tv le chief 279 (s. Anm.). 
droit LN, S * drois 323; A * gerade, richtig 13, 7558, 12982; recht¬ 
mäßig 1769; Ado. gerade, geradeswegs 483, 4793; geradeaus 
2127; droilernent 934; 2* Sm. f N drois 8721; Anrecht, liecht 
1126, 8243; par mit Recht 1299; faire ^ Recht aumben, 
richten S991. 

droiture Sf Recht, Gerechtigkeit 9351* 
droiturei A * rechtmäßig 8366* 
droiturier A. gerecht 105, 764; = Sm* 1849* 
dromont, dromon 4795; N. S. dromons 11575; Sm. Art Schiff 
4419 ( s * Anm .), 15302. 

dru Sm. Freund, Vertrauter 1218, 1673* 
drüerie Sf Freundschaß, Liebe 153, 160, 5781, 18887, 
drugemant N, S. drugemans 12 867; Sm. Dolmetsch, Dragoman 
12866. 

duc NS, dus 126, 1055; Sm. Herzog 21!, 2714. 
duel, du eil 16 224; N. S . dels 487, 6811; deus 11306; Sm, 
Trauer, Zorn 1050, 1527, 6981, 
dur A * hart 1903, 4085; schmerzlich, schwer 17 965; Adv. dure- 
ment, duremant sehr, gewaltig 226, 482, 2526, 8180. 
dur6 Sm, Dauer, Leben 819; duree Sf Standhalten, Widerstands¬ 
kraft 1992, 13999* 

dur er FuL 5. düerres 466; intr. dauern 487, 7569; am Leben 
bleiben 2081, 2309; standhalten 3116, 6787* 















Glossar* 


417 


durföu A . unglücklich, elend 11674, 

dusque, dusee, desque Präp. Ins 268, 334, 439, 1176, 3374, 
10049. 

Eage Sm. Alter, Leben 5897, 9190, 10392. 
effondrer tr, einstoßen, einschlagen 6529* 
eff re er s. esfreer. 
eglise Sf Kirche 9902, 10108, 

el Fron, indef anderes 5649; 9049; ne un ne el gar nichts 4215. 
eie Sf. Flügel 5349, 5401. 
elme s. Maume. 

einsi, ensi, ensis 12548; Adv. so 347, 1217, 2451. 
emb-, emp- s, enb-, enp-. 

en I Präp.: en + Ie^el 292; = ou 2196, 6131, 6154; =u 255, 
14111; en + les —es 257; /. Ort wo? in 6, 113; an 578; 
auf 2116; bei 3208; 2 . wohin? in 14; nach 371; auf (fig.) 
35, 200; auf — am 6545; 3. in Form von 1483 (s. Anm.); 
4 . als (— comme) 1850; 5. Zustand: in, an 158; vor Gerund. 
49, 534; JL Adv. ent 559, 1114; em 649, 10954; dadurch , 
deswegen 68, 175; dazu 70; damit 88G; daran 1558; davon, 
von dannen 226, 559, 649; = de Fron. pers. aller Ge¬ 
schlechter und Personen 8, 19, 183, 337, 516, 1924, 2339. 
enamer tr. Liebe fassen zu 2338, 2357. 
eiiarme Sf. Schildriemen 16Ö36, 17192. 
enbarrer tr. einstoßen, einschlagen 9728. 
enbatre rfl. sich stürzen f eintreten 5351, 
en bi er er tr. auf bahren 11174. 
enblee Sf Diebs iaht; verstohlen, heimlich 559. 

enbler tr. stehlen 236, 1131; Inf = Sm. 3377; rfl. sich fort - 
stehlen, entfliehen 3660, 9029. 

enb r a ei er, en brach! er tr. umarmen 1844; umfassen , fassen 
3294, 3397, 4108. 

e n b r a s er tr. verbrennen 512, 4211, anzünden 778, 8586; fig. 
9428. 

enbriever tr. schriftlich aufzeichnen 6718. 

enbroncier, enbroneliier tr. senken, neigen 1267, 2210; rfl. 

das Haupt zu Boden neigen 17 002. 
enbuissier, enbniaeier 5528, eribussier 6219; tr. u . rfl. sich 
verbergen , sich in den Hinterhalt legen 1842 (s. Anm,), 9717. 
encachier tr. verjagen 4611, 5224. 
eneantemant Sm * Zauber 1155. 

eneanter tr. betören 2387, 8773, bezaubern, behexen 13041. 
en cargier tr. au finden 4222. 
encarnu A. fleischig 8209, 12690. 

Stirnmin£, Boove do Hantone. 


27 




































418 


Glossar. 


encauchier tr. verfolgen 3111, 3308. 
encens, enchans 2720; Sm. Weihrauch, 512. 
encensier Sm. Weihrauchfaß 8586. 
enchaint A. schwanger 10265. 
enchans s. encens. 

enchierir tr. Liehe fassen zu 126, 11018. 
enclin A. geneigt , gebeugt 2746, 9947. 

eneliner tr. u.rfl. neigen, beugen, sich verbeugen vor 5439, 6407, 
7290, 19032. 

encombremant Sm. Bedrängnis, Unglück 11122, 11586. 
encombrer Ir. beschweren, überladen 3354, 8494; verhindern, fest- 
halten 6035, 9336; versperren 14419, 14496. 
encorabrier Sm. Hindernis, Schaden, Unheil 77, 94, 348, 1089, 
3506. 

encontre Präp. auf — hin 4008; Adv. entgegen 583, 2655; s. 
mont und val. 

encontrer, Fut. 1. enconterrai 7429; tr. begegnen, treffen 1719, 
2130, 3029, 5924; intr. ergehen 5245, 7504. 
encor, encore 1202; Adv. noch 42, 605; wieder 10856; schon 
1859; ne i'* erst 215. 

encorni A, = „dur conime la cor ne“, über die Bedeutung s. Anm. 
xu 883. 

encortiner, encoortiner 1009; tr. mit Decken behängen 7947, 
10029, 15476. 

encoste Präp. neben 11702, 17 869; d dass. 2868. 
encoulourß A. von schönen Farben 577. 
enconper tr. beschuldigen 8669, 

encriesme, encrieme 15290; -i. verbrecherisch, schuftig 13479, 
13 748. 

encröer, enerüer 5299; tr. anhaken, auf hängen 2987, 8127. 

eneuser rfl. sich bekannt machen, offenbaren 18297. 

endemain Sm. der folgende Tag 1208, 4646. 

endementiers Adv. inzwischen 18464; que Konj. während 2G62. 

endoctrinö A. bewandert, unterrichtet 8347, 10 645. 

endormir intr. einschlafen 2831, 2838. 

endosser tr. anlegen, anziehen 2928, 8711. 

en droit Präp. um — herum 935; betreffs, in Bezug auf 17125; 

Adv. gerade 2647; ci ~ 3721; ici rw 13710; s. or. 
endurer tr. dulden, ertragen 614, 3578, 3673. 
enfanee Sf. Kindheit 1354; Torheit 2221, 12307. 
enfangon, enfanchon 557; Sm. kleines Kind 678, 11 614. 
enfant N. S. enfes 587; Pl. enfans 1310, 5918; Sm. Kind 66, 
92, 9061. 

enfantemant Sm. Niederkunft 11525. 















Glossar. 


419 


enfermet§ Sf Gebrechlichkeit, Krankheit 12X25 , 
enfler tr. auf blähen, anschwellen 6712, 

enforcier, enforehier tr * verstärken, vermehren 12907 (s. Anm .), 
18504; intr. sich verstärken 9L 
enfouir Pr. 3. enfuet 18970; ir. begraben 18 888* 
enfonreeure Sf Gabelung der Beine 1823, 
enfrener ir. aufxäumm, fesseln, binden 16 678, 
eng an er tr. umgarnen, betrügen 13578, 
engenoir Pf. 3. engenüi 4658; tr. erzeugen* 
engenrrer tr. erzeugen 4039, 8095* 

engien Sm. Trug ? List 5542; Einrichtung, Erfindung 6559, 6564; 
Kriegsmaschine 6486* 

engignier, engingnier tr. überlisten, betrügen 391, 2895, 3448* 
engin Sm , Betrug 3799, 5812* 
englois Ä. englisch 12 369. 
engoul§ .4* rot verziert 573 (s. Anm.), 4707* 
engoulure Sfi rote Verzierung? „Kragen“ 648 { 5 , Anm. zu 648 
u. 573)* 

enhäir tr. hassen 150* 

enherber tr. vergiften 1483 (s. Anm.)? 10413. 
enhernxi A. einsam 2523, 4294, 
enheudure Sf Griff {des Schwerts) 9682* 
enlnminer tr * erleuchten 2, 5120. 
enmi Präp . mitten in 1150, 1320. 
ennuier s . anoier, 

enpaindre Pr * 6 * empaignent 1563; rfl. sieh einschiffen, das hohe 
Meer gewinnen 3495, 4319, 7772* 
en p al ir tr. blaß machen, bleichen 12749, 12931* 
enparente A. mit Verwandtschaft versehen 17 036. 
enparle A. redegewandt 523 [s. Anm*), 8942; geschwätzig 12471* 
enpen§ A * gefiedert, beschwingt 3001, 7849* 
enpenser tr. erdenken ausdenken 10 708. 
enpevrer tr. pfeffern 3620, 7017. 

enplrier tr. schädigen 3118,5950 ; intr, sich verschlimmern 7092, 
enplastre Sm. Pflaster (für Wunden) 9922, 
enplir ir. füllen 921, 1547, 8684. 

enploiier tr. anwenden 10586; versetzen, verabreichen 17412* 
enpoignier tr * (mit der Faust) packen , fassen 1039, 9595* 
enprendre P 2. enpris 879; ir. unternehmen, beginnen 5511, 
10943; in Angriff nehmen, beschließen 879* 
enpres Präp* nahebei 9669, 18363; an 9784. 
enprison(n)er, emprisouner 14 613; tr * gefangen nehmen 350, 
4685, 7884, 14 446. 
enprunter tr, entleihen 1319* 


27* 




420 


Glossar. 


enpuisoner tr* vergiften 10465. 

enquerre Pr. 3 , enquiert 8185; Konj. Fr. 3. enqmere 5295; 
Imper. 2. enquier 10480; P. 2. enquis 7082; tr. suchen, fragen, 
erforschen, 

enrichir tr. bereichern 809, 

ens, ans 13 655; Adv, drinnen 361, 13 655; Präp, <v el an 292; 
^ es in — hinein 042; ^ cn in 2401, 

ensaigne, enseigne 6373; Sf Zeichen } Merkmal 1317, fig. 2427, 
2 5 51; Fahne, J Vmvpel 1953, 1978; Banner 8357; Feldgeschrei 
6377 ($. Anm ,), 

ensaignier fr, zeigen, belehren, unterrichten 74, 354,363, 3297, 7603. 
ensamble Adv. zusammen 169, 489, 4574. 
cnsanglenter ir, mit Blut bedecken 7201. 
enseeler Ir. versiegeln, %, verschließen 7425 (ä, Anm.). 
enseigne s. ensalgne. 

enseler, ensieler 13 798; ir. satteln 2306. 10695* 

ensemant Adv, gleichfalls 1540, 9829. 

enserrer tr. einschließen 6412, 6738. 

ensevelir tr. beerdigen 6968. 

ensi $. einsi. 

ensieler s. enseler. 

eneifaitieremant Adv. in solcher Weise 11592; is(s)ifaitieremant 
dass, 11101, 11631. 
ensi vir tr * folgen 1095. 
enson Präp, oben auf 4803; vgL son P 
ensorquetout Adv, besonders 7 hauptsächlich 3954, 11158, 
entaillier tr. schneiden , prägen , meißeln 377, 1265, 5487, 
entalentö A* geneigt, begierig 9536. 11815* 
en tarn er tr. anschneiden, verletzen 16300* 

entendre Pr. 1 . entant 1525, 3. entant 8183; Imper. 2, enten 
244, entant 3848; tr. hören 134, 1134; erwarten, vermuten 
10 786; faire + P. 1. weismachen 234; inir, bedacht sein auf 
9638; P. 1. — A. verständig 180, 10 767. 
entention Sf. Absicht 660. 

enter oier, enter einer tr. erkennen 3626, 3708, 12585, 17673* 
enterin A. aufrichtig , wahrhaft 10483* 
enter(r)er tr. beerdigen 486, 3129, 9901, 

enteser tr. hochheben } schwingen (Waffe, um zu schlagen) 3264, 
9550, 9758* 

entier, entir 5503; A. ganz 1058, 5237; heil, unversehrt 2640, 
entour, entor Präp . um — herum 270, 2757, 3522. 
entracoler rfl. sieh gegenseitig umhalsen 17 861, 18562. 
ent raeorder rfl. sich untereinander verständigen 14198. 
entraidier rfl. sich gegenseitig helfen 17 947. 
















Glossar. 


421 


entrait Sm. Verband flauf Wunden) 3922* 
entramer Pr. 6. entraimment 9594; rfL einander lieben, 
entre, entr' 1891; Präg, zwischen 45G; unter 767; ^ — et so¬ 
wohl — als auch 1086, 5379. 
entrebaisier rfL einander küssen 2325, 7906. 
ent re de ns Adv. dazwischen 6570. 
entree Sf. Eingang 8982, 13645* 
entreferir rfl. auf einander loshauen 9501. 
entrelmrter rfl. sieh gegenseitig anrmnen , stoßen 9498. 
entrelaissier tr. unterlassen 5579. 
entremeller rfl, handgemein werden 9801. 
entrencontrer rfl. aufeinander stoßen 2128. 
entrepaiier rfl. sieh gegenseitig Schläge versetzen 6272. 
entreprendre J\ 2 . entrepris in Not 2515, 2519, in Verlegen- 
heit 3771, 

entrer Fut L enterrai 4020, 5. enterres 8849; mir. eintreten, 
eindringm 1114, 1552, 3269. 

entresatnbler rfl. einander gleichen 17524, 17 662. 
eutreslaissier rfl. aufeinander losjagen y — rasen 9491. 
entreßloügier rfl. sich voneinander entfernen 9383, 17191, 
entrevenir rfl, aufeinander losgehen 9428. 
entronblier tr, eine Zeiitang vergessen 7413, 8259. 
enväir tr, angreifen 4520, 14291. 

envers 1 . Prdp. gegen über 943, 2207; auf — zu, auf 5877; gii 
envers gegen 8719 (s. Anm.)\ 2. A. auf dem Rücken, rück¬ 
lings, auf dem Rücken liegend 2131, 4084, 4935, 5265. 
envers er tr. niederwerfen 2107, 3019, 
envigourer rfl, sich ermannen, aufraffen 9812. 
environ Präp. um — herum 6418, 

envis Adv. ungern 1841, 3891; a ^ schwierig, mühsam 2778, 
envoiier tr. schicken 390, 901, 

envoisier rfl . u, mir. Kurzweil treiben 1048, 12 362 (s. Anmß. 

envoleper tr. einwickeln, umhüllen 11544. 

er- s. auch her. 

erite s. liiretö. 

err- s. auch esr«, 

erranment Adv. schnell, eilig 15896, 17628, 
ersoir Adv , gestern abend 1148, 5399, 
es Adv. seht da 414, 679, 2325. 
esbahir tr. erschrecken 4389, 4415. 

esbanoier, asbanoiler 6550 (s. Awnintr. u, rfl * sich ver¬ 
gnügen, unterhalten 96, 3516, 6613, 18 721. 
esbatre rfl. sich unterhalten, ergötzen 10987, 11 779. 

















422 


Glossar. 


eabaudir tr. beleben , erheitern 12097, 15171; intr. sieh beleben, 
fröhlich werden 3790, 5507. 
escalete Sf. kleine Glocke , Schelle 4854 (s. Anm,). 
eBcange Sw. Veränderung, Austausch, Wechsel 6164. 
escaper, eschaper 4169; intr. u. rfl. entfliehen, entkommen 80l f 
2878, 2959, 3030; mit dem Leben davonkommen 9890. 
escarlate Sf. ein Stoff von guter Qualität mit wechselnder Farbe 
18703. 

escarnir tr. zum besten haben, verspotten 4467, 4487. 
escartcler, eaquarteler 9548, 9640; tr. in Stücke schlagen, 
zerbrechen 9526. 

eacauder tr. verbrennen, verbrühen 5561. 
escaufer tr. erhitzen 1446. 

escerveler tr. des Gehirns berauben, töten 13641. 
escharboucle Sm. Karfunkelstein 4998. 
eschaveler tr., P. 2. mit aufgelöstem Haar 8501. 
eschavi, cscavi 12291; esclievi 2247, 8208; A. schlank 146, 
3911. 

esche Sf. Zunder 3916. 
oschee Sm. Beute 13482, 

escherir tr. xuteilen, bestimmen, zuteil werden lassen , ausein¬ 
andersetzen 728 (s. j4nm.), 11388. 
eseherpe Sf. Pilgertasehe 5304, 6716. 
eschSs, eskes 5726; Sm. PL Schach 6549, 12414. 
eschevi s. eschavi. 
esc hi eie Sf. Leiter 10524. 

eschiver, eskiver 856; tr. vermeiden, fliehen, entkommen 4149. 
esc i ent, esciant Sm. Verstand, Einsicht 11148; mien <v 1930, 
2673, meines Wissens, nach meiner Meinung; par le mien 
dass. 2709, 4059; par le mien esciante dass. 12304. 
escil, essil 11040 Sm. Zerstörung, Vernichtung 2570, 5751; 
Verbannung 11482. 

escillier tr. vernichten, töten, zugrunde richten 2198, 6491, 9973; 
verbannen 11734. 

esclairier, esclarier 713; intr. u. rfl. hell werden, anbrechen 
(aube) 375, 1245, 2867; Inf. = Sm, 6104. 
eselaicir intr. hell werden, anbrechen (jour) 857. 
esclavine Sf. Gewand nach slavischem Schnitt, Pilgermantel 3474, 
3509, 5304. 

escliee Sf. Splitter 9499. 

esclot PL esclos 406; 6’»*. Spur, Fährte. 

eselu.se Sf. Schleuse, Wehr 6585, 6595. 

escoillir = Pr. 3, esquelt 4279; rfl. sich auf den Weg machen. 
escole Sf, Schule 2489. 














Glossar* 


423 


escondire Pr. 5* escondites 12276; tr . remeijem; P. 2. ^ Sm. 
Weigerung 12519. 

esoondre rß. sich verbergen Perf. 2. eseons, Acc, eacon 18093 
untergegangen (von der Sonne) 4793, 4799, 4805; a — im 
Verborgenen, heimlich 677; Sm. versteckt liegender Ort 18093, 
esconser intr . untergehm {Sonne) 9421, 10521, 
escorchier #r. (die abziehm 358, 3943, 4730; fig. um¬ 

bringen 1262* 

escoure Pr . 3, eskeut 3179; Pf, 3 r eseoust 3780; tr.u.rfl. schütteln. 
escouter tr. u. mir. anhören, zuhören 16, 310. 
e&oremie Sf. Feefitkunst 3295. 
e & c r I e e Sf. Geschrei; fai re ^ ausrufen 18211, 
escrier tr. anrufen, herausfordern 18 339, intr. u. rfl. ausrufen, 
zurufen^ schreien 465, 1078, 1117. 
escrin Sm * Schrein 1877, 2699. 

escrire Inf 6719; Pf. 3. eacrist 6734; P. 2. escrit 2443, 4428; 
tr. schreiben : P 2. N. escris 15595 = Sm. Schrift (= Bibel) ) 
Schriftstück 2552, 2559. 
escrivain Sm. Schreiber 2418, 16532. 
escu den Schild 403, 1224. 

escuier, escuiler Sm. Knappe 1184, 1188, 7710, 10144. 
escuireul N. escuireus 4033 Sm. Eichhörnchen. 
escumer intr . schäumen 18044. 
esforcemant Sm. Heeresmacht 8449. 
esforciemant Adv. kräftig, heftig, eifrig 11512. 
esforcier, esforchjer tr. verstärken , befestigen 8687, 10506; 
kräftigen, stärken 11563; bezwingen, überwältigen 11979; mir, 
sich verstärken, größer werden 11137, 
esfreer, esfraer 792; effreer 226; Pr. 3, esfroie 11698; Konj. 
Pr. 3. esfroie 11604 (s. im); tr. u. rß. erschrecken 763, 807, 
1723. 

esfroi Sm , Furcht, Schrecken 12994, 14136. 
esgarder tr. anschauen 1425, 1662; intr. Zusehen , aufpassen 2915, 
es garer P. 2. vereinsamt, verlassen 11944; betrübt , niedergeschla¬ 
gen, beunruhigt 593, 4016, 4176. 
esgratioer tr. zerkratzen 18880. 

esjoir tr. u . rfl , erfreuen 168, 731, 3750, 3787, ermuntern, auf* 
heitern 2456, 
eskßs ä. escMs. 
eskiper s. esquiper. 
eskiver s. eschiver, 

eslais, esles 4936; Sm. Sprung, Lauf Anritt 1910, 15108. 
eslaissier intr. losrasen 6064; P. 2. im Galopp, mit verhängtem 
Zügel 6354, 17408. 













424 


Glossar, 


eslargir intr. sich ausdehmn, sich ausbreiten 3158, 
esleechier tr. erheitern , erfreuen 10 964, 
esl5s s. eslais, 

eslever rfl. sich erheben, auf richten fig. 3591, 
esligier tr, amlosm, kaufen 3413, 9253, 

eslire P. 2. eslöu 18632; tr. wählen; P, 2. = .4. ausertvählf aus¬ 
gezeichnet 398. 

es 1 ongier, eeloignier 1Ö 7 8 9; tr, entfernen, fortschleudern 1815; 

sich entfernen von 2661, 2860, 2875; verlängern 11514, 
esmaiance Sf Furcht 333. 

esmaiier intr * u. r/l sich fürchten 528, 765, 9683, 

esmarir tr. betrüben 2505, 45 L2. 

esmer tr. schätzen 14678, 14 724, 

esraeraude Sf Smaragd 15 866. 

esmerer tr, läutern 7514, 8846, 

asmeril Acc. esmeri 5348; Sm. Zwerg-, Lerchenfalke ($. Anm. zu 
v. 1668). 

esmerillon 8m, Zwerg-, Lerchenfalke 5400 ($. Anm , zu i\ 1668). 
esmerveillier rfl. sich wundern 2368, 3783. 
esmi'er, esmiier tr, in Stücke hauen 4282, 9617; intr, zerbrechen 
6603, 9597, 
esmolu A. scharf 402. 

esmovoir Pr. 6. esmuevent 10 567; P. 2 . esmeu 386; tr. auf- 
scheuchen 386; in Bewegung } Erregung bringen 17 465; be¬ 
wegen , beginnen 18 628; rfl außrechen 10567, 
espanir intr , auf blühen 143, 

aspaindre, Imperf 3. espaingnoit 2659 (s, Anm.); Nebenform zu 
empaindre s. d. 
espanois Ä. spanisch 3872. 

espandre tr., intr. u. rfl ausbreiten 1167, 6597, 9506, 18387, 

espargnemant Sm, Schonung 8457. 

espargnier tr. schonen 3418, 6169, 

espauie, espaulle 8210; Sf Schulter 468, 1314, 

espaverir intr , erschrecken 14289, 

espee Sf Schwert 377, 1067, 

esperdu A. bange f verstört 399, 1214, 5048, 12059. 
esperer ir. hoffen 3588, 

esperir rfl. wieder zu sich kommen f erwachen 4527, 
esperifeal A, geistlich, himmlisch 18 262, 
e sperrte 1 N. esperites, A. geistlich, himmlisch 2030, 2973, 
esperon Sm. Sporn 464, 1124; a spornstreichs, eilig 559; vgl 
coite, 

esperon er intr. spornen 2960; reiten 948. 

esperonnee Sf das Spornen, die Eile, Geschwindigkeit 13 234,15055. 









Glossar. 


425 


espervier Sm. Sperber 4677. 

espes Ä . dickt 11520. 

espesse Sf Gewürz, Spezerei 9923. 

espi Sm. Nebenform zu espieu, 5340 {$. Anm.) 7 s. espiel* 

espie Sm. Späher, Spion 5291, 

espiel, espie 1908, 2158; PL espieus 2070, 4447; Sm. Spieß 
880, 2102, 14469, 16270, 

esplier tr, erspähen 235; 351,14226; mir. spähen, spionieren 11992, 
espine Sf. Dorn(strauch) 132L 
espir Sm, Geist 16054, 19110. 
esploit Sm. Eifer , Eile 12984. 

esploitier intr. schnell handeln 2898; handeln 2188; eilen 3511; 
mit Erfolg handeln 6532; bien ^ erfolgreich handeln 4247; 
richement ^ dass. 6392, 
e s p 1 o u r6 Ä. verweint 15 777. 
eepöenter tr, erschrecken 815, 1966. 
espoi Sm. Bratspieß 3944 [s. Anm.). 
espoi r Adv . vermutlich 9737* 

espouser ir. heiraten 503, 1021; P. 3. — Sm. Gemahl 12242; 

fern. = Gemahlin 12 447* 
esprendre Pf. 6 . esprisent 1934; ir. anzünden. 
esprover, esprouver tr . erproben 2002, 2945, 9545. 
es purgier tr. reinigen 19122, 
esquarteler s. esearteler. 

esqniper, eskiper 17 605; rfi. sich e inschiffen, ah fahren 11615 , 
16 340, 

esracier, esrachier tr.emsreißen 3250, 5232, 6609; entreißen 8882* 
esragier intr. toll werden 1271, 3437. 
esranmant Adv. eilig, schnell 8451* 

esremant, erremant 17 784 Sm. Verhalten, Zustand, Lage 15404, 
15421. 

esrer, e r rer 2451; Pr. 3. oirre 2857, ff* oirrent 11512; intr. 
gehen, reisen 2459, 3693, 4792; reiten 5949; handeln 4247, 
7538; P. /* esrant 912, 1162; errant 9303 — eilig; Inf — Sm. 
Meise 13081, 

essaier, assaier 3831; ir. u. rfl, versuchen, erproben 1970, 6262, 
10141, 12920. 

essaucier, essaoohier tr. erhöhen 1100, 2155, 17999; aufziehen 
12573. 

essiaver intr * her aus fließen 2603 (5. Anm.). 
essil s. escil. 

essoine Sf gerichtliche Entschuldigung 11239; Schwierigkeit, 
Gefahr 12 830; (Not)lage 14105* 

essüer tr . u. rfi. ablrocknen 3617, 3831, 6262, 10141, 12920. 










426 


Glossar. 














est Adv. siehe da! 2837. 

estable Sf Stall 1813, 12823. 

establer Ir. in dm Stall bringen, einstallen 13 712. 

establir ir. bestimmen, einrichten 613, 17959; auf steilen 1874; 

errichten , schaffen 4144. 
estache Sf. Pfahl' 15640. 
estacliier ir. befestigen, einrammen 15640. 
es tage Sm. Stock werk 7013, 15815. 
estaindre P. 2. estaint 8068 tr. löschen, 

estal Sm. A. PL estaus 12 805, Gerüst, Bühne (für Jongleurs)-, estre 
a estal sich auf stellen 18255. 
est 6 Sm. Sommer 1901, 5598. 
est6 Sm. aufrechte Stellung 3244 (s. Anm.). 
estendre tr. hinstrecken 420, 1491; ausstreeken 3600. 
ester Pf. 3. estut 8224, 6. esturent 4898; intr. u. rfl. stehen 
1132, 1377; sich Umstellen 1333, 5266; sein, liegen 2377, 
3119; sieben bleiben 2564; Ger. = Sm, aufrechte Stellung 2868, 
2972; laire laiseier «v in Ruhe lassen, etwas bleiben lassen 
4132, 4175, 6948. 

esterlinc PL esterlins 12697, Sm. Sterling 10478. 
estoile Sf. Stern 4248 (s. Anm.), 4331. 

estordre Fut. 3. estordera 17404; tr. herausdrehen, ziehen 17401; 

Inf. — Sm. dass. 9608; intr. entkommen 4499, 5036. 
estore, estoire 15816; Sf. Geschichte 9,13, 12649; Piotfel5 782. 
estorer tr. schaffen 1279, 4097. 
estouner tr. betäuben 13 594. 

es tour, estor Sm. Kampf, Gewühl 312, 1189, 2185, 2545. 
estourdir, estor dir tr. betäuben 2783, 11047. 
estouxmir, estormir tr. alarmieren, sammeln 9030, 15981; rfl, 
sich in Bewegung setzen 9671. 

cstovoir Pr. 3. estuet 364, 766; Pf 3. estut 5805; Konj. Pr. 3. 

estueco 1457; intr. unpers. nötig sein, müssen. 
cstraction, estraission 13461; Sf, Herkunft, Art 10911. 
estraiier A. umherirren, verlassen 1292, 16274. 
estraindre P 2, fern, estiaiate 1244; tr. binden, schnüren 3184, 
7234, 

estraire P. 2. estrait 24, 1477, 9977, 17 760, N. estrais 5843; 

estre + P. 2. - entstammt sein, stammen von. 

estränge A. fremd 855, 1381. 

eetrangler, estranller 3205, 6886; tr. erdrosseln 1708, 13596. 
estre Sm. PL Räumlichkeiten 2837. 

estre Präp. über hinaus , ungerechnet 11322,15073; wider,gegen 7082. 
estre Inf. 3.; Pr. I. sui 367, 2. es 177, iös 2538, 2694, 3. est 5, 
4. sommes 1134, 5. estes 317, iestes 592, 6. sont 39; Imperf 








Glossar. 


427 


L er© 502, iere 8384, 3. ert 273, estoit 139, 4 . estiemes 2653, 
estiiens 7793, estions 9538, 5 . estiies 3820, 6, estoient 270, 
erent 8641; Fut. I. eerai 1506, estrai 14805, ere 4566, iere 
12 278, 2. ieres 18 301, 3, ert 20, 368, 8631, sera 202, 
5, esteres 423, serös 596, serrös 4875, 6 . seront 315; Kond. 
3. seroit 213, estroit 4259, 4 . seriiens 869, serienies 7192; 
Pf. t fui 804, 806, 2 . fus 245, 3, fu 6 , 322, 4 . fumes 1153, 
5, fustes 499, 6 , furent 307; Konj. Pr . 1. soie 947; 2 . soies 
628, 3, eoit 18, 694, 4 . soions 7897, s-oiou 10926, fi. soient 
219; Konj. Imperf 1 . fuisse 152, fusse 3189, 2 , fuisses 3754, 
3. fust 359, 604, 4. fuissons 4257, fuissiens 13339, 5, fuissißa 
844, ff. fuissent 635; Jiwper. 2, soies 182, 4. soions 4981, 
5. soiiös 399, soi 6 s 417; P\ 2. este 67, 1226; Hülfs- 
verb sein; + de u. Inf — Herkommen von 2354 (s, Anm ,); 
estre + rein . Jn/", — estre ale 6998 ( 5 * Anm,); Inf = Sw, 
TFiwterc, 1802, 1826, 12268. 
estree Sf Straße 584, 1286, 
es tri er Sm. Steigbügel 1904, 2165. 

estrif Aoc, estri, PL estris; Sm. Streit, Kampf 11037, 13190; 

Heftigkeit, Lärm 3781. 

©s tri ne Sf Gabe , Geschenk 1920. 
eströer tr. durchlöchern 15202. 

estroit A. eng, fest 383, 1256, 2979; Adv. estroitement 12 753. 
eslrumant Sm. Steuermann 15811 (s. Anm ), 
esveillier, esvillier 11698; tr, wecken 773, 3385; rfL auf- 
wachen 2515. 

esvertuer rß , sich anstrengen 3174. 

et Konj, und 11,15, 17; und zwar 7144; et — et sowohl als auch 
23, 480. 
eue s, iaue. 

Sur Sm ., au mal <v %um Unglück, keineswegs 1420. 
eure s. heure. 
eus s, il u, oeiL 

evesque Sm, Bischof 1057, 7429. 
example Sf Beispiel, Mitteilung 12298. 

Face Sf Gesicht 9785, 17288. 
fagon Sf Antlitz 4821, 17508. 

faer tr, mit übernatürlichen Gaben versehen , feien 4038- 
faide Sf, Fehde, Krieg 5947. 

faillanee Sf Fehler , Mangel, sans o* unbestreitbar } unumstößlich 
1348. 

faillir Inf 4591, falir 1432; Pr, 3, laut 8339, 5. faläs 9140; 
Fut, 7. faudrai 4550, 3, faurra 298, faura 17125, 4 , faurromes 













428 


Glossar. 


4378, fanrrou 548; Kond 1. faurroie 4145; tr. im Stich lassen 
9094; inte, fehlen 298; auf hören , %u Ende- gehen 4720, 12103, 
191 IG; eine Fehlbitte tun 8281; estre failli im Stich lassen, 
treulos werden 2088; (a) poi s J en faut wenig fehlt daran 2919, 
3022; P. 2. = A. feige 5335, 10980* 
faim, fain 3443, 18975; N ' fains 3931; Sf. Hunger 3924* 
fain L Sm. Heu 1830, 3319; 2 * Sf s, faim. 
faintifi Sf Falschheit, Verstellung 345* 
fairitise Sf* Falschheit, Verstellung 374, 

faire Inf 610, fere 1752; Fr. L fas 250, 311, 2 * fais 199, 
3. fait 04, 4 * faisoDS 11151, faisomnies 13117, 5 * faites 1744, 
G, font 102; Imperf 3 * faisoit 129, 6’* faisoient 12159; Ruf* 1. 
ferai 159, fere 11231, 3. fern 980, 4. feron 261, ferons 699, 
5 * feres 031, 6\ feront 2986; Kond. L feroie 222, 2. feroies 
9310, 3. feroit 191, 4 * feriens 1016; Pf 1. fls 1740, 2. fesis 
418, föis 3835, 3. fist 41, 74, 5, fesist.es 665, 828, feistes 5434, 
6. firent 400, fisent 6127; Konj. Fr. 1. face 619, 2. faces 2552, 
3. face 340, 4. fagou 5904, 12 955, 5. facies 6078, 6. facent 
3680; Konj. Imperf L fesisse 514, feisse 520, 2. feisses 2546, 
3. fesist 2769, 5. feissies 1384, 6* feissent 3066; Imper* 2. 
fai 197, 252, 4. faisons 4866, 5* fait es 43, fetes 12 667; 
P. 2. fait 238, FL fais 913, fern, faite 46; tr. tun ? machen 187; 
aus führen 188; lassen 752; äußern 1022, 1763, vgl. samblant; 
= dire 860, 1231; intr. handeln 966; = sein 74, 1090, 2487; 
^ a + Inf = es ist nötig 7 74, 797; ^ + Inf. = verh. fin. 792, 
1446, 2287; ^ = verb. vicar. 1329, 1440, 2942, 9825; P. 2. 
= Sm* Tat 15594, = A. bien fait wohlgestaltet > schön 18496. 
fais Sm. Last 4218, 4220* 
falir s. failli r, 
fam(m)e s. feine, 

faucon Sm. Falke 1668 (s, Anm .), 3003* 
fandestuef Sm. Sessel 10347, 16298* 

faus fern* fansse 14 964; A. falsch, schlecht 1414; fern. = Sf 1557* 
faussart N. faussars 3301; Sm. sichelförmige Waffe 3305* 
fausser tr. fälschen 11; zerbrechen 1980, 7399; ßg. brechen 14 875; 
verleugnen 15 446; intr. fälschen , Falsches sagen 14452; rfl. 
untreu, falsch handeln 8719; Inf = Sm. Betrug, Falschheit 
6031, 13346, 

faussete Sf Falschheit 485, 6804. 

fautre Sm. (=fentre) Filz, ein Teil des Sattels 17194, 

favele Sf Hede 1807* 

feaute, fönte 7898; Sf Huldigung, Lehnseid 8594, 
fee Sf Fee 576, 1950, 

fei L A. treulos ? schurkisch 1438, 2350; 2. Sm. Schurke 9371. 



Glossar, 


429 


felon fern * felonne 35; -4. treulos ? schurkisch 556, 10 773; schlimm 
2082, 

feIon(n)ie, felounie 128; Sf. Treulosigkeit , Schurkerei 1560, 
1762, 5448. 

ferne, fame 2218; famme 12 302; Sf Frau 35, 30, 2224. 
fenclre Pr. 3 . fant 13903; tr. spalten 433, 1212. 
lenes tre Sf lenster 1819, 3198; Falle, Halseism 6413 {s. Anm ,). 
fenir s. finer. 

fer Sm. Eisen 321, 1086; PI Fesseln 2890. 
ferarmc A. eisengepanzert 13 794* 
fereis Sm. Klirren, Waffenlärm 4543, 15176. 
ferine Sf Mehl 1547, 38S5* 

ferir Inf 1998; Pr. 3 . ftert 1808; Pf 2. fern 2539, 3. feri 642; 
Fut. L ferrai 6117, 3* ferra 6086* 4 , ferrons 14 216; Konj. Pr. 3. 
fiere 1281; P. 5. fern 1217; tr m schlagen, stoßen; inir . fo.s- 
6181; r/I. sich werfen } stürzen 3165, 6325; Inf = Sm. 
4482; vgL caup. 

fermement, fermemant Adv. fest 2634, 11617* 
fermer, fremer 1656, 2066; schließen, verschließen 2690, 331 7, 
3846; befestigen, festmachen 1056, 2066; rfi, sich umschließen 
mit 18986* 

fermete, fremete 13 395; Sm * Sf Festung 2145, 4034, 8691 
ferrant N. ferrans 11867; LA. eisen grau 13852; 2. Sm. der 
Graue, Alte 1157. 

fer rer lr r , P 2. (mit Eisen) beschlagen 1901; mit eiserner Spitze 
beschlagen 6716; gepflastert 2521, 3041, s. chemim 
fervestir P. 2. fervestu 2023, 2786; fervesü 5881; tr. panzern 
7784. 

feste Sf Fest 121, 1795, 10172. 

fester tr . feiern 3593, 17 909. 

festu Sm. Strohhalm 438, 11673. 

feu, fu 847, 7281; Sm, Feuer 850, 1371* 

feute s. fSau